Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die Streikwelle in Südafrika

Inprekorr Nr. 27, September 1973 · S. 39-46 · 5.046 Wörter

Südafrika Gewerkschaften und Streiks Faschismus und Rassismus Afrika

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Die letzte Streikwelle von schwarzen Arbeitern in Südaf- Außer den englischen gab e s auch die holländischen Errika ist von den Zeitungen in aller Welt stark kommen- oberer, die Buren, die ihr eigenes System, das Feudaltiert worden. In Südafrika selbst ist sie bei vielen zum Ta- system, ins Land brachten. Damit bildete sich eine Partgesgespräch geworden, Beim weißen Herrenvolk hat sie nerschaft zwischen den weißen Eroberern heraus -- zur tiefe Unruhe, fast eine Panik bewirkt. Das kann nicht über- gemeinsamen Ausbeutung der Schwarzen Bevölkerung und raschen, denn die Industriellen sehen in ihr die Spitze ei- ihres Bodens. Ein Kompromiß wurde geschlossen, der eines Eisbergs. Europa kennt die Zeichen aus seiner eigenen ne merkwürdige Verformung der kapitalistischen Entwick- Geschichte. Obwohl zeitlich durch Jahr hunderte getrennt, lung mit sich brachte. Immer wieder hat dieser deformierrufen die Ereignisse in Sudafrika nur zu deutlich die tur- te Kapitalismus zu Ausschreitungen geführt, die periodisch bulente Frühgeschichte des Kapitalismus ins Gedächtnis explosive Situationen heraufbeschworen haben, von denen zurück, das Land während der ganzen kapitalistischen Entwicklung

Südafrikas heimgesucht wurde, Hand in Hand mit der inten- Mit dem Aufstieg von Handel, Gewerbe und Industrie in siven Ausbeutung, die auf der einen Seite zu Superprofiten, England setzten die damaligen Machthaber eine Reihe auf der anderen zu entsetzlicher Armut führte, entstand von Gesetzen gegen die Bevölkerung durch. Diese raub- eine Situation, in der man zu faschistischen Methoden Zuten dem Volk seine unveräußerlichen Rechte auf das Geflucht nahm, lange bevor die innere Dynamik des Kapitameindeland und Böden, die es seit urdenklichen Zeiten lismus die Errichtung eines faschistischen Regimes verlangbearbeitet hatte. Die dauernd steigende Zahl von Web- te. Die Engländer schlossen mit dem Feudalismus der Bustuhlen und Spindeln verlangte nach immer mehr Wolle. ren einen Kompromiß; die von den Buren eingeführten feu- Menschen mußten vom Boden vertrieben werden, um dalen Zustände wurden zur Norm für das ganze Land, den Schafen Platz zu machen. Sie wurden, von den feudalen Fesseln befreit, in die Städte getrieben, wo sie Zusätzlich wurde der Zufall der Hautfarbe dazu benutzt, an die Maschinen gekettete Sklaven des Kapitals wurden. um als bequeme Trennungslinie zwischen dem Neger- Das war die Epoche, die den Aufstieg des Industriekapi- sklaven und dem weißen Oberherren zu dienen. Auf diese talismus ankündigte, Um wachsen zu können, mußte Weise wurde der Rassismus in das gesellschaftliche, polider Kapitalismus den Feudalismus als System vernichten. tische und ökonomische Gebäude als ein Werkzeug der Überausbeutung eingebaut. Der Rassenhass ist dem Menschen nicht angeboren. Er wird absichtlich gezüchtet, um Als die Engländer Südafrika eroberten und das kapitalis- die Ausbeutung zu erleichtern und zu intensivieren, und tische System mitbrachten, bemächtigten sie sich des auch um die Klassenscheidung zwischen dem Ausbeuter Kulturlandes, sie raubten der Bevölkerung ihren Viehbe- und dem Ausgebeuteten zu verwischen, Die Zweckheirat stand, sowie die sonstigen Besitztümer und richteten "Re- zwischen dem Kapitalismus der Engländer und dem buriservate" ein, worin sie die Negerbevölkerung einsperrten. schen Feudalismus blieb nicht ohne Spannungen, Als sich Die gleichen "Reservate" sollten später als Arbeiterreser- die Industrie und die Bergwerke ausdehnten, wurden mehr voir dienen, um die Maschinen in der Industrie und die Arbeitskräfte gebraucht. Das Bodengesetz von 1913 schaffte gefräßigen Bergwerke zu futtern, Die Entwicklung Sudafri- unter anderem das burische Siedlungssystem ab. Das war kas unterschied sichjedoch von der Europas. die kapitalistische Methode, um Arbeitskräfte vom fla- -39-

