RUTSCHEN von DIMITRI IONOS 1985 kam die Pan-Hellenische Sozialistische Par- wenigstens zu stabilisieren und regelmäßig die Zintei (PASOK) mit 46% der Stimmen zum zweiten- sen auf seine Auslandsschulden zu bezahlen. Die mal an die Regierung. Im Oktober des Jahres be- Schulden betrugen 1985 14 Mrd.$. 1986 mußte schloß sie jedoch eine Reihe von Sparmaßnahmen, Griechenland ein Drittel seines Deviseneinkomdie in scharfem Gegensatz zu ihrem bisherigen mens, fast 1,3 Mrd.Ş, für Zinszahlungen ausgewirtschaftlichen Kurs standen: einen zweijährigen ben.
Lohn- und Preisstop, die Abschaffung der glei- Die brüske Wende der Regierung Papandreu zu tenden Lohnskala, die Anhebung der Tarife im öf- einem direkten Angriff auf die Arbeiterklasse fentlichen Dienst und eine 15%ige Abwertung der führte zu einer Krise nicht nur in der eigenen Par- Drachme. Damit akzeptierte die PASOK-Regie- tei, sondern auch in der Gewerkschaftsbewegung rung mit Papandreu an der Spitze die „Stimme der und in den beiden Kommunistischen Parteien Vernunft" des Internationalen Währungsfonds Griechenlands, die bisher versucht hatten, sich an (IMF) und der Europäischen Gemeinschaft (EG). die PASOK anzulehnen. Der folgende Artikel be- Diese hatten Griechenland gedrängt, sein Haus- schreibt die politische Krise der Linken. halts- und Handelsbilanzdefizit abzubauen oder Die öffentliche Reaktion auf die kalte Du- für ihre Sparpolitik zu zahlen. Die großen sie in Athen dazu auf, die PASOK „zu besche nach der Wahl war heftig. Nach der Gemeinden des Landes - Athen, Piräus, strafen" Ankündigung des Sparpaktes im Oktober Saloniki - fielen an die rechte Opposition 1985 entlud sich eine Welle von Massen- Nea Democratia(ND). Diese setzte damit Die Kommunistische Inlands-Partei protesten gegen die Regierung, die sich ihren Vormarsch fort, der bereits 1985 (KKE-es), hatte sich zu diesem Zeitjedoch unerbittlich zeigte. Um ein begonnen hatte. Bei den Gemeindewahlen punkt noch nicht gespalten, war aber be- „Exempel" zu statuieren und ihre Ent- konnte sie 41% der Stimmen erringen ge- reits tief zerstritten. Sie bezog zwei Halschlossenheit zu demonstrieren, scheute genüber 35,8% in 1981. Sie war es, die tungen zu den Wahlen. Die Mehrheit des sich die Regierung nicht, der kommunisti- vom hohen Anteil an Wahlenthaltungen Zentralkomitees rief die Mitglieder auf, schen Tageszeitung Rizospastis ein (20%) profitierte. PASOK zu wählen, um eine Rückkehr der schweres Bußgeld aufzuerlegen, weil Rechten zu verhindern. Gleichzeitig aber diese ihren Arbeitern eine Lohnerhöhung Krise der Linken riefen einige Mitglieder des ZK, vor allem gewährt hatte. Dies war der Auslöser für aus dem Parteiverband Piräus, zur Wahl den Generalstreik im Pressewesen im Bei den Gemeinderatswahlen hatte die enthaltung auf oder überließen die Ent- März 1986. Statt abzuebben breitete sich Moskau-treue Kommunistische Partei scheidung den einzelnen Mitgliedern. der Streik im Herbst 1986 noch aus, er- (KKE), die mit einigen aus der PASOK Die Inlandspartei befindet sich, wie die faßte alle Teile der Wirtschaft und auch ausgeschlossenen Gruppen ein Wahlbünd- griechische Linke insgesamt, in einer tiedie Jugend. nis eingangen war, im zweiten Wahlgang fen Krise. Diese hat sich in einer Reihe keine Wahlempfehlung gegeben und über- von Spaltungen und neuen Fusionen nie- Bei den Kommunalwahlen im Oktober ließ es ihren Wählern, „nach ihrem Ge- dergeschlagen, sowohl in den politischen 1986 hatte die PASOK einen hohen Preis wissen" zu entscheiden. Gleichzeitig rief Parteien wie auch in den Gewerkschaften.
