Betriebsarbeit bei Volvo aus International Viewpoint 32, 13.6.83 Das Volvo PK W- und LK W-Werk ist Skandidersetzungen in der Gewerkschaft. naviens größte Fabrik und hat 12 bis 13 000 Frage: Wie sieht's auf den anderen Arbeiter. Göte Kilden arbeitet dort in der Ebenen der Gewerkschaft aus? LK W-Produktion, ist Vorsitzender des Gewerk- Antwort: Bei Volvo Göteborg gibt schaftskomitees seiner Abteilung, ein Führer der es insgesamt 600 gewählte Vertraulinken Gewerkschaftsopposition und ein Führer ensleute. Die Zahl derer, die davon die Opposition unterstützt, hat über der Socialistiska Partiet, der schwedischen Sektion die Jahre gewechselt. Aber wir haben der Vierten Internationale. Das folgende Interuns fest in den Apparat der Gewerkview erteilte er Tom Gustafson für International schaft eingenistet. Heute gibt es zwi- Viewpoint, unser englischsprachiges Schwester- Frage: Wie würdest Du die heutige Lage der Gewerkschaftsopposition nach zehn /ahren bei Volvo schildern? Antwort: In Prozenten ist der Einfluß der Gewerkschaftsopposition kaum auszudrücken. Die Stimmen, die sie bekommt, wechseln von Thema zu Thema und in Abhängigkeit von der allgemeinen politischen Lage. Aber beginnen wir mit den Ergebnissen der jüngsten Wahlen.
Bei den Wahlen zur örtlichen Gewerkschaftsführung stellte die Opposition nur einen Kandidaten auf, mich. Das Ergebnis war ziemlich gut, ich bekam insgesamt 35 %. Von Abteilung zu Abteilung war die Stimmabgabe für uns recht unterschiedlich. Insgesamt gab es Wahlurnen in 23 Abteilungen. In zweien davon erreichten wir die Mehrheit, darunterin der LKW-Halle, wo ich arbeite. Ich wurde als Kandidat der Gewerkschaftsopposition aufgestellt. Aber die Sozialdemokraten der Metallgewerkschaft haben die Statuten so zurechtgerückt, daß ich formal gezwungen war, im Namen meiner Partei, der SP, zu kandidieren. Die Sozialdemokraten bekamen die übrigen 65 %. Etwa 45 % der Belegschaft nahm an den Wahlen teil. Dazu muß man allerdings wissen, daß schen 75 und 100 Vertrauensleute, die bereit sind, die Opposition aktiv zu unterstützen. Sie wurden aufgrund der Organisationsgrad bei Volvo na- ihrer engen Verbindung zu den Kollehezu 100 % beträgt. en am Arbeitsplatz gewählt und ha- Kurz vor diesen Wahlen, zu Jahres- ›en ihre Posten zur Hebung der Quabeginn, gab es Vertrauensleutewah- lität der Gewerkschaftsarbeit gelen. Ich wurde zum Vorsitzenden der nutzt. größten Abteilungsbelegschaft ge- Wenn man dazu die Unterstütwählt, mit etwa 70 % der Stimmen. In zung addiert, die wir bei Konflikten dieser Abteilung machte die Opposi- mit der Betriebsleitung oder in Fration dann auch einen Durchschnitt gen der Demokratie in der Gesamtgevon 60 % und gewann die Vertrauens- werkschaft erhielten, so schätzen wir körperleitung. (Die Aufgaben von unsere Basis auf noch breiter. Vertrauensleuten und Betriebsräten Andererseits gibt es eine Reihe von fallen in Schweden zusammen, IPK.) Problemen mit der Art des Funktio- Ein solcher Durchbruch gelang auch nierens der Gewerkschaft, die unsere noch in einer anderen Abteilung. Bis Arbeit behindern. Ein Beispiel dafür: dahin hatten wir nur in der LKW- Die nationale Gewerkschatt hat unse- Montagehalle Führungspositionen re Mitgliederversammlungen aufgeinne. Aber diesmal schaffte es die Op- hoben und durch ein Delegiertensyposition, zwei Sitze in einer anderen stem ersetzt. Die Delegierten werden Abteilung zu gewinnen. In zwei wei- bürokratisch vorgewählt, zum Teil teren Abteilungen mit offenen Kan- gar ernannt. Daher haben wir auf den didaturen der Opposition erzielten Delegiertentreffen nur 10 % auf unsewir je 35%. rer Seite, während wir auf den Mit- Aber es gibt eine Anzahl von Ver- gliederversammlungen — je nachdem tretern in weiteren Vertrauenskör- worum es ging — oft Mehrheiten hatperleitungen, die stark mit uns sym- ten. Und, wie ich schon sagte, Kandipathisieren. Wohl zögern sie, an allen daten müssen sich nun unter Angabe unseren Aktivitäten teilzunehmen der Parteizugehörigkeit aufstellen. oder gar unter dem Markenzeichen Frage: Was für eine Wirkung hatte der Gewerkschaftsopposition sich eure Arbeit bei Volvo außerhalb des zur Wahl zu stellen, aber sie bieten Werks? ihr Rückenstärkung bei vielen Schar- Antwort: Die langen Jahre der Armützeln in der Fabrik oder Auseinan- beit hier und ihre Ergebnisse haben
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InPreKorr, S.12.83 die Gewerkschaftsopposition bei Volvo zu einem Faktor des politischen Lebens gemacht, dessen sich die Menschen hier in Göteborg bewußt sind, der aber auch nationale Beachtung findet.
