Wir veröffentlichen hier Auszüge eines Artikels aus der ersten Nummer von Socialist Action, einer Monatszeitung der Organisation gleichen Namens. Diese Organisation wurde von Anhängern der Vierten Internationale in den USA gegründet, die aus der Socialist Workers Party ausgeschlossen worden waren, die in den USA traditionell die Organisation in Solidarität mit der Vierten Internationale ist.
Aut seiner Oktobersitzung 1983 beschloß das Vereinigte Sekretariat der Vierten Internationale, die Mitglieder von Socialist Action als weiterhin im Rahmen der Vierten Internationale stehend anzuerkennen, und drang auf die SWP, ihren organisatorischen Kurs zurückzunehmen, die ausgeschlossenen Genossinnen und Genossen sofort und als Kollektiv zu reintegrieren. Bis dahin erkennt das Vereinigte Sekretariat an, dals die Ausgeschlossenen autgrund ihrer politischen Ansichten gar keine andere Wahl haben, als sich als Organisation zu konstituieren, einerseits, um an der Diskussion zum kommenden Weltkongreß teilzunehmen und dabei für ihre Auffassungen einzutreten, andererseits, um ihrer Verantwortung als revolutionäre Aktivist/inn/en des Klassenkampfs gerecht zu werden.
Die Erklärung entstammt der Nr. 1 von Socialis Action vom Dezember 1983. Socialist Action kann bestellt werden bei: Socialist Action Publisbing Association, 3435 Army Street, No. 308, 94 110 San Francisco, California, USA. Das Auslandsabonnement kostet für ein Jahr 20 $.
Jede neue politische Gruppierung Kongreß in Chicago gegründet wurist verpflichtet ihr Woher und Wo- de. Sie wurde von einer Gruppe langhin zu erklären. Diese Nullnummer Jahriger Sozialisten und leilnehmer unserer Zeitung (wir beginnen regu- der Antikriegs-, Frauen- und Gelär Anfang nächsten Jahres) soll uns werkschaftsbewegung initiiert, die im unseren Lesern vorstellen, von denen Laufe der letzten beiden Jahre aus der wir hoffen, daß sie dies auf Dauer Socialist Workers Party (SWP) ausgebleiben werden. Socialist Action ist schlossen worden waren... sowohl der Name der Zeitung als Wir haben diesen Schritt getan, da auch einer nationalen Organisation, die SWP dabei ist, die Prinzipien, auf die Ende Oktober 1983 auf einem denen sie gegründet wurde, fallen zu
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InPreKorr 162. 30.3.84 lassen. Da uns die Chance verweigert wird, diesen Kurs zu ändern, und wir aus der SWP rausgedrängt worden sind, haben wir keine andere Wahl,als von außen zu versuchen, die Degeneration der SWP zu stoppen. Wir bemühen uns, auf der Grundlage der demokratischen Rechte, wie sie traditionell den Parteimitgliedern zustanden, wieder in die SW Paufgenommen zu werden. Das bedeutet ausdrücklich, daß wir auch das Recht haben müssen, innerhalb der SWP als Fraktion bestehen zu bleiben. Unterdessen setzen wir die politische und organisatorische Arbeit einer revolutionären Partei sozialistischer Arbeiter fort.
Die Bewegung, die später zur Socialist Workers Party werden sollte, wurde 1928 durch eine kleine Gruppe der USA Vertrauen zu setzen, für ein Jahr ins Gefängnis geworfen. Zwei der vier von den achtzehn, die auch späterhin in der SWP verblieben, wurden 1982 ausgeschlossen; einer davon, Jake Cooper, ist Mitglied des Nationalen Komitees von Socialist Action.
In den 50er Jahren führte die SWP, obwohl durch die antikommunistische Hexenjagd auf eine kleine, isolierte Gruppe reduziert, einen wirkungsvollen Kampf um die bürgerlichen Freiheiten gegen den Mc Carthyismus. Ihr bekanntester Erfolg war die Jahre dauernde Kampagne von Jimmy Kutcher, einem beinamputierten Weltkriegsveteranen, der von den Gedankenpolizisten aus seinem Angestelltenjob bei der Veterans Administration wegen seiner sozialistischen Ideen gefeuert worden Washington, San Francisco und New York, an denen über eine Million Nordamerikaner im November 1969 teilnahmen. Viele von uns in Socialist Action waren Aktivisten dieser Kampagne, die ganz sicher geholfen hat, das amerikanische Volk von der Gegnerschaft zum Krieg zu überzeugen, die Johnson- und Nixon-Regierungen zu isolieren und das Leben zahlreicher Wehrpflichtiger und vieler heldenmütiger Menschen Vietnams zu retten.
