Viel Wind machte, auch in der bürgerlichen Presse hierzulande, vor einigen Wochen die Absetzung des als Nachfolger von Luciano Lama zum Vorsitzenden schen Ansatz der betrieblichen Selbstverwaltung beder mit der Italienischen Kommunistischen Partei kannt. Während der Arbeitskämpfe im ,heißen (PCI) verbundenen Gewerkschaft CGIL (Confedera- Herbst 1969" hatte er erheblichen Anteil an der Verzione Generale Italiana del Lavoro) gewählten Antonio Pizzinato und seine Ersetzung durch Bruno Trengegründeten Fabrikräten und dem alten Gewerkschaftsapparat und der Erneuerung der Basis der Die CGIL ist die bedeutendste Gewerkschaft in Italien, sowohl hinsichtlich ihrer Mitgliederzahl als auch des Aktivitätsgrads ihrer Mitglieder, die sich mehraus, wohin er die CGIL, die heute in einer tiefen poliheitlich zur PCI zählen. Anders als andere KPen in tischen Krise steckt, führen wird.
Westeuropa hat die PCI sich trotz ihrer kontinuierli- Der folgende Artikel wurde vor seiner Wahl zum chen Rechtsentwicklung eine aktive Basis in den Be- Generalsekretär der CGIL geschrieben. trieben erhalten. Bruno Trentin war in den 60er Jahas sichtbarste Zeichen der Krise
D der CGIL ist die heftige öffentliche Kritik, die von verschiedener Seite an ihrem Generalsekretär Antonio Pizzinato geübt wurde. Sicher konnte man einiges an ihm aussetzen. In Wirklichkeit aber hat seine Person mit der Krise der CGIL herzlich wenig zu tun. Nur soviel, daß er sie für alle sichtbar gemacht hat, wie nie zuvor. Vielleicht muß man auch sagen: weil es ihm an Autorität und Glaubwürdigkeit mangelte, konnten sich die internen Spannungen am Problem der Führung des Dachverbands entladen. Das ist natürlich eine wichtige Frage. aber doch eher Ausdruck einer tie- alle Himmelsrichtungen zerstreut. Die feren und allgemeineren Krise. Diese Teile dagegen, die zunachst weit ausein- Krise wäre wahrscheinlich auch unter der ander lagen, sind zusammengerückt. Der Führung von Luciano Lama ausgebro- Ausgang der Sitzung des Zentralen Exechen, wenngleich in anderer Form und kutivkomitees mit einem Sieg von 27 zu auf anderen Gebieten. 15 bei 4 Enthaltungen für Antonio Pizzi- Pizzinato wurde durch einen Mißtrau- nato hat eine Verschiebung des Gleichgeensantrag aus den Reihen des Hauptvor- wichts gebracht: den Kern der Mehrheit stands zu Fall gebracht. Die bürgerliche bilden nun die Sozialisten, während die Presse hat sich lange darüber ausgelas- Kommunisten gespalten und in der Minsen. So schrieb der Corriere della Sera derheit sind." am 30.Oktober 1988: „Der Archipel Die Interpretation der bürgerlichen namens CGIL hat seine Gestalt geändert. Presse war mehr oder weniger die: die Die kommunistischen Inseln, die erst alle Sozialdemokraten der Italienischen Sodicht nebeneinander standen, sind jetzt in zialistischen Partei (PSI) stehen trotz ei-
ener. jedoch nebensächlicher Schwiegkeiten, zusammen mit den Erneurern ı der PCI geschlossen hinter dem Hauptorstand, der die Kontinuität der Linie er CGIL gerantiert. Nur wenige haben ich die Mühe gemacht darauf zu verweien, dal den Sozialdemokraten ihre Gechlossenheit wenig nützt, um die Fühungsprobleme einer Gewerkschaft zu bsen, die nach wie vor zu einem überroßen Teil aus Mitgliedern bzw. Sympahisanten der PCI besteht.
