Der folgende Beitrag ist ein Interview mit Dr. Riad Malki von der Bir Zeit Universität, das in den vom Alternative Information Center in Jerusalem herausgegebenen News From Within (Nr. 8/1990) veröffentlicht wurde. Die Einleitung ist von News From Within: Die Krise im Persischen Golf warf wie ein Blitz ein Die ideologische und politische Verpflichtung der Licht auf das Vorhandensein von Prozessen und gezionistischen Linken auf die zionistischen Ziele, die sellschaftlichen und politischen Kräften im arabiin der Politik des Staates Israel — einer Politik, die schen Osten, die in den letzten Jahren von den meivon der Unterstützung durch den amerikanischen sten Palästinensern und Israelis im allgemeinen oder Imperialismus abhängt - verkörpert sind, ist wieder speziell von den Beteiligten am Dialog zwischen der einmal deutlich geworden. Die Verbindung des paläzionistischen Linken und den Palästinensern nicht stinensischen Volkes mit den Massen auf den Straßen beachtet worden sind. Nämlich, die Anwesenheit des des Nahen Ostens, die den Irak unterstützen — der in amerikanischen Imperialismus in dieser Region, die diesem Stadium in ihren Augen ihr Verlangen nach Rolle der reaktionären arabischen Regime bei der einer Wiederbelebung des Pan-Arabismus verkörpert Kontrolle des nationalen arabischen Reichtums und -, rief eine paternalistische und ungeschminkte Antdie fortwährende Existenz revolutionärer Leidenwort seitens der zionistischen Linken hervor, die in schaft und eines Verlangens nach der arabischen Einsich Elemente der arroganten kolonialen Kultur verheit unter den armen und ausgebeuteten Massen. einigt, die bisweilen ihr Schöpfer und bisweilen ihre Auch die palästinensische Frage und die Chance Schöpfung ist.
für eine politische Lösung im Rahmen einer israelischen Aufgabe der besetzten Gebiete der West Bank Es scheint, daß es im Nahen Osten nach der Golfund des Gaza-Streifens haben sich nun in ihren wirkkrise immer schwieriger werden wird, einen israelichen Ausmaßen gezeigt. D.h. die Existenz der inhälisch-palästinensischen Dialog fortzusetzen, an den renten Verbindung zwischen Israel und dem amerikadie zionistische Linke als Bedingung knüpft, daß die nischen Imperialismus sowie der arabischen Regime, Palästinenser ihrer arabischen Identität und ihrer die ihn unterstützen, und die Rolle dieser Verbindung Verpflichtung zur arabischen Einheit und zum Aufbei der fortgesetzten Ausbeutung und Unterdrückung stand der arabischen Völker abschwören, während der arabischen Völker, einschließlich der Palästinenser.
• Kurz nach der Invasion Kuwaits tauchte die Losung Gegen die Invasion
Kuwaits und gegen die Intervention des amerikanischen Imperialismus" auf den Mauern in den besetzten Gebieten auf.
4 Nun, wenn man über die Golfkrise diskutieren will, muß man über zwei getrennte Stadien dieser Krise sprechen. Das erste Stadium umfaßt die irakische Intervention Kuwaits und die Umstände, die sich daraus entwickelten, und das zweite Stadium die amerikanische militärische Invasion Saudi-Arabiens und die Besetzung des Golfs im allgemeinen durch amerikanische und curopäische Streitkräfte. Dies sind die beiden Stadien, und was Sie auf den Mauern in den besetzten Gebieten gelesen haben, widerdie israelische Politik genau die Kräfte unterstützt, die dies unterdrücken.