Eine Auseinandersetzung über die Perspektiven der Marxisten der USA
Es ist nicht unsere Absicht, uns in kommenden Ausgaben von Socialist Action an Differenzen zur SWP fest- ACTION zubeißen. Dennoch kann eine Darstellung des politischen Streits nur helfen, unsere Entwicklungsrichtung und die der SWP klarzumachen, zumal er wichtige Themen umfaßt, zu denen alle Teile der Linken Stellung bezogen haben und beziehen müssen. Auch nach einigen Jahren beschleu- Revolutionary Discontinuity: nigten Mitgliederschwunds bleibt die SWP eine der vier größten Organisa- An Answer to Jack Barnes von Führern der Kommunistischen Partei gegründet, allen voran James P. Cannon, die sich für die Unterstützung Trotzkis im Kampf gegen die Stalinsche Bürokratie entschieden hatten. Nach ihrem Ausschluß formten auch sie eine öffentliche Fraktion der KP, und erklärten sich erst zu einer eigenständigen Partei, nachdem die KP unwiederbringlich von revolutionären Positionen abgerückt war. In den 30er Jahren führte diese neue Organisation eine Anzahl wichtiger Kämpfe der Arbeiterbewegung der USA, davon der herausragendste der Generalstreik der Transportarbeiter 1934 in Minneapolis. Sie nahm am Aufbau der Gewerkschaften des CIO in den späten 30er Jahren und in der Streik welle nach dem Zweiten Weltkrieg teil. Achtzehn Führer der SWP und der Teamsters Union von Minneapolis wurden zu Beginn des Zweiten Weltkrieges wegen ihrer militanten Gewerkschaftspolitik und ihrer Weigerung als Sozialisten, in die Kriegsziele der herrschenden Klasse Gewerkschaften und von bekannten Bürgerrechtlern wie I.F. Stone. Kutcher schaffte es, seinen Arbeitsplatz zurückzubekommen, und schuf damit einen Präzedentfall, der auch die Arbeitsplätze zahlloser anderer retten konnte, deren Ansichten der Regierung mißliebeg waren. Dieses Jahr wurde Jimmy Kutcher das Opfer einer Säuberung in seiner eigenen Partei.
In den 60er Jahren war die SWP eine der ersten Organisationen der Linken, die sich dem Aufbau einer massenhaften, niemanden ausschliessenden Einheitsfront gegen die US- Intervention in vietnam bemühte. Ihre Vertreter wurden Führer des National Mobilization Committee to End the War in Vietnam und seiner Jugendabteilung, des Student Mobilization Committee.
Vietnam und seiner Jugendabteilung, des Student Mobilization Committee. Diese beiden Komitees waren das entscheidende Instrument bei der Organisierung der Demonstrationen in tionen der US-Linken; und ihre bisherigen Erfahrungen beim Aufbauversuch einer Parteihingebungsvoller Revolutionäre sollten für alle, die in Ähnliches verwickelt sind, von Interesse sein.