Auf dem Weg zum Ordnungsfaktor
Vor allem haben sich nur wenige die Mühe gemacht, hinter die Kulissen und inter den offenen Konflikt zwischen der SI und den Parteigängern der PCI zu ucken, die die Linie des Generalsekreirs Achille Occhetto vertreten. Auch die /nità [Tageszeitung der PCI] hat keine rnsthafte Analyse der Ereignisse angeoten und sich darauf beschränkt, für die nöglichst reibungslose Abwahl von Pizinato zu plädieren.
Tatsache ist aber, daß es einer einzigen 'ührungspersönlichkeit, auch wenn sie lutorität genießt, nicht mehr gelingen vird, die Probleme der CGIL zu lösen. Jenn deren Wurzeln liegen weit zurück. ewissermaßen in der Geschichte der itaienischen Arbeiterbewegung: In ihnen rücken sich die Widersprüche einer jewerkschaft aus, die sich erst an die pitze der großen Arbeitskämpfe der Oer und 70er Jahre stellen wollte und ich heute in die Gewerkschaft der 90er ahre verwandeln will, d.h. in eine Geverkschaft, die eng mit den Unternehnern und der Regierung zusammenarbei- Der Grund für die heutige Krise der GIL liegt nicht, wie Ende der 70er ahre, in der Unduldsamkeit der Massen ›der in der wachsenden Ungeduld der :ämpferischeren Schichten, die unter Iem Druck der Basis in den Betrieben tanden. Er liegt auch nicht darin, daß in ler CGIL heute unterschiedliche strategiche Positionen an die Oberfläche gelangen, daß es einen Streit um verschiedene olitische Richtungen gebe. Mit der einigen Ausnahme der Tendenz um Demorazia Consiliare [.,Rätedemokratie"*] tellen sich alle anderen Strömungen inerhalb der CGIL auf den Boden der < lassenkollaboration; nicht einmal die ingeduldigsten Teile innerhalb der "IOM' sind in der Lage, eine Alternative inzubieten, auch wenn sie oft den Finger uf wunde Punkte legen. Die Krise der GIL hat ihre Ursache darin, daß sich grundlegende Veränderungen im Apparat nit einer allgemeineren Krise in der PCI :ombinieren und gegenseitig verstärken. 7179 in Antrag von Democrazia Consiliare an den CGIL-Hauptvorstand
Die CGIL steckt in einer schweren scheidungen: s läuft der Vertrag über Krise, die sich in der verringerten Fä- die scala mobile [gleitende Lohnskala] higkeit, als Verhandlungspartnerin in aus, es werden Tarifverträge erneuert Tarifauseinandersetzungen akzeptiert usw. zu werden, und in einer zunehmenden Die Suche nach einer tragfähigen Entfremdung der - Arbeiterinnen und und richtigen gemeinsamen Linie er- Arbeiter von der Gewerkschafts- fordert notwendigerweise eine offene führung ausdrückt. Die Ursachen dafür Debatte, die in der Lage ist, alle Mitliegen in der falschen politischen Linie, glieder und alle Gremien der Gewerkmit der versucht wird, der autoritären schaft miteinzubeziehen. Insbesondere und gewerkschaftsfeindlichen Umwäl- folgende Themen müssen angeschnitzung der Produktivkräfte und der sozia- ten werden: die Einheit der Gewerklen Struktur, die die Unternehmer an- schaft und die innergewerkschaftliche streben, etwas entgegenzusetzen. Sie Demokratie, auch der Kampf um neue liegen ebenso in der Verspätung, mit und bessere Gesetze über die gewerkder neue Bedürfnisse und neue Themen schaftlichen Rechte, über die Vertreaufgegriffen wurden (der Gegensatz tungsrechte der Gewerkschaft; die zenzwischen Mann und Frau, zwischen trale Bedeutung des Betriebes gegen- Produktion und Umwelt) und mit der über der einzelnen Person; die Bürgerauf die Probleme geantwortet wurde, schaftsrechte, die Rechte der