Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Von den Londoner Gay Clubs zum walisischen Bauernhof

· Inprekorr Nr. 164, Januar 1985 (extra) · S. 4-9 · 2.815 Wörter

Großbritannien Gewerkschaften und Streiks Frauen

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Die erste gesamtbritische Konferenz aller Solidaritätsaktivist/inn/en mit dem Bergarbeiterstreik fand am 2. Dezember in London statt. Die Teilnehmerzahl war beinahe zu hoch. Obwohl die Organisator/inn/en in letzter Minute versuchten, die Zahl der Delegierten wegen Raummangels einzugrenzen, erschienen über 1600 Leute. Auf die schnelle mußte eine Nebenversammlung organisiert werden, um 500 Leute einlassen zu können. Diese erste Solidaritätskonferenz rückte erstmals die Bewegung ins Licht. the sich um den Bergarbeiterstreik und die dadurch zustandegebrachten Veränderungen in der britischen Politik herum entwickelt hat. Noch im Januar wird eine besser vorbereitete und eingegrenzte Konferenz stattfinden.

)e Versammlung vom 2. Dezem er konnte klarer und dramatische anzeigen, um was es geht, nachdem nur einen Tag zuvor das Gericht einen Treuhänder ernannt hatte, der den Apparat der Bergarbeitergewerkschaft übernehmen sollte. Dieses Urteil warf die Führung der kämpfenden Gewerkschaft auf eine Position zurück, von dort aus die nächste Phase des Streiks planen zu müssen, nicht ohne sich darüber Gedanken zu machen, wie man dahin kommen könnte, auf eine radikal andere als die traditionelle britische Methode als Gewerkschaft zu funktionieren. Wenn der britische Staat diesen Angriff voll durchdrücken sollte, könnte die Gewerkschaft nur als halblegale Organısation weiterarbeiten und sich dabei auf seine regionale Struktur stützen. Zum Zeitpunkt der Konferenz bahnte sich in der Führung der Gewerkschaft eine Auseinandersetzung an, welcher Kurs einzuschlagen sei. Dies hielt den NUM-Führer Scargill davon ab, vor der Versammlung zu sprechen wie ursprünglich zugesagt. Die politische Konfrontation zwischen der militanten Führung und der reaktionären Thatcher-Regierung verschärft sich, und das, worum es in diesem Kampf politisch geht, wird zugleich mehr.

Da ich von außerhalb Britanniens libermit iga, ich din dem rent das ganze Spektrum sozialer und politischer Oppositionsbewegungen im britischen Staat um den Streik und die NUM herum widerspiegelte. Dies erstreckte sich auch auf das andere Thema, weswegen ich nach Britannien gekommen war und worüber ich berichten wollte. Ein rundreisender Bergmann aus Lancashire hatte mir auf dem Kontinent erklärt, daß die beiden historischen Regionen Nordund Südwales, die beide Teil der kleinen von Britannien unterworfenen Nation der Waliser sind, um den Bergarbeiterstreik herum erstmals zusammengefunden haben. "Der Streik hat sie zu einer Nation gemacht."

In der Geschichte ist genau diese Trennung zwischen dem vorherrschend Englisch sprechenden industrialisierten Süden und dem mehrheitlich Welsch sprechenden agrarischen Norden und Westen des Landes das größte Hindernis für die Herausbildung einer Nationalbewegung gewesen. (Das winzige Bergbaugebiet im Nordosten von Wales ist für diesen Teil nicht typisch.) Kurz nach diesem Gespräch erfuhr ich, daß die walisische nationalistische Partei, Plaid Cymru, eine neue linke Führung gewählt hatte, die der Sache des Streiks ergeben ist.

Anscheinend hatte der Bergarbeiterstreik einige sehr breit gestreute Rückkopplungen ausgelöst. Die Konferenz am Sonntag, dem 2. Dezember, bevor ich nach Wales fuhr, ließ mich dies alles verstehen. Im allgemeinen war der politische Rahmen dieser breiten Solidaritätsbewegung durch die Existenz einer breiten, pluralistischen Labour Party mit einem sich radikalisierenden Flünahm jedoch eine kombinierte Form an. Die Labour Party ist in Südwales vorherrschend, ist als Partei jedoch dort eher ein rechtsorientierter Apparat. Die walisische nationalistische Partei, die in dieser Region viel schwächer ist, ist doch stark genug, Labour in einigen Bereichen herauszufordern, und nahm in Unterstüt-

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zung des Streiks eine wesentlich radikalere Position ein. Außerdem ist sie stärker als Labourin den Welsch sprechenden ländlichen Gebieten. Zugleich war das Wachstum eines linken Flügels in der britischen Labour Party, insbesondere dessen Tendez, mit wirtschaftlichen Ansichten zu brechen, die in der Vergangenheit immer wieder Schutzschild des bind, the die Linkeindernat gewesen. schen Bewegung von Wales eine gro- Be Ermutigung gewesen.

