Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Australien

Kongreß der SWP

Inprekorr Nr. 162, 30. März 1984 · S. 16-17 · 1.162 Wörter

USA und Kanada Großbritannien Mittelamerika

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Kongreß der SWP tion der Vierten Internationale, Socialist Workers Party (SWP), und aus International Viewpoint 48, 12.3.84 ihrer Jugendorganisation Resistance, die bei Sydney anfang Januar abgehalten wurde, krönte ein Jahr stetigen Wachstums für die revolutionär sozialistische Bewegung dieses Landes. Die sechstägige Konferenz verzeichnete diesmal 450 Teilnehmer, 35 % mehr als der vorige Rekord vom Januar 1983. Über die Hälfte der Anwesenden war außerhalb Australiens geboren, die größten Kontingente in der Türkei, Chile, El Salvador und Sri Lanka. Insgesamt waren 42 (!) Nationalitäten präsent.

Das Durchschnittsalter war 25. Und 51 % derer, die als Mitglieder der SWP und/oder von Resistance anwesend waren, sind der Bewegung erst seit 1980 beigetreten. 15 Gäste taten dies noch während der Konferenz. Die Teilnehmer umfaßten Mitglieder 42 verschiedener Gewerkschaften, die größten Abteilungen aus der Amalgameted Metal Foundry and Shipwrights Union (Schmelzen und Werften) und der Eisenbahnergewerkschaft. 46 unterschiedliche politische und Solidaritätsorganisationen waren repräsentiert.

40 % der Teilnehmer waren Frauen.

Die Anwesenheit eines so breiten Querschnitts der australischen Arbeiterklasse zeigte, daß SWP und Resistance 1983 aus den sich bietenden Möglichkeiten das Beste herausgeholt hatten.

Im Laufe des Jahres vereinigte sich eine Gruppe von Türken in Melbourne, Mitglieder von Devrimci Yol, mit der SWP. Gespräche während der Konferenz, führten dazu, daß eine ähnliche Gruppe aus Sydney auch die Fusion mit der SWP beschloß. Ein Höhepunkt der Konferenz war die Podiumsdiskussion, in deren Mittelpunkt kämpferische Führer der Arbeiter der Zinkbergwerke von Roseberry auf Tasmanien standen. Sie berichteten von ihrem langen Kampf, die Schließung ihrer Mine, und damit ihrer ganzen Stadt, durch die Bosse zu verhindern. Andere Podiumsteilnehmer waren Mitglieder der SWP, die während des mit Härte ausgetragenen Streiks wertvolle Unterstützung organisiert hatten.

Ein weiterer bezeichnender Zug der Konferenz war die Teilnahme einer Anzahl von Unterstützern einer sozialistischen Zeitschrift, die innerhalb der Australian Labour Party Verbreitung hat, des Labour Milltant. Diese Gruppe hatte zum Jahresende ihre eigene Fusion mit der SWP gehabt. Ihre Anwesenheit weist auf das wachsende Interesse hin, auf das der Marxismus in den Reihen der Labour Party stölst.

Unter den internationalen Gästen wäre Frej Anderson zu nennen, em Mitglied des Vereinigten Sekretariats der Vierten Internationale und Führer ihrer schwedischen Sektion; Peter Camejo, ein bekannter Sozialist aus den USA, auch Mitglied des Exekutivkomitees der Vierten Internationale, und Byron Ackerman, die beide das North Star Network, eine sozialistische Organisation in den USA, vertraten.

Anderson hielt einen gut aufgenommenen Vortrag über die jüngsten Arbeiterkämpfe in Europa. Er beschrieb die wachsene Isolation der Mitterand-Regierung in Frankreich, die arbeiterfeindliche Politik der sozialistischen Regierung in Spanien, die Entwicklung der Streikbewegung von 1983 in Belgien; sich seiner Heimat zuwendend schilderte er die Auswirkungen der Rückkehr des Sozialdemokraten Olof Palme an die Regierung.

Camejo hielt zwei Ansprachen, über die Politik der USA und über die Möglichkeit von sozialistischen Revolutionen in fortgeschrittenen kapitalistischen Ländern. Beide stießen auf Begeisterung. Seine zweite Rede beendete er mit einer Aufforderung an alle jungen Menschen, Resistance beizutreten: „Ich würde, wenn ich könnte, kann aber nicht — ihr aber solltet!"

Die Konferenz hörte auch Worte von Vertretern revolutionärer Bewegungen aus El Salvador und den Philippinen.

