Bergarbeiterfrauen 1926 und heute Marion Philips, die damalige Herausgeberin von Labour Woman, der Frauenzeitschrift der Labour Party, hält in ihrem Buch Women and the miners strike fest, wie Frauen bei Versammlungen und Demonstrationen beteiligt waren, sowie beim Sammeln von Geld und Essenspaketen. Im Juli 1926 wurde die von 8000 besuchte jährliche Labour-Frauendemonstration in eine für den Grubenstreik umgewandelt, und Bergarbeiterfrauen führten diesen Marsch durch London an.
Die Bergarbeiterfrauen nicht lokal und national wie heute organisiert, aber die Frauenabteilungen und das Nationalkomitee der Labour Party arbeiteten eng mit ihnen zusammen. Marion Philips erzählt, daß die Miners Federation sie bat, ein Frauenkomitee zu gründen, um Geld zu sammeln und mit den Familien Kontakte zu knüpfen. Zur Aufgabe dieses Komitees wurde es später auch, als die Hungersnot begann, die Kinder zu füttern. Es konnte während der neun Monate Aussperrung eine riesige Summe zusammenbringen.
Die Verbindung zwischen Bergarbeiterstreik und Lage der Frauen wurde in einem langen Bericht auf der Labour-Frauenkonferenz von 1926 gezogen; er richtete besonderes Augenmerk auf das Leid der Frauen in den Grubengegenden. Ein Aufruf an alle Hausfrauen wurde verfaßt, sie sollten die Verstaatlichung der Kohleindustrie fordern, da nur so billigerer Strom und arbeitssparende Haushaltsgeräte möglich gemacht würden. Frauen waren also auch schon früher organisiert. Aber 1984, mit der Erfahrung der Frauenbewegung und den Veränderungen in der Arbeiterbewegung im Rücken, schaffen die Bergarbeiterfrauen etwas Neues. Sie unterstützen den Bergarbeiterstreik nicht bloß mit Essensverteilung, Geldsammeln und Sozialberatung sie geben eine politische Führung, indem sie ihre eigenen Initiativen er- Judith Barker „Was wirals Frauen in diesem Bergarbeiterstreik 1984 — und wohl auch 1985 — tun, ist, Geschichte zu machen. Wir setzen den Maßstab für die Zukunft, was das Sicheinschalten von Frauen in die Politik betrifft; und es wird sich dabei noch zeigen, welch wuchtige Kraft wir sein können... Mit diesen Worten beendete Maureen Douglass von Women Against Pit Closures in Barnsley ihre Rede auf einer Kundgebung von tausenden Frauen im Mai. Und wahr ist das allerdings, wenn man die Energie und Dynamik der Frauenaktionen sieht. Der Vizepräsident der NUM, Mick McGahey, sagte gar, hääten 1926 in Generalstreik Frauen die Bergleute auf diese Weise unterstützt, die Geschichte wäre vielleicht anders verlaufen. 1926 waren die Bergarbeiterfrauen durchaus organısiert, aber ganz anders und mit anderer Wirkung; ein Vergleich ist darum lehrreich. greifen, bei den Streikposten wie auf Frauen waren von Kumpels beleidigt Massendemos. Die Demo vom 11. worden, sie sollten gefälligst zurück August in London war datur ein klas- in die Küche verschwinden. Oft besisches Beispiel: es war schlielslich die richten Frauen, auch ihre eigenen erste landesweite Demo, seit der Ehemänner seien anfangs bestürzt ge- Streik begonnen hatte. wesen. „Aber heute, " sagt Betty He- Thatcher hatte sich sicher in eine athfield vom inzwischen gebildeten Villa in der Schweiz zurückgezogen, Nationalen Koodinierungskomitee als die etwa 25 000 Bergarbeiterfrauen der Frauen, „haben wir ein phantastidurch die Straßen von London gezo- sches Verständnis untereinander gegen sind und geruten haben: „ Wir schaffen. " in einer Rede am Rande des verden siegen!" Diesmal wurden sie TUC-Kongresses erklärte sie weiter: von Frauen der Labour Party und von „Die Frauenaktion ist ein Mittel, die feministischen Gruppen unterstützt; Arbeiterbewegung auf der untersten die Männer, darunter Scargill und Ebene wachzurütteln und zu einigen. Benn, bildeten die Nachhut. Ein Ich glaube, gerade durch unsere Akti- „Scheck" über 49 Mio. & wurde bei der vität sind viele Männer in den Streik Behörde für Kranken- und Sozialver- erst reingezogen worden. Und wenn sicherung (DHSS) überreicht. Das ist wir siegen, ist dieser Sieg für alle. Das die Summe, die das DHSS bis dahin Bild der Ehegattin, die eifrig ihren den Bergarbeiterfrauen durch Abzug Mann durch die Streikposten hinvon ihren Sozialbezügen auf der durchlotst " Sie berichtete noch von wird für immer ausge- Grundlage nicht getätigter Streik- löscht sein. geldzahlungen gestohlen hatte. einer wöchentlichen reinen Frauen- Die Selbstaktivität der Frauen, ins- streikpostengruppe im streikbrechebesondere ihre Rolle bei den Streik- rischen Nottinghamshire, und wie die posten, hat in der Arbeiterbewegung ganze Lebenseinstellung der Frauen weitreichende Folgen. Die NUM war sich gewandelt hat. bis dahin vor allem wegen der pin ups In ihrer neugewonnenen Stärke verauf Seite drei des Yorkshire Miner, banden sich die Bergarbeiterfrauen einer Regionalzeitung, berüchtigt. auch mit anderen Frauen - nicht wie
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In PreKorr Nr. 164, extra Nationale Frauenorganisation gegründet!
