Japan (Der Bericht von Tariq Ali datiert von seiner Japan - Tournee im Frühjahr 1973)
Tariq All, ein Mitglied des Vereinigten Sekretariats der IV. Internationale, beendete kürzlich seine ausgedehnte Rundreise durch Japan, die von der Japanischen Revolutionăr-Kommunistischen Liga (JRCL -- Japanische Sektion der IV. Internationale) organisiert wurde. Der Genosse Ali sprach auf öffentlichen Versammlungen in zehn Großstädten über den "Klassenkampf in Europa", "Revolutionăre Perspektiven in Südasien" und die "Politik der IV. Internationale". Zur Versammlung in Tokio kamen 1200 zu einer der größten JRCL-Veranstaltungen seit ihrer Gründung am Ende der 60er Jahre, Was an den Veranstaltungen am meisten beeindruckte war, daß sie zeigten, welches enorme Wachstum die japanische Sektion in den letzten Jahren durchlaufen hat, und besonders die steigende Zahl junger Arbeiter, die zu ihr gekommen sind. So waren in dem wichtigen Industriezentrum Sendai (Nordjapan) bei einer öffentlichen Versammlung von 400 Teilnehmern über 250 junge Arbeiter - - ein Ausdruck des Einflusses der JRCL in den örtlichen Eisenbahner und Postgewerkschaften, wo sie die einzige revolutionäre Kraft innerhalb der Arbeiterklasse darstellt, was auch den Bürokraten der japanischen Sozialistischen Partei nicht entgangen ist. Angesichts der Auswirkungen der verschärften innerimperialistischen Konkurrenz versucht die herrschende Kiasse Japans , mehr und mehr die Kampfkraft der jungen Arbeiter zu bremsen, und diese wiederum finden die von der KP und SP angebotenen Lösungen erbärmlich unzureichend, So schenken sie den Initiativen und der Politik der revolutionären Linken ein immer offeneres Ohr. Dieser Prozess wirkt noch verstärkt in den Gewerkschaften des öffentlichen Sektors (Eisenbahn, Post, Elektrizitat usw.), wo Streiks verboten sind, Jeder spontane Streik ist daher tendenziell eine Konfrontation mit der Regierung.
Der wichtigste, von der gesamten extremen Linken unterstützte, Kampf auf nationaler Ebene ist der gegen die -38- Errichtung eines neuen internationalen Flughafens bei Sanrizuka, 25 Meilen außerhalb von Tokio. Der Kampf der dortigen Bauern, der 1967 begann, geht noch immer in voller Schärfe weiter und obwohl die Landebahnen auf dem Abschnitt 1 schon gebaut wurden, wird der wichtige Abschnitt 2 noch immer von den Bauern unter der Führung der militanten Bauernliga und unter der aktiven Beteiligung einiger revolutionärer Gruppen besetzt gehalten. Unter ihnen steht die JRCL an erster Stelle, Sie hat das Vertrauen der Bauernführer gewonnen und ihre zehn Mann starke, permanente Verteidigungswache lebt in Sanrizuka in einem eigenen, schnell errichteten Hauptquartier und : bearbeitet das Land zusammen mit den Bauern. Es ist ein Zeichen für das Prestige der JRCL in diesem Gebiet, daß einige der Bauernführer an Tariq Alis öffentlicher Veranstaltung in Tokio teilgenommen haben. Ihr Führer sprach auf der Versammlung, drückte seine Sympathie für die JRCL und die Vierte Internationale aus und erklärte, wie der Kampf die in Sanrizuka lebenden Bauern radikalisiert habe. Demgegenüber versprach Tarią Alí, "daß die Sektionen der IV. Internationale " den Kampf gegen diesen sogenannten internationalen Flughafen internationalisieren" würden, den di e japanische Regierung hauptsächlich baut, um der US-Luftwaffe Landemöglichkeiten in Japan zu bieten. Der Kampf in Sanrizuka hat große Teile der Linken inspiriert und die Tatsache, daß die Errichtung des Flughafens schon über fünf Jahre in Verzug ist, beweist die breite Unterstützung fur die Bauern. Die nächsten Kämpfe werden im Abschnitt 2 stattfinden (die Bauernliga und die JRCL haben in der "befreiten Zone" einen hohen Turm gebaut, der jede Flugzeuglandung verhindert!), und beide Seiten bereiten sich auf den unvermeidlichen Konflikt vor. Die JRC bereitet deshalb einen internationalen Appell vor, der zu koordinierten Aktionen in Europa und Amerika zum Zeitpunkt eines erneuten Ausbrechens der Kämpfe aufruft.
Die Insularität und Isolation der japanischen Arbeiterklasse spiegelt sich in der extremen Linken wieder und nur der JRCL als Sektion der IV. Internationale gelang es, uber den engstirnigen Syndikalismus und Ökonomismus hinauszukommen, der den größten Teil der extremen Linken kennzeichnet. Der Auflösungs- und Zerfallsprozess der spontaneistischen Strömungen (Bund, Rote Armee) läßt nur die JRCL als einzige internationalistische Strömung innerhalb der revolutionären Linken übrig. Angesichts des erneuten Aufstiegs des japanischen Militarismus und Imperialismus wird die Linke mit äußerst schwierigen Aufgaben konfrontiert werden und viel wird von der Fähgikeit der revolutionären Organisationen abhängen, die Führung in den unweigerlich entstehenden Massenbewegungen zu erlangen. Das Wachstum der japanischen Sektion ist für die japanische Bourgeoisie ein energischer Hinweis darauf, daß sie keine neuen militarischen Abenteuer in Sud- und Südostasien ohne einen erbitterten Kampf im eigenen Lande unternehmen kann.
Die Streikwelle in