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chen Land für die Industrie verfügbar zu machen, Im Jah- , re 1922 führten die weißen Grubenarbeiter einen erfolgreichen Streik für die Einführung der Apartheid und allein ihnen vorbehaltener Arbeitskräfte in den Bergwerken durch, Jan Christian Smuts, Premierminister der Sudafrikanischen Union von 1919 bis 1924, handelte im Interesse des internationalen Finanzkapitals und schoß die weissen Arbeiter nieder. Daraufhin verlor seine Partei die Wahlen gegen eine Koalition aus der Nationalist Party und der Labour Party, die dazu überging, den Weißen vorbehaltene Arbeitsplätze und Apartheid in den Bergwerken gesetzlich festzulegen. Das wurde zum Vorbild für die gesamte Industrie und für alle Wirtschaftsaktivitäten im Lande, Jede nachfolgende Regierung machte die gleiche Politik und dehnte sie schrittweise auf alle Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens aus. Als die Nationalist Party wieder einmal 1948 die Regierungs- • macht übernahm, wandte sie die gleiche Politik an, mit einer typisch faschistischen Rücksichtslosigkeit, ohne es im geringsten nötig zu haben, Lippenbekenntnisse zu demokratischen Prinzipien ablegen zu müssen. In diesem Rahmen entwickelte sich in Südafrika der Kapitalismus vom Merkantilsystem zur Industriewirtschaft, Während dieser ganzen Entwicklung gelang es der herrschenden Klasse, feudale Beziehungen zwischen Schwarzen und Weißen aufrechtzuerhalten. Sie versuchte sogar, den Uhrzeiger der Geschichte noch weiter zurückzudrehen, Wahrend die herrschende Klasse mithilfe der schwarzen Wanderarbeiter eine Schwerindustrie aufbauen ließ, wurden gleichzeitig mithilfe einer Spezialgesetzgebung künstlich Stammesgefühle zu neuem Leben erweckt, Das Bantu- Obrigkeitsgesetz, das in der zweiten Halfte des 20. Jahrhunderts verabschiedet worden ist, verlangte, daß jeder Afrikaner, also auch die Stadtbewohner und die in der Industrie Beschäftigten, der einen oder anderen alten Stammeseinheit angehören und unter die Rechtsprechung eines Stammeshäuptlings fallen müsse, der seinen Sitz in den "Reservateb" (oder in den Bantustans) hat. Schon dies ist eine völlige Negierung jeder Form von Demokratie auf allen Lebensgebieten.

Durch eine Reihe gezielter Gesetzesmaßnahmen wurde der Schwarze Mann auf ein Wesen ohne Rechte irgendwelcher Art reduziert; nicht einmal die elementarsten Menschenrechte konnte er in Anspruch nehmen. Das Gruppengebiets-Gesetz raubte ihm das Recht, zu Südafrika zu gehören. Gesetzlich gehörte er angeblich zu den eingezäunten Gebieten, den "Reservaten", die er nicht besitzt, da sie "Krongüter" sind. Durch dieses Cesetz wurden alle Schwarzen - - ob Mann oder Frau -- zu Ausländern in ihrem eigenen Geburtsland, Das Streit-Beilegungs-Gesetz und andere Gesetze, wie die Antikommunismus-und Antiterrorgesetze, sprachen ihm alle Rechte und Vorrechte des Arbeiters ab. Nach der Definition ist ein Neger oder eine Negerin kein Arbeiter, sondern ein Arbeitssuchender, gleichgültig ob er gerade beschäftigt ist oder nicht, der sich bei einem Arbeitsamt vom 16. Lebensjahr an eintragen muß. Er darf keine Gewerkschaften gründen, Jeder Streik ist illegal. Die Gesetze erlauben es ihm nicht, seine Arbeitskraft an den Meistbietenden zu verkaufen. Er darf sich nicht selbständig um einen Arbeitsplatz bemühen. Er hat sich bei einer Arbeitsvermittlung zu melden, die entscheidet, ob und wo er arbeiten soll. Diese Vermittlungsstellen befinden sich in den Stammesreservaten; kurz, ein Afrikaner in Südafrika wird als ein Nicht-Mensch, als Menschenaffe betrachtet, dessen einzige Daseinsberechtigung das Führen des Pflugs, der Abbau von Mineralien und das Inganghalten der Industrie ist, also Reichtum zu schaffen und Überprofite für seine Herren zu erwirtschaften, Das ist, kurz zusammengefaßt, der Hintergrund für die gegenwärtige Streikwelle der schwarzen Arbeiter in Sudafrika. Daraus ergibt sich, daß die Streikwelle nur dazu beitragen kann, die grundsätzlichen Fragen der politischen Rechte im allgemeinen 'aufzuwerfen, und insbesondere den gesamten Status der schwarzen Industriearbeiter, mit allen Rechten, die ihre Stellung in der Wirtschaft betreffen.

DIE JÜNGSTE STREIK WELLE

Die letzten Streiks beschränkten sich auf Nathal, speziell auf die Umgebung Durbans. An ihnen nahmen ungefähr 50 000 afrikanische und indische Arbeiter teil : wurden mehr als 100 Betriebe betroffen. Das plötzli .ar 1973: Polizei schlägt ›..