Kurz vor den Wahlen von 1985 kamen zwei Abgeordnete der PASOK - T.Injes und V.Evangelinos —, die schon seit längerem mit der KKE liebäugelten, zu der Uberzeugung, daß sie mit Sicherheit aus ihrer Partei ausgeschlossen werden würden. So bildeten sie zusammen mit zwei anderen früheren ZK-Mitgliedern der PASOK, V.Filias und L.Fillipatos, eine neue Organisation, die Militante Einheit des Volkes (LEA). Bei den Parlamentswahlen ging die KKE mit der neuen Partei und mit der Vereinigten Sozialistischen Tendenz Griechenlands (ESPE) ein Wahlbündnis ein. Die ESPE war 1984 vom ehemaligen Finanzminister der PASOK Manolis Detrakis, und dem früheren Staatssekretär des Inneren, Stathis Panagoulis, gegründet worden. Im Oktober 1985 wurde G.Arsenis, der bis dahin Wirtschaftsminister gewesen war, aus der PASOK ausgeschlossen. Er hatte indirekt Kritik an dem beschlossenen Sparkurs der Regierung geübt und sich zum Hauptverteidiger der neo-keynesianischen Politik gegen die Verfechter der freien Marktwirtschaft in der PASOK gemacht. Der Allgemeine Arbeiterbund (GSEE), in dem alle Strömungen der Arbeiterbewegung, die mehr oder weniger politisch organisiert sind, vertreten sind, konnte den Folgen der PASOK-Politik ebensowenig entkommen. Die GSEE ist der größte Gewerkschaftsverband im Land; der zweitgrößte ist der, in dem auch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst organisiert sind. Auf einer Sitzung des Exekutivkomitees der GSEE, die auf Druck der Arbeiter zustandegekommen war, die mit der Politik der Regierung sehr unzufrieden waren, gab eine Gruppe von Gewerkschaftsführern bekannt, daß sie mit den wirtschaftlichen Maßnahmen der Mannschaft Papandreus nicht einverstanden seien. Am 6. Februar 1986 wurden sie aus der PASOK ausgeschlossen. Zusammen mit 1200 anderen Gewerkschaftern beschlossen sie, die Sozialistische Gewerkschaftsbewegung der Arbeiter und Angestellten (SSEK) zu gründen. Die meisten Anhänger hat die neue Gewerkschaft im öffentlichen Dienst, in den Elektrizitätswerken, der Post, im Fernmeldebereich und in den Wasserwerken. Die SSEK ergriff politische Initiativen, die über den engen Rahmen gewerkschaftlicher Aktivität hinausgingen. Zwei führende Mitglieder der SSEK waren damit nicht einverstanden und beschlossen bald darauf, zur PASOK zurückzukehren. Im März 1987 folgten erneute Austritte aus der neugegründeten Gewerkschaft. Andere führende Mitglieder schlossen sich der gerade neugegründeten Sozialistischen Partei Griechenlands von G.Arsenis an. Schließlich spaltete sich nach der PASOK auch die Union der Demokratischen Linken(EDA). Dank ihrer Zusammenarbeit mit der PASOK hatte diese Organisation einen Abgeordneten, Manos Glezos,ins Parlament und einen weiteren, S. Kolokotronis, in das Europa—Parlament entsenden können. Grund für die Spaltung war die Kommunalwahl. Eine Minderheit in der Führung der EDA, darunter auch Glezos(1), blieb bei der Allianz mit der PA- SOK, während die Mehrheit für ein Bündnis mit der KKE eintrat. Der Generalsekretär der EDA, T.Katrivanos, früher als PASOK-Mitglied Präfekt von Attika, führte die Wahlliste der EDA-KKE an. Die Krise in der KP-Inland
Die KP-Inland war eine kleine eurokommunistische Partei. Sie ging aus einer Spaltung in der Führung der KP zur Zeit der Diktatur der Obristen im Februar 1968 hervor, daher ihr Name. Hier kann nicht näher auf die Gründe der Spaltung eingegangen werden. Sie zeichneten sich jedoch bereits 1944 ab und nahmen auf dem VI.Plenum der KP 1956 konkrete Gestalt an, als der „Zachariadismus,, (von Nikos Zachariadis, dem Generalsekretär der KP von 1931 bis 1956), das „abnorme" interne Regime in der Partei und einige politische Entscheidungen der Führung in den Jahren 1950—55 angeprangert wurden.
