Weitere Erfolge der Opposition bei Volvo aus International Vierpoint 48, 12.3.84 Die Gewerkschaftsopposition bei teil - für schwedische Verhältnisse Volvo Göteborg, Skandinaviens ein einmaliger Rekord. größtem Arbeitgeber, machte in einer In fünf weiteren Abteilungen gab es Reihe von Wahlen auf verschiedenen Listen der Opposition, ebenso bei Ebenen Ende Januar weitere Fort- Gruppenwahlen in der LK W-Montaschritte. Zu den stärksten Gewinnen ge, aber auch bei PKWs. kam es wie früher schon in der LK W- Neue Oppositionelle wurden in Montageabteilung Lundby. Dies ist der Lackiererei gewählt, mit starker historisch die Hochburg der Opposi- Unterstützung durch finnische Kollegen; letztere machen heutzutage et- Die Opposition gewann den Vor- wa 1000 Personen aus. sitz der Abteilung, auf den Göte Kil- In den übrigen Abteilungen lag die den, ein Führer der schwedischen Stimmabgabe für die Opposition Sektion der Vierten Internationale, zwischen 40% und knapp unter unter %, SP, mit großer Mehrheit wiederge- letzteres bei der PK W-Montage, wo wählt wurde. Sie gewann auch alle die Opposition weit unterhalb des übrigen zur Wahl stehenden Stellun- Rekordergebnisses von 1979 blieb, gen, darunter drei Vollmitglieder des das eine intensive Kampagne der So- Ausschusses (entspricht in etwa Ver- zialdemokraten ausgelöst hatte, mit trauenskörper) und drei Ersatzmit- den Mitteln krudester antikommuniglieder, dazu 22 Vertreter zum Ge- stischer Angstmache geführt. werkschaftsrat (entspricht sowohl Sowohl Volvos Größe — in Göteeiner Vertrauenskörperleitung borg allein arbeiten 12 800 — als auch auch einem Betriebsrat in der BRD) die Rolle des dortigen Gewerkder Volvowerke, der alle Gewerk- schaftsrats als Schrittmacher schweschaftsmitglieder vertritt. discher Gewerkschaftswahlen mach- Durchschnittlich erreichten die ten die Wahlen bei Volvo zum Kandidaten der Opposition in der nationalen Thema. Diese Aufmerk- Abteilung Lundby 60 % der Stim- samkeit hat stetig zugenommen, seit men. Etwa 90 % der Arbeiter/innen die Opposition vor zehn Jahren entnahmen an der Abstimmung diesmal stand. Die Gewerkschaftswahlen sind des Staates übertrifft." (Presencia, 5.7.1983) [10] Dies ging unter anderem Hand in Hand mit dem Wachstum des Kapitals. Der spektakulärste Ausdruck dieses Wachstums war der Bau des Stadtteils El Alto, der über 200 000 Einwohner hat, die meisten Arbeiter und „Marginalisierte". [11] Bei den Staatsbeamten ballte sich ein Arbeitkampf zusammen, als einen unaufgeteilten Arbeitstag verlangten. Der COB war sehr zögerlich, so eine relativ privilegiert erscheinende Kategorie von Beschäftigten zu unterstützen. Verschiedene Verbände haben sich gegen Straßenblockaden ausgesprochen; diese Methode wird inzwischen nicht nur von den Bauern, sondern auch von anderen Gruppen der arbeitenden Bevölkerung genutzt.
[12] Die schmerzliche Erfahrung mit der MNR und den Militärregimen brachte die Bauernaktivisten und führer dazu, jeglicher politischer Formation zu mißtrauen, auch denen, die sich mit der Arbeiterbewegung und revolutionären Ideen identifizieren. (131 Siehe InPreKorr Nr. 158 vom 10.11.1983 Siehe Unidad, Organ der PCB, erste Märzwoche 1983 mehr und mehr zu einer Konfrontation zwischen der örtlichen sozialdemokratischen Führung und der Opposition geworden, die für anständige Arbeitsbedingungen und Gewerkschaftsdemokratie kämpft. Dieser politische Kampf wird in einigen Wochen einen neuen Höhepunkt erreichen, wenn die Wahlen zur Leitung des Gesamtgewerkschaftsrats von Volvo stattfinden.
