Bilanz der letzten zehn Jahre ihrer politischen Aktivität: eine schonungslose Selbstkritik.
,Der Sieg der APRA wird die Massenkämpfe verschär- den Stalinisten in programmatischer Hinsicht gegen fen. Der gegenwärtige Aufschwung der Massenkamp- Null tendiert.
fe kann nur durch eine gewaltsame Niederlage der Dabei wäre gerade die PRT jeweils in der Lage gewe- Arbeiterorganisationen oder eine Spaltung der Iz- sen, solche Einheitsfronten vor Manövern anderer zu quierda Unida besiegt werden, wobei der reformisti- retten und sie zu wirklichen Massenorganen zu masche Teil zur offenen Klassenkollaboration übergehen chen. Denn durch das Prestige ihres Führers Hugo würde. Es ist eine zentrale Aufgabe, die Einheitsfront Blanco aus den Bauernkämpfen der 60er Jahre hatte aufrechtzuerhalten und sie gegen spalterische Aben- die PRT ein immenses Vorschußkapital und große teuer zu verteidigen, die weitab von der Erfahrung und Sympathie bei der Bevölkerung. Das verspielte sie von vom Bewußtseinsstand der Arbeitenden liegen, und 12 % auf 0,5 % im Laufe ihres sich verhärtenden sektierevolutionäre Konvergenz innerhalb der IU zustande- rerischen Kurses. Nicht nur trug sie dazu bei, daß die zubringen. Die Debatte zwischen Reformisten und Re- einnertliche revolutionare Massenbewegung in einen volutionären kann eine gefährliche Wendung nehmen, starken reformistischen Flugel unter Alfonso Barranwenn wir auf die Provokationen der Bourgeoisie oder tes, dem jetzigen Bürgermeister von Lima, und einen der dogmatischen Strömungen eingehen starken ultralinken Flügel in Gestalt von Sendero Lu- „Es ist absolut klar, daß der Kampf um die Aufrech- minoso auseinanderdriftete, gegen Ende dieses Proterhaltung der Einheit der IU einhergehen muß mit der zesses machte sich auch der unmittelbare Druck die- Ausbreitung der örtlichen Basiskomitees dieser Front ser beiden Strömungen in der PRT selbst bemerkbar. uber das ganze Land und mit dem Aurbau einer revolu- Zuerst verlor sie einige Genossinnen und Genossen tionären Führung innerhalb der Front selbst." direkt an die IU. Und als sie sich schließlich zu einer In diesen Worten umreißt der Genosse Esteban Mar- schonungslosen Bilanz ihrer Geschichte — die wir hier cos die Aufgaben der PRT, der peruanischen Sektion abdrucken - durchrang, konnte eine recht große Minder IV. Internationale, nach dem Wahlsieg der APRA, derheit nicht von einer solchen Wende zur revolutionăder im zweiten Wahlgang wohl noch deutlicher ausfal- ren Einheitsfrontpolitik überzeugt werden und spaltelen dürfte.
Doch so scharf, aber unsektiererisch war die Hal- Sie setzt heute den alten Kurs fort und ruft weiterhin tung der PRT gegenüber der IU und anderen Einheits- zur Bildung einer „Revolutionären Front" auf und befronten nicht immer gewesen. Bei der Gründung der IU reitet sich außerdem auf den bewaffneten Kampf vor. und beim gescheiterten Zustandekommen eines ihrer Dabei beansprucht sie (PRT-Combate), weiterhin „un- Vorläufer, der ARI, nahm die PRI oft prinzipiell richti- ter dem Banner der IV. Internationale" zu stehen. Der ge, „revolutionäre" Positionen zum Anlaß, solche für XII. Weltkongreß der IV. Internationale erkannte jedie Einheit der Massen wichtigen Bündnisse abzuleh- doch nur die Partei Hugo Blancos als Sektion in Peru nen. Durch eine falsche Betonung der politischen Unabhängigkeit der Arbeiterklasse gegenüber der Bourgeoisie kam sie dazu, gegen die Teilnahme meist Da die Wende so spät vollzogen wurde, werden ihre winziger kleinbürgerlich-nationalistischer Parteien Früchte anfangs bescheiden sein. Es ist noch zu früh, ihr Veto einzulegen, obwohl in den Augen der Massen eine Zwischenbilanz zu ziehen. INPREKORR wird den der Unterschied zwischen diesen und beispielsweise weiteren Werdegang der PRT im Auge behalten.
Die PRT wurde im Oktober 1978 gegründet, zu einem Zeitpunkt, der für die Politik des Landes von entscheidender Bedeutung war. Seit 1976 hatten wir eine Krise, die von folgenden Merkmalen gekennzeichnet war:
einem tiefen Niedergang der Wirtschaft, in dem sowohl die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise als auch der Schiffbruch des politischen Projekts von General Juan Velasco Alvarado (1968 - 1975) in besonderer Weise kombiniert zum Ausdruck kamen; - einem regelrechten sozialen Erdbeben, in dem die Unterdrück. ten des ganzen Landes unter Führung der Arbeiter und der Gewerk schaften sich mobilisierten, um gegen Hunger und Elend zu protestieren, zu dem die Krise sie verdammte, und bei dem die Selbstorganisation der Verteidigungsfronten und Volksversammlungen großen Auftrieb erhielt:
einer politischen Führungskrise der Bourgeoisie, weil es keine Alternative zur nach mehr als acht Jahren Herrschaft völlig diskreditierten und verbrauchten Militärregierung gab. Da die politischen Parteien in dieser Periode nicht aktiv gewesen waren, brauchten sie etliche Zeit, um sich wieder zu konstituieren.[1] Angesichts dieser Lage entschloß sich das Militär zu der Strategie, eine Verfassunggebende Versammlung einzuberufen, die dann allgemeine Wahlen anberaumt. Dieser Plan hatte zum Ziel, die Wirtschaft zu stabilisieren, indem die Folgekosten den Werktätigen aufgeladen werden, Zeit zu gewinnen, daß die bürgerlichen Parteien sich auf dem Terrain, das ihnen traditionell am günstigten ist, Parlamentsdebatten und Wahlkämpfe, neu bilden könnten, und schließlich, die Arbeiterund Massenbewegung zurückzudrängen und ihr wenn mögliche eine Niederlage zu bereiten.
Für alldies brauchte das Militär jedoch Zeit. Die Arbeiter- und Massenbewegung hatte die Diktatur zzwar an ihr Ende gebracht, indes ging mit der Mobilisierung für ökonomische und demokratische Forderungen keine Entwicklung einer politischen Gesamtalternative einher. Die peruanische KP (PCP) in ihrem platten Okonomi mus gewann kein eigenes Profil, sie begnügte sich damit, den überlebten Velaquismus [das Programm der progressiven Diktatur zu verteidigen. Deswegen brachte die Arbeiterbewegung die immer wieder gleichen ökonomischen und demokratischen Forderungen vor. Und es stellte sich immer deutlicher heraus, daß diese Forderungen unter der Militärdiktatur nicht durchsetzbar sind. So verwandelte sich jeder Kampf in einen für deren Sturz, in einen politischen Zusammenstoß mit der Diktatur. In diesen Jahren verfügte die Arbeiter- und Massenbewegung nicht über die politische Führung. die sie eigentlich gebraucht hätte, eine, die in der Lage gewesen wäre. die Schlachten um die nicht erfüllten Forderungen mit einer alternativen Politik zum Sturz der Diktatur und zur Durchführung von sofortigen freien und demokratischen Wahlen zu verbinden. bürger Schen Partien und dem etern muslire zur Enter ing Die Suche nach neuen der Frente Obrero, Campesino, Estudiantey Popular(FOCEP, Arbeiter-, Bauern-, Studenten- und Volksfront) und der Union Democráti ca Popular (UDP, Demokratische Volkseinheit) im Vorfeld der Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung vom Juni 1978.(2] Obwohl diese beiden revolutionären Zusammenschlüsse einen wichtigen Schritt nach vorne darstellten, konnten sie doch nicht die Führungsschwäche der Massenbewegung überwinden, weil es ihnen nicht gelang, die Einheit auf einer klaren politischen Grundlage für die demokratischen Massenkämpfe herzustellen.
Bei den Wahlen zur Verfassunggebenden Versammlung im Juni 1978 bekam die Linke 30 % der Stimmen, davon die FOCEP 12 %. Damit schien der Plan des Generals Morales Bermudez erschüttert. Den Militärs gelang es zwar, ihre Verfassunggebende Versammluns furchzusetzen und sich durch sie an der Regierung zu halten. aberdaf ein erheblicher Teil revolutionärer Abgeordneter in dieser Versammlung saß, war für ihre Pläne ein Faktor der Instabilität. Aber wieder einmal ermöglichte es die mangelnde politische Kohärenz der Massenbewegung gegenüber der Regierung, die deren Füh- [1) 1968 wurde die Regierung Fernsndo Belaunde Terry durch einen Militärputsch gestürzt. Eine Agrarreform wurde unter General Juan Velasco Alvarado in Angriff genommen. Dieses bürgerlich-nationalistische Regime weckte Illusionen bei gewissen Strömungen der Arbeiterbewegung, besonders den Stalinisten. Die Diktatur zehrte sich durch innere Auseinandersetzungen aus, und 1975 ergriff dann General Morales Bermu dez die Macht. Dieser leitete den Prozeß der Machtübergabe an Zivilisten ein. um schließlich die Zügel wieder an Belaunde Terry abzugeben. (2] Die FOCEP war ein Bündnis zu den Wahlen zur Verfassungzebenden Versamm ung im Juni 1978. Sie vereinte Trotzkisten, Maoisten, Zentristen und erhebliche Teile der klassenkämpferischen Gewerkschaften und Bauernverbände. Die UDP war ebenfalle ein Bündnis maoistischer, zentristischer und trotzkistischer Gruppen, allerdings auch nur von solchen politischen Organisationen.
rung anzulasten ist, die Periode 1978 - 1980 mithilfe der Allianza Popular Revolucionaria Americana (APRA, Amerikanische Revolutionäre Volksallianz) und der Partido Popular Christiano (PPC, Christliche Volkspartei) geschickt zu durchsteuern. Beide Formationen hatten sich zu ausgesprochenen Verbündeten des Militärs gemauserr und erlaubten es ihm, den isolierten Kämpfen, der Massenbewegung harte Schläge zu versetzen.