Der wichtigste Führer der Linken von Plaid Cymru, Dafydd Elis Thomas, Mitglied des Unterhauses für einen westwalisischen Wahlkreis und inzwischen Präsident der Partei, erzählte mir später, daß die walisische nationalistische Linke ihren Kampf nicht mehr einfach in der Organisierung des walisischen Volkes sieht, um die Unabhängigkeit zu erlangen, sondern als Teil eines umfassenderen Kampfes gegen den kapitalistischen britischen Staat.

In seinem Grußwort an die Londoner Konferenz betonte Ken Livingstone, einer der bekanntesten Führer der Labour-Linken, wie wichtig es sei, daß die Labour Party den Bergarbeitern eine Reierungsalternative eröffnet, besonders angesichts des Streikbruchs durch den Staat und seine Gerichtshöfe:

„Ich glaube, es ist an der Zeit, mal was von denen zu hören, die uns im Parlament führen, daß eine andersgeartete Regierung jeden Pfennig zurückzahlen wird, der den Bergleuten gestohlen wurde. Wir werden jeder Bergmannsfamilie das Geld zurückerstatten, das von der Regierung vermittels der DHSS [Sozialversicherung] gestohlen worden ist, um die Bergarbeiter und ihre Familien durch Hunger zurück zur Arbeit zu zwingen.

Wenn von denen, die uns führen, solche Statements abgegeben werden, dann verunsichert das jeden Richter, der heute die Paragraphen beugt und dehnt, es verunsichert alle Behörden der DHSS, die dem Druck der Regierung nachgeben, die Bergleute und ihre Familien zu schikanieren.

Und wir sollten ziemlich deutlich machen, daß wir jetzt bald mit der Auswahl der Parlamentskandidaten beginnen. Wir fragen jeden, der sich selbst schon im Parlament sitzen sieht: , Wirst Du wirklich dafür stimmen, das von dieser Regierung gestohlene Geld zurückzuerstatten? Wirst Du dafür stimmen, die Richter in den Ruhestand zu versetzen, die aber auch jede Verordnung und jedes Gesetz gebeugt haben?' Dais der Streik alle Opfer der Staatsrepression vereinigt hat, wurde von der Sprecherin des Bergarbeiterfrauenkomitees Kent, Kay Sutcliffe, betont. Sie erwähnte dabei die Jugendlichen und die Arbeitslosen, die Iren und die Schwarzen, Feministinnen, Pazifist/inn/en und Homosexuelle. Alle diese Gruppen „haben uns geholfen, und wir werden sie nicht im Stich lassen."

Die Einheit der Unterdrückten wurde mir sehr deutlich von einer Geschichte illustriert, die mir über eine Londoner Schwulengruppe erzählt wurde, die die Grube Dowlais in Südwales adoptiert hat, in einer der Gegenden, die am wenigsten von den neuen radikalen politischen Strömungen der 60er und 70er Jahre berührt worden war. Im Laufe des Streiks entwickelte sich jedoch ein starkes Gefühl der Brüderschaft zwi- VICTORY

TO THE

VERS

InPreKorr Nr. 164, extra schen den Mitgliedern dieser Bergarbeitergemeinde und der Londoner Gruppe, deren Vertretern ein königlicher Empfang bereitet wurde, als sie die Gegend besuchten.

Schwule und lesbische Aktivist/inn/en hatten bei der Konferenz eine Arbeitsgruppe und berichteten von regelmäßigen Geldsammlungen für die Bergleute und ihre Familien in den Bars und Treffpunkten der Szene Londons.

