Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Peru

Selbstkritik der PRT

Inprekorr Nr. 160, 20. Januar 1984 · S. 15-17 · 988 Wörter

Mexiko Bolivien, Peru und Anden

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Bei den Kommunalwahlen vom November machte die IU einen großen Sprung nach vorn, während die PRT einen Rückschlag erlitt, der als Auswirkung ihrer Bündnispolitik und ihrer Wahlkampagne anzusehen ist. Diese Resultate veranlaßten unsere Genossen, die Lage neu zu analysieren und eine wichtige Selbstkritik zu veröffentlichen, die wir hier widerge- Nicht der, der sich nie irrt, ist ein guter Revolutionär, sondern der, der fähig ist, seine Irrtumer zu erkennen und zu korrigieren.

1. Mit dem Ergebnis der Kommunalwahlen ist eine neue Lage im Lande entstanden. wichtigster Markstein für diese Wende ist der Sieg der Izquierda Unida bei den Wahlen in Lima und anderen wichtigen Städten. Es bedeutet nicht nur eine Niederlage der Regierung, sondern auch einen Sieg der Oppositionsströmung der Arbeiter und Massen gegen das Regime. Mit diesem Wahlsieg der Linken kommt die konkrete, faßbare Möglichkeit ins Spiel, daß eine Regierung gebildet werden könnte, die die Arbeiter und nicht mehr die Bourgeoisie repräsentiert. 2. Indes nimmt unsere Partei nicht teil an diesem Sieg. In Lima und in vier seiner Viertel, sowie in den Städten

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In PreKorr 160, 20.1.1984 Moliendo, Tacna, Juliaca und Arequipa stellte unsere Partei zu denen der IU alternative Listen auf. Außerdem konzentrierte sie sich im Wahlkampf auf die Kritik der IU. Ergebnis dieser Linie war, daß die PR T eine elektorale und politische Niederlage erlitt.

3. Wir sind nicht der Meinung, daß unser Irrtum nur darin bestand, die eigenen Listen nicht zurückgezogen zu haben, um die IU kritisch zu unterstützen. Wir glauben, daß der Irrtum wichtiger und tiefergehend war. Unsere Partei verfolgte praktisch seit ihrer Gründung 1978 eine dogmatische und sektiererische Linie. Sie stellte fälschlicherweise die Verteidigung revolutionärer Positionen und den Aufbau der Partei der Einheitsfrontpraxis gegenüber.

Aufgrund unserer Haltung konnten wir nicht erkennen, welche Bedeutung 1978 - 1979 die Einheitsfront FOCEP-UDP gehabt hatte. Die gleiche sektiererische Linie stand dahinter, als wir nicht mit der UDP für den Fortbestand der ARI kämpften, auch als POMR, UNIR und PCR diese 1980 verlassen hatten. Deswegen kam auch keine revolutionäre Einheitsfront zustande, wie sie damals durchaus möglich war. Genau die gleiche dogmatische Politik ließ uns 1980 in verantwortungsloser Weise abseits der IU stehen, als sich diese Koalition im September als einheitlicher Rahmen der Linken bildete. Und seither ist unsere Partei zu Unrecht außerhalb des Rahmens der IU geblieben.

4. Unsere Partei hat verstanden, daß es weder einzelne Siege noch die Revolution geben kann, wenn die Arbeiterund Massenbewegung nicht zusammenhält. Die revolutionären Positionen haben keinerlei Aussicht auf Erfolg, wenn sie nicht fähig sind, die Mehrheit in einer Einheitsfront zu gewinnen.

Die tragische Erfahrung von Grenada, wo die Spaltung der Revolutionäre die imperialistische Invasion ermöglichte, beweist am negativen Beispiel, wie richtig diese Feststellung ist. Und der Sieg der Revolution in Nikaragua, ihre Fortschritte in El Salvador beweisen diese positiv, da sie auf der Grundlage entschlossener Verteidigung der Einheit erreicht worden sind.

