Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Irland

Wahlen und bewaffneter Kampf. 40 statt der erwarteten 35 Sitze bekam Sinn Fein bei den Kommunalwahlen im Mai in Nordirland

· Inprekorr Nr. 170, Juni 1985 · S. 13-17 · 3.772 Wörter

Irland Großbritannien Gewerkschaften und Streiks

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bewaffneter Kampf 40 statt der erwarteten 35 Sitze bekam Sinn Féin bei den Kommunalwahlen im Mai in Nordirland. Den Hintergrund dazu gibt Joe Austin, Vorsitzender der Sinn Fein in Belfast, gegenüber Socialist Action, sozialistische Zeitung in Britannien. Interview von Redmond O'Neill

O'Neill: Was sind die Ziele von Sinn Féin?

Austin: Die kurz- und langfristigen Ziele der Belfaster Sinn Féin bestehen in der Entlarvung des britischen Imperialismus und aller seiner Verzweigungen in Irland und in der Ausarbeitung eines alternativen Weges in Gestalt der Gründung einer demokratischen und sozialistischen Republik Irland, die alle 32 Grafschaften umfaßt. Das festgestellt zu haben; bedeutet nicht, daß dies nächste Woche oder auch nur nächstes Jahr passieren wird. Es gibt eine Anzahl grundlegender Probleme, die wir erst noch lösen müssen - nicht zuletzt die physische Anwesenheit der Briten. Denn, die britische Besetzung Nordirlands manifestiert sich nicht nur in britischen Truppen. Irland wird mittels kolonialer Verhältnisse im Norden und mittels neokolonialer Verhältnisse im Süden kontrolliert.

Wir erleben die Annäherung der Larifari-Parteien im Süden — Fine Gael und Fianna Fail — an den britischen Imperialismus, darin aufs lächerlichste von der sogenannten Irish Labour Party unterstützt.

Es muf dem Volke deutlich gemacht werden, dais diese Parteien, egal welche Farbe die Fahne hat, die sie über dem Zentralpostamt in Dublin aufziehen, Teil der Kollaboration mit der britischen wirtschaftlichen, politischen und militärischen Okkupation sind. Sie sind Teil der Verschwörung gegen das irische Volk.

Sehr leicht wird von allen der Feind als der britische Soldat auf der Straße wegen seiner Kußerlichen Abzeichen identifiziert seine Uniform, sein Gewehr, sein Fahrzeug und sein Panzer. Aber die Politisierung mul von da aus beginnend dahin übergreifen, daß der Klassenfeind identifiziert wird, damit verstanden wird, daß der Kampf sich nicht nur einfach gegen die militärische Präsenz Britanniens richtet, oder gegen seine politische Präsenz, sondern auch gegen die ökonomische Präsenz, die der politische Imperialismus der Briten in seinem Kielwasser mit sich bringt.

Wır kampten nicht für eine geographische Befreiung, nur um dann aufs neue von Kapitalisten ausgebeutet zu werden, also die Briten zu verjagen, aber sie dann durch etwas scheinbar Unterschiedliches, aber bei näherem Hinsehen gar nicht so Unterschiedliches zu erset- Sozialer und nationaler Kampf: eine Einheit

Wir müssen also alle Kämpfe miteinander verbinden, von den Kämpfen der Frauen über die Kämpfe gegen die Arbeitslosigkeit und alle sozialen, wirtschaftlichen und politischen Kämpfe bis zum nationalen Kampf. Alle diese sind Teile ein und desselben Kampfes. James • Connolly [1] erklärte dies schon 1916. Das ist nichts, was erst letzte Woche entdeckt wurde. Es stimmt jedoch, daß Sinn Féin zu verschiedenen Phasen der letzten zehn Jahre sich mal auf diesem Kurs befunden hat und mal nicht. Das Problem liegt darin, daß nationale Souveränität und Rechte der Arbeiterklasse zwei Seiten einer Medaille sind.