Arbeiter in Durban zusammen ad die Leichtigkeit, mit der sica die Str ; well ausbreiteten - - wobei sie ganz versch › haftsbereiche erfassten, darunter städtisc Hausangestellte und Flughafenarbeiter r.. •ar bei der herrschenden faschistischen Sip: un. ver den Unternehmern eine Panik hervorger sondern auch bei den weißen Arbeitern.. Im berichtet Stanley Uys: "Von Panik ergriffer 40-

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ternehmer in Durban berichten jeden Tag von neuen Arbeitsniederlegungen ihrer schwarzen Arbeiter, Die Streiks haben sich so schnell ausgebreitet, daß die Unternehmer anderer Städte sich schon fragten, wann sie wohl an die Reihe kommen würden. Die meisten haben überrascht festgestellt, daß sie jeden Kontakt zu ihren Arbeitern verloren haben... Die weite Verbreitung der Streiks zeigt, wie allgemein die Unruhe bei den Arbeitern ist. Alle Streiks sind illegal, aber die Polizei hat von Massenverhaftungen abgesehen, weil sie befürchtete, daß dies zu weiteren Schwierigkeiten führen würde. " Und er fügt hinzu: "Sudafrikas industrieller" Friede" ist seit 12 Jahren nicht mehr in diesem Umfang gestört worden". (1. Februar 1973).

Da sie ihren Blick starr auf die dauernd steigenden Profite gerichtet hatten, lebten die Unternehmer in einem Zustand der Euphorie, in dem Glauben, die drakonischen Gesetze, in deren Rahmen die schwarzen Arbeiter gezwängt werden, würden den Betriebsfrieden fur die absehbare Zukunft garantieren, Eines morgens wachten sie aus ihrem Dornröschenschlaf auf, um zu entdecken, daß ihre idyllische Welt nicht mehr ist. Sie riefen: Was ist schiefgegangen › Was ist mit unseren " Eingeborenen "los › Niemand konnte antworten. Niemand hatte sich jemals darum gekümmert, niemand jemals darüber nachgedacht, wie die schwarzen Arbeiter mit dem Almosen, das sie als Lohn erhalten, überhaupt existieren können, wie sie Brutalität der Gesetze, denen sie ausgesetzt sind, überleben können. Jetzt mußte etwas geschehen, und zwar schnell, Aber was? Zum ersten Male standen sie den Riesenproblemen gegenüber, die sie selbst in all den vorangegangen jahren geschaffen hatten.

Worin lag das Problem? Die Politik aller Regierungen Sudafrikas war ausdrücklich darauf angelegt, die ganze schwarze Bevölkerung in einer derartigen Armut zu halten, daß SOUTH AFRICAN gold miners.

-41sie gezwungen war, zu herabgedrückten Löhnen zu arbeiten. Die Wirtschaft, die auf der Grundlage von Zwangsarbeit aufgebaut wurde, blühte auf und die Industrie wuchs gewaltig schnell. Da das internationale Kapital hereinströmte, um Überprofite einzuheimsen, wurden immer mehr Schwarze vom Arbeitsmarkt aufgesogen, sodaß sie heute reichlich zwei Drittel der Arbeitskräfte stellen, und es wird geschätzt, daß sie in den nächsten zwanzig Jahren ungefähr neun Zehntel ausmachen werden. . Mit dem steilen Anstieg der Lebenshaltungskosten -- infolge der zunehmenden Inflation - - befindet sich die gesamte schwarze Bevölkerung in einer verzweifelten Lage. Soziologen der herrschenden Klasse sind gezwungen, diese Tatsache einzugestehen, obwohl sie versuchen, deren beredte Nacktheit mithilfe von fragwürdigen Bedurftigkeitsmaßstäben zuzudecken. Sie setzen willkürlich eine Zahl fest, die den Betrag darstellen soll, mit der eine Familie leben kann, Diese Willkür ist offensichtlich, wenn sie für eine schwarze Familie eine Zahl mit 70 Rand und 62 cents festsetzen, und für die Weißen eine andere mit 170 Rand (ein Rand war im Februar 1973 1 Dollar und 44 cents), als ob Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Lebens die Schwarzen weniger kosten. Selbst auf der Grundlage dieser Zahien ist das entstehende Bild tostlos. Von den dreizehn Wirtschaftssektoren zahlen nur zwei den Afrikanern mehr als das Existenzminimum (poverty-datum line=PDL), und das sind Versicherungen und Banken, die durchschnittlich 77 bzw, 71 Rand monatlich bezahlen. Die in diesen beiden Sektoren Beschäftigten sind zahlenmäßig so unbedeutend, daß man sich wundern muß, warum sie überhaupt erwähnt werden -- es se: denn, um die Tatsache zu verschleiern, daß die gesamte schwarze Bevölkerung gezwungen ist, von Hungerlöhnen, die unter dem Existenzminimum liegen, zu existieren. Daß sie diese Zahlen als ein Musterbeispiel einer gerechten Bezahlung hinstellen, ist schon für sich genommen eine Anklage gegen das gesamte Lohnsystem, dem der schwarze Mann unterworfen ist.

Wir wollen einmal ein konkretes Beispiel anfuhren. Die Goldgrubenbesitzer sind die größten Unternehmer des ganzen Landes, 1972 betrugen ihre Lohnkosten für die Schwarzen, nach der "Financial Mail", 95 Mio Rand, Ihre Gewinne beliefen sich auf 548 Mio Rand, und das waren 212 Mio Rand oder 63% mehr als 1971, Die von den Goldgruben gemachten Gewinne sind mehr als funfmal so hoch wie die den Schwarzen gezahlten Lohnkosten. Allein die Gewinnsteigerung gegenüber dem vorangegangenen Jahr ist mehr als doppelt so hoch wie den Schwarzen gezahlten Löhne. Die Gruben bezahlen ihren Arbeitern durchschnittlich 21 Rand pro Monat, Es gibt in Sudafrika ein ungeschriebenes Gesetz, nach dem alle den Schwarzen in irgendeinem Industriezweig gezahlten Löhne sich nach den in den Goldgruben gezahlter: Löhnen richten müssen.