Göte Kilden kommentierte deren Bedeutung gegenüber IPK so: „Die
Wahlen zum Gewerkschaftsrat von Volvo sind sowas wie eine Seltenheit in der Gewerkschaftsbewegung. In den meisten schwedischen Gewerkschaften werden die Führungsposten auf kümmerlich besuchten Jahreshauptversammlungen gefüllt, ohne irgendeine vorherige Kampagne unterschiedlicher gewerkschaftlicher Linien. Höchstensmal gibt es etwas personelles Gerangel und Intrigieren unter den sozialdemokratischen Führern eines Betriebs.
Aber bei Volvo werden die Wahlen oft vor Ort ausgefochten. Verschiedene Strömungen gehen mit Flugblättern und Plakaten in Kampagne. Alle Mitglieder haben Gelegenheit die Argumente abzuklopfen und danach für die Linie ihre Stimme abzugeben, die ihrer Meinung nach während der folgenden Amtsperiode von den Gewerkschaftsfunktionären durchgeführt werden soll."
Es wäre wohl ein Zeichen von Gesundung der ganzen Gewerkschafts-
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bewegung, wenn diese Art Wahl von der Ausnahme zur Regel würde. Wie stehen die Chancen, daß die Opposition von Volvo die Entwicklung einer militanten Linie auch in anderen Betrieben fördern kann? Wegen ihrer enge Me dienpräsenz, besonders, wenn auch nicht nur, in den regionalen Blättern und im lokalen Radio von Göteborg. Eine erkleckliche Zahl radikaler Gewerkschafter in anderen Landesteilen zog aus dem Geschehen bei Volvo seine Lehren - durch direkte Kontakte zur Opposition, durch Diskussionen auf Gewerkschaftskonferenzen, durch die sozialistische Presse. Diesmal waren die Auswirkungen direkter.
Göte erklärt: „Bei den diesjährigen Wahlen zur Leitung der Gruppen beobachteten in meiner Werkstatt etwa 40 Kollegen, die aus anderen Volvo- Werken zeitweise versetzt waren, mit einigem Erstaunen unsere Wahlen. Alle Diskussionen am Kaffeetisch in der Kantine, der „Krieg der Flugblätter" und der hohe Grad der Wahlteilnahme haben in den Köpfen vieler dieser Kollegen so manchen Samen keimen lassen, der an anderen Stellen des Landes Wurzeln treiben könnte. Im ganzen sind wir mit dem Wahlergebnis zufrieden. Wo alles gut ging, gewannen wir neue Stützpunkte für die Zukunft. Wo es nicht so gut ablief, lag das allgemein daran, daß die Mobilisierung nicht stark genug war, daß die Argumente der Opposition nicht alle Leute erreichte. Da müssen wir einige wichtige Lehren für die Zukunft ziehen. Denn wir sind noch weit davon entfernt, die Ergebnisse zuerzielen, die wir erzielen könnten." Göte meinte noch, daß man die der Opposition in den Weg gelegten Hindernisse nicht überbetonen kann. Sie kann z.B. keine Liste unter dem Namen „Gewerkschaftsopposition" auf stellen. Der Metallarbeiterkongreß beschloß dies 1980 in einem durchsichtąen Vesuch, den er vegungsgen einzuengen.
Die Opposition muß heute ihre Kandidat/inn/en entweder auf eine allgemeine „Abstreichliste" setzen, wo also alle Kandidat/inn/en draufstehen und die Wähler die Namen derer wegstreichen, die sie nicht wollen, oder mit einem Parteietikett auftreten. Das ist für eine Opposition, die breiter als die Anhängerschaft irgendeiner Partei ist, ein Problem.
„Besonders wo eine Wahl eine grosse Gruppe von Kolleg/inn/en betrifft und es viele Kandidat/inn/en gibt, ist die „Streichliste" ein großes Hindernis, da die Kolleg/inn/en nicht mehr von jedem/r Kandidaten/in persönlich Kenntnis haben können," sagt Göte. „Ich kann so einen Fall aus persönlicher Erfahrung eines Wahllokals in meiner Abteilung anführen. Die Stimmabgabe soll geheim erfolgen, also fanden es viele Gewerkschaftsmitglieder schwierig, rauszukriegen, wen sie streichen müßten; denn es ist ja verboten, andere um Hilfe zu bitten."