Göteborg ist wohl Schwedens wichtigste Industriestadt. Aufer Volvo sind hier noch die Häfen, die Werften und verschiedene andere Industrien. Jeder nur irgendwie gewerkschaftlich aktive oder an der Gewerkschaft interessierte Mensch weiß von der Opposition. Seit einem Jahr ist eine Menge an Information über uns in den Zeitungen und im lokalen Rundfunk gebracht worden, besonders anlälslich der Wahlen. Viele Leute mußten also zu unserer Arbeit sich eine Meinung bilden.
Die Gewerkschaftsopposition ist eindeutig ein beliebtes Thema bei Gewerkschaftsschulungen und -konferenzen. Wo Vertreter der Opposition auftauchen, gehen die Leute auf sie zu und reden mit ihnen. Viele Leute sind schlicht neugierig, davon angelockt, daß unsere Gewerkschaftsarbeit solche Aufmerksamkeit gewinnt.
Frage: Haben sich die Bedingungen eurer Arbeit im letzten Jahr gewandelt? Antwort: Die Opposition hatte in gewisser Weise dieses Jahr bei den Wahlen ein Comeback verglichen mit der vorangegangenen Periode. Solange die bürgerliche Koalition an der Macht war, besonders gegen Ende ihrer Amtszeit, betrieb sie eine aggressiv arbeiterfeindliche Politik. Und mit der Sozialdemokratie in der Opposition hatte die mit ihr verbundene Gewerkschaftsführung Manöverspielraum. Die Opposition wurde bis zu einem gewissen Grade zurückgedrängt.
Auch die Abschaffung der Mitgliederversammlungen traf uns. Sie verringerte die Demokratie in den Gewerkschaften ernsthaft und stellte der Einflußnahme der Mitgliedschaft ein weiteres Hindernis in den Weg. Für die Gewerkschaftsopposition hieß das, nicht länger so ein Forumzu haben wie zuvor, wo wir als Vertreter verschiedener Betriebe zusammenkommen, Stellungnahmen ausarbeiten, Beiträge vorbereiten oder Vorschläge zur Orientierung der Arbeit der Gewerkschaft wie selbstverständlich machen konnten.
Der Charakter der Opposition hat sich auch im Gefolge des Niedergangs verschiedener politischer Organisationen gewandelt, die in ihr aktiv waren. Maoistische und zentristische Gruppen, die aus der Radikalisierung der 60er und 70er Jahre stammten, schmissen oft ganz einfach das Handtuch. Förbundet Kommunist löste sich sogar national völlig auf. Und die vormals recht machtvolle Sveriges Kommunıstiska Partiet (SKP) sank zu einem Schatten ihrer selbst herab. Schon seit einigen Jahren hat sie jetzt in unserer Gewerkschaft keinen Einfluß mehr.
