Das folgende Interview mit Sándor Rácz (geb. 1933) erschien erstmals 1983 in der ungarischen Samizdat- Zeitschrift Beszelö, Nr. 7, in Budapest, anläflich des 50. Geburtstages von S. Rácz. 1956 war S. Rácz im Alter von 23 Jahren Vorsitzender des Zentralen Arbeiterrats von Budapest. Nach der Revolution war er bis zur Amnestie von 1963 in Gefangenschaft; seitdem lebt er in Izsák als Werkzeugmacher.
Das Interview führte Sándor Szilágyi
Wie haben Du und Deine Kollegen in der Fabrik die Veränderungen erlebt, die das neue Regime (nach 1945) mit sich brachte? Weißt Du, wir haben jede Veränderung wirklich am eigenen Leib erfahren. Als ich das erste Mal bei Standard' arbeitete, wurde der 200-Mann-Betrieb von einem sozialdemokratischen Werksdirektor geleitet, der inseinem Büro nur eine Frau beschäftigte. Später, nach den Prozessen gegen Vogeler und Sanders und der Vereinigung beider Parteien? bekamen wir einen kommunistischen Werksdirektor, der von dem Beruf sehr wenig Ahnung hatte, und der Verwaltungsapparat wurde sofort größer. Natürlich ließen die alten sozialdemokratischen Facharbeiter den Betrieb nicht völlig vordie Hunde gehen, und es gab viel Ärger mit der aufgeblasenen Bürokratie. Wir mußten sie ertragen und sehen, daß die Arbeit mit weniger dieser Angeber besser gelaufen wäre. Es gab viel Unmut, aber schlieflich haben sie den Betrieb ganz umgemodelt, auch wenn sie zwei Jahre dazu gebraucht haben. Der sozialdemokratische Geist hat für sehr starken Widerstand gesorgt.
Warst du 1956 im Betrieb?
Nein, weil ich im Oktober 1953 zur Armee eingezogen wurde, zum Budapester Fernmelderegiment; hier habe ich angefangen, einige Dinge zu begreifen. Vorher war ich wirklich „politisch ungebildet" ". Ich hatte nicht zugelassen, daß sie mich zwingen, all die politischen Kurse zu besuchen, daß sie meine Meinung beeinflussen — aber in der Armee kann man dem nicht ausweichen, da muß man auf die Veranstaltungen. So geriet ich in Konflikt mit den Schulungsleitern, weil ich aufstand und fragte: , Wie kommt es, daß dem Bauern auch noch die letzte Kuh weggenommen wird?" Die Bauernjungen standen hinter mir, weil ich die Wahrheit sagte. Die Liele von Imre Nagy habe ichseiner Juni-Rede' entnommen: daß er die Landarbeiter befreien wollte, die in tiefes Elend abgerutscht waren, die Landwirtschaft mechanisieren wollte, den Arbeitern größere Freiheit und mehr Chancen geben wollte, dem strengen Regime, dem Elend der Bauern und der Herrschaft der AVO ein Ende bereiten wollte. Ich sprach über all diese Dinge auch in der Armee, und so langsam begann ich, die Dinge klarer zu sehen.
Wann wurdest Du entlassen?
Im Oktober 1955 bin ich nach Beloiannisz zurückgekehrt. Habe wieder ein proletarisches Leben geführt. In der Fabrik hatte sich viel verändert. Eine Reihe von Informanten war bloßgestellt worden und sie zogen den ganzen Haß der Arbeiter auf sich. So entdeckte man z.B. im Spind eines Arbeiters ein Mikrophon — die Bosse wollten hören, was wir miteinander sprachen, wenn wir uns umzogen. Der Bursche mußte dann aus dem Betrieb entfernt werden, weil niemand mehr mit ihm zusammenarbeiten wollte. Warst Du im Betrieb, als die Revolution am 23. Oktober ausbrach?
