Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Zimbabwe. Frontstaaten und Sowjetunion ebnen den Weg für Owen und Young

· Inprekorr Nr. 88, 22. Januar 1978 · S. 19-23 · 4.061 Wörter

Afrika Sowjetunion Großbritannien China

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FRONTSTAATEN und SOWJETUNION ebnen den WEG "Börsenmakler sind wieder hinter rhodesischen Aktien her" berichtet der 'London Evening Standard' am 5.Oktober, "ausgelöst in diesem Fall durch die Annahme, daß lan Smith's Gespräche mit Sambias Präsident Kaunda den Tag schneller herbeiführen würden, an dem das rhodesische Problem endlich gelöst sein wird, was eine Flut von fälligen Aktienzahlungen und lange fälligen Dividendenauszahlungen mit sich bringen wird." Nach dem Bericht dieser Zeitung liegt viel Kaufkraft brach mit 20 Millionen Pfund an ungezahlten Dividenden (eingefroren seit Smith's einseitiger Unabhängigkeitserklärung von 1965), und es stehen fällige Aktien im Wert von 47 Mio Pfund auf dem Spiel.

Von offizieller Seite ist noch nicht bekanntgegeben worden, was diskutiert wurde, als sich Smith, begleitet von seinem Au- Benminister P.K. van der Byl, dem Kabinettssekretär Jack Gaylard und dem höchsten Sicherheitsberater, Robbie' Robinson, zu einem fünfstündigen Gespräch mit Kaunda im Parlamentsgebäude in Lusaka zusammensetzte. Ohne Zweifel versuchte Kaunda Smith zu überzeugen, ernsthaft auf der Basis der letzten anglo-amerikanischen Vorschläge in die Verhandlungen einzutreten, die am 1.September anläßlich eines Besuchs von Andrew Young, dem US-Botschafter bei der UNO, und dem britischen Außenminister David Owen, in Salisbury von der britischen Regierung bekannt gemacht worden waren. Die "Frontstaaten"-Präsidenten - Julius Nyerere von Tansania, Samora Machel von Mosambik, Seretse Kama von Botswana und Kaunda von Sambia - gewährten auf einem Gipfeltreffen am 23.September in Maputo den Vorschlägen eine umfassende Unterstützung. Das Hauptziel des Owen-Young-Plans ist die Wiederherstellung der Stabilität in Zimbabwe (und damit ein Beitrag zur Verteidigung der imperialistischen Interessen im südlichen Afrika) durch Gewährleistung einer "ordentlichen Machtübertragung" von dem belagerten Kolonialistenregime aut eine neokoloniale Regierung, die von prokpaitalistischen Führer der nationalistischen Bewegung Zimbabwes gestellt werden soll.

Der Plan benennt offen die zu schützenden kapitalistischen Interessen. In der Verfassung der Mehrheitsherrschaft', die von dem Plan vorgeschlagen wird, ist der "Schutz vor der Enteignung des Privatbesitzes ein garantiertes Recht". Nach der Londoner Financial Times' vom 2.September wird dies *Schutz bieten vor Enteignung von Privatbesitz außer in besonderen Situationen, und dann auch nur unter der Bedingung, daß eine sofortige Zahlung von angemessener Entschädigung erfolgt und das die Entschädigung innerhalb eines vernünftigen Zeitraums ins Ausland überwiesen werden kann. Der Schlüssel zu dem imperialistischen Plan ist die von ihm vorgeschlagene "Ubergangsperiode"

einem Waffenstillstand und der Anerkennung von Zimbabwes formeller Unabhängigkeit. Dies ist dazu bestimmt, dem britischen Imperialismus Zeit zu geben, eine Mannschaft von schwarzen Nationalistenführern zu bilden, die in der Lage sind, Zimbabwe nach neokolonialen Gesichtspunkten zu regieren und die berechtigte Aussichten bieten, Stabilität und Ordnung aufrechtzuerhalten'. Um dieses Ziel zu erreichen, sieht der Plan vor, einen britischen "Gouverneur' während der Übergangszeit mit diktatorischen Vollmachten auszustatten. Für diese Aufgabe ist Lord Carver vorgesehen, der Chef des britischen Verteidigungsstabes 1973 - 76, der bei der Unterdrückung des Mau-Mau-Aufstandes in Kenia während der 50er Jahre eine Schlüsselrolle spielte.