So war es also bei den neulichen Wahlen wirklich ein Comeback. Dies reflektiert den Anbruch einer neuen Phase, der mit der Installierung einer erneuten sozialdemokratischen Regierung einhergeht. Die Stimmenverschiebung zu unseren Gunsten signalisierte ersten Protest, erstes Mißtrauen gegenüber der Politik der sozialdemokratischen Regierung. Diese hat tatsächlich schlagartig eine Serie von Maßnahmen durchgezo- Goete Kilden (DR)
gen, die sich gegen die arbeitende Bevölkerung richten: Abwertung der Krone um 16 %, Anhebung der indirekten Steuern, eine Einkommenspolitik hinter den Türen, die die Gewerkschaften zur Aufstellung niedriger Lohnforderungen bei der letzten Tarifrunde veranlaßte. Frage: Was waren denn in so einer Situation die gewerkschaftlichen und politischen Hauptthemen bei den Gewerkschaftswahlen dieses Jabr? Antwort: Nach 1976, das für die schwedischen Arbeiter das letzte „fette" Jahr war, setzte die Zeit des Reallohnabbaus ein, und diese „mageren" Jahren sind nun unter der sozialdemokratischen Regierung noch magerer geworden. Seit 1976 ist der Lebensstandard der Volvo-Arbeiter um 12 % gefallen. In der gleichen Zeit hat der Volvo-Konzern an vielen Fronten Durchbrüche erzielt: auf den Märkten für PKWs und LKWs, Schiffsmotoren, Flugzeugmotoren und Busse. Angesichts der allgemei-
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nen Krise der Automobilindustrie hat Volvo sich neue Märkte erschlossen und unerreichte Profite eingefahren. Bei den Gewerkschaftswahlen verwiesen wir auf die geschätzten Profite dieses Jahres von etwa 4 Mrd. Kronen, was 70 000 Kronen pro Volvo-Beschäftigten im Inland bedeutet. Die nationale Lohnforderung der Gewerkschatt, dıe allgemein als Vorgabe anerkannt wird, belief sich auf zwischen 2000 und 4000 Kronen. Die örtlichen Gewerkschaftswahlen führten zu einer Konfrontation, zu einem Kampf zweier Linien für die örtlichen Verhandlungen, die im März oder April beginnen sollten. Wir forderten, der Ortsverband soll-te eine Erhöhung von 3 Kronen die Stunde anstreben. Wir können wohl sagen, daf uns diese Kampagne gute Ergebnisse brachte. Die hiesige Gewerkschaftsführung mußte sich auf eine ernsthafte Debatte über den Lebensstandard der Kolleg/inn/en einlassen und war am Ende gezwungen, aus schierer Selbsterhaltung ihre Forderungen zu erheben.
Natürlich kämpften wir auch auf anderen Gebieten hart, machten insbesondere das zum Thema, was schon immer unsere Erkennungsmelodie war: Demokratie. Wir verlangten regelmäßige Berichte über den Stand der Verhandlungen, das Recht, über den Vertrag abzustimmen, bevor er unterzeichnet würde - was heute nicht der Fall ist — und Mitgliederversammlungen statt Delegiertenversammlungen, und so weiter.
Wir prangerten auch Fälle von Mandatsmißbrauch seitens der Führung an, wie den Fall der freien Kreuzfahrten nach Portugal, die für Mitglieder der Gewerkschaftsführung on der rırma bezanit wurden. 1 ef auf Annahme von Bestechung geldern hinaus.
Bei den Abteilungswahlen kam noch eine Reihe von spezifischen Fragen auf den Tisch, wie Reorganisierung der Produktion und der Umsang der Abverkshafterereten mit beitern Frage: Viele der Führer der Gewerkschaftsopposition haben politische Verbindungen, oft zur SP. Wiebeeinflußte dies die lokale gewerkschaftliche Wahlkampagne? Und wie ist das Verhältnis von gewerkschaftlichen zu umfassender politischen Fragen?
Antwort: Allein die Tatsache, daß ich sowohl als Sprecher der Gewerkschaftsopposition als auch als Mitglied der Sozialistischen Partei zur Wahl stand, hieß, daß ich eine ganze Palette darauf bezogener Fragen bei Zeitungs- und Radiointerviews autzunehmen hatte.
Es ist Allgemeingut, daß die SP die Gewerkschaftsopposition aktiv unterstützt und eine Menge ihrer Führer Parteimitglieder sind. Aber genauso bekannt ist, daß die Opposition eine offene Strömung ist. Und zwar für alle, die bereit sind, für die unmittelbar sich ergebenden Klassenforderungen einzutreten und die Gewerkschaft in eine demokratisch funktionierende und kämpfende Organisation zu verwandeln, seien sie nun Sozialisten, seien sie Arbeiter, die Sozialdemokraten gewählt haben, ihnen jedoch kritisch gegenüber stehen, oder Unabhängige.