5. Mit der öffentlichen Selbstkritik erkennt unsere Partei an, daß die IU den Einheitsfrontrahmen für die Arbeitenden und das peruanische Volk abgibt. Deshalb muß in der IU, und nirgendwo sonst, die gemeinsame Aktion der linken Parteien vorangetrieben werden. In ihrem Schoße müssen sich die demokratischen Diskussionen und Konfrontationen zwischen den verschiedenen Linien, die es innerhalb der Linken gibt, abspielen.

Mit dieser Feststellung verpflichtet sich unsere Partei öffentlich, gemeinsam und loyal in diesem Rahmen zu arbeiten und sich für dessen Basiskomitees einzusetzen. 6. Diese Erklärung bedeutet absolut nicht, daß unsere Partei auf ihre Positionen, nämlich die des konsequenten Kampfes zur Verteidigung der Interessen der Ausgebeuteten, oder auf ihre politischen Meinungen und programmatischen Aussagen verzichtet.

Unsere Partei hat nie ihre Meinungsverschiedenheiten mit der IU versteckt, und das wird sie auch weiterhin nicht tun. Aber sie verpflichtet sich, eine ernsthafte Debatte über diese Meinungsverschiedenheiten auf der Grundlage der gegenseitigen Anerkennung und der Verteidigung der Einheit in der IU anzustreben.

Deshalb erklärt die PRT, - daß es notwendig ist, die in der IU verwirklichte Einheit auf alle Ebenen auszuweiten: die Einheitsgewerkschaft der Arbeitende aufzubauen, einen einzigen Bauernverband zu schaffen; - daß es notwendig ist, die Arbeiter- und Massenorganisationen zu demokratisieren und jegliche Form von Bürokratismus oder Vereinnahmung der Demokratie der Massen zu bekämpfen; - daß es notwendig ist, im ganzen Lande Fronten zur Verteidigung des Volkes zu schaffen, die sich auf Volksversammlungen gründen und sowohl Organe der Einheitsfront alsauch der Führung der Massenkämpfe sind,als auch zukünftige Organe der Volksmacht. Dies ist heute die vordringliche Aufgabe für die gewählten Bürgermeister der IU.

- daß die politische Unabhängigkeit der Arbeiter gegenüber den verschiedenen Alternativen der Bourgeoisie verteidigt, ein Bündnis mit der APR A also abgelehnt wird; - daß es dringend notwendig ist, vom Wahlsieg zu einem Sieg mittels Mobilisierungen über die Regierung zu kommen; - daß es notwendig ist, die Massen auf allen Ebenen auf eine Konfrontation mit dem Militär vorzubereiten, auch der der Selbstverteidigung. Das Militär wird mit allen Mitteln den Vormarsch der Arbeitenden in Richtung Machtübernahme verhindern wollen.

- daß sie überzeugt ist, daß nur durch den Bruch mit dem Imperialismus und den Beginn einer sozialistischen Umwandlung der Wirtschaft das Land aus der Krise gezogen werden kann, und daß nur durch eine Arbeiteregierung, die auf ihren eigenen Machtorganen basiert, die demokratischen und sozialen Rechte für die Massen wirklich gesichert werden können.

7. Die PRT ruft ihre Mitglieder und Sympathisanten dazu auf, in der Praxis den neuen Kurs, den wir unserer Partei geben, unter Beweis zu stellen und nicht nur ein Beispiel der Kampf- und Opferbereitschaft zu geben, wie sie das schon bisher in der Verteidigung der Interessen der Ausgebeuteten taten, sondern sich als die besten Verteidiger der Einheit der Linken und der Massenorganisationen zu zeigen.

8. Da wir die IU für den Weg zur Masseneinheit halten, beantragen wir die Aufnahme der PRT in die IU. In den nächsten Tagen werden wir unseren Aufnahmeantrag formal stellen.

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