Die Übergangsverfassung, die vom britischen Parlament in Kraft gesetzt werden soll, (talls der Plan durchgeführt wird) "wird ihm besondere Macht geben, bindende Anweisungen an alle Beamten und Behörden zu erteilen." Darüberhinaus soll er Oberbefehlshaber über alle Streitkräfte (einschließlich der bestehenden Guerillatruppen) und über die Polizei sein und er kann "jedes Mitglied der jeweiligen Truppe" zwingen, den "Treueid auf die Krone zu schwören sowie einen Eid, die Verfassung von Süd-Rhodesien zu unterstützen und ihre Gesetze zu befolgen.

Nach dem Plan wird eine "UNO Zimbabwe Truppe" in dem Zeit raum der direkten britischen Kolonialherrschaft ins Land kommen, um die "Unterstützung der zivilen Macht" sicherzustellen, den Waffenstillstand zu überwachen und eine neue nationale Armee Zimbabwes aufbauen zu helfen, die in angemessener Zeit alle existierenden Streitkräfte in Rhodesien ersetzen wird und die Armee des zukünftigen unabhängigen Staates von Zimbabwe sein wird." Der Zweck dieser UNO-Truppen, die unter Carvers Kommando stehen wird, ist offensichtlich. Sie soll die Tausende von bewaffneten nationalistischen Aufständischen in eine hierarchische, disziplinierte bürgerliche Armee integrieren, um die neokoloniale Lösung', die von den Imperialisten angestrebt wird, zu stützen und zu stärken. Die UNO-Truppe könnte dazu benutzt werden, alle nationalistischen Freiheitskämpfer, die sich egen die Etablierung eines neokolonialen Regimes wehren oder sich weigern, in die 'Nationale Armee Zimbabwes' absorbiert zu werden, zu entwaffnen.

Dem Plan nach würde Carver in der Lage sein, einen großen Teil des bestehenden rhodesischen Staatsapparates zu benutzen, genauso wie die UNO-Truppen, um die Massen während der Übergangsperiode unter Kontrolle zu halten. Zum einen würde die British South African Police (BSAP) des Kolonialistenregimes nicht aufgelöst werden, und nach Artikel 10(a) des Plans wird "die Hauptverantwortung für die Aufrechterhaltung von Recht und Ordnung während der Übergangsperiode bei der Polizei liegen." Außerdem werden nach Zusatz B, Artikel 11 "die Richter des Hohen Gerichtshofes und der untergeordneten Gerichte die Personen sein, die diese jeweiligen Positionen innehaben, bevor sie (die Ubergangsverfassung -J.A.) in Kraft tritt"; und nach Zusatz B, Artikel 15, "alle Personen, die ein öffentliches Amt bekleiden, unmittelbat bevor die Verfaşsung in Kraft tritt, werden dieses Amt behalten.

Schließlich heißt es in dem Plan, daß es während der Übergangsperiode einen Notstand geben wird, der sich auf die Notstandsgesetze des gegenwärtigen Regimes stützt. In Artikel 9(b) heißt es: "Asl Vorsichtsmaßnahme wird es nötig sein, eine Anzahl von Notstandsvollmachten, die augenblicklich in Süd-Rhodesien in Kraft sind, dem Gouverneur unmittelbar beim Inkrafttreten der Übergangsverfassung in die Hand zu geben, was deshalb einem Ausrufen des Notstands von diesem Zeitpunkt an gleichkommt." Der ganze Plan ist ein offener Schlag ins Gesicht des Selbstbestimmungsrechtes des Volkes von Zimbabwe. Revolutionäre Marxisten stellen sich zu allersterst gegen den Owen-Young-Plan, weil wir für das Recht des zimbabwischen Volkes eintreten, ihr eigenes Land ohne einen weiteren Tag der ausländischen Intervention zu regieren. Wir sagen, daß der britische Imperialismus kein Recht hat, einen "Gouverneur" zu bestimmen, der Zimbabwe wie ein regelrechter Diktator sehcs Monate lang regieren soll, um kapitalistische Interessen in dem Land zu verteidigen, und auch kein Recht hat, Truppen unter dem Deckmantel der UNO ins Land zu bringen, die ihm helfen sollen, seine neokolonialen Ziele zu verwirklichen. Vor allem obliegt uns die Verantwortung den Widerstand gegen die imperialistischen Versuche, den Owen-Young-Plan zur Anwendung zu bringen, zu mobilisieren.