Die größte Zeitung der Region, Göteborgs-Post, die von den meisten Volvo-Arbeitern gelesen wird, brachte ein ganzseitiges Interview mit mir und einem führenden Sozialdemokraten unter dem Titel „Zwei Linien für Gewerkschafter". Es war mir darin möglich, den konkreten Anliegen den notwendigen umtassenderen Hintergrund zu geben und auch umfassendere Lösungen vorzuschlagen, wie Nationalisierung der Banken und der Großindustrie.
Die sozialdemokratische Kampagne war ziemlich defensiv. Sie wollten jede Diskussion über Kaufkraftsenkung und Sparmaßnahmen vermeiden, kamen damit aber nicht durch. Sie zogen sich aut Beschwörungen der langen Erfahrung mit und der langen Geschichte ihrer Beteiligung an der Staatsmacht zurück. Und natürlich versäumten sie nicht, die Trumpfkarte des primitiven Antikommunismusses auszuspielen, und sprachen davon, wie unvertrauenswürdig etc wir und andere kleine Gruppen doch seien.
Frage: Kannst Du etwas detaillierter das Verhältnis von Gewerkschaftsopposition und Sozialistischer Partei bei Volvo schildern?
Antwort: Die Gewerkschaftsopposition ist nie eine Organisation gewesen. Sie hat nie sowas wie Statuten oder eine gewählte Führung gehabt, wie es für eine politische Partei normal wäre. Wir haben von der Opposi- In PreKorr, 5.12.83 tion immerals Strömung gesprochen. Ihre Aktivität war immer sehr stark von den gewerkschaftlichen Verantwortlichkeiten geprägt, die wir innehielten. Vermittels dieser sind wir fähig gewesen, eine Anzahl praktischer Initiativen zu ergreifen und so viele Kolleg/inn/en wie möglich direkt am Arbeitsplatz um die dringlichsten Tagesfragen zu sammeln, unbahängig von ihrer Parteizugehorigkeit. Ste war also ein Sammelbecken für alle, die bereit waren zu handeln. Das hieß also auch, dals ihre Stärke Ebben und Fluten kannte.
Zugleich war das Verhältnis der Opposition zu den verschiedenen politischen Kräften ständig in Bewegung. Icherwähnte schon, was mit FK und SKP geschah. Die offizielle schwedische KP, die Vänstrepartiet Kommunisterna, war ursprünglich an der Oppositionsarbeit beteiligt, fiel aber später davon ab. Heute sind ihre recht begrenzten Kräfte bei Volvo und anderen Göteborger Betrieben gegenüber der Opposition feindlich eingestellt und verfolgen eine Politik des höflichen Drucks auf die örtliche sozialdemokratische Gewerkschaftsbürokratie.
Zugleich ist die Position der Sozialistischen Partei vor Ort stärker geworde.
Daß die Aktivität der Opposition in bestimmten Perioden zurückgeht und in anderen sich ausdehnt ist erklärlich. Eine so breite Strömung hat ihre Auf und Ab in Abhängigkeit von den sie berührenden allgemeinen politischen Zuständen. In der Ebbe spielen die Parteien eine größere Rolle dabei, das Niveau der Aktivität aufrechtzuerhalten. Im Aufschwung verbreitert sich die Basis dann. Wir erlebten dies in der jüngsten Periode. Im LKW-Werk bei Volvo hat dieser Aufschwung zu einer stärkeren Einbeziehung der älteren Generation, der 40- bis 50jährigen, in die Aktivitäten der Opposition geführt. Das ist eine wichtige Entwicklung Die Mehrheit von ihnen ist ohne politische Zugehörigkeit, wenn auch die meisten von ihnen bei den Wahlen für die Sozialdemokratie gestimmt haben.
