Die Sozialistische Volksrepublik Albanien (SVRA) ist in Bewegung gekommen. In dem Land, das sich als einziger der bürokratisierten Arbeiterstaaten in Europa auch noch nach dem XX. und XXII. Parteitag der KPdSU positiv auf Stalin bezog, hat die Führung begonnen, Reformen durchzuführen (Ansätze zur Reisefreiheit, marktwirtschaftliche Elemente, engere wirtschaftliche Kooperation mit dem Ausland) — sicherlich zum großen Teil als Reaktion auf die Veränderungen im übrigen Osteuropa. Doch die politischen und ökonomischen Kursänderungen wurden auch unternommen, um das Land vor dem drohenden wirtschaftlichen Zusammenbruch zu bewahren und es aus der Isolation herauszuführen, in die es durch den Bruch der albanischen Führung mit der UdSSR und später mit der Volksrepublik China geraten war.
In dem folgenden Interview, das Janette Habel und Cecilia Garmendia mit Edith Lhomel, Verfasserin zahlreicher Artikel über Albanien, für Inprecor führten, wird versucht, die Charakteristiken der albanischen Erfahrung nachzuzeichnen. Interview mit EDITH LHOMEL rück bringen zur Situation in den frühen siebziger Jahren, als die PLO noch radikal war in bezug auf den Konflikt selbst. Die PLO wird sich an radikalere Positionen anpassen, die die Frage betreffen, wie der Konflikt gelöst werden soll und mit wem man sich in dieser neuen Phase der Ost-West-Konfrontation zu verbünden hat. * • Kann man die Entwicklung der Partei der Arbeit Albaniens (PPSh — Partia e Punes e Shqipërisë) besser verstehen, wenn man die Geschichte und die Eigenheiten des Landes kennt?
• Albanien ist ein kleines Land (28 748 km?); es zählt gegenwärtig 3,2 Millionen Einwohner. 76% des Landes sind bergig. Seine Dynamik der Bevölkerungsentwicklung ist mit einer Geburtenrate von 20,1% die höchste in Europa, es ist also ein sehr junges Land (das Durchschnittsalter beträgt 26 Jahre). Die Landbevölkerung bleibt zahlenmäßig bedeutend, ihr Anteil betrug noch im April 1989 64,5%. Seit dem Zweiten Weltkrieg übt die PPSh [bis 1948 unter dem Namen Kommunistische Partei Albaniens] die ungeteilte Macht aus. Vor dem Krieg war Albanien eine Monarchie. König Ahmed Zogu ergriff vor den deutschen Invasoren die Flucht, nachdem er mit den italienischen Faschisten paktiert hatte und dasselbe auch mit Deutschland versucht hatte. Die Kommunistische Partei hatte den nationalen Befreiungskampf gegen die Naziinvasion geführt und geleitet. Wenngleich sie sicherlich die Hauptkraft des Widerstands war, so gab es doch auch noch andere politische Kräfte in Albanien, wie die Monarchisten der Legalitate-Partei oder die Nationalisten des Balli Kombětar (Nationale Front]. Diese Parteien spielten allerdings nur zwischen 1920 und 1924 eine Rolle, als es eine kurze Periode der parlamentarischen Demokratie gab. Während des Zweiten Weltkriegs wurden diese Kräfte von der Kommunistischen Partei an den Rand gedrängt, wozu ihre Haltung gegenüber der Nazi-Okkupation beitrug. Die albanische Bourgeoisie, die man nur sehr eingeschränkt als „national" qualifizieren konnte, hatte keinen Einfluß, da das albanische Kapital nur wenig Bedeutung besaß. Vor dem Krieg waren die Bodenschätze des Landes, insbesondere der Bergbau, von ausländischem Kapital (italienischem und deutschem) verwaltet worden.
• Die PPSh wurde also durch ihre Rolle im Befreiungskampf geprägt, was ihr im Unterschied zu den meisten anderen Kommunistischen Parteien Osteuropas, die dank der Roten Armee an die Macht gelangt sind, einen eigenen Charakter und Legitimität verliehen hat. Auch ihr weiterer ideologischer Werdegang war anders...
• Die PPSh war in den Augen der Bevölkerung durch diesen nationalen Befreiungskampf politisch legitimiert. Das war lange Zeit ein bedeutender Faktor, und die Partei hat dies voll ausgenutzt. Die PPSh beruft sich ebenso auf den Marxismus-Leninismus wie auf ihre Rolle bei der Befreiung. Deshalb hat sie am Anfang nicht dasselbe Verhältnis zur Bevölkerung gehabt wie manche andere Kommunistische Partei Osteuropas. Außerdem hat die PPSh anscheinend verstanden, daß in der albanischen Gesellschaft das System der Klans die Grundstruktur der sozialen Ordnung bildete. Innerhalb dieser Klans regelte ein Gewohnheitsrecht alle sozialen Beziehun- Man weiß nicht — es ist noch eines der großen Geheimnisse der Geschichte der PPSh -, ob die Partei vollständig erfolgreich war bei der Neutralisierung dieses sozialen Gewebes oder ob sie im Gegenteil diese Strukturen zerstört hat. Manche Historiker behaupten, daß während des Zweiten Weltkriegs die politischen Kommissare aus den Klanführern der Dorfgemeinden rekrutiert worden seien, insbesondere in den Bergregionen. Der PPSh wäre es also gelungen, in diese Klanstrukturen einzudringen, die sehr abgeschottet und an eine autarkische Lebensweise gewöhnt waren.