Interview mit RIAD MALKI spiegelt die Sichtweise, die die Palästi- Lösung des Konflikts sowie Friedensvernenser von diesem Konflikt haben, und handlungen zwischen dem Irak und Kuwie sie zwischen dem einen und dem wait eintrat, bei denen die irakischen Inanderen Stadium differenzieren. Was teressen in Kuwait zu berücksichtigen geschehen ist, ist, daß das zweite Sta- seien. Jene, die diese Losungen auf die dium real völlig das erste überschattet hat Mauern geschrieben haben, haben diese und daß es von den Palästinensern eine Stellungnahmen gelesen und in diese Art sehr entschiedene Position in Hinblick Graffiti übersetzt. auf die Bedrohung erforderte, die die Da zu dieser Zeit keine klare Position amerikanische militärische Präsenz dar- seitens der Vereinigten Nationalen Fühstellt, nicht nur für das Überleben des rung [der Intifada] in den besetzten Ge- Irak, sondern auch für die Wiederbele- bieten vorlag, haben Gruppen palästinenbung des Pan-Arabismus in der ganzen sischer Persönlichkeiten, die verschiearabischen Welt. dene politische Kreise repräsentieren, Nun, dies war am Beginn der Krise eine Stellungnahme herausgegeben, in klar; die PLO außerhalb [der besetzten der sie ihre Position als Palästinenser Gebiete] erklärte ihre Position in ihrem unter der Besetzung darlegten. Es war ersten Friedensplan, in dem sie zum klar, daß wir als Palästinenser, die unter Rückzug der irakischen Truppen aus ciner Besetzung leben, prinzipiell die Kuwait aufrief und für eine arabische gewaltsame Besetzung des Gebietes an-
derer Völker verurteilen und zurückweisen, und wir sprachen uns für eine friedliche Lösung des Konflikts zwischen den beiden Brudervölkern durch die Anerkennung der Sicherheitsinteressen des Irak und des Selbstbestimmungsrechts des kuwaitischen Volkes aus. Wir sprechen über die kuwaitische Selbstbestimmung und rufen nicht zur Rückkehr der sogenannten „legitimen Regierung Kuwaits" auf. Es ist klar, daß die Losung, die Sie auf den Mauern geschen haben, nur eine Widerspiegelung der offiziellen Position der Palästinenser innerhalb und außerhalb der besetzten Gebiete sind. • • Diese Position ist nicht vollständig im Flugblatt der Vereinigten Führung aufgetaucht. Sie erschien komplett in dem von den in der Öffentlichkeit bekannten Persönlichkeiten herausgegebenen Flugblatt. Im Flugblatt der Vereinigten Führung gibt den Satz Wir werden uns hier nicht mit der Besetzung Kuwaits beschäftigen". Welchen Grund gibt es dafür?
• Einfach weil, wie ich bereits gesagt habe, die amerikanische Bedrohung eine klare Gefahr nicht nur für den Irak, sondern auch für die palästinensische Revolution darstellt. Als solche überschattete sie die Besetzung Kuwaits und verlangte von den Palästinensern eine schnelle Antwort. Anstatt uns näher damit zu beschäftigen, wie wir auf die irakische Invasion Kuwaits zu antworten und welche Lösungen wir auszuarbeiten haben, überlassen wir dies den Irakern und Kuwaitis, die über eine arabische Lösung mit ihren Problemen am besten fertig werden. Wir, die palästinensische Revolution, die PLO oder alle Palästinenser, haben nicht die Aufgabe, den Irakern und Kuwaitis zu erklären, wie sie ihre Probleme lösen sollen. Doch aufgrund der amerikanischen Bedrohung, der Tatsache, daß die militärische Präsenz der USA im Golf wirklich unser Überleben bedroht, die Existenz der arabischen Einheit, empfinden wir Palästinenser, daß wir eine klare Position einzunehmen haben, und wir fordern den Rückzug der amerikanischen und aller anderen ausländischen Truppen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Wir können jedoch nicht über die amerikanische Präsenz sprechen, ohne auch über ihre Partner zu sprechen, die sie eingeladen haben oder gezwungen wurden, sie einzuladen. Wir sprechen hier über die saudisch-ägyptisch-syrisch-marokkanische Koalition. Wir müssen die Position dieser arabischen Regime verdeutlichen, die klar gezeigt haben, daß PALASTINA sie reaktionär sind. Und wir müssen zeigen, daß die anderen Länder eine sehr ehrbare Position in bezug auf den Konflikt gezeigt haben, indem sie sich gegen solch eine Bedrohung und solch eine Invasion auf die Seite ihrer Brüder gestellt haben.