Zwar war es für die Massenbewegung schwierig, sobald einmal die Verfassunggebende Versammlung eröffnet war, die politische Initiative in der Hand zu behalten und den Plan der Bourgeoisie zu durchkreuzen. Was man sich aber zurecht erhoffen konnte, war, daß die Führung der peruanischen Arbeiterschaft von der PCP an die FOCEP und UDP übergeht, sodaß man die Schwierigkeiten der kommenden Kämpfe besser hätte bestehen können.
Tatsächlich hatten damals FOCEP und UDP in der Massenbewegung einen bedeutend stärkeren Einfluß als die PCP oder die PCP- Patria Roja (Rotes Vaterland). Diese beiden Parteien hatten unter den Werktätigen Kräfte verloren; erstere aufgrund ihrer an General Velasco orientierten Linie, letztere wegen ihres ultralinken Kurses, die Wahlen einfach zu boykottieren.
So sahen die äußeren Umstände aus, als die Partido Revolucionario de los Trabajadores (PRT, Revolutionäre Arbeiterpartei) im Oktober 1978 gegründet wurde. Wie dringend nötig eine vereinigte trotzkistische Partei war, ergibt sich schon daraus, daß die Arbeitenden unbedingt eine revolutionäre Führung brauchten und daß die Trotzkisten dank ihres Führers Hugo Blanco zur Bildung einer solchen eine gute Chance hatten; sie hatten bei den Legislativwahlen den dritter Platz erlangt.
Damals war der Trotzkismus gespalten in Frente de la Izquierda Revolucionaria (FIR, Front der Revolutionären Linken), FIR-Cuarta Internacional (FIR-IV, FIR-Vierte Internationale), FIR-Partido Obrero y Campesino (FIR-POC, FIR-Arbeiter und Bauernpartei), Partido Socialista de los Trabajadores (PST, Sozialistische Arbeiterpartei) sowie weitere kleinere Gruppen und außerdem die Partido Obrero Marxista Revolucionaria (POMR, Revolutionär-Marxistische Arbeiterpartei).
Ursache der Spaltung der früheren FIR 1969 waren Meinungsverschiedenheiten in der Diskussion des IX. Weltkongresses der IV. Internationale. Diese Spaltung führte zunächst zum Entstehen der PST, als die Orientierung des IX. Weltkongresses angenommen, später aber wieder verworfen wurde, zu erneuten Spaltungen der FIR und zur FIR-IV und FIR-POC.
Die POMR war aus der Vanguardia Revolucionaria entstanden; sie berief sich seit 1971 auf den Trotzkismus und gehörte dem CORQI (Organisationskomitee zum Wiederaufbau der IV. Internationale) an, stand der französischen OCI nahe (in der BRD: ISA). Aus diesem Grunde nahm sie am Vereinigungsprozeß erst gar nicht teil. Die ursprüngliche Spaltung innerhalb der FIR hatte Meinungsverschiedenheiten zu zweigrundlegenden Aspekten zutage gebracht, die vom Weltkongreß für Lateinamerika angenommene politische Linie und ihre Konsequenzen sowie das mit dieser Strategieeinhergehende organisatorischen Konzept. Zwei verschiedene Gesamtlinien standen sich jeweils gegenüber. Nach der einen war der bewaffnete Kampf die zentrale Aufgabe der Epoche, die andere widersetzte sich dieser Auffassung. Diesen politischen Postulaten entsprachen verschiedene organisatorische Konzepte. Nach der ersteren ging es um eine militärische Untergrundstruktur, nach der anderen stand die legale Arbeit einschließlich der Nutzung von Wahlen im Vordergrund. De facto war die Vereinigung also in erster Linie eine Wiedervereinigung. Anders gesagt, eine der Bedingungen für die Vereinigung bestand in ler eindeutigen Feststellung, ob die ursprünglichen Meinungsver schiedenheiten, die zur Spaltung geführt hatten, überholt waren, oder, für den Fall, daß sie noch aufrechterhalten wurden, um welche Meinungsverschiedenheiten es sich genau handelte und wie ihre Lösung anzugehen sei.
Auf der anderen Seite standen der Vereinigung politische Divergenzen in aktuelleren Fragen entgegen. FIR und FIR-IV waren Mitglieder der UDP, auch der Leitungsgremien. PST und FIR-POC hatten zusammen mit der POMR die FOCEP gegründet. Das führte dazu, daß man getrennt an den Wahlen zur Konstituante teilnahm. Zu diesen handfesten Differenzen traten schließlich noch zweitrangige hinzu, die manchmal sogar nur in der Einbildung existierten. Der extreme Subjektivismus, der die Beziehungen zwischen diesen kleinen Gruppen kennzeichnete, wurde so faktisch zu einem sehr wichtigen Element.
Als die Frage der Vereinigung auf den Tisch kam, war das erste Problem, daß die PST nicht bereit war, sie auch nur ins Auge zu
fassen. Die Führung dieser Partei, die in ihrer Mehrheit die Positionen einer Fraktion der IV. Internationale, die damals von Nahuel Moreno geführt wurde, vertrat, verwarf die Fusion in sektiererischer Art und mit dem Anspruch auf Vorherrschaft. Andererseits aber waren die Argumente, die sie dabei vorbrachte, doch ernstzunehmende und ermöglichten ihr, einen Gutteil ihrer Mitglieder zu halten, als die PRT dann gegründet wurde.
Die Vereinigung zur PRT fand schließlich auf der Grundlage einer Vereinbarung über allgemeine und abstrakte Prinzipien und der Mitgliedschaft in der IV. Internationale statt, ohne daß eine ernsthafte Diskussion geführt, eine Bilanz gezogen, ohne daß eindeutig die Haltung in der allerjüngsten Zeit kritisiert, ja, schlimmer noch, ohne daß eine konkrete politische Linie beschlossen worden wäre. All das ermöglichte es Nahuel Moreno, die Mehrheit in der PST zubehalten, gestützt auf das — absolut gerechtfertigte — Milltrauen der Mitglie der dieser Partei gegenüber dem Vorschlag, sich mit FIk und FIK-IV zu vereinigen — zwei Organisationen, die bis zum Tage der Vereinigung der UDP angehörten. Diese Koalition basierte schließlich auf einem „volksdemokratischen" Programm, und FIR und FIR-IV hatten nichts an ihrer Teilnahme an einer Front auszusetzen, die von der PST als „reformistisch" eingeschätzt wurde. Die Mitglieder der PST hätten vermittels einer politischen Debatte gewonnen werden können, die leider nicht stattfand.
Nur ein Dutzend Mitglieder verließen mit Hugo Blanco die PST, um zusammen mit FIR, FIR-IV, Combate Socialista und den Cerculos „Natalia Sedowa" (Sozialistischer Kampf bzw. Natalia Sedowa-Arbeitskreise) die PR T zugründen. So widersprüchlich daserscheint, so kam doch die Mehrheit der Mitglieder aus der UDP und hatte in der FOCEP keine Erfahrungen gesammelt. Sie waren sogar in der Vorstellung erzogen worden, die FOCEP sei nur eine reformistische Koalition für die Wahlen und Hugo Blanco mit dem gleichen Mangel behaftet. Und jetzt auf einmal sollten sie in dieser Front mitarbeiten. Die vereinigte Partei PRT wurdezueiner Gruppe, die sich um ganz allgemeine Postulate gruppierte. Es gab für die Partei weder eine politische Linie noch ein Organisationsprojekt. Die Strömungen, die an der Fusion teilnahmen, befanden sich in der einen oder anderen Art im Zustand der Krise. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie vor allem Spaltungen erlebt, und keine hatte für sich genommen wirklich Erfahrung in der Massenarbeit, eine wirklich bolschewistische Struktur, eine regelmäßig erscheinende Presse — von einem kohärenten Parteiaufbauprojekt konnte nicht die Rede sein.
* Der erste Kongreß der PRT * Kaum war die PRT im Oktober 1978 entstanden, begann für sie eine Phase des Aktivismus, weil neue Mitglieder in Massen eintraten, angezogen in erster Linie durch die Persönlichkeit von Hugo Blanco.(3] Weil man kaum über Erfahrungen in legaler Massenarbeit verfügte, ja manchmal sogar gegen diese Arbeit eingestellt war, war es sehr schwierig, die neuen Mitglieder zu organisieren, ihr Zustrom versandete.
Der größte Mangel aber blieb nach wie vor, daß man keine genauen organisatorischen Kriterien hatte. Es gabkeine deutliche Scheidelinie zwischen der PRT und den Basiskomitees, keine Disziplin unter den Mitgliedern, keine Beitragszahlung und keine regelmäßige Presse. Sicher war das Eingreifen des Genossen Hugo Blanco in der Verfassunggebenden Versammlung ein Beispiel für revolutionäres Auftreten im Parlament und bewirkte, dais das Ansehen der Partei erhalten blieb. Aber all die bereits erwähnten politischen und organisatorischen Schwächen ermöglichtenes der PRT nicht, die Avantgarderolle, die sie hätte-einnehmen müssen, auch wirklich zu spielen. Als 1979 der 1. Kongreß einberufen wurde, steckte die PR T bereits in der Krise, die abzusehen gewesen war. Der Kongreß hatte nun die Aufgaben zu bewältigen, die weder bei der Vereinigung noch beim vorausgegangenen Diskussionsprozels gelöst worden waren, und darüberhinaus die Probleme der tagtäglichen Organisationsarbeit. Die wichtigste Debatte verlief über die politische Lage, fast ausschließlich darum, ob man die Forderung nach sofortigen allgemeinen Wahlen aufstellen solle. Zwar hinkte man mit dieser Parole schon etwas hinter der Entwicklung hinterher, aber trotzdem war es wichtig, sie aufrechtzuerhalten, um sich klar von den bürgerlichen Parteien abzusetzen, die sich den Vorhaben der Diktatur anpaßten. Trotzdem hatte diese Losung nicht mehr die Wirkung, die sie zu Beginn der Krise 1976 hätte haben können.
