ERKLÄRUNG WESTBENGALISCHER GENOSSEN DER IV. INTERNATIO- NALE ZUM EINGREIFEN INDIENS IN BANGLA DESH +++++++++++++++++++++++++++ +++++++++++ Nachstehende Erklärung wurde vom westbengalischen Komitee der SWPI ( der indischen Sek tion der IV. Internationale) am 18. Dezember abgegeben. Sie steht in krassem Gegensatz zu dem Chauvinismus, der von der CPI( M) und der CPI an den Tag gelegt wird, die beide das Eingreifen der indischen Bourgeoisie unterstützen.
•Wir sichern den Mukti Bahini in ihrem heldenhaften Kampf in Bangla-Desh unsere unbedingte und verstarkte Unterstützung zu. Wir hoffen fest, daß sie nicht deshalb aufgeben werden zu kämpfen, weil die pakistanische Armee geschlagen ist, sondern daß sie den ununterbrochenen Kampf für ein Sozialistisches oder Rotes Bengalen fortsetzen werden. Die wahre Befreiung des Volkes kann nicht dadurch erreicht werden, daß man eine kapitalistis Regierung durch eine andere ersetzt.
Die indische Bourgeoisie, "Heldin der Befreiung' von Bangla Desh, zeigt ihr wahres Gesic in den ungeheuren Repressionen, die in vielen Teilen Indiens und besonders in Westbengo len ausgeübt werden. Wir müssen daran erinnern, daß im April dieses Jahres (71), nach der pakistanischen Invasion in Ostbengalen, als sich in Ceylon Revolutionäre gegen das Re gime von Frau Bandaranaike erhoben, Indien seine Flotten-, Infanterie- und Lufteinheiter innerhalb von 8 Stunden geschickt hatte, um die Haut von Bandaranaike zu retten. So wa ren sowohl Indien als auch Pakistan die Retter des Kapitalismus in Ceylon. Nun, da Bangla-Desh zur Wirklichkeit geworden ist, werden die indischen Herrscher niem eine andere als eine kapitalistische Regierung in Dakka dulden. Unter diesen Umständen wird eine neue Regierung in Bangla-Desh nur ein Knecht der neuen bengalischen statt der westpakistanischen Kapitalisten sein. Sie wird sich früher oder später auf die Seite des anglo-amerikanischen Kapitalismus schlagen.
Die linken Parteien in Indien haben eine frustrierende und enttäuschende Rolle gespielt. Sie sind völlig von der Welle des primitiven Nationalismus und Chauvinismus gepackt wor den. Sie ergriffen nicht die Gelegenheiten, die sich bieten, wenn zwei kapitalistische Mächte miteinander in Konflikt stehen. Sie vergaßen ganz und gar, daß Metzeleien von politischen Arbeitern vor wie nach dem 25. März unentwegt weitergeführt werden - irr Westbengalen. Der Massenmord an politischen Arbeitern in Alipore, dem Zentralgefängnis von Kalkutta, ist nur ein solches Beispiel. Wir richten an alle linken Parteien den dringenden Appell, ihren Chauvinismus aufzugeben und auf den Weg des revolutionären Sozialismus zurückzukehren.
Wir hoffen, daß die Mukti Bahini sich des Enthusiasmus und des allseitigen Jubels am 14. August 1947, dem Tag. an dem der geteilte Subkontinent die Unabhängigkeit erhielt, er innern und auch der schrecklichen Zeit danach, und daß sie vorwärts schreiten zu einem Roten Bangla-Desh. Dies würde sofort den Weg für ein Vereintes Sozialistisches Bengalen bereiten und in einer sozialistischen Revolution auf dem gesamten indischen Subkontinent gipfeln.