• Wir begreifen die antiimperialistische Position der Palästinenser. Aber wir möchten gerne von Ihnen hören, wie man Saddam Hussein und sein Regime einschätzen kann und wie man wirklich zum Wohl der irakischen Massen und der Massen in den anderen arabischen Ländern kämpfen kann. • Nun, zuerst einmal scheint es, daß Saddam Hussein sich in einer Situation befand, in der er den Pan-Nationalismus übernehmen mußte, um zu überleben. Wenn er gesagt hätte, daß er das alles gewollt hat, nur um seine militärische Macht zu vergrößern, hätte ihn das nirgendwohin gebracht; er hätte keine Unterstützung erhalten. So mußte er in dieser Tonlage sprechen, um die Unterstützung der arabischen Massen zu erhalten. Zweitens stellt der Irak für die arabischen Massen eine neue Hoffnung arabischer Stärke und Einheit dar, egal wer jetzt an der Macht ist, Saddam oder jemand anderes. Der Irak war - nach acht Jahren Krieg — das erste Land nach mehr als zwei Jahrzehnten, das sich offen und deutlich den US-Interessen in der Region entgegengestellt hat. Es war das erste Land, nach mehr als zwei Jahrzehnten, das Israel bedrohte. Deshalb sahen die Massen im Irak ihre eigenen Hoffnungen, die vier Jahrzehnte lang keinerlei praktische Antwort gefunden hatten. So scharten sich alle um den Irak, der von Saddam repräsentiert wird, und sie hoffen, daß sie, indem sie dies tun, Saddam zu etwas anderem hinleiten können, zum Pan-Nationalismus. Und er sah, daß er die arabischen Massen brauchte, um sich der imperialistischen Bedrohung entgegenzustellen.
Die arabischen Massen hofften, daß sie, indem sie Saddam unterstützten, in der Lage sein würden, gewisse Änderungen in der arabischen Welt zu erreichen, bei den reaktionären Regimen, eine Chance für einen neuen Aufschwung des Pan-Nationalismus. Somit schuf diese Art Vernunftehe zwischen den beiden Parteien - der irakischen Regierung auf der einen Seite und den arabischen Massen auf der anderen - die gegenwärtige Situation. In dem Moment, als der Irak in Kuwait einmarschierte, sagte Saddam deutlich, daß er in Kuwait nicht eingedrungen ist, weil er die Einheit zwischen Kuwait und dem Irak anstrebte oder die Einheit aller arabischer Regime. Er sprach von der Erhöhung der Ölförderquoten durch die kuwaitische Regierung, über den Ölpreis, über die Tatsache, daß er des Öls aus der Quelle von Romila in Nähe der Grenze beraubt wird. Das waren seine Gründe für die Invasion. Somit hatte er persönliche Gründe, es waren irakische Interessen und nichts weiter. Aber in dem Moment der Invasion Kuwaits und im Gefolge der Reaktion seitens der internationalen Gemeinschaft, insbesondere der USA, war eine neue Dimension geschaffen worden: die des Pan-Arabismus, und als solche entwikkelte sich die ganze Angelegenheit weiter.
• Wie sehen Sie die Reaktion der Palästinenser und der arabischen Massen in anderen Ländern? Ist sie ein Zeichen der Wiederbelebung des Pan-Arabismus oder sein letztes Aufbäumen vor dem endgültigen Verschwinden? • Nein, ich glaube und bin sehr optimistisch, daß es wirklich eine Wiederbelebung des Pan-Arabismus in der gesamten arabischen Welt gibt. Von Saddam, ob es ihm gefällt oder nicht, ging dieser Wandel aus, und er hat wirklich angefangen, sich zu entwickeln. Wir wußten vorher, daß die palästinensische Frage die einzige Frage ist, die die gesamten arabischen Massen vereinen konnte. Jetzt ist auch diese Bedrohung des Irak zu einer Frage geworden, die die gesamten arabischen Massen einen kann, weil sie im Irak ihre Stärke und ihre Mißachtung gegenüber den USA wiedererkannten. Als Ergebnis fingen die Leute an zu handeln; denn es gibt ein reales politisches Vakuum in der ganzen arabischen Welt: alle arabischen nationalen Befreiungsbewegungen sind derart eingeschlafen, daß die Massen jetzt erwacht sind und darauf hoffen, daß sich etwas entwickeln könnte. Die Idee des Pan-Nationalismus hat sich zu entwickeln begonnen. Dies ist eine wichtige Frage.