Nein, ich mußte am 5. Oktober ins Krankenhaus, mir die Mandeln entfernen lassen. ...Als ich Gerö und Pitos im Radio hörte, rannte ich auf die Straße... Heute ist das schwer vorstellbar, was das für ein Erlebnis war, als das Stalin-Denkmal umgestoßen wurde. Es war im Namen des Volkes von Budapest gebaut worden, und eben dieses Volk ging jetzt hin und stürzte es um. Jeder war auf einmal dein Freund auf diesem Platz. Als deralte Joc auf der Straße lag und nur noch seine Schuhe auf dem Sockel standen, kamen Transportwagen, die uns zur Radiostation bringen wollten, weil dort auf Menschen geschossen wurde'. Jeder der konnte, kletterte auf den Wagen. Die Strafen waren voll mit Menschen und in der ganzen Stadt erscholl es von Rufen: „Russen, geht heim! Imre Nagy an die Regierung!" Wir konnten nicht zum Rundfunk vordringen, so dicht war die Menge. ... Was hast Du am nächsten Tag getan? Um Mitternacht ging ich ins Krankenhaus zurück. .. Ich habe dort geschlafen, und am nächsten Tag bin ich in die Fabrik. Danach habe ich bis zu meiner Verhaftung nicht mehr in einem Bett geschlafen, bis zum 11. Dezember. Aber das nur nebenbei. Am 29.10. haben sich in der Fabrik etwa 500 von uns in der großen Halle versammelt. Wir standen herum, sprachen miteinander — da gab es eine Menge zu besprechen. Wir trugen unsere Straßenkleider; wir haben uns zur Arbeit nicht mehr umgezogen, weil wir zu wenige waren, die Produktion anzukurbeln. Ich erinnere mich nicht mehr, wer es war, aber einer hat vorgeschlagen, wir sollteneinen Arbeiterrat wählen. Ich weiß auch nicht mehr, wer mich vorgeschlagen hat. Aber ich mußte nach vorn gehen. Der Provisorische Arbeiterrat zählte schließlich 15 Mitglieder. Wir zogen von der großen Halle zum Büro des Direktors, und da schlug jemand vor, ich sollte den Vorsitz übernehmen, aber ich habe abgelehnt. Ich habe mein Alter — ich war 23 gend muner ayn ela vorgehrungskend Was waren die ersten Maßnahmen, die ihr ergriffen habt?
Wir beschlossen, die Arbeit wieder anzukurbeln und Fabrikwachen zu organisieren. Wir hielten es für normal, für eine Errungenschaft der Revolution, daß der Direktor nichts mehr zu sagen hatte, und wir den Betrieb selbst übernehmen sollten. Die Wachen waren nötig, um die Maschinen und das Material zu schützen und zu verhindern, daß verdächtige Elemente Zugang zur Fabrik bekamen. ... Eine interessante Sache trug sich zu: wie ich zu meiner eigenen AVO kam. Gegen fünf Uhr ging ich auf die Straße, als ein junger Mann in einem Ledermantel auf mich zukam und mich beim Namen rief. Er bat mich, ihn zu verstecken, weiler Angst hatte, nach Hause zu gehen. Erwar Hauptmann bei der AVO und seine Frau Russin. Er bot mir als Gegenleistung an, die geheimen sowjetischen Radiomeldungen aufzuschreiben, die er als Funker am 28. Oktober aufgefangen hatte. Ich dachte nach. Es gab eine Menge sicherer Räume im Keller. Ich nahm ihn mit in die Fabrik, gab ihm Papier und Bleistift und setzte ihn an die Arbeit. Ich schloß ihn ein. Ein paar Stunden später schaute ich nach, und als ich las, was er aufgeschrieben hatte, konnte ich meinen Augen kaum glauben. Er hatte aufgeschrieben, wieviel russische Soldaten mobilgemacht wurden, welche Truppenbewegungen durchgeführt wurden. Ich sperrte ihn wieder ein und sprach darüber mit einigen Mitgliedern des Arbeiterrats. Das Dokument war so wichtig, daß wir damit zu Imre Nagy mußten, damit er darüber informiert würde. Am Morgen des 30. Oktober zwischen zehn und elf Uhr gingen wir zum Parlamentsgebäude. ...
