DER KAMPF GREIFT UM SICH
Nach Berichten aus dem Norden Thailands hat der Bürgerkrieg einen Wendepunkt erreicht (s. die "Far East Economic Review" vom 18.9.71). Bisher haben die Guerillas ihren Kampf in den Grenzgebirgen Thailands geführt, in Gebieten, die hauptsächlich von Bergstämmen bewohnt werden. Dort sind sie zwar relativ geschützt, aber von den Ebenen abgeschnitten, wo der größte Teil des thailändischen Volkes lebt. Die Regierung nutzt diesen Umstand aus) sie spielt Rasse, Religion und Landestreue hoch und versucht so, die Volksmassen vom Kampf zu isolieren.
Deshalb sind Berichte über Guerillaaktivitäten in Chon Daen, einer Stadt, die nur 250 km von Bangkok entfernt ist, so bedeutungsvoll. Am Rande der Ebene bei Chon Daen bestünde die Möglichkeit einer Kontaktaufnahme zwischen Guerillabasen im Norden und Nordwesten, und gleichzeitig ist die Stadt ein Brückenkopf für die Ausdehnung des Kampfes ins Zentrum von Thailand. Die Art, wie von den Guerillaaktivitäten berichtet wird, läßt vermuten, daß es sich nicht um ein isoliertes Gefecht handelte, sondern um die Anfänge eines neuen Guerillastützpunktes. Der Schwerpunkt der Aktivitäten lag in der Agitation und Propaganda unter den 50 000 Bewohnern dieses Gebiets, hauptsächlich armen und mittleren Bauern. Militärische Aktionen beschränken sich darauf, das Polizeiausbildungsprogramm zu sabotieren und Munition zu sammeln. Lokal ansässige Geschäftsleute gaben offen zu, daß die "kleinen 14 INPREKORR 15.1.72
Leute die schwachen Punkte im System sind, diejenigen, die arm und unglücklich sind und sowieso nichts zu verlieren haben - ob es nun Thailänder sind oder nicht" . Dieser letzte Umstand beunruhigt Bangkok. Die Regierung versucht, die Guerillaaktivitäten in Chon Daen zu verbergen und der ansässigen Bevölkerung zu verbieten, darüber mit Journalisten zu spre chen.
DER STAATSSTREICH
Welche Faktoren führten zum Novemberputsch und zur Außerkraftsetzung der Verfassung? Warum zerstörte das Militär so plötzlich die demokratische Fassade des Landes? Das Stärkerwerden der Guerillabewegung im Norden, Nordosten und Süden. Die Ausweitung der Front. Die beginnende Agitation bei den städtischen Arbeitern und die Entstehung einer Gewerkschaft. Die plötzliche Zunahme von ergewaltigungen, Diebstählen und Morden in der Hauptstadt. Der Skandal, der durch die inneren Kampfe in der Regierungspartei ( der Vereinigten Volkspartei Thailands) hervorgerufen wurde. Die Aufnahme Chinas in die UNO. Die katastrophale militärische Situation für die Rechte in Kambodscha. Eine solche Häufung unglücklicher Umstände ist selbst fur einen so starken Mann wie Prapass Charusathiara, den Premierminister, zuviel.
In der nächsten Zukunft können wir mit einem langen Kampf rechnen. Die bäuerliche Be völkerung in den großen Reisanbaugebieten wird von der Thailandischen Befreiungsarmee in zunehmenden Maße politisch organisiert werden, und auch die Stadtbevölkerung wird sich politisch polarisieren. Die Zeit arbeitet für die Revolution. (Frank Pais. Aus RED MOLE Nr. 34 / Januar 1972)