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Die Erklärung liegt darin, daß die Gruben, die Hauptstütze der Wirtschaft, Arbeitskräfte verlieren würden, wenn die Differenz zu groß ist.

Wenn man die Wirtschaft Sudafrikas analysiert, darf man nicht vergessen, daß die verarbeitende Industrie zwar den weitaus größten . Teil des Nationaleinkommens erbringt, daß sie jedoch nicht imstande ist, sich selbst zu erhalten, da sie keine fremden Valuta verdienen kann, um ihre eigenen Rohmaterialien zu verkaufen. Hierfür muß sie sich gänzlich auf den Bergbau und die stark subventionierte Landwirtschaft verlassen. Diese beiden Wirtschaftszweige jedoch beschäftigen die meisten schwarzen Arbeiter und hängen fast völlig von der billigen Arbeitskraft der Schwarzen ab. Jede bedeutendere Lohnerhöhung wirde eine Umstrukturierung der Wirtschaft des Landes und ein völlig anderes Herangehen an die Lösung ihrer Probleme bedingen. Der rassistische Ministerpräsident Vorster hat bereits ernsthaft davor gewarnt, daß jede größere Lohnsteigerung, bei den Weissen oder den Schwarzen, die Inflation in eine galoppierende verwandeln und eine Krise durch Arbeitslosigkeit verursachen würde. Es ist jedoch eine Tatsache, daß gegenwärtig -- durch die dauernd sich verschärfende und unkontrollierbare Inflation - - eine entsetzliche Hungerkrise für zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung herrscht, Es gibt in der kranken Wirtschaft Südafrikas noch einen weiteren wunden Punkt: der unerhörte Mangel an gelernten und angelernten Arbeitskräften, der aus der Ausdehnung der Wirtschaft herrührt. Das"Gesetz für reservierte Arbeitsplätze" (Job Reservation Act) verbietet den Schwarzen, gelernte Berufe zu ergreifen, Die Absicht des Gesetzes bestand darin, die Position der weißen Arbeiteraristokratie zu schützen und gleichzeitig die weiße Arbeiterklasse zu kaufen, deren Gewerkschaften stets die Rassenschrankengesetze gegen die Schwarzen entweder stillschweigend zuließen oder sie kräftig unterstützten. Die Methode der Reservierung der Arbeitsplätze hat Ruckwirkungen auf die Wirtschaft gehabt. Da die Regierung das Gesetz nicht abschaffen wollte -- oder nicht konnte -mußte sie zu der Taktik Zuflucht nehmen, den Unternehmern massenhaft Ausnahmegenehmigungen für die Einstellung von Schwarzen zu geben, wo weiße Arbeiter nicht zur Verfügung standen, Die weißen Gewerkschaften betrachten dies als eine Bedrohung ihrer Vorzugsstellung. Im Augenblick gibt es eine scharfe Auseinandersetzung innerhalb der weißen Gewerkschaften, Die fanantischen Afrikaander verlangen schärfere Maßnahmen gegen die Verwässerung bei den Facharbeitern: sie argumentieren, daß dieser Prozess, wenn man ihn gewähren laßt dazu führen muß, daß Schwarze und Weiße an der gleichen Werkbank stehen werden. Die anderen befürworten eine neue Politik, da sie einsehen, daß sie den Prozess nicht aufhalten können, und es ihnen bewußt ist, daß die weißen Arbeiter nur eine Minderheit der Arbeitskräfte darstellen und daß ihre Verhandlungskraft dadurch verhindert wird, Sie verlangen das Recht, schwarze Arbeiter in den Gewerkschaften zu organisieren, die den weißen Gewerkschaften beigeordnet werden.