Sofort nach dem Parteikongreß vom August 1981 — dem letzten vor dem Sommer 1984! — brach in der SWP ein heftiger Kampf um drei Themen aus, die untereinander sich als verbunden erwiesen: unsere Einschätzung von Trotzkis Marxismus; unsere Haltung gegenüber kapitali-
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stischen (der Dritten Welt, IPK) und stalinistischen Regierungen im Konflikt mit dem Imperialismus, die aber zugleich innerhalb ihres Herrschaftsbereichs politische Unterdrückung ausüben; unsere Bereitschaft, an der Frauenbewegung, der Anti-AKWund der Friedensbewegung aufbauend mitzuwirken, ebenso in den Gewerkschaften, wo ja immerhin eine Mehrheit der Partei Mitglied ist. Marx und Engels, die Begründer der modernen sozialistischen und kommunistischen Bewegungen, faßten die Vorstellung von einer sozialistischen Umorganisierung der Gesellschaft ursprünglich nur für relativ industrialisierte Länder als eine Möglichkeit auf. Sie argumentierten, ohne Großindustrie sei eine nationale Planung unmöglich. Außerdem seien kleine Bauern, Ladenbesitzer und Handwerker gegen eine Nationalisierung ihrer Arbeitsstätten, während Fabrikarbeiter, denen auch vorher die Fabrik nicht gehört habe, eine Nationalisierung als Mittel, den privaten Kapitalisten die Kontrolle zu entrei- Ben, befürworten. Daher gebe es ohne eine Arbeitermehrheit in der Bevölkerung anscheinend keine nennenswerte Grundlage für Regierungseigentum, auf der nur sich eine Produktion gemäß den Bedürfnissen der Menschen entwickeln kann. In den ersten Jahren des XX. Jahrhunderts sprangen in vielen unterentwickelten Ländern breite revolutionäre Bewegungen ins Leben. Dies warf erstmals die Frage auf, ob Revolutionen in vorwiegend bäuerlichen Nationen recht rasch sich in Richtung auf sozialistische Nationalisierungen und den Beginn einer Planwirtschaft bewegen könnten oder ob sie die private Führung der Industrie beibehalten müßten, die dann die Ressourcen in die Taschen einer wohlhabenden Minderheit umleiten würde.
Es war die russische marxistische Bewegung, die um die Zeit der Revolution von 1905 zuerst diese Frage ernsthaft zu diskutieren begann. Leo Trotzki war der erste unter den russischen Marxisten, der die Möglichkeit einer Revolution gegen den Zaren sah, die dann eine offen sozialistische Regierung haben würde. Dies war die Essenz seiner berühmten „Theorie der permanenten Revolution". Damals bezweifelte fast die ganze marksistische Bewegung diese Möglichkeit. Auch der größte unter, den ruşsischen Marxisten, Lenin, stimmte Trotzkis Theorie nicht zu. Später, 1917, zog Lenin unabhängig davon den Schluß, daß unterhalb einer sozialistischen Regierung nichts Rußlands Probleme lösen könnte. Sein denken konvergierte in der Periode kurz vor der bolschewistischen Oktoberrevolution 1917 mit dem Trotz- Während des Aufstiegs Stalins trachtete die konservative Bürokratie ihre linken Gegner und diese Ideen zu diskreditieren, aber Trotzki insbesonders wegen der permanenten Revolution zu verleumden. Obwohl dies natürlich genauso ein Angriff auf Lenin war, paßte er zum allgemeinen Rückzug aus der Organisierung revolutionärer Bewegungen durch die Stalinisten. Anstelle des Kampfes um den Sozialismus riefen sie nach breiten antiimperialistischen oder antifaschistischen Bewegungen und Regierungen, die sich in der Praxis als locker genug erwiesen, die wahre Macht in den Händen der liberalen kapitalistischen Parteien zu belassen. Die übliche Folge waren Niederlagen der revolutionären Massenmobilisierungen, da sie daran scheiterten, im entscheidenden Moment einer revolutionären Krise zuzuschlagen. Direkt nach besagtem Kongreß der SWP nun verkündete ihr zentraler Führer Jack Barnes, ohne daß die, die damit nicht übereinstimmten, die Möglichkeit zum Widerspruch gehabt hätten, er hielte nicht länger mehr an der Vorstellung fest, in unterentwickelten Ländern für eine direkte sozialistische Revolution zu kämpfen. Schließlich wurde im Sommer 1983 die erste Ausgabe eines neuen theoretischen Organs der SWP, New International, herausgegeben, in der Barnes unterstrich, „unsere Bewegung muß die Theorie der permanenten Revolution ablegen" (S.13). Eins der fundamentalen Konzepte der Organisation in einer der Öffentlichkeit zugänglichen Zeitschrift zurückzuweisen, ohne eine vorherige Diskussion darüber gestattet zu haben, das war schon eine krasse Verletzung der demokratischen Rechte der Mitgliedschaft.