Für die Intifada gibt es bei alldem zwei Implikationen. Erstens befand sich die Intifada als eine der arabischen nationalen Befreiungsbewegungen und als die stärkste unter ihnen an der vordersten Front bei den Aktivitäten. Um den neuen arabischen Pan-Nationalismus zu entwikkeln, ist ein Mechanismus erforderlich, und dieser Mechanismus hat seinen Motor in der Intifada selbst.
Daher glaube ich, daß die Intifada derzeit eine zweifache Verantwortung hat: Erstens muß sie ihre Aktivitäten in den besetzten Gebieten fortsetzen, indem sie
sich der Besetzung entgegenstellt und versucht, ihr ein Ende zu setzen, um Freiheit und Unabhängigkeit zu erringen. Zweitens hat sie die Verantwortung für die arabischen Massen in diesem Stadium der Geschichte, in der sie sie führen muß.
Da es keine derzeit andere nationale Befreiungsbewegung in der arabischen Welt gibt, die zu handeln wirklich fähig und stark genug ist, muß die Intifada diese Verantwortung übernehmen. Für die Palästinenser ist es eine Ehre, dies, über die Intifada, zu tun. Gleichzeitig ist es für sie sehr schwer, damit fertig zu werden.
• Bedeutet die Wiederbelebung des Pan-Arabismus nicht die Stärkung der traditionellen Strömung in der PLO, die betonte, daß die Erlösung für die Palästinenser von außen kommen wird? • Um die Wahrheit zu sagen, wir als Palästinenser unter der Besetzung hatten hie das Gefühl, daß wir unsere Rollen zwischen innen und außen zu trennen haben. Diese Vorstellung von „innen" und „außen" ist nur ein von den Medien erfundener Ausdruck, der den Palästinensern aufgezwungen wird, indem ihnen gesagt wird: ,Ihr Palästinenser unter der Besetzung habt eine wichtige Rolle zu spielen. Da in den besetzten Gebieten die Intifada stattfindet, so liegt es in eurer Verantwortung, die gesamte Aktivität zu leiten, sogar den ganzen Friedensprozeß."
Die israelische Regierung spielte eine bedeutende Rolle bei der Schaffung dieser Idee von einer alternativen Führung in den besetzten Gebieten. Aber die Leute hier haben diese Mentalität nie gehabt. Trotz der Anstrengungen der israelischen Regierung, ihrer Agenten und Medien sind die Palästinenser gegen diese Art des Denkens immun. Im Augenblick empfinden sie keinerlei Arbeitsteilung, keine Trennung der Verantwortlichkeit, bei den Stellungnahmen oder in der Führung zwischen innen und außen. Es gibt eine Führung, das ist die PLO, die einzige legitime Repräsentantin, und wir alle sind die PLO. Die PLO ist auf jedem palästinensischen Boden gegenwärtig, in jedem palästinensischen Haus, und wir haben nur eine Stimme, eine Entscheidung. und wir alle müssen daran festhalten.
9 Abgesehen von den Positionen der politischen Organisationen gibt es bei en Palastinensern auf den straßen, t er Offentlichkeit verschiedene Mei PALASTINA nungen. Zum Beispiel gab es Demonstrationen mit irakischen Fahnen. Können Sie etwas über diese Meinungen sagen? Ist dies ein Anzeichen für die Kristallisierung von Macht außerhalb der bestehenden Organisationen? • Nun, während der ersten Tage der Krise hatten wir zwei Positionen in den besetzten Gebieten. Erstens die emotionale Position, zweitens die logische Position. Die emotionale Position ist leicht zu begreifen: warum die Palästinenser für Saddam auf die Straßen gingen und gegen Kuwait als ein reaktionäres, rückschrittliches Regime usw. Andererseits haben wir die logische Position, d.h., daß die Palästinenser jede Form der Besetzung zurückweisen, denn wenn wir die irakische Besetzung Kuwaits rechtfertigen, können wir unseren Kampf gegen die israelische Besetzung, nicht nur in Palästina, sondern auch auf den Golan-Höhen und im südlichen Libanon, nicht rechtfertigen. Das ist wirklich wichtig, aber was geschehen ist, ist doch, daß die Massen, als sie auf die Straßen gingen, nicht auf die Befehle ihrer Führung warteten. Es widerspiegelte ihre Stimmung, ihre Hoffnung, daß etwas geschehen könne. Sie wollten etwas feiern, nach so vielen Monaten und Jahren der Repression. So kam ihnen dieses Ereignis (die Besetzung Kuwaits) wie ein Sieg vor.