DIE ANTWORT DER HERRSCHENDEN KLASSE

Die Unternehmer ihrerseits sind durch ihre Neuentdekkung , daß zwischen ihnen und der großen Mehrheit ihrer Arbeiter kein Kontakt oder keine Verbindung besteht, stark betroffen. Für den Fall der Fälle ist keine Verhandlungsmaschin erie vorhanden. Über eine vom Arbeitgeberverband einberufene Versammlung von Natal berichtet der "Rand Daily Mail" vom 29. November 1972, daß die Geschäftsleute und Industriellen zutiefst über den Mangel an Kontakten zu den Afrikanern besorgt waren und fuhlten, daß "das Vakuum auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Unternehmern und Arbeitern plötzlich ein-. tretende gefährliche und unvorhergesehene Situationen hervorrufen könnte". Der Vorsitzende -- George Palmer --, Herausgeber der "Financial Mail", faßte die Sorgen der Versammlung so zusammen: "Ich würde nur sehr ungern ausmalen, was heutzutage geschehen könnte, wenn wir einen weiteren Autobusboykott in Johannesburg hätten und wieder herausfinden müßten, daß wir keine Führer, keine Vertreter, keine Sprecher haben würden, um mit ihnen zu verhandeln. " Bezüglich der sich verschärfenden Inflation meinte er: "Was geschieht mit dem schutzlosen, gewerkschaftlich nicht organisierten afrikanischen Arbeiter dann, wenn die Preise etwa um 8% jährlich steigen ? Wie lange wird er diese Situation ertragen *, wenn er es schon heute schwierig genug findet, seine Miete in der Stadt zu bezahlen › Wir spielen mit dem Feuer, wenn wir jetzt keinen Mechanismus einführen, der es uns erlaubt, mit dieser Situation fertig zu werden. " Zum Schluß sagte Palmer, die Unternehmer müßten zusammen mit den Gewerkschaften irgendeine Form der Vertretung für die afrikanischen Arbeiter ausarbeiten, "nur dann wird eine Aussicht bestehen, die Regierung zur Änderung ihrer Politik zu bewegen*.

Und wie sieht die Regierungspolitik in dieser Frage aus › Besteht sie darin, "Heimat-Gewerkschaften" in den Reser vaten, mit Arbeiterdiplomaten aus den Bantustans zu schaffen, um mit der - weißen rassistischen Regierung über Arbeitsprobleme zu verhandeln › Ein Traum, der keine Chance hat ! Es mag so aussehen, als ob sich damit die rassistische Regierung leichtşinnig weigert, der Wirklichkeit ins Auge zu sehen. Aber das Gegenteil ist richtig. Zum ersten Mal hat sich der Broederbund -- eine reaktionäre Geheimorganisation, die auf die Spitzen der herschenden nationalistischen Partei Einfluß ausübt und dabei den holländischen Flügel der weißen südafrikanischen Bevölkerung repräsentiert -- den Realitäten des Lebens gegenüber- 12-

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gestellt gesehen, nämlich den konkreten und schrecklichen Konsequenzen seiner Apartheidpolitik. Vorster weiß, daß jede Änderung in Richtung Liberalisierung in der Industrie unvermeidlich zu einer Liberalisierung in allen Bereichen des politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens führen muß -- zu einer Verneinung der Apartheid- Politik. Er weiß ebenfalls, daß die gegenwärtige Situation zu einem wirtschaftlichen Chaos fuhrt. Tatsächlich befindet sich Vorster und sein Regime in einer Zwickmühle. Offensichtlich kann eine Änderung nicht mehr lange verhindert werden. Historische Kräfte zertrümmern die Mauern der Apartheid, Die einzige Frage ist nur: welche Änderung steht auf der Tagesordnung ?

Di e Rassisten haben alle Trümpfe ausgespielt. Sie haben nichts als brutale Gewalt in ihrer Hand behalten, und sie wissen sie nur zu gut anzuwenden. Aber niemals hat brutale Gewalt den Gang der Geschichte für ewig aufhalten können. Im Gegenteil: sie wirkt dahin, ihn zu beschleunigen. Der herrschenden Klasse sind wenige Alternativen geblieben, Das rassistische Sudafrika kann sich nur auf geringfügige Reserven stützen, Seine Position auf dem Weltmarkt läßt ihm wenig Manövrierspielraum. Infolgedessen wird sich die drohende Krise eher verstärken als nachlassen. Die Weltkrise des Kapitalismus und des Imperialismus hat Sudafrika in eine Position der Isolierung getrieben. Sein wichtigster Handelspatner und größter Importeur seiner Produkte, Großbritannien, ist durch seine wirtschaftlichen Schwierigkeiten gezwungen, sich der EWG zuzuwenden. Die Bedingung für seinen Eintritt besteht darin, daß er Südafrika und andere Mitglieder des Commonwealth, die eine begünstigte Stellung einnahmen, opfern muß. Die Tage, in denen Südafrika das Eldorado des internationalen Finanzkapitals war, sind vorüber. Dieses muß jetzt auf der Suche nach ruhigeren Gefielden die Flucht ergreifen. Dunkle Wolken ziehen am Horizont des einst so sonnigen Sudafrikas auf.

Noch ein anderes Damoklesschwert hängt uber der südafrikanischen Wirtschaft -- die Boykottdrohung Schwarzafrikas. Als hochindustrialisierter Staat braucht Sudafrika ausländische Märkte, um zu überleben. Seine natürlichen Handelspartner hätten die unabhängigen Staaten Afrikas sein müssen, in die es alle seine Industrieprodukte ausfuhren könnte. Aber seine Apartheid-Politik wirkt wie ein Fluch und ist eine Beleidigung der Wirde Schwarzafrikas, eine unverschämte Anmassung, die gegenwärtig auch nur LEE, Franz J. T.

SÜDAFRIKA VOR DER REVOLUTION & Originalausgabe, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Bd. IZZ 1334, 188 S.