Arbeitedie sich heute aus der zunehmenden rinnen und Arbeiter und der Sozial- Zersplitterung der Arbeitswelt erge- staat; die Ausweitung ungeschützter ben. Beschäftigungsverhältnisse und die Der Grund für die falsche Linie liegt Kontrolle über den Arbeitsmarkt. darin, daß die CGIL und die anderen Lösungen der Krise, die sich um Gewerkschaftsverbände in den Jahren diese zentralen Fragen herummogeln zwischen 1975 und 1985 ihre politische und die Debatte auf bürokratische Zielsetzung nicht klar genug gemacht Weise auf die Ebene der nationalen haben; bis heute bliebt unklar, welche Gremien und die dort getroffenen Entpolitischen Zweck die abgeschlossenen scheidungen beschränken wollen, sind Verträge haben, und es wird eine Ein- abzulehnen. Der Hauptvorstand setzt heit um jeden Preis gesucht. Vor allem daher für die ersten Monate des Jahres letzteres hat nicht zur Stärkung der 1989 einen außerordentlichen Kongreß CGIL geführt, auch nicht zu einer grò- der CGIL an; er soll von einem damit Beren Einheit mit den andern Gewerk- speziell beauftragten Kollegium vorbeschaftverbänden. Diese Fehler und reitet werden. Versäumnisse können sich für die Or- Rom, den 14.November 1988 ganisation im kommenden Jahr als fatal (bei 1 Enthaltung angenommen). erweisen, den 1989 fallen wichtige Ent-
Wegen ihrer stärkeren sozialen Verankerung und der stärkeren Vertretung der industriellen Arbeiterschaft in ihren Reihen stand die CGIL seinerzeit mehr als die beiden anderen Gewerkschaftsverbände unter dem Einfluß der Kämpfe im heißen Herbst" und der frühen 70er Jahre. Der Apparat der CGIL mußte damals so umstrukturiert werden, daß er der sehr starken Eigeninitiative der Massen damals standhalten konnte. Einige Teile des Apparats, vor allem der FIOM, und Hunderte von mittleren Kadern hatten ihre Aufgabe darin gefunden, in den gewerkschaftlichen Strukturen das lebendige Ferment und der Ausdruck der Erschütterungen sein zu wollen, die damals die Arbeitswelt durchliefen. Sie verstanden sich als Vermittler zwischen den Anforderungen der Basis und den Bemühungen der Gewerkschaftsspitze. Ohne diese Vermittlung wäre die Operation, die Fabrikräte in die gewerkschaftlichen Strukturen zu integrieren und einen neuen Konsens zu schaffen, nicht gelungen.
Kein Platz mehr für die alte Gewerkschaftslinke
Diese Sektoren, diese Kader, die sich eingestellt haben auf die Gewerkschaft von damals, stecken heute in den Fallstricken einer Gewerkschaft, die sich zunehmend als Ordnungsfaktor versteht. Sie haben zwar keine Alternative, aber sie drücken zunehmend Unruhe und Unmut aus und suchen nach den Gründen für die Krise, in die sie geraten sind. Das Dokument der Gruppe um Bertinotti/Lucchesi? ist kennzeichnend dafür. Außerdem handelt es sich um Überreste, um ein inzwischenn unbequemes Erbe aus den 70er Jahren, die immer stärker in Konflikte mit der Tendenz zum neuen Gewerkschaftstyp geraten. Die Führung will sie los werden, ihre Strukturen auflösen, sie von den Prozessen der Neustrukturierung der CGIL im Inneren fernhal- Eine der unvermeidlichen Konsequenzen dieser neuen Tendenz ist eine Umstrukturierung des Apparats. Wenn bestimmte Teile des Apparats überflüssig geworden sind, weil sie nicht mehr zählen, weil die sozialen Bedingungen, die sie hervorgebracht haben, nicht mehr existieren, dann werden sie abgeschnitten wie alte Zöpfe, um nicht noch mehr Widersprüche und Schwierigkeiten zu schaffen.