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Eine Delegiertenkonferenz von Frauen aus allen Kohlefördergebieten, die am Arbeitskampt beteiligt sınd, trat vom 9-11. November in Chestertield zusammen. COAL A
Ein Ergebnis der überaus erfolgreichen Konferenz war, daß eine nationale Frauenorganisation gegründet worden ist. Folgende Zielsetzungen wurden für diese ausgearbeitet und BOLE angenommen:
Die nationale Frauenorganisation zu konsolidieren und den Sieg der National Union of 1.
Mineworkers in ihrem heutigen Kampt sicherzustellen, der die Schließung von Gruben verhindern und die Bergbaugemeinden für die Zukunft schützen will. PIlo
Die Organisierung von Frauengruppen voranzutreiben, wie sie während des Bergarbeiterstreiks 1984 ins Leben gerufen wurden. Auf allen Ebenen Beziehungen zwischen der National Union of Mineworkers und der 3.
Frauenorganisation zu entwickeln. Kampagnen zu allen Themen zu führen, die die Angelegenheiten der Bergbaugemeinden 4.
berühren, insbesondere zu Frieden, Arbeitsplätzen, Gesundheitswesen und Bildungswesen. 5. Eine Bildungsarbeit für die Frauen der Arbeiterklasse ingangzusetzen und zu entwickeln. Die Aktivitäten der nationalen Frauenorganisation auf allen Ebenen öffentlich zu 6.
damals, indem Labour-Frauen „in die Bresche springen", sondern durch Aktion und Selbstorganisation. Viele wurden eigentlich gerade durch das Vorbild der Frauen von Greenham Common unmittelbar angeregt. Lorraine Bowler von der Barnsleyer Gruppe sieht es so: „Es liegt an der Frauenbewegung daß wir es schafften, unş zu organisieren. Frauen sind heute viel éher bereit zu kämpfen und blicken mehr durch. Einige von uns Frauen würden sich inzwischen Femeinistinnen nennen, andere nicht. Viele unserer Versammlungen sind nur für Frauen offen. Im übrigen haben die Männer ja schon ihre Grubenversammlungen."
Logisch, daß sowas bleibende Folgen haben wird. Diese Frauen werden nicht, wie ihre Schwestern zuvor, aus den Geschichtsbüchern verschwinden. Betty Heathfield wirft einen Blick in die Zukunft: „Keine Gewerkschaft, kein Streik wird jemals noch so wie früher sein. Jetzt müssen wir auch die Frauen der Hafen-und Bahnarbeiter und die der LK W-Fahrereinbeziehen. Wir sind dabei, uns national zu organısieren, denn im Streik haben sich die Frauen stark verändert. Sie sagen, wenn alles vorbei ist, werden wir uns nicht zerstreuen, und wir wollen das auch nicht. Der Streik war die schnellste soziale und politische Schulung, die wir je mitgemacht haben könnten... Jetzt müssen wir „politische Wesen' im vollsten Sinne des Wortes werden. Eine Schande, diese Gelegenheit fahren zu lassen! Wirsefen können., was wir nochalesschat- Allerdings! Spätestens nun ist bewiesen, daß Frauen die Geschichte umschreiben können, indem sie sich organisieren.