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Seit der Veröffentlichung des Plans haben es Washington und London geschafft, sich die Unterstützung der UNO für einen ihrer wichtigsten Vorschläge zu sichern: die Einsetzung eines speziellen UN-Vertreters, der während der Übergangsperiode eng mit Carver bei der Verwaltung Zimbabwes zusammenarbeiten würde. Am 29.September nahm der UN-Sicherheitsrat eine Resolution zu diesem Punkt mit 13 zu 0 Stimmen an, wobei sich die Sowjetunion der Stimme enthielt und der chinesische Delegierte "abwesend" war. Seitdem hat Generalsekretär Kurt Waldheim für diesen Posten den Generalleutnant Pren Chand bestimmt, einen Inder, der sich seine Sporen be der Verteidigung imperialistischer Interessen in Afrika verdiente, als er als General der UN-Truppen in der Katanga-Region des Kongo (heute Zaire) 1962-63 befehligte. Die UN-Abstimmung macht deutlich, daß weder die Sowjetunion noch China vorhaben, eine klare Gegenposition zur imperialistischen Politik in Zimbabwe zu beziehen. Nach der London Times vom 30.September sagte der sowjetische Delegierte Oleg Trjanowsky, daß, obwohl er die Resolution nicht unterstützen könnte, er auch nicht durch sein Veto ihre Annahme verhindern wolle. Zwei Wochen später zeigte der Kreml erneut seine Bereitschaft, mit den imperialistischen Mächten zu kooperieren. "Großbritannien und die Sowjetunion scheinen sich gestern in ihrer Haltung zum Rhodesien- Problem näher gekommen zu sein im Anschluß eines zweitägigen Besuchs des Außenministers Dr.David Owen (in Moskau - J.A.)", schrieb der 'Guardian' am 12.0ktober. Am Ende von Owens Gesprächen mit dem sowjetischen Au- Benminister Andrej Gromyko wurde ein gemeinsames anglosowjetisches Kommunique veröffentlicht, in dem deutlich wurde, daß die Zimbabwe-Politik des Kremi eine Komponen te seiner Entspannungspolitik der Kollaboration mit dem Weltimperialismus ist. "Während der Diskussionen über internationale Fragen", ', heißt es in dem Kommunique, "sind beide Seiten übereingekommen, daß Entspannung die grundlegende Basis zur Aufrechterhaltung und Stärkung des Friedens ist und zur Entwicklung friedlicher Zusammenarbeit zwischen Staaten ungeachtet ihrer politischen, ökonomischen und sozialen Systeme."

Indem sich China nicht an der Abstimmung der Sicherheits ratsdebatte beteiligte, hat es ebenfalls London und washing. ton zu verstehen gegeben, daß es keinen prinzipiellen Kamp! gegen den Owen-Young-Plan aufnehmen wird Tatsächlich begünstigt keiner dieser Arbeiterstaaten eine sozialistische Revolution in Zimbabwe. Sie haben dies die Jahre hindurch gezeigt, indem sie die eine oder die andere der pro Strömungen um nationalen Befreiungskampf, wie der "Ver.. einigte Afrikanische Nationalrat' (UANC) und die Fraktion der ZANU, die von Ndabaningi Sithole geführt wird. Entgegen den Bemühungen des Kreml und der Frontstaaten propagieren die Trotzkisten die Bildung einer anti-imperialistischen Einheitsfront.die die vier Hauptorganisationen, die die Unterstüt zung der Massen besitzen, umfassen soll, um das Volk Zimbab. wes in einem umfassenden Kampf zum Sturz des Siedlerregimes zu mobilisieren, eine direkte imperialistische Militärintervention zu verhindern und die hationale Befreiung zu erreichen. Ähnlich der Sowjetunion und China spielten die neokolonialen afrikanischen Regime bei der Ebnung des Weges für Owen und Young bei den Vereinten Nationen am 29.September eine Schlüsselrolle. Wenn sie auch eine abweichende Haltung zu verschiedenen Details des anglo-amerikanischen Lösungsvorschlags ausdrückten, hatten die Präsidenten der Frontstaaten doch vor der entscheidenden UN-Versammlung ihre volle Unterstützung für die diplomatische Offensive der Imperialisten zum Ausdruck Bereits sind, ihren Einflus geltend zu machen, um die Übertra Die Westmächte haben jetzt deutlich gezeigt, daß sie gung der Macht auf die Mehrheit des Volkes im südlichen Afrika herbeizuführen, " äußerte Nyerere am 2.September, einen Tag nach der Veröffentlichung des Owen-Young-Plans. Eine Anzahl von Initiativen mit diesem Ziel sind ergriffen worden. Tansania begrüßt diese Initiativen." Diese Haltung ist von den Frontstaaten-Präsidenten auf ihrem Gipfeltreffen vom 23.9. bestätigt worden. Nach der Konferenz sagte Nyerere, der Vorsitzender der Frontstaaten-Gruppe ist, daß die Owen-Young- Vorschläge "eine ausreichende Basis bilden für weitere Verhandlungen zwischen den betroffenen Parteien." Dies gab Owen grünes Licht für seinen Gang zur UNO, ohne eine Opposition gegen diese Resolution von seiten der afrikanischen Delegierten befürchten zu müssen.

