1) Am Donnerstag, den 11. November 1971, haben sich im Kupferbergwerk von Cobriza, das der nordamerikanischen 'Cerro del Pasco Corp. gehört, sehr schwerwiegende Vorkommnisse ereignet: Acht Bergarbeiter sind erschossen worden, mehr als 20 schwer verletzt, und 55 Bergarbeiter sind ins Gefängnis geworfen worden. Das passierte im Laufe eines von 14 Gewerkschaften dekretierten Genralstreiks um ökonomische Forderungen, der 13 000 Bergarbeiter erfaßte. Auch der Rechtsanwalt der streikenden Bergarbeitergewerk schaften, Gerardo Ledesma, ist verhaftet worden.
2) Der Streik der Lehrer wurde brutal unterdrückt. Die wichtigsten Gewerkschaftsführer sind von heute auf morgen nach Europa deportiert worden; sie konnten nicht einmal ihre Koffer packen. 7 Professoren und ein Student, Rolando Breña, befinden sich zur Zeit mittellos in Madrid.
3) Der Bauernführer Hugo Blanco ist nur aus dem Gefängnis entlassen worden, um kurz darauf in Lima verhaftet und nach Mexiko deportiert zu werden.
4) Jacqueline Lobaton, Genralsekretärin des CODDEH und Witwe des von der Armee ermordeten Guerillaführers Guillermo Lobaton, sowie Nique de la Puente, Generalsekretär des Studentenverbandes von Peru, sind in Lima verhaftet worden. Das repressive Klima in Peru wird täglich drückender. Diese Repression gegen das peruanische Volk bedeutet einen schweren Angriff auf die elementarsten Menschenrechte, der umso skandalöser ist, als er von einer Regierung kommt, die sich als " populär und humanistisch" bezeichnet. Die Mitglieder des Solidaritätskomitees mit Peru protestieren energisch gegen die brutale Repression und geben ihrer Empörung über die tragischen Ereignisse des Kupferbergwerks von Cobriza, die 8 Bergleuten das Leben gekostet haben, Ausdruck. (Prof. Alfred Kastler, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, Charles Bettelheim, Daniel Guerin, Yves Montand...)
DAS MASSAKER VOM COBRIZA • BERG WERK
Das Komitee der überlebenden Pergarbeiter von Cobriza gibt bekannt: "Wir, die überlebenden Bergarbeiter des Massakers von Cobriza, von unseren Arbeitsplät zen verjagt und von 400 Polizisten der 'Guardia de Asalto' und 100 "'Sinchis" (=Anti-Guerilla-Rangers) verfolgt, wir haben uns in die Berge der Umgebung geflüchtet in Erfüllung unserer Pflichten, den Kampf für unsere Forderungen und für die Interessen unseres Landes, für unsere eingesperrten Kollegen und für das Ideal der Helden, die durch die Mörderkugeln der Regierung fielen, fortzuführen. Wir wenden uns an die 17 Gewerkschaften der Bergarbeiter der 'Cerro del Pasco Corp. ' und an alle organisierten Arbeiter sowie an das ganze peruanische Volk, um anzuprangern:
1. DIE PROVOKATION DER WERKSLEITUNG UND DER GESELLSCHAFT, DIE DIE REGIERUNG MIT IHREM SCHWEIGEN GEDECKT HAT.
Wir denunzieren die Vorfälle vom 5. November als eine von der Werksleitung und der CIA gemeinsam vorbereiteten Provokation. Unser gerechter Streik fand Unterstützung im ganzen Volk; die fünfzehn Gewerkschaften wichen nicht zurück; wir waren schon nahe am Sieg, an der Durchsetzung unserer Forderungen, und wir hofften auf die Unterstützung der Regie rung, um die Werksleitung zu entlassen. Fast alle Gewerkschaften hatten sich für uns ausgesprochen und uns ihre Unterstützung für den Streik zugesichert. Das war zuviel für die Werksleitung und die Regierung. Sie organisierten die Provokation, um einen Vorwand für die brutale Unterdrückung zu haben, indem sie erklärten, daß unsere Aktion subversiv und konterrevolutionär sei.