Einige Genossen waren mit dieser Parole jedoch nicht einverstanlen. Sie verstanden damals nicht, wie wichtig diese demokratisch Forderung war und welche Funktion sie als Übergangsforderung in demokratischen Kampf gegen die Diktatur hatte. Die Zweifel dieser 3] Die Gründungskonferenz der PRT fand am 8. Oktober 1978 statt. Ihre Erklärun indet sich in Imprecor (frz.) Nr. 40 vom 14.12.1978 Genossen waren praktisch dieselben, die zahlreiche klassenkämpferische Gewerkschafter zum Ausdruck brachten. Diese Reaktion bildete die größte Schwäche des „Klassen"-Syndikalismus und der UDPin den Jahren 1976 und 1977.
Wenn man andererseits noch dazu vorschlägt, diese Wahlen sollten von „allen Werktätigen" selbst oder von einem nationalen Kampfkomitee anberaumt werden, dann wird die genannte Losung zum stumpfen Messer. Damit hatte diese Forderung keinen Übergangscharakter mehr. Sie war nur noch propagandistisch, denn der Aufruf zu den Wahlen setzte so praktisch die Existenz von Sowjets voraus. Die sofortige Abhaltung von Wahlen unabhängig davon durchzusetzen, wer sie nun einberuft, hätte dagegen in der Praxis bedeutet, die Pläne der Bourgeoisie zu durchkreuzen, wäre also ein Sieg für die Arbeiterbewegung gewesen. Ob diese Schlacht nun mit der Abhaltung der Wahlen geendet hätte oder nicht, auf jeden Fall wäre sie sehr nützlich gewesen. Sie hätte ermöglicht, die Unterdrückten im ganzen Lande nicht nur zu organisieren, sondern auch auf der Grundlage einer demokratischen Forderung zu mobilisieren, der, die Regierung zu wählen, und hätte den Weg zu einer revolutionären Lage öffnen können.
Die wichtigste Aufgabe des 1. PRT-Kongresses bestand darin, eine neue Führung zu wählen, die nicht bloß ein Zusammenschluß der vor der Fusion bestehenden Führungen wäre, sondern aus den fähigsten, von der Partei bereits erprobten Genossinnen und Genossen bestanden hätte. Doch daraus wurde nichts. Das Zentralkomitee setzte sich nicht aus den Mitgliedern zusammen, die die Partei am besten führen konnten, und auch nicht einmal entsprechend den Mehrheitsverhältnissen auf dem Kongreß, sondern Grundlage ihrer jeweiligen Wahl war, daß sie so rücksichtslos wie möglich ihre Strömung unterstützten.
Statt das der Kongreß genutzt wurde, politisch wie organisatorisch die Partei in Ordnung zu bringen, wurde er Ausgangspunkt eines neuen internen Krieges. Die Partei schlitterte unter kläglichen Bedingungen in eine sehr schwierige Periode hinein, in der sie große Verantwortung trug. Mit einem Satz: der Kongreß konnte die Probleme, welche bei der Vereinigung in der Schwebe gelassen worden waren, nicht lösen, erschwerte im Gegenteil noch die Existenbedingungen der PRT.
Es ist recht schwierig, die Periode vom 1. Kongrei bis zum Beginn • der Kampagne zu den allgemeinen Wahlen vom Mai 1980 zu analysieren. Wir werden nacheinander die wichtigsten Ereignisse, mit denen wir zu tun hatten, behandeln, ohne uns immer an den chronologischen Ablauf zu halten.
* PRT und FOCEP * Die Partei hatte seit ihrer Gründung im Oktober 1978 für die Einberufung einer nationalen Versammlung der FOCEP mobilisiert, damit dort die Probleme der Front, ihr Programm, ihre Linie, ihre organisatorischen Probleme und ihre Zukunft diskutiert werden. Gerardo Ledesma [der parteilose FOCEP-Führer] und die Organisation Bandera Roja (Rote Fahne) hatten eine gemeinsame Erklärung zusammen mit der PCP und der Partido Socialista Revolucionario (PSR, von Reform-Offizieren gegründet) unterzeichnet und die Kritik der PST daran mit deren Ausschluß beantwortet, ohne daß die anderen Mitglieder befragt worden wären. Es war offensichtlich ein Manöver der PCP, die FOCEP zu spalten, indem sie sich auf Ledesma stützte und seine Furcht anheizte, Hugo Blanco könne ihn als Hauptführer ablösen.
Es war klar, daß die Abhaltung eines FOCEP-Kongresses mit direkter Teilnahme der Basismitglieder aus dem ganzen Land der einzige Weg gewesen wäre, vielleicht nicht die Spaltung zu verhindern, aber zumindest Ledesma und seinen Manövern eine Niederlage zu bereiten. Aber das war nicht nur eine Aufgabe der PRT. Sie hätte auch von PST und POMR in Angriff genommen werden müssen, denn die hatten überdies auch im Gegensatz zur PRT Vertreter im Nationalen Exekutivkomitee der FOCEP. Ob dieses Ringen zu gewinnen war, hing also auch zu einem großen Teil von der Haltung der PST und der POMR ab. Die Mitglieder dieser Organisationen waren aber nicht bereit, auch nur den kleinen Finger zu rühren, um die FOCEP zu retten. [...] Vor allem die POMR beschränkte sich auf Manöver hinter den Kulissen. Das schwächte den Vorschlag der PRT erheblich, und die Partei mußte sich auf bescheidenere Ziele einschränken. Wenn es zuerst noch möglich gewesen war, ins Auge zu fassen, die FOCEP dem Einfluß Ledesmas zu entziehen, so konnte die PRT später nur noch darauf hoffen, so viele Militante wie möglich für die eigene Organisation zu gewinnen. Die FOCEP hatte anfangs eine mächtige, kämpferische Massenbewegung verkörpert, jetzt aber war sie zum Zufluchtsort für Opportunisten, die ihre Legalität von der Militärregierung bezogen, geworden. Die Verantwortung für die
Entwicklung tragen aber diejenigen, die wie die PST und die POMR nicht dafür waren, die Front durch einen Appell an ihre Mitglieder zu verteidigen, als es noch Zeit dafür war. Die Kampagne der PRT gegen die Spaltungspolitik von Ledesma brachte ihr einen Teil der besten FOCEP-Aktivist/inn/en ein, die über einen großen Erfahrungsschatz verfügten und die Kampagne der Partei sowie später die Kandidatenlisten der PRT bei den Parlamentswahlen vom Mai 1980 unterstützen sollten.
* Die Legalisierung der PRT * Als diese Wahlen durchgeführt wurden, bei denen von jeder Partei, die legalisiert werden und an ihnen teilnehmen wollten, 40 000 Unterschriften verlangt waren, und die FOCEP gespalten war, liefen die PRT und Hugo Blanco Gefahr, ausgeschlossen und nicht nur in den Wahlen marginalisiert zu werden, sondern in der ganzen nationalen Politik.
Für die junge PRT war die Legalisierung eine ungeheure Herausforderung. Es gelang ihr in einer gewaltigen Kraftanstrengung, 90000 Unterschriften zu sammeln und 14 Departementskomitees legalisieren zu lassen. Am wichtigsten ist, daß sie bei dieser Gelegenheit eine Agitationskampagne im ganzen Lande führte, und das zum erstenmal seit ihrer Gründung. Die Legalisierung wurde vor allem dadurch möglich gemacht, daß die Partei sich fest zusammenschloß und schr aktiv für dieses Ziel mobilisierte. Unsere Mitglieder, vor allem die Brigade Rumi Maki, bewiesen außerordentliche Energie und Willenskraft. Daß die PRT legalisiert wurde, ist aber nicht zuletzt auf die Persönlichkeit von Hugo Blanco zurückzuführen; er wird von Tausenden von Arbeitern und Bauern geachtet und bewundert. Wenn zahlreiche Anhänger gewonnen wurden, dann aufgrund der außerordentlichen Bemühungen der Mitglieder im Verein mit der Bakanntheit Hugo Blancos, nicht aber aufgrund organisatorischer Fähigkeiten, denn die hatten wir nicht.
Die Tatsache, daß die PST noch vor der PR T legalisiert worden ist, nachdem sie sich als „die Partei Hugo Blancos" bei den Massen eingeführt und die notwendige Zahl von Unterschriften gesammelt hatte, und sogar die POMR mit demselben Argument — hier völlig unzutreffend — die Legalisierung gelang, zeigt, wie groß das Ansehen von Hugo Blanco in den Augen der Ausgebeuteten ist. * Die Allianz der Revolutionären Linken (ARI) * Zum Zeitpunkt der allgemeinen Wahlen im Mai 1980 hatte die Bourgeoisie das Heft wieder in der Hand. Daß der Generalstreik vom Januar 1979 scheiterte, lag nur daran, daß die aufeinanderfolgenden Mobilisierungen, die jeweils auf derselben Plattform und ohne politische Alternativforderungen stattfanden, immer schwächer wurden. Es war der spürbare Hinweis, daß sich einiges änderte. Wegen der Spaltungsund Lähmungspolitik, die die PCP mit der Gewerkschaft CGTP (Confederacion General de los Trabajadores del Peru) geführt hatte, wurde auf die Angriffe der Regierung nicht wirkungsvoll geantwortet, sodaß wichtige Sektoren wie die Bergleute oder die Lehrer isoliert in die Auseinandersetzung mit der Regierung gehen und Niederlagen erleiden mußten.