Viele Parteimitglieder waren da- , von überzeugt, dais dieser Bruch mit der Strategie von Lenin und Trotzki eine schwerwiegende Angleichung an InP reKorr 162, 30.3.84 die stalinistische Ideologie bedeutete. Viele der von Stalin in den 20er Jahren gegen die Leninistische Opposition der KPdSU gebrauchten Argumente wurden genauso von der SWP-Führung benutzt, sei es in der genannten Zeitschritt, sei es in anderen Artikeln, um die bis dahin gültigen Auffassungen der Partei anzugreifen. Ab 1982 wurden Unterstützer trotzkistischer Ideologie und Unterstützer der Vierten Internationale unter einer Vielfalt organisatorischer Vorwände aus der SWP ausgeschlossen.
Polen und Iran
Am 13. Dezember 1981 wurde über Polen das Kriegsrecht verhängt, und die stalinistische Regierung begann mit der Enthauptung der 10 Millionen Mitglieder starken, von Lech Walesa geführten Gewerkschaft Solidarnosć. 1968 hatte die SWP anläßlich der Invasion der Tschechoslowakei noch an gemeinsamen Demonstrationen und Protestversammlungen mit anderen Gruppen der Linken teilgenommen; genauso die übrige Vierte Internationale. Damals trachteten Trotzkisten, von solchen Protesten antikommunistische Gruppen oder solche, die nicht die Reputation aufrechten Widerstands gegen die Verbrechen der kapitalistischen Regierungen, wie denen der USA in Vietnam, hatten, auszuschließen. 1981 aber merkte man, daß die SWP sich nicht allzusehr mit der Unterstützung der polnischen Arbeiter hervortun wollte. Es hätte dies die Partei bei ihrer Beziehungspflege zu den Revolutionären Zentralamerikas diskreditieren können, die mit so einer Politik nicht übereinstimmen würden. Die SWP wies diesmal Demonstrationen jeglicher Art von sich, verweigerte die Teilnahme an nahezu allen Versammlungen der Linken zur Unterstützung von Solidarność und führte pro forma einige eigene Veranstaltungen durch.
Seit 1935 bezeichnete das Programm der SWP die sowjetische Bürokratie als etwas schwächer ausgeprägtes als eine herrschende Klasse, aber nichtsdestoweniger als unreformierbar. Das offizielle Ziel lautete ,politische Revolution" , das hiels festzustellen, daß die Wiederherstellung der Arbeiterdemokratie nur durch die Beseitigung der Bürokratie
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InPreKorr 162. 30.3.84 mit revolutionären Mitteln möglich sei, während zugleich die gesellschaftlichen Fortschritte beibehalten würden, die dem nationalisierten Eigentum entflossen sind. Kurz nach dem Jahreswechsel 1981/82 verschwand diese Vorstellung völlig von den Seiten des Militant, der Zeitung der SWP. An ihre Stelle traten schwammige Formulierungen, die nur so gedeutet werden konnten, daß nur noch zu einer Reform der polnischen KP aufgerufen wird Ein ähnlicher Kurs wurde bei der Behandlung des Iran durch die SWP verfolgt. Nachdem der erbitterte Kampf des Khomeini-Regimes mit Mudjahedin im Frühherbst 1981 ausbrach, weigerte sich die Presse der SWP monatelang, auch nur irgendein Opfer der Repression im Iran zu verteidigen, ob nun Mudjahelach din oder unschuldige Zuschauer der Kämpfe. Die SWP brachte das Argument vor, eine vom Imperialismus angegriffene Regierung aus dem inneren des imperialistischen Landes heraus zu kritisieren, diene den Zielen der Reaktion. Das lief auf Selbstzensur hinaus. Allgemein bekannte Tatsachen über die Folterung aller Andersdenkenden in iranischen Gefängnissen, militärische Angriffe auf das Gebiet der kurdischen nationalen Minderheit, das Beenden der Landreform mithilfe privater regierungsfreundlicher bewaffneter Organisationen - nichts davon konnte im Militant gefunden werden.
Eine Zeitung, die einst den Ruf innerhalb der Linken genoß, besonders genau und wahrheitsliebend zu sein, wurde in ein Propagandaorgan verwandelt, das wichtigste Informationen unter den Tisch fallen ließ, um den gewünschten Eindruck hervorzubringen. Wir könnten uns netter ausdrücken, aber aus den manipulierten Berichten des Militant konnte die Wahrheit darüber, was in Ländern wie Iran, Polen, Afghanistan, Nord- Korea, Vietnam, Athiopien vor sich ging, nicht mehr herauslesen. Viele Parteimitglieder besorgten sich Abonnements anderer linker Zeitungen, weil sie ganz einfach nicht mehr glaubten, was die eigene Presse ihnen vorsetzte.
