Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

IV. Internationale: Lateinamerika

Gemeinsame Sitzung der Leitungsorgane der Sektionen

Inprekorr Nr. 167, März 1985 · S. 40-41 · 743 Wörter

IV. Internationale Bolivien, Peru und Anden Brasilien Kuba und Karibik

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Im Oktober 1984 fand das zweite Treffen der Politischen Büros der Sektionen der Vierten Internationale in Lateinamerika statt. Delegierte aus Mexiko, Peru, Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Uruguay, Brasilien, Chile und den Antillen erschienen sowie Gäste befreundeter Organisationen.

Das Arbeitstreffen behandelte die folgenden fünf Themen:

• Den Volkswiderstand gegen die Sparpolitik und die Forderungen des Weltwährungsfonds, besonders anhand des paro civico in Mexiko (siehe InPre- Korr Nr. 167, Dezember 1984) und der sozialen Explosionen in der Dominikanischen Republik im April 1984. • Der Kampt zum Sturz der Diktaturen und die Probleme der „demokratischen Offnungen; hier ging es um Chile, Paraguay, Uruguay und Brasilien. • Die Neuzusammensetzung der Arbeiterbewegung: die Entwicklung der Arbeiterpartei (PT) und der neuen Gewerkschaftszentrale CUT in Brasilien; die Frente Amplio und die Unabhängige Demokratische Linke (IDI) in Uruguay; die Bildung der Mariateguistischen Einheitspartei in Peru (benannt nach einem Führer der KP Perus aus den 20er Jahren); die Lehren des sechsten Kongresses der COB und die politische Lage in Bolivien. Unter diesem Punkt der Tagesordnung wurde auch über die Verhandlungen zwischen Regierung und Guerilla- Bewegung in Kolumbien gesprochen. • Die Agrarfrage in Lateinamerika und die Bauernbewegungen.

• Die Dynamik der Revolution in Mit-

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telamerika und der Karibik und die Solidarität mit ihr.

Dieses Treffen fand ein Jahr nach dem ersten statt und ermöglichte eine bessere Einschätzung der Beschleunigung bestimmter Prozesse in der Arbeiter- und Volksbewegung unter der kombinierten Einwirkung der Wirtschaftskrise und der mittelamerikanischen Revolution. In den meisten Ländern verbleibt die zentrale zu lösende Aufgabe die Herausbildung einer Arbeiterbewegung, die vom Staat und vom bürgerlichen Populismus politisch wie gewerkschattlich unabhängig ist. Zu diesem Problem, wie es sich insbesondere im Übergang von der Militärdiktatur zur parlamentarischen Demokratie stellt, siehe in dieser Ausgabe den Artikel von Jorge Buarque. Inzwischen hat der gesellschaftliche Zerfall ein solches Ausmaß angenommen und die gespannte Stimmung innerhalb der Massen in Ländern wie Bolivien und Peru sowie auf eine andere Weise in der Dominikanischen Republik ein solches Niveau erreicht, daß dort ein erneutes Kräftemessen heranrückt und Illusionen über eine lange Dauer des demokratischen Prozesses unangebracht sind.

In dieser Lage und vor dem Hintergrund der Erfahrungen damit in Nikaragua, El Salvador und Grenada ist die Einheit der revolutionären Kräfte bei gleichzeitigem politischen Pluralismus für die Neugestaltung der Arbeiterbewegung zentral geworden.

Wie viel in dieser Hinsicht innerhalb von nur einem Jahr geschehen ist, ist bemerkenswert:

- Die Radikalisierung der Bauernbewegung, in einigen Fällen in direkter organischer Verbindung mit der Arbeiterbewegung. Das Tretten von Bauernorganisationen, das letzten November in Mexiko stattfand bestätigt diese Entwicklungsrichtung: Teilnehmer waren die Unabhängige Bauernbewegung der Dominikanischen Republik, die Bauernsektionen der CUT in Brasilien, Die Bauernkonterenz von Peru, die Landarbeitergewerkschaft Nikaraguas und nationale Koordination Plan des Ayala aus Mexiko.

- Die Entwicklung der Gewerkschaften. Die herausragenden Erscheinungen sind die Konsolidierung der CUT in Brasilien und der sechste Kongreß der COB in Bolivien, der eine heftige Radikalisierung mit sich brachte, aber auch die neue Debatte über die Vereinigung der Gewerkschaften in Kolumbien. - Die Frage der politischen Einheit findet ihren Ausdruck in der Bildung verschiedener Blöcke und Fronten, deren Zusammensetzung und Funktion recht unterschiedlich ist. Da gibt es einmal die Frente Amplio in Uruguay, die das Bedürfnis nach Einheit gegen die Diktatur im Rahmen eines Bruchs mit dem Zweiparteiensystem widerspiegelt. Da gibt es die Vereinigte Revolutionäre Führung (DRU) in Bolivien, die als Teileinheitsfront der Gewerkschaftslinken zu verstehen ist. Da gibt es Koalitionen, die Einheitsfronten zu allen politischen Zwecken darstellen, so die Vereinigte Linke in Peru, die Dominikanische Linke Front und die Demokratische Volksbewegung in Chile.

- Schließlich drücken neue Organisationen und Umgruppierungen wie der Sozialistische Block in der Dominikanischen Republik, die Mariateguistische Partei in Peru oder die Unabhängige Demokratische Linke, manchmal noch etwas konfus, das Bestreben nach einer pluralistischen und demokratischen sozialistischen Gesellschatt, sowie den Wunsch nach Einheit zwischen den Avantgardeorganisationen aus. Eine solche Entwicklung wäre unmöglich, wenn die verschiedenen Traditionen, die Geschichte und Ursprünge der einzelnen Organisationen nicht in Betracht gezogen würden.

Das Treffen der Politischen Büros der lateinamerikanischen Sektionen befaßte sich noch als eher pragmatischen Punkt mit der Solidaritätsarbeit mit Mittelamerika und der Karıbık und mit dem Ausbau und Vertrieb der Inprecor dz Cono del Sur, sowie mit der Einrichtung und Verbesserung eines dauernden Netzwerks der Sektionen, um die Zusammenarbeit, die sich in den letzten beiden Jahren entwickelt hatte voranzutreiben.