Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Landreform marschiert.

· Inprekorr Nr. 172, September 1985 · S. 34-36 · 1.453 Wörter

Mittelamerika

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Landreform marschiert Nach einer nur einmonatigen Mobilisierung der Bauern der Provinz Masaya beschloß die revolutionäre Regierung die Neuverteilung des Landes an arme Bauern. Der Artikel stammt aus Militant, Zeitung der revolutionären Marxisten der USA. Als Vorsitzender des Obersten Rats José G. Perez der Privatunternehmer (COSEP), der wichtigsten Organisation der nicaraguanischen Kapitalisten, hat Bolaños sich zum Symbol des Widerstands gegen die Eine machtvolle Bauernbewegung hat in Arbeiter- und Bauernrevolution erkoder Provinz Masaya den kapitalistischen ren. Und in der Tat war » Wir wollen Landeigentümern eine schwere Nieder- Churruco Bolaños Landlage bereitet. Nach Jahren der Unruhe lautesten Schlachtrufe der Bewegung in und Monaten ununterbrochener Mobilisierung der Bauern - Versammlungen, Bolaños behauptet, die ganze Angele- Demonstrationen, Landbesetzungen - genheit sei ausschließlich dazu von der verkündete am 14. Juni 1985 Coman- FSLN inszeniert worden, um gerade dante Jaime Wheelock, daß die Mehr- sein Land zubeschlagnahmen und „seine heit der Provinz zur „Zone der Rechte zu stehlen." Agrarentwicklung und Agrarreform" „Da es nicht die Möglichkeit gibt, mit erklärt wird. ihm zu verhandeln, haben wir beschlos- Wheelock sagte vor etwa 10000 armen sen, das Land..., ," sagte Wheelock - Bauern und ihren Unterstützern in der aber der Rest seiner Worte wurde vor Provinzhauptstadt, daß ,das Masaya des begeisterten Aufschrei seiner Zuhörer Aufstands gegen Somoza, das Masaya übertönt. Tausende Demonstranten der Helden und Märtyrer Land will; aus schwangen ihre Plakate und Macheten diesem Grunde ist die Revolution nach und fielen in den Sprechchor »Poder po- Masaya gekoande kommen, den sie und »es lebe die Agrarreform, es lebe die pular! Poder popular! Poder popular! wird das Land bekommen, braucht." Revolution!«

Das Ziel der Maßnahme ist es, „etwas Land sofort in Besitz zu nehmen und es Wheelock rief die Bauern auf, das mit massiven Landschenkungen für die armen Bauern zu tun, die in der Ge- zu bearbeiten, nicht die juristischen Forschichte zu Seite geschoben und ausge- malitäten abzuwarten. damit die Vorteibeutet wurden." Unter den Erlaß fallen le der Regenzeit noch genutzt werden alle Güter über 50 Manzanas [etwa 90 können. Jedoch verteilte er auch schon ha]. Die Regierung verhandelt mit den die ersten Landtitel an 200 Familien. verschiedenen Eigentümern, die ihren Um noch einmal zu unterstreichen, Hof entweder verkaufen oder gegen daß es der Regierung nicht um eine poli- Land anderswo eintauschen können. tische Blutrache geht, teilte Wheelock Wer sich weigert zu verhandeln, wird mit, daß Bolaños die doppelte Menge einfach enteignet, warnte Wheelock. Landes in einem anderen Bereich an der Pazifik-Küste angeboten worden war. Einer weigert sich Vielmehr war es Bolaños, der durch seine dauernde Weigerung, über einen Verkauf oder Tausch in Verhandlungen zu Die meisten Staatsfarmen, die etwa 3300 treten, die Regierung gezwungen hatte, ha ausmachen, werden den Bauern sofort stattdessen bedürftige Bauern in Landeübergeben. 23 Privatfarmen sind auch als steile zu transferieren, wo es noch freies „von der Agrarreform berührt " benannt Land gibt. Zur Freude der Anwesenden worden, zusammen etwa 12 000 ha. Mit sagte Wheelock: „Nun sagen wir Mister einer Ausnahme sind alle Besitzer in Ver- Bolaños, dais es viel leichter für ihn ist handlungen mit der Regierung getreten. umzuziehen als für Tausende Familien." Diese Ausnahme ist Enrique „Churru- "Que se vaya« — er soll gehen — rief das co" Bolaños. Publikum.

Minifundien

Alles in allem werden wohl 18 000 ha an 2000 Familien verteilt werden, zumindest in der ersten Phase der Landreform in Masaya. Es wird sich also selbst nach nicaraguanischen Kriterien um kleine Flächen handeln, wenn auch etwas aufgewogen durch die besondere Fruchtbarkeit der Gegend. Zusätzlich zu dieser Umverteilung wird die Regierung weiterhin Land in Nachbarprovinzen zur Verfügung stellen und Familien ermutigen, dorthin umzuziehen.

Die ungerechte Verteilung des Lands war ein lange schwelender Konflikt in dieser Provinz. Von den 13 000 hier lebenden Bauernfamilien besaßen 8000, die große Mehrheit nichts oder fast nichts. Nach dem Sturz Somozas im Juli 1979 kam es zu ausgedehnten Landbesetzungen. Wheelock: „Damals baten wir die Bauern, dieses Land wieder zu verlassen, weil wir ein Regime der nationalen Einheit geschatten hatten, das den Privatbesitz an Land respektiert." Die Sandinisten, die die Arbeiter und Bauern zum Sturz der kapitalistischen Diktatur führten, hatten antangs gehofft, dais die Beschlagnahme des verfallenen Landes von Somoza und seinen. engsten Kumpanen genug Land zur Umverteilung an die ärmsten Bauern anstehen würde. Jedoch erhielten bis vor kurzem nur 1400 der 10 000 landbedürftigen Familien in Masaya etwas. Masaya ist die am dichtesten besiedelte Provinz, mit dem größten Prozentsatz landloser Bauern. » Wir versuchten das Landproblem zu verbessern, ohne es wirklich zu lösen, und wir müssen anerkennen, daß die von uns ergriffenen Maßnahmen nicht zufriedenstellend waren. Letztes Jahr schon wurde uns das Landbedürfnis dringlich zu Gehör gebracht. Und insbesondere natürlich in dem Maße, wie sich die Aggression [der USA] verschärfte — wohl aufgemerkt: in dem Maße, wie sich

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die Aggression verschärfte — fühlten die Bauern die wachsende Knappheit und die Inflation und daher ein gesteigertes. Bedürfnis nach Land."