Während der Geschehnisse des Jahres 1979 weckte die FOCEP große Hoffnungen unter den Werktätigen, aber sie ergriff keine Initiativen. Der interne Krieg. in den sie verwickelt war, machte alle Möglichkeiten dieser Front zunichte, eine entscheidende Rolle beim Aufbau einer Führung alternativ zur PCP zu spielen. Die Militärregierung konnte aufgrund der Schwächen in der Führung der Massenbewegung 5000 Entlassungen und Teilniederlagen bei wichtigen Sektoren der Lohnabhängigen durchsetzen sowie, was noch wichtiger ist, die Folgekosten der Krise voll auf die Schultern der Lohnabhängigen abladen, ohne daß letztere in der ganzen Zeit nennenswerte Verbesserungen ihrer Lebensbedingungen hätten erringen können.
Die Inszenierung der Machtübergabe (an die Zivilisten] lief auf vollen Touren. Die Verfassunggebende Versammlung hatte ihre Rolle, zu demoralisieren und zu paralysieren, erfüllt, und Parlamentswahlen wurden für Mai 1980 angesetzt, um unter den ganzen Prozeß den Schlußpunkt zu setzen. Der Bourgeoisie war es gelungen, noch mal am revolutionären Gewitter vorbeizukommen. Es war ihr gelungen, ihre Wirtschaftspolitik durchzusetzen und sich das Terrain zu wählen, auf dem die politische Auseinandersetzung stattfinden sollte: die Wahlen — ihr ureigenstes Terrain. Die Lage hatte ihre vorrevolutionären Merkmale verloren. Und dennoch war die Wirtschaftskrise so tief und waren ihre Folgen für die Lebensbedingungen der Massen zu groß, andererseits auch die Werktätigen nicht besiegt ihre Kampf- und Organisationsfähigkeiten nicht zerschlagen, daf nach wie vor Möglichkeiten vorhanden waren, das Blatt kurzfristig wieder zu wenden und daß die Massen wieder die Initiative ergriffen. Wieder einmal wurde die reformistische und versöhnlerische Policik der PCP in der Arbeiterbewegung zu einem Hindernis, ja zum Schlüsselelement der Vernichtung dieser Möglichkeiten. Da die KP in der Arbeiter- und Massenbewegung aufgrund ihrer Kapitulationslinie gegenüber dem Velasquismus viel an Ansehen eingebüßt und im Kampf gegen den General Morales, der auf General Velasco 1975 gefolgt war, sich so wankelmütig und bremsend erwiesen hatte, waren die Umstände eigentlich günstig, eine neue Führung für die Volks- Die Schwäche der APRA, der populistischen Partei, die als Erbin der Militärregierung von Velasco aufgetreten und nach dem Tode ihres historischen Führers Haya de la Torre zurückgefallen war, und die strukturelle Schwäche der bürgerlichen Parteien bot den Arbeitenden die Möglichkeit, diesen Parteien den Boden unter den Füßen wegzuziehen, sofern sie über eine Führung verfügten, die den Umständen gerecht wurde.
Wieder einmal kanı also die Notwendigkeit auf den Tisch, die Massen mit einem Po revolutionärer Organisation zu versehen... Die Massen mußten in der Form von Wahlen die Erfahrung und das Bewußtsein ausdrücken, die sie sich in den vorausgegangenen Jahren des Kampfes erworben hatten. Und sie mußten ihre eigene Alternative aufstellen, in der sich die Jahre des Kampfes gegen die Diktatur, der riesige Organisierungs- und Mobilisierungsprozeß, die großen demokratischen Kämpfe und die selbsterworbene Klassenunabhängigkeit verkörperten. In dieser Bewegung mußten alle zusammenkommen, die Versöhnung mit oder die Kapitulation vor den Militärs nicht akzeptiert, sondern den Kampf gegen das Regime von Morales Bermudez weitergeführt hatten. Sie entsprach der klassenkämpferischen („klassistischen") Strömung in den Massenbewegungen. Zeitweise kam diese Strömung in der FOCEP und in der UDP zum Ausdruck. Zudem merkten die Massen recht gut, daß eine der Ursachen ihrer Schwäche im Zustand der Spaltung dieser Strömung Als aber sich Ledesma offensichtlich zu den Reformisten schlug, zu denen, die vor dem Velasquismus kapituliert hatten, ging die Fackel von der FOCEP auf die PR T über, denn diese Partei verkörperte in der Person von Hugo Blanco in den Augen der Massen alle Traditionen des Kampfes, der Unnachgiebigkeit und der Entschlossenheit, mit denen sie sich selber. identifizierten. Somit wurde die Einheit PRT -UDP zur Achse einer revolutionären Massenalternative gegenüber dem Reformismus und den bürgerlichen Parteien, und alle revolutionären Strömungen des Landes hätten sich um eine präzise Plattform und die Kandidatur Hugo Blancos bei den Präsidentschaftswahlen vom Mai 1980 gruppieren können.
Die PRT hatte eine einmalige Gelegenheit, sich an die Spitze eines Vereinigungsprozesses der revolutionären Strömungen in einer einzigen Front zu stellen ... und dabei den Aufbau der revolutionären Partei voranzutreiben. Wir hatten auf unserer Seite die mehrheitliche Sympathie der Massen, über die Hugo Blanco im Gegensatz zu den anderen Führern verfügte, die Unterstützung eines Teils der UDP sowie die einer maoistisch-zentristischen Strömung, die sich in Krise befand und beschlossen hatte, an den Wahlen teilzunehmen. Alles hing also von der PRT ab.
* Die interne Debatte über die ARI * Zudieser Zeit, Ende 1979, hatten sich die internen Beziehungen zwischen den Strömungen, die die PRT ausmachten, schon ziemlich verschlechtert. Zur Meinungs. verschiedenheit über die demokratische Forderung nach Präsidentschaftswahlen war eine zweite hinzugekommen, über den Charakter der Partei, ob sie nämlich „Massenpartei" oder Kaderpartei" sein solle, sowie eine dritte bezüglich des Charakters der nicaraguanischen Revolution.
Die Diskussion über die Teilnahme an den Wahlen und die etwaigen Bündnisse begann in einem schwierigen internen Klima. Zuerst ging es darum, welche 3edingungen man bei Wahlvereinbarungen zu stellen habe, dann davon aussehend über unterschiedliche Einschätzung der Einheitsfrontfrage.
Die PRT verfügte über den Kandidaten, der in den Augen der Massen der repräsentativste war. [...] Wir waren in einer privilegierten Lage und uns kam eine Schlüsselrolle zu. Zum erstenmal hatte der Trotzkismus die Gelegenheit, sich an die Spitze einer Einheitsfront mit revolutionärer Plattform zu stellen... Das verschaffte der Partei ungeheure Möglichkeiten für ihren Aufbau und gab ihr gleichzeitig. auch zum erstenmal, die Gelegenheit, die revolutionären Strömungen unseres Landes zusammenzufassen... Dennoch nahm die Mehr. beit des Zentralkomitees der PR'T, weil sie die günstige Gelegenheit für die Partei überschätzte und nicht richtig verstand, damals eine sektiererische Haltung... ein.
Die Vereinbarung, die man mit der UDP und der maoistischen Organisation UNIR hätte abschließen können, war klar genug und bot genügend Elemente, um einen revolutionären Wahlkampf zu führen. Dennoch, und obwohl wirüber den Präsidentschaftskandidaten und über ungeheure Möglichkeiten zur Verteidigung unseres Programms im gemeinsamen Rahmen verfügten, verlangte die Mehrheit des Zentralkomitees, als Bedingung des Bündnisses müsse verlangt werden, es müsse unter unserer Losung Alle Macht den Werktätigen!" stehen. Diese Haltung konnte nur zwei Folgen haben. Entweder kam das Wahlbündnis nicht zustande, weil UDP und UNIR sich weigerten, da sie mit dieser Losung nicht einverstanden waren, oder die PRT zwang UDP und UNIR, sich aus opportunistischen Gründen einer Losung unterzuordnen, mit der sie nicht einverstanden waren — und das wäre dann Täuschung gewesen. Daß das Zentralkomitee diese Haltung einnahm, beweist erstens einen großen Mangel an politischem Durchblick und taktischem Gefühl, aber auch eine falsche Auffassung von Einheitsfront — und das war das Schlimmere. Die PRT war der Meinung, daß das trotzkistische Übergewicht in der Front sie berechtige, ihre Ansichten gegenüber anderen Strömungen durchzudrücken. Die Einheitsfront wurde nicht als ein Bündnis für die Aktion um wirklich gemeinsame Punkte herum mit genauen Zielen verstanden, in der aber alle Teilnehmenden die Unabhängigkeit ihrer Intervention als Organisation behielten. Die Mehrheit des Zentralkomitees lehnte eine solche richtige Auffassung der Einheitsfront zugunsten einer Einheit um das, was nur sie vorschlug, ab, was auf eine Negierung jeglicher Einheitsfront hinauslief. [...] Das Zentralkomitee der PR T sprach sich bei dieser Gelegenheit für eine Haltung aus, die praktisch bedeutete, daß es kein Wahlbündnis mit der UDP oder der UNIR geben könne. Damit verfehlte es eine wichtige Gelegenheit. Die Debatte im Zentralkomitee war so hart, daß sich eine Spaltung in dieser Frage in der ganzen Partei abzeichnete. Das ZK der PRT berief deshalb zur Lösung dieser Fragen eine nationale Konferenz ein. Diese Konferenz hatte hinsichtlich ihrer Repräsentativität die gleichen Zweifelhaftigkeiten wie die vorhergehende und entschied sich mit einer knappen Mehrheit für die Position, die der Mehrheit des Zentralkomitees entgegenstand. Wieder einmal muß betont werden, daß die PRT über keine Perspektive verfügte. Unter dem Druck der Massenbewegung setzte sie sich für ein Wahlbündnis ein. Aber sie hatte keine Ahnung, wohin sie führen sollte und welche Schritte nach vorn dann gemacht werden konnten. Es gab auch kein genauer umrissenes Projekt, von dem dieses Bündnis eine Etappe hätte sein können. Wieder einmal war die Partei der Sünde der Kurzsichtigkeit verfallen.