Angesichts der Krise in der KP, die eine Eigendynamik zu entwickeln drohte, beschloß die Kommunistische Partei der Sowjetunion, K.Koliyannis als neuen Generalsekretär einzusetzen, um die Lage unter Kontrolle zu behalten. Zahlreiche Mitglieder wurden aus der Partei ausgeschlossen, andere, die seit dem Ende des Bürgerkriegs von 1944-47 in osteuropäischen Ländern lebten, wurden systematisch verfolgt. In den folgenden Jahren bis zum Militärputsch 1967, nahm die Krise in der KP die Form eines Konflikts zwischen dem Teil der Führung, die im Inland lebte, und dem Teil, der im Ausland lebte, an. Der Streit bezog sich auf organisatorische Probleme, aber auch auf die Beziehungen zwischen der damals illegalen KP und der EDA, in der sie arbeitete.
In den Jahren nach der Spaltung, von 1968 bis 1972, hatte die KP-Inland einen etwa gleichstarken Einfluß wie die KP-Ausland. Unter den Jugendlichen genoß die Inlands-KP mit der Lambrakis-Jugend der EDA und den Rigas Fereos, ihrer eigenen Jugendorganisation, zweifellos den vorherrschenden Einfluß. Doch durch ihre politische Orientierung nach 1972 GRIECHENLAND und in der Zeit nach dem Sturz der Diktatur 1974 geriet sie an den Rand. Nach 1972 konzentrierte die Inlands-KP ihre gesamte Politik auf die Wahlen, mittels derer sie hoffte, das Militärregime „von innen"' zu unterlaufen. Sie legte den Schwerpunkt auf den - angeblich vorrangigen - Widerspruch zwischen den öffentlichen Erklärungen des Regimes, das vorgab, eine fortschrittliche Demokratie westlichen Typs" zu sein, und seine diktatorische Praxis, mit der es fortwährend gegen demokratische Prinzipien verstieß. Dadurch geriet die Inlands-KP in den Verdacht, einen Kompromiß mit dem Regime zu suchen. Diese Orientierung brachte sie zunehmend in Konflikt mit den sich radikalisierenden Kräften der Jugend, im weiteren Sinne aber auch mit allen anti-diktatorischen Kräften, die zur Wahlenthaltung aufriefen, als die Militärs 1973 Wahlen vorbereiteten.
Als die Obristen-Diktatur 1974 zu Fall gebracht wurde, stellte sich die Inlands-KP gleichzeitig gegen zwei Kräfte: gegen diejenigen, von denen man annahm, sie bereiteten die Rückkehr zu einer neuen Diktatur vor, und gegen alle antidiktatorischen Kräfte, die Rechten eingeschlossen. Die Partei sah nicht einmal, daß die Strukturen der Junta nicht nur nicht aufgelöst, sondern sogar in das neue Regime integriert werden sollten. Bei den Wahlen im November 1974 schlug sie allen Parteien eine gemeinsame Liste vor und erklärte, daß sie sich bedingungslos an einer Regierung der nationalen Einheit beteiligen wolle, ganz gleich wie die Wahlen ausgingen. Unnötig zu sagen, daß dieser Vorschlag von allen Parteien abgelehnt wurde. Unter dem Vorwand einer drohenden Diktatur und im Namen der anti-diktatorischen Einheit bremste die KKE-es die politische Entwicklung und entpolitisierte die sozialen und politischen Auseinandersetzungen.
Bis zu den Wahlen von 1977 blieb die KP-Inland im Rahmen der Anti-Diktatorischen Einheit (EADE) und versuchte, „die Kräfte der Linken, des Zentrums und der antidiktatorischen Rechten zu vereinigen" , mit dem Ziel, die Demokratie auszuweiten und „gewisse soziale Ungleichheiten" einzudämmen.