Am 4. November, kurz nach vier Uhr wurde Nagy's Rede im Rundfunk übertragen. Diese Tragödie könnt ihr euch nicht vorstellen. Es hat einem das Herz gebrochen zu hören, wie dieser Kommunist fast in Tränen ausbrach und die Russen anflehte, diese Stadt, dieses kleine Land zu verschonen. Ich höre ihn heute noch: „Bitte, Bitte!" Gut eineinhalb Stunden später ertönten die ersten Schüsse. Um sechs Uhr tobte nur noch der Kampf....
Habt Ihr Euch auf irgendein politisches Programm für die Zukunft verständiet! Wir waren alle einer Meinung: die Arbeiterräte mußten jetzt eine aktive Rolle spielen. Bis dahin hatten wir uns nicht in die Politik eingemischt, weil wir Imre Nagy vertrauten. Wir betrachteten ihn als den politischen Garanten der Revolution, aber Kadar und seine Clique haben sowohl Imre Nagy als auch die Revolution verraten. Damals war jeder gegen Kadar. ...
Damals hatten wir noch keine Forderungen. Erst am 12. November, als wir den Distrikt 22 INPREKORR Nr. 188
nach Beloiannisz einluden, gab es welche: für den Rückzug der sowjetischen Truppen, die Rückkehr von Imre Nagy an die Regierung. die legale Anerkennung der Arbeiterräte und der Revolutionskomitees, solche Sachen. Vier, fünf Delegierte faßten diese Forderungen schriftlich zusammen und dann stimmten wir darüber ab. Am 14. November konnte Sanyi Bali dieses Programm schon zur Gründungskonferenz des Zentralen Arbeiterrats mitnehmen...
Welche Vorstellungen hatte der Zentrale Arbeiterrat?
Zunächst dreht es sich darum, die Leute zurück in die Fabrik zu bekommen. Wir konnten der Clique um Kadár nicht erlauben, daß sie es sein sollten, die den Arbeitern Brot und Arbeit gaben, damit hätten sie sie manipulieren können. Unsere Idee war: wenn der Zentrale Arbeiterrat die Leute an die Arbeit in die Fabriken zurückbrachte, hätte dies unsere Position gestärkt. ...Am 16. November verteilten wir Flugblätter mit dem Aufruf, zur Arbeit zurückzukehren und wieder Verhandlungen mit dem Parlament aufzunehmen... Am 21. November versuchten wir, einen nationalen Arbeiterrat zu bilden. Das konnten wir aber nicht, weil alle dafür geeigneten Örtlichkeiten von sowjetischen Panzern umstellt waren. Außerdem hatten sie Imre Nagy gekidnappt. Wir beschlossen also einen zweitägigen Streik am 22. und 23. November, aus Protest gegen die Verhinderung der Versammlung und gegen die Entführung Nagy's. ... Dann haben sie uns gedrängt, den Arbeiterrat der Gewerkschaft zu unterstellen und mit dieser zusammenzuarbeiten....
Am 8. Dezember hatten wir zu einer Delegiertenkonferenz des Nationalen Arbeiterrats aufgerufen. ...Da hörten wir, daß sie in Damals ...
...auf dem achten Parteitag der PCI vom Dezember 1956 erklärte Parteisekretär Palmiro Togliatti: , Wir akzeptieren die Verwendung des Begriffs „Stalinismus" nicht, weil er zu dem Fehlschluß führt, als handele es sich um ein gänzlich falsches System." Alessandro Natta, seinerzeit Direktor des Gramsci-Instituts, pflichtete Togliatti bei und warnte vor einer allgemeinen Ausweitung des Stalinismus-Konzepts" *.Schließlich lobte er die Fähigkeit der Partei, „den kompromißlerischen Versuchen anläßlich der ungarischen Ereignisse zu widerstehen." Vorangegangen waren Monate, die zu den dunkelsten der langen PCI-Geschichte gehörten. Das Zentralkomitee der großen antifaschistischen Volkspartei hatte den XX. Parteitag der KPdSU und die Chruschtschow'sche „Entstalinisierung" verdauen müssen. Während der polnischen Ereignisse vom Frühjahr-Sommer desselben Jahres druckte die PCI-Leitung noch Erklärungen Gomulkas und sowjetische Kommentare nebeneinander ab. Dann aber, als sich die Arbeiter und Studenten von Budapest erhoben, fand man die PCI auf Seiten der sowjetischen Panzer wieder.
