Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Linke Alternative in Arbeiterkommissionen

Inprekorr Nr. 228/229, Juni/Juli 1990 · S. 13-17 · 3.854 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Spanischer Staat Stalinismus und Bürokratie

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Linke Alternative in в Arbeiterkommissionen bleiben.

Gorbatschows Partei wird ein eurokommunistisches Programm, aber ein stalinistisches Personal besitzen. Gorbatschow und das ZK wollen die Leute ausschließen, die nicht mit ihnen übereinstimmen, aber nicht alle sofort. Sie werden rücksichtslos sein. Wahrscheinlich, aber nicht notwendigerweise, will Gorbatschow eine Partei für sich behalten. • Die Mehrheit der Kräfte für die sowjetische Linke wird also aus der KPdSU kommen?

• Ja. Im nächsten Jahr wird die Linke die KP verlassen, wie es 1981 in Polen geschah, aber es gibt nichts, wo sie hingehen kann. Es gibt keine Solidarność. Wir wollen einige der Fehler der polnischen Genossen nicht wiederholen. Wir meinen, daß sie zwei Hauptfehler gemacht haben. Der erste Fehler war, daß sie nicht vor dem Beginn der Massenbewegung eine Avantgardepartei gegründet haben, und der zweite, daß es endlose Auseinandersetzungen zwischen der Linken gegeben hat. Wir wollen den engstirnigen Antikommunismus überwinden und versuchen den Embryo einer revolutionären Massenpartei aufzubauen. Aber natürlich schaffen wir erst einige Vorbedingungen dafür; es gibt keine Garantie dafür, daß wir erfolgreich sein werden. S2

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Wir veröffentlichen im folgenden ein Interview mit Joaquín Nieto, einem führenden Mitglied der Izquierda Sindical (IS — Gewerkschaftslinke), einer linken Strömung innerhalb der Comisiones Obreras (CCOO - Arbeiterkomissionen), einer beiden großen Gewerkschaftsbewegungen im Spanischen Staat. Nieto ist auch ein Mitglied der nationalen Exekutive der CCOO. Das Interview wurde im April 1990 geführt und erschien ursprünglich in International Viewpoint. Interview mit JOAQUIN NIETO (CCOO) • Warum der Name Izquierda Sindi- ser Reformprozeß formte den Übergang cal (Gewerkschaftslinke)? von der Diktatur. Er war von einem Konsens zwischen der Rechten und dem Re- • Weil er dem entspricht, was wir sind formismus geprägt, welcher auch seinen - der linke Flügel der Gewerkschaftsbe- gewerkschaftlichen Aspekt hatte — die wegung. Die IS vertritt eine Vorstellung Sozialpakte. Man erinnere sich, daß es von Gewerkschaftspolitik, die gegenüber gegen Ende der Diktatur eine große aufder der reformistischen Führungen alter- steigende Massenbewegung gegeben hat, nativ ist. Sie hat den Anspruch, kämpfe- die demobilisiert werden mußte, wenn rischer und demokratischer zu sein. Ein man das reformistische Regime stabiligegenüber dem Reformismus kritischer sieren wollte. Sektor entstand als Teil der Reorganisa- Dies war auch die Periode der schärftion der Gewerkschaftsbewegung in den sten wirtschaftlichen Krise, was bedeusechziger und siebziger Jahren. In den tete, daß die Arbeiterinnen und Arbeiter CCOO, die seit ihrer Formierung als Opfer akzeptieren und die Mitverantworgroße gesellschaftlich-politische anti- tung für die Austeritätspolitik übernehfranquistische Bewegung stets plurali- men sollten. Darin lag die Doppelrolle stisch gewesen sind, hat es immer einen der Sozialpakte. Die Haltung ihnen gelinken Flügel gegeben. Unsere Strö- genüber trennte die Gewerkschafter in mung repräsentiert die Kontinuität dieser ihre Befürworter und Gegner. Das Mar- Linken. Gewerkschaftslinken