Was der gegenwärtige Parteiführer Ramiz. Alia heute den Faktor der „nationalen Psychologie* nennt, erklärt zu cinem großen Teil den Einfluß der PPSh, deren Diskurs sich stark auf das Nationalgefühl stützt. Das „Albanertum" ist quasi Religion. Davon zeugt auch die traditionelle Losung „Die Religion der Albaner ist Albanien* Die kommunistische Tradition war vor dem Krieg in Albanien schwach. Es gab einige kommunistische Aktivisten, die von der Geschichte der Sowjetunion beeinflußt waren. Doch die Kommunistische Partei Albaniens wurde erst im November 1941 gegründet. Zu ihren Gründern gehörte Enver Hoxha, der bis zu seinem Tod im Jahre 1985 die Geschicke der Partei und des Landes lenkte. Schon bei ihrer Gründung war eine bedeutende Fraktion der Partei stark von ALBANIEN
Jugoslawien beeinflußt; mit dem Bruch zwischen den beiden Ländern wurde sie ausgeschaltet.
de Die pestander durch inre verschienalen Beziehungen und Brüche geprägt. Was steckte hinter diesen Zerwürfnissen, die Albanien sicher so teuer zu stehen kamen?
• 1948 brach Albanien radikal mit dem Jugoslawien Titos. Dafür gibt es sicher ideologische Gründe. Der „titoistische"* veg wurde in bezug aur leninistiscn na vor allem stalinistiscne Prinzipien a „Renegatentum" verurteilt. Aber die albanische Führung beschuldigte Jugoslawien jedoch auch, gegenüber Albanien Annexionspläne zu hegen. Dieser Bruch war ideologischer, aber auch praktischer Natur, da die PPSh von einer realen Gefahr für die Existenz des Landes ausging.
Ein weiterer wichtiger Punkt in der ideologischen Entwicklung der Partei der Arbeit Albaniens war die Verweigerung der Entstalinisierung. In den sechziger Jahren stand sie an der Spitze des sogenannten „antirevisionistischen" Kampfes und prangerte den ihrer Auffassung nach von der Sowjetupion unter Chruschtschow bei Stalins Tod und vor allem nach dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 eingeschlagenen Weg an. Die Erklärung für diesen Bruch war eine doppelte. Einerseits hatte sie eine ideologische Seite: Die PPSh betrachtete die von der sowjetischen Führung an Stalin geübte Kritik als unannehmbar und die stalinistischen Prinzipien als weiterhin gültig. Sie lehnte die friedliche Koexistenz ab, die die Sowjetunion mit der kapitalistischen Welt anstrebte. Andererseits dachte Hoxha, daß die Sowjetunion ihre osteuropäischen Verbündeten nicht als gleichwertige Partner behandle. Albanien brach also seine Verbindungen zum Warschauer Pakt ab, ein Bruch, der aber erst 1968, nach dem Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die CSSR, offiziell vollzogen wurde. 1961 zog Albanien sich auch aus dem RGW zurück. Hier waren die Gründe für den Bruch mit der Sowjetunion sowohl politischer als auch ökonomischer Natur. Albanien lehnte die Rolle als „Obstgarten" des RGW und als strategische Basis ab, die ihm von Chruschtschow zugedacht war, der ihm gleichzeitig den Aufbau einer Schwerindustrie verweigerte. Die Albaner kritisierten das „imperialistische Auftreten" Moskaus ihnen gegenüber. Es war ein Bruch, der Albanien sofort wirtschaftlich teuer zu stehen kam. In dieser Zeit wurden auch die diplomatischen Beziehungen zu den anderen Ländern Osteuropas abgebrochen, die Handelsbeziehungen aber in der Mehrzahl der Fälle fortgesetzt. Erst in den achtziger Jahren wurden die diplomatischen Beziehungen mit der Gesamtheit der Länder Osteuropas (außer der UdSSR) wieder hergestellt, zunächst mit Rumänien, der CSSR und der DDR. 1961 trat Albanien zusammen mit der Volksrepublik China an die Spitze des „antirevisionistischen" ideologischen Kampfes gegen die Sowjetunion. • Aber diese Annäherung an China war von kurzer Dauer...