SWPI ( West Bengal State Committee), 18.12. 1971 S. 12 INPREKORR 15.1.72
THAILAND: DER KAMPF WEITET SICH AUS +++++++++++++ +++++ +++++++++ ++ EINE SELTENE KOMBINATION
Bangkok hat eine seltene Kombination von Gästen in den letzten Monaten erlebt. Sir Robert Thompson, Englands ureigener Beitrag zur Konterrevolution, wurde für vier Wochen ange heuert, um Ratschläge zu geben, wie dem Vorwärtsschreiten des Volkskampfes in Thailand begegnet werden könnte. Die von ihm empfohlene Strategie scheint den Akzent auf langfristig angelegte kleinere Operationen in den Dörfern zu legen, ohne grolsangelegte Säuberungs- und Zerstörungsaktionen.
Dr. Victor lonescu war ein weniger bekannter Gast. In Südostasien treten die Investoren aus den USA, Japan und anderer Industrienationen bereits in Scharen auf. Es ist wahrscheinlich, daß sich nun Rumänien zu ihnen gesellt. Thailand und Rumänien sind seit einigen Jahren gute Handelspartner, sie tauschen Seide, Kenaf, Tapioka, Kapok, Kautschuk, Säcke, Chemikalien und Maschinen. Neulich war eine rumanische Handelsdelegation unter Führung Ionescus in Thailand, die bekanntgab, dais ihre Regierung den Thailändern einen Plan zur gemeinsamen Errichtung eines größeren Chemiekomplexes unterbreiten werde. Sie wollen auch in ein neues Lastwagenwerk investieren. Außerdem sagen rumanische Experten, daß in Nordostthailand ( neben dem Süden das Hauptzentrum der Guerillaaktivitäten) genügend Salzvorräte lagern, so dais sich die Errichtung einer Fabrik lohnen würde. Die Rumänen sind bereit, dies eventuell zusammen mit thailändischen Geschäftsleuten durchzuführen. NORD UND SÜD
Niemand könnte der thailändischen Presse vorwerfen, dals sie sehr ausführlich Bericht erstattet. Trotzdem läßt sich aus den veröffentlichten Bruchstücken ein Bild zusammenreimen. Die Bauarbeiten zur Ausweitung des Straßennetzes werden standig durch Uberfalle gestört. Die betrachtet die neuen Straßen als Mittel, das die Soldaten in die befreiten Ge- Bevölkerung biete bringt, um sie zu kontrollieren und dort Steuern einzuziehen. Ein gelegentlicher Uberfall vernichtet die Ausrüstung, tötet die militarische Begiertmannschaft, und die Straße wird zur Sackgasse. Als Beispiel kann man die strategisch wichtige Mae-Sod Umphang Strecke anführen, deren Bau ein Jahr lang durch Überfälle blockiert war. wei Wochen, nachdem die Bauarbeiten wieder aufgenommen worden waren, trafen die Meo-Guerillas ein Flugzeug, das die Arbeiten schützen sollte, wodurch zwei Leute des Sicherungspersonals getötet wurden. Sofort wurden die Arbeiten wieder eingestellt. Beinahe wöchentlich wird eine ländliche Polizeistation niedergebrannt. Neulich wurden dabei vier Polizisten gefangengenommen. Sie wurden einen Tag lang über die Ziele und Methoden der Revolution unterrichtet und dann unbehelligt freigelassen. Die Behörden betrachten dies als eine besonders heimtückische Art der Kriegsführung.
Die amerikanische Anwesenheit auf Luftstützpunkten wie denen von Korat, Uborn, Udorn und Sattahip führt zu seltsamen Zwischenfallen. Ein Barmadchen von Sattahip wird erschlagen, und ein Gl kommt vors Gericht. Ein amerikanischer Armeewagen kippt in Korat um und streut Bomben vor das Kreiskrankenhaus. Wiederum in Korat sind Geschlechtskrankheiten so verbreitet, daß der Gouverneur dieser Provinz gedroht hat, alle Bordelle aus der Stadt zu verbannen. Sie schließen? Oh nein, das wäre dann doch zu hart!