In der Geschichte gab es in der republikanischen Bewegung nacheinander den Aufschwung dreier unterschiedlicher Hauptströmungen: wir hatten die Militaristen, wir hatten die konstitutionellen Republikaner und wir hatten die revolutionären Republikaner. Als die erstgenannten in der Führung waren, war Sinn Féin eine militaristische Organisation, zu der die Arbeiterklasse, die sich nicht mit dem Werfen von Bomben befaßte, keine Beziehung entwickeln konnte. Die konstitutionellen Republikaner machten dem Imperialismus verfassungsrechtliche Argumente auf, was natürlich nichts brachte, und die Arbeiterklasse schenkte ihnen kein Vertrauen. Erst mit der revolutionär republikanischen Führung hat die Bewegung zu verstehen begonnen, daß die Kämpfe der Arbeiterklasse Teil des nationalen Kampfes sind, zu sehen, daß sie die zwei Seiten einer Medaille sind.

O'Neill: Wo findet die Unterstützung des bewaffneten Kampfes ihren Platz in der Strategie von Sinn Féin?

Austin: Der bewaffnete Kampf und das Eingreifen in Wahlen sind Teil des gleichen Kampfes. Der bewaffnete Kampf ist kein sakrosankter Kult. Er ist Teil des gesamten Kampfes. Ihm gebührt kein höherer Platz als einer anderen beliebigen Komponente des Kampfes.

Wenn der bewaffnete Kampf uns Probleme einbringt — was gelegentlich der Fall gewesen ist — dann müssen wir so ehrlich sein zu sagen, „jener Angriff oder diese Operation war falsch." Dabei geht es nicht um die Beeinflussung der Wahlergebnisse. Eine Aktion ist dann falsch, wenn die Leute sich mit ihr nicht identifizieren können. Zum Beispiel ist eine Aktion wie die bei Harrods [2] falsch, ja ein Rückschlag; wir verurteilten die Harrods-Aktion.

'Neill: Sinn Féin konnte bei Wahler n densechs Grafschaften Nordirlands gu über 100 000 Stimmen bekommen. Das beweist sehr deutlich, daß Ihr massenhafte Unterstiitzung im Volke habt. Aber klar reicht das nicht aus, um den britischen Imperialismus zu schlagen. Worin liegt die Strategie von Sinn Féin für die Entwicklung des Kampfes im 26-Grafschaften-Staat des Südens nach dem immensen Impuls während des Hungerstreiks von 1981?

Austin: Es besteht kein Zweifeldaran, daß heutige wie vergangene britische Re-

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gierungen der aktiven Kollaboration des Freistaats [3] bedürfen, ganz sicherlich, um eine halbwegs effektive Sicherheitspolitik zu betreiben. Aber noch wichtiger ist diese Zusammenarbeit, um die Meinung der englischen Arbeiterklasse über die britische Anwesenheit in Irland zu verwirren: ,Hier seht Ihr vernünftige Leute wie (Ministerpräsident) Garret Fitzgerald, und jeder von ihnen stimmt zu, daß alles o.k. wäre in Irland, wenndie IRA verschwinden würde.' Ein solches Argument verwirrt die englische Bevölkerung erfolgreich, was Irland betrifft. Sinn Fein versäumte die Bewegung um den Hungerstreik

Die Kampagne um die Hungerstreikenden im H-Block-Gefängnis fand im Süden riesigen Widerhall. Aber das lag vor allem an den Leiden der Gefangenen, der Intensität der Kampagne und an den Forderungen, die allen einleuchten konnten. Dies darf nicht mit Unterstützung für den gesamten Kampf oder gar für Sinn Féin verwechselt werden. Es handelte sich um die Unterstützung der Forderungen der Gefangenen.

Wir waren nicht in der Lage, im Gefolge des Hungerstreiks uns aufzubauen, weil die Sinn Féin-Organisation im Süden sich im wesentlichen bloß als Unterstützungsgruppe für den Kampf im Norden gesehen hat. Wie bypnotisiert blickten sie ausschließlich auf Ereignisse im Norden.

Aber der Kampf in Irland ist keiner, der nur im Norden stattfindet. Der Kampf in Irland hat verschiedene Facetten. Und der Schlüssel zur ganzen Befreiung des Landes liegt in den sozialen und wirtschaftlichen Kämpfen, die im Süden stattfinden werden.