Die neokolonialen afrikanischen Staaten benötigen dringend einen schnellen Übergang zu neokolonialen Formen der Herrschaft in Simbabwe. Der sich spiralförmig ausweitende Konflikt - ein Ergebnis der (bisher) nicht verhandlungsbereiten, sturen Weige rung des Siedlerregimes, die enormen gesellschaftlichen Privile gien der Weißen den Gefahren eines schwarzen, wenn auch kapitalistischen Regimes auszusetzen - drohte einen revolutio. nären Charakter anzunehmen, was eine schwerwiegende Gefahr für die schwachen bürgerlichen Regime der Frontstaaten darstellen würde, die durch die Weltwirtschaftskrise schwer getroffen sind und einer zunehmend unruhigen Bevölkerung in ihren Ländern gegenüberstehen.

Dies ist der Grund, weshalb die Frontstaaten nicht gezögert ha- • kapitalistischen kleinbürgerlichen Führungen der nationalisti schen Bewegungen Zimbabwes politisch unterstützt haben. Moskau hat seit vielen Jahren Joshua Nkomo unterstützt, den Führer der "Afrikanischen Volksunion von Zimbabwe' (ZAPU), und unterstützt jetzt die Patriotische Front, einen Block aus ZAPU und einer Fraktion der Afrikanischen Nationalunion von Zimbabwe (ZANU), die von Robert Mugabe geführt wird. Gleichzeitig hofft der Kreml, seine diplomatischen Beziehungen mit den bürgerlichen Regimen des neokolonialen Afrikas zu verbessern (ein Hauptanliegen von Ex-Präsident Nikolai Podgorny's Staatsbesuchen in Tansania, Sambia und Mosambik im letzten März) und er will auch den Grundstein für günstige diplomatische Beziehungen mit einem zukünftigen • schwarzen bürgerlichen Regime in Zimbabwe legen, indem er den Nationalisten Zimbabwes eine begrenzte Militärhilfe gegen das Regime in Salisbury gewährt (2).

Darüberhinaus hat die Sowjetunion wie die Frontstaaten' versucht, eine tiefgreifende Mobilisierung der Massen Zimbabwes zu verhindern, indem sie Parteigeist zwischen den kleinbürgerlichen Führern entfacht haben, und, wie die Frontstaaten, hat sich die Sowjetunion geweigert, den Freiheitskämpfern von Zimbabwe bedingungslose Hilfe zu gewähren. Stattdessen hat sie für die militärische Unterstützung die Patriotische Front ausgewählt, unter Ausschluß der anderen ben, zeitweise direkte Repressionen gegen die Teile der Befreiungsbewegungen Simbabwes anzuwenden, die sich geweigert haben, sich ihren Weisungen zu beugen. Letzten Januar z.B. sind ca.85 Führer und Freiheitskämpfer des ZANU-Flügels der Volksarmee Simbabwes (ZIPA), dem militärischen Arm der Patrioti (Mosambik) festgenommen worden und werden bis heute ohne schen Front, während und nach einer ZIPA-Konferenz in Beira Anklage oder Gerichtsverfahren in Haft gehalten. Unter den Verhafteten sind Elias Hondo, der militärische Führer der ZIPA und deren stellv.politischer Kommissar, Dzinashe Mashingura. (3) Die Frontstaaten haben versucht, den Guerilla-Kampf unter straffer Kontrolle zu halten (um dessen Einfrierung zu erleichtern, sobald das Siedlerregime Bereitschaft zeigt, seine Zustimmung zur neokolonialen Lösung zu geben), indem sie eine strikte Kontrolle über Guerillalager, Ausbildung, Finanzierung und Waffenvorräte ausüben.