Hinzu kommt die Krise der PCI. Diese findet heute noch keine organisierten Kanäle und sichtbaren Ausdrucksformen innerhalb der Partei. Sie entlädt sich daher in der CGIL, im Konflikt zwischen den „Erneuerern"*, die das Bündnis mit der PSI suchen und Pizzinato unterstützten, und den Gefolgsleuten von Occhetto, die die Krise der Gewerkschaft gern durch einen Wechsel an der Spitze lösen möchten, das Kräfteverhältnis zwischen der PSI und der PCI wieder zu Lasten der letzteren verschieben möchten, zunächst innerhalb der CGIL, später auch im Parlament. Die Parteizentrale der PCI versucht zu verhindern, daß die PSI auch noch von der Krise der CGIL profitiert und damit den Aufwind, in dem sie z.Z. steckt, noch verstärkt. Andererseits macht die PSI aus ihrem Hegemoniestreben auch in der CGIL keinen Hehl. Heute zeigen sich die wunden Punkte der Strategie, die die PCI seit Jahrzehnten verfolgt hat und die für die Arbeiterbewegung ein Fiasko bedeutet hat. Sie hat zu einer beträchtlichen Anhäufung von Widersprüchen innerhalb des Apparats der Gewerkschaft und der Partei geführt. Die PCI strebte günstigere Bedingungen für die eigene Integration in die Institutionen des bürgerlichen Staates an, mit einer Politik wachsender Zugeständnisse an die Unternehmer und die Regierung sowie eine stärkere betriebliche Position der CGIL gegenüber den Unternehmern. Nichts davon hat sie bekommen; nirgendwo zeichnet sich die Möglichkeit einer Regierungsbeteiligung der PCI ab; Regierung und Unternehmer haben eine Reihe wichtiger Abkommen mit der CISL und der UIL' abgeschlossen, bei denen die CGIL einfach geschnitten wurde, vom Abkommen über das Erziehungswesen angefangen bis zum Vertrag bei FIAT.
Unter diesen Bedingungen wird der Unmut in der CGIL zuehmen und zu ganz starken Widersprüchen führen, sei es in Teilfragen, sei es bezogen auf allgemeine Probleme. Es ist dringend notwendig. daß innerhalb der CGIL eine umfassende Diskussion darüber in Gang kommt: nötig ist ein außerordentlicher Kongreß mit einer offenen Debatte, wo Meinungen und Positionen ungehindert ausgetauscht werden können, wo Delegierte auf der Basis verschiedener politischer Richtungen gewählt werden, die sie vertreten. Für die, die heute in der CGIL noch klassenkämpferische Positionen vertreten und sich gegen die völlige Vereinnahmung der Gewerkschaft durch die bürgerlichen Kräfte wenden, ist dies ein dringendes Gebot.
Die „Erneuerung" der CGIL
Ein solcher Kongreß war ursprünglich von der Führung der CGIL selbst angesetzt worden. Noch Pizzinato hatte diesen Vorschlag gemacht; er sollte der programmatischen „Erneuerung" der CGIL dienen. Als Vorbild sollte dabei das neue Grundsatzprogramm der SPD dienen, das vor allem in den Reihen der PCI starke Beachtung gefunden hat. Bruno Trentin war damit beauftragt worden, eine italicnische Version des deutschen Textes zu erarbeiten. Doch die Arbeiten sind stekkengeblieben, zum einen, weil die SPD selber sich nicht mehr sehr damit identifizierte; zum andern weil es heute vielen als „zu links" erscheint, vor allem aber. weil die Führungskrise der CGIL dazwischen gekommen ist.