DM 4,80 ein Zwiegespräch unmöglich macht. Die Unterstützung durch das Rhodesische rassistische Regime hat seine Probleme noch vergrößert. Der nicht mehr rückgängig zu machende Schnitzer von Smith, die Grenze zu schließen, wird nicht nur für Rhodesien, sondern auch für Sudafrika selbst schlimme Folgen haben. Diese unglaubliche Dummheit bestätigt das Sprichwort: " Wen die Götter vernichten wollen, dem rauben sie vorher den Verstand, " Durch diese Handlung besiegelte der Schützling Vorsters das Schicksal der beiden rassistischen Regime an der Südspitze Afrikas. Als er die Handelswege sperrte, schnitt er auch alle Verbindungsmittel, jeden Handelsaustausch mit dem Süden ab. Wenn Zambia den Sturm übersteht und über die anderen afrikanischen Staaten lebensfähige Handelswege zum Meer zugestanden bekommt, dann wird es nur eine Frage der Zeit sein, daß Botswana auf den Vorschlag eingehen wird, den tödlichen Griff Sudafrikas auf seine Wirtschaft zu lockern und sich mit seinen nördlichen Nachbarn zu verbünden.

Das läßt auch sehr deutlich eine andere Seite der Boykottwaffe in den Händen Afrikas erkennen, Wir erwähnten vorhin, daß die Goldgewinnung die Hauptstütze von Sudafrikas Industrie ist. Sie ist oft als das Schwungrad der Wirtschaft des Landes bezeichnet worden. Viele Jahre lang mußte Südafrika bis zu 60% der Grubenarbeiter aus so entfernten Gebieten wie Nordrhodesien, Tanganyika, Angola und Mozambique anwerben, um dem Arbeitskräftemangel im Lande abzuhelfen. Nach Angaben eines Beamten der Bergwerkskammer ist der Prozentsatz ausländischer Arbeiter auf 80% gestiegen. Die unabhăngigen Staaten Tanzania und Zambia haben der Abwerbung ihrer Einwohner ein Ende gemacht, Für Portugal, das vertraglich verpflichtet ist, jährlich 100 000 bis 150 000 Arbei ter aus seinen Kolonien zu liefern, wird es angesichts des Aufschwungs des Befreiungskampfes der Kolonialvölker immer schwieriger werden, seinen vertraglichen Verpflichtungen nachzukommen, Dies ist ubrigens einer der Gründe, warum das südafrikanische Milităr in Mozambique und Angola kämpft, um den portugiesischen Kolonialismus zu erhalten. Auch auf dieser Front sind die Aussichten für Südafrika nicht sehr günstig; aber es besitzt eine mächtige Armee und die Möglichkeit, an dieser Front eine Verteidigungslinie aufzubauen, besonders dann, wenn es die stillschwigende Unterstützung des westlichen Imperialismus genießt, eines Imperialismus , der sich völlig über die Rückwirkungen eines Sieges der Befreiungskräfte in jenem Teil des sudlichen Afrikas auf die südafrikanische Wirtschaft im klaren ist.

DIE BEDEUTUNG DES AUFRUHRS

Wir müssen die Bedeutung der Streikwelle der schwarzen Arbeiter Sudafrikas im Rahmen aller dieser Kräfte begrei- 13-

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fen -- und damit ihre besondere Gewichtung und Richtung, ihre unmittelbaren Ziele wie ihre Perspektiven auf lange Sicht, Im vorindustriellen Europa wurden alle Klassenkämpfe unter dem Banner der Religion ausgefochten, Im heutigen Südafrika tritt der Klassenkampf in Gestalt von Lohnforderungen in Erscheinung und macht dadurch den Eindruck, als ab er in die engbegrenzte Zwangsjacke ökonomischer Kämpfe eingesperrt sei. Die Wahrheit sieht so aus, daß der untragbare wirtschaftliche Druck nur als Auslöser gedient hat, als ein Ruf , in eine Schlacht zu gehen, deren Ziele sehr viel weiter gesteckt sind als es dem oberflächlichen Betrachter erscheinen mag. Unter den Bedingungen Sudafrikas, wo die schwarzenArbeiter mithilfe von unzähligen Apartheid- Gesetzen Tag für Tag in einem Ghetto leben müssen, nimmt jeder Kampf die Form eines politischen Kampfes an,. Für den schwarzen Mann ist eine Forderung auf gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit eine politische Forderung, denn sie schließt den gleichen Status für alle Arbeiter -- unabhängig von ihrer Hautfarbe -ein. Die Streikaktion selbst stellt die Gesetze in Frage, die eine solche Handlungsweise als illegal hinstellen. Damit stellt jeder Streik die Mißachtung seiner Rechte als Arbeiter und das Problem seiner Stellung als ein DURBAN: schwarze Streikende trotzen Angriffen mit Tränengasgranaten

