Mehr als 10.000 Frauen nahmen vom 30.Juli bis 7. August am skandinavischen Frauenforum in der Osloer Universität teil. Es gab 700 verschiedene Seminare und Vorlesungen. Ungefähr 100 Organisationen machten Büchertische. Es war die bisher größte Frauenveranstaltung in Skandinavien.
von EVA NIKELL rauen haben immer den männli- F chen Standpunkt verstehen lernen müssen. Viele von uns haben eine Universitätsausbildung in männlicher Wissenschaft. Es ist Zeit, unsere eigenen Erfahrungen als Basis der gesellschaftlichen Entwicklung gebrauchen zu lernen," sagte Kristin Karlsdottir, die mit der isländischen Frauenliste zusammenarbeitet. ,Wir machen heute Geschichte: wir produzieren und benutzen neues Wissen," sagte Kamla Bhasin, eine indische Aktivistin. Das Forum war eine feministische Versammlung von seltenem Umfang. Im Laufe der Woche verschwand die anfängliche Förmlichkeit und Vorsicht. Mehr und mehr Leute verbrachten ihre Zeit gemeinsam auf dem Rasen. Instrumente erschienen. Musikgruppen wurden gebildet und Aktionsgruppen geschaffen. Stärken und Schwächen der Bewegung
Es gab ein ganzes Zentrum für Skandinaviens Gewerkschaften mit Exponaten, einem Büchertisch und Versammlungen. Ein Zentrum, das „Friedenszelt", wurde für antimilitaristische Treffen und Aktivitäten benutzt. Hunderte verschiedener Arten von kulturellen Aktivitäten fanden an den Tagen und Abenden der Woche statt.
Das Forum zeigte die typischen Stärken und Schwächen der Frauenbewegung. Viele Organisationen und einzelne Frauen beschwerten sich, daß es unmöglich sei, rechtzeitig Informationen über die Veranstaltungen zu bekommen. Frauenaktivitäten werden öfter durch persönliche Kontakte und informelle Kanäle als auf offizielle Weise propagiert.
Die schwedischen Massenmedien waren ebenfalls unglaublich rückständig in bezug auf die Berichterstattung über ein Ereignis, das das bisher größte Frauentreffen in dieser Region war. Aber „der Kampf der Frauen ist 'out'." Zumindest beim schwedischen Fernsehen, das einen Filmbericht nicht vom norwegischen und dänischen Fernsehen kaufen wollte. Erfahrungsaustausch mit Frauen der Dritten Welt
Dennoch wurde das Forum ein Treffpunkt für Tausende von Frauen, die an verschiedenen Projekten arbeiten. Darunter waren Forscherinnen, Gewerkschafts-, Friedens- und Umweltaktivistinnen, Frauenschulen, Mediengruppen und Kulturarbeiterinnen.
Immigrantinnen in den verschiedenen skandinavischen Ländern konnten sich treffen, und Frauen des industrialisierten Teils der Welt hatten die Gelegenheit, mit Frauen aus der Dritten Welt Erfahrungen auszutauschen. Grönländerinnen in Seehundsfellkleidern, Frauen von den Färöer mit ihren besonderen Liedern und Traditionen - alle kamen zu einer gemeinsamen Demonstration zusammen.
Alleinerziehende Frauen mit Kindern machen die Mehrheit der armen Familien der Welt aus. Zwischen 1960 und 1975 gab es eine bedeutende Veränderung. Mehr und mehr werden Frauen unter die Armutsgrenze gedrückt. Gertrude Goldberg, eine der internationalen Gastrednerinnen, sprach über die ,,Feminisierung der Armut". Es war eine vergleichende Studie der Bedingungen für Frauen in sechs industrialisierten Ländern. „Wir Frauen stellen 53% der Bevölkerung. Wir machen zwei Drittel der Arbeit auf der Welt, wir bekommen ein Zehntel des Einkommens und ein Hundertstel des Eigentums. Wir sind verantwortlich für alle Kinder, aber wir haben keine Macht, und Mrs. Thatcher ist keine Frau. " „Die Sprache des Militärs ist nichts als Science Fiction. Sie nennen eine Bombe, die eine Million Menschen vernichten kann, eine "saubere Bombe'. Sie nennen einen Träger zehn solcher Bomben cinen 'Friedensboten'. Das ist pervers!" Helen Caldicott, eine Kinderärztin aus Australien, Friedensaktivistin und Gründerin solcher Organisationen wie Freeze Now, hielt einen packenden Vortrag über den minerischens, läne das Wettrüsten und die des internationalen Kapitals.
Verbindungen zu Frauen in aller Welt ,Wir haben ein Kontaktnetz, das 10.000 Frauen in 150 Ländern umfaßt. Wir sammeln Tausende von Dokumenten, Flugblättern, Büchern und Schriften und machen eine eigene Serie zu verschiedenen Frauenthemen. " Marilee Karl berichtete über ISIS International, eine weltweite Verbindung für feministische Arbeit und Organisierung.
„Das Wort 'Entwicklung' bedeutet eigentlich öffnen, entfalten, entdecken, erfahren'. Die Arbeit enthält ein phantastisches Potential. In der Selbstaktivität von Frauen gibt es eine lange Reihe solcher Möglichkeiten. Der Kampf muß ein neues Element einschließen, wir müssen Glück, Schönheit und Humor in unsere Arbeit bringen. Wir wollen nicht Teil einer männlichen Gesellschaft und der traditionellen 'Entwicklung' des Kapitals sein. Wir müssen unseren eigenen Weg bauen. Wenn die Massenmedien uns keine Aufmerksamkeit schenken, müssen wir hinausgehen und Straßentheater machen. Wenn wir nicht ins Fernsehen kommen, können wir auf den Plätzen schreien." Zwei Fäden zogen sich durch das Forum, zwei verschiedene Auffassungen von feministischer Aktivität - der Kampf für Gleichberechtigung oder für Frauenbefreiung. Die Gleichberechtigung, die im Rahmen der Bedingungen, die heute in der Gesellschaft herrschen, angestrebt wird, wird von vielen Frauen als ein zu begrenztes Ziel angesehen. Frauenbefreiung bedeutet außer der formalen Gleichberechtigung von Frauen und Männern eine grundsätzliche Veränderung der gesamten sozialen Struktur, um sie den Bedürfnissen der Menschen anzupassen. Es wird lange dauern, bis die volle Wirkung des Forums sichtbar sein wird. Die Kontakte, das erworbene Wissen und die Inspiration, die Tausende von Frauen einander anboten, ist ein reiches Medium für die Schaffung dauernder Solidarität und Zusammenarbeit unter den Frauen der Welt. 9
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