Auch hat sich für die CGIL ein anderes Problem in den Vordergrund geschoben: das, daß sie von den Unternehmern links liegen gelassen wird. Heute muß sie sich die Frage stellen, was sie überhaupt noch für eine Rolle spielen kann und wie sie wieder zentrale Verhandlungspartnerin für die Unternehmer und die Regierung werden kann. Denn einfach in eine gelbe Gewerkschaft kann sie sich nicht verwandeln, dazu ist ihre Basis zu aktiv; dazu ist sie zu eng mit einer Partei verbunden, die trotz allem Oppositionspartei ist. Bertinotti und Lucchesi, Vertreter der „alten" Gewerkschaftlinken, hatten ein eigenes Dokument erarbeitet, das ebenfalls eine Antwort auf dieses Problem suchte: Wie kann man den Unternehmern begegnen, wenn sie sich über die CGIL hinwegsetzen? Wie kann man die Bürokratie wieder handlungsfähig machen? Nachdem sich herausgestellt hat, daß es unmöglich ist, eine Konferenz zu organisieren, die einen neuen Theorierahmen vorstellt, die eine organisatorische „Erneuerung" vornimmt und die CGIL wieder zu einem anerkannten Verhandlungspartner macht, weiß niemand mehr so recht, zu was sie noch gut sein soll. Die Haltung von Democrazia Consiliare
Democrazia Consiliare hatte zuerst die Tendenz, sich aus dem Streit herauszuhalten und vor allem auf die Ursachen der Krise zu verweisen. In ihrer Mehrheit ging sie sehr zaghaft an diese Debatte heran und machte selbst kaum Themenvorschläge für die Diskussion. Doch allmählich haben sich einige Fragen herausgeschält. In erster Linie die Frage: Wer hat das Recht, die Arbeiter und Arbeiterinnen zu vertreten? Heute müssen die Teile des Arbeitsrechts in Frage gestellt werden, die der CGIL, der CISL und UIL faktisch das Alleinvertretungsrecht zuerkennen, die Arbeiterschaft zu vertreten. Dabei bliebt es dann den Unternehmern überlassen, sich auszusuchen, welchen der drei Dachverbände er gerade für am repräsentativsten hält - so geschehen in der jüngsten Auseinandersetzung bei FIAT, wo die zwei kleineren Gewerkschaften für alle den
Vertrag unterzeichnet haben. Dieser Tatbestand steht sogar im Widerspruch zur Verfassung, die immerhin die proportionale Vertretung" der Arbeitervertretungen bei den Verhandlungen vorsicht. Man muß also um das Recht kämpfen, daß die Arbeiter selbst über ihre Vertretungsorgane bestimmen können, daß sie Delegierte zu den Verhandlungen entsenden können, und daß das Verhandlungsergebnis einer Urabstimmung oder der Zustimmung in Betriebs- oder Abteilungsversammlungen unterzogen werden muß.
Democrazia Consiliare hat deshalb gefordert, daß die Programmkonferenz. eine Konferenz sein sollte, in die gewählte Delegierte entsandt werden und die Entscheidungsbefugnisse über die politische Linie und die Organisation der Strukturen erhält. Diese Forderung versteht sich eigentlich von selbst, betrachtet man, was heute in der CGIL vor sich geht.
Die letzte Vorstandssitzung von Democrazia Consiliare hat sich diesen Vorschlag zu eigen gemacht und einen entsprechenden Antrag formuliert. Doch nur die Zeitung Il Manifesto hat ihn veröffentlicht. Der Hauptvorstand der CGIL hat den Antrag auf einen solchen außerordentlichen Kongreß zurückgewiesen. Democrazia Consiliare bemüht sich nun darum, daß die Delegierten zum Programmkongreß gewählt werden, damit die Konferenz möglichst repräsentativ und verbindlich wird. Neben der angesprochenen Frage: Wer soll die Arbeiterschaft vertreten? stellen sich die Frage nach der Aufhebung des Einigungspakts zwischen CGIL. CISL und UIL sowie eine Reihe anderer Fragen: Arbeitszeitverkürzung, das Einkommen von Erwerbslosen, die Lohnpolitik, der Kampf gegen die Flexibilisierung usw. * Anmerkungen:
1. Die FIOM (Federazione Impiegati ed Operai Metallurșici) ist die Metallarbeitergewerkschaft, die der CGIL angeschlossen ist.