Darüber hinaus haben sie direkt in die nationalistische Bewegung eingegriffen, um Führer für das zukünftige neokoloniale Regime auszuwählen, das sie gern etabliert sehen möchten. Seite Ende 1975 haben sie nur die Führer der ZAPU und der Mugabe-Fraktion der ZANU unterstützt, und haben sich geweigert, deren Rivalen, Bischof Abel Muzorewa vom UANC und Ndabaningi Sithole militärische oder politische Unterstützung zu gewähren. Die Frontstaaten entschieden sich für die Patriotische Front, ei-

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-21gewiesen ist, und die mit einem Sieg bei allgemeinen Wahlen Bevölkerungsdichte und -verteilung in den "African und rechnet, hat nichts zu verlieren, aber alles zu gewinnen, wenn sie European Areas". (schematische Darstellung) wes identifiziert: "Ein Mann, eine Stimme." Die Forderung sich weiterhin mit der traditionellen Parole der Massen Zimbabnach einem allgemeinen Wahlrecht ist jedoch für die Patriotische Front ein Problem, deren Führer wahrscheinlich erkennen, daß _* sie eine Wahl möglicherweise nicht gewinnen würden. Die Frontstaaten sind ebenfalls nicht an Wahlen interessiert, oder besser, sie befürworten nur die von Einparteiensystemen eingeführte Wahlfarce und sie fürchten die Reaktionen ihrer eigenen Bevölkerung auf das Beispiel von Mehrparteienwahlen (sogar die der bürgerlich-demokratischen Variante), wenn sie in Simbabwe durchgfeührt werden sollten.

Die kriminellste Konsequenz der einseitigen Unterstützung der Patriotischen Front durch die Frontstaaten ist die Intensivierung und Vertiefung der Spaltung innerhalb der nationalistischen Be- Imtali wegung. Die Unterstützung des fraktionellen Vorgehens von Nkomo und Mugabe verhindert die Bildung. einer Einheitsfront gegen die Siedler-Diktatur und den Imperialismus. Die Sozialisten in den Frontstaaten haben von daher die Pflicht, zu fordern, daß allen Tendenzen innerhalb der nationalen Befreiungsbewegung das Recht auf Organisierung gewährt werden muß - kurz gesagt, sie müssen fordern, daß der Befreiungskampf in Simbabwe bedingungslos unterstützt wird.

Die Fraktionskämpfe, die in der nationalistischen Bewegung Simbabwes jetzt überhand nehmen, und die das Ergebnis des "Africar Machthungers der kleinbürgerlichen Führer der rivalisierenden reas" Parteien sind, ist im Moment einer der gravierendsten Schwächefaktoren der Bewegung. "Der offene Gegensatz zwischen den 11 - •20 rivalisierenden schwarzen rhodesischen Führern ist jetzt Smiths stärkste Karte, und er wird sie voll ausspielen, ," schrieb am 1. 21 - 40 000 Oktober "The Economist", Großbritanniens bedeutendste kapi- Europäer talistische Wochenzeitung.