Überfälle und militarische Operationen der Regierung ereigneten sich in den letzten Monaten besonders häufig entlang der Grenze mit Malaysia. Es wird berichtet, daß die kommunistische Partei Malaysias unter der Führung des legendaren Ching Peng bei den chinesischen Thais, die auf den Kautschukplantagen und in den Zinnbergwerken arbeiten, erfolgreich rekrutiert. Der Oberstleutnant Othman Harun, der das 15. Bataillon des Königlich Malaisischen Regiments kommandiert, gab in einem Interview mit der Reuter-Presseagentur einige brauchbare Kommentare. Er beschrieb, wie ein einziger Kommunist tatsächlich eine gan- DOCU
ze Abteilung malaisischer Truppen durcheinander bringen kann, indem er einen Schuß auf eine Grenzstation abfeuerte, wobei er zwar in Sichtweite war, aber zu weit, um gefroffer zu werden. "Einmal gelang es uns sogar, einen zu treffen, aber er konnte noch über die Grenze entkommen, von wo aus er uns zuwinkte" , berichtete der Oberleutnant. "Doch die Kommunisten lassen fast nie ihre Toten zurück - zumindest nicht in erkenntlichem Zustand.. Man findet selten Blutspuren - sie sind sehr klug. Sie haben Säcke bei sich, um ihre toten einzuwickeln. " Um die Verfolgung zu erschweren, kämpfen die malaisischen Kommunisten hier einen Nachmittagskrieg. Sie greifen nur nach 14 Uhr an, damit sie in der Dunkelheit verschwinden können. Nach Berichten aus Malaysia verteilt eine Guerillagruppe ihre Verwundeten auf thailändische Dörfer. Sie geben ihre Leute nie in die Stadt, um sie ärztlich behandeln zu lassen.
Von Zeit zu Zeit wird über den Mut und die Tapferkeit der thailändischen Armee in Süd vietnam berichtet. Vor kurzem wurde bekannt, daß die Zurückgekehrten zu Führern der konterrevolutionären Bataillone und Kompanien gegen ihre eigenen Landsleute ernannt werden, besonders im Norden und Nordosten. Chiang Rai, die nördlichste der thailändischen Provinzen, wird als ein "Meer des Aufruhrs" beschrieben.
Manchmal zeigt die thailändische Armee mehr Unternehmungsgeist, als man es für möglich gehalten hätte. Bei Khao Soon siod große Wolframlager, die die 'Siamerican Mining Enterprise Company' prospektieren darf. Neulich wurden Dorfbewohner, die dort nach Wofram gruben, von Polizei- und Armeechefs weggejagt, und sofort lieben sie ihre eigenen Leute graben. In Bangkok freuen sich die Barbesitzer und die Chinesen, die die großen Hotels besitzen, auf die Zeit zwischen Oktober 1971 und Januar 1972, wo in Hongkong, Sidney, Taipeh und Honolulu die 'Rest and Recreation Centers' für GI's schließen müssen, nur eine Stadt bleibt den GI's offen: Bangkok. Die 'United Nations Economic Commission of Asia and the Far East' (ECAFE) setzt ihre gute Arbeit fort und versucht, das ganze Gebiet unter Kontrolle der amerikanischen, britischen, französischen und japanischen Erdölgese//schaften zu bekommen. Seit 1949 ist der offizielle Sitz der ECAFE Schanghai, das sie aus offensichtlichen Gründen noch in demselben Jahr wieder verlassen hat. Als vorläufiger Sitz wurde Bangkok gewählt, solange bis Tschiang Kai-schek das Festland wiedererobert. Doch seit letztem Jahr wurde Schanghai unter so manchem Seufzer aufgegeben und Bangkok zum ständigen Sitz erhoben. Kein Jahr zu früh. Doch glücklicherweise besitzt die ECAFE wie auch die thailändische Regierungsklasse eine gewisse Flexibilität. Es werden bereits Pro jekte für Taiwan in Betracht gezogen.