• Es gab eine Zeit der sehr intensiven Zusammenarbeit zwischen Albanien und China. Im Bereich der militärischen, technischen, technologischen und wirtschaftlichen Hilfe löste China die UdSSR ab. Aber diese Zusammenarbeit endete 1977, als die chinesische Führung ihre berühmte „Drei-Welten-Theorie"* verkündete, die laut Enver Hoxha eine unannehmbare Verletzung der Prinzipien des Marxismus-Leninismus bedeutete'. Die PPSh veröffentlichte am 7. Juli 1977 in ihrem Organ Zěri i Popullit [Volksstimme] einen Artikel [.,Theorie und Praxis der Revolution"], worin all ihre Vorwürfe zum Ausdruck kamen. Abgesehen davon, daß die „Drei-Welten- Theorie" Punkt für Punkt zurückgewiesen wurde, wurden darin die Chinesen beschuldigt, den albanischen Produktionsapparat sabotiert, auf ökonomischem Gebiet ihre Versprechen nicht eingehalten und sogar die Ziffern ihrer Hilfsleistungen aufgebauscht zu haben. Die Polemik zwischen Chinesen und Albanern ging also auf das ökonomische Terrain über. Doch wurden die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Ländern, wenngleich sie auch stark zurückgingen, niemals vollkommen eingestellt, während der Bruch mit der UdSSR total gewesen war. Jedoch hatten viele laufende Projekte (z.B. im Bereich der Elektrizität oder das Stahlkombinat in Elbasan) eine Zeit lang Probleme, da von einem Tag auf den anderen zahlreiche chinesische Techniker ihren Arbeitsplatz verlassen hatten.
All diese Brüche hatten bedeutende Säuberungen innerhalb der PPSh zur Folge, die davon jedesmal sehr erschüttert wurde. Das offizielle Bild einer homogenen und von Fraktionskämpfen freien Partei hat nie mit der Realität übereingestimmt.
• Haben diese Brüche der Wirtschaft des Landes geschadet?
• Der Bruch mit der Sowjetunion hatte die schwerwiegendsten Folgen. Dieses Land hat eine Blockade gegen Albanien organisiert, die 1960/61 zu einer schweren Hungersnot führte. Der Bruch mit China hat die Verwirklichung industrieller Projekte verzögert und die Erfüllung des Fünfjahrplans von 1976-80 behindert. Die Selbstversorgung mit Nahrungsmitteln war in Albanien 1976 - im Gegensatz zu den sechziger Jahren — aber schon erreicht, so daß das Zerwürfnis mit China weniger dramatische Auswirkungen hatte.
• Im Vergleich zur Bilanz anderer osteuropäischer Länder scheint Albanien eine viel kontrolliertere Wirtschaftsentwicklung durchgemacht zu haben. Kann man wirklich von wirtschaftlichen Erfolgen sprechen? • Albanien verfügt über wichtige Energiequellen und Bodenschätze (Erdöl, Chrom - Albanien steht bei der Chromproduktion nach Südafrika weltweit an zweiter Stelle -, Kupfer, Eisennickel). Es war also nicht so abwegig, auf die Industrialisierung zu setzen, und man kann durchaus von Erfolg sprechen, was die Erschließung der Ressourcen des Landes betrifft. Albanien konnte auch seine hydroelektrischen Ressourcen durch den Bau zahlreicher Staudämme erfolgreich nutzen und exportiert Strom nach Griechenland und Jugoslawien. Diese industrielle Entwicklung wurde offensichtlich zu Lasten der Konsumgüterproduktion erreicht, aber sie ermöglichte die Ausnutzung der eigenen Ressourcen ohne die Einfuhr von Rohstoffen aus dem Ausland, während z.B. Rumänien, um seine Industriekapazitäten zu entwickeln, zunehmend gezwungen war, bis zu 50% seines Erdölbedarfs zu importieren.
Dieser Aufschwung erfolgte bis zu Beginn der siebziger Jahre. Die sozialen Errungenschaften, die bis zu diesem Zeitraum bestanden, sind bedeutend, aber gegenwärtig verblassen sie. Man kann nicht sagen, daß der Lebensstandard in Albanien phantastisch ist, er gehört sogar zu den niedrigsten in Europa. Aber der Machtantritt der PPSh brachte einen Fortschritt und unbestreitbare Errungenschaften, vor allem angesichts des Aufschwungs in den ersten Jahren. Gegen Ende des Krieges war Albanien ein sehr armes, ständig von Hungersnöten heimgesuchtes Land, in dem Malaria und ALBANIEN verschiedene Epidemien Verwüstungen anrichteten. Und die gegenwärtige wirtschaftliche Regression ist weniger dramatisch als jene, die Rumänien unter Ceauşescu in den achtziger Jahren erschütterte.
• Hat Albanien auf dem Gebiet der Landwirtschaft dieselben traditionellen Fehler begangen wie die anderen Länder Osteuropas?