2. Bertinotti und Lucchesi sind Vertreter der sogenannten gewerkschaftlichen Alr-Linken" 3. CISL: Confedenazione Italiana Sindacati Lavoratori: die PSI bildet die politische Hauptströmung darin. UIL: Unione Italiana dei Lavoratori: in ihr dominieren die PSDI (rechte Abspaltung der PSf) und die Christdemokraten.
Kurzmeldungen
Vom 16.bis 18. Dezember 1988 führte die Sozialistische Alternative (SOAL), Österreichische Sektion der IV Internationale, ihre nationale Delegiertenkonferenz durch. Bestätigt wurde die Fortführung der bisherigen Politik: Arbeit in den „Grünen"* . in Betrieb und Gewerkschaft, an Universitäten und in Solidaritätskomitees. Kampagne gegen die EG und verstärkte interne Schulung. Ein Minderheit hat sich zur Fraktion für proletarische Politik" erklärt und fordert u.a. verstärkte Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit und Abbruch der Tätigkeit in den Grünen. Die neue Leitung besteht aus elf Mitgliedern für die Mehrheit, einem für die Fraktion und einem, der die Fraktion teilweise unterstützt.
Am 20.Januar 1989 starb in Cincinnati Morris Starsky im Alter von 55 Jahren. Er gehörte 1965 zu den Pionieren der Bewegung gegen den Vietnamkrieg und wurde daher als Philosophieprofessor von der Staatsuniversität von Arizona entlassen. Fast alle linken und Bürgerrechtsorganisationen unterstützten ihn in dem Tetztlich vergeblichen langen Kampf um die Wiedereinstellung. Morris arbeitete fast 20 Jahre in der trotzkistischen Bewegung in den USA.
Die Zeitschrift Red Stripe wird seit kurzem als britisches revolutionäres Jugendmagazin von Unterstützern der Zeitschrift Socialist Outlook herausgegeben (PO Box 705, London SW19 IHA).
Quest of Peace, eine der Solidaritätsorganisationen für Nicaragua in den USA, will zur Beseitigung der Hurricanschäden 1989 100 Millionen Dollar sammeln. Die EG handelt mit den AKP-Staaten derzeit ein neues Wirtschaftsabkommen aus (Lomé IV). Dabei hat sie erstmals, nach dem Vorbild des IWF, weitere Kredite an die Auflage geknüpft, daß diese eh schon armen Länder wirtschaftliche ,Sanierungsmaßnahmen* , sprich: eine rigorose Sparpolitik und strikte Exportorientierung ihrer Wirtschaft einführen. Seit es das Assoziierungs-Abkommen der AKP-Staaten mit der EG gibt, hat sich die Schuldenlast dieser Länder auf inzwischen 260 Mrd. DM erhöht.