Zugleich mußte die Opposition auch mit der anderen Behinderung ringen. „Außerhalb Lundbys versuchten wir erstmals im Namen eines Blocks der SP mit Parteilosen aufzutreten. Das durchschnittlich hohe Ergebnis ist ein deutliches Indiz, daß das die geignetere Methode ist, die Hürden der Bürokratie zu überspringen." Schließlich ist der SP-Führer noch überzeugt, daß die Wahlen von Volvo den Sozialdemokraten an anderen Orten zur Warnung dienen sollten. „Die Ergebnisse sind als eine Reaktion auf die armselige Politik der Sozialdemokraten an der Regierung zu deuten, die einschneidende Sparpolitik und den bürokratischen Machtmißbrauch."
Diese Auffassung wird durch andere örtliche Wahlen gestützt, wo Kandidaten, die über einen langen Zeitraum als ausdauernde Vertreter der Interessen der Kolleg/inn/en aufgefallen waren, Fortschritte gegenüber den graa sossar machten („graue Sozialdemokraten" , rechte, der Führung ergebene).
Aber Björn Mattsson, der Sprecher der sozialdemokratischen Führung bei Volvo, versucht, die Gewinne der Opposition als rein persönlichen Triumph Göte Kildens hinzustellen. Er leugnet, daß die großen Verluste bei Lundby einen Vertrauenseinbruch gegenüber der Politik der Sozialdemokraten, national und lokal, darstellen. Diese Sorte Selbstzufriedenheit wird den Sozialdemokraten in der Zukunft nochmal eine ganz schöne Überraschung bescheren. InPreKorr 162, 30.3.84 isp-Verlag
Ernest Mandel
Karl Marx - Die Aktualität seines Werks
Das neue Buch von Mandel entstand aus Anlati des 100. Todestages von Karl Mars. Es handelt sich nicht um Beiträçe zur Biographie oder um Textinterprecationen. Ernest Mandel geht es vielmeh: um die Aktualität des Marxschen schichelchen Erfahrunger des 20 fahr- Denkens. Ständig bezieht er die hunderts und deren theoretische Verarentung durch Anhänger wie Gegner des Marxismus cun. fir betent die erransche homponente, die strenge Wissenchattlichkeit und de aktive und bewufte Dimension des Marxismus. Mandels Buch über Karl Marx ist ein Zeugnis datur. das die unverfalschte Marx sche Theorie nach wie vor lebendie und offen, weil zukunfts- und pra- Xisbnzogen is:
Ca. 180 Seiten, Preis: ca. 16.- DM ISBN 3-8832-071-4 Ernest Mandel
Die Langen Wellen im Kapitalismus
Vor über 5C Jahren kam es zur Weltwirtschaftskrise 1929-1932. Vorausgegangen war eine längere Periode verlangsamten Wachstums und wachsender Krisenerscheinungen.
Das Ende der sechziger Jahre kennzeichnet in den kapitalistischen Ländern zugleich das Ende emes neuen wirtschaftlichen Booms. Die siebziger Jahre und der Antang derachtziger Jahre sind gekennzeichnet von ersten gro- Beren internationalen Rezessionen. In dieser Situation wird eine wissenschattliche Diskussion wiederbelebr. die nach dem Ersten Weltkrieg begon nen hatte. Die Frage der Existenz Langer Wellen im Kapitalismus einer Abfolge von boom- und Stagnationsperioden. die die normalen industriellen Zyklen überlagern. Ernest Mandel führt in dieser wissenschaftlichen Sihrift den empirischen Nachweis der Existenz solcher Langen Wellen und stellt diese in ihren politischen Zusammenhang: Wir erleben eine tiefe Gesellschaftskrise der bürgerlichen Gesellschattsordnung.
ISBN 3-88332-072-2 136 Seiten, DM 15,isp-Verlag
Postfach: 11 10 17 D-6000 Frankfurt am Main
Tel: 0611/736797
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InPreKorr 162, 30.3.84 Die Resistance and Socialist Education Conference der australischen Sek- Australien