• Die Landwirtschaft wurde niemals vernachlässigt oder einer Schocktherapie unterworfen wie in den anderen Ländern Osteuropas. Die albanische Führung hat sich dafür entschieden, den hohen Anteil der Landbevölkerung zu erhalten und die Wanderungsbewegung in die Städte durch eine streng reglementierte Politik der Raumordnung zu kontrollieren. Die Kooperativen wurden auf der Grundlage kleiner Landstücke errichtet, die den Bauern nach der Machtübernahme zugeteilt worden waren, und der staatliche Sektor wurde auf der Grundlage des Großgrundbesitzes aufgebaut. Die Kollektivierung war 1967 abgeschlossen. 1980/81 wurden jedoch auch die kleinen privaten Landstücke der Kooperativbauern und ihr Kleinviehbestand kollektiviert. Dieser Versuch einer vollständigen Kollektivierung fand außer in Albanien nur noch Anfang der achtziger Jahre in Rumänien statt.
Aber auch in der Landwirtschaft beobachtet man heute Entwicklungen hinsichtlich der Prinzipen der Sozialisierung. 1986 nahm die Regierung die vollständige Kollektivierung zurück und gab den Bauern wieder das Recht, ihre eigenen privaten Landstücke zu bearbeiten und einen privaten Kleinviehbestand zu haben. Auf dem IX. Parteitag der PPSh hat Ramiz Alia erklärt, daß Albanien in seinem Viehbestand beträchtliche Verluste durch das von den Bauern, um der Kollektivierung zu entgehen, massenhaft praktizierte vorzeitige Schlachten ihres privaten Viehs erlitten hat. Deshalb schlug Alia das „Brigaden"-Prinzip vor, laut dem die Bauern ihre Kuh zurückerhalten, die Tiere aber gemeinsam von den Mitgliedern der „Brigade" gehütet werden sollen.
• Worauf beruht der Rückgang, den die albanische Wirtschaft seit Beginn der achtziger Jahre erlebt?
• Die technologische Kluft wird grö- Ber; es tauchen echte Versorgungsprobleme auf: Fleisch wird z.B. seit drei Jahren rationiert. Die Bevölkerungsentwicklung macht die Dinge noch komplizierter.
Diese technologische Kluft wird zu einem echten Hindernis, denn die Ausschöpfung der natürlichen Ressourcen des Landes wird durch die veraltete Ausrüstung behindert. Diese war erst sowjetischer, dann chinesischer und schließlich albanischer Herkunft. Heute bremst die Ausrüstung jeden technologischen Fortschritt, vor allem auf dem Gebiet der Ausbeutung der Rohstoffe.
Die extensive albanische Wirtschaft ist erschöpft, sie benötigt die Einfuhr technologischer Innovationen, die in Albanien nicht vorhanden sind. Dies behindert die Handelsbeziehungen, denn die exportierten albanischen Produkte sind nicht leistungsfähig genug. Die Wiederaufnahme der Beziehungen mit Ländern wie der BRD erklärt sich so zum gro- Ben Teil durch diese wirtschaftlichen Zwänge.
• Wer sind die Wirtschaftspartner Albaniens?
• Der Bruch mit China hatte in gewisser Weise auch sein Gutes, denn Albanien war somit gezwungen, seine Handelsbeziehungen umzustellen und auszuweiten. Bis in die siebziger Jahre war der ideologische und politische Partner auch „der" Wirtschaftspartner, 40 bis 50% des Handels wurden mit den jeweiligen „Bruder""ländern abgewickelt. 1976 wurde Jugoslawien eine Zeit lang der Haupthandelspartner mit einem Anteil von 16 bis 20% - genausoviel wie bis 1987 mit den OECD-Ländern (außer Großbritannien, USA und BRD) und den RGW-Ländern (außer der Sowjetunion). Es kam somit wieder zu einem gewissen Gleichgewicht. Albanien hat auch Beziehungen, wenn auch in bescheidenerem Ausmaß, zu Ländern wie Algerien und Vietnam geknüpft.
Die siebziger Jahre bedeuteten jedoch vor allem auch eine Belebung der Politik der guten Nachbarschaft und der Wirtschaftsbeziehungen mit Italien, Griechenland und der Türkei.
Man darf nicht in den häufigen İrrtum verfallen, laut dem Albanien sich wirtschaftlich erst mit dem Machtantritt Ramiz Alias 1985 geöffnet hätte. Dieses Datum wird manchmal zu Unrecht als das einer wirtschaftlichen, diplomatischen und handelspolitischen Wende dargestellt. Die Differenzierung der Handelsbeziehungen begann bereits vorher und mit dem Einverständnis Enver Hoxhas. Sie entspricht im übrigen sehr wohl der Ethik Albaniens und seinem entschie-
denen Willen, von niemandem abhängig zu werden.
• Ramiz Alia wird oft als ein „Reformer" dargestellt, doch Ihre Außerungen stellen ihn eher in die Kontinuität der Politik Enver Hoxhas.