Diese Politik hatte zwangsläufig Auswirkungen auf ihr Wahlergebnis. Die KP-Inland erzielte nie mehr als 1,5 bis 2% der Stimmen bei den Wahlen. Der Grund für die Hegemonie der Auslands-KP liegt eigentlich bei der Politik der Inlands-KP. Als nach den Wahlen von 1977 ein Großteil der Jugendorgani-
GRIECHENLAND
An der Haltung zur PASOK-Regierung hat sich die Inlands-KP gespalten sation der Inlands-KP, Rigas Fereos, die Die Spaltung der KP-Inland Linie der EADE kritisierte, schloß die Die Presse und die Parteien haben zuneh- Parteiführung sie aus. Die ausgeschlosse- mend begonnen, über die Zeit „nach PAnen Mitglieder von Rigas Fereos gründe- SOK" zu reden. Die Austritte und Abten die „B Pan-Hellenische" Organisa- spaltungen zeigen, daß eine große Zahl tion (der Name kommt von der Zweiten von Mitgliedern die Partei verlassen hat, Pan-Hellenischen Konferenz von Rigas ohne sich der traditionellen Linken an- Fereos). Sie stellte zweifellos die radikal- zuschließen. Es entsteht ein politisches ste Strömung in der Inlands-KP dar. Vakuum. Jeder stürzt sich nun ins Ren- Heute veröffentlicht die Führung dieser nen, um es zu füllen, und zwar mit dem Gruppe die theoretische Zeitschrift „,The- mehr oder weniger langfristigen Ziel im sis" , die sich als dem revolutionären Mar- Hinterkopf, eine neue Partei zu gründen. xismus nahestehend begreift. Dies ist der Hauptgrund für die kürzliche Nach den Wahlen von 1977 wurde klar, Spaltung der Inlands-KP. daß die PASOK die wichtigste Partei in Die Mehrheit der Partei — die sog..,Umder Opposition war. Die politische Ent- bau-Fraktion" — wurde von Leuten wie wicklung von Teilen des mittleren und Kirkos, Filinis und Brilakis angeführt und Kleinbürgertums, die traditionell rechts wollte einen großen Appell an die Massen gewählt hatten, und der Einfluß der PA- richten. Die Minderheit, die Fraktion der SOK auf Teile der Arbeiterklasse führten „Neudenker", geführt von Banias, Kodazu, daß die beiden kommunistischen toula, Bistis und Portaliou, sagte, es sei Parteien zu unkritischen Mitläufern der nötig, die Erneuerung der Partei fortzuset- Partei Papandreus wurden. zen, die 1968 begonnen wurde, ohne das lands-KP unterschied sich ideologisch kommunistische Profil zu verlieren. Der und politisch nicht mehr von der PASOK. Hauptunterschied zwischen den beiden Ihr Ziel blieb die geforderte Ausdehnung Strömungen liegt im Charakter der beiden der Demokratie und die Einschränkung Fraktionen. Wirkliche Unterschiede in der sozialen Ungleichheit mit Hilfe einer der politischen Strategie sind nicht er- Umgruppierung des Zentrums und der kennbar.
Linken. Der einzige Unterschied war, daß sie jetzt nicht mehr von der antidiktatori- Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung schen Rechten sprach. stand der kommunistische Charakter der neuen Partei. Aber diese Frage wurde rein Die PASOK ist zum großen Schiedsrich- schematisch diskutiert. Der Europa—Abter im Konflikt zwischen den beiden kom- geordnete Filinis, heute Führer der Griemunistischen Parteien geworden. Die ein- chischen Linken(EAR), sagte: „Der zige Frage war, welche von ihnen am mei- Kommunismus stößt die Massen ab, und sten von der besonderen und ausschließli- da wir es versäumt haben, die Massen zu chen Zusammenarbeit mit der PASOK ändern, ist es an der Zeit, uns selbst zu profitieren würde. Innerhalb der In- ändern. Die neue Partei wird links, komlands-KP entwickelte sich Kritik an der munistisch und sozialistisch sein; sie wird politischen Linie, die seit 1971 verfolgt über den Klassen stehen, sozial, ökolowurde, ohne jedoch die Orientierung auf gisch, pazifistisch, anarcho-autonomieinen „dritten Weg" zum Sozialismus stisch und antiautoritär sein; was immer durch Freiheit und Demokratie infragezu- sie sein muß, um modern, schön und atstellen. Ihre führenden Mitglieder wie traktiv zu erscheinen" (Politis, Nr.61). Leonidas Kirkos, Kostas Filinis, Babis