Die Mehrheit der palästinensischen Reaktionen in den besetzten Gebieten war bis jetzt eine des Protestes, der Solidarität und Unterstützung. Jetzt müssen wir zu etwas anderem gelangen und über wirkliche Beteiligung sprechen. Aus diesem Grund kommt der Intifada eine bedeutende Rolle bei der Leitung der gesamten arabischen Massen zu, nicht nur für die Palästinenser in ihrem Kampf gegen die Besetzung. Wir glauben, daß es eine klare Verbindung gibt zwischen der Intifada und dem, was im Golf geschicht. Wenn die Iraker - ich spreche nicht von Saddam oder der Baath-Partei - wirklich siegen bei ihrer Konfrontation mit den Amerikanern, dann ist das ein Sieg für uns. Und wenn wir hier im Kampf gegen die Besetzung siegreich sind, dann wird das auch Auswirkungen im Golf haben, wenn nicht, weil wir Teil des Kampfes in der arabischen Welt sind, dann, weil wir Teil der internationalen Solidarität sind. So wie wir im Sieg des namibischen Volkes auch cinen Sieg für uns sahen, so sollten wir auch den Sieg des irakischen Volkes gegen den amerikanischen Imperialismus als einen Sieg des palästinensischen Volkes betrachten.
• Was denken Sie über Syrien, das in ein Bündnis mit den USA eingetreten ist und doch als strategischer Verbündeter der Palästinenser betrachtet wurde?
• Die Position Syriens und unsere Beziehung zu Syrien ist so kompliziert, daß es nicht einfach zu erklären ist. Die syrische Regierung hat in den vergangenen vierzig Jahren ihre Bevölkerung über ihre Rolle als eine progressive Regierung erzogen, die alles versucht, um das besetzte arabische Land, einschließlich Palästinas, zu befreien. Und sie haben die Bevölkerung auch über die Bedrohung und die Gefahr aufgeklärt, die vom Imperialismus, vom amerikanischen Imperialismus, ausgeht. Deshalb weiß ich nicht, wie diese Regierung der Bevölkerung jetzt entgegentreten wird, nach vierzig Jahren der Rhetorik und der Parolen dieser Art. Die Leute werden den Widerspruch sehen. Ich sehe nicht, daß das syrische Volk die Anwesenheit der syrischen Armee in Saudi-Arabien, an der Seite der Amerikaner, der Briten und anderer, gegen die Iraker akzeptieren wird. Es scheint eine unmögliche Aufgabe für Assad zu sein, es ihm zu erklären.
• Wie sehen die zukünftigen Ausichten der Krise der inniada aus sowi für den Kampf der Palästinenser auf der diplomatischen Ebene? Es gibt Stimmen in Israel, die sagen, daß jetzt, wo die arabischen Länder in ein Bündnis mit den USA getreten sind, diese Länder auf die USA Druck ausüben werden, um den Friedensprozeß fortzusetzen. • Es gibt zwei bedeutende Fragen, die die diplomatischen und politischen Manöver der PLO betreffen. Erstens hat die PLO seit ihrer Entstehung versucht, eine ausgewogene Position in bezug auf die arabischen Regime zu vertreten. Die PLO hat in den letzten zwanzig Jahren versucht, alle arabischen Regime gleich zu behandeln, nicht zu differenzieren zwischen einem progressiven und einem reaktionären Regime. Da sie die finanzielle und diplomatische Unterstützung aller arabischen Länder benötigte, mußte sie alle auf der gleichen Basis behandeln. Aus diesem Grund behandelte sie z.B. Algerien und den Südjemen genauso wie Saudi-Arabien und Oman.