Zehntausende von Transportarbeitern sind in Portugal am 24.Februar dem Aufruf der Gewerkschaft Intersindical zu einem 24stündigen Streik gefolgt. Grund ist ein neues Arbeitsgesetz der Regierung, mit dem Kündigungsverfahren und Entlassungen erleichtert werden. Es steht im Zusammenhang mit einem „Arbeitspakı" den die Regierung anstrebt. Weil der Streik droht, sich auszuweiten, hat die Regierung die U-Bahn-Beschäftigten für 30 Tage dienstverpflichtet. Die sozialdemokratische Gewerkschaft UGT unterstützt den Streik; Portugals Staatspräsident Mario Soares (PS) hat die Arbeitsgesetze unterschrieben. *
PERU
Spaltung der PUM
Die Partido Unificado Mariateguista (PUM — Vereinigte Mariategistische Partei), eine der Hauptbestandteile der breiten Oppositionsfront Izquierda Unida (IU - Vereinigte Linke)', hat seit ihrem II.Kongreß (29.Juni/1.Juli 1988) zwei Spaltungen durchgemacht. Um die gegenwärtige Situation zu sche, einheitliche und revolutionäre verstehen, muß man sich die Ur- Bekräftigung" veröffentlichten Komsprünge der PUM2 in Erinnerung ru- muniqué erklärte die PUM: fen. Das Dokument „Die PUM in Es gibt Leute, die unsere Partei der gegenwärtigen Situation Perus" verlassen haben, um die Reihen des (September 1986) sagt dazu: Reformismus Barrantes'scher Prä- ,Als vereinigte Partei sind wir am gung? zu füllen. Das gilt für den Flü- 23.Oktober 1984 als Produkt des gel der Minderheit um Carlos Tapia, Zusammenschlusses von VR', MIR* Die Grundlage dieser Option liegt in und der Mehrheit der PCRS entstan- einer ideologischen und programmaden, wobei christliche Gruppierun- tischen Position, die sie systematisch gen, Kerne der revolutionären Intelli- in der parteiinternen Debatte verbarunabhängige Gewerk- gen; während sie bereits vorhatten, schaftsführer dazukamen. In ihrer sich abzuspalten, stimmten sie Begroßen Mehrheit besteht die Partei schlüssen einstimmig zu, die sie aus Kräften der neuen Linken, die heute ablehnen. sich Ende der 60er Jahre organisiert Sie lehnen das Konzept des Klassenkampfes als Motor der Ge- Hinzuzufügen ist noch, daß zu den schichte und der Revolution, als ein wichtigsten Erfahrungen, die in der Prozeß des Bruchs mit der bestehen- PUM zusammenfließen, einerseits den bürgerlichen Ordnung ab. Mit die kritische Bilanzierung der in der ihrer liberal-reformistischen Vorstel- Mitte der 60er Jahre gescheiterten lung und ihrer Weigerung, einen Guerillaaktivitäten der MIR gehört, qualitativen Unterschied zwischen sowie andererseits eine breite, „cla- der populären, direkten Demokratie sismo" genannte soziale Strömung. und der bürgerlichen Demokratie zu die sich später entwickelte und eine gewerkschaftliche und eine studentische Komponente enthält, wobei letztere sehr massiv und sehr radikal ist. Nach anderthalb Jahren der Diskussion kam es zu einer formalen Vereinigung. Die PUM ist somit das Produkt des Zusammenfließens verschiedener Strömungen der radikalen Linken, ohne daß irgendeine von ihnen in der neuen Partei die Hegemonie hätte.
Im März 1986 beschloß die Revolutionäre Arbeiterpartei (PRT), die peruanische Sektion der IV. Internationale, auf ihrem IV.Kongreß, sich in die PUM zu integrieren.
Ein wichtiger Kongreß
Auf ihrem II.Kongreß bestätigte die PUM die Strategie der Partei und formulierte einen taktischen Plan zur Verankerung der strategischen Ziele und für die Selbstverteidigung des machen, beginnen sie, sich vom So- Volkes angesichts der Militarisie- zialismus zu entfernen. Mehr noch, rung. sie weigern sich, sich durch die Ent- Nach dem Kongreß verließ eine wicklung des Kampfes der Massen Gruppe von Aktivisten, deren zentra- frontal gegen die apristische Regieler Führer Carlos Tapia ist, die Par- rung zu stellen, da sie in diesem tei. In einem am 8. November 1988 Kampf eine Gefahr für das Wahlszeunter dem Titel „Eine mariategisti- nario der nächsten Jahre sehen. Es ist kein Zufall, daß sic die Partei in dem Moment verlassen, in dem sich der Widerstand des Volkes verstärkt und unsere Verantwortung ihm gegenüber wächst."