In seiner Rede vor der Konferenz sprach sich der anerkannte Führerder Labour-Linken Tony Benn dafür aus, daß eine neue Labour Party nach dem Modell der Solidaritätsbewegung mit den Bergarbeitern aufgebaut werden müsse:

„Ich bin absolut davon überzeugt, daß der Organisationsgrad, den die NUM, die Unterstützungsgruppen der Frauen und andere Gruppen erreicht haben, die heute hier vertreten sind, erreichen konnten, die britische Labour Party verwandeln wird. Denn, das sage ich Euch, das ist im Verlauf der letzten neun Monate zu- -NOPIT

NO PIE

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InPreKorr Nr. 164, extra tage getreten. Das ist das Ende des wahlorientierten Parlamentarismus. Die Idee, das Ruhebewahren oberstes Gebot ist, und du ansonsten deinen Labour-Kandidaten auf dem Stimmzettel ankreuzt, und wenn er oder sie dann auf fünf Jahre gewählt ist, du zu allem, was getan wird, brav Ja und Amen zu sagen hast, um dann wieder zur Urne zu trotten. Das ist ein Weg, der uns nicht vorwärts bringt.

Die Wahlpolitik, die wir geneigt waren, für die Natur der Labour Party zu halten, muß ersetzt und ergänzt werden durch Aktion von der Art der Bergleute, der Frauengruppen und wie sie von dieser Konferenz vorangetrieben wurde.

Ich glaube, das was in den letzten neun Monaten geschehen ist, abgesehen davon, daß es die Menschen geschult hat, ist gewesen, daß sich in jeder einzelnen Ortsgruppe der Partei Bergarbeitergruppen, Frauengrupen, Frauenaktionsgruppen gebildet naben, dıe nicht die geringste Absicht haben sich aufzulösen, sobald der Streik vorüber ist, und die Instrumente sind, die bereit stehen und in der Lage sind, jede Angelegenheit, die im Interesse der arbeitenden Menschen ist, zu unterstützen. Das heißt Verteidigung von Gewerkschaftern, Verteidigung der Schwarzen, Verteidigung der Iren, die alle sich ähnlichen Angriffen ausgesetzt sehen." Benns Erwähnung der Iren löste langen Applaus aus. Auffiel auch, daß jeder Redner, der sich als Waliser zu erkennen gab, Extrabeifall erhielt. Denn Südwales ist auch die solideste Streikregion.

Der Bericht für die Arbeitsgruppe der Frauenaktionsgruppen von Hazel Jones erstattet, die aus Mountain Ash im Cynon Tal von Südwales stammt. Ihr Hauptpunkt war die Entschlossenheit von Frauen, ihre im Rahmen des Streiks und der Solidaritätsbewegung

Kolle in der gesellschaftlichen und politischen Aktion beizubehalten. Die Bedeutung der Unterstützergruppen und der Mobilisierung der Frauen war ein Thema, das die Konterenz von Antang bis Ende durchzog. Dies ist ganz klar mit das wichtigste Ergebnis, aber auch die NI/ONAL

KENT AREA

KRAT AREA wichtigste Triebkraft der Radikalisierung der Streikbewegung gewesen, eine Konstante im Denken aller Aktivist/inn/en.

Dafydd Elis Thomas sagte mir später, daß er darüberhinaus der Meinung sei, der Feminismus sei die bedeutendste Kraft gewesen, die den beschränkten Ökonomismus zum Einsturz gebracht hat, der zuvor die britische Arbeiterbewegung von der Bewegung der im britischen Staat eingeschlossenen Minderheitsnationalitäten getrennt hatte.

Eine andere deutliche Tendenz im Denken der Aktiven und der Redner war der Internationalismus. Kay Sut liffe beispielsweise betonte die Be. deutung des Streiks und der dazuge- Solidaritätsbewegung

Vorbild für die Arbeiterklassen anderer Länder, die von den Regierungen der kapitalistischen Weltkrise die gleiche Sorte Sparpolitik aufgedrückt bekommen. Benn, der doch in der Vergangenheit der Labour Party darein verwickelt war, hob folgenden ChORKER

Arthur Scargill spricht auf einer Kundgebung in London G.M. Cookson

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....eine Labour Party, die etwas schaffen will, muf vom Charakterher umfassend sein. Sie muß eine Partei sein, die der Größe des Kampfes, der uns bevorsteht, angemessen und gewachsen ist und wirklich alle Interessen und Probleme repräsentiert, die arbeitende Menschen im Zeitalter der Hochtechnologie, der Atomwaffen, der multinationalen Konzerne und der multinationalen Finanzwelt haben. Sie muß also genauso eine internationale Bewegung sein."