Drakopoulos und Antonis Brilakis decken Mensch möchte annehmen, das Gespenst das ganze Spektrum eurokommunistischer des Kommunismus habe Griechenland Schattierungen ab. Die Wahl von B.Ba- heimgesucht und dies sei der Grund gewenias zum Generalsekretär auf dem Kon- sen, warum die Inlands-KP nicht über greß von 1982 löste keines der Probleme 1,5-2% der Wählerstimmen gekommen der Inlands-KP. Durch die kritische Un- terstützung für die PASOK-Regierung ist. Es gab keine Selbstkritik. Aus dem vergangenen Kurs der Partei wurden unterminierte sie ihre Glaubwürdigkeit. keine Schlußfolgerungen gezogen und Sie beschränkte sich darauf, die Maßnah- auch nicht nach dem Grund für die Fehler men der Regierung als „unangemessen" gefragt. Filinis wurde ein Opfer seiner eizu kritisieren, obwohl klar war, daß wie- genen Logik: „Es ist nicht nötig. die Verder einmal ein sozialdemokratisches Ex- gangenheit aufzuwühlen oder uns in der periment gescheitert war, weil Reformen Kritik der früheren Positionen der Inin einer Periode wirtschaftlicher Krise lands-KP zu verstricken. Die Frage, die und schwerer Rezession einfach unmög- wir uns zu stellen haben, lautet: Warum lich sind. haben die neuen Positionen der In-
ands-KP so wenig gegritten und de artei kaum Uberlebensmoglichkeiten ge lassen?"
Die Entwicklungstendenz der "Umbau—Gruppe" und der Organisation, die aus dieser Fraktion entstanden ist, der EAR, ist nicht mehr dieselbe wie vorher. Sie hat sich zu einer rein sozialdemokratischen Gruppierung entwickelt. Sollte irgendjemand daran noch zweifeln, wäre die Analyse des Politbüro-Mitglieds D. Psychoyios über die Bewältigung der wirtschaftlichen Krise ausreichend, sie zu zerstreuen: „Kapitalistische Wirtschaftsinvestitionen müssen intensiviert, die Produktion muß gesteigert werden. Natürlich wird die Folge davon in einer Wirtschaft wie der griechischen ein Ansteigen der Arbeitslosigkeit sein, es sei denn, die Zahl der Arbeitsstunden sinkt gemeinsam mit dem Realeinkommen der Arbeiterklasse. Dies wird aber nur im Rahmen allgemeiner und proportionaler Sparmaßnahmen akzeptiert werden, die alle Klassen tref- , (The Left Today, Nr.12-13). Die Funktion der neuen Partei wäre also die, eine akzeptable Sparpolitik aufzuzwingen! Die NATO - eine zentrale Frage Der Gründungskongreß der EAR fand im April dieses Jahres in Athen statt. Die Aufmerksamkeit, die ihm die etablierte Presse widmete, stand im umgekehrten Verhältnis zu seiner wirklichen Bedeutung. Die Vor-Kongreß-Debatte war öffentlich. Es kamen aber nur 12.000 Leute, die 500 Drachmen (ca. 5$) pro Person für ihre Teilnahme bezahlten, und von denen mensch sagen kann, daß sie der neuen Partei politisch und ideologisch nahestehen. Die geschätzte Mitgliederzahl der EAR liegt bei 4-5.000. Diejenigen, die sich an der Gründung der Griechischen Linken beteiligten, waren hauptsächlich chemalige Mitglieder der Inlands—KP, die die Mehrheitsposition vertreten hatten, sowie traditionelle Wähler der Partei ebensowie einige aus der PA- SOK ausgeschlossene Mitglieder. Der wichtigste Beschluß der Gründungskonferenz war, daß die EAR in den kommenden Wahlen eigene Listen aufstellen wird. Bezüglich der NATO, eine der Schlüsselfragen griechischer Politik, vertritt die EAR die Auffassung, daß „die Stärkung des europäischen Pols eine Schwächung der heute totalen amerikanischen Vorherrschaft möglich macht" ', bis „beide Blöcke aufgehoben sind". Diese Position erklärt die Aufmerksamkeit, die der Kongreß einer so kleinen Organisation mit einer so unsicheren Zukunft auf sich zog. Die Minderheitstendenz der „Neudenker" organisierte am 12.