Die Regierung suchte nicht lange nach den Ursachen des Konflikts, sie forschte nicht lange nach, wie sich die Vorfälle abgespielt hatten, sondern unterstützte die Werksleitung in allen Punkten und wandte sich gegen die Arbeiter. Die Regierung hat nie wissen wollen, warum die Werksleitung das ganze Werkzeug und die Maschinen aus der Werkstatt, wo wir arbeiteten, wegschaffen und an einen Ort hat bringen lassen, 'Parque" genannt, wo sie überhaupt nichts zu tun haben. Die Lastwagen, die Transporter, alles wurde in diesem 'Parque' abgestellt in der Absicht, die Arbeiter, die in dieser Materialverlagerung eine Gefahr für ihre Arbeitsplätze sahen, zu provozieren. Aber die Regierung versuchte nicht einmal, über diese Provokation Nachforschungen anzustellen, sondern beschuldigte uns, die Truppen angegriffen zu haben, was völlig unwahr ist. Unsere Absicht war gewesen, eine Unterredung mit der Werksleitung zu erreichen, um zu erfahren, warum unser ganzes Material verlagert worden war. Der Führer der Guardia de Asalto, ein Hauptmann namens Hermozo, wies hochmütig unsere Petition zurück und gab den Befehl, alle Mitglieder der Delegation mit dem Gummiknüppel zu verprügeln, insbesondere unseren Generalsekretär, Pablo Inza. Als gewerkschaftlich organisierte Arbeiter haben wir uns diszipliniert verhalten. Wir wollten sofort mit dem Superintendenten Ukos sprechen. Die Yankeechefs und die anderen Ausländer des Bergwerks trafen sich in dieser Zeit in ihrer Residenz und tranken bis zum Müdewerden, während wir hungerten. In dieser Situation gab Hauptmann Hermozo den Befehl, einen Hagel von Tränengasgranaten auf uns zu werfen; einige Kollegen, die das Gas in die Augen bekommen hatten, fielen bewußtlos auf den Boden. Sofort danach eröffneten die Polizisten das Feuer auf uns, und diese Mörder, die von einer Regierung geschickt worden waren, die sich revolutionär nennt, tötete vier von uns und verwundete mehrere Dutzend. Worauf wir beschlossen, Führungspersonal des Werks gefangen zu halten, um auf diese Art und Weise zu erreichen, daß wir unsere Arbeitsplätze behalten, daß das Material wieder auf seinen angestammten Platz zurückkommt, und daß unser Leben und das der Verletzten bewahrt werde. Keinesfalls hatten wir die Absicht, unsere Gefangenen zu foltern, zu richten und zu verurteilen, wie es die Massenmedien der Knechte der Finanz und der Regierung behaupteten.
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Kollegen, ist es vielleicht schlecht, wenn man fordert, daß uns die Werkzeuge nicht weggenommen werden? daß man uns unser täglich Brot verdienen läßt? Ist es falsch, wenn wir unsere Interessen und unsere Rechte gegenüber der Werksleitung durchsetzen? Wir Bergleute von Cobriza sind nicht dieser Meinung. Jetzt habt Ihr das Wort, Kollegen der 17 Gewerk schaften des Gewerkschaftsbundes und Arbeiter von ganz Peru!
II DAS KALTBLÜTIGE MASSAKER UNTER DEN BERGARBEITERN UND GEWERKSCHAFTS - FÜHRERN.
Fünf Tage nach dieser Provokation, am 11. November, griff uns die Guardia de Asalto auf die gemeinste und feigste Art an, die man sich vorstellen kann. Ohne Vorwarnung beschoß sie uns mit Maschinenpistolen. Das geschah so: Als die Kollegen des Bauunternehmens UTAH von der Arbeit kamen, griffen die Polizisten sie an, um ihnen ihre Arbeitskleidung und ihre Schutzhelme abzunehmen. Sie verkleideten sich als Bergleute, stiegen auf einen Latwagen und drangen in unser Gewerkschaftslokal ein, ohne Verdacht zu erregen. Sie hatten ihre Maschinenpistolen versteckt, und als sie ins Lokal eintraten, zogen sie ihre Waf fen hervor und begannen zu schießen, vor allem in die Ecke, wo die Gewerkschaftsführer standen. Sie schossen kaltblütig auf uns, so als wären wir im Krieg. Unsere Kollegen fielen auf den Boden olne jegliche Möglichkeit, davonzukommen. Unser Generalsekretär Pablo Inzas Basilio wurde verletzt und stürzte ebenfalls; eine Gewehrsalve tötete ihn. Im Sterben rief er: "Raus, ihr räudigen Hunde! Es lebe die Nationalisierung der Bergwerke!" Die Guardias de Asalto begnügten sich nicht damit, auf die Arbeiter, die sich im Lokal befanden, zu schießen, sondern sie erschossen auch alle Gefangenen, die Widerstand geleistet hatten. Diese wurden ohne jegliches Gerichtsurteil erschossen, wie z. B. unser Kollege Cár denas, den sie am hellichten Tage vor den Auqen seiner Frau und seiner Kinder erschossen. Die Guardias verfolgten die Bergarbeiter und erschossen die, derer sie habhaft werden konnten. Einige von uns konnten entkommen und sich in den Bergen verstecken, wo uns die unseligen "Sinchis" verfolgen...
