Nicht weniger schädlich ist die chinesische Politik in Bezug auf die kolonialen und neo-kolonialen Länder, die ja doch im Zentrum des Interesses der Pekinger Führung liegen. An spektakulären Schritten hat es auch in der Vergangenheit nicht gefehlt, vor allem seit der Wende, die mit Nixons Besuch in Peking eingeleitet wurde. ES sei nur erinnert an die Unterstützung für die pakistanische Militärdiktatur, die Massenmord in Bengalen betrieb; die Freundschaftskundgebungen gegenüber Numeiri, gerade während dieser sudanesische Gewerkschafter und Kommunisten richten ließ; schlimmer noch, Unterstützung und Beifall für die Regierung von Sirima Bandaranaike, während sie die revolutionäre Bewegung junger Bauern, Studenten und Intellektuelle massakrierte und ca, 20. 000 Revolutionäre oder als solche Verdächtige ohne Prozeß in Konzentrationslager warf (dieser Beifall ist in einem skandalösen Brief von Tschou En-Lai ausgesprochen, der ohne Dementi in den Tageszeitungen von Colombo veröffentlicht wurde). Ebenso der Pekingbesuch einer Delegation des Henkers Pinochet genau zum Zeitpunkt des 2. Jahrestages des 11. September; er hat deutlich gemacht, daß Peking sich nicht scheut, gute Beziehungen zur blutigsten der Militärdiktaturen in der Geschichte Lateinamerikas zu unterhalten. Nicht nur die Sowjetunion, nein, nicht einmal die bürgerlichen Regierungen wagten damals einen solchen Schritt aus Angst, sich in den Augen der Öffentlichkeit zu diskreditie- Auch Pekings Haltung zu Angola spricht Bände. Grundsätzlich kann eine Arbeiterpartei oder ein Arbeiterstaat die Vereinigung verschiedener Bereiungsbewegungen gegen den Imperialismus anstreben und daher unter bestimmten Bedingungen keine in der politischen und militärischen Unterstützung besonders bevorzugen. Aber erstens hat gerade in einem Moment, in dem die FNLA ihre neokoloniale Abhängigkeit zeigte. Zweitens ist es falsch und eine offene Verschleierung der Tatsachen zu behaupten, der Bürgerkrieg sei von der Sowjetunion angestiftet worden, wie offizielle Or- Rang eine mal und Ne 19 De Nr. 31 und Nr. 36, 1975). Die Klassenlogik des angolesischen Befreiungskampfes wird dadurch verdreht und verfälscht. reichten Stand der Unabhängigkeit entwickelt sich der Kampf von einem antiimperialistischen Befreiungskampf zu einem Kampf zwischen den einheimischen Klassen. Man kann nicht darüber hinwegsehen, daß die MPLA hier die fortgeschrittensten Positionen bezieht und dem Druck der Massen nachgibt, die nicht zuschauen wollen, wie die Früchte ihres Sieges über die Kolonialherren von den herrschenden einheimischen Klassen oder durch neokolonialistische Machenschaften einden Klassen oder Anwärter auf diese Rolle hinter sich schart und die Unterstützung von Mobutu und den USA genießt.
In Wahrheit ist die chinesische Politik im Sudan, in Angola wie in Chile nicht von einzelnen Abweichungen oder unverständlichen Widersprüchen diktiert, sondern sie entspricht einer globalen die auch ihre Politik in andern Teilen der Welt bestimmt. Diese Logik besteht darin, daß qualitative Unterscheidungen auf der Basis von Klassenkriterien aufgegeben werden und reale oder potentielle Interessenkonflikte zum obersten Entscheidungskriterium gemacht werden; im Schatten der Unterscheidung zwischen den zwei "Supermächten" suchen die Chinesen ungeniert Übereinkommen, Verträge und Bündnisse mit der sog. Nationalen Bourgeoisie und ihren Regierungen, seien diese auch konservativ und reaktionär. Die Präzisierung, die Sowjetunion sei der Hauptfeind, erledigt dann noch den Rest: gegenüber der Sowjetunion ist alles erlaubt, auch Beifall für die Regierungen
Höflichkeitsbesuche der chilenischen Reaktionäre.
VR CHINA
Es könnte jemand im naiven Glauben sein, wenigstens in Lateinamerika seien die USA der Hauptfeind; dem ist jedoch nicht so. Das chilenische Beispiel zeigt dies. Die Regierung Allende unterhielt, ohne ein Agent des "Sozialimperialismus" zu sein, bessere Bezienungen zur sowjetunion als zu den USA. Gerade deshalb aber reihte sich Peking nicht in die internationale Kampagne zur Denunzierung des Putsches ein, als diese Regierung stürzte, sondern beeilte sich im Gegenteil, lie Bresche zu nutzen, die sich geöffnet hatte ind von der Schwächung des "Hauptfeindes" noch zu profitieren. Gibt es einen einzigen Revolutionär, einen einzigen Kämpfer der chilenischen Arbeiterbewegung. der bereit wäre, eine solch berechnende Politik zu rechtfertigen?