Auf dem dritten Kongreß der CCOO während des Jahrzehnts von Ende der 1984 trat diese Strömung zum ersten Mal siebziger bis Ende der achtziger Jahre deutlich in Erscheinung, als die linke war ihre Opposition gegen Sozialpakte Opposition eine alternative Liste für die und Sparpolitik. Ihre Alternative war der Wahl der Exekutivkommissionen präsen- Widerstand gegen die aggressive Politik tierte und 2,5% der Stimmen und einen der Regierung und der Bosse. Sitz in der Exekutive erhielt. Drei Jahre Die Haltung in bezug auf die Sozialspäter, auf dem vierten Kongress, konso- pakte war einer der Gründe für die Spallidierte sich die Strömung mit 8% der tung der Kommunistischen Partei Spa- Stimmen und vier Sitzen in der nationa- niens (PCE) und der Mehrheitsströmung len Exekutive. der CCOO zu Beginn der achtziger Jahre. Einer der Gründe, der die Füh- • Wie ist in dieser Zeit die kämpferi- rung veranlaßte, dem vierten Kongreß schere und demokratischere Gewerk- der CCOO vorzuschlagen, die Politik der schaftsströmung, von der Du sprichst, Sozialpakte aufzugeben, war die Notzum Ausdruck gekommen? wendigkeit, das interne Klima zu verbessern und die in der Politik der „nationa- • Gegen Ende der Diktatur gab es eine len Solidarität - die offizielle Bezeichklare Alternative für die Linke - wir nung für die Politik der Unterstützung waren für den radikalen Bruch, während der Sozialpakte - enthaltenen Widerdie reformistischen Kräfte einen Prozeß sprüche zu überwinden. gradueller Reformen unterstützten. Die- Unsere Bilanz dieses Stadiums ist posi-

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tiv, weil es uns einerseits ermöglichte, Kräfte zu sammeln, und andererseits, einen wirklichen Druck auf die gesamte Gewerkschaftsbewegung auszuüben. Wir verlangten, daß sie die Politik der Sozialpakte aufgebe und aktiv an allen Widerstandskämpfen teilnehme, von denen einige sehr radikal waren. Nun haben sich glücklicherweise die Zeiten geändert. Es gibt nicht länger Sozialpakte als solche, und die Gewerkschaftslinke hat andere Themen.

• Sprechen wir, bevor wir uns dem gegenwärtigen Profil der Strömung zuwenden, von der Spaltung in der PCE. Der Teil, der sich selbst prosowjetisch nannte und die PCE verließ [die PCPE], war auch gegen die Sozialpakte, aber er betrachtete sich in keiner Weise als Teil der Gewerkschaftslinken.

Gewerkschesch die stereid, das de das du elementaren Forderungen aufgaben sie beizubehalten hätte bedeutet, zu einem gegenüber der Führung kritischen Sektor zu werden. So spalteten sich die CCOO in jene, die diese Forderungen weiter verteidigten und gegen die Sozialpakte und für eine Linie des Widerstands waren, und in jene, die diese Forderungen aufgaben und die Sozialpakte und die nationale Solidarität" unterstützten. Wenn ich von elementaren Forderungen spreche, dann meine ich so einfache Dinge wie die Verteidigung der Kaufkraft der Arbeiterinnen und Arbeiter. Den Kampf in einem so cinfachen Rahmen zu sehen machte es leichter, sich mit anderen, die kritischer waren, zu verbinden.

Es gab somit eine gewisse Konvergenz, die sehr positiv war, weil sie eine sehr breite und zahlenmäßig starke Opposition ermöglichte. Aber diese Konvergenz bedeutete nicht, daß wir dieselbe Konzeption von Gewerkschaftspolitik teilten. Als sich die Situation änderte und die CCOO-Führung die Politik der Sc-zialpakte aufgab und eine kämpferischere Position einnahm, erleichterte dies die Wiedergewinnung der großen Mehrheit der Aktivisten und Kader der PCPE, die in die PCE zurückkehrte.