Die Mitglieder und engen Sympathisanten der SP sind darüberhinaus in einem extra Gewerkschaftsclub bei Volvo wie auch in einer Reihe anderer Betriebe im Land organi-
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InPreKorr, S.12.83 siert. Dies ist die traditionelle Form Gewerkschaftsclubs - ebenso wie der Parteiorganisierung innerhalb der der Opposition - haben Familie. Das schwedischen Arbeiterbewegung. Es müssen wir in Rechnung stellen, ist nichts Neues oder Besonderes dar- wenn wir Aktionen planen, wenn wir an. Man könnte sagen, der Gewerk- deren Inhalt, Form und Rhythmus schaftsclub ist unsere Fraktion in der festlegen. Das ist wichtig, sowohl um Gewerkschaft oder der Fabrik. Er Kolleg/inn/en zum Eintritt in den koordiniert die Aktivitäten der Par- Club zu bewegen als auch um sie zu tel, führt die Kampagnen und schult halten. So organisiert der Club Filmdie Mitglieder auf Versammlungen vorführungen und Ausflüge aufs und in Diskussionsgruppen, führt je- Land. Wir haben traditionelle Famidoch auch Freizeitaktivitäten durch. lienfeste mit Tanz und internationa- Den letzten Punkt möchte ich be- len Musikgruppen, mit Essen und potonen. Die meisten Mitglieder des litischen Ansprachen. Jedes Jahr Vertreter der FMLN bei Volvo
Am 19. Mai sprach der Vertreter der salvadorianischen Befreiungsfront FDR/FMLN Gabriel Lara vor einer Versammlung der Gewerkschaftsvertreter bei Volvo Göte- Laras Rede stieß auf großen Applaus und wurde mit einer Entschließung abgegolten, Spenden unter der Parole „Praktische Solidarität mit der Befreiungsbewegung in El Salvador" zu sammeln.
»Ich hoffe, daß dieser Beschluß im ganzen Lande Nachahmung finden wird," betonte Lara gegenüber einem Berichterstatter von Internationalen. „Ich oder jemand anders aus unserem Informationsbüro werden mit besonderer Freude vor allen solchen Versammlungen spre- Lara begann seinen Betriebsbesuch mit einer halbstündigen Rede vor einer Versammlung von Arbeitern, in der er die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiter und Bauern im vom Bürgerkrieg geschüttelten El Salvador schilderte. Unter anderem erwähnte er die langen Schlangen, die vor den Praxen der Kinderärzte warten: „Oft geschieht es, dals Kinder in den Armen ihrer Mütter sterben, ehe sie der Arzt zur Untersuchung zu Gesicht bekommt."
Weiter sagte er: „Unser Kampf geht um nationale und soziale Betreiung. In den von uns kontrollierten Gebieten haben wir vorzuführen begonnen, wie ein vom Imperialismus befreites El Salvador aussehen könnte." Die Organisation der Sozialistischen Partei bei Volvo Göteborg spendete als Einstand für die Kampagne 1000 Kronen und riet alle anderen Parteien im Betrieb auf, ihrem Beispiel zu folgen.
„Wir hoffen, unsere Genoss/inn/en im ganzen Lande üben auf so viele Gewerkschaftseinheiten wie möglich Druck aus, in die Fulstapten der Volvo-Gewerkschaft zu treten," sagte Tomas Johansson, einer der Aktivisten der SP-Organisation bei Volvo.
aus Internationalen, Zeitung der schwedischen Sektion der IV. Internationale haben wir ein Sommerlager für die Familien mit Bootsaustlügen, Kanufahrten, politischen Diskussionen usw. Kurz, wir schweißen die Politik mit dem Alltagsleben zusammen. Es war erst seitdem wir es geschafft hatten, unsere Aktivität in dieser Weise zu verbreitern und Politik zu einem natürlichen und integrierten Bestandteil des Lebens und der Arbeit unserer Kolleg/inn/en zu machen, daß wir uns in die Lage versetzten, „gewöhnliche" Volvo-Arbeiter zu rekrutieren. Wir sind mit dieser Arbeit so erfolgreich vorangeschritten, daß unser Gewerkschaftsclub bei Volvo heute etwa 50 Mitglieder hat. Frage: Welche Schlußfolgerungen haben Du und die SP aus eurer Bemühung bei Volvo und anderen Betrieben gezogen, gegen die sozialdemokratische Führung anzugehen, die immer noch nahezu total die Gewerkschaftsbewegung auf nationaler Ebene beherrscht?
Antwort: Wichtigist, nicht flatterhaft zu sein, mal dies, mal das zu machen. Wir haben eine Menge anderer Gruppen und Einzelpersonen durch den Betrieb wandern . sehen. Sie kommen von außen, sprechen auf Versammlungen, machen ihre Vorschläge, verkauten ihre Zeitungen, verteilen ihre Flugblätter und verschwinden dann schneller als sie gekommen sind. Sie tauchen auf wie die Springaufmännchen. Auf diese Art kannst du kein Vertrauen gewinnen. Wir sind da ganz anders vorgegangen. Wichtig ist, bei Volvo zu sein und zu bleiben. Wir sind hier, um unseren Lebensunterhalt zu verdienen und dabei für uns selber und andere die besten Arbeitsbedingungen herauszuholen, dann um die Kolleg/ inn/en für eine neue Ausrichtung der Gewerkschaften zu gewinnen, für ein sozialistisches Programm, um eine neue Kraft in der schwedischen Arbeiterbewegung zu etablieren. Das können wir nur mit langem Atem, bei ausgewogener Aktivität als Individuum und Gruppe über viele Jahre hinweg.