Es ist erstmal notwendig, die Gegenoffensive mit der Frage der Rechte der Arbeiterklasse zu beginnen, und in Verbindung damit die Rolle der Freistaat- Parteien zu entlarven, vor allem Fine Gael und Fianna Fail, die sie bei der physischen und geographischen Beset zung Nordirlands und der ökonomi schen und gischerweise ganz andere Taktiken mit sich als der im Norden. Aber bedeutsam ist er genauso.

Man braucht kein politischer Guru zu sein, um zu sehen, daß, wenn mit dem Abzug der Briten die Krise hereinbricht, die verschiedenen kapitalistischen Klasseninteressen sich zusammenfinden werden und einen Regierungsapparat für ganz Irland schaffen werden, um ihren status quo aufrechtzuerhalten. So werden die Unionisten (4], die heute jede Beziehung zum Süden ablehnen, sich auf ähnliche Leute im Süden, die ähnliche Klasseninteressen repräsentieren, zubewegen. Das geschieht schon — vielleicht nicht auf den Tribünen von Westminster oder der Assembly [brit. bzw. nordir. Parlamente] — aber es geschieht. Der Kapitalismus in Irland orientiert sich am britischen Kapitalismus, weil die irischen Kapitalisten den britischen Kapitalismus und seine Stärke vor sich sehen — seies in Gestalt von Truppen oder seines Verwaltungsapparats — als ihre letztlichen Garanten. Wenn James Pryor [5] sagt, er hat Angst vor einer Kuba-artigen Republik vor Englands Haustür, dann fürchtet er sich nicht nur im Sinne des englischen Kapitalismus, sondern genauso im Sinne des irischen. Wir müssen also jetzt hervortreten und diese Klassen schwächen. Sinn Féin hat dabei seine Rolle zu spielen. Aber wir erkennen an, daß Sinn Féin nicht die revolutionäre Partei sein wird, losgelöst von anderen Kräften, die es im Süden gibt.

O'Neill: Auf welche Klasse oder auf welche Klassen gründet Sinn Féin ihren Austin: Die Arbeiterklasse und die kleinen Bauern. Unsere Politik wird von den Großbauern nicht gutgeheißen werden. Die langfristige Lösung des Konflikts in Irland muß in einer sozialistischen Republik ihre Form finden, und natürlich werden die Leute, die sich diesem Ziel verschreiben, für es kämpfen und vielleicht gar für es sterben, die politisierten Teile der Arbeiterklasse sein. O'Neill: Wie ist die Politik von Sinn Fein gegenüber der Arbeiterbewegung in den 26 Grafschaften. Es gibt beispielsweise eine Debatte in der Trasportgewerkschaft über ihre Beziehungen zur Irish Labour Party. Wie stellt Sinn Féin sich dazu? Austin: . In Irland haben wir keine Arbeiterbewegung. Wir haben nichtmal eine miese Arbeiterbewegung. Was wir habes List ein Pachy, die ich ime genblick in einer Koalition mit, Fine Gael befindet, ' einer ultrakooservativen Rechtspartei. Ein kleiner SektorderGewerkschaftsbewegung ist dieser Labour Party angeschlossen und ein noch kleinerer Anteil wählt diese Partei. / Die Labour Party heißt nur so Bei der Wahl [vom 14. Juni 1984 zum Europaparlament] bekam Sinn Féin 50 000 Stimmen mehr als diese sogenannte Labour Party. Wir nahmen an einer Wahl in Dublin-Zentrum teil, und trotz all den Eischränkungen, die uns auferlegt werden, verwies unser Kandidat die Labour Partyauf den fünften Platz. Und wiederum vor zwei Monaten warfen wir im Gaeltacht - das ist das Irisch sprechende Gebiet - die Labour Party auf den dritten Platz zurück.

Die Wahrheit ist, die Labour Party heißt nur so. Ihre Politik, ihr Programm, ihre ganze Orientierung beziehen sich auf die in Fianna Fail und Fine Gael organisierten kapitalistischen Interessen, und mit beiden hat sie sich schon in le Kegierungsverantwortung getell o wurde zum Beispiel die Kampagne fü den Verfassungszusatz über Abtreibung, diese Verschwörung gegen die Frauen des Südens, von Teilen der Labour-Führung zusammen mit Fianna Fail und Fine Gael in Schwung gebracht. Die Labour Partyist Teil der Regierung, die die zweithöchste Arbeitslosenquote in Europa aussitzt. Und die Labour Party unterstützt die Repressionsmaßnahmen dieser Regierung.