—15. März eine Pan-—Hellenische Konferenz. Sie gab sich den Namen „Inlands-KP - Linke Erneuerer" , der bis zu ihrem nächsten Kongreß, voraussichtlich im Oktober, gilt. Diese neue Organisation hat ungefähr 3.000 Mitglieder. Sie umfaßt den dynamischsten Teil der früheren Inlands-KP und hat einen gewissen Massenanhang. Der große Erfolg der „„Neudenker" war, daß es ihnen gelungen ist, fast alle aktiven Mitglieder der Jugendorganisation Rigas Fereos für sich zu gewinnen. Der Minderheitstendenz der Inlands-KP hat sich die Strömung um die Zeitschrift 15/oros Politis und eine kleine Gruppe der revolutionären Linken angeschlossen, die das Socialist Workers Bulietin herausgibt. Die Führung der „Neudenker" vertritt die als „eurokommunistisch-links" bezeichnet werden können. Ihre theoretische Bezugnahme auf eine antikapitalistische Strategie oder die Bedeutung des Sozialismus reicht wahrscheinlich nicht aus, um sie programmatisch von der EAR zu unterscheiden. Der Hauptunterschied zur EAR liegt im Augenblick darin, daß die „Neudenker" in radikalem Gegensatz zur Wirtschaftspolitik der PA- SOK stehen und für die Abschaffung der US-Militärbasen und für den Austritt aus der NATO eintreten. In den Gewerkschaften suchen sie die Aktionseinheit aller Kräfte links von den reformistischen Apparaten der PASOK und der KKE. Die „Inlands-KP - Linke Erneuerer" war die einzige politische Organisation, die am 9.Mai zur Konferenz der Mitglieder der SSEK, der kommunalen Parlamente und unabhängiger Aktivisten eingeladen wurde, die seit 1976 die PASOK verlassen haben. Der Sinn des Treffens war, über die Gründung einer neuen Arbeiterpartei zu diskutieren.
Darüberhinaus ist die Inlands-KP - Linke Erneuerer offen für alle Aktivisten, die den kommunistischen Charakter der Partei akzeptieren. Als Reaktion auf die bürokratischen Verhaltensweisen der früheren KP-Inland sind die Parteimitglieder empfindlich gegenüber jedem Versuch, Positionen, die „von oben" kommen, durchzusetzen, ohne sie vorher zu diskutieren. Das Schweigen der Massenmedien über diese Organisation steht in seltsamem Widerspruch zu dem Aufheben, das um die EAR gemacht wird. Die Zukunft dieser Partei wird von ihrer Fähigkeit abhängen, aus der Vergangenheit zu lernen und sich den aktuellen Aufgaben zu stellen.
GRIECHENLAND
Das Hindernis PASOK
Alle Versuche, die bisher in Griechenland gemacht wurden, eine neue linke Partei zu gründen, sind auf eine Reihe von Hindernissen gestoßen, nicht zuletzt dem des mangelhaften Verständnisses für die Gründe des Scheiterns der PASOK. Die Kritik an dieser Partei konzentriert sich auf die klassisch-kapitalistische Politik, die diese seit 1985 betrieben hat. Sie richtet sich nie gegen ihre erste Regierungsperiode, während der sie eine keynesianische Politik betrieben hat. Was viele nicht begreifen ist, daß das Versagen der PA- SOK letztlich das Versagen des Reformismus ist. Das politische Vakuum, von dem jeder redet, kann nur durch eine wirklich antikapitalistische Alternative gefüllt werden. Aber auf vielen Gebieten, gleich ob es sich um die Zugehörigkeit zur EG oder um den Streit mit der Türkei in der Agäis handelt, ist die Linke von klassenkämpferischen Positionen weit entfernt. Ein Prozeß der Neuzusammensetzung der Linken ist unzweifelhaft im Gang. Im Lichte der Ereignisse werden viele Debatten und Klärungsprozesse nötig sein. Mit ihren bescheidenen Kräften wollen die revolutionären Marxisten daran teilnehmen. Anmerkung:
(1) Glezos ist ein Held des Widerstands gegen die Nazis. und er genießt immer noch eine große moralische Autorität. Die EDA, die 1950 gegründet wurde, war die Partei, in der die Kommunisten während der gesamten Zeit ihrer Illegalität arbeiteten, vom Ende des Bürgerkriegs 1947 bis zum Sturz der Militärdiktatur 1974.
ISRAEL
Juni 1969: Genossen der Matzpen protestieren gegen die israelische Besatzung Israel nach zwanzig Jahren Besatzung Palästinas