III MEHR ALS 25 KOLLEGEN GETOTET, 100 GEFANGENGENOMMEN, DUTZENDE VON FUH- RERN BEFREUNDETER GEWERKSCHAFTEN IM GEFÄNGNIS, ALLE GEWERKSCHAFTSLOKALE VON DER POLIZEI BESETZT.
Der stärkste Schlag von hinten war der Verrat des "gelben" Gewerkschafters Baquerizo. Die ses Individuum erklärte im Radio und in den von dem Unternehmen bezahlten Zeitungen: "Kollegen, hier handelt es sich nicht um Repression, hier handelt es sich nur um Verhaftungen. Man muß unterscheiden zwischen Repression und Verhaftungen, die aufgrund von Beschuldigungen vorgenommen werden" . Wir fragen uns: Was versteht Baquerizo unter Repression? Reichen ihm der Mord an über 25 Kollegen, die Verhaftung von 100 Bergarbeitern, die Besetzung unseres Gewerkschaftslokals und die Verhaftung von Dutzenden von Führern befreundeter Gewerkschaften nicht? Und dann wagt dieser elende Verräter noch zu behaupten: "Man muß eine Untersuchung über den Fall von Cobriza einleiten, um die eigentlichen " Was Baquerizo will, ist, daß unsere verhafteten und verwun- Schuldigen herauszufinden...
deten Kollegen von Cobriza streng bestraft werden. Sie wollen uns im Dienste ihrer Herrn auf die Knie zwingen.
Kollegen, die Stunde ist gekommen, wo Ihr, Klassenbrüder, eure Pflicht als Menschen erfüllen müßt, wo Ihr uns nicht allein und in Vergessenheit lassen dürft unter der Repression, im Elend und arbeitslos. Wenn Ihr Menschen seid, müßt Ihr verstehen und uns helfen im Kampf um:
• die sofortige Freilassung aller Gefangenen, die Wiedereinstellung aller Arbeiter und Gewerkschaftsführer und die Bezahlung der Streiktage; * eine Entschädigung für die Waisen und Witwen unserer im Kampf gefallenen Brüder und Sanktionen gegen ihre Mörder/
- Herausgabe der Gewerkschaftslokale und Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Rechte, um den Kampf für bessere Lebensbedingungen und für die Rückgabe der nationalen Reichtümer fortzuführen; - Anerkennung unseres Gewerkschaftsbundes und Fortsetzung der Verhandlungen über unsere Liste von Forderungen, die wir nicht den von Baquerizo geführten "Gelben" überlassen möchten; - Ausschluß aus unsere Reihen von Verrätern wie Baquerizo, der für die gefangenen und verletzten Bergarbeiter harte Strafen fordert.
Trotz allem sind wir sicher, daß wir den Kampf fortführen: unsere Gewerkschaft wird nicht untergehen. Diese Aufgaben müssen wir uns vornehmen wie ein Mann. Wir werden jetzt vom Verteidigungssekretär unseres Gewerkschaftsbundes, dem 17 Gewerkschaften angehören , unterstützt. Wir werden ins Bergwerk zurückkehren und den Kampf fortsetzen! Hoch mit den Märyrern von Cobriza!"
URUGUAY: NIEDERLAGE DER "BREITEN FRONT"
+++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ ++++++ Obwohl der Kandidat der "Breiten Front"' ( "'Frente Amplio'"), General Liber Seregni Mosquera, als er die ersten Wahlergebnisse erfuhr, sehr schnell die Niederlage zugab, war doch vielleicht gerade er von der Niederlage der "Breiten Front" am meisten überrascht. Am 26. November hatte er als Präsidentschaftskandidat der Volksfront in Radio und Fernsehen eine siegesgewisse Rede gehalten, so sicher war er gewesen, das Amt zu bekommen. Seregni schätzte offensichtlich die Bedeutung der grolen Demonstration vom 24. November, die von der 'Breiten Front' mit ihren Transparenten geführt worden war, falsch ein. Nach allem, was davon berichtet wird, war es die größte Kundgebung, die je in Uruguay stattgefunden hat. Die Presse in Montevideo berichtete von einer halben Million Menschen, die im Demonstrationszug mitmarschierten. Die Pariser Tageszeitung 'Le Monde' spricht von 200 000, während die 'New York Times' die Zahl auf 100 000 reduziert. Es war eine außergewöhnlich lebhafte Demonstration, die die Beobachter an die temperamentvollen Versammlungen erinnerte, wie sie an den ersten Revolutionstagen •n Havanna stattfinden. Die von den radikaleren Teilnehmern gerufenen Parolen