All dies kann von Gewerkschaften nicht unbeachtet bleiben. Es geht für uns nicht darum zu sagen, Gewerkschaften sollten nicht der Labour Party angeschlossen sein oder doch. Vielmehr geht es darum, daß die Gewerkschaftsbewegung nicht neutral bleiben kann, wennes Fälle von Unterdrückung gibt — umvon der nationalen Unterdrückung mal ganz zu schweigen.

Die Gewerkschaftsbewegung des Südens versucht sich neutral zugeben. Wie Arthur Scargill ausgesprochen mutig vorführt, kann die Verteidigung der Mitgliedschaft nicht mit dem Verlassen des Werkstores nach Arbeitsende aussetzen. Verteidigung der Mitglieder bedeutet Verteidigung der Mitglieder, und Gewerkschaften drücken sich vor dieser Verantwortung, wenn sie sich der Labour Party anschließen. Wir sind füreine Loslösung der Gewerkschaften von der Labour Party. Aber wir haben nicht die Dreistigkeit, den Gewerkschaften zu sagen, ,Brecht mit der sogenannten Labour Party und verbindet Euch mit Sin Féin! Das steht nicht auf der Tagesord- Die Frage ist vielmehr:, Wann wird die Bastion der Rechte der Arbeiterklasse, die die Gewerkschaftsbewegung doch sein soll, ihr Recht und ihre Verpflichtung einlösen, ihre Mitglieder zu verteidigen?' Wir mobilisieren uns nicht als Alternative zur Arbeiterbewegung. Wir mobilisieren dafür, die breitere Bewegung ur die Lage zu zwingen, wo sie die Rechte ihrer Mitglieder zu verteidigen hat und in eine Konfrontation mit dem Staat gerät:

Die Schwierigkeit liegt darin, daß eine große Anzahl von Arbeitenden nur wegen ihres Arbeitsplatzes Mitglied wird, nicht um ihre Interessen als Klasse zu verteidigen, weil die Gewerkschaften für den Kapitalismus im Süden schon immer ein Sicherungsrelais gewesen sind und sie unfähig erschienen, die Rechte der Arbeitenden zu verteidigen. Das gleich geschieht auch in England. Wir erleben eine Abkehr der Unterstützung für die

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Gewerkschattsbewegung; und klar, sobald diese Tendenz greift, beginnen die kapitalistischen Angriffe. Das geschah in England so, und das geschieht auch im Süden so.

O'Neill: Wie stellst Du Dir die Herausbildung einer politischen Alternative zum Kurs der Labour Party im Süden vor? Austin: Teile der Labour Party werden durch Sinn Féin ersetzt werden müssen. Andere Teile der Labour Party werden von anderen ersetzt werden müssen, etwa von denen, die den Kampf um Frauenrechte im Süden führen. Die Labour Party wird von ganz verschiedenen Sachen ersetzt werden.

Die politisierten Teile der Gewerkschattsbewegung müssen das Niveau des Kampfes in ihren eigenen Organisationen heben. Connolly war gegen die Trennung zwischen einem „politischen Flügel" — Labour Party — und der eigentlichen Gewerkschaftsaktivität. Er sprach der Gewerkschaftsbewegung ein politisches Wesen zu und hielt die Mitglieder von Gewerkschaften für politische Teilnehmer des Klassenkampfes. Was wir jedoch hier erleben, ist, daß politische Betätigung in den Gewerkschaften praktisch verboten ist. Gewerkschaftsführer kommen damit, daß der politische Kampf eben für den politischen Flügel reserviert ist, weil seine Themen an der Werkbank nicht auftauchten.