* Anfang und Ende der ARI • Wenige Tage nach der Parteikonferenz der PRT sprach sich auch die UDP für ein Wahlbündnis aus und akzeptierte die Kandidatur von Hugo Blanco, womit sie gewissermaßen einen der zentralen potentiellen Streitpunkte überwand. Denn die Polemik innerhalb von UDP und UNIR drückte sich deformiert um die Wahl eines Präsidentschaftskandidaten aus, Alfonso Barrantes oder Hugo Blanco, ihr tieferer Grund indes war politischer Natur. Wenn Barrantes an der Spitze der Listestand, dann gab es in der künftigen Front und im Wahlkampf ein „demokratischpopulistisches" Übergewicht, wenn Hugo Blanco als Kandidat ausgewählt würde, dann hätten die sozialistischen Positionen der Kampagne ihren Stempel aufgedrückr.
Die Bildung der Allianza Revolucionaria de la Izquierda (ARI, Revolutionäres Bündnis der Linken) am 17. Januar 1980 war dank einer ersten Vereinbarung zwischen der UDP und der PR T möglich geworden. POMR, UNIR, PCR (Partido Comunista Revolucionario) und die FRAS (Frente Revolucionario por la Accion Socialista) schlossen sich an. Letztere umfaßte die PC-M, die PSR-ML, eine der Abspaltungen der MIR, die FIR-ML und die ARS (Accion Revolucionaria Socialista) von Mario Villaran. Sofort brach eine Debatte darüber aus, wie die verschiedenen politischen Kräfte in der Front vertreten sein sollten.
Die PRT hatte beschlossen, die ARS zu einer bürgerlichen Organisation zu erklären; aus diesem Grunde dürfe sie an der ARI nicht teilnehmen. Nun ist es richtig, daß die ARS, ein Organisationsanhängsel an eine Person, dem man zuviel Ehre antun würde, es als Partei zu bezeichnen, bürgerlicher Herkunft ist. Sie ist eine Abspaltung von der Accion Popular (AP) während der ersten Regierung dieser Partei 1963 - 1968, unter dem Namen APS (Accion Popular Socialista). Immerhin war es eine Linksabspaltung. [...] Später unterstützte diese Gruppe die Regierung Velasco Alvarado und verbündete sich eng mit der PCP. Villaran führte Schulungen in der Gewerkschaftszentrale CGTP durch und wurde zu einem Mitarbeiter der PCP. Dann spaltete sich die Gruppe, und ein Teil verwandelte sich in die ARS. Die Gruppe von Villaran hatte sich also sehr wohl zumindest zum kleinbürgerlichen Nationalismus hinentwickelt.
Das Veto der Trotzkisten gegen die ARS wurde zum Paradebeispiel der Maoisten. Sie lehnten es ab. Es war ihnen ohnehin schwergefallen, ihre untergeordnete Position in der ARI zu schlucken. Dennoch - obwohl die PRT eine derart übertriebene Forderung aufgestellt hatte, wurde diese Haltung von der ARI insgesamt gebilligt und die Einbeziehung dieser Gruppe abgelehnt, formales Mitglied der ARI war sie ohnehin nicht gewesen. Trotzdem zog sich die POMR aufgrund einer Entscheidung des „Paritätischen Komitees [zum Wiederaufbau der IV. Internationale" in Paris] unter Führung von Pierre Lambert und Nahuel Moreno [4] aus der ARI zurück. Nun war die PRT in eine schwierige Lage geraten. [...] Nach und nach entfernte sich die Diskussion von der Ebene der Politik und spitzte sich auf die Frage zu, welche Kandidaten man auf den Listen für Senat und Abgeordnetenhaus aufstellen solle. Dabei versuchte die UDP, eine eindeutige Hegemonie für sich durchzusetzen, ganz zum Nachteil von UNIR und PCR. Dieser Streit führte dazu, daß die Maoisten die Gelegenheit ergriffen, die Front zu spalten. Wenige Stunden vor Ablauf der Frist zur Einreichung der Kandidatenlisten brach die ARI an der Diskussion über die Listenzusammensetzung auseinander. Diese Spaltung hätte nur von einer Organisation verhindert werden können — der PRT. Denn weder die Maoisten konnten die Einheit der ARI verteidigen, wollten sie doch nicht auf einer Liste, die von einem Trotzkisten geführt wurde, und der anzuschließen sie, um sich nicht zu isolieren, gezwungen waren, kandidieren, noch die UDP, die nur nach Wählerstimmen lechzte. Als sich der Abgang der Maoisten als unausweichlich abzeichnete und das Bündnis sich noch schlecht und recht an der Einheit von UDP und PRT erhalten konnte, wußten wir nicht kühn und vor den Massen verantwortlich zu handeln. Die ARI verschwand im Februar nach einer Dauer von nur 40 Tagen wieder von der Bildfläche. Die Hauptverantwortung dafür fällt auf diejenigen, die wie wir die Aufgabe hatten, auf das Streben der Massen nach Einheit und nach einer revolutionären Alternative Antwort zu geben, und nicht auf diejenigen, die sich sowieso seit jeher von opportunistischen Manövern und Methoden leiten ließen. Mit dem Verschwinden der ARI verlor die PRT nicht nur die Möglichkeit, einen wichtigen Teil der Massen für ihre Aktivitäten zu gewinnen, sondern unterhöhlte auch ihr erstes Bündnis mit einer revolutionären Strömung wie der UDP. Mit dem Ende der ARI trat eine entscheidende Wende vorallem in den politischen Beziehungen ein, und zwar sowohl zwischen den Klassen als auch innerhalb der Massenbewegung. Die Massen blieben gegenüber den großen Parteien der Bourgeoisie ohne Alternative und waren gezwungen, zwischen APRA und AP zu wählen. Mit dieser Wahl konnte sich die Bourgeoisie politisch festigen. PCP und UNIR, die schwer mitgenommen und isoliert gewesen waren, ergriffen wie. der die Initiative, die UDP wurde zur erbitterten Feindin der PRT, wo sie doch dieser Organisation in der ganzen vorhergehenden Periode verbunden gewesen war.
Von diesem Zeitpunkt an begann ein Prozeß besonderer Isolierung ler PRT und eine Phase des Niedergangs aller revolutionären Orga nisationen. Die PRT hatte eine sehr wichtige Gelegenheit verstreichen lassen. Siebildete nun ein Wahlbündnismit POMR und PST auf der Grundlage einer politischen Vereinbarung, die der der ARI wie ein Et dem anderen glich und unter der Hauptlosung stand: Alle Macht in die Hände der Werktätigen!" So führte sie den Wahlkampt vom Mai 1980.
•Der Wahlkampf vom Mai 1980, Verlauf und Ergebnis * Die PRT nahm die Kampagne zu den allgemeinen und Präsidentschafts- Wahlen auf. Wieder einmal gingen die Aufgaben, die auf sie zukamen, weit über ihre organisatorischen Fähigkeiten hinaus. Versammlungen fanden im ganzen Lande und in den wichtigsten Vierteln von Lima statt. Die Rundfunksender, die Presse, das Fernsehen wurden ausgenutzt, Tausende von Flugblättern verteilt und Tausende von Exemplaren der Combate Socialista verkauft. Die Partei verbreitete ihre Vorschläge und Ideen wie nie zuvor.
4] Das Paritätische Komitee..." von Pierre Lambert und Nahuel Moreno ist die kurzlebige Vereinigung der Strömung, die hinter der OCI (heute PCI) in Frankreich steht, mit einer 1979 von der IV. Internationale an der Frage Nicaraguas abgespaltenen Strömung, die vor allem in Argentinien und anderen Länder Lateinamenkas über Einfluß verfügt.
Es konnte ein ansehnlicher Kern von Sympathisanten mobilisiert werden, der an Kundgebungen, Demonstrationen und Aktionen der PRT teilnahm. Die Beitrittskampagne war sehr erfolgreich; allein in Lima wurden an die 5000 Personen Mitglied. Indes verpufften dieser ganze Energieeinsatz und dieser Zustrom neuer Genossinnen und Genossen, weil die Partei sich auf der Ebene der Organisation als so unfähig erwies.
Die Wahlergebnisse waren höchst günstig für die Bourgeoisie.[5] Die APRA verlor, nachdem sie so offen mit dem Militär gemeinsame Sache gemacht hatte, und die AP gewann, ohne daß eine zweite Wahlrunde nötig gewesen wäre. Tausende und Abertausende von Stimmen aus der Anhängerschaft der extremen Linken, die demoralisiert und entwaffnet waren aufgrund der Spaltung, gingen zum AP-Kandidaten Belaunde Terry über, der als kleineres Übel angesehen wurde.
Mit mehreren zehntausend Stimmen bekam die PRT bei den Präsidentschaftswahlen innerhalb der Linken die meisten Stimmen. Aber der Abstand zu den Ergebnissen von UNIR, PCPund UDP war so gering, daß die Ergebnisse fast gleichwertig zu sehen sind. Die Rolle, die bisher von der PRI als Auffanglager für die Stimmen gespielt worden war, die für Hugo Blanco und die FOCEP gedacht waren, ging jetzt zuende. Nun verfügte die PRT nicht mehr wie bisher über die Zustimmung dieser 350 000 Wähler. So drückte sich auf der politischen Ebene der Rückschritt aus, der mit dem Verschwinden der ARI inganggesetzt wurde. Trotz allem war die Stimmabgabe für die PRT noch die einheitlichste, denn sie verlor (im Vergleich zwischen allgemeiner und Präsidentschaftswahl] an Belaunde die wenigsten Stimmen.