41 - 60 ländliche • Zentren

Afrikaner Sogar die Patriotische Front ist wenig mehr als ein wacke- "European Areas" liges Bündnis, geschlossen, um Muzorewa und Sithole aus- Pkt.= 1 000 Afrikaner zustechen. Mehr als ein Jahr nach Gründung der Front haben die 2 Gruppen,aus denen sie sich zusammensetzt, es ne Entscheidung, die von ihren Präsidenten auf einem Gipfel- treffen in Lusaka am 8./9.Januar 1977 getroffen wurde, um die nicht erreicht, trotz wiederholter Verhandlungen ihre Ar- meen im Feld zu vereinigen. ZANU (Mugabe)-Guerilleros nationale Befreiungsbewegung Simbabwes zu schwächen durch sind Mitglieder der Nationalen Befreiungsarmee von Zimdie Unterstützung und Verstärkung der fraktionellen Spaltungen babwe (ZANLA), während die ZAPU-Guerilleros in der Durch Förderung der fraktionellen Ziele Nkomos und Mugabes Revolutionären Volksarmee von Zimbabwe (ZRPA) or- (deren politische Programme in grundlegenden Fragen den Pro- ganisiert sind. Die ZIPA, die vor zwei Jahren gegründet grammen Muzorewas und Sitholes ähnlich sind) hofften sie die wurde, um die militärischen Flügel der beiden Gruppen zu Spaltung in der nationalistischen Bewegung zu vertiefen, Ver- vereinigen, wurde niemals eine einheitliche Armee, und es wirrung und Demoralosierung zu stiften und die ganze Bewe- gab sogar Berichte von kleineren militärischen Zusammengung zu schwächen. stößen zwischen ZANLA und ZRPA-Kämpfern in Trainingslagern in Tansania.

Zu gleicher Zeit rechneten sie sich eine größere Loyalität der Die reale Möglichkeit eines formalen Bruchs innerhalb der von ihnen begünstigten Fraktionen aus, die ihren steigenden Ein- Patriotischen Front wurde am 2.Oktober deutlich, nur ein fluß den Frontstaaten verdanken. Dies ist von besonderer Bedeu Tag nach dem Bekanntwerden des geheimen Smith-Kauntung, wenn man bedenkt, daß die Patriotische Front in dem da-Gipfeltreffens. Mugabe gab sein Vorhaben auf, in Lusa- UANC, der nationalistischen Partei Simbabwes mit der breites- ka an einer Versammlung des zehnköpfigen Koordinations ten Unterstützung, einen gewaltigen Gegner hat. Komitees der Front' teilzunehmen, das einberufen wor- Tatsächlich war gerade die Schwäche der ZAPU und Mugabes den war um über die Vereinigung von ZAPU und Mugabes ZANU gegenüber dem UANC zweifellos eine der Hauptfaktoren ZANU in einer gemeinsamen politischen Partei zu diskufür die Unterstützung durch die Frontstaaten. Ein anderer Ge- tieren. Die Gespräche wurden vom 2. auf den 15.Oktober sichtspunkt mag der relativ monolithische Charakter der Nkomo verschoben, dann auf den 18. und schließlich auf einen gruppe sein. Im Gegensatz zu ihren im allgemeinen locker organisierten und heterogenen Rivalen (besonders dem UANC) ist die ZAPU bekannt für ihre bürokratisch beherrschte innere Dis- Mugabe war verärgert, daß er nicht vorher über das Smithziplin, die den Frontstaaten geeigneter erscheinen mag, jene Kaunda-Treffen informiert worden war, und er war beun- Maßnahmen zu kontrollieren, die notwendig werden können, ruhigt durch den Gedanken,, daß - trotz eines Dementis wenn die kapitalistische Stabilität aufrechterhalten werden muß, seitens Lusakas - Nkomo (der zu dieser Zeit in Lusaka war während des risikoreichen Übergangs zur Mehrheitsherrschaft." an dem Treffen beteiligt war. "Ich bin dabei, mehr Informationen zu sammeln, " sagte Mugabe am 19.Oktober in Eine andere Überlegung der Frontstaaten ergibt sich vielleicht - Lusaka. "Ich halte nicht notwendigerweise das, was mir eraus den unterschiedlichen Standpunkten, die die verschiedenen zählt wurde, für die Wahrheit." Ausdrücklich fügte er hin- Fraktionen zu dem hochexplosiven Thema von freien Wahlen zu: "Bezüglich der Teilnahme einer der die '"Front' bildeneinnehmen. Der UANC, eine Bewegung, die in ihrem fraktionel- den Gruppen (an dem Gipfeltreffen) gibt es keinen Belen Vorankommen auf einen direkten Appell an die Massen an- weis für das Gegenteil." Mugabe gab zu, daß dies Mißtrau-