Vier Wochen nach Tapias Parteiaustritt stellte sich ein weiterer Teil von Aktivisten und nationalen Führern der Partei gegen die Führung. Zu dieser Gruppe gehören bedeutende Führer der PUM wie Miguel Azcueta, Bürgermeister von Villa El Salvador, Agustín Haya de la Torre, Parlamentsabgeordneter, Santiago Pedraglio, Vizegeneralsekretär der Partei, Julio Castro, Parlamentsabgeordneter, Oscar Ugarte, Bezirksabgeordneter von Lima, u.a. Internationale Arbeiterbewegung In einem an die Mitglieder der Partei gerichteten und von dem auf dem Kongreß gewählten Generalsekretär Eduardo Cáceres unterzeichneten Brief stellt das Nationale Exekutivkomitee dazu fest:
„Damit erlebt der Spaltungsprozeß, der vor einigen Wochen von Carlos Tapia eröffnet wurde, seinen Höhepunkt. Seine Entscheidung wirkte sich auf das Bild der Partei in der Öffentlichkeit sowie in geringerem Maß auch auf ihre nationalen und regionalen Strukturen aus. Diejenigen, die diesen Prozeß von außen ermuntert haben, werden darauf bedacht sein, Handlungen zu fördern, die zur Isolierung der Partei beitragen, und dadurch Bedingungen für CONCHACAN repressive Maßnahmen und Provokaionen gegen unsere Organisation schaffen. "
Gründe für den Bruch
Diese zweite Gruppe nahm den Namen ,Mariategistische Nationale Koordination" (CNM) an und veröf-
fentlichte ein Kommuniqué, in dem sie die Gründe für ihre Trennung von der PUM darlegte:
Einerseits nahm der II.Kongreß eine Linie an, die sich an einem ökonomistischen Avantgardismus orientiert, der sich als unfähig erweist, die Kräfte zu vereinen, die notwendig sind, um in der IU eine revolutionäre Führung zu sichern. Andererseits gibt es Genossen [gemeint ist die Gruppe um Tapia]. die unser anfängliches Konzept von Regierung und Volksmacht aufgeben und sich an versöhnlerischen, gegenüber dem Reformismus schwankenden Positionen orientieren.
Internationale Arbeiterbewegung Die Leitung der PUM antwortete, indem sie die Gültigkeit des auf dem II.Kongreß verabschiedeten Projekts des Parteiaufbaus bekräftigte: Auf die Manöver, die dazu bestimmt sind, uns innerhalb der IU zu isolieren, müssen wir mit einer verstärkten ideologischen und politischen Initiative beim Kampf gegen die reformistischen Positionen der Convergencia Socialista und ihrer Verbündeten antworten. In diesem hartnäckigen Kampf für die Verwandlung der IU in eine revolutionäre Front der Massen müssen wir an einer Bündnispolitik festhalten, die sich prioritär an die revolutionären Kräfte wendet, insbesondere an die Genossinnen und Genossen der UNIR und der FOCEP, sowie die konsequenten Teile der PCP und andere Kräfte anzicht." Die Lage in der IU
Wie stellt sich nun die Situation in der IU dar, und welche Beziehungen bestehen zwischen der PUM und den übrigen Kräften?
Die aus der PUM ausgetretenen Genossen und Genossinnen repräsentierten zu einem großen Teil die Partei in der Offentlichkeit. Die reformistischen Sektoren - an der Spitze Barrantes, die PSR, ehemalige PUM- Mitglieder wie Edmundo Murrugarra - verheimlichen nicht ihr Interesse