Mitglied der Gesellschaft auf die Tagesordnung. Kurz gesagt: er wirft die Gesamtfrage seiner demokratischen Rechte auf. Das ist das unausgesprochene langfristige Ziel, das deutlich von den Kämpfenden auf beiden Seiten der Barrikaden erkannt wird, Es verdient hervorgehoben zu werden, daß in den letzten paar Jahren die Streikwellen der Arbeiter abwechselnd und manchmal gleichzeitig mit den Streikwellen und Massenprotesten der Studenten stattfanden. Die letzteren haben deutlich ihre Ziele genannt -- nämlich die Beseitigung der Apartheid in der Erziehung. Eines war allen Streiks gemeinsam: alle nichtweißen Bevölkerungsteile der Unterdrückten, die afrikanischen, farbigen und indischen, machten gemeinsame Sache. In der studentischen Front demonstrierten auch die weißen Studenten in den Universitäten von Kapstadt und Witwatersrand -- trotz der Brutalität der Polizei -- nicht etwa für die Verteidigung ihrer privilegierten Positionen, sondern unterstützten die Forderungen der schwarzen Studenten. Es mag manchem merkwürdig erscheinen, daß wir auf eine so natürliche Erscheinung -- nämlich daß Menschen verschiedener ethnischer Gruppen zusammen gegen einen gemeinsamen Feind kämpfen -- aufmerksam machen. Wenn wir aber die Geschichte der Politik des " Teile und Herrsche" in Sudafrika kennen, ihre lähmende Wirkung auf die Ansichten der traditionellen Führungen, die verheerenden Folgen einer derartigen Politik auf die Kämpfe der Unterdrückten, erst dann werden wir den erreichten Grad der politischen Entwicklung und das jetzt eroberte Terrain zu würdigen wissen. Das ist kein zufälliges Ereignis. Von ihrem Beginn im Jahre 1943 an führte die Einheitsbewegung von Sudafrika eine intensive Kampagne durch, a.) für die Ausrottung der Sklavenmentalität b.) für das Niederretßen der Rassenschranken, welche die Unterdrückten trennten, Die Bewegung war der Überzeugung, dies seien einige der Haupthindernisse für die Entwicklung einer echten nationalen Bewegung. "Die Unterdrtickung ist unteilbar und kein Bevölkerungsteil kann die Befreiung ohne den anderen erreichen" war die von der Bewegung verbreitete Lehre. Aber sie unterstrich, daß die Einigkeit keinen Sinn hat, ja sogar gefährlich ist, wenn sie nicht auf Grundsätzen basiert. Es ist offensichtlich, daß diese Lehren von der Bevölkerung aufgenommen und in ihr Denken übernommen wurden, Bei den Studenten ist man heute stolz darauf, den Ausdruck "Schwarze" für die Bezeichnung aller Teile der Unterdrückten zu benutzen, Das kühne Vorgehen der Arbeiter während der Streiks im ganzen Lande zeigt, daß sie die Sklavenmentalität abgestreift haben. Und das gilt für den Gesamtbereich des südlichen Aírikas einschließlich von Namibia, für das die gleichen rassistischen Gesetze gelten. Der Streik der namibischen Arbeiter war nicht nur ein ökonomischer Streik, noch wurde er allein von einer Stammesgruppe, den Ovambos geführt, wie es die Zeitungen darzustellen versuchten. Er war ein Protest der Arbeiter von Namibia gegen die Besetzung durch eine fremde Macht, Südafrika, mit allen ihren verfluchten Apartheid-Gesetzen, Es war mit anderen Worten ein Schritt auf die Selbstbestimmung hin; die streikenden Arbeiter in Südafrika stellten nicht ausdrücklich die Forderung auf das Recht, Gewerkschaften bilden zu dürfen, auf. Die Studenten stellten bisher nur -44-

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die Forderung auf Abschaffung der Apartheid in der E- keit, daß die revolutionäre Führung in einer reaktionären ziehung auf, aber die Richtung kann nicht mißverstan- Welle zerstört wird. Die einzige Sicherheit gegen Neoden werden und wurde von der ursprünglichen Organisa- kolonialismus und Konterrevolution ist eine permanente tion der schwarzen Studenten (SASO) angegeben, als sie Revolution, welche die Ausbeutung des Menschen durch -- in einem anderen Zusammenhang -- die Einrichtung den Menschen beseitigt. Erst dann wird die überwältigender Reservate ("Bantustans") in den klarsten politischen de Mehrheit zum ersten Mal Erfahrung mit der Demokratie Ausdrücken eindeutig verurteilte. Es kann kein Zweifel machen. Erst dann werden sie imstande sein, ihr Schickdarüber bestehen, daß das unmittelbare Ziel des gegen- sal selbst in die Hände zu nehmen. wärtigen Kampfes die Erlangung der vollen demokratisch- Aus diesen kurzen Bemerkungen ergibt sich, daß ein deren Rechte ist. Das wird auch in negativer Weise durch die artiger Kampf äußerst wichtige Probleme aufwirft. Er Quislinge bestätigt, die in den verschiedenen Reservaten und genauso in den verschiedenen "Affen" - Parlamenten stellt die Frage der Machtübernahme, wer die Macht ergreift und wie, und was mit der Staatsmacht getan wersitzen. Selbst sie sind nicht mehr imstande, ihre Positioden soll, wenn sie einmal übernommen worden ist. Zu nen zu verteidigen. Wenn sie sich an die Öffentlichkeit alledem ist eine Führung nötig, welche die historische wenden, dann ziehen sie über die Apartheid her, "fordern" Notwendigkeit und die Rolle der verschiedenen Klassen in als allermindestes Selbstbestimmung und "fordern" volle der Gesellschaft versteht, welche erkennt, welches deren demokratische Rechte, Jedoch muß der Unterschied zwischwirkliche Interessen sind und wo ihre Grenzen liegen. en den Zielen des Kampfes in Südafrika und denen in Na- Eine Führung wird gebraucht, die die Rolle des Staates und mibia beachtet werden.