• Das hat er selbst immer beteuert, und es hat bis heute auch kein grundlegendes Abrücken von diesem „Erbe" gegeben, obwohl mit dem Machtantritt Ramiz Alias ein deutlicher Generationswechsel im politischen Personal stattgefunden hat. Seine Mannschaft setzt sich aus Leuzusammen, die eine „makellose" Karriere im Parteiapparat durchlaufen haben, die sich nicht durch ideologische Abweichungen aufgrund der verschiedenen Brüche beschmutzt haben; sie haben auch eine gewisse technische und berufliche Ausbildung genossen - anders als Hoxhas Gefährten aus dem Befreiungskampf.
Nach dem Tod von Hysni Kapo, der Nummer drei des Regimes, und von Mehmet Shehu ist von der alten Garde fast niemand mehr übrig geblieben - mit Ausnahme von Adil Carcani, dem gegenwärtigen Regierungschef, und Nexhmije Hoxha, der Witwe des Sie ist Vorsitzende der Demokratischen Front, der wichtigsten Massenorganisation, und Leiterin des Instituts für marxistisch-leninistische Studien in Tirana. Als Ramiz Alia an die Macht gelangte. wurde der politische Diskurs dynamischer und weniger undurchsichtig. Alia hat sich als sehr aktiv auf der internationalen Bühne erwiesen und die Wiederaufnahme des Dialogs mit der BRD vorbereitet. Die BRD ist eines der westlichen Länder, die Albanien die benötigte Technologie liefern können.
Vor zwei Jahren wurde eine Eisenbahnlinie, die durch Jugoslawien führt und Albanien mit dem europäischen Netz verbindet, eröffnet. Auch dies ist ein Beweis für den Willen zu einem Anschluß an Europa.
• Beruht auch die mögliche Wiederaufnahme der Beziehungen zur Sowjetunion, die Ramiz Alia in Aussicht stellt, auf der wirtschaftlichen Situation des Landes?
• Nein, es ist anders als bei den diplomatischen Aktivitäten der letzten Jahre. die durch das Sinken der ökonomischen Wachstumsraten hervorgerufen wurden. Ein Land wie Albanien hat in erster Linie ein Interesse am Handel mit der BRD. Frankreich, Großbritannien und anderen ALBANIEN westlichen Ländern. Die Annäherung an die Sowjetunion, mit der heute derartige Handelsbeziehungen nicht vorstellbar sind, geht vielmehr von einer ideologischen und politischen Entscheidung aus, die mit den Ereignissen in Osteuropa zu tun hat. Diese haben offensichtlich einen inneren Druck erzeugt. Persönlich scheint mir der wirtschaftliche Faktor bei der Veränderung in der Haltung gegenüber der Sowjetunion, die ihrerseits in den letzten Jahren ständig Albanien die Wiederaufnahme der Beziehungen vorgeschlagen hat, kein großes Gewicht zu besitzen.
• Der albanischen Minderheit in der jugoslawischen Provinz Kosovo werden immer wieder separatistische Absichten unterstellt. Wie wird das Kosovo-Problem in Albanien selbst gesehen? Gibt es Gebietsansprüche?
• Die Handelsbeziehungen zwischen Albanien und Jugoslawien haben sich aufgrund dieses Problems und der schrecklichen Repression, die die albanische Bevölkerung in Kosovo seit den Demonstrationen von 1981 erleidet, beträchtlich verschlechtert. Vorher war man in dieser Frage nach und nach mit Tito zu einer Übereinstimmung gekommen. Der Bund der Kommunisten Jugoslawiens und die Partei der Arbeit Albaniens sahen ihre Länder als Teil des Balkans, einer anfälligen und von verschiedenen Seiten (insbesondere von der Sowjetunion) begehrten Zone. Sie hielten daher trotz ihrer politischen und ideologischen Differenzen an der Notwendigkeit einer gemeinsamen Verständigung fest. Damals hatte Kosovo den Status ciner autonomen Region in der Republik Serbien, und der kulturelle Austausch zwischen Tirana und Pristina, der Hauptstadt Kosovos, war bedeutend. Tito ist gestorben, und einige Jahre später, nachdem Milosević der Präsident der Republik Serbien wurde, änderte sich der Status von Kosovo, was die Situation noch verschärfte.
Die Albaner haben immer eine relativ kohärente Position zu Kosovo eingenommen: sie haben die Repression, deren Opfer ihre „albanischen Brüder in Kosovo* waren, verurteilt, ohne jemals diese Provinz zu beanspruchen. Die Haltung der PPSh ist sicher stark vom Druck der albanischen Bevölkerung beeinflußt, die ein starkes Gefühl der Solidarität für die fast drei Millionen Albaner, die auf der EL SALVADOR LIBRE
SPENDENAKTION
Waffen für of Salnudor
Postgiroamt Berlin-West
Sonderkonto 288 59-107 Bankleitzahl 10010010 • Freunde der alternativen Tageszeitung e.V.