Bei diesen Wahlen errang die PRT einen Senator und zwei Abgeordnete. POMR und PST erhielten ihrerseits die erstere einen Abgeordneten, die letztere einen Senator. Das waren sozusagen Geschenke, denn wenn diese Personen nicht in bestimmten Wahlkreisen auf der Liste der PRT nominiert worden wären, hätten sie überhaupt keine Parlamentarier erhalten. Und dennoch zeigten POMR und PST während der ganzen Kampagne ein unloyales Verhalten gegenüber der PRT.
• Die Kommunalwahlen und die Gründung der IU * Nach der großen Enttäuschung aufgrund der Wahlniederlage der Linken und wegen der Ausschreibung von Kommunalwahlen für den November 1980 übten die Volksmassen Druck aus, damit bei dieser Gelegeheit eine Einheit der Linken zustandekommt. Wenn diese Einheit tatsächlich ein Mittel war, um politisches Terrain von der Bourgeoisie wieder wettzumachen, und wenn die Kommunalwahlen die Möglichkeit boten, ihr eine Niederlage beizubringen und eine massive Kräfteverschiebung gegen das Kegime von Belaunde Terry zu erreichen. so stellte sich die Eineit doch in anderer Weise als bei den Wahlen vom Mai 1980.
In erster Linie hatte die Massenbewegung keine großen politischen Siege mehr errungen. Sie erholte sich vielmehr gerade von Teilniederlagen und war ziemlich enttäuscht darüber, daß die ARI verschwunden und dann die Wahlniederlage vom Mai 1980 gefolgt waren. Die Bourgeoisie war ganz zur Offensive übergegangen. Auf der anderen Seite reckte der Reformismus wieder seinen Hals. Nach dem Tod der ARI hatte er die Möglichkeit, die politische Hegemonie über die Massen zu erringen. Und schließlich hatte die PRT die Rolle, die sie bis zu den Wahlen vom Mai 1980 gespielt hatte, nicht mehr inne. (...] Wir waren nun eine Kraft wie viele andere geworden, nicht mehr wie früher die Vertreter der Massen bei Wahlen.
Unter diesen Rahmenbedingungen fand die Debatte statt, die von der PCR und einigen anderen Parteien mit dem Vorschlag eröffnet wurde, Alfonso Barrantes als Kandidaten für das Amt des Bürgermei sters von Lima aufzustellen. Wie in der vorangegangenen Periode entspann sich sofort eine sehr scharfe Diskussion. Von Beginn an nahm unsere Partei an der Debatte um die Einheit teil. Wir schlugen vor, sich auf die Ausarbeitung einer politischen Plattform zu konzentrieren, und riefen dazu auf, sich für die Bildung von Volksversammlungen und die Abhaltung offener Massenversammlungen einzusetzen, auf denen die Plattform gebilligt und die Kandidaten für jeden Wahlkreis aufgestellt werden sollten.
Dieser Vorschlag wurde nicht angenommen. Und wieder einmal verblieb die Lösung des Problems der Herstellung der Einheit zu den Wahlen ausschließlich in den Händen der Führungen der Linksparteien.
(5] Beiden Wahlen vom Mai 1980 gewanndie Al'4) . Die AIK A bekar entgegenallen Erwartungen nur 25 %.
Die PRT• war sich der Notwendigkeit bewußt, daß sie um die Einheit einen Kampf liefern mußte. Aber sie war sich auch der Gefahren bewußt, die eine reformistische Linie, sollte sie in der künftigen Allianz vorherrschend sein, mit sich bringen mußte. Dennoch zeigten wir uns nicht in der Lage, uns mit einer Taktik zu versehen, mit der wir die klassenversöhnlerischen Positionen hätten bekämpten und neutralisieren und gleichzeitig die Einheit hätten erhalten können. Schlimmer noch: die Fahne der Einheit der Massen... überließen wir den Reformisten schlicht als Geschenk. Als sich die İzquierda Unida (IU, Vereinte Linke) bildete, nahm die PRT also nicht teil. Warum nicht, das war absolut nicht klar. Die Partei gründete ihre Haltung auf folgende beide Themen: Einwände gegen die Plattform der IU und die Anwesenheit bürgerlicher Parteien in der IU. Was die Plattform betrifft, so spiegelte die Kritik daran eine grundlegende Auseinandersetzung zwischen PRT und PCP wider, die mit einer Erklärung der PRT abgeschlossen wurde, in der diese ihre Differenzen nicht so sehr gegenüber dem betont, was in der IU-Plattform steht, wie gegenüber dem, was nicht in ihr steht. Wir wandten uns dagegen, daß die Parole „Auflösung der bewaffneten Streitkräfte" nicht drinstand, daß von der Bourgeoisie nicht als der herrschenden Klasse die Rede war und daß nicht ausdrücklich zur Bildung einer einheitlichen Gewerkschaftszentrale aufgerufen wurde. Indes stand die Plattform in keinem ihrer Einzelpunkte noch in ihrer Gesamtheit in Widerspruch zum Programm der PRT. Wir hätten sie also unterschreiben können, insbesondere wo die Teilnahme an der Front die organisatorische und politische Unabhängigkeit ihrer Mitglieder wahrte.
Zu einem Hindernis der Teilnahme der PRT an der IU wurde zweitens deren Zusammensetzung. Man war gegen die Teilnahme der FRENACATRA - aber dieser Organisation gelang es nicht, Mitglied der Front zu werden. Und die Teilnahme der PSR an der IU bedeutete keinerlei Kapitulation unsererseits in Hinblick auf den Inhalt der Plattform. Die PR'T vertrat die Meinung, daß die PSR eine bürgerliche Partei sei, aber sie konnte das nicht in der Debatte vor den Massen beweisen, wo die Meinungsverschiedenheiten mit ihr auch nicht größer waren als die mit der PCP oder der PCR. So bekam unser Einwand den Anstrich einer cher moralischen als politischen Frage. Die Partei behauptete, die PSR sei eine bürgerliche Partei, begründete dies aber nicht mit einer Analyse ihrer sozialen Zusammensetzung und der Bevölkerungsteile, die zu vertreten sie vorgab, sondern sie sollte einfach deshalb bürgerlich sein, weil etliche ihrer Führer zu einer gewissen Zeit Mitglieder der Regierung Velasco Alvarado gewesen waren. Diese Haltung entbehrte marxistischer Stringenz, war subjektivistisch, statt die PSR eindeutig als kleinbürgerlich und nationalistisch zu definieren... Wir haben uns selbst an den Rand gestellt. Dabei wäre es möglich gewesen, die Schlacht gegen die Reformisten zu gewinnen, wenn wir uns auf die ursprüngliche Plattform und den Kampfeswillen der Massen gestützt hätten. Mit unserer Weigerung, in die IU einzutreten, um die Reformisten von drinnen zu bekämpfen, „bestätigten" wir sozusagen, daß die anderen Parteien Recht gehabt hatten, uns als Spalter beim Scheitern der ARI und im Wahlkampf vom Mai 1980 zu bezeichnen. Zwar bezeichnete die PRT die IU nicht als „Volksfront" wie POMR und PST, aber immerhin als „ Volksfrontprojekt". Sie zeigte indes keinerlei konkrete Politik auf, um dieses „Projekr" zu bekämpfen und zu verhindern [...] Das wurde bei der Kommunalwahl im November 1981 ganz offensichtlich, als wir an bestimmten Orten an der IU telnahmen, an anderen wieder alternative Listen aufstellten, während wir sie in Lima drittens kritisch unterstützten. Das Ergebnis war katastrophal für die Partei, obwohl in der Bilanz des Zentralkomitees dann gesagt wurde, die Linie sei richtig gewesen. Wir hatten einige Gemeinderäte dort erhalten. wo wir auf den Listen der IU kandidiert hatten, waren aber dort erfolglos geblieben, wo wir alleine auftraten. Der Kampf um die Klassenunabhängigkeit, um die Mobilisierung der Massen, ihre Selbstorganisation und um die Einheit konnte innerhalb der IU geführt werden; aber das geschah nicht. Mit der Illusion, man würde prinzipienfest die Klassenunabhängig keit verteidigen," leitete man faktisch Wasser auf die Mühlen des Reformismus und arbeitete sogar gegen die Klassenunabhängigkeit und für die Klassenversöhnler.
Die Kampagne der IU zu den Gemeinderatswahlen im Novembe 980 war vor allem in Lima undan den Orten. wo die Versöhnler star! varen, von einem geradezu grotesken Reformismus und Opportu ismus. Und dennoch ermöglichten die Faktoren. daß die Massen au jeden Fall eine Alternative suchten, mit der sie ihre Unzufriedenheit mit der Regierung ausdrücken konnten, und die IU dabei auf soviel Sympathie stieß, daß sie einen derart hohen Prozentsatz im ganzen Lande erhielt. Das war ein harter Schlag für die Partei von Belaunde Nr. 170. / лі 1985
Terry, deren Kandidaten in den wichtigsten Wahlkreisen von Lima sowie in wichtigen Provinzhauptstädten wie Arequipa und Puno geschlagen wurden.
Die reformistischen Teile setzten, gestützt auf den Wahlsieg der IU und unsere eigene Marginalisierung, in dieser Koalition ihre Linie der Unbeweglichkeit und der Lähmung voll durch: keinerlei Mobilisierungsinitiativen, permanentes Streben nach Ausgleich und Versöhnung sowie die „Strategie", sich auf die Wahlen von 1985 vorzubereiten.