> Nachdem die Sozialpakte aufge cündigt waren, wurden die CCOO ak tiver und militanter. Zuerst riefen sie 1985 allein zum Generalstreik auf, später, am 14. Dezember 1988, gemeinsam mit der sozialdemokratisch geführten UGT. Ein Jahr später begannen wieder Verhandlungen, und die Regierung SPANISCHER STAAT schien einige Zugeständnisse an die ohne eine Gegenleistung erzielt, d.h. gewerkschaftlichen Forderungen ge- ohne Opfer zu akzeptieren. Das untermacht zu haben. Warum? Ist dies eine scheidet diese Abkommen von den So- Frage neuer Sozialpakte? zialpakten. • Der Wandel ist der Tatsache geschul- • Eine komplexe Situation für die det, daß es einen Generalstreik gegeben Gewerkschaftslinke, die entweder die hat und daß das Resultat eine Zermür- Abkommen hätte ablehnen müssen, bung der Regierung und ein kämpferi- wobei sie sich von den Arbeitern, die in scher Geist unter den Arbeitern gewesen ihnen Errungenschaften sahen, isoliert ist. Die Regierung dachte, daß sich etwas hätte, oder die Linie der Mehrheit der ändern müsse, damit alles beim alten Gewerkschaften hätte begrüßen müsbleibt.

Vorher war sie nur bereit gewesen, einige Brosamen im Austausch gegen die • Ich denke, die Gewerkschaftslinke ist Übernahme von Mitverantwortung für in der Lage gewesen, die Bäume zu seihre Sozial- und Wirtschaftspolitik durch hen, ohne den Wald aus den Augen zu die Gewerkschaften zu gewähren, aber verlieren, d. h. die positive Seite der das Ergebnis war ein schwerer Zusam- Abkommen zu sehen, ohne die Mängel menstoß mit der Gewerkschaftsbewe- und Probleme zu vergessen. Worin liegt gung. Deshalb hat sie ihre Taktik geän- das Problem bei diesen Vereinbarungen? dert. Sie zog vor, daß die Gewerkschaf- Es liegt darin, daß sie nur einen Teil der ten verhandelten, anstatt daß sie General- gewerkschaftlichen Forderungen erreichstreiks organisierten, auch wenn dies ein- ten, daß im wesentlichen die Sozial- und ige Zugeständnisse erforderte. Sie wollte Wirtschafftspolitik der Regierung besteso ein Klima des sozialen Friedens erkau- hen bleibt und daß die Regierung gleichfen, und als sie die Gewerkschaften nicht zeitig von den Gewerkschaftsführungen dazu bringen konnte, die Mitverantwor- die Garantie erhalten hat, den sozialen tung für ihre Sozial- und Wirtschaftspoli- Frieden zu bewahren, der unbegrenzt tik zu übernehmen, versuchte sie zumin- verlängert werden kann. dest, die Konfrontation abzuschwächen. Kurz, die Erfolge sind Produkt des Die Abkommen zwischen Gewerkschaf- Generalstreiks, und das, was nicht erten und Regierung bedeuteten somit ein- reicht wurde, wurde nicht erreicht wegen ige bedeutende Errungenschaften für die des sozialen Burgfriedens. Wenn wir alle Arbeiterinnen und Arbeiter, wovon die Forderungen erfüllt bekommen wollen, wichtigste das Recht auf kollektive Ver- brauchen wir neue Mobilisierungen und handlung für die 1,3 Millionen Regie eine Wende zu einer globalen Konfrontarungsangestellte ist, mit einer Klausel, tion mit der Politik der Regierung. Dies die eine Art gleitende Lohnskala vor- ist unsere Position, die leicht zu verstesicht. Diese Errungenschaften wurden hen ist. Es beginnt gegenwärtig eine

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zweite Verhandlungsphase, in der die Dinge für die Gewerkschaften schwieriger sein werden. Unsere Aufforderung, auf den Weg der Mobilisierung zurückzukehren, könnte ein breiteres Echo finden.

• Welches Profil hat die Linke heute in den CCOO?

unsere Portion in bezug au hoci sist oder für Generalstreiks. Der Reformismus nimmt immer in Anspruch, sie zu vermeiden. Wir machen stets Druck, damit sie organisiert werden, weil wir uns ihres Wertes bewußt sind, nicht nur, um Sofortforderungen durchzusetzen, sondern auch als eine Art Lehrzeit für die Arbeiter und ein Weg zur Veränderung des Kräfteverhältnisses.