Raul Torchez ist der australische Repräsentant der in Mexiko angesiedelten Weltfront der Solidarität mit dem Volk von El Salvador (CISPES). Seine Rede wurde öfters von „FMLN"-Rufen unterbrochen, und am Ende bekam er eine stehende Ovation, als das Publikum den Gruß seiner geballten Faust erwiderte. Ähnlich erfrischend war die Rede des Vertreters der New Democratic Front von den Philippinen. Die Ähnlichkeit zwischen den Kämpfen in seinem Land und dem in El Salvador wurden aufgezeigt, insbesondere die militärische Vorgehensweise der Regime und die fortschrittliche Rolle von Teilen der katholischen Kirche. Er gab einen lebendigen Bericht von der taktischen Vielseitigkeit der philippinischen Revolutionäre und schilderte die Lage im Gefolge der Ermordung Aquinos (s. InPreKorr Nr. 158 und 159).

Immer schon ist die Auftaktveranstaltung zur jährlichen Spendenkampagne ein Höhepunkt auf den Konferenzen von SWP und Resistance gewesen. Diesmal war einer der Redner der Generalsekretär der Socialist Party of Australia, Peter Symon. Die SPA betrachtet die Sowjetunion als ihr Modell.

Seine Rede konzentrierte sich auf die Wirtschaftskrise und die Politik der Labour-Regierung Hawkes, die im März 1983 gewählt worden war. Er betonte die Notwendigkeit, die von S WP und SPA gemeinsam begonnen Arbeit fortzusetzen, eine Einheitsfront gegen das Preis- und Lohnabkommen zusammenzubringen, und die Wichtigkeit weiterer Zusammenarbeit in der Friedensbewegung. Auf den Spendenaufruf mit einem Ziel von 80 000 Saustr. hin wurden schon auf der Versammlung Zusagen in Höhe von 52 000 gemacht. Jim Percy, der nationale Sekretär der SWP, hielt einen längeren Vortrag zum Thema revolutionärer Einheit. Er betonte, daß mit der Wahl einer kapitalistische Politik betreibenden Labour-Regierung mitten in der Krise der Aufbau einer lebensfähigen sozialistischen Alternative so-

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wohl dringlicher als auch machbarer wird. Das Bedürfnis nach breiten Bewegungen gegen die Stillhaltepolitik von Labour stelle die sozialistische Strömung vor große Herausforderungen. Mit der Feststellung, daß die Strafe für ein Scheitern dabei, auf der Höhe der Anforderungen zu bleiben, für die Arbeiterbewegung empfindlich sein würde, begann Percy den Zustand der Communist Party of Australia zu betrachten. Führer dieser Partei haben eine wichtige Rolle dabei gespielt, die Gewerkschaftsbewegung von der Hinnahme eines Stillhalteabkommens mit der Labour-Regierung zu überzeugen. Acht Monate nach der Wahl von Hawke erlebt diese Partei nun einen rapiden Mitgliederschwund und wird von einer internen Debatte gebeutelt, ob man sich gar ganz in die Labour Party hinein auflösen sollte oder nicht. Die Konferenz bestand aus zwei Abschnitten. Während der ersten vier Tage hielt Resistance ihre 13. bundesweite Beschlußkonferenz. Es wurden Resolutionen über die internationale Lage und den Kampf gegen den Krieg, wie Revolutionäre sich zur Labour-Regierung stellen sollen, die Rolle der Jugend im Klassenkampf und den Aufbau von Resistance diskutiert und angenommen. Schließlich wurde von den Delegierten ein neues Nationalkomitee gewählt.

Während der Konferenz wurde bekanntgegeben, daß Direct Action (bisher Organ nur der SWP) die gemeinsame Wochenzeitung von SWP und Resistance werden würde, mit einem von 16 auf 24 Seiten erhöhten Umfang. Diese Maßnahme soll von einer umfassenden Kampagne zur Steigerung der Verbreitung von Direct Action begleitet werden.

Der andere Teil der Konferenz umfaßte die ganzen sechs Tage mit den Reden, der Kundgebung, politischem Kabarett, Konzerten und einer Reihe von Arbeitsgruppen zu verschiedenen Aspekten marxistischer Theorie. Besonders Lateinamerikaner fanden, dies sei das internationalistischste Ereignis, daß sie in zehn Jahren Australien miterleben durften. Ergebnis der Konferenz ist eine besser geschulte Bewegung, überzeugt von ihrem weiteren Wachstum und der Vertiefung ihrer politischen Fähigkeit, sich der Organisierung des sozialistischen Siegs angemessen zu erweisen.

InPreKorr 162, 30.3.84 USA aus International Viewpoint 46, 13.2.84