Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Nigeria

»Ausländer raus!«

· Inprekorr Nr. 5 (155), 15. Juni 1983 · S. 26-28 · 2.546 Wörter

Afrika Frankreich Weltwirtschaft und Krise

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Der Scan dieser Nummer wird nicht veröffentlicht; vor dem Zitieren bitte das gedruckte Heft prüfen.

- von Claude Gabriel, 11. Febr. 1983 Am 18. Januar dieses Jahres befahl die Zivilregierung von Al- Probleme dem Regime bald Schwierigkeiten einbringen würde. So haji Shehn Shageri allen Fremden ohne »richtige Papiere«, das zum Beispiel die religiösen Unruhen im Norden. Land innert zwei Wochen zu verlasen. Man nimmt allgemein an, Es fällt auf, daß einer der vom Innenministerium für die Ausdaß diese Maßnahme 2 Millionen Menschen betraf, die aus Nachweisung der ausländischen Arbeiter gegebenen Gründe die angeblibarländern kommen, davon die Hälfte aus Ghana. In meinem Artiche Teilnahme von Nicht-Nigerianern an diesen Zusammenstößen kel »Die Auswirkungen des schwarzen Goldrausches...« in dieser war(). Egal ob das stimmt oder nicht, es enthüllt den Widerspruch Ausgabe der Inprekorr beschrieb ich, wie die während weniger Jaheines Staates, der sich selber als den einzigen entwickelten in re in Nigeria errichtete Ölwirtschaft den Lebensrhythmus dieses Schwarzafrika darstellt, aber zugleich die typischen politischen und Landes völlig zerrissen und tiefgehende soziale und wirtschaftliche sozialen Probleme eines rückständigen halbkolonialen Landes auf- Unstimmigkeiten geschaffen hat. Ich wollte mit diesem vor den Erweist.

eignissen verfaßten Artikel zeigen, daß die Unmenge angehäufter kennen.

Erst eine solche Entwicklung würde es erlauben, die Machtfrage in Somalia anders als klassisch mit Hilfe des militärischen Zusammenstoßes verschiedener Offiziersgruppen zu stellen, die wirre Programme haben und deren Sofortziele das Schicksal der betroffenen Bevölkerungen kaum in Rechnung stellen. Ja, die verschiedenen nationalen Fragen sind die grundlegende Tatsache, von der jede politische und soziale Entwicklung in der Region ihren Ausgang nimmt.

wollen, um eine politische Lösung zu erreichen. Mogadischu vermeldete jetzt, nicht länger den Ogaden zu beanspruchen, sondern nur die Selbstbestimmung seiner Bevölkerung zu fordern.

Ihrerseits verlangten die Äthiopier als Vorbedingung für Verhandlungen Anerkennung der Grenzen und der Prinzipien der OAU-Charta und Reparationen für den Krieg 1977/78. Darüberhinaus lassen sie sich gegenwärtig nicht in die Karten gucken und stellen den jetzgen Konflikt als rein innersomalische Angelegenheit dar.

Die Kubaner, die noch starke Kräfte im Ogaden stehen haben, halten zweifelsohne ihre Position zu dieser Frage von 1978 weiter aufrecht. Die Granma vom 26.3.1978 schrieb:

»Alle, die Afrika kennen, wissen, daß es in jedem afrikanischen Land Stämme gibt, die über die Grenzen hin-und herwechseln. Viele afrikanische Staaten haben bisher das Stadium der Stammesorganisation nicht überschritten. Wenn ein Land mit Gewalt erfolgreich ein von ihm gefordertes Gebiet sich ein verleiben könnte, wäre das ein Präzedenzfall, der zu einer Katastrophe für ganz Afrika führen würde. Deshalb haben die afrikanischen Staaten gesagt: Es kann und darf keine Neuzie hung der Grenzen geben, und die Benutzung von Ge walt, um Grenzen neu zu regeln, steht erst recht außer Debatte.«

Die Zeitung der kubanischen KP machte damit ihre Veneidigung dieses Punktes der OAU-Charta sehr deutlich. Aber anstatt das fundamentale Problem der nationalen und ethnischen Fragen und das tragische Erbe des Kolonialismus aufzugreifen, nimmt sie in einer seltsamen Anschauung vom Tribalismus als einer Art Ursünde ihre Zuflucht.

