Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Vietnam hält den Bomben stand - Unsere Aufgabe ist die Unterstützung!

· Inprekorr Nr. 23, 15. Januar 1973 · S. 17 · 525 Wörter

Vietnam und Indochina USA und Kanada

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VIETNAM HÄLT DEN BOMBEN STAND - UNSERE AUFGABE IST DIE UNTERSTUTZUNG I ++++++ ++++++++++++++++++++++++++++++ + (Leitartikel aus ROUGE Nr. 186 vom 6. Januar 1973)

DIE EMPÖRUNG, DIE WUT, DIE ERREGUNG GENUGEN NICHT. EIN GANZES VOLK, ISO- LIERT, ALLEIN, TRAGISCH ALLEIN, LEISTET DER MÄCHTIGSTEN IMPERIALISTISCHEN WELT- MACHT WIDERSTAND. DIESER HEROISCHE KAMPF IST UNSER VORBILD. DIESER KAMPF IST AUCH UNSER KAMPF. UNAUFHÖRLICH MÜSSEN WIR AN DER SEITE DIESES VOLKES SEIN, DIE MAUER DES SCHWEIGENS BRECHEN, AUF JEDE ESKALATION EINE ANTWORT GEBEN. Hanoi und Haiphong werden nicht mehr bombardiert. Aber die amerikanischen Bombenteppiche verwüsten weiterhin Tag für Tag Nordvietnam bis zum 20. Breitengrad. Diese von Nixon beschlossene Beschränkung der wilden Bombardierungen hat weniger überrascht als deren brutale Wiederaufnahme. Das Ziel dieser beispiellosen Angriffe - die imperialistischen Führer haben es nicht verheimlicht - bestand darin, terroristischen Druck auf das vietnamesische Volk auszuüben. In der Hoffnung, daß sie nachgeben würden, daß sie sich mit weniger begnügen würden, daß sie endlich wichtige Konzessionen bezüglich des Abkommens zwischen Kissinger und Le Duch Tho vom Oktober machen würden.

EINE DER LETZTEN KARTEN NIXONS

Nixon hat eine seiner letzten Karten, über die er noch verfügt, ausgespielt: die Zerstörung der zwei größten Städte Nordvietnams. Die Vietnamesen waren nicht überrascht: sie hatten diese Stufe der Eskalation schon lange vorausgesehen. Ho Tschi Minh hat vor mehreren Jahren von der Möglichkeit gesprochen. In den berühmten 'Pentagonpapieren' gibt es viele Anspielungen darauf, besonders als 1965 die verschiedenen Stufen einer Luftkriegeskalation durchgesprochen wurden. Das vietnamesische Volk, ausgerüstet mit dem Willen zum Sieg, hatte sich auf diese Eventualität vorbereitet: das erklärt, warum trotz einer Bombenmenge, die die Zerstörungskraft von mehreren Hiroshima-Bomben erreichte, die Zahl der Opfer viel geringer war als die während der Bombardierungen im II. Weltkrieg. ZWEI SACKGASSEN FÜR DEN IMPERIALISMUS

Nach einer solchen Eskalation bleiben Nixon kaum mehr als zwei "neue" Möglichkeiten: •Wiederaufnahme eines langandauernden Krieges, in dem der Luftkrieg gegen die DRV in großem Maßstab weitergeführt wird. Nixons Möglichkeiten, den Marionetten faktische Unterstützung zu geben, werden dadurch kleiner. Er wird dann gezwungen sein, das US-Kontingent an der Seite von Thieus Truppen zu verstärken; • oder aber Einsatz der Atombombe. Diese letzte Möglichkeit, die noch vor einigen Monaten undenkbar erschien, kann heute nicht mehr vollkommen ausgeschlossen werden. Die kriminelle Passivität der Sowjetunion gegenüber einer Provokation, deren offenes Ziel es ist, ihre Reaktion "abzutesten , läßt einen fragen, bis wohin das "Verständnis" der Kreml-Bürokratie gehen kann.

"Tricky Dicky'" Nixon, der jetzt für vier Jahre wiedergewählt ist und dadurch in den USA selbst seine Hände frei hat, wägt kalt beide Möglichkeiten ab. Aber das ist nicht leicht und wirft auf den amerikanischen Imperialismus kein gutes Licht. Zuerst einmal ist die letzte Luftkriegse skalation, obwohl sie einen neuen Rekord an Grausamkeit aufstellte, ein Mißerfolg gewesen. Die Widerstandskraft des vietnamesischen Volkes, sein Eifer, seine unbeugdame im Kampf geschmiedete Festigkeit ließ keinen einzigen Augenblick nach. Vietnamesen haben nicht nachgegeben, und Nixon hat sogar zahlreiche Federn lassen müssen in Form von abgeschossenen B-52 - Bombern. Gleichzeitig hat das berühmte, so notwendige und so mühsam aufgebaute "Markenzeichen-/mage " der USA im Ausland einen harten Schlag erhalten. In den Augen der Öffentlichkeit war Nixon der "Kriegsstifter", selbst wenn die Euphorie der Verhandlungen andauerte.

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