Wir treten dafür ein, daß man der Gewerkschaftsbewegung nicht gestattet, zu einer Organisation von Beobachtern oder Zuschauern zu verkommen. Die Gewerkschaftsbewegung hat beider Wiedereroberung Irlands eine wichtige Rolle zu spielen. Sie hat eine wichtige Rolle zu spielen bei der Verteidigung der Arbeiterrechte. Sie hat eine wichtige Kolle im Kampf gegen die Repression zu spielen. Das muß nicht deshalb so sein, weil Sinn Féin sagt, daß es so sein muß, sondern weil es in ihrer Verantwortlichkeit gegenüber ihrer Mitgliedschaft liegt.

Die Gewerkschaften sind eines der Vehikel zur Befreiung. Und deshalb müssen wir sowohl den Leuten innerhalb als auch außerhalb von Sinn Féin erläutern, daß, ganz egal wieschwach die Gewerkschaftsbewegung geworden ist, sie ihr Kampfmittel ist, der Ort, wo sie sein sollten, wo der Kampf ausgekämpft werden muß. Diese Überzeugungsarbeit hat einen bescheidenen Erfolg vorzuweisen.

Sinn Féin und Gewerkschaften

Aber die Bedingungen für eine Arbeit in den Gewerkschaften sind in Irland und England ganz unterschiedlich. In England ist es normal, daß sich in einer Ge- Nn. 170, J млі 1985 Britischer Besatzungssoldat werkschaft Kräfte auf Rechts-Links- Basis organisieren. Die Leute, die die Opfer der linken Organisation sind —also, ich meine die Bürokraten — werden natürlich darüber nicht in Jubel ausbrechen und Beifall klatschen, aber sie können zumindest nichts dagegen tun. Im Süden haben wir dagegen dann ein Geheul von ,republikanische Verschwörung und Infiltration, und Teile der Arbeiterklasse können davon überzeugt werden, daß diese Verschwörung sich nicht gegen die Führung richtet, sondern gegen die Mitgliedschaft einer Gewerkschaft.

Nichtsdestoweniger gab es letzthin einige bemerkenswerte Überraschungen wie die Wahl von Phil Flynn, ehemaliger Vizepräsident der Sin Fém, zum Generalsekretär der Angestelltengewerkschaft trotz einer vom Arbeitsministerium und der politischen Polizei organisierten Kampagne gegen ihn als „IRA-Mitglied". Die Regierung verkündete, sie würde mit dieser Gewerkschaft keine Verhandlungen mehr führen, wenn Phil gewählt würde. Trotz all ihren Anstrengungen gewann Phil Flynn die Wahl nahezu ohne Gegenstimmen. Es gibt inzwischen eine sehr kleine Organisation namens Trade Unionists for National Consciousness (Gewerkschafter für Nationales Bewußtsein). Wir zielen nicht nur darauf, die Kollaboration Labours im System bloßzustellen, sondern auch die Basis und jede nur augan in demirne zan polieren. nen müßten. Ihr seht, Widerstand richtet sich nicht nur gegen die Briten in Irland. Er beinhaltet auch, die Gewerkschaftsmitglieder mit dem Verständnis zu bewaffnen, daß ihre Führung Teil der Verschwörung gegen sie ist und daß sie sich eine Führung schaffen sollten, die ihre Interessen widerspiegelt, ihre Wün-

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sche widerspiegelt und dafür auch kämpft.

Im Gesamtkampf im Süden wird Sinn Féin nicht die Kraft sein. Aber wir werden Teil einer Umgruppierung im Volke - sein, indem wir Organisationen wie Concerned Parents Against Drug Abuse (Gruppe Betroffener Eltern gegen Drogenmißbrauch) helfen oder Streiks wie das sit-in der Beschäftigten bei Rank Flour Mill [7] unterstützen.

O'Neill: Welchen Rang hat die Wahlaktivität in Sinn Féins Strategie und Tätigkeit?

Austin: Ein begrenztest Eingreifen in Wahlen unterhöhlt die britische Darstellung, daß die IRA zum Beispiel eine kleine terroristische Gruppe ist ohne Unterstützung. Mehr als 100 000 Stimmen machen dies zur Lächerlichkeit. Aber, natürlich, werden 100 000 Stimmen Thatcher nicht berühren oder den Abzug erzwingen. Sie sind kein Ersatz für den bewaffneten Widerstand, Politik der Straße und korrekte Organisierung in den Nachbarschaften.

