Das Eingreifen der LRT / RAL in den Streik
Alain Tondeur aus Inprecor 160, 7.11.83 Die Mitglieder der LRT (Ligue Révolutionnaire Genossinnen und Genossen im privaten Sektor des Travailleurs) bzw. der RAL (Revolutionaire die Auseinandersetzung intensiv mitverfolgten Arbeidersliga), der belgischen Sektion der Vierten und versuchten, ihren Kollegen die Bedeutung Internationale, spielten eine aktive, manchmal des Konflikts klarzumachen. Immerhin sah die sogar sehr wichtige Rolle im Generalstreik des LRT/RAL auf nationaler Ebene ihre allgemeine öffentlichen Sektors vom September. Die politische Linie in diesem geseilschaftlichen LRT/RAL-Mitglieder im öffentlichen Dienst Kampf in mehrfacher Hinsicht bestätigt, und warfen sich voll in diesen Kampf, während ihre dieser wurde so zu einen gewaltigen Ansporn für den Aufbau einer revolutionären Partei.
Als erste wurden die Eisenbahner Das Pferd nicht einem Generalstreik sowohl des der LRT in den in Charleroi begin- beim Schwanz aufzäumen öffentlichen als auch des privaten nenden Konflikt gezogen. Als sich die Sektors entwickelt werden müsse. Bürokratie noch nicht ganz im klaren Die sehr zahlreichen Gewerkdarüber war, ob sie einen Streik auf In der zweiten Phase erläuterten schaftsversammlungen auf Branchen- Landesebene werde ausrufen müssen, die LRT/RAL-Mitglieder im öffent- ebene und darunter zeigten ihnen, bemühten sich dann am Montag Mor- lichen Dienst an ihren Arbeitsplätzen daß diese Auffassung von einer grogen die RAL/LRT-Eisenbahner etwa und in ihren Gewerkschaftseinheiten, Ben Mehrheit der Gewerkschaftsmitin Gent, Antwerpen oder Löwen um dals der von den Eisenbahnern begon- glieder geteilt wurde und der Kampf eine Ausweitung des Streiks. nene Kampf alle betreffe und zu auf ein klares Ziel knzentriert werden
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mußte, das die Menschen zu mobilisieren vermochte - die Forderung, die Regierung solle alle ihre Maßnahmen rückgängig machen.
„Das betrifft nicht nur die besonderen Maßnahmen gegen die Beschäftigten im öffentlichen Dienst, sondern alle, die im Rahmen des Etats für 1984 gegen die Arbeiterklasse getrotten wurden, ," erklärten die LRT/RAL-Mitglieder im wesentlichen. Diese Ansicht bedeutete natürlich folgerichtig ein Eintreten für die Bewerkstelligung eines alle Sektoren umfassenden Generalstreiks. Die LRT/RAL-Mitglieder im öffentlichen Dienst konnten feststellen, wie sehr dieser Slogan, den unsere Partei seit Monaten propagiert hatte, dem Klima der Mobilisierungen der vergangenen Wochen entsprach. Es wäre falsch gewesen, das Pferd vom Schwanz her aufzuzäumen. Als also am ersten Tag die Eisenbahner noch alleine streikten, bestand die erste Aufgabe darin, zu einem Aufruf für den Generalstreik im öffentlichen Sektor zu gelangen.
Sobald dies geschehen war, stellten sich die Gewerkschaftsaktivist/inn/en der LRT/RAL wie alle anderen kämpferischen Gewerkschafter den Aufgaben der Organisierung des Streiks. Sie mußten ihre Arbeitskollegen motivieren und mobilisieren — wichtig, wenn der Streik nicht passıv verlaufen sollte.
Streikposten mußten organisiert werden. In vielen Bereichen, insbesondere den Eisenbahnen, liegen die Arbeitsplätze weit auseinander. Es mußte eine Koordination zwischen den verschiedenen Sektoren und den beiden Gewerkschaftsbünden hergestellt werden.
Den Streik organisieren und stärken Auf diese Probleme antworteten die Aktivist/inn/en der LRT/RAL überall: „Um den Streik so wirksam wie möglich zu machen, müssen wir beide Sektoren vereinen und organisieren." Dies wurde konkretisiert, • indem regelmäßig, manchmal täglich, Generalversammlungen der Arbeiter/innen aller Sektoren mit völliger Redefreiheit vorgeschlagen wurden. Solche Versammlungen kamen in vielen Städten zustande, in Antwerpen, Alost, Malines, Le Centre, Ath und Löwen. Und die Mitglieder der LR T/ RAL spielten dabei eine aktive, mitunter führende, Rolle.