Nebenbei - diese Konferenz wurde auch zu einer Herausforderung für die Labour-Linke selbst. Sie fand zum Beispiel in der Stadthalle von Camden statt. Der Rat dieses Stadtteils wird der Linken zugerechnet. Aber die Bilanz dieses Rats weist einige dunkle Flecken auf, so insbesondere in der Wohnungspolitik gegenüber armen Familien. Eine asiatische Mutter und ihre Kinder, die in eine feuerpolizeilich unzulässige Behausung umgesiedelt worden war, war vor kurzem dort verbrannt. Daraufhin hatte sich ein Wohnungskomitee gegründet, mit einer überwiegend asiatischen und schwarzen Mitgliedschaft, das in einer Protestaktion gegen seine Nichtbeachtung die Ratsräume besetzte. Dieses Komitee wurde auch zur Solidarität mit den Bergarbeitern aktiv und war deshalb eingeladen, auf der Konferenz zu sprechen. Der Vertreter unterstützte die Bergarbeiter in starken Worten, aber griff den Rat mit nicht weniger scharfen Worten Livingstone antwortete darauf und versprach, darauf zu drängen, daß dieser Stadtteilrat seine Haltung ändere. [Livingstone ist der Vorsitzende des Stadtrats von Groß-London.] Es sprach auch ein Vertreter der Ratsangestellten, der die Bergarbeiter unterstützte und zugleich den Rat als schlimmen Arbeitgeber angriff. Die NUM-Vetreter bei der Konferenz zeigten kräftige Entschlossenheit, den Streik zu gewinnen, dies auch noch nach neun Monaten der Opfer und Zusammenstöße mit der Polizei und den Gerichten, nach dem Tode von fünf Brüdern bei Straßenschlachten und neunen, die umkamen, als sie Kohlen für ihre Familien klaubten. Ein Bergmann aus Yorkshire betonte, wie sehr Geld noch wichtiger für die Streikführung sei als für die Erfüllung menschlicher Bedürfnisse: „Ich habe selber vier Kinder, aber das InPreKorr Nr. 164, extra beste Weihnachtsgeschenk, das ich Kohlenstaub auf dem bevorzugten ihnen geben kann, ist, ihnen sagen zu Fuchsjagdgebiet des örtlichen Landakönnen, daß tausende von Männern dels verteilten. Im übrigen brachte er mit ihrem Vater zusammen für ihre einen auffälligen Mangel an Respekt Zukunft kämpfen. Eine Zukunft ist vor den monarchischen und aristowichtiger als Spielsachen oder Puter- kratischen Traditionen dieses Landes braten." zum Ausdruck

Ein Vertreter von Eisenbahnern in Im Kleinmaßstab spiegelte die einem Streikbrechergebiet erzählte, Konferenz eine Bewegung, die alles in was . einige wenige entschlossene sich hat, was wahrscheinlich das Bild Aktivist/inn/en alles tun können, um einer revolutionären Bewegung in ei- Sekundärstreiks vom Zaun zu bre- nem entwickelten Land ausmachen chen. Er und dreißig weitere Gewerk- wird, eine Bewegung, die alle Sektoschafter, bekannt als die dirty thirty, ren der Lohnabhängigen einbezieht, schafften es, einen Gutteil der Kohle- eine ganze Geselischaft, die sich selbst produktion der Gegend lahmzule- im Kampf reorganisiert. gen. Was ihm am meisten Spaß ge- In vieler Hinsicht ist dieser Prozeß macht habe, so erzählte er, war, als sie der Vereinigung in Wales am weite- GIC

R 4 Ken Livingstone, Vorsitzender des Greater London Council, mit der Popgruppe UB 40

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InPreKorr Nr. 164, extra sten vorangeschritten, wo die Faktoren, die überall in Britannien am Werke sind sich spezifisch walisischen Erscheinungen kombinieren, wie dem Bestehen einer nationalen Befreinusbewegun einer mudiun vor einer Tradition vor ganz besonders eng verwobenen Bergarbeitergemeinden mit einer lebndigen Überlieferung, die den Kern der Nation bilden.