* Die neue interne Diskussion über die IU * Mit der Bilanz des Wahlergebnisses kam das Problem der IU von neuem aufs Tapet. Man konnte sich allerdings darüber nicht einigen und eröffnete eine neue Diskussion über die Frage, ob die PRT nun in die IU eintreten solle. Zur Entscheidung dieser Frage wurde eine nationale (Sonder-] Konferenz für Mai 1981 einberufen.
Mehr als zwei Monate lang wurde die Partei in eine höllisch fraktionelle Polemik gezogen, bei der wieder einmal die subjektiven Angrifte die politischen Argumente ersetzten. Unter aufserst ge spannten Umständen fand dann die nationale Konferenz statt, bei der sogar die Einheit der Partei in Frage stand. Aber obwohl die damalige Mehrheitsleitung eine Fülle von Hindernissen aufhäufte, kam es in der Versammlung zu einer intensiven Debatte. Die Position gegen einen Eintritt in die IU fand eine starke Mehrheit. Aber zahlreiche Delegierte sprachen in ihren Interventionen mehr über die interne Krise der Partei und über die mangelnde Sorge der Leitung um die Probleme der Mitglieder.
Nach der nationalen Konferenz trat eine Gruppe von Mitgliedern, die für den Eintritt der PRT in die IU gekämpft hatten, aus der Partei aus, da sie in der politischen Debatte geschlagen worden waren. Das war sicher ein Fehler von ihnen. Man hätte annehmen können, nun hat die Partei eine politische Linie definiert und damit eine Phase neuer Aktivität eröffnet. Weit gefehlt — die Partei trat nun in die kritischste Phase ihrer ganzen Geschichte. Es stellte sich heraus, daß die PRT überhaupt keine politische Leitlinie hatte; dazu waren ihre organisatorischen Probleme an der Basis nicht gelöst, und sie war durch den Abgang von etlichen wertvollen Genossinnen und Genossen geschwächt.
Während des ganzen Jahres 1981 verschlimmerte sich die politische Lage. Die Initiative lag ganz bei der Bourgeoisie. Sie setzte alle ihre Pläne um, drückte ohne Probleme ihre wirtschaftlichen Maßnahmen durch und ritt ihre Angriffe gegen die politischen Rechte der Werktätigen und Ausgebeuteten. Die Reformisten dagegen, die nun die Führung in der Massenbewegung wieder erobert hatten, waren ganz auf Demobilisierung und Versöhnung gerichtet. Unsere Partei verurteilte zwar diese Linie und rief dazu auf, sie zu bekämpfen, zeigte sich aber unfähig, zum entscheidenden Element der politischen Lage zu werden, weil sie nicht über eine Linie verfügte, die von nennenswerten Teilen der Vorhut hätte aufgegritten werden können. Daß wir bei wichtigen Kämpfen der Arbeitenden dabei waren, konnte uns nur zu größerem Ansehen und zu mehr Sympathie bei diesen Teilen der Massen verhelfen, ohne daß sie in uns jedoch eine wirkliche politische Alternative gesehen hätten. In dieser schwierigen Situation erreichte die gesellschaftliche Isolation der Partei ihren absoluten Tiefstpunkt. [...] * Der zweite Kongreß der PRT * Der zweite nationale Kongreß der PRT stellte gegenüber dem ersten zweifellos einen Schritt nach vorne dar. Die Diskussion wurde diesmal nicht derart fraktionell geführt. Seine wichtigste Entscheidung war, eine Führung zu wählen, die zu 70 % aus neuen Mitgliedern bestand. Dieser Fortschritt wurde indes durch die Mängel der politischen und organisatorischen Debatte stark relativiert.
Wieder einmal wurden die wichtigsten Entscheidungen auf später vertagt, und wieder einmal stützte man sich auf eine unbefriedigende Praxis, die man für neu hielt. Man vermied es, ein Urteil über die Verantwortung der Partei in der FOCEP, der ARI und gegenüber der IU abzugeben, und man vermied es auch, eine Position zur eigenen Intervention in den Klassenkampf und den allgemeinen Zustand der Organisation in der vorangegangenen Periode zu beziehen. Dies war eine der größten Schwächen der neuen Leitung. [...] Es wurde beschlossen, die Partei am Rande der IU aufzubauen, in Opposition zu ihr. Auf dem Kongreß war auch zum erstenmal der Druck von Sendero Luminoso (PCP-SL) auf die Partei zu spüren.(6]|...] Zusammengafaßt: Dem Kongreß war es zwar gelungen, eine neue Leitung zu wählen, die in ihrer Mehrheit vom fraktionellen Geist frei war, aber er zog nicht Schlußfolgerungen aus der Bilanz der Parteiarbeit, er lief die zentralen politischen Fragen ohne Antwort und stellte kein konkretes Projekt für Aufbau und Funktionieren der Partei auf. • Die Sonderkampagnen * Das zentrale Problem, mit dem sich die neue Leitung der PRT auseinandersetzen mußte, lag in den politischen Begrenzungen der Situation. Diese Führung v ollte eine eigenständige politische Linie der PRT durch zwei Kampagnen ersetzen, eine gegen die Repression und eine für die Einheitsgewerkschaft.
Waren diese beiden Ziele für sich tatsächlich korrekt, so waren sie doch in zweierlei Hinsicht begrenzt. Erstens waren sie nicht in ein allgemeines politisches Projekt auf längere Sicht eingebettet, und zweitens waren sie eigentlich nur propagandistisch, vor allem die zur Einheitsgewerkschaft. Beide gingen nicht von der Notwendigkeit aus, den Massen konkrete Vorschläge ausgehend von ihren Erfahrungen zu machen.
Die Partei funktionierte mit der Absicht, sich außerhalb der IU aufzubauen, in dauernder Opposition zu dieser Front. Zwar wurde das nie explizit formuliert, aber man arbeitete in Konkurrenz zur IU, fast auf gleicher Höhe, und versuchte ihr die Führung der Massen streitig zu machen. Da die Partei nicht die Bilanz der Geschehnisse um FOCEP, ARI und IU gezogen hatte, hatte sie auch kein richtiges Verständnis für die Wichtigkeit der Frage der Einheit für die Massen Ebensowenig wußte sie die Frage zu beantworten, wie sie im Rahmen der Einheitsfrontbestrebungen sich selbst aufbauen könnte. Die Partei sah es geradezu als Verdienst an, so isoliert zu sein. Die PRT hielt sich und pflegte ihr Image als Kampfpartei. Diese Haltung trug ihr zwar die Sympathie von wichtigen Teilen der Massen ein, befreite sie aber nicht aus ihrer Isolierung, denn sie erschien, am Rande der IU stehend, sektiererisch. Trotz den Bemühungen der Mitglieder und der Leitung gelang es nicht, die Partei aus dieser politischen Isolation herauszuholen. Die PR T entwickelte sich nicht mehr, aber sie überlebte aufgrund der Lage, die im Lande herrschte, und aufgrund der Politik der IU.
Der IU gelang es nämlich nicht, mehr zu sein als ein Wahlbündnis Und da vor 1985 keine weiteren Wahlen vorgesehen waren, trat das Problem der Einheit der Linken, während dieser ganzen Periode in den Hintergrund. [...] Während der ganzen Zeit tat die IU nichts weiteres, als Verlautbarungen herauszugeben. Dadurch konnte sie natürlich nicht anwachsen. Sie hielt sich mit ihrem Auftreten im Parlament und in den Gemeinderäten aufrecht. Weil die von Alfonso Barrantes geführte Strömung innerhalb des nationalen Leitungskomitees die Übermacht hatte und organisierte Strukturen an der Basis fehlten, griff die IU nicht als Organisation in die Kämpfe und Konflikte ein. Diese Untätigkeit sowie die doppeldeutige Politik gegenüber der APRA erlaubten letzterer, als der politische Kopf der Opposition gegen das Regime zu erscheinen.
Dabei entwickelten sich die Kämpfe der Massen gegen die Regierung nicht nur ohne Verbindung untereinander, sondern, was noch schwerer wiegt, ohne jegliche politische Perspektiven. Weder die Einheit der Gewerkschaftsbewegung war hergestellt noch die der Bauernbewegung. Aufgrund der Krise und der Rezession kamen auf die Gewerkschaften neue und wichtige Entscheidungen zu, auf die die IU nicht gefaßt war. Es gab eine riefe Kluft zwischen der politischen Aktivität der IU als Front und der ihrer Mitglieder als Teilnehmer und Führer von Massenkämpfen.
Das sind die Umstände, die es einer Partei wie der unsrigen ermöglichten, weiter ihre Aktivitäten zu entfalten. Indes steckten sie auch die Grenzen unseres Eingreifens am Rande der IU ab. Wenn es um politische Alternativen ging, erkannten die Massen die 1U als ihre Führung an, repräsentierte sie doch die Einheit der Linken... In dieser Situation verschärfte die Partei ihren sektiererischen Ton gegenüber der IU. Sie warf die ganze Front mit dem von Alfonso Barrantes geführten Sektor in einen Topf und kennzeichnete die ganze IU als reformistisch, ohne Ansehen der Meinungsverschiedenheiten in ihr. ohne die Komplexität dieses Phänomens zu erfassen. • Der Druck von Sendero Luminoso • Weil die Partei sich außer. halb der IU aufbauen wollte, wurde sie verstärkt mit dem Aufhwung von Sendero Luminoso konfrontiert, der besonders nac im Sommer 1983 mit der Stürmung des Gefängnisses von Huama ga und der Befreiung von Dutzenden von politischen Gefangenen erfolgte.
chon auf dem zweiten Kongreß der PRT spürte man den Druc ieser Kraft auf die Partei. Viele Genossinnen und Genossen, die di IU für reformistisch und elektoralistisch hielten, meinten auch, die enfils des les ihren adels enderen manke reizu bien rtei müsse. ur 16] Zur Einschätzung von Sendero Lumineso siehe INPREKORR Nr. 154 vom 15.4.1981.