Auch wenn konkrete Gründe vorliegen, die eine oder der andere den Arbeitsplatz wechseln oder ganz ausscheiden muß, nehmen wir das nicht als selbstverständlich hin. Ein jeder solcher Fall schwächt die Arbeit und kann deshalb nur als unvermeidliches Übel betrachtet werden.
Wir bemühen uns auf allen Feldern
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um Vertrauen und, gute Arbeitskameraden zu sein, damit wir gehört werden und unsere sozialistischen Ideen verständlich machen können. Als wir bei Volvo anfingen, griffen wir beispielsweise oft Solidaritätskampagnen wie zu Vietnam auf. Aber wir konnten damit nicht die Unterstützung oder das Interesse gewinnen, das wir verdient hätten. Das meiste, was wir sagten, fand kein Gehör, weil die große Mehrheit der Arbeiter ein eingewachsenes Mißtrauen gegenüber neuen Parteien am Arbeitsplatz hatte. Sie konnten ja nicht wissen, ob sie mit uns rechnen könnten, ob wir durch dick und dünn mit ihnen gehen würden.
Heute können wir eine Bilanz ziehen. Erstens haben wir unsere Aufgaben erfüllt, unsere Verantwortung für unsere Kolleg/inn/en und für die Gewerkschaft übernommen - oft in sehr „banalen" Fragen wie Versicherung, innerbetriebliche Versetzungen, einzelne Beschwerden usw. -, sodaß wir wirklich vorangekommen sind.
Dann erwiesen wir, mit diesen Fragen auch tatsächlich umgehen zukönnen, mit den Problemen, die als Vertrauensleute und Mitglieder der Gewerkschaftsführung auf uns zu kamen, daß wir Verhandlungen mit der Firma führen und dabei etwas herausholen konnten. Daraus gewannen wir dann mehr Gehör für das, was wir auf anderen Gebieten zu sagen hatten. Jetzt nehmen sich unsere Kollegen mehr Zeit zu lesen, was wir über allgemein politische Fragen zu sagen haben, unser Zentralorgan und unsere Betriebszeitung zu lesen und auf unsere Parteiversammlungen zu kommen. Keineswegs hieß das für sie immer, dem zuzustimmen, was wir sagten, aber alle sahen, daß es sie und ihre Zukunft betrifft.
Laßt uns die Wirksamkeit unserer Solidaritätsarbeit heute und vor fünf, sechs, sieben Jahren vergleichen. Nehmen wir El Salvador als Beispiel. Auf unsere Initiative und ohne große Opposition aus irgendeiner Ecke lud die hiesige Gewerkschaftsführung Gabriel Lara, den Vertreter der FDR/ FMLN in Schweden, zu einer Delegiertenversammlung ein. Man gab ihm eine Plattform, um zur Solidarität mit dem Kampf in El Salvador aufzurufen. Er konnte eine Stunde sprechen. Danach beschlossen die Versammelten, eine sich auf ganz Volvo erstreckende Spendensammlung durchzuführen.
Das war nicht nur für die Arbeiter bei Volvo wichtig, sondern auch für die Solidaritätsarbeit in anderen Betrieben. Dort können die Leute jetzt auf unser Beispiel verweisen. Diese Initiative wäre nicht so sicher über die Bühne gegangen, hätten wir uns nicht Vertrauen erworben, eine gut etablierte Position am Arbeitsplatz. Während der ganzen letzten zehn Jahre ist wahrlich ein Sperrfeuer von Flugblättern und Zeitungen auf Volvo niedergeprasselt. Auch wir haben bei bestimmten Höhepunkten zwei Betriebszeitungen die Woche rausgegeben — als Mitglieder der Opposition und als Mitglieder der Partei. Das war alles sehr energiezehrende Aktivität. Aber es war wichtig, um das sozialdemokratische Informationsmonopol zu brechen.