Die Golfkrise hat die Fehlerhaftigkeit dieser Art von Politik der PLO enthüllt. Und das ist sehr wichtig. Gerade jetzt ist
als Resultat dieser Krise deutlich geworden, daß es etwas gibt, daß man reaktionäre arabische Regime nennt, und daß diese Regime ihre klassische Rolle angenommen haben, sobald der Konflikt ausbrach, und diese Rolle sehr gut gespielt haben. Sie lancierten eine Desinformationskampagne gegen die PLO, gegen das palästinensische Volk; sie drohten sogar, ihre gesamte finanzielle Unterstützung für die PLO einzustellen, und erklärten Yassir Arafat zur persona non grata in der Golfregion.
Die Palästinenser müssen also die beiden Lager - Freund und Feind - neu definieren. Sie müssen ihre Haltung gegenüber den reaktionären arabischen Staaten neu definieren. Jetzt ist offensichtlich, daß die alte arabische Einheit nicht existiert, daß es zwei Lager gibt, wobei das eine aus den reaktionären Regimen und den USA und das andere aus den Nationalisten und Antiimperialisten besteht, die überall verstreut sind und die Ärmsten in der arabischen Welt repräsentieren.
Zweitens hing die PLO in ihrer Politik • in den letzten Jahren von drei Dimensionen ab: der ägyptischen Dimension, der israelischen Dimension und der amerikanischen Dimension. Dies waren die hauptsächlichen Dimensionen der offiziellen politischen Linie. Viele in den besetzten Gebieten und einige Fraktionen der PLO sprachen über die Fehlerhaftigkeit dieser Dimensionen, indem sie sagten, daß die ganze Idee falsch sei, daß man nicht davon allein abhängen dürfe, da keine Möglichkeit dafür übrigbleibe, eine unabhängige politische Linie zu entwickeln. Aber die PLO-Funktionäre bestritten dies.
Somit hing man von der ägyptischen Dimension ab, und während viele Palástinenser sagten, daß dieses Regime eine Marionette der Amerikaner sei und nur die amerikanischen Interessen in der Region schützen würde, behauptete die PLO, daß Mubarak eine Menge geändert hätte und die Sache der Palästinenser in den USA und anderen Ländern fördern würde. Nun, die Krise hat die Rolle des ägyptischen Regimes und von Mubarak bloßgelegt. Somit ist die erste Dimension der offiziellen palästinensischen Politik zusammengebrochen.
Die zweite Dimension ist die israclische Dimension. Die PLO dachte in den vergangenen Jahren, daß sie sich auf das israelische Friedenslager stützen könne, um die Haltung der israelischen Gesellschaft so zu ändern, daß sie eine Anderung um 180 Grad vornimmt und schließlich die nationalen Rechte des palästinen- PALASTINA sischen Volkes und einen unabhängigen Palästinenserstaat anerkennt. Viele Palästinenser sprachen von der Sinnlosigkeit eines solchen Projekts, aber die PLO- Vertreter und viele Leute in den besetzten Gebieten, die dortigen Führer, akzeptierten diese Linie, indem sie sagten: ,Im Gegenteil, wir müssen auf dieses Pferd setzen, denn schließlich wird es das Rennen gewinnen."
Nun, es erwies sich als absolut falsch. In dem Augenblick, in dem die Palästinenser an die Seite des Irak bei seinem Konflikt mit den Amerikanern traten, zeigten die Führer dieses israelischen Pferdes ihr wahres Gesicht. Es wurde offensichtlich, daß sie nur weitere Zugeständnisse von den Palästinensern erhalten wollten, um ihren Wählern sagen zu können: „Seht, wir können von den Palästinensern in den besetzten Gebieten Zugeständnisse erhalten." Sie demütigten die Palästinenser, nannten sie dumm. Solche Stellungnahmen, gerade von Leuten, auf die die PLO ihre Hoffnung gesetzt hatte, daß sie eine Änderung in der israelischen Gesellschaft durchsetzen und die palästinensische Sache fördern würden, bewiesen, daß sie nur Papierpferde waren, die am ersten Tag, an dem die Palästinenser in diesem Konflikt auf die Seite des Irak traten, in sich zusammenfielen.
Die dritte Dimension ist die amerikanische Dimension. Die PLO dachte, daß sie durch einen Dialog mit den Amerikanern erreichen könnte, daß diese einen Druck auf die israelische Regierung ausüben, damit sie sich mit den Palästinensern, v.a. mit der PLO, zusammensetzt und die PLO schließlich dem palästinensischen Volk zu ihrem eigenen unabhängigen Staat verhilft.