Salgótariján auf die Arbeiter schossen, mehr als 50 waren tot. ... Der zentrale Arbeiterrat erließ einen Aufruf an die Arbeiter der Welt, die ungarischen Arbeiter in ihrem Existenzkampf furchtlos zu unterstützen. Der Streik Der Diktator ist gestürzt, Reste der Stalin Statue im Stadtpark von Budapest. Die Haltung der PCI
Heute...
...läßt die Erinnerung an den Budapester Oktober die PCI nicht ruhen. Zunächst hat es wieder jemand auf die spöttische Art versucht. Ein Unità-Karrikaturist zeichnet den kommunistischen Durchschnittsaktivisten Bob, der seine Frau händeringend fragt: , Was soll ich noch alles tun, um ein idealer Ehemann zu werden? Ich trinke und flirte nicht mehr, ich bringe dich zum Einkauten und helte den Kindern bei den Hausaufgaben. Was willst du noch mehr?" Worauf die kühle Antwort der Ehefrau lautet: „Eine tiefgreifende Selbstkritik nisterpräsident Craxi (PSI) die Rolle der Angetrauten aus dem PCI-Blatt und forderte den kommunistischen Parteichef Alessandro Natta auf, ein deutliches Wort zu Imre Nagy vom 11.-12. Dezember und der Aufruf waren das letzte, was wir gemacht haben. Wir hatten der Clique um Kadar nichts zu sagen, die statt mit uns zu verhandeln auf uns schoß. Du weißt, meine Meinung ist, daß der Zentralrat von Großbudapest der ganzen Revolution seinen Stempel aufgedrückt hat, und gezeigt hat, daß das nicht ein Aufstand von Rowdies. sondern von Arbeitern war.
1 Die Standard Electric Company gehörte vor dem Krieg den Amerikaner. Nach shrer Verstaatlichung hiet sie Beloiannisz 2 Die Ungarische Kommunistische Partei und die Sozial. demokratische Partei wurden im Juni 1948 vereinigt zur Ungarischen Arbeiterpartei, nachdem der rechte Hügel der Sozialdemokratischen Partei unter der Führung von Anna Kethly, die gegen die Vereinigung war, ausge schlossen worden war. 1930 wurde auch der linke Hügel der Sozialdemokratischen Partei, der die Vereinigung unterstützt hatte, ausgeschlossen, seine Führer Arpid Szakasits und György Marosán verhaftet. Im Februar 1950 wurden mehrere Unternehmensleiter der Fabrik Standard Electric vor Gericht gestelle wegen Sabotage und Spionage, darunter auch die US-Bürger Kobert Vogeler und Edgar Sanders. Sie wurden jeweils zu 15 und 13 Jahren Haft verurteilt.
3 Imre Nagy war 1945 Landwirtschaftsminister und führte in dieser Eigenschaft die Landreform durch. Im Juni 1953 löste er den früheren stalinistischen Diktator Má. tyås Kakosi als Ministerpräsident ab und kündigte die Einführung eines Reformprogramms an, das unter dem Namen Neuer Kurs" bekannt wurde. Nagy'+ Reformprogramm umfaßte auch die Einschränkung der Rolle der staatlichen Sicherheitsorgane, der ungarischen Geheimpolizei AVO. Räkosi blieb Parteisekretär, nach dem Sturz des Sowjetführers Malenko wurde Imre Nagy im März 1955 als Ministerpräsident abgesetzt. Rikosi kehrte auf diesen Posten zurück. 4 Eine der Forderungen der Studenten war die, die Stalin Statue im Stadtpark zu entfernen, weil sie _cin Symbol der Tyrannei und der Unterdrückung" sei. Diese Forderung war eine der ersten, die die revoltierenden ungarischen Massen am Abend des 23. Oktober verwirklich. ten. Eine andere Menschenmenge hatte sich zum selben Zeitpunkt vor dem Rundfunkgebäude von Budapest versammelt und forderte, daß der 16-Punkte-Katalog der Studenten gesendet würde. Hier fielen die ersten Schüsse in der Revolution, als Truppen der Geheimpolizei versuchten, die Straße zu räumen. und den Opfern der magyarischen Insurrektion zu sprechen.