1000 Berlin 65 Kontostand 17.10.90:
4.625.333,04 DM bisherige Unterstützerinnen: AIB: Arbeiterkampf; Cuba Si; Ides; Ila-Info: Inprekorr; KONKRET; Radio Dreyeckland; Radio Z; Lateinamerika Nachrichten; Blätter des iz3w; Radio 100; Euskadi Information; PROWO
anderen Seite der Grenze leben, empfindet.
• Warum gibt es dann keine Gebietsansprüche?
• Die Region von Kosovo ist sehr moslemisch, und die Religion ist dort nicht wie in Albanien beseitigt worden. Innerhalb der Unabhängigkeitsbewegung. wozu auch kleine marxistisch-leninistische Organisationen gehören, die übrigens stark unterdrückt werden, gibt es sicherlich territoriale Forderungen, aber diese werden nicht massiv vorgebracht. Albanien selbst fordert, wie die Mehrheit der Kosovoalbaner, für Kosovo den Republik-Status.
Darüber hinaus könnte die Angliederung Kosovos bei einer albanischen Bevölkerung, die während dieser vierzig Jahre sehr indoktriniert wurde, zu einem destabilisierenden Faktor werden. Was Albanien allerdings energisch fordert, das sind Handelsbeziehungen mit Kosovo. Es beschwert sich darüber, daß Jugoslawien die Abkommen darüber nicht einhält.
• Man hat den Eindruck, daß es in Albanien einen großen sozialen Zusammenhalt gibt. Ist die PPSh wirklich so homogen?
• Um die Bevölkerung für die wirtchaftlichen Anstrengungen zu mobilisie ren, war der nationale Zement sicher wirkungsvoller als die ideologische Überzeugung. Er wurde durch eine Propaganda verstärkt, die sich um die ideologische und politische „Einkreisung" ALBANIEN des Landes drehte (,,Albanien, die belagerte Festung"). Dies ist ein nationaler Kommunismus, der sich aus der Vergangenheit nährt, aus der Geschichte der Invasionen, denen das Land seitens verschiedener Mächte ausgesetzt war. mit Mehmet Shehu. Im Dezember 1981 verschwand plötzlich der Verteidigungsminister und Ministerpräsident, Nummer zwei des Regimes und Kampfgefährte Enver Hoxhas, nachdem er den Fünfjahrplan 1981-85 vorgestellt hatte (wobei die Wahl des Redners bei solchen Anlässen nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern als Vertrauensbeweis gilt). Nach der offiziellen Version soll Shehu Selbstmord begangen haben. Auf jeden Fall hat diese Episode die PPSh stark erschüttert. Sie wurde als eine Folge des Bruchs mit China angeschen. Shehu wurde als ,, Vaterlandsverräter" und Agent im Dienste verschiedener feindlicher Mächte bezeichnet..
• Aber worin liegt der tiefere Grund für diese Regelung der Angelegenheit? • Es ist anzunehmen, daß es mit dem Kampf um die Nachfolge Hoxhas in Zusammenhang steht, welcher sich bereits vorbereitete. Über Shehus Tod gab es viele Spekulationen: für die einen war er der Beweis für die Existenz eines tödlichen Machtkampfs in der Partei, für die anderen war Mehmet Shehu der Verfechter eines besseren Verhältnisses zu Jugoslawien; wieder andere hielten ihn für den Urheber der Idee der vollständigen Kollektivierung, welche schwerwiegende Versorgungsmängel hervorgerufen hatte. • Gibt es heute in Albanien - in der Gesellschaft oder in der Partei - Protestbewegungen?
• Der von den Umwälzungen in Osteuropa ausgelöste Druck ist viel diffuser als anderswo. Von der Existenz einer organisierten Opposition ist nichts bekannt. In Albanien würde der Druck vor allem von der Jugend ausgehen, die der kommunistischen Führung nicht mehr diesen Vertrauensvorschuß gewährt, wie es ihre Vorfahren taten. Sie hat weder den Befreiungskrieg noch den Aufschwung und die Veränderungen der ersten Jahrzehnte miterlebt.
Das Problem der Jugend wird sich auf der Ebene der Beschäftigung stellen. Das Dogma der Vollbeschäftigung, das die albanische Führung weiter anwenden will, bleibt mit einigen „Anpassungen" in Kraft. In manchen Sektoren können Jugendliche mit einer Art von zeitlich begrenztem Arbeitsvertrag, der als Ausbildungsvertrag bezeichnet wird, eingestellt werden. Aber die Bewahrung der Beschäftigungsstabilität — und der Preisstabilität - wird immer schwerer zu bewerkstelligen sein.
