Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Die amerikanischen Forderungen sind nicht neu

· Inprekorr Nr. 23, 15. Januar 1973 · S. 18-20 · 1.153 Wörter

USA und Kanada Vietnam und Indochina

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

Aus diesen Gründen ist es möglich, daß Kissinger an den Verhandlungstisch zurückkehrt. Er wird damit beauftragt sein, zum bestmöglichen Preis abzuschließen. Und auf diesem Gebiet sind die amerikanischen Forderungen nicht neu: Kissinger wird versuchen, das zu erreichen, was schon immer der amerikanische Plan war und was McNamara in den 9 Punkten vom Juli 1965 ausführte. Die Ähnlichkeit zwischen diesem Plan, dessen Wortlaut aus den Pentagonpapieren entnommen ist, und der augenblicklichen amerikanischen Position springt ins Auge: **1.- Der Vietcong stellt seine Angriffe ein und reduziert maximal seine Terror und Sabotage akte.

2. - Die DRV reduziert ihre Infiltrationen auf ein Minimum. Selbstverständlich muß eine ver nünftige und sichere Methode, die es uns erlaubt, dies nachzuprüfen ( beispielsweise indo nesische Truppen!), gefunden werden.

3. - Die Vereinigten Staaten und Saigon stellen die Bombardierung von Nordvietnam ein. 4. - Die Regierung von Saigon bleibt unabhängig (mit wahrscheinlich proamerikanischen Sym pathien und vielleicht neutralistischem Verhalten (sic!)).

5. - Die Regierung von Saigon übt ihre Gewalt über das ganze südvietnamesische Territorium aus.

6. - Die Kommunisten verhalten sich in Laos und Thailand ruhig (resic!) 7. - Die DRV zieht aus Südvietnam die Streitkräfte der Volksarmee ebenso wie die anderen nordvietnamesischen nicht in Einheiten zusammengefaßten Elemente, die sich dort infiltriert haben, zurück.

8. - Die FNL hört auf, eine militärische Organisation zu sein, um zu einem ausschließlich politischen Gebilde zu werden.

9. - Die amerikanischen Streitkräfte (aber nicht die Berater oder die Mitgliede der AID ( = Zweigorganisation der CIA, von uns unterstrichen) verlassen Südvietnam. DIE ABWECHSLUNG, ODER DIE AMERIKANISCHE STRATEGIE

Es ist sehr wahrscheinlich, daß die vietnamesischen Revolutionäre einen solchen Plan, der einen Sieg des Imperialismus bedeuten würde, zurückweisen. Sie haben dies klar zum Ausdruck gebracht. "Die amerikanischen Forderungen sind unannehmbar" , haben sie mehr als einmal wiederholt. Für Nixon sind die Vietnamesen offensichtlich nicht "vernünftig" • und man muß sie weichmachen" ... indem man erneut die Meute der B-52 losläßt. Die amerikanische Strategie der kommenden Monate wird wahrscheinlich von dieser ""Abwechslung"' geprägt sein: Aufeinanderfolgen von Perioden der Verhandlungen und dann der Bombardierungen. Ge mäß den Pentagonpapieren hat eine solche Politik den Vorteil, daß sie die Reaktionen und Proteste der Offentlichkeit zerbricht. Vor allem können wir dadurch vorraussehen, was die amerikanische Haltung im Falle eines Waffenstillstandes sein würde, falls das Pen tagon glaubt, daß Thieu in eine fatale Situation, die seinen Sturz zur Folge haben kann, 'hinein gerät: der geringste Zwischenfall würde als Vorwand für eine Intervention dienen, für einen neven 'heißen Krieg'", anschließ end würde man wieder zum 'lau warmen Krieg zurückkeh ren. Selbstverständlich ohne daß die Sowjetunion oder gar China wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen würden.

MEHR ALS ZUVOR AN DER SEITE DER VIETNAMESISCHEN REVOLUTIONÄRE

Für revolutionäre Marxisten sind die Folgerungen, die sie aus dieser Analyse ziehen, sonnerr klar:

1.) Sie hatten recht, als sie betonten, wie notwendig es sei, in der Unterstützung der indochinesischen revolution nicht nachzulassen, wie auch immer der Stand auf dem Kriegsschauplatz sei.

2.) Sie müssen die negativen Auswirkungen der Geheimdiplomatie auf die Mobilisierung der amtiimperialistischen Kräfte in der Welt betonen. Nixon ist ein mit allen Wassern gewaschener Politiker. Er hat seine Eskalation S 18 INPREKORR 15.1. 1.

Seite 19

in einem Augenblick gestartet, den er für den günstigsten hielt, und wenn man das Ausmaß der Reaktionen, die sie hervorgerufen hat, in Betracht zieht, dann kann man sich leicht vorstellen, was möglich gewesen wäre, wenn die Erpressung durch Terrordrohungen, die sein Verhandlungsleiter in Paris ausgeübt hat, der Öffentlichkeit bekannt gewesen wären. Haben die Vietnamesen nicht daran geglaubt? Haben sie geglaubt, er würde schließlich doch unterschreiben? In jedem Fall, wenn wir schon seit Anfang Dezember gewußt hätten, daß Kissinger im Falle einer "nicht-realistischen" Haltung der vietnamesischen Verhandlungsdelegation mit massiven Bombardierungen gedroht hat, dann hätte dies breitere Mobilisierungen ermöglicht.