Q Kilometer 500 MALI

NIGER

Niamey TSCHAD

OBER

VOLTA • Ndjamena TOGO NIGERIA

GHANAS BENIN

Lagos

Accra , Porto KAMERUN

Lome Novo

Jaunde fähigkeit des Landes, sich selbst zu ernäh- ÖLBOOM ren, und damit in einer Steigerung der Lebensmittelimporte.

Als Nigeria am 1.Oktober 1960 seine Auswirkungen Unabhängigkeit gewann, beschränkte sich lindern, wollte die nigerianische Regierung sein Export auf drei Güter, deren Produk- die Industrialisierung vorantreiben, indem tion in drei bestimmte Regionen des Landes sie ihre Öleinnahmen reinvestierte und auf konzentriert war. Die Ölpalme kam aus dem internationalen Geldmarkt riesige Andem Südosten (Biafra), Kakao aus dem leihen machte(2). Zusätzlich hat das Regime Südwesten und die Ernuß aus dem Norden. eine Art »Grüne Revolution« ausgerufen, die der Landwirtschaft durch die Einfüh- Seit dem Beginn der siebziger Jahre rung moderner kapitalistischer Anbaumethat sich diese Bild durch das Wachstur der hoden zum Aufschwung verhelfen sollte. Erdölindustrie radikal geändert. In den sechzehn Jahren zwischen 1964 und 1980 (1) Le Monde, 19.1.1983 stieg die Ölförderung von 6 Mio. Tonnen auf 103 Mio. Tonnen. Hauptabnehmer wa- (2) Nigerias Schulden betragen etwa 10 Mrd. Dollar. Wie die meisten ölproduzierenden Länder gehört es zu ren die USA; 1980 war ihr Anteil 40,7%. den am höchsten verschuldeten. Alle diese Länder pla- Etwa 90% der Deviseneinnahmen stammen nen ihr Einkommen aufgrund einer Vorhersage über aus dem Erdöl; der Imperialismus ist auf den Barrelpreis des Ols und stehen nun vor seinem dauernden Verfall. Mexiko kalkuliert beispielsweise mit eidiesen neuen Markt scharf, um hier zu in- nem Preis von 28 Dollar das Barrel. Wenn sich diese vestieren und Aufträge für Ausrüstungsgü- Vorhersage als falsch erweisen sollte, werden wir eine ter zu bekommen. neue Panik bei den ölproduzierenden Ländern erleben, Die Veränderungen fanden ihren nega- die vor nur wenigen Jahren als die »Neureichen« in der kommerziellen Welt begrüßt wurden. Aber auch wenn tiven Ausdruck in einem schnellen Verfall der genannte Preis zutrifft, schätzt der Weltwährungsder Agrarproduktion, in einer Beschleuni- fond das Sinken des Lebenstandards in Mexiko auf 10 gung der Landflucht und wachsender Un- bis 20% in 18 Monaten. Und was wird dann erst mit Afrika sein?!

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Aber allein durch eine Teilindustrialisierung werden die Ungleichgewichtigkeiten nicht ausgeglichen werden können, die aus den gestiegenen Zinssätzen und aus dem Fehlschiag der »Grünen Revolution«

folgen. Ja, der schließliche Vernichtungsschlag entspringt dem Schmuckkästchen der nigerianischen Wirtschaft selber, der Ölindustrie. Als die weltweite Nachfrage nach organischen Brennstoffen sank, nahm die Weltwirtschaftskrise 1978 dem Erdölmarkt seinen Auftrieb. Dieser Abschwung wurde durch politische Faktoren und den Anstieg der Ölproduktion der Nicht- OPEC-Länder wie Mexiko und Großbritannien noch verschlimmert.

ÖLPLEITE 1982 fiel der Weltölverbrauch schon im dritten Jahr um 4%. 1983 wird er wohl noch weiter sinken. Für die OPEC-Länder allein, zu denen Nigeria gehört, sank der Ölverkauf in drei Jahren um 40%.