Wenn Generalstreiks ausgerufen werden, versucht der Reformismus, sie stets so kurz wie möglich zu machen und so weit wie möglich unter seiner Kontrolle zu halten. Wir versuchen stets, sie so militant und langandauernd wie möglich zu machen. Wir haben auch ein Profil hinsichtllich der radikaleren Inhalte der Forderungen, sowohl, was die grundlegenderen wirtschaftlichen Veränderungen betrifft, als auch in bezug auf die grundlegenderen Forderungen: die 35- Stunden-Woche, die Abschaffung von Zeitarbeitsverträgen und andere Fragen, die die reformistischen Führungen nicht als unmittelbare Fragen aufgreifen. Die Beteiligung von unten und die Gewerkschaftsdemokratie sind andere Schlüsselelemente, die uns auszeichnen. Die Reformisten meinen, wenn sie von Teilnahme sprechen, die passive Beteiligung. Wir wollen eine aktive Beteiligung. So will die Führung informelle Treffen, wo nur die Führer sprechen. Wir wollen, daß alle in der Lage sind zu sprechen und zu entscheiden. Und wir wollen, daß die Beschlüsse respektiert werden.

Und schließlich gibt es unsere soziopolitische Konzeption von Gewerkschaftsbewegung. Angesichts einer institutionalisierten reformistischen Gewerkschaftsbewegung, die dem System loyal gegenübersteht, die Gewerkschaftsbewegung nur als Rad im Staatsgetriebe sieht und die Gewerkschaftsbasis nur als Wahlklientel betrachtet, will die Gewerkschaftslinke eine systemverändernde Gewerkschaftsbewegung.

Wir meinen, daß die Gewerkschaften zu allen emanzipatorischen Fragen aktiv sein sollten. Deshalb sollten wir an den Kämpfen der Frauen-, Friedens- und SPANISCHER STAAT

Umweltbewegung teilnehmen. Auf diesem Gebiet ist unsere Strömung eine echte Avantgarde in den CCOO geworden, weil sie offen ist gegenüber dem Feminismus, der Kritik der Kernkraft, der Verteidigung der Umwelt, der Anti- NATO-Bewegung und dem Antimilitarismus der Kriegsdienstverweigerer sowie der aktiven und nicht bloß diplomatischen Solidarität mit Nicaragua und El Salvador.

Im Spanischen Staat gibt es noch einen besonderen Aspekt, der uns kennzeichnet. Anders als die Gewerkschaftsführung kennt die Gewerkschaftslinke die spanische Verfassung nicht an, weil die linke Gewerkschaftsbewegung alle demokratischen Freiheiten, einschließlich des Rechts auf nationale Selbstbestimmung, unerbittlich verteidigen muß. • Wenn Du von linker Gewerkschaftsbewegung sprichst, scheint es manchmal, daß Du von Eurer Strömung sprichst, manchmal aber von etwas Breiterem.

• Eine linke Gewerkschaftsbewegung im Unterschied zu reformistischen Positionen kann nicht auf unsere Strömung innerhalb der CCOO reduziert werden. Dies gilt besonders bei einigen unterdrückten Nationalitäten, einschließlich Euskadi, Galizien oder der Kanaren, wo die Mehrheit der radikalen kämpferischen Gewerkschafter zu Gewerkschaftsströmungen gehört, die mit dem radikalen Nationalismus verbunden sind. Es gibt auch verschiedene isolierte Kollektive an den Arbeitsstätten oder in Branchen, die nicht die Notwendigkeit sehen, in den großen Gewerkschaften zu arbeiten.

Es gibt auch eine kleine Organisation, die aus der historischen CNT, der anarchistischen Gewerkschaftsföderation, kommt. Somit haben wir eine große Zersplitterung der Kräfte. Der große Vorteil der Gewerkschaftslinken in diesem Panorama ist der, daß sie einen bedeutenden Sektor der linken Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen zusammenfaßt, die in einer großen Gewerkschaft aktiv sind, die ihrerseits die Mehrheit der kämpferischen Gewerkschafter organisiert und ein großes Prestige in der Arbeiterklasse genießt.

terten Kräfte?

• Nein. Wenn es möglich wäre, würden wir darauf hinarbeiten. Was möglich - und positiv - ist, ist die praktische Zusammenarbeit in Zeiten des Kampfes. Aber es gibt nicht die Möglichkeit, aus all diesen Leuten angesichts der Verschiedenheit dieser Gewerkschaftsprojekte — einige sind für die Arbeit in den CCOO, andere dagegen - eine Gruppe zu formen.