Wir verstehen schon das Problem, den reaktionären Propagandakampagnen, die von der Reagan-Riege und ihren Pressehunden inszeniert werden, in die Hände zu spielen. Wir haben die anti-iranische Hysterie auch erlebt, die Krokodilstränen über die sowjetische Invasion in Afghanistan, die Versammlungen, aut denen der unsägliche General Haig seine „Solidarität mit Solidarität" verkündete. Aber mit Trotzki sind wirüberzeugt, daß „nur die Wahrheit revolutionär ist" , wie er zu sagen pflegte, wenn er gedrängt wurde, Kompromisse zu machen und das Regime Stalins nicht zu kritisieren, weil die kapitalistische Presse dies sonst nutzen könnte. Wir finden, die SWP irrt sich schwerstens, so wie sie in der letzten Zeit von den Weltereignissen spricht. Sie will die Opfer des Imperialismus in Schutz nehmen, indem sie unangenehme Tatsachen, die von den Imperialisten ausgenutzt werden, verschweigt. Das Ergebnis davon wird sein, dal niemand mehr ihre Versionen internationaler Ereignisse überhaupt glauben wird.
Für eine gemeinsame Arbeit gegen einen gemeinsamen Feind
Die SWP hat in den letzten beiden Jahren einen dramatischen internen Wandel mitgemacht. Ihre Führer erklären dies mit der Bemühung, sich einerseits noch näher an die Revolutionäre Mittelamerikas und Kubas heranzuschieben, andererseits die Partei tiefer in der industriellen Arheiterkdes en 2G romakstab in die indem wichtigsten Industriezweige umgesetzt werden. Wir glauben, etwas ganz anderes ist geschehen. Seit der letzten Parteikonferenz hat die SWP die grundlegendsten Ideen der trotzkistischen Bewegung öffentlich widerrufen, in der sie 50 Jahre lang ein führender Teil gewesen war. Dieser rasche und folgenreiche Entschluf wurde niemals zur Abstimmung gestellt oder wenigstens diskutiert, und das in einer Partei, die eine lange und allseits anerkannte demokratische Tradition hatte. Eine Säuberung aller Unterstützer der Vierten Internationale und des Trotzkismus ist begonnen worden, sie werden systematisch hinausgeworfen. Die Mehrheit der Vierten Internationale wurde durch diese Entwicklung beunruhigt. Auf der Oktobersitzung der Leitungskörperschaft der Weltorganisation, des Vereinigten Sekretariats, charakterisierte eine überwältigende Mehrheit die Ausschlußwelle aus der SWP als eine gegen die Internationale gerichtete politische Säuberung und anerkannte das Recht der Ausgeschlossenen, eine neue Organisation zu bilden, die alle Rechte genießt, die aus einer brüderlichen schwesterlichen Zusammenarbeit entspringen können, soweit diese durch die reaktionäre Gesetzgebung der USA gestattet ist. Diesen Status hat auch die SWP
Solche scharten Schwenks und Wendungen und der Hinauswurt eines Großteils der älteren Generation der Partei können nur durch eine tiefreichende Erosion der inneren demokratischen Rechte erreicht worden sein. Dies wurde durch eine Erklärung, die Führung sei völlig richtig orientiert, getan; per definitionem wurden alle Kritiker zu „Feinden der Partei". (Dieses Klischee aus uralten stalinistischen Pamphleten wurde beispielsweise in Oakland, California, benutzt, um Jeff Mackler zucharakterisieren, einen der Hauptführer von Socialist Action.) Diese Einstellung konnte nicht anders, als auch auf Organisationen außerhalb von ihr überzugreiten.
In den letzten Jahren hat die SWP zunehmend jeden, der sich irgendwo im Kampf gegen die Übel des Kapitalismus befindet, als einen „Kleinbürger" bezeichnet. Ausgenommen sind davon nur die Führer weitwegliegender Revolutionen, mit denen die Parteiführung eh nicht zusammenarbeiten muß. Diese Bestimmung verschlang die Arbeit der SWP in der Frauen-, der Anti-AK W- und der Antiatomwaffenbewegung. Am Ende wurden auch die Gewerkschaften zu nichts als „kleinbürgerlichen Bürokratien" ", wo die Mitgliedschaft ja ge-
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rade hinübergewechselt war, um der „kleinbürgerlichen" Linken zu entkommen.
