Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Charakter der japanischen Revolution

Inprekorr Nr. 27, September 1973 · S. 35-38 · 1.949 Wörter

Japan und Korea China USA und Kanada

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Der wesentliche Faktor, der die asiatische Situation insgesamt und sogar die innenpolitische Situation im neoimperialistischen japan kennzeichnet, ist das Kräfteverhältnis zwischen der asiatischen Revolution (in ihrem Zentrum die chinesische Revolution und an ihrc: Spitze - - seit den 60er Jahren • - der vietnamesische Befreiungskampf) und den konterrevolutionären Kräften des amerikanischen imperialismus in diesem Teil der Welt. Das neoimperialistische japan wurde unter vollkommene Abhängigkeit vom US-imperialismus gestellt, sowohl auf politische: wie auch auf militärischer Ebene. Seii dem Sieg der chinesischen Revolution von 1949 war das riesige Gebilde der US-Streitkräfte der entscheidende Faktor, dem es gelang die weitere Die chinesische Regierung hat daraus eine defensive Polítik abgeleitet: "Die Revolution in zwei Etappen", "Der Sozialismus in einem Land", das heißt die chinesische Spielart der Politik der friedlichen Koexistenz, die Aussenpolitik Tschu-En-Lais, Diese Politik hat den Ergebnissen des ersten indochinakrieges stark ihren Stempel auf gedrückt. Nach dem Koreakrieg und der Genfer Indochinakonferenz gab es, unter dem ungeheuren Druck des US-Imperialismus, einen gewissen Stillstand im Prozess der permanenten Revolution in Asien. Die politischen Ziele der Massen in diesem Teil der Welt fanden nur in defensiver und entstellter Weise ihren Ausdruck: die Anstrengung der Chinesen, den "Sozialismus in einem Land" aufzubauen, im Bündnis mit der sowjetischen Bürokratie und indem sie unter den nationalen kolonialen Bourgeoisien Verbündete suchten; die "Neutralitat" der Vertreter der kolonialen Bourgeoisie: Nehru, Bandaranaike, Sukarno, Ne Win, Sihanouk; in Japan die Stärkung, der sozialistischen Partei, einer linkspazifistischen Partei, und des "Pazifismus" und "Ökonomismus" der bürgerlichen Regierungspartei.

Die allgemeine Grundstimmung aller Massen in Asien war ein tiefer Linkspazifismus. Die Tatsache, daß es ein linker Pazifismus war, spiegelt den Sieg der chinesischen Revolıton wieder, und die Tatsache, daß er tiefgeh- -35- Entwicklung der asiatischen Revolution einzudammen, besonders in den soer ian ren in Ostasien. Der Koreakrieg (1950-53) war die entscheidende Wende in der politischen Situation Asiens, v0c indest in der Situation des Fernen Ostens und Südostasiens. Der Koreakrieg a te Indochinakrieg haben ein Netz von di rekten Beziehungen einerseits mit chi nesischen Revolution, andererseit: mi dem US-Imperialismus geschalien. Der ko reakrieg war die erste Etappe des -fícaen Zusammenstoßens der chinesischer Revolu tion mit dem US-Imperialismus. Die chinesische Regierung wurde gezwanga, den US-Imperialismus als die herrschende imperialistische Macht. di: e kreiste.

anzuerkennen.

end war, spiegelt die halbe Nide sage ver zwe en) asia tischen Revolution (von den 40er jahren bis Anfang der 50er Jahre) in der Konfrontation mit dem US-imperialis mus wieder, trotz des halben Sieges, den die Revolution in China, Nordvietnam und Nordkorea errungen hatte. Nach dem Koreakrieg und nach dem ersten indochinakrieg hatte sich daher ein politisches Gleichgewicht zwischen dem Imperialismus, mit den USA als aauptsächlicher konterrevolutionärer Kraft, und der asiatiscnen Revolution, mit der chinesischen Revolation als Haupt basis, eingependelt. In diesem Gleichgewichtsverhaltnis nahm die asiatische Revolution cine Position der Defensive ein. Nach dem Koreakrieg standen die neoimperialistische japanische Gesellschaft und ihr Staat unter dem Schutz der US-Streitkräfte -- als Gegenkraft zu den potentiellen Kräften der asiatischen Revolution. Nach der Niederlage des alten japanischen Imperialismus, der einerseits das Ergebnis des bewaffheten Widerstandes des chinesischen Volkes, andererseits der mächtigen und derekten Angriffsstöße des US-Imperialismus mit seiner ungeheuren Militärstreitmacht war, wurde der US-Imperialismus die stärkste imperialistische Macht im Fernen Osten, Besonders nach Beginn des Koreakrieges batte der US-Imperialismus ein politisch-militärisches Machtgefüge errichtet, welches unter der absoluten Vorherrschaft seiner eigenen Streitkräfte tra: der Taiwan-

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Staat Tschiang-Kai-Cheks wurde gegenüber Festlandchina durch die 7. US-Flotte geschützt und von den Marinestützpunkten Yokosuka und Sasebo in Japan aus. Das Sudkorea des Syngman Ree war ein konterrevolutionärer antikommunistischer Staat, der unter der totalen Herrschaft des US-Imperialismus stand, ein militaristischer Kolonialstaat, der einen Wall gegen den Arbeiterstaat Nordkorea bildete, hinter dem die VR China und die Sowjetunion standen. Die Insel Okinawa war ein US-Militärstützpunkt mit für China bestimmten strategischen Bombern, mit Raketen und mit Kernwaffen. zen imperialistischen Block gegen die VR China und die Sowjetunion schützen.