Prozeß der Selbstorganisierung

Die erneute Landbewegung begann im Mai im Distrikt Palenque, im Süden der Provinzhauptstadt. Die Regenzeit beginnt Ende Mai, und als der Himmel immer verhangener wurde und sich die Zeit des Pflanzens näherte, waren viele landlose Bauern verzweifelt. Das Geld, das sie in der Baumwollernte verdient hatten oder bei Gelegenheitsarbeiten und auf dem grauen Markt, wurde von der kriegsinduzierten Inflation rasch verschlungen. Und wenn sie Land zu pachten versuchten, weigerten sich die meisten Grundbesitzer, obwohl sie oft mehr als das legale Maximum angeboten bekamen, manche Bauern waren gar zu einer quasi feudalen Ernteabgabe bereit. Da begannen die Bauern sich zu organisieren. In wenigen Wochen hielten sie über 200 Versammlungen ab, wählten Delegierte auch aus der letzten Streusiedlung und zentralisierten diese in einem Comité Comarcal (Distriktrat). Sie setzten Petitionen auf, in denen șie die Besitztümer benannten, die sie haben wollten. Sie stellten Pläne auf, das Land einfach so zu nehmen, wenn das Ministerium für Agrarentwicklung und Agrarareform sich nicht in der Lage zeigte, das Land sofort zu gewähren.

Von allen Seiten wird bestätigt, daß diese Bewegung von den Bauern selbst geschaffen wurde, ohne Veranlassung von offizieller Seite. Dennoch gab die FSLN ihre Unterstützung, als sie einmal lief. Wheelock: „Unsere erste Antwort Anzeige

INFOSTELLE EL SALVADOR ist umgezogen!

Neue Adresse:

Oscar Romero-Haus

Heerstr. 205 5300 Bonn 1 Vorläufige Telefonnummer.:

(02 28) 63 45 52 Agrarminister Jaime Wheelock war eine politische Antwort. Wir sagten, dies ist eine gerechte bewegung, mit tiefen historischen Wurzeln, keine künstliche Bewegung."

Am 6. Juni eskalierten die Bauern ihren Protest. Mit geschwungenen Macheten zogen mehrere hundert vor den Sitz der Regierung Masayas und riefen: „ Wir wollen Land! Es lebe die Agrarreform!" Sie überreichten formell ihre Petition und verlangten sofortige Antwort. Die Bauern betraten das Gebäude unter der Spendenaktion „Waffen für El Salvador"

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Bankleitzahl 100 100 10 Freunde der alternativen Tageszeitung e.V.

1000 Berlin 65 Parole: Wer hat das Land? Die Bourgeoisie! Wer will das Land? Das Volk!" oder „Kein Land mehr in den Händen der Kapitalisten! Land denen, die es bebauen!"

Eine Abordnung traf sich mit Federico Lopez, dem politischen Sekretär der FSLN für die Region IV, die Masaya und drei benachbarte Provinzen umschließt. die Bauern hatten ihren Protest darauf abgestimmt, daß er mit dem sechsten Jahrestag des Endaufstands gegen die Somoza-Diktatur in Masaya Zusammenfällt. Lopez begann denn auch mit den Worten: „Ich glaube, das was ihr hier tut, ist die schönste Ehrung, die wir unseren Märtyrern zuteil werden lassen können." Er erklärte, die ungerechte Verteilung des Landes sei nicht in der Schuld der sandinistischen Volksrevolution, sondern das Erbe aus der Zeit des Somozismus. „Die revolutionäre Regierung, des seid Euch sicher, wird Euch eine positive Antwort erteilen. Diese Ersuchen werden von der revolutionären Regierung geprüft werden, und Jaime Wheelock wird kommen und eine präzise, korrekte und konkrete Antwort zu geben... Das wichtigste aber ist, daf ihr vereint seid, und in der Einheit liegt die Kraft. Es lebe die Bauernbewegung von Masaya!"

Wheelock sagte schließlich in seiner Rede, als er kam um Lopez versprechen zu erfüllen: „Das Masaya der Armen, das Masaya der landlosen Bauern konnte nicht mehr länger mit dem latifundismo [Großgrundbesitzertum] koexistieren.. Wir als Vertreter dieses Volkes sind vetpflichtet, Euch das Land zu geben. Hier ist die Regierung," sagte er mit einer Geste über die mehreren tausend Bauern, „esist das Volk, das regiert, es ist das Volk, das führt."

Es gibt sie doch noch, die Dokumentation zu den Aktionen gegen den WELTWIRTSCHAFTSGIPFEL

Nicht gedruckt, aber als Kopiervorlage: Redebeiträge vom Tribunal u.d. Demo und Einschätzungen von beteiligten Gruppen.

Preis: 5.- DM

Bestelladressen:

Atomexpress c/o Gö AK gegen Atomenergie 3400 Göttingen

Postfach 1945

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IV. INTERNATIONALE