der Staatsmaschinerie begreift, die den Unterschied zwi- In Namibia kämpft die Bevölkerung ebenso wie das übrige schen einem bürgerlichen und einem proletarischen Staat Schwarzafrika darum, die Fremdherrschaft loszuwerden. begreift und die vor allem weiß, daß eine bürgerliche Erreicht sie einmal ihr Ziel, dann wird sie, wie die meis- Staatsmaschinerie als ein Instrument zur Beherrschung der ten Schwarzafrikaner, vor dem Problem stehen, das Land Mehrheit durch eine Minderheit geschaffen wurde. Es ist zu einem einzigen Nationalstaat zusammenzuschweißen. deshalb nicht möglich, die gleiche Maschinerie zur Be- Südafrika ist bereits ein Nationalstaat, ein bürgerlicher freiung der Massen zu benutzen. kapitalistischer Staat. Aber die große Mehrheit der Be- ITERNATIONALE völkerung hat niemałs jene Rechte besessen, die zu einem kapitalistischen Staat gehören, Gegenwärtig kämp- SOZIALISTISCHE fen sie darum. Das unmittelbare Ziel des Kampfes ist PUBLIKATONEN -- mit anderen Worten -- die Erlangung der bürgerlichdemokratischen Rechte, die nur die weiße Minderheit INTERNATIONALE besitzt. Aber der Kampf um die Erlangung dieser Rechte kann nicht unter der Fürhung der Bourgeoisie durchge- SOZIRUSTISCHE führt werden, Nur das Proletariat, in Zusammenarbeit PUBLIKAROTEN mit der Bauernschaft, den Kleinhändlern und den Intelektuellen, kann den Kampf zu einem erfolgreichen Ende bringen. Das besagt, daß , obwohl der politische Inhalt FREMOSPRACHIGE LITERATUR die bürgerliche Demokratie darstellt, die Methoden, um sie zu erreichen, proletarisch sein werden. AUF ENGLISCH POLITISCHE ÖKONOMIE

STAATSTHEORIE 2000 Hamburg 13 ORANISATIONSFRAGE

PROLET ARISCHE REVOLUTION ASTHETIK

ARBEITERBEWEGUNG

Die bürgerliche Demokratie kann im Prozeß der sich ent- IMPERIALSTISCHE STAATEN Hochallee 21 wickelnden proletarischen Revolution vollendet werden. ARBEITERSTANTEN Das wird ein Übergangsstadium werden. In der Periode HOLOMALREVOLLMION des verfaulenden Kapitalismus kann sie sich nicht stabi- BIOGRAPHIEN lisieren. Wenn sie es täte, wäre die Revolution mißlungen, denn sie würde den Beginn einer neokolonialistischen AUF FRANZÖSISCH Phase bedeuten, unter der die Bevölkerung jene Rechte verlieren wird, für die sie so heldenhaft und aufopfernd KATALOG ANFORDERN gekämpft hatte. Dånn bestünde tatsächlich die Möglich- -45-

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Es ist offensichtlich, daß ohne eine Führung mit einer klar für demokratische Rechte ihre eigene Rolle spielen, Aber festgelegten Ideologie, mit einer sozialistischen Perspek- schon während sich der Kampf entfaltet und sich seinem tive es nicht möglich sein wird, die erstrebte Revolution Ziele nähert, wird es ihnen klar werden, daß Demokrain Südafrika durchzuführen. tie unter einem kapitalistisch-imperialistischen System Lug und Trug bedeutet. Ihre Klasseninteressen verlangen Wir haben gezeigt, daß die schwarzen Arbeiter Sudafrikas die Abschaffung der Ausbeutung der Arbeitskraft durch keinerlei Rechte besitzen, nicht einmal das Recht, Gewerk- das Kapital und die Errichtung eines Arbeiterstaates, der schaften zu bilden, obwohl sie die überwiegende Mehrheit allein die Grundlage einer Demokratie für die Mehrheit der Arbeitskräfte darstellen, Sie werden behandelt, als schaffen kann. ob sie namenlose Lasttiere wären, die nur durch ihre Zahl I. B. Tabata 23. Februar 1973 in Erscheinung treten. Durch die Streiks machten die Măn- (ubersetzt aus International Socialist Review vom April ner und Frauen ihre Menschenwürde geltend. Selbst die 1973) Unternehmer sprechen bereits darüber, ihnen das Gewerkschaften zu gewähren, oder zumindest irgendein Verhandlungsinstrument zu schaffen, Über Nacht wurden sie zu Männern und Frauen, die aufgrund ihrer Stellung als Produzenten Macht ausüben können. Die Industriellen beschuldigen sie bereits, das Land zu erpressen, Die Schwarzen sind als Arbeiterklasse in die politische Arena getre- Interview ten. Sie sind sich ihrer Macht und ihrer Klasseninteressen als Proletariat bewußt geworden, und sie werden in dem sich entwickelnden nationalerevolutionären Kampf