In Malines zum Beispiel wurde aus einer solchen Versammlung ein Demonstrationszug formiert, der die Arbeiter des Rangierbahnhofs der SNCB zur Arbeitsniederlegung bewegte. In Gent, Brüssel, Lüttich und Charleroi war die Gewerkschaftsführung andererseits in der Lage, solche Versammlungen zu verhindern. Und dies zeigte Auswirkungen auf den organisatorischen Verlauf des Streiks Die weitestgehenden Organisationserfahrungen konnten in Antwerpen gemacht werden, wo ein einheitlicher Streikausschuß gebildet wurde. Genossen der RAL, unter ihnen Paul Otte, spielten dabei eine entscheidende Rolle.[1] Ausweitung auf den privaten Sektor
Die Mitglieder der LRT/RAL brachten die Frage der Ausweitung des Streiks auf den privaten Sektor in die Diskussion. Alle Kolleginnen und Kollegen erkannten dabei die tatsächliche Chance, sämtliche Kräfte der InPreKorr, S.12.83
Arbeiterklasse in Bewegung zu setzen. Doch die Aktivist/inn/en der LRT/RAL im privaten Sektor hielten dem entgegen, daß spontane Streiks ohne formellen Streikaufruf kaum zu erwarten seien. Daher konzentrierten sie sich vor allem auf die Gewerkschaften selber. Sie verlangten Versammlungen, Sitzungen der Leitungsorgane, regionale Gewerkschaftskongresse usw., um die Lage zu diskutieren und den Arbeitern eine Führung zu geben. Diese Kampagne wurde von der LRT/RAL auf allen Picket line at a Belgian railwar station i DR! [1] In einem Interview in La Gauche vom 7.10.83 erläuterte Paul Otte folgendermaßen, unter welchen Umständen dieses übersektorielle Aktionskomitee der Streikenden im öffentlichen Dienst entstanden ist: „Im Bereich Erziehung gab es schon einige Erfahrung in Sachen Aktionskomitee... Der Aufruf, ein Komitee zu bilden, wurde am Freitag, dem 16. September, auf der übersektoriellen Versammlung der Streikenden verfaßt... Die Streikposten handelten bereits spontan als übersektorielle Streikposten... Wir luden die Leute zu einer Versammlung der Streikenden im Erziehungswesen ein... Auf dieser Versammlung wurde ein Verantwortlicher für jeden Sektor sowie eine Koordinationsgruppe bestimmt. Darauf legten wir die Sache dem übersektoriellen regionalen Sekretariat vor, das sich dafür aussprach. Das Komitee war dazu da durchzuführen, was die übersektorielle Versammlung beschloß." So wurden Streikposten in sehr wichtigen Bereichen von den Beschäftigten verschiedener Sektoren des öffentlichen Dienstes gemeinsam organisiert, Wandzeitungen zur Information wurden angefertigt, eine Streikbilanz wurde dann gemeinsam aufgestellt, und schließlich wurde ein Koordinationskomitee der wichtigsten Bereiche eingerichtet, damit „in Absprache mit den Sekretären Erfahrungen ausgetauscht und die nächsten Kämpfe vorbereitet werden."
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In PreKorr, 5.12.83 Gewerkschaftsbünde, geführt. Unser Genosse André Henry spielte eine wichtige Rolle beim Streik in der Glasfabrik Glaverbel in der Region Charleroi.[2] Die LRT/RAL beteiligte sich auch als Partei, verkaufte ihre Zeitung und verteilte Flugblätter, vor allem eins, das zur Ausweitung des Streiks gegen Martens/Gol auf den privaten Sektor aufrief.
Eine klare politische Perspektive
Der tatsächliche Einfluß der LRT/RAL im Streik läßt sich nur verstehen, wenn zwei Faktoren meist im Mittelpunkt des Geschehens. Zweitens verfolgten sie eine politische Linie, die den Bedürfnissen Arbeitermassen entgegenkam und sich auf zwei Ebenen bewegte: 1. Wir stellten unmittelbare Forderungen auf, wieet wa die nach Zurücknahme aller Maßnahmen der Regierung und des Etats für 1984 in seiner Gesamtheit. „Das Geld dort nehmen, wo es ist," diese Idee wurde von uns propagiert und findet sich nun in Kreisen wieder, die weit über unsere Partei hinausgehen.
Solche Forderungen ermöglichten es uns, unserer Perspektive einer Kampfeinheit der Arbeiterklasse zwischen privatem und öffentlichem Sektor, zwischen Flamen und Wallonen, zwischen FGTB und CSC eine konkrete Gestalt zu verleihen. Da die LRT/RAL in beiden Teilen des Landes vertreten ist, waren wir im Sinne einer Förderung der Einheit in der Lage, konkrete Initiativen zur Herstellung von Kontakten zwischen flämischen und wallonischen Arbeitern zu ergreifen.
2. Wir stützten uns auf das diesen Streik kennzeichnende politische Bewußtsein und versuchten, es auf ein zentrales politisches Ziel auszurichten — den Sturz der Regierung Martens/Gol. Die Klarheit der Linie der LRT/RAL in dieser Frage brachte unserer Partei Respekt ein, und zwar nicht nur aufgrund der Rolle unserer stehenden aktiven Gewerkschafter mit Munition versorgt hat.