In der Abteilung, in der ich arbeite, sehen wir, daß 90 % der Arbeiter unsere Blätter lesen, die wirinnerhalb und außerhalb der Fabrik verteilen. Auch wenn die Leute was wir drucken mit wechselnder Aufmerksamkeit und Kritik lesen, merken wir, daß das Klima ganz anders als zu Beginn unserer Arbeit ist. Wir werden nicht mehr nur als Einzelne betrachtet, die für was sie Gutes leisten oder den Mist, den sie bauen, alleine verantwortlich sind. Wir betreiben organisierte, kollektive Arbeit und sind in so vielen Produktionsabteilen wie möglich vertreten.
Unsere Arbeit mit der Gewerkschaftsopposition hat von Anbeginn an darauf geachtet, Sektierertum zu vermeiden. Wir haben für die Nieder- InPreKor, S.12.83 lage eines Vorschlags nach dem anderen gekämpft, wie er oft von anderen politischen Strömungen eingebracht wurden, der die Opposition in eine Art Ersatzpartei verwandelt hätte, mit eigener Disziplin, eigener Zeitschrift für politische Diskussion und andere Zwecke. Unser Argument war, daß die Opposition ihre Kraft verlöre, wenn sie darauf einginge. Wir haben darum gerungen, sie als offene, breite Strömung zu erhalten, wo jeder einsteigen kann, der bereit ist, füreine aktive, kämpferische Gewerkschaft einzutreten und das Management und die kapitulationistische, klassenkollaborationistische Gewerkschaftsführung zu bekämpfen.
Frage: Waswar denn die Trennlinie zwischen eurer Art, die Oppositionsarbeit zu entwickeln und der der anderen Richtungen?
Antwort: Wir haben immer die zentrale Rolle der Gewerkschaften in Schwedens Politik betont, ihre zentrale Rolle für die Kontrolle der schwedischen Arbeiterbewegung durch die Sozialdemokratie. Als Schlüsselelement dabei betrachteten wir die gewählten Vertreter, die der Basis nahestehen, wie Vertrauensleute, Sicherheits- oder Bildungsverantwortliche und - wo es ausreichende Massenunterstützung gibt — Positionen in Führungsgremien. Solche Funktionärsrollen sind zur Untermauerung unserer Arbeit, als Mittel der Organisierung wichtig.
Vergleichen wir das mit der Haltung einer bestimmten anderen politischen Organisation, der Kommunistiska Partiet Marxist-Leninisterna (revolutionärerna) (KPML(r)). Die Volvo workers going to demand wage rise (DR)
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Organisation hat in Europa kein Gegenstück. Sie hat im Umkreis von Göteborg etwa 1000 Mitglieder. Sie ist maoistischen Ursprungs, kann aber heute besser als zentristisch bezeichnet werden. Die KPML(r) hatte immer eine sektiererische Orientierung bei der Gewerkschaftsarbeit. Sie weigert sich, Verantwortung zu übernehmen und verfolgt eine allgemein propagandistische Linie.
Trotz ihrer anfängliche Stärke, die sie vor allem aus der breiten Vietnamsolidarität bezogen hatte, und trotz einer bewußten und konstanten Ausrichtung auf die Arbeit in der Industrie ist die APML(r) im allgemeinen dabei gescheitert und hat sich isoliert. Heute hat sie weniger Einfluß als vor einigen Jahren.
Die SP hat sich umgekehrt entwickelt. Ihre Vorgängerin hatte viel bescheidenere Anfänge, aber hat alle sich bietenden Gelegenheiten besser genutzt. Der Grund liegt nicht einfach darin, daß wir ein Ubergangsprogramm haben und sie nicht. Der Grund ist, daß sie der Gewerkschaft und den wichtigen Fragen, die sich deren Mitgliedern stellen, den Rücken kehren.
Es ist jetzt auch der KPML(r) klar, daß sie an einem Scheideweg steht, daß sie gezwungen ist, den Kurs zu wechseln. Viele von ihnen sprechen schon davon. Der Kampf, den die Gewerkschaftsopposition dieses Jahr während der Gewerkschaftswahlkampagne über die dreikronige Erhöhung der Löhne geführt hat, wird seine Fortsetzung finden. Es war eine sehr breite Kampagne, unterstützt mit einer Petition von 3500 Unterschriften. Erstmals bekamen wir dabei die Unterstützung der KPML(r). Wir hoffen, daß dies den Kurswechsel auch bei anderen Fragen andeutet. Das wäre sehr wichtig. Die Arbeit der Opposition hat auch hier ihren Effekt gehabt.