Auch das hat sich als Unsinn erwiesen, denn schon von dem Moment an, an dem der Dialog in Tunis begann, war es kein wirklicher Dialog. Der amerikanische Botschafter war nur gekommen, um seine eigene Tagesordnung den Palästinensern aufzuzwingen, Forderungen zu erheben und Zugeständnisse herauszulocken. Das war der ganze Dialog. In dem Augenblick, als die Palästinenser sich weigerten, die Forderungen der USA anzunehmen, wurde der Dialog von Bush abgebrochen. In dem Moment, als die Palästinenser auf die Seite des Irak traten, zeigten die Amerikaner ihr wahres Gesicht, sie zeigten ihren Rassismus gegenüber den Arabern, den Moslems und den Palästinensern. Sie fingen eine Desinformationskampagne gegen die PLO an. Und somit glaube ich, daß auch diese Dimension zusammengebrochen ist.
Wenn diese drei Dimensionen - die wichtigsten für die PLO-Führung - in der ersten Woche der Krise zusammengebrochen sind, so bedeutet dies, daß die gesamte politische Position der PLO überprüft werden muß. Wir müssen nach einer drastischen Änderung dieser Positionen Ausschau halten.
• Aber was sind die möglichen zukünftigen Dimensionen nach dem Zusammenbruch der alten?
4 Es gibt die religiöse, die islamische Dimension. Und es gibt auch die radikale Dimension.
Ich spreche hier über den islamischen Fundamentalismus. Der islamische Fundamentalismus hat kürzlich in der arabischen Welt bei den Wahlen in Algerien Erfolg gehabt und eine gewisse Bedeutung in Tunesien, Ägypten und vielen anderen Ländern erlangt. Aber er war besorgt darüber, daß der Aufstieg des neuen arabischen Pan-Nationalismus auf seine Kosten ginge. Er wird also, um zu überleben, seine Haltung in bezug auf den Pan-Arabismus ändern und ihn in seine Arbeit mit einbeziehen müssen. Als Resultat erhalten wir so etwas wie einen „islamischen Nationalismus" . So etwas könnte sich entwickeln, und ich glaube, daß Hamas sich bereits für eine solche Ehe entschieden hat. Das letzte von Hamas herausgegebene Flugblatt widerspiegelt neben der islamischen Dimension die nationalistische Dimension. Und meine Frage ist: Wenn Hamas eine islamisch-nationalistische Bewegung sein wird, wie wird dann die Zusammenarbeit mit und die Beziehung zu anderen nationalen Bewegungen, einschließlich der Vereinigten Nationalen Führung, sein? Und wenn es in der Zukunft wirklich eine Zusammenarbeit gibt, wie wird sie sich auf die Intifada auswirken? Insgesamt bin ich sehr optimistisch, daß die Intifada - unabhängig vom Ausgang der Golfkrise - von diesen Änderungen profitieren wird. Was die radikale Option betrifft: eines der Ziele der von den USA geführten und von anderen Ländern mitgetragenen Kampagne ist es, die PLO international zu isolieren. Sehen Sie z.B. die Stellungnahme des italienischen Außenministers über die Notwendigkeit, die Beziehung zur PLO neu einzuschätzen. Die kanadischen und australischen Außenminister haben dasselbe getan, und viele andere überlegen sich eine Neubeurteilung ihrer Beziehung zur PLO.
Die PLO wird sich isoliert sehen, und
ALBANIEN infolge der palästinensischen Unterstüt- Jemen, Tunesien. Als Resultat wird die zung für den Irak wird alles, was sie PLO ihre von den Golfländern erhaltenen während der Intifada erreicht hatte, ver- finanziellen Ressourcen verlieren, und loren sein. In der arabischen Welt ist die dies wird die Effizienz der PLO-Opera- PLO bereits von mehr als der Hälfte der tionen und auch die Vollendung verschiearabischen Länder, den reichen arabi- dener Projekte innerhalb und außerhalb schen Ländern, isoliert. Arafat trifft sich der besetzten Gebiete beeinträchtigen. nur noch mit Vertretern von Ländern wie Die Isolierung und der Verlust finan- Libyen, Algerien, Sudan, Jordanien, zieller Unterstützung wird die PLO zu-