3.) Diese Erklärung ist offensichtlich ungenügend, um die relativ späten und unzureichenden Reaktionen auf die Eskalation zu erklären. Eine Tatsache muß festgehalten werden: wir sind in Rückstand geraten. All diejenigen, für die die Unterstützung der indochinesischen Revolution eine der augenblicklichen Prioritäten ist, müssen entschlossen sein, eine erneute Eskalation nicht ohne sofortige und energische, auf internationaler Ebene (mit der amerikanischen Antikriegsbewegung) koordinierte Antwort zu lassen. 4.) Die politische Verantwortung der Revolutionäre ist dabei umso größer, als: • die humanitären, gefühlsorientierten Mobilisierungswellen von der Art, wie wir sie zur Zeit erlebt haben, sehr schnell abnehmen, wenn das auslösende Ereignis sich wiederholt, alltäglich wird und von Perioden scheinbarer Ruhe unterbrochen wird. Darauf zählt Nixon! • die kriminelle Passivität der Bürokratien erwiesen ist und sich an ihr aller Wahrscheinlichkeit nach nichts ändern wird.

Auf die revolutionären Marxisten, auf die IV. Internationale, deren Analysen sich als völlig richtig erwiesen haben, fällt die schwere Verantwortung, auf politischen Grundlagen, die über die durch die imperialistische Barbarei hervorgerufene Erregung und Empörung hinausgehen, den weltweiten Wall gegen die Vereinigten Staaten in Indochina neu zu schaffen.

Der hartnäckige, erfolgreiche Widerstand des vietnamesischen Volkes gegen die letzte Eskalation, die an Intensität die Gesamtheit der Bombardierungen des II. Weltkriegs übertraf, ist eine lehrreiche Demonstration für alle Völker der Welt. "Wie groß ist dieses Volk! Wie stoisch und Mutig! "rief schon Che in seinem Appel an die Trikontinentale 1967. Noch einmal haben sie durchgehalten, trotz der Isolierung. Noch einmal haben sie besser als alle Reden bewiesen, daß es möglich ist, dem Imperialismus die Stirn zu bieten. Noch einmal haben sie den einzigen Weg für die Völker der Welt gezeigt, die Freiheit und den Sozialismus zu erringen, nämlich den des Kampfes und nicht des Kompromisses, den des Kriegs und nicht der Koexistenz. Dieses bewundernswerte Volk verkörpert all unsere Wünsche, all unsere Siegeshoffnun gen. Es kämpft für uns alle, für die Gesamtheit der Ausgebeuteten. Wir dürfen nicht nur die Fäuste aus Wut über diesen Ausbruch imperialistischer Barbarei ballen, wir müssen unaufhör lich die Lektion, die von diesem Volk jeden Tag mit seinem Blut geschrieben wird, in uns aufnehmen, müssen unaufhörlich erklären, warum es durchhält, warum es siegt. Bis zum endgültigen Sieg werden wir an den Seiten derer sein, die unnachgiebig in Indochina kämpfen!

(A. Petersen. Aus ROUGE vom 6. 1.73)

- Aktuelle Informationen Uber Indochine und den VIETNAM intemationalen Zusammenhong des Krieges

Aktuelle Ubersetzungen oue der Weltprese

Stellungnahmen der vietnomeischen Revolutionäre und ou der internationalen revolutionären Bewegung wimenechoftliche und politische Analysen zum Viet- INFO nomkrieg und meinen Auswirkungen

FUR DIE TAGLICHE AGITATION IN SCHULE, UNIVERSITÄT UND BETRIEB

INDOCHINA - SOLIDARITÄTS - Probeexemplere enfordern 1 Einzelpreis 10 Mennig

KOMITEE (ISK) Anschrift: Mindestabnahme 10 Exemplare

W. Burger, 73 Eßlingen, Hafenmarkt 5 Encheinungrweite: mindestens 1 Acagobe pro Woche

Seite 20

(Vorbemerkung: Unsere amerikanischen Genossen von der SWP üben auf die Antikriegs bewegung der USA, die im Herzen des Imperialismus eine entscheidende objektive Unter stützung für den Kampf der indochinesischen Revolutionäre darstellt, einen unermüdlich antreibenden und politisch bestimmenden Einfluß aus. Ihre Analyse der Bedeutung des 9-Punkte. Abkommens und der daraus abzuleitenden Parolen differiert etwas von den angeführten Artikeln. Wir drucken, um die Einschätzung der SWP deutlich zu machen, zwei im , "MILITANT' erschienene Beiträge ab. INPREKORR - REDAKTION )