In einem gewissen Maße wird je nach PERSPEKTIVEN
ZEITSCHRIFT FUR SOZIALISTISCHE THEORIE Sonderner: 2 Walter Benjamin
Sen jamins Begriff der "Moderne" (Alter: Scharencerg), Massenkultur cei 3en jamin und Adorno (Sabine Keoir). Technologieund Fortschrittskritik (Michael Löwy). Oas Passagen-Werk (Walter Busch), Der Primat des Politischen über die Geschichte (Herbert Claas), Kritik der Postmoderne (Oliver Schmidtke), Sprachphilosophie und Erkenntnistheorie der Frühschriften (Markus Eichel) ca. 72 Seiten 6. - OM
Auslieferung ab 30.10.1990 Oritte Auflage erschienen:
Sonderheft 1: Antonio Gramsci 68 Seiten, 6. - 0M Zuelte Auflage erschienen:
Ausgabe 4: Feminismus-Marxismus 54 Seiten, 5.- OM
Oie PERSPEKTIVEN erscheinen als unabhängiges Theorieorgan zur Weiterentvicklung linker Politik in der BRD. Umfang Jeweils un 70 Seiten. Oas Einzelheft kostet 6 CM, im Abo 4 CM. Bestellungen an: Thorsten Schulten, Weidenhäuser Str. 44, BRD-3550 Marburg.
ALBANIEN
Region für Nahrungsmittel das Gesetz denn von einer Wiederherstellung des von Angebot und Nachfrage berücksich- Mehrparteiensystems überhaupt gesprotigt, und es wird bei der Festsetzung der chen werden kann... Preise ein bestimmter Spielraum ge- Die führende Rolle der Partei wird auf währt. keinen Fall in Frage gestellt.
Im übrigen drängen einige Kräfte in der Partei auf Veränderungen, während • Die PPSh bezieht ihre Legitimät aus andere bremsen. Auf dem letzten Plenum einem Kapital, das sich erschöpft, wähdes Schriftstellerverbands im Mai 1989 rend gleichzeitig der Lebensstandard ist neben einem Reformflügel tatsächlich der Massen sinkt. Welche Prognosen eine Gruppe aufgetreten, die sich gegen kann man für die Zukunft anstellen? Veränderungen aussprach.
Aber all dies nimmt keine spektakulã- • • Aufgrund der Geschichte der Partei ren Formen an, denn gegenwärtig ist es nimmt die Bevölkerung ihre Führer si- Ramiz Alia selbst, der Veränderungen cher anders wahr als in den anderen Länpredigt, sie begleitet und sogar vorweg- dern Osteuropas. Gleichzeitig muß man nimmt. sagen, daß die Gesellschaft wie in allen Seit 1985 wurden Maßnahmen ergrif- Einparteienstaaten sehr gegängelt wird fen, die auf eine Tendenz zur Dezentrali- In diesem Zusammenhang hat kürzlich Sierung der Wirtschaft weisen. Einer Innenminister Stefani festgestellt, daß es Reihe von Musterkooperativen wurde 3850 kriminelle und politische Gefaneine größere Autonomie in der Verwal- gene gebe, während bestimmte Pressetung gewährt, bei der Entlohnung wur- agenturen eine Zahl von 40 000 angeben, den bestimmte materielle Anreize einge- ohne diese jedoch untermauern zu könführt. Diese Wirtschaftsreformen sind aber sehr begrenzt. Beim Fehlen einer inneren Opposition Das 9. Plenum des ZK der PPSh hat wiegt der historische Faktor schwer, die im Februar 1990 eine 25 Punkte umfas- Bevölkerung hat kaum irgendwelche sende innovative Plattform vorgelegt. Bezugspunkte, um sich der Partei entge- Die Maßnahmen von 1990 wurden dabei genzustellen, die mit dem Nationalismus als Umsetzung vorher angekündigter identifiziert wird. Vorschläge und nicht als plötzlicher Der Stalin-Kult wird fortgesetzt, doch Richtungswechsel dargestellt. sein letzter Geburtstag wurde in der alba- Die Ernennung von Unternehmens- nischen Presse kaum hervorgehoben, und Kooperativleitungen wird nicht mehr während es sich früher fast um einen Nadurch die Partei, sondern durch Bezirks- tionalfeiertag gehandelt hatte. Es gibt behörden bestimmt, was eine Dezentrali- also auch auf diesem Gebiet eine Ändesierung bestimmter politischer Entschei- rung der Haltung. dungen bedeutet. Das Rechtssystem, das Um ihr Modell des Sozialismus weiter auf Volkstribunalen beruht, in denen die zu verteidigen, hat die Führung der PPSh Parteiaktivisten natürlich allgegenwärtig bereits ihren Diskurs ändern müssen. sind, wird geändert, und das in den sech- Gestern wurde darauf insistiert, daß das ziger Jahren abgeschaffte Justizministe- Land Verteidiger und Fortsetzer des von rium soll wieder eingeführt werden, was den Klassikern bestimmten Projekts des eventuell einen Schritt in Richtung auf Sozialismus sei. Heute betont Ramiz Alia eine unabhängige Gesetzgebung sein die Besonderheit des albanischen