• Kehren wir zur IS in den CCOO zurück, wie ist ihre Verankerung? • Um objektive Zahlen zu geben: Unsere Repräsentanz auf dem vierten nationalen Kongreß betrug 8%. In den wichtigsten industriellen Gebieten und in den wichtigsten Bastionen der Gewerkschaftsbewegung ist unsere Verankerung solide: Madrid, Katalonien, Euskadi, Maschinenbau und Transport. Wir sind in fast allen Exekutiven der regionalen und Branchenorganisationen vertreten. Unsere Vertretung wächst durch die Präsentation alternativer Listen auf den verschiedenen Kongressen, die ungefähr 10% der Stimmen erhalten. Auf einer Konferenz für den öffentlichen Dienst erhielten wir kürzlich 15%. Diese Zahlen zeigen, daß wir eine Verankerung in der ganzen Gewerkschaft haben. Eine weitere objektive Tatsache ist die Unterstützung für das Manifest, daß am Vorabend des 1. Mai 1989 von 2000 Kadern der CCOO unterschrieben wurde und forderte, daß die Gewerkschaftsführung dem Waffenstillstand mit der Regierung ein Ende mache und daß es neue Mobilisierungen geben solle, einschließlich einer Wiederholung des Generalstreiks. 2000 Kader, Aktivisten mit Führungsaufgaben in der Gewerkschaft, das ist wenig im Verhältnis zur gesamten Gewerkschaftsbewegung, aber bedeutsam. Eine Anzahl dieser Kader ist nicht neu, sondern durch viele Kämpfe gegangen und von den Arbeitern am Arbeitsplatz als Führer anerkannt.

• 1991 wird der fünfte Kongreß der CCOO stattfinden. Glaubst Du, daß die Strömung das Wachstum von 1987 beibehalten will?

• Die IS wird ihre Verankerung und ihre Aktivisten sowie ihre Stellung in den Augen der Arbeiterinnen und Arbeiter behaupten. Sensibel wie wir gegenüber der besonderen Situation junger Arbeiter sind, haben wir einige der Kämpfe junger Leute, die in die Arbeitswelt als Zeitarbeiter eingetreten sind, geführt. Unsere reale Repräsentanz wird weiterhin existieren, auch wenn ich nicht weiß, wie es auf dem Kongreß ausschen soll. Dies wird von den Regeln auf dem Kongreß abhängen, die für Minderheiten

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gewöhnlich ungünstig sind, und davon, ob die Mehrheit eher tolerant oder eher bürokratisch eingestellt ist. Wenn sie bürokratisch und uns gegenüber feindlich handelt, könnten wir Schwierigkeiten haben mit der Aufrechterhaltung unserer da wir die einzige reale Opposition in den CCOO sind.

Den anderen kritischen Sektor bilden jene, die mit der PCE gebrochen hatten und entweder zur Partei zurückgekehrt sind oder keine wirkliche Opposition darstellen. Außerdem gibt es noch die „Prosowjetischen" [PCPE], die kämpferische Positionen haben — wir würden gerne mit ihnen zusammengehen, um eine linke Strömung für zukünftige Kongresse zu bilden. Wir werden sehen, ob dies möglich ist.

• Welche Kräfte nehmen heute an der IS teil?

• Es ist notwendig, zwei Dinge zu verstehen: erstens, daß es einen Zustrom aus der revolutionären Linken gibt, zweitens, daß, während sich die Strömung nicht als politische Kraft innerhalb der CCOO versteht, sie sich auch nicht als rein gewerkschaftliche Option betrachtet. Die Mehrheitsströmung wird von der PCE unterstützt, und die große Mehrheit der Gewerkschaftskader gehört zu dieser Partei.

Es gibt zwei revolutionäre Parteien, deren Aktivisten in der CCOO arbeiten und die IS unterstützen - die LCR (Revolutionäre Kommunistische Liga, Sektion der IV. Internationale) und die MC (Kommunistische Bewegung, eine Organisation maoistischen Ursprungs). Aber die IS ist kein mechanischer Transfer von LCR und MC in die Gewerkschaft - sie ist ein Pol in allen gewerkschaftlichen Kämpfen gewesen, die in den CCOO in den letzten zwanzig Jahren stattgefunden haben. Es gibt viele ausgezeichnete Aktivistinnen und Aktivisten, die nicht in LCR und MC organisiert sind, aber die die Positionen der IS teilen und sich für sie einsetzen.