Damit nicht genug, gibt es auch 1986 mehr oder weniger junge PCI-Intellektuelle, die eigenständig denken. Eine Gruppe um Giacomo Marramao, Remo Bodei, Salvatore Veca ging weiter als Craxi. In einem Brief an die „Unità" bestanden sie auf einer expliziten Erklärung von Seiten der Parteiführung, daf die PCI 1956 auf der falschen Seite gestanden habe. Nur eine ernsthafte Infragestellung der eigenen Vergangenheit* meinten die Genossen Kopfarbeiter, könne die Gewähr dafür bieten, daß die PCI _integraler Bestandteil der europäischen Linken" werde, wie es Natta noch auf dem letzten Parteitag versprochen hatte. Die Reaktionen waren unterschiedlich: Probleme machte Giorgio Napolitano, Parlamentspräsident und Rechtsaußen der PCI. Im Namen einer Yaltaorientierten, orthodoxen Realpolitik rechtfertigte er auch nachträglich das sowjetische Eingreifen. Alessandro Natta hingegen beeilte sich, dem Druck von außen und innen nachzugeben. Er nannte Imre Nagy öffentlich einen „kommunistischen Führer", dem großes Unrecht widerfahren sei.
Bach
Vor dreißig Jahren vernebelten die von den Kalten Kriegern in Ost und West verbreiteten Darstellungen der anti-stalinistischen Revolution als „faschistischer Aufstand" bzw. als „(bürgerlich-)demokratischer Freiheitskampf" das, was wirklich war. Das heute allgemein zugängliche Material hingegen läßt am Charakter der Revolution wenig Zweifel. Von den leicht zugänglichen Büchern sei hier verwiesen auf:
Der ungarische Volksaufstand in Augenzeugenberichten, herausgegeben von Peter Gosztony. München: dtv, 1981, 14,80 DM, dtv-Taschenbuch 2712.
Diese Dokumentation vermittelt ein viel schichtiges, aber deutliches Bild der ungarischen Revolution, in der auch nationale Forderungen und nationalistische Strömungen eine Rolle spielten. Natürlich lagen auch rechtsradikale Elemente, sogar offene Faschisten auf der Lauer, die katholische Hierarchie versuchte, sich als Machtfaktor zu etablieren, Illusionen in die bürgerliche Demokratie waren weit verbreitet. Aber das entscheidende (zumal für Leute, die Bewegungen nicht danach beurteilen, was sie sich „dünken" , sondern danach, was sie tun und was sie bewirken), kommt in den Forderungen der Arbeiterräte zum Ausdruck, die sich unter verschiedenen Bezeichnungen wie „Revolutionsrat" „Revolutionskomitee" „Zentraler Arbeiterrat von Groß-Budapest" nach Ausrufung des Generalstreiks am 24. Oktober wie ein Lauffeuer in ganz Ungarn ausbreiteten. Einen sehr interessanten Einblick darin, wie die herrschende Bürokratie den Aufstand erlebt hat, wie die Revolution dort beurteilt wurde und unterschiedliche Reaktionen auslöste, liefert der Bericht von Sándor Kopácsi, Die Ungarische Tragödie, Wie der Aufstand von 1956 liquidiert wurde, Frankfurt, Ullstein Taschenbuch- Verlag, 1981, 9,80 DM, Nr. 38021. Kopácsi war 1956 Polizeipräsident von Budapest. Im ungarischen Oktober schloß er sich der Gruppe um Imre Nagy an, dem kurzzeitigen Ministerpräsidenten, der im Juni 1958 als „Landesverräter" und , Wegbereiter der faschistischen Konterrevolution" hingerichtet wurde.
Eine der eindrucksvollsten Schilderungen der Mechanismen der stalinistischen Schauprozesse gibt das vor kurzem neu aufgelegte Buch von Béla Szász, Freiwillige für den Galgen, Nördlingen, Greno, 1986, 25,- DM. 24 INPREKORR Nr. 188 Bücherkiste