Der Verlauf des Streiks und vor allem sein Ende zeigen, daß es nicht möglich war, sich um die Frage einer Alternative zu Martens/Gol herumzudrücken. Viele Gewerkschafter erklärten, es sei nicht ihr Ziel, die Regierung zu ändern, sondern deren Politik. Das gilt auch sowohl für die Kommunistische Partei wie für die Arbeiterpartei Belgiens (PTB, eine Gruppe maoistischen Ursprungs). Im Kern haben PTB und KP eine ähnliche Sprache gesprochen. Jeweils auf eigene Weise haben sie die Entwicklung des politischen Bewulstseins der Arbeiter behindert. Es kann eben keine politische Wende oder eine antikapitalistische Alternative ohne einen entschlossenen Kampf zum Sturz der Regierung Martens/Gol geben. Indem sie zu einer auf die Einheitsfront der Gewerkschaften gestützte und durch einen Generalstreik an die Macht gebrachte Arbeiterregierung aufrief, hat die LRT/RAL als einzige Partei mit einer eindeutigen Antwort auf die von zahllosen Gewerkschaftsmitgliedern empfundene Sorge interveniert: „Wir alle wollen Martens/ Gol verjagen, doch was soll an ihre Stelle treten? Eine Koalitionsregierung mit der Sozialistischen Partei wird uns in keiner Weise weiterhelfen."
Die Antwort der LRT/RAL war nicht einfach propagandistisch. Sie zeigte auf, wie in den Gewerkschaften eine Kampagne aufgebaut werden könnte, um Druck aut die großen Arbeiterparteien auszuüben, die Forderungen der arbeitenden Massen zu unterstützen. Nie zuvor haben wirso viele und so tiefgehende Diskussionen über die von uns vorgeschlagene Alternative erlebt. Das wird seine Spuren hinterlassen.
Tausende Gewerkschaftsmitglieder haben die Erfahrung eines machtvollen Kampfes gemacht. Sie sind darau desillusioniert, aber nicht geschlagen hervorgegangen. Ein Prozeß weitreichenden Nachdenkens hat begonnen, in dessen Mittelpunkt eine kritische Einschätzung der Politik der traditionellen Führungen der Arbeiterbewegung, insbesondere der Gewerkschaften, steht.
Diese Führungen sind bereit, Opfer hinzunehmen, „solange sie gleichmäßig verteilt werden". Darum wollen sie keinen entschiedenen Kampf, darum wollen sie Martens/ Gol nicht stürzen. Es stellt sich also die Führungsfrage in der Arbeiterbewegung. Dieses Problem muß nun ernsthaft angegangen werden, und das erfordert vor allem eine korrekte politische Linie.
Genau diese Perspektive eines langfristigen Kampfes verweist auf die Wichtigkeit einer Stärkung der LR T/ RAL, des Aufbaus einer neuen sozialistischen Arbeiterpartei. „Ihr habt gute Ideen, aber was kann eure kleine Partei schon tun?" werden wir oft gefragt. Die Antwort darauf findet sich in der Bilanz des Streiks im öffentlichen Dienst.
(2] An die zwei Dutzend Privatbetriebe machten den Streik des öffentlichen Sektors mit. Was Glacerbel, wo man fünf Tage lang streikte, angeht, so führte André Henry, Gewerkschaftsdelegierter der excédentaires (freigesetzten Arbeiter) dieses Betriebesund Mitglied der LRT, aus: „Immerhin hat ja die Gewerkschaftszentrale FGTB im März 1982 einen Beschluß für den unbegrenzten Generalstreik gegen die Regierung Martens/Gol gefaßt. Damals waren wir isoliert gewesen. Mit dem Staatshaushalt 1984 wurde uns die Gelegenheit geboten, als Beschäftigte im privaten und im öffentlichen Bereich gemeinsam in Aktion zu treten. Wir nahmen die Gelegenheit wahr, um die Position der Gewerkschaftszentrale in der Interprofessionelle (überberuflichen Koordination) vorzubringen. Bei der allgemeinen Zentrale hatten wir am Dienstag eine Delegiertenversammlung, die sehr gut besucht war. Zu diesem Zeitpunkt waren einzelne Werke von Glaverbel schon in Streik getreten. Auf der Versammlung wurde beschlossen, von Montag, dem 28., an in Aktion zu treten, zum Endkampf — nicht aus Solidarität mit dem öffentlichen Sektor, sondern als Teil des gemeinsamen Kampfes gegen den Staatshaushalt 1984."
CHALL ERO A
Aktıvist/inn/en in der direkter Auseinandersetzung, sondern auch, weil sie die ın der politischen Diskussion
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Schweden
In PreKorr, 5.12.83 Interview mit Göte Kilden