• Die IS präsentiert sich selbst als eine abgegrenzte Strömung, und die CCOO erkennen das Existenzrecht von Strömungen an. Dennoch ist die IS nicht anerkannt. Warum? Wie sind das Ausmaß und die Schranken der Rechte, die die Statuten der CCOO gewähren?

• Tatsächlich ist die IS eine Strömung de facto, doch nicht de jure. Jeder aner- SPANISCHER STAAT kennt faktisch unsere Existenz als Strömung. Das gilt für die Medien, unter den Arbeitern und auch in der Gewerkschaft selbst. Aber die Führung weigert sich, uns formal anzuerkennen. Das ist vielleicht das Ergebnis ihres Besitzstandsdenkens in bezug auf die Gewerkschaft. Die Mehrheitsströmung betrachtet die Gewerkschaft als ihr Eigentum, und daher sind nur sie legitime Mitglieder der Gewerkschaft. Das Recht, Strömungen zu bilden, wird nicht automatisch Mitgliedern gewährt, die es ausüben möchten - es hängt von der Entscheidung der Mehrheit ab. So existiert heute beispielsweise eine winzige Strömung, die von der Mehrheit anerkannt wird: die Sozialistische Strömung für Selbstverwaltung (CSA). Warum ist die CSA anerkannt, die IS aber nicht? Die Antwort ist einfach: die CSA steht rechts von der Führung und bewirkt, daß es so scheint, als gäbe es ein sozialistisches Element in der Gewerkschaft. Die CSA stellt keine Gefahr dar, sie verbessert cher das Image der Gewerkschaft.

Die IS ist eine ganz andere Sache. Sie ist radikal, verbreitet ein Image von der Gewerkschaft, das die Führung zu vermeiden sucht, und sie ist gefährlich, weil sie die Vorherrschaft der Mehrheitsströmung in Frage stellt. Aber wichtig ist, daß wir existieren.

Es ist ein Charakteristikum der CCOO, daß sie einen gewissen Grad an Pluralismus erlaubt. Alternative Listen können aufgestellt werden, und ihre Organe sind auf proportionaler Basis zusammengesetzt. Wenn eine Strömung teilnimmt und in den meisten der 300 bis 400 Versammlungen, die im Rahmen der Vor-Kongreß-Diskussion stattfinden, Sitze erhält, dann ist die faktische Anerkennung als Strömung unleugbar. Genau dies ist in unserem Fall geschehen. • Nach dem, was Du sagst, scheint es, als ob es Aktivitäten der Strömungen gibt, die erlaubt sind, und andere, für die das nicht gilt. Die Grenzen sind nicht klar. Wie operiert Ihr? Wie stellt Ihr sicher, daß eure Ideen gehört werden, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Gewerkschaften?

• Intern nehmen wir teil an allen Debatten und Organen der Gewerkschaft, von den Mitglieder- und Delegiertenversammlungen bis zur nationalen Exekutive. Unsere Strömung spielt eine entscheidende Rolle in diesen Debatten. Wir genießen eine große Ausdrucksmöglichkeiten. Das Problem beginnt mit dem Recht auf öffentliche Verlautbarungen. Dieses Recht ist in den Statuten festgelegt, aber nur für Individuen. Ich kann z.B. zur Presse gehen und meine Meinung zu jeder Aktion oder Entscheidung der Gewerkschaftsexekutive zum Ausdruck bringen. Ich kann öffentlich die Führung kritisieren ohne, daß es dabei irgendein Problem gibt.

Die Schwierigkeit besteht darin, sich auch als Strömung auszudrücken, und genau aus diesem Grund werden wir nicht als Strömung anerkannt. Aber wir unternehmen Schritte, um der Strömung ein öffentliches Profil zu verleihen. Wenn wir z.B. als Individuen in den Medien sprechen, so handeln wir faktisch als Sprecher der IS.

Wir fördern auch Initiativen, die öffentliche Auswirkungen haben, wie das Manifest der 2000, das ich oben erwähnt habe. In Euskadi gibt die IS ein Bulletin heraus, das unter Gewerkschaftsmitgliedern verbreitet wird. Schließlich wollen wir, daß unsere Meinungen nicht auf den gewerkschaftlichen Bereich beschränkt bleiben, und schon gar nicht, daß sie nur innerhalb der vier Wände gehört werden, wo sich die Führung trifft, ohne daß die Arbeiterinnen und Arbeiter sie kennenlernen.