Ganz allgemein kann man sagen, daß die japanische Bourgeoisie auf politischer Ebene im Fernen Osten sehr schwach ist. In seiner Grundkonzeption ist die Ausrichtung des japanischen Neoimperialismus wirtschaftlicher Natur und stützt sich dabei auf die politisch-militärische Macht der USA, um den potentiellen Kräften der kolonialen Revolution in diesem Teil der Welt Widerstand leisten zu können. Folglich zieht jede Krise des US-Imperialismus in Fernost eine unmittelbare nationale und inter- 1 Diese Militärbasis war die Stütze der US-Streitkräfte in Korea, in Taiwan und in Südostasien. So war die neoimperialistische Bürgerliche Gesellschaft Japans minationale politische Krise des japanischen Neoimperialismus nach sich.

• litärisch und politisch vollkommen von der kolonialen asiatischen Revolution geschützt. Die japanische Bourgeoisie konnte alle ihre Energien der "friedlichen" «konomischen Expansion widmen. Die wirkliche Macht in Sudostasien war also der US-Imperialismus; die neoimperialistische japanische Industriegesellschaft, der militaristische Kolonialstaat Südkorea, die Militärkolonie auf Okinawa, sowie das sogenannte "China" Tschiangs waren zu einem einzigen Machtkomplex unter absoluter militärischer Vorherrschaft des US-Imperialismus zusammengeschmiedet worden. Als "Machtkomplex" bezeichonen wirdas Gefüge der imperialistischen Herrschaft im Fernen Osten und wir propagieren die Kombinierung :der sozialistischen Revolution in Japan unter der Führung des Proletariats mit einer kolonialen Revolution in Korea, mit dem Kampf gegen die riesigen US-Militärbasen auf Okinawa und selbstverständlich mit der Befreiung Taiwans: es handelt sich hier um ein- und den- Wir müssen den tief pazifistischen Charakter der stadtischen und ländlichen Massen in Japan korrekt einschätzen. Dieser Pazifismus hat objektive Ursachen, sowohl politische wie soziale. Der alte japanische Imperialismus stützte sich auf zwei Grundpfeiler: die politische Schwäche des kolonialen Asiens, besonders die Schwäche Chinas, und der politisch zurückgebliebene und repressive Charakter der japanischen Agrargesellschaft. Der erste Faktor war die Grundvoraussetzung für die imperialistische Expansion Japans im Fernen Osten und später in der Mandchurei und in Zentralchina. Der zweite Faktor gestattete die Errichtung des "absolutistischen" und bürokratischen Staates, der den arbeitenden Massen die elementarsten bürgerlichen demokratischen Rechte verweigerte. Die Armee und die Polizei waren die wesentlichen politischen Kräfte des japanischen Staates, 1945 wurde die alte japanische Armee durch den US-Imperialismus vollständig aufgelöst; hinzu kam, daß 1949 die chinesische Re- , selben Prozess der permanenten Revolution. volution siegte und der neue chinesische Staat war nicht schwach.

• Nach 1964/65 hat die japanische Bourgeoisie begonnen sich als internationale imperialistische Macht zu entwickeln und sie ergänzte dadurch den US-Imperialismus auf ökonomischer Ebene im imperialistischen Machtkomplex des Fernen Ostens und in Südostasien. 4 oder 5 Jahre nach der Unterzeichnung des Vertrages zwischen Japan und Südkorea, der 1965 die Beziehungen zwischen beiden Ländern "normalisierte", war die Sudkoreanische Wirtschaft vollständig und die Wirtschaft Talwans zu einem großen Teil von der japanischen Wirtschaft abhängig. Im gleichen Jahr wurde Okinawa mit seinen US-Militärstützpunkten an Japan verkauft; seitdem muß die japanische Bourgeoisie die Insel direkt regieren; die japanische Regierung muß die US-Militärbasen gegen die Einwohner von Okinawa schutzen. Die japanische Bourgeoisie ist so zu eíner beherrschenden Wirtschaftsmacht im imperialistischen Machtkomplex des Fernen Ostens geworden. Freilich ist die japanische Armee kaum stark genug, alle Inseln zu kontrollieren, während die US-Streitkräfte den gan- -36- Nach dem Koreakrieg konnte die japanische Bourgeoisie ihre politische Herrschaft über die Arbeiterklasse im wesentlichen dank zweier Faktoren aufrechterhalten: dank dem relativ raschem wirtschaftlichen Wiederaufschwung und der relativ raschen wirtschaftlichen Expansion einerseits, dank der politischen Unterstützung durch das landliche und städtische Kleinbürgertum andererseits, die dieses der herrschenden bürgerlichen Partei, die ihren Vorteil aus dem militärischem Schutz zog, den der imperialistische Block im Fernen Osten unter der US-Vorherrschaft auf militärischem Gebiet darstellte, entgegenbrachte. Der tief pazifistische Charakter der Massen spiegelt die Zerstörung des alten japanischen Imperíalismus und seiner Armee und die großen politischen Schwächen der japanischen Bourgeoie gegenüber dem Neuen China wieder. Die grundsätzlich pazifistische Ausrichtung der japanischen Bourgeof sie , die sich auf die ökonomische Entwicklung beschränkt hatte, war nach dem Koreakrieg durch den militärischen Schutz der USA ermöglicht worden. Andererseits hätte die

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japanische Bourgeoisie, die sich auf das städtische und jetzt im privatwirtschaftlichen Bereich einen mehrheitländliche Kleinbürgertum stützte, ohne diesen pazifisti- lichen Einfluß. Sein nationaler politischer Einfluß ist schen Anstrich ihrer Politik die Arbeiterklasse nicht im jedoch im städtischen und ländlichen Kleinbürgertum Zaum halten können, Die durch die bürgerliche Land- stark eingeschränkt. Der rechte Trade-Unionismus ist reform "befreite" Bauernschaft war nicht bereit, politisch - in breiten Schichten der Bevölkerung politisch isoliert. wirtschaftliche Opfer zu akzeptieren, um die Großbour- Zweitens erfährt das Wirtschaftswachstum eine Verlanggeoisie in ihrem Kampf gegen die Arbeiterklasse zu un- samung und dieser Umstand wird seine objektiven Grundterstützen. lagen erschüttern. Drittens macht sich in der Stadtbevöl- Deshalb kann man sagen, daß die bürgerliche japanische kerung wegen der raschen Verteuerung der Konsumgüter und der Verschlechterung der städtischen Lebensbedingun- Gesellschaft nach der Niederlage von 1945 auf politischem gen eine tiefe Unzufriedenheit breit. So beginnt und sozialem Gebiet tief "pazifistisch" war. Wenn die die Großbourgeoisie und ihre Partei sich von den breiten Großbourgeoisie eine agressive Remilitarisierung ihres Massen zu isolieren und es entwickelt sich eine Situation, neoimperialistischen Regimes versuchen würde, dann die für eine Mitte-Links-Regierung oder für eine Koaliwürde dies innerhalb des Kleinbürgertums zur Einleitung tionsregierung der linken und rechten Sozialdemokratie eines politischen Differenzierungsprozesses führen. Dies mit der buddhistischen Partei günstig ist. Eine agressive würde der Arbeiterklasse die Gelegenheit geben, sich an Remilitarisierung des japanischen Neoimperialismus würdie Spitze der unzufriedenen radikalisierten Schichten de eine Verschlimmerung der beschriebenen Situation des Kleinbürgertums zu setzen und dies hätte für die bedeuten. Großbourgeoisie eine beträchtliche Verschlechterung des Kräfteverhältnisses zur Folge. Die agressive Militarisierung des japanischen Neoimperia- Zum gegenwärtigen Zeitpunkt steht die Bourgeoisie zwei lismus wäre nur im Rahmen einer Umwandlung des japaschwierigen Problemen gegenüber. Wegen der immer nischen Staates in einen Polizeistaat durchführbar, was größer werdenden Kluft und dem wachsenden Widerspruch eine Niederlage der japanischen Arbeiterklasse vorauszwischen den hochentwickelten Industrien und der unab- setzen würde. Selbst wenn man annimmt, daß eine solhängigen Bauernschaft der vorkapitalistischen Agrarge- che Umwandlung möglich ist, würden die schweren gesellschaft verschlimmert sich die politische und wirtschaft- sellschaftlichen Probleme in den Städten und die Widerliche Lage, und die Bauern beginnen, der herrschenden sprüche zwischen der städtischen Industriegesellschaft bürgerlichen Partei zu mißtrauen. Gleichzeitg wird die und der Landwirtschaft nicht gelöst werden können. Situation in der städtischen Gesellschaft für die Großbour- Die Revolution im Anschluß an den zweiten Weltkrieg geoisie immer ungünstiger. hat nicht stattgefunden und sie harrt noch heute ihrer Während der 60er Jahre verstärkte sich sehr rasch der Vollendung. In der Zukunft wird sich eine wirklich revolutionäre Situation entwickeln, die in gewisser Weirechte Trade-Unionismus unter den Arbeitern, die in se eine Fortsetzung der mißlungenen Revolution nach den florierenden Industriezweigen arbeiten und er hat 1945 sein wird. Sakai

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Kapital und Staat Marxismus und Asthetik

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