Diese Einheit zu fördern, ist Ziel der walisischen nationalistischen Partel, Plaid Cymru, die in den Welsch sprechenden Landgebieten ihre grölste Stärke hat, aber auch einige nennenswerte Einsprengsel in den Bergbautälern, und eine schon lang cymru zurückreichende Anziehungskraft auf radikale junge Leute an Oberschulen und Universitäten. Die neue linke Führung hat die Partei voll auf die Seite der Bergarbeiter gezogen. So schrieben die Herausgeber ihres englischsprachigen Organs Welsh Nation in der Novemberausgabe unter der Überschrift ., Warum die Bergarbeiter gewinnen sollten!': „Ein Sieg für die Bergarbeiter in ihrem Geschichte machenden Kampf gegen die Regierung Thatcher ist für die Zukunft der walisischen Nation überlebenswichtig." Und so schloß der Artıkel: „Die politischen Prioritäten eines treien Wales werden die der walisischen Arbeiterklasse sein und nicht die der thatcheristischen Tories." In der Oktoberausgabe schrieb Dafydd Elis Thomas: ,Der Kampf der Bergarbeiter ist in der Tat de nationale Kampt, und die Grupper von Plaid Cymru in ganz Wales sollten sicherstellen, daß allerorten Un. terstützungskomitees für ihn aufgebaut werden." Und weiter: „Den Kräften des freien Marktes darf es nicht gestattet sein, die walisischen Gemeinden zu zerstören, und dem Angriff auf unsere Rohstoffindustrien und die von ihnen abhängigen Gemeinden muß von uns allen Widerstand entgegengesetzt werden, soweit wir uns mit dem Recht der Gemeinden, das eigene Geschick zu bestimmen, identifizieren. Ja, eines der Motive, das bei der Solidaritätskonferenz in London besonders hervortrat, war die Notwendigkeit, die Logik des kapitalistischen Systems selber anzugreifen. Benn betonte, daß Thatchers Angriff auf die NUM nichts mit der sinkenden Wirtschaftlichkeit der Gruben zu tun hat, sondern ihr Ziel die Zerschlagung der NUM ist, weil diese dem Verscherbeln der Kohle des Landes an private Interessenten im Wege steht. Gerald Howells, nationaler Sekretär von Plaid Cymru, sagte mir das gleiche über Thatchers Politik in den Grubengebieten von Wales. Dies sei die einzige Möglichkeit zu erklären, wieso die Regierung so vielversprechende Flöze wie Margam in Südwales unentwickelt liegen läßt. Das walisische Bauernaktionskomitee, mit deren Führern ich in Westwales sprach, ist inzwischen auch zu der Überzeugung gelangt, daß es Thatchers bewußte Politik ist, die Landwirtschaft von Wales unter den Hammer zu bringen, um sie durch Forstpflanzungen und Tourismus zu ersetzen. Etwas stockend - er habe sich das Englischreden abgewöhnt, sagte er — fragte mich Lohn Howells, der Vorsitzende der Bauernaktionsgruppe, was meiner Meinung nach die Antwort auf dieses Problem sei. Ich begann mit einigen recht vorsichtigen Bemerkungen über die kapitalistische Marktlogik. „Genau," fiel er mir mit leicht funkelnden Augen ins Wort, „genau das ist das Problem. Marktwirtschaft funktioniert gar nicht." Notwendig sei, sagte er unter beifalligem Nicken der Umstehenden, eine neue Art von wirtschaftlicher Organisation, die auf der Befriedigung der Bedürfnisse der Menschen und Gemeinden fuße.

Diese Antwort bestätigte, was mit Tyrone O'Sullivan gesagt hatte, der Bergarbeiterführer im Cynon Tal ist und Repräsentant der Labour-Linken: „Die eine bleibende Lehre dieses Kampfes ist, daf der Kapitalismus keine Lösungen parat hat.

Spenden für die britischen Bergarbeiter:

Englisches Konto:

National Union of Mineworkers Miners Solidarity Fund Coop P.L.C. Sheffield Branch

Account: 08-90-75 Sorting Code: 08-90-75-30 000 Da die Überweisung nach England ziemlich teuer ist, gibt es auch in Deutschland ein Sammelkonto; bei einem Guthaben von 5000 DM wird das Geld von dort aus jeweils nach Britannien überwiesen.

Deutsches Konto:

Raphaela Kruppa, BfG Wuppertal (BLZ 330 101 11)

Konto-Nr.: 2015 1233 00 Vermerk: Bergarbeiter

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