Es findet eine Debatte statt über unsere Wahltaktik im Süden. An Kommunalwahlen nehmen wir im Süden wie Norden teil und nehmen auch unsere Sitze ein. In Westminster, das das englische Parlament ist, besteht für die Abgeordneten ein zu leistender Treueid. Wir nehmen dort keine Sitze wahr. Im Parlament des Freistaats ist auch ein Eid zu leisten, deshalb füllen wir unsere Sitze im Leinster House auch nicht. Jedoch liegt der Unterschied darin, dais, ganz egal wie wir das Leinster House betrachten, es von den meisten Südiren nicht als ausländisches Parlament angesehen wird wie Westminster. Sie betrachten es als ihr Parlament. Kann sein, daß sie es nicht mögen. Vielleicht stimmen sie mit seiner politischen Philosophie nicht überein. Aber sogar diejenigen, die sich selbst als Republikaner bezeichnen, sehen Leinster House im allgemeinen als ihr Parlament. Der von uns im Norden gepflegte Boykott wird im Süden also nichts bringen. Deshalb treten Leute dafür ein, daß Sinn Féin, wenr sie überhaupt eine Rolle dabei spielen will, die Kollaborateurs-Parteien im Süden abzulösen, Leinster House betreten muß, daß sie diese Plattform nutzen muß.

Ich kann nicht sagen, daß ich mit diesem Argument übereinstimme, aber es hat etwas für sich. Zum Beispiel ist die Mehrheit der jetzigen Koalitionsregierung so gering, daß ein/e einzige/r Abgeordnete/r von uns die parlamntarische Balance gegen die Regierung kippen würde. Ein Sinn Féin-Abgeordneter könnte die Beendigung der grenzübergreifenden Zusammenarbeit, der Ausweisung republikanischer Gefangener, schon morgen bedeuten. Das sind die Dinge, über die zur Zeit diskutiert wird. Wir werden zwischen 100 und 150 Kandidaten bei den Kommunalwahlen im Mai im Norden und 140 bis 170 bei den Kommunalwahlen zwei Wochen später im Süden aufstellen.

Britische wie Freistaatsregierung haben auf unseren Erfolg mit Repression reagiert. Im Süden äußert sich das darin, daß wir schon seit Jahren keine Wahlsendungen über Radio oder Fernsehen ausstrahlen können und nicht einmal der Name unserer Partei auf dem Wahlzettel ausgedruckt werden darf.

Im Norden, wo über 100 000 für Sinn Féin stimmten, dürfen unsere Repräsentanten nicht mit den Ministern der Regierung zusammenkommen. Die Regierung des Freistaats fühlte sich gleich bemüßigt, dies nachzuäffen. Letztlich drückt sich darin nicht bloß eine Haltung gegenüber der Sinn Féin aus, sondern es findet eine Beraubung breiter irischer Bevölkerungskreise ihres Wahlrechts statt, die auf die Briten wie auf die Regierung des Freistaats zurückschlagen wird.

O'Neill: Welche Wirkung ging vom britischen Bergarbeiterstreik im Norden Austin: Zunächst einmal, wir unterstützen vollständig und uneingeschränkt die Bergleute. Die nationalistische Bevölkerung im Norden versteht vielleicht nicht das ganze Warum und Wofür, aber sie sieht jeden Morgen im Fernsehen, wie die Bergleute von der Polizei niedergeknüppelt werden, und sie betrachtet jeden, der sich in einem Kampf befindet, als ihren Genossen. Spitzenreiter bei finanzieller Unterstützung für die Bergarbeiter (in Irland] sind die nationalistischen Gebiete im Norden. Ich selber sprach übrigens mit der NUM bei der Kundgebung des GLC [Greater Londeon Council, Stadtrat von Groß-London] gegen Rassismus. Unsere Haltung ist eine der völligen Unterstützung, und wir vermeiden jede Aktivität, die dem britischen Staat helfen könnte, die Bergarbeiter durch eine Kriminalisierung des Streiks oder Scargills anzugreifen.