• Das heißt, daß ihr euch in einer Weise verhaltet wie eine Strömung, die einen direkten Konflikt mit der Bürokratie vermeiden will?

• Ja, aber das ist nicht immer möglich. In den CCOO, wie auch in der italienischen CGIL, gibt es gewisse demokratische Rechte, die man kaum in anderen europäischen Gewerkschaften wiederfinden wird. Aber auch so sehen wir uns einem entscheidenden Problem gegenüber, dem Besitzstandsdenken der Mehrheitsströmung, die nicht zulassen wird, daß die IS die Mehrheit in einigen bedeutenden Organisationen der Gewerkschaft gewinnt und daß eine Organisation entlang der IS-Linie handelt. Wir haben einige sehr schlechte Erfahrungen in dieser Hinsicht gemacht. Als die Linke in der Führung der Gewerkschaft der Provinz Navarra (in Euskadi) war, wurde die Führung bürokratisch aufgelöst. Dasselbe passierte in Gijón, der wichtigsten Industriestadt in Asturien, wo die von der IS geführte Gewerkschaftsexekutive in einer der SEAT-VW-Fabriken kürzlich aufgelöst worden ist.

Die große Frage, soweit es die interne Demokratie in den CCOO betrifft, ist folgende: zu akzeptieren, daß in Zukunft nicht alle Gewerkschaftsorganisationen von der nationalen Mehrheit geführt werden, und zu akzeptieren, daß die IS tatsächlich bedeutende Organisationen,

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wenn die Mitglieder uns ihre Unterstützung geben, führen und eine linke Gewerkschaftsbewegung entwickeln kann.

Darin liegt auch die große Herausforderung für uns, weil wir kaum erwarten können, die Mehrheit in den Gewerkschaften zu gewinnen, wenn wir Opfer der bürokratischen Repression sind in den Gebieten, wo wir bereits gewonnen haben.

• Aber auch wenn Ihr dieses Problem löst, das kein geringes ist, so gibt es immer noch Sektoren der Linken, die nicht in den CCOO sind. Warum beharrt Ihr darauf, in den CCOO zu arbeiten?

• Weil wir Teil der Gewerkschaft sind.

Die Arbeiter kennen und anerkennen uns als Aktivisten und Führer der Gewerkschaft. Sie ist nicht Eigentum der Mehr- KOLUMBIEN heit allein, sondern auch von uns. Wir strikte Kontrolle über die Arbeiterinnen sind von Anfang an dabei gewesen. Vor und Arbeiter und kann spontane Ausallem aber, wenn wir uns anschauen, was drücke von Autonomie seitens der Basismit denen geschehen ist, die sich außer- organisationen nicht tolerieren, umso halb der CCOO befinden, dann sehen wir weniger eine linke Strömung, die ihre die Gefahren der Isolation, die uns er- Mehrheit in Frage stellt. warten können. Die Erfahrung zeigt, daß Aber wir meinen, daß die historische es nicht dasselbe ist, als dieses oder jenes Entwicklung der Gewerkschaftsbewe- Kollektiv eine Aktion durchzuführen gung und ihres linken Flügels im Spanioder einen Streik zu beginnen und nicht schen Staat besagt, daß unser Projekt der als die CCOO. Gewinnung eines bedeutenden Teils der Im allgemeinen ist es viel weniger Arbeiterinnen und Arbeiter für unsere wahrscheinlich, daß Arbeiter Aufrufen linke Orientierung über die CCOO erfolzur Aktion Beachtung schenken, wenn gen sollte. Der Pluralismus wird gesisie von außerhalb der Gewerkschaft chert werden, in dem Maße wie die kommen. Unser mittel- und langfristiges Linke Kräfte sammelt. Heute sind die Projekt kann nicht durch sporadische CCOO demokratischer als vor zehn Jah- Zusammenstöße blockiert werden. ren, und wenn wir unsere Arbeit gut Wir wissen, daß sich unser Projekt machen, dann werden wir sicherstellen, unvermeidlich gegen die Bürokratie rich- daß die Izquierda Sindical ein Bezugsten wird, denn die reformistische Ge- punkt für die Arbeiterinnen und Arbeiter werkschaftsbewegung erfordert die wird.