Die Parteimitglieder in den Gewerkschaften beschränken ihre Aktivitäten im wesentlichen auf allgemeine sozialistische Propaganda gegenüber einzelnen Kolleginnen und Kollegen. Da diese sich nicht an den gerade anstehenden Fragen des Alltagslebens der Arbeitenden oder an den Organisationen, denen sie heute angehören, ausrichtet, hat sich so eine Arbeit als wirkungslos erwiesen und der Partei nur ganz, ganz wenige Mitglieder gewonnen.
Wir stehen für einen scharfen Bruch mit dieser Politik der Selbstisolation. Wir sind bekümmert, daß so viele gute Leute in einer Organisation, der auch wir so viele Jahre widmeten, sich selber so ins Abseits manövriert haben. Wir haben hier ein besonderes Interesse, da wir zwar nicht mehr Mitglieder der SWP sind, aber zugleich mit ihr Sympathisanten derselben Weltbewegung. Dazu ist dies eine Bewegung, in der unsere Auffassungen eine starke Mehrheit haben, wenn das Kräfteverhältnis in den USA auch andersrum ist. Wir sähen lieber, wenn alle Unterstützer der Vierten Internationale in den USA in einer Organisation wären. Um diese Idee auszudrücken, haben wir beschlossen, uns als öffentliche Fraktion der SWP zu konstituieren, da diese die größere der beiden in den USA mit der Vierten Internationale sympathisierenden Gruppen ist. So drücken wir unsere Hoffnung aus, daß die Partei ihre früheren demokratischen Normen wiederherstellen, die Ausgeschlossenen als Ganzes wieder aufnehmen und eine Diskussion der falschen Linie der letzten Jahre eröffnen möge.
Wir hoffen, mit allen anderen zusammenarbeiten zu können, darunter der SWP, die sich wirklich in die Kämpfe gegen die Herren unserer Gesellschaft werfen wollen. Wenn wir auch als kleine Organisation beginnen, haben wir uns von Anfang an festgelegt, uns voll in die wichtigsten Kämpfe unserer Tage zu integrieren. Wie dieser Nummer von Socialist Action entnommen werden kann, arbeiten wir im ganzen Land an der Solidarität mit den Streikenden von Greyhound. Viele unserer Mitglieder waren vor Ort Organisator/inn/en der Demonstrationen vom 12. No- InPreKorr 162, 30.3.84 vember in Solidarität mit den Völ- Opposition gegen die US-Intervenkern der Karibik und Mittelamerikas. tion in Mittelamerika ja schon zu- Im Monongahela Valley im Südwe- standegekommen ist. sten von Pennsylvania nehmen wir an Wir sind auch davon überzeugt, der Bewegung der Arbeitslosen teil. daß nur eine Weltbewegung mit einer Wo jetzt Reagan die äußerste Rechte disziplinierten Mitgliedschaft, einer mobilisiert und die rohe Gewalt der gemeinsamen Presse und einer über- Marineinfanterie zum Einsatz bringt, greifenden Strategie hoffen kann, auf werden unsere Verpflichtungen noch Entwicklungen einzuwirken, die von dringlicher: Jede Organisation der Tag zu Tag wechselnd mal hier mal da Linken muß beitragen, was sie kann, ihren Brennpunkt haben. Daher haum die Gegenkraft der Arbeiterklasse ben wir uns dafür entschieden, unsere der USA zum tragen zu bringen. Wir Arbeit mittels Socialist Action zu tun. glauben, daß dies heute am besten Wir hoffen, daß viele von Euch noch mittels breiter Aktionseinheiten er- zu uns stoßen. reicht werden kann, wie sie in der Die Fahrer von Greyhound verteidigen sich gegen Streikbrecher und Polizei Theorie 7 J.P. Cannon isp-Theorie
Der Kampf für eine proletarische Partei
Was heißt es, eine marxistische Partei aufzubauen? Welches sind die.
organisatorischen Leitli- ISBN 3-88332-061-7 nien, an denen sich eine revolutionäre Partei der 112 Seiten, 9,50 DM Arbeitervorhut orientiert.
Was bedeutet »demokratischer Zentralismus«? Wie wird er verwirklicht?
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