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bewaffneten Aktion. Hierbei muß man anmerken, daß die von Anfang an von der Partei eingenommene Haltung, daß die Militanten von Sendero Luminoso Revolutionäre sind und sie gegen die Repression verteidigt werden müssen, richtig war, während andere Teile der Linken fast so weit gingen, die Repression der Bourgeoisie gegen diese zu rechtfertigen. Aber auch wenn die Grundhaltung unserer Partei richtig war, so kam doch die politische Schwäche unseres Projekts dadurch deutlich zum Verschein, daß daraufhin ein starker politischer Druck auf den Mitgliedern und Führern der Partei lastete. Das fehlende Vertrauen in die Partei verleitete nicht wenige Mitglieder dazu, sowas wie ein Schuldgefühl zu hegen, weil sie nicht auch einen bewaffneten Kampf führten. Während einer ganzen Phase äußerste die Partei praktisch keinerlei Kritik an Sendero Luminoso und beschränkte sich darauf, ihn gegen die Repression zu verteidigen. Ein nicht unerheblicher Teil der Mitgliedschaft fühlte sich Sendero Lunimoso viel näher als der IU.
Die schließliche öffentliche Verurteilung der terroristischen Aktionen von Sendero Luminoso durch die Partei war vielen Mitgliedern, •die eigentlich wollten, daß die Partei die Aktivitäten dieser Gruppe eindeutig billigt, ziemlich unangenehm. Daß Sendero Luminoso einen solchen Druck auf die PRT ausüben konnte, zeigt deren politische Schwäche.
* Die Revolutionäre Front * Gegen Ende des Jahres 1982 definierte die PRT eine kohärente politische Linie. Sie schlug die Bildung einer revolutionären Front als Alternative sowohl gegenüber Sendero Luminoso als auch gegenüber der IU vor. Dieser Vorschlag wurde bis zu den Kommunalwahlen von 1983 aufrechterhalten. Damit änderte die Partei also ihre bisherige Linie, die darin bestanden hatte, sich nur ler IU zu widersetzen. Sie schlug nun die Bildung eines Anziehungs pols vor, der sich ebenfalls auf die Einheit berief, nämlich auf die Einheit all derer, die gegen die Einheit der IU waren. Mit dieser Linie traf die PRT nun eine Vereinbarung mit der PST und versuchte, sie auf weitere Strömungen auszudehnen. 7) Einen Ertolg hatte diese Politik nicht. Zwar gelang es der PRT, mit der PS T zusammen so manche Verlautbarung in der Presse unterzubringen ,und eine bedeutende Kundgebung auf dem Platz des Zweiten Mai in Lima abzuhalten, aber die Vereinbarung nahm keine konkrete Gestalt an. Die anderen Strömungen folgten alle nicht dem Aufruf. Die Versuche, die Führer der Bergarbeitergewerkschaft, die MIR-DNP - (Benites) und die MRS auf unsere Seite zu ziehen, zeigten keinen • Erfolg. Selbst in der Einheit mitder PST blieben wir in der Isolation, und nicht einmal die Dissidenten der IU zeigten sich bereit, mit uns ein Abkommen zu treffen. Das erklärt sich daraus, daß die Gruppen, die außerhalb der IU geblieben waren ohnehin eine recht sektiererische Dynamik hatten. Einige verfolgten eine-ähnliche Linie wie Sendero Luminoso, andere fühlten sich als die einzige revolutionäre Strömung im Lande, und beiden gemeinsam war ihr Antitrotzkis- Da die Kommunalwahlen vom November 1983 immer näher rückten und wir dringend eine kohärente Alternative auf der Grundlage des Prinzips „weder mit der IU noch mit dem SL." vorstellen mußten, sahen wir uns zur Klärung gezwungen. Wegen der antielektoralistischen Haltung der Strömungen außerhalb der IU, der Unanetschlossenheit von MIR-DNP, die praktisch gar keine Politik zu den Wahlen hatte, und des Verrats der PST, die im letzten Augenblick beschloß, uns alleine zu lassen, konnten wir den Versuch, etwas Ernsthaftes am Rande der IU aufzubauen, endgültig begraben. Daß die Revolutionăre Front, für die die PRT einen konsequenten Kampf geführt hatte, doch nicht zustande kam, liegt nicht am mangelnden Willen unsererseits, sondern an der historischen Unmöglichkeit dieses Vorschlags. Es ist heute schlicht unmöglich, eine revolutionäre Massenströmung außerhalb der IU aufzubauen. Es ist nicht möglich, die Unzufriedenheit der Linksströmungen innerhalb der Massenbewegung aufzufangen und alle revolutionären Sektoren zu vereinigen, wenn man nicht von der Anerkennung der IU als gemeinsamem Arbeitsrahmen ausgeht.
* Die Kommunalwahlen vom November 1983 * Der Intervention der Partei in diese Wahlen, das muß man eindeutig betonen, war eine äußerst wichtige Diskussion verweggegangen, ob die PR Tan den Wahlen überhaupt teilnehmen solle. Dabei handelte es sich nicht um eine taktische, sondern um eine prinzipielle Debatte, nämlich ob Revolutionäre ganz allgemein an Wahlprozessen teilnehmen sollten. In dieser Debatte, die schließlich zugunsten der Teilnahme endete, war deutlich geworden, daß es innerhalb der Partei eine ultralinke Strömung gab, die für Wahlenthaltung und Ungültigstimmen eintrat, was auf Überbleibsel aus der Vergangenheit des Trotzkismus in Lateinamerika und den Druck von Sendero Luminoso hundeutet. Die Partei sah sich gezwungen, sich allein zu den Wahlen zu präsentieren. Sie kam wieder zu ihrem Ausgangspunkt am zweiten Kongreß zurück: PRT allein gegenüber IU. Sie wollte irrtümlicherweise revolutionäre Positionen dem Vorgehen der Einheitsfront gegenüberstellen. Das war so, als hätten wir die Massen zwischen den Alternativen wählen lassen: entweder wir oder Eure Einheit! Diese falsche Gegenüberstellung führte schließlich zum Debakel vom 13. November 1983, wo die PR T nur noch 0,5 % der Stimmen erhielt.[8] Unsere Wahlkampfführung schien vor allem in der Endphase mehr daraut gerichtet zu sein, einen Sieg der 1U zu verhindern, als auf die Verteidigung unserer eigenen Gesichtspunkte. Unsere Glaubensbekenntnisse enthielten mehr Kritiken und Anmerkungen gegen die IU als Vorschläge für die Aktion der Massen.
Kommunalpolitik der Partei, sondern stellte auch das in Frage, was das eigentliche Vorhaben der PRT gewesen war: sich außerhalb der IU aufzubauen. Diese sektiererische Linie war zutiefst gescheitert, diese Linie mußte korrigiert werden.
hinsichtlich der Einheit der Massen, dieses Sektierertum und dieser Dogmatismus, die uns füllten, der Partei nun die Unterstützung bei den Wahlen entzog — das wichtigste politische Kapital, auf das aufzubauen die Partei einmal begonnen hatte. Der PRT drohte nun ernsthaft die endgültige Verwandlung in eine Sekte. Sie war gezwungen, entweder eine Wende vorzunehmen oder zur Isolation verdammt zu werden bis hin zum fast völligen Verschwinden als wichtige politische Strömung der Massenbewegung.
Mit der Selbstkritik, der die PRT Ende 1983 zustimmte, eröffnet sich eine neue Phase für die Partei, wurde der Weg frei zur Formulierung eines neuen Projekts: sich als revolutionäre Partei im Rahmen der IU aufzubauen.[9] Das war nun wahrlich eine schwere und schwierige Herausforderung. Die Partei hatte sehr viel Zeit verloren. Die Zeit hatte für die Reformisten gearbeitet, die nun mit aller Macht verhindern wollten, daß wir in die Front eintreten. Der neue Kurs hat erst seit kurzem begonnen. Die PRT muß nicht nur die IU als den Rahmen der Einheit der Massen anerkennen und in ihr arbeiten, sich muß auch endlich anfangen, eine revolutionäre Politik zu betreiben. Wir müssen den Propagandismus und den Dogmatismus überwinden. Wir müssen lernen, uns auf die Massen zu orientieren, nicht nurzu für uns selbst zu sprechen oder uns selber zu überzeugen, daß wir Revolutionäre sind. Wir müssen anfangen, uns darum zu kümmern, wie wir durch ihre eigenen Erfahrungen die Massen von dem überzeugen, was wir sind. Die PRT muß eine Bündnispolitik innerhalb der lU festlegen, die es ihr ermöglicht, nicht nur die Auseinandersetzung mit dem Reformismus zu gewinnen, sondern auch Verbindungen zu knüpfen, die Fortschritte im Aufbau einer großen revolutionären Partei erbringen. Die PRT muß jegliche Pedanterie beiseitelassen und als revolutionäre Strömung zu handeln lernen, ohne so zu tun, als sei sie alleine schon die einzige. Combate Socialista, Lima, April 1984 (2] Zur Vereinbarung zwischen PRT und PST siche Inprecor (frz.) Nr. 153 vom 20.6.1983.
[8] Bei den Kommunalwahlen vom 13. November 1983 errang die AP nur 12 % der Stimmen und landete weit abgeschlagen hinter der APRA mit 35 %, der IU mit 30% und der PPC (Christdemokraten) mit 18 %. Alfonso Barrantes von der TU errang 34 % der Stimmen und wurde so Bürgermeister von Lima.
(2). Die Selbekritik der PRT wurde in INPREKORR Nr. 160 vom 20.1.198 veröffent-
Peru™ Wiederbelebung der APRA