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en zwischen die beiden Parteien der 'Front' gesät hätte. •Ja, unsere Anhänger sind sehr besorgt." ZANU-Mitglieder wir selbst, sagte er, ob ihre Partner "so aufrichtig sind Das war das erste Mal, daß einer der beiden Führer der 'Front' öffentlich seine Befürchtungen über die Zukunft des Bündnisses ausgedrückt hat. Ohne Zweifel erinnerten seine Befürchtungen über Nkomos Beteiligung am Smith- Kaunda-Gipfel ihn daran - ebenso wie die Entscheidung der Frontstaaten, ihn nicht über dies Ereignis zu informieren - daß auch er von den Frontstaaten fallengelassen werden kann, wie vor ihm Muzorewa und Sithole, ganz zu schweigen von den weniger bedeutenden Figuren wie Hondo und Machingura.

Die offizielle Antwort Sambias auf Mugabes Bemerkungen war hart: "Das Volk von Sambia hat genug von diesen angeblichen Freiheitskämpfern und wir sind nicht bereit, noch mehr Unsinn von ihnen hinzunehmen," sagte Regierungssprecher Fenwick Chifunda am 21.Oktober. einzige Weg, das Problem zu lösen, ist, sie aus dem Lande zu jagen.": In einem Leitartikel vom selben Tag sprach sich der von der Regierung kontrollierte "Zambia Daily Mail' dafür aus, die Befreiungsbewegung Zimbabwes an die Kandarre zu nehmen: *Ihnen wurde erlaubt, regelmäßig unsere Bars und Hotels zu besuchen, wo sie die meiste Zeit mit Schwätzen verbrachten, anstatt ihren Krieg voranzubringen - diese dreisten Hahn-im-Korb-Playboys. " Die Zeitung forderte ein Verbot der von den Befreiungsbewegungen Zimbabwes in Sambia abgehaltenen Pressekonferenzen und schloß: "Wir können ihre Beleidigungen nicht länger ertragen.

Es besteht eine reale Gefahr, daß die Spaltung der sich in einer Sackgasse befindenden Nationalistenführer Zimbabwe in einen Bürgerkrieg stürzen könnte, wo die Massen sich in einem Blutbad gegenseitig aufreiben würden, was allein den Kolonialisten und Imperialisten nützen würde. Die Nationalistenführer Zimbabwes haben es nicht nur versaumt, eine vereinigte nationale Befreiungsfront zu bilden, sie haben auch versäumt, eine klare Gegenposition zu der Gefahr der direkten imperialistischen Intervention, wie sie vom Owen - Young - Plan ausgeht, zu beziehen. Am 4.September sagte Sithole in Salisbury: "Ich fühle sehr stark, daß die anglo-amerikanischen Vorschläge sehr sehr objektiv, praktikabel und realistisch sind." Und am selben Tag sagte Chris Mbanga, ein Führer des UANC, daß die Zukunft in Gesprächen "auf der Basis der anglo-amerikanischen Vorschläge" liege.