Komkönnte. Für die Wahlen innerhalb der munismus, die „nationale Psychologie" Partei soll die Möglichkeit mehrerer die albanischen Traditionen. Er will so Kandidaturen eingeführt werden. den „albanischen Sozialismus" rechtfer- Ramiz Alia verweist in seinen Reden tigen, der seiner Auffassung nach nicht klar auf den Druck, der durch die Ereig- dazu verdammt ist, in Frage gestellt zu nisse in Osteuropa ausgeübt wird. Er hat werden, da er, im Unterschied zu den deutlich erklärt, daß Albanien vor 1945 anderen Ländern Osteuropas, an die Bekeinerlei demokratische Traditionen be- dingungen und die Geschichte des Lansaß. Denn er weiß genau, daß in den an- des angepaßt ist. Dies ist ein sehr defenderen Ländern Osteuropas die alten Par- siver Diskurs! teien neu entstanden sind. Er betont, daß Es ist schwierig vorherzusagen, was in diese Parteien in Albanien so gut war Albanien geschehen wird. Doch die albanicht existierten, völlig diskreditiert sind nische Gesellschaft wird sich, wie auch und seitdem völlig verschwunden sind überall sonst, in die Freiräume drängen, Heute zeigen sich am deutlichsten im die sich durch die verschiedenen Libera- Ausland die Abkömmlinge der albani- lisierungsmaßnahmen im politischen und schen Monarchie. Alia hat auch die wirtschaftlichen Leben öffnen werden, Frage gestellt, auf welcher Grundlage so begrenzt sie heute auch sein mögen. Anmerkung:
' [Die Kritik der PPSh 1 an der „Drei-Welten- Theorie" wird in E. Hoxha, Imperialismus und Revolution, Tirana 1979, S. 293-392, zusammengefaßt; zur „trotzkistischen" Position dazu siche z.B. P.Rousset, ,,Die drei Welten des Teng Siao- Ping*, Inprekorr, Nr.30, 15.Juni 1974, S.36-40.] Die neuen Dörfer
El Salvadors
Ignacio Ellacuria, Segundo
Montes, Ignacio Martin-Baró:
die Namen der im November 89 ermordeten Jesuten.
Der Terror der Amee ging weiter, der salvadorianische Kneg halt an.
Inmitten der Zerstörung gingen nun die Kriegs vertriebenen & Flüchtlinge in die Offensive:
sie kehrten zu Tausenden heim, um ihre Verstellungen von einer selbstbestimmten Zukunft zu verwirklichen. Autonome
Schulen, Werkstätten, Wohnhäuser, Gesundhetseinrichtungen...
Ignacio Elecuite, Segundo Montes, Ignacio Martin-Beró:
die Nemen der neue Dörfer El Salvadors.
Sie brauchen unsere Unterstützung!
Spendenkonten: 1800 Frankfurter Sparkasse 6999-508 Postgiro Koin, Stichwort: -El Salvador- Weitere Informationen anfordern!
medica international Obermahariage 7: 0000 Frankfurt 1- Tel: 080/4090041
NICARAGUA
Neue Debatten schaft, der Lehrer, der Angestellten im Gesundheitswesen und im öffentlichen Dienst sowie der Kleinbesitzer, sollte ihren Gürtel im Interesse der nationalen in der FSLN
Einheit enger schnallen, wohingegen die Bourgeoisie weiter die Kapitalflucht organisierte.
Diese Politik rief in den Reihen der Sandinisten Unbehagen hervor, wenn es In diesem Sommer, einige Monate nach der Niederlage der Frente auch nicht zur offenen Krise kam, denn Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) bei den Wahlen im die meisten Aktivisten stellten die Kriegssituation in Rechnung, die US- Februar, trafen die Angriffe der UNO-Regierung auf die Errungenamerikanische Wirtschaftsblockade, das schaften der Revolution auf eine massive Volksbewegung. Die Fehlen bedeutsamer Kreditlinien aus Zwangsjacke, in die das politische Leben Nicaraguas durch den Bür- Europa und die Reduzierung der Hilfe gerkrieg gezwängt worden war, wurde aufgebrochen. Mit der Entseitens des „sozialistischen Lagers". waffnung der meisten Contras und der aggressiven Politik der UNO Die Unzufriedenheit wandte sich darist der Klassenkampf wieder auf die Tagesordnung getreten. ERIC TOUSSAINT iese Konfrontation war von der FSLN nicht gesucht worden: Sic wurde von der Bourgeoisie provoziert, die trotz aller Differenzen zwischen den sogenannten Gemäßigten (Chamorro, Lacayo, Cesaret) und den Hardlinern um Vizepräsident Godoy in ihrem Wunsch vereint ist, die Veränderungen rückgängig zu machen, die in der Zeit, in der die FSLN an der Macht war, durchgesetzt worden waren. Als die Protestwelle erst einmal begonnen hatte, wurde die sandinistische Führung unter dem Druck von unten immer mehr in den Kampf miteinbezogen.
Gleichzeitig finden innerhalb der