Um diesem Verkaufsrückgang zu be- Blinder Riese Nigeria (Die Zeit 7-11 Februar 1983) gegnen, haben Länder wie Nigeria in Verletzung ihrer OPEC-Verpflichtungen Billigangebote auf dem Parallelmarkt gemacht. VERZERRTE ENTWICKLUNG IN WE- Folge dieser Entwicklung war, daß ein Aber dort sahen sie sich dnn dem gnadenlo- STAFRIKA Teil der armen Bevölkerung der Nachbarsen Wettbewerb der übrigen Rohölprodu- länder nach Nigeria einzuwandern begann, zenten gegenüber, z.B. der Eigentümer der Die verhältnismäßig höhere Entwick- um dort Arbeit zu finden. Während der britischen Nordsee-Ölquellen. lung Nigerias über zehn Jahre hinweg half, glorreichen Tage des Ölbooms hieß Nigeria Der Olboom, der eine zeitlang das Ge- Kapital ins Land zu locken, das also von alle nur denklichen ausländischen Arbeitsrede über eine industrielle Entwicklung und anderen Staaten der Region abgelenkt wur- willkommen, seien es Elektriker, das nigerianische »Wunder« angeregt hat- de. Die Firma Peugeot-Südafrika z.B. ging Landarbeiter, Straßenverkäufer oder andete, ist nun versackt. Wieder einmal enthüllt sogar so weit, ein Endmontagewerk mitten re. Ein Jahrzehnt lang war dies für das nieine riesige Tragödie die Hohlheit der Ent- in Nigeria zu errichten, dessen Fahrzeug- gerianische Regime keine Problem. Man wicklungshilfeideologie, die einfach die Be- : Isstoß die Kapazität des nigerianischen betrachtete es, wie es jede Regierung in dieherrschung des Weltmarkts durch den Im- Marktes bei weitem überschritt. Es sollte ser Situation tut, als die Gelegenheit, billige perialismus und die Fähigkeit der Multis, Länder wie Kamerun, Togo und Benin mit- und unorganisierte Arbeitskräfte auszubeuden Handel zu ihrem Wohl zu manipulie- beliefern. Und das, obwohl Nigeria mit seiren, außerachtläßt. nen 100 Mio. Einwohnern schon für sich ei- Jedoch mit dem Voranschreiten der nen nicht unbedeutenden Markt darstellt. Krise befand es das Regime für nötig, drastische Kontrollen einzuführen, um eine Ansammlung von Arbeitslosen und Armen und damit soziale Explosionen zu vermei- GASTARBEITER AUS FRANKREICH IN AFRIKA den. Auf einmal »endeckte« die Regierung, eine Menge ausländischer In einer Broschüre des französischen Unternehmerverbandes CNPF war zu nicht legal nach Nigeria gekommen war. lesen, daß es Ende der siebziger Jahre 1.300.000 lohnabhängig beschäftigte Fran- schlagartige zosen im Ausland gab, davon 40 % in der Dritten Welt. großen Massen ausländischer Arbeiter war Es ist ganz interessant, deren Situation mit der Lage der Arbeiter in Frank- von einer rassistischen und chauvinistireich, die aus den nord- und schwarzafrikanischen Ländern kommen, zu verglei- schen Kampagne in den Medien begleitet, chen. In manchen afrıkanischen Ländern ist heute die französische Präsenz stär- die den Immigranten die Schuld für die Kriker als zur Kolonialzeit. Die Zahl der Franzosen an der Elfenbeinküste stieg zum se zuschob. So rief die Daily Times in La- Beispiel von 12.000 im Jahre 1960 auf 50.000 im Jahre 1982. In ganz Afrika zählte gos ihre Leser auf, dabei zu helfen, unausman im letzten Jahr 311.800 Franzosen. Allein in Schwarzafrika sind es 194.200, gewiesene Fremdarbeiter zu identifizieren! welchen 136.000 Schwarzafrikanern in Frankreich gegenüberstehen... Es überrascht vielleicht etwas, die Re- »Entwicklungshelfer« sind die wenigsten unter diesen Franzosen, ganz im gierung eines halbkolonialen Landes die Gegensatz zm Bild der Regierungspropaganda. Nimmt man das Beispiel GAbun, gleichen ideologischen Argumente und addann sieht man, dass es sich um eine regelrechte wirtschaftliche Invasion handelt. ministrativen Maßnahmen nutzen zu sehen Dieses Land zählt nur 600.000 Einwohner, aber 24.500 Franzosen. Nach der offi- wie die Regierungen der von wachsender ziellen Statistik gibt es dort nur 739 »Entwicklungshelfer«. Selbst wenn man diese Arbeitslosigkeit Zahl mal drei multipliziert, um deren Familienangehörige mit zu berücksichtigen, ischen Länder. Aber Immigranten dann sind es noch nicht einmal 10 % der dortigen Franzosen, die in diese Katego- Prügelknaben zu machen, ist das erprobte Rezept aller bürgerlichen Regierungen.