Die Patriotische Front hat gegen einige Aspekte des Owen- Young-Plans Kritik vorgebracht, aber nicht gegen den Plan als ganzes. Tatsächlich nahm Nkomo an der entscheidenden Sitzung des UN-Sicherheitsrates vom 29.September teil, wo er Delegierte davon überzeugte, die von Großbritannien eingebrachte Resolution dahingehend zu ergänzen, daß die Rolle des speziellen UN-Vertreters während der Ubergangsperiode erweitert wird, so daß sie sowohl Verwaltungs- als auch militärische Funktionen umfaßt (Wie es ursprünglich von Owen vorgesehen war). Weder Nkomo noch Mugabe sind also prinzipiell gegen imperia• listische Intervention. Tatsächlich haben sie die britische Regierung andauernd bedrängt, Zimbabwe zu "entkolonisieren". , wobei sie sich natürlich bewußt waren, daß der britische Imperialismus nur in der Lage ist, eine neokolo nialisierende, aber nicht eine entkolonialisierende Rolle zu spielen.Eine der schärftsten Formulierungen in dieser Beziehung stammt von Mugabe vom 26.Oktober 1976, wäh.. rend der Genfer Konferenz. "Großbritannien sollte die Rolle einer Kolonialmacht spielen" , sagte er, "Großbritannien kolonisierte das Land ursprünglich, Großbritannien ist immer noch die Kolonialmacht und es ist die Pflicht Großbritanniens, das Land zu entkolonisieren." (London 22- Times, 27.10.1976). Nichts zeigt deutlicher, daß Mugabe, trotz all seiner radikal klingenden Rhetorik, nicht gegen eine direkte imperialistische Intervention ist. Was der Patriotischen Front am Owen - Young - Plan nicht getallt, ist, dais die britischen und amerikanischen Imperia listen nicht eingewilligt haben, einen Handel mit ihr einzugehen zwecks Ausschluß oder zumindest zum Nachteil ihrer nationalistischen Rivalen. Nkomo und Mugabe haben sich darum bemüht, eine vom britischen Imperialismus begünstigte Position in der Ubergangsperiode zu gewinnen, um sich auf Kosten von Muzorewa und Sithole den Erfolg auf dem Weg zur Macht zu sichern. Dies wird aus der gemeinsamen Erklärung von Nkomo und Mugabe vom 12.9. ersichtlich. "Die Konfliktsizuation in Zimbabwe" ", erklärten sie die eine Kriegssituation ist, kann nur von den Parteien gelöst werden, die direkt in diesen Konflikt verwickelt sind, d h. der britischen Regierung und der mit ihr verbundenen Siedler auf der einen Seite und die Patriotische Front auf der anderen."

Im Owen-Young-Plan wird der Patriotischen Front keine direkte Beteiligung an der Regierung während der Übergangszeit angeboten. Tatsächlich würde der britische Gouverneur Zimbabwe als Diktator regieren, ohne eine der nationalistischen Parteien an der Regierung zu beteiligen. Das ist von Owen und Young klug eingefädelt, die dieses Regierungs Arrangement als einen bequemen Mechanismus ansehen, um die rivalisierenden Fraktionen während der Übergangsperiode weiterhin gegeneinander ausspielen zu Können.

Anmerkungen:

(1) Lonrho, wie andere Konzerne im sudlichen Afrika, beturwortet ei nen Übergang zu neokolonialen Formen der Herrschaft in Zimbabwe und bemüht sich eifrig um die schwarzen Nationalistenführer des Landes. Nach der Sunday Times bezahlte Lonrho für Joshua Nkomo eine Hotelrechnung von 35.000 Pfund während der Genfer Konferenz vom Oktober bis Dezember 1976. Verglichen mit dem Vermögen, das Lonrho in Rhodesien hat, " kommentierte die Zeitung, "sind die Kosten für solche Freundschaftsgesten eine Kleinigkeit." (2) Während der letzten Jahre ist die sowjetische und chinesische Hilfe für die Freiheitskämpfer Zimbabwes eingeschränkt worden. In seiner Untersuchung "Rhodesia: White Racism and Imperialist Response" (Penguin, London 1975) schrieb Martin Loney: "Der sowietische Block gibt den Befreiungsbewegungen Unterstützung, die die Zustimmung des Kreml besitzen, aber wie schon im Vietnamkrieg deutlich wurde. ist die sowjet.Unterstützung weder uneingeschränkt noch ohne politische Bedingungen. Nach ihrer Kehrtwende in internationalen Beziehungen sind auch die Chinesen vorsichtiger geworden. Trotz der Hilfe aus China und der UdSSR sind die Befreiungsbewegungen immer knapp mit Nachschub was darauf hinweist, daß die Befreiung Afrikas für China und den Sowjetblock keine Priorität besitzt. Die gewährte Hilfe ist notwendig, um die Reste des antiimperialistischen Images der SU aufrechtzuerhalten, aber sie bedeutet nicht daß die Bewegungen nicht mehr Mittel benötigen würden.' . " (S.196) (3)Zu einem Bericht über diese Verhaftungen siche "Financial Times" vom 6.5.1977. Unter den Verhafteten war Sam Geza, der in 'Intercontinental Press' (V 14.Nr 1 v.12.1.76) nach einem Aufenthalt in Kaundas Gefängnissen interviewt wurde.

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