Einzige Lösung:

Recht auf Selbstbestimmung

O'Neill: Beim Anglo-Irischen Gipfel vom 18.-19. November 1984 wies Thatcher alle Vorschläge des New Ireland Forum über die Zukunft Irlands zurück.. Was sind die Alternativen von Sinn Féin zu diesen Vorschlägen?

Austin: Die nationale Frage kann nur gelöst werden, wenn die britische Regierung das Recht auf Selbstbestimmung für das irische Volk anerkennt. Daran läßt sich nichts aufweichen. Es kann keine innere Lösung des Konflikts geben, solange die Briten hier sind. Wir müssen zuerst die Selbstbestimmung des irischen Volkes sicherstellen, und dann die Loslösung aushandeln.

Früher waren wir für eine föderale Lösung [aus Nord- und Südirland), aber die haben wir zugunsten einer massiven Dezentralisierung fallengelassen; lokale Räte sollen gebildet werden, die sich dann in einem 32-Grafschaften-Parlament zusammenschließen.

Aber der Kampf wird nicht zuende sein, wenn die Briten weg sind. Der Kampf wird dann beendet sein, wenn wir eine sozialistische Republik haben. Die Garantie für den Ertolg eines solchen Kampfes, im Norden wie im Süden, liegt nicht in der Mange der Waffen, die die IRA hat, oder in der Zahl der getötetéh britischen Soldaten. Díe Garantie für den Erfolg dieses Kampfes liegt in der Politisierung und Stärkung des progressiven Teils der Arbeiterklasse. Ja, genauso wie 1921 wird es eine Konterrevolution geben, wenn die Briten abziehen, entweder physisch oder politisch. Und wie können wir dieser Konterrevolution widerstehen? Wir widerstehen ihr durch die Politisierung der Arbeiterklasse die jetzt stattfindet.

PHOBLACHT

Republican News :British prime minister in Dublin on Monday Thatcher

Out!

Out!

Titel der Sinn Féin-Zeitung An Phoblacht (1) James Connolly (1868 - 1916) war einer der Gründer der Irish Socialist Republican Party und ein führender Gewerkschafter. Er war Anführer des Osteraufstands von 1916 gegen die britische Herrschaft in Dublin. Nachdem die Briten den Aufstand zerschlagen hatten, wurde der schwerverwundete Connolly soweit wiederhergerichtet, daß er auf einem Stuhl sitzen konnte, und dann von einem Exekutionskommando erschossen. (2) Am 17. Dezember 1983 explodierte vor dem Kaufhaus Harroas in London eine Autobombe. S Leute wurden getötet und 90 verletzt. Am anderen Tag gab die IRA bekannt, dieser Anschlag sei von ihr nicht autorisiert, und drückte ihr Bedauern über die Zivilopfer aus. (3] Laut Vertrag vom 6. Dezember 1921 wurden 26 Grafschaften Irlands zu einem „Freistaat" innerhalb des britischen Commonwealth, während sechs Grafschaften unter britischer Herrschaft verblieben. Mit dem _Gesetz über die Republik Irland" von 1948 wurde die Zugehörig keit zum Commonwealth beendet. Die Republikaner be. nutzen für die Republik Irland oft den Begriff Freistaat, um die weiterbestehende Abhängigkeit zu verdeutlichen. [4] Dies sind die Anhänger der „Einheit" Nordirlands mit Britannien.

[5] Nordirland-Minister der britischen Regierung bis zu seinem Rücktritt 1984.

[6) Am 7. September 1983 wurde durch eine Volksab. stimmung in der Republik Irland ein Verfassungszusatz verabschiedet, der Abtreibungen verbietet. Illegal waren sie ohnehin schon gewesen. Siehe INPREKORR Nr. 158, 10.11.1983.

(2) Ein Gremium aur Vertretern aller drei Parteien des Südens und der Social Democratic and Labour Party aus dem Norden. Sein Ziel war es, der wachsende Unterstützung für Sinn Flin dar Wasser abzugraben, durch Ausarbeitung einer friedlichen Lösung zur Wiedervereinigung Irlands. Sein Bericht vom 2. Mai 1984 wurde von Margaret , Thatcher kategorisch zurückgewiesen.

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