Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Indien

Darum mußte Indira Gandhi sterben

· Inprekorr Nr. 166, Dezember 1984 · S. 5-6 · 821 Wörter

Indien und Südasien

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Darum mußte Indira Gandhi sterben Die religiös-ethnischen - „kommunalisti- Die schlimmsten Auswüchse gab es gerade in der Die religiös-ethnischen - „kommunalisti- Die schlimmsten Auswüchse gab es gerade in der - Pogrome, die der Ermordung Indira Hauptstadt Neu Delhi, wo doch gerade dort zu - Pogrome, die der Ermordung Indira Hauptstadt Neu Delhi, wo doch gerade dort zu erwarten gewesen wäre, daß die Regierung und die Gandhis folgten, belegen den Zusammenbruch des regierende Kongreß (I)-Partei die besten Mittel gebürgerlich demokratischen pan-indischen Nationalismus und die Hinwendung der herrschenden habt hätte, die Lage unter Kontrolle zu halten. Klassen zum Kommunalismus als einzigem Mittel In einem Artikel in der International Viewpoint Nr. 47 vom 27.2.84 hatte M. Navid aufzuzeigen versucht, daß die Congress(I)-Partei ihre Wählerbasis auf der Grundlage hinduistischen Gemeindebewußtseins (Kommuunalismus) aufzubauen sucht. Navid erklärte, daß die historische Basis ihrer Mehrheit im Hindi sprechenden Kernland gelegen ist, ihr Stimmenanteil jedoch gerade in dieser Region seit 1967 ständig gefallen ist. So erlangte die Partei Indira Gandhis in den Hindi-Gebieten bei den Wahlen von 1980 nur noch 31 % der Stimmen.

Der Congress(I) wurde daraufhin von Sinen alben Michde nördlichen Reihe von Bundesstaaten, die an der Taille des Subkontinents beginnt, wo die wichtigsten Sprachen schon nicht mehr indo-europäisch, sondern drawidisch sind. Aber in den drawidischen Gebieten gibt es einen historischen Langzeit-Trend der Entfremdung gegenüber nordindischer Herrschaft. Schon 1980 waren in den noch weiter südlichen drawidischen Staaten ethnisch-nationalistische Parteien verherrschend.

Der Congress(I)

wird zu einer Hindu-Partei Bei den folgenden Wahlen in zwei Staaten des oberen Südens, Andhra Pradesh und Karnataka, verlor der Congress(I) schwer, im ersteren Fall zugunsten einer nationalistischen Partei. Navid: Der Congress(I) kann sich nicht länger auf die en bloc-Unterstützung der ,registrierten Kasten und der Moslems verlassen. Nur die ‚registrierten' Stämme unterstützen weiterhin Frau Gandhi in ihrer überwältigenden Mehrheit... Es gibt also jetzt Anzeichen für einen möglichen Wechsel in ihrer grundlegenden Wahlstrategie von einem Stützen auf die Kern-Minderheiten zu einem Umwerben der hinduistischen Kasten...

„Bei den Wahlen zu Gemeindeund Großraumrat von Delhi im Februar 1983 gab es erste Anzeichen, daß etwas Neues in der Luft lag. Delhi ist ein Territorium des Bundes mit einem hohen Anteil städtischer Händler und Kleinbürger und war traditionell eine Hochburg der Jana Sangh/BJP, einer Hindu-kommunalistischen Partei, von der jeder erwartete, sie würde gewinnen. Stattdessen erlebte sie eine ernste und schwere Niederlage zugunsten des Congress (I), obwohl Frau Gandhi erst einen Monat zuvor im Süden besiegt worden war. ...der Hauptgrund dieses bemerkenswerten Sieges war ein breiter Wählerwechsel bei den kleinbürgerlichen Hindu-Kasten von der Jana Sangh/BJP zum Congress(I)." In der International Viewpoint Nr. 57 vom 16.7.84 sagte Vibhuti Patel, eine Führerin der indischen Sektion der IV. Internationale, der Inquilabi Communist Sanghatan (ICS), in einem Interview gegenüber unserem Korrespondeten im Zusammenhang mit den kommunalistischen Unruhen des Frühjahrs in Bombay: ,.. die Minderheiten haben ihr Vertrauen in den Congress(I) verloren, weil sie - und zwar alle - zunehmend die Erfahrung sozialer Diskriminierung, von gewalttätigen Zusammenstößen und ihrer Marginalisierung gegenüber Gerry Foley dem Hauptentwicklungsstrom Indiens machen mußten. Jetzt will sich der Congress(I) zwecks Wählerfang ein anderes Image geben. Daher unterstützt er hinduistische Erneuerungsbewegungen, daher redet er wenig mehr über Säkularismus. Früher sprach der Congress andauernd von der Trennung von Staat und Religion. Aber heute hat er viele Verbindungen zu rechtslastigen religiösen Kräften."

Patel ging auf die konkrete Basis des Kommunalismus in Bombay ein: „Die Bauindustrie hat eine groise Mafia, aber auch politische Schirmherrschaft seitens des Congress; die jüngste Serie von Betrugsaffären, die in der indischen Offentlichkeit Staub aufwirbelte, bezog sich ausschließlich auf die Baubranche, denn diese ist die wesentliche Spendenquelle für den Congress. Diese Industriekapitäne, Giganten der Bauindustrie, greifen mit ihren politischen Operationen systematisch ein, sie haben enge Verbindung zur kriminellen Unterwelt, und sie stehen in enger Verbindung mit der Shiva Hena, einer hinduistischen paramilitärischen Truppe. Sie nutzten die Gelegenheit, in Bombay an den von Moslems bewohnten Grund und Boden zu kommen, indem sie Schlägerbanden von außerhalb holten, die sich sehr gut auf das Abschlachten von Menschen verstehen — sehr überzeugte Killer sind das!" Eines der Merkmale des Niedergangs des Congress ist der systematische Versuch, Sturmtruppen aus den Reihen der deklassierten Jugend zu organisieren. Dies wurde von Frau Gandhis erstem Kronprinzen, Sanjay, während der Aufhebung der Verfassung Mitte der siebziger Jahre an-

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InPreKorr Nr. 166, 12 - 1984 gegangen. Nach Sanjays Tod wurde diese Aufgabe von Rajiv, ihrem nächsten designierten Thronfolger, dem jetzigen Premierminister, übernommen.

Der erste Kongreß der National Students Union of India, des Jugendflügels des Congress(I) Mitte Dezember in Nagpur brachte Ausschreitungen mit sich und verbreitete Terror über der Stadt und ihren Ausfalistra-