Frage: Volvo ist ein Multi, der wichtige Teile seiner Fertigung ausgelagert hat. Was kam dadurch an Solidaritätsarbeit mit Volvo-Arbeitern anderswo auf euch in der Gewerkschaftsopposition zu?
Antwort: Wie haben regelmäßig Solidaritätsfragen hineingetragen wie Vietnam oder El Salvador, aber auch solche in Zusammenhang mit Volvos internationaler Arbeitsteilung. Zum Beispiel führten wir eine Solidaritätskampagne, um die Isolation der Gewerkschaft bei Volvo in Peru zu durchbrechen. Wirgaben den Anstoß zum Solidaritätsstreik für die belgischen Volvoarbeiter. Wir haben aber Probleme, die Hindernisse zu überwinden, die direktem Kontakt zwischen Gruppen von Arbeitern, die so weit voneinander entfernt leben, im Wege stehen.
Was wir dennoch tun konnten war eine Ermutigung, in dieser Sache weiter zu machen. Heute ist es nicht schwer zu sehen, was es heißen kann, zu einer Organisation wie der IV. Internationale zu gehören, besonders wenn es dieser gelingt, ihre Mitgliederzahl, ihren Anteil von Industriearbeitern und ihren gewerkschaftlichen und politischen Einfluls zu erhöhen. Wir haben hier eine breite Basis, um an internationalen Initiativen teilzunehmen oder sie zu unterstützen, wie an der für eine kürzere Arbeitswoche, also 35-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich (oder 6-Tagewoche, wie die Forderung in Schweden popularisiert wurde). Unsere Arbeit in der schwedischen Autoindustrie kann mittels der Gewerkschaftsopposition und der Parteiclubs bei Volvo in verschiedenen Landesteilen, unseren Genoss/inn/en bei SAAB und weiteren Auto- und Flugzeugwerken als Hebel zur Stärkung der internationalen Kampagne in dieser Frage genutzt werden.
rage: beim r latz, aen volvon at bwedischen Industrie und in de schwedischen Gewerkschaftsbewegung einnimmt, hat gewerkschaftliche und politische Arbeit bei Volvo Göteborg doch darüberhinausgehende Implikationen. Die Anliegen, die ihr aufgreift und vorantreibt, die Erfolge, die ihr erzielt, haben nationale Dimension. Wie kann Parteiarbeit bei Volvo als Hebel zum Parteiaufbau im allgemeinen dienen?
Antwort: Klar gibt es eine direkte Verbindung zwischen Volvo-Arbeit und der von uns zu spielenden Rolle hinsichtlich städtischer und auch nationaler Angelegenheiten. Die Arbeit, die wir bei Volvo durchführen, findet ihre natürliche Fortsetzung in den Kampagnen der Partei in der Region Göteborg und im ganzen Land Wir werden wie unsere Kolleg/inn/en schwer von Einschnitten in den Reallohn, sozialen Einsparungen und Arbeitslosigkeit getroffen. Fragen wie Kinderbetreuung, Bildungspolitik, Medien, Umwelt, Freizeitmöglichkeiten gehen uns auch alle an. Für uns gibt es zwei Dinge, die uns als Lohnarbeiter, Mietenzahler und politische Aktivist/inn/en verknüpfen. Das eine ist die abgerundete programmatische Antwort, aus einem Guß, die wir in alle gesellschaftlichen Berei- Arbeit unserer Partei als Vertreterin terklasse in all diesen Bereichen. Mit unserer Basis bei Volvo und in Zusammenarbeit mit Aktivist/inn/en an anderen Stellen können wir den Politikern der Stadtregierungen, der Provinzregierung und der nationalen Regierung gegenübertreten. Mit unserer Basis können wir verlangen, daß die Sozialdemokratische Arbeiterpartei hinsichtlich ihrer Versprechungen vor den Wahlen von 1982 Rechenschaft ablegt, für deren Einhalten sie nahezu nichts getan haben. Wir können die Erfüllung der Wahlversprechen fordern und breite Einheitsfroten aufbauen, um die Maßnahmen zu erzwingen, von denen die sozialdemokratische Führung abgerückt ist. In dieser Art Massenarbeit erobert sich unsere Partei ihren Platz. Durch diese Arbeit können wir das Vertrauen gewinnen, das die Leute zunehmend bereiter macht, auf unsere allgemeinen politischen Positionen zu hören. Durch sie legen wir den Grundstein einer neuen sozialistischen Kraft in der schwedischen Arbeiterbewegung.