Und die übrigen 90 % der 24.500 Franzosen in Gabun? Das sind vor allem Die Mehrheit der »Illegalen« war aus Unternehmer, Direktoren von Gesellschaften, hohe Beamte des Staatsapparats, Das dortige Großhändler, freiberufliche Architekten, Rechtsanwälte, Ärzte oder leitende An- schaftschaos gab den gestellte der zahlreichen Unternehmen, die in dieser Gegend Interessen haben. Exodus nach Nigeria. Daß in beiden Län- Kein Wunder auch, wenn der größte Teil der dort investierten Kapitalien franzö- dern die offizielle Sprache Englisch ist im sisch ist, wenn der größte Handelspartner dieses Landes Frankreich heißt und Gegensatz zu den zwischen ihnen liegenden wenn es der Franc-Zone angehört - immerhin wachen 24.500 Leute an Ort und Französisch sprechenden Togo und Benin, Stelle darüber! erleichterte die Wanderung von Ghana (C. Gabriel, in Rouge vom 6. März 1983)

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Beide Länder sind außerdem eines regionalen Zusammenschlusses, der Gemeinschaft Westafrikanischer Staaten, die wegen ihres umfassenden Planes zu einer regionalen Zoll- und Wirtschaftsunion zwecks gemeinsamer Entwicklung als Musterbeispiel verkauft wurde. Jedoch begann das mächtige Nigeria ziemlich rasch, Druck auf die eh schon gefährdeten Volkswirtschaften der kleinen Länder auzuüben, mit denen es in der Gemeinschaft assoziiert ist. Besonders Schmuggel erwies sich für den nigerianischen Markt als günstig und unterhöhlte gleichermaßen die Handelsbilanzen der Nachbarländer.

In den letzten Jahren sind die Sonntagsreden über eine ökonomische Integration der Region verschärften Grenzkontrollen und Schutzzollpolitik weichen. Länder wie Ghana haben ihre Arbeitslosigkeit nach Nigeria exportiert und sich an die Hoffnung auf höhere Preise für Kakao geklammert, die sie aus dem Tief holen sollten. IN WESTAFRIKA HEISST WIRT- SCHAFTSKRISE WIRTSCHAFTSKA- TASTROPHE

Die letztlichen Ereignisse in Nigeria stehen also für eine neue Phase in der allgemeinen Krise der abhängigen Volkswirtschaften der Region. Jetzt exportiert Nigeria seine Probleme. Indem Hunderttausende Männer und Frauen, nur so gerade noch ihre Kleider am Leibe, auf den Weg geschickt werden, fällt auf die Regierung in Lagos nicht nur die Verantwortung für die wachsende Arbeitslosigkeit bei ihren Nachbarn, sondern sie schafft diesen auch die alerschwersten politischen Probleme. In einem verarmten und politisch instabilen, dauernd am Rande des Bürgerkrieges stehenden Ghana vergrößert die Heimkehr der Emigranten nur das Chaos. Le Mon de berichtete von Dörfern, die jahrelang nahezu verödet waren und nun von Leuten überquellen, die mittellos und ohne Zukunftsaussichten an ihre Heimatorte zurückgekehrt waren. Die Mehrheit der Flüchtlinge stammt aus der Mitte oder dem Osten des Landes, gehören also zum Volk der Ashanti. Auch dies kann die Krise Ghanas erschweren, da es das Feuer regionalistischer Empfindungen schürt. Zusätzlich haben Benin und Togo schweren Schaden genommen, da der Flüchtlingstrek nach Ghana diese Länder passierte. Aber kurzfristig konnten dort einige Leute von dieser Unordnung profitieren. In wenigen Tagen fiel die nigerianische Währung, der Neiras, von 315 Afrikanischen Francs auf 126 (1 Dollar = 350 fr.afr.) Aus den immensen Schlangen, die sich an den Grenzen von Benin und Togo bildeten, konnten lokale Schlaumeier so die wenigen Besitztümer erhaschen, die die Unglücklichen vielleicht noch hatten mitnehmen können und nun für eine Krume Brot abstoßen mußten.

In den letzten Jahren hat diese ungleichzeitige Entwicklung auch die nigerianische Wirtschaft selber berührt. Neben der Ölwirtschaft und einigen Schwerindustriezonen blieben die herkömmlichen Erscheinungsbilder eines rückständigen, halbkolonialen Landes erhalten. In einigen Gebieten ist Industrie kaum vorhanden; dort bearbeiten Bauern kleinste Ackerflächen. Technologie und Banksystem hängen von den imperialistischen Zentren ab. Der Abstand zwischen den Betuchten und den Verelendeten weitet sich.

Die Beschlüsse vom April 1982 zur Durchführung einer Sparpolitik haben keines dieser Probleme gelöst. Aber sie haben das Los der Armen weiter verschlimmert, also der großen Mehrheit der Bevölkerung. Zugleich behalten die Hochgestellten im Staatsapparat und in der Armee ihre Neureichenattitüde bei. Zusammen mit dem Preisverfall des Rohöls werden diese Widersprüche in einer von strukturellen Mängeln belasteten Gesellschaft eine kumulative Wirkung haben. Die Ausweisung der Arbeiter »ohne Papiere« löst diese Widersprüche nicht einen Deut. Sie verschafft nur einige Monate Aufschub.

49H Auf lange Sicht wird kein Land von dieser Krise profitieren können. Die weltweite Rezession trifft ganz Afrika schwer. Was Nigeria soeben seinen eingewanderten Arbeitern antat, kann morgen Elfenbeinküste mit den seinen aus Obervolta tun. Wir stehen heute vor den Auswirkungen einer ungleichen und kombinierten Entwicklung, die in den letzten Jahren den afrikani. schen Kontinent auseinandergerissen hat. DIE SCHULD TRIFFT DEN IMPERIA- LISMUS

Es sei daran erinnert, daß es die EG war, die im Rahmen des Abkommens von Lomé das Europdische Komitee für Industrielle Zusammenarbeit bildete. Diese Organisation ist für das Auskundschaften industrieller Investitionsmöglichkeiten zuständig. Und im Namen sogenannter regionaler Integration hat sie einige »Modell« - Länder wie Nigeria oder Elfenbeinküste gefördert.

Auf einem Kontinen, der schon 5 Mio. Flüchtlinge beherbergt, sind jetzt einige Hunderttausend hinzugekommen. Im Fernsehen konnten wir das Leiden dieser Menschen sehen, wie sie Kleiderbündel an sich drückend in Reihen standen, um auf die Erlaubnis zu warten, von einem Land ins andere zu wechseln. Wir konnten sehen, wie die Polzei Benins und Togos diese hungernden Leute mit Knüppeln zu Herden trieb. In wenigen Tagen starben Dutzende des Hungers...und einige imperialistische Länder haben den Skandal zu dämpfen versucht, indem sie ein paar Tonnen Lebensmittel für ihre Opfer runterschickten. Le Monde berichtet: »Auf diesem Kontinent der Flüchtlinge waren die Deportierten nicht von dem Unglück überrascht, das sie befiel. Einige von ihnen wurden Opfer von Brutalitäten. Viele wurden ihrer ganzen Habe beraubt. Im besten Falle sind ihre Aussichten armselig. Aber sie zeigen eher Ergebung als Zorn. Man hat sie mal wieder vertrieben. Sie sehen sich in der Heimat genauso ungewollt wie anderswo. Sie sind schlicht ohne Hoffnung.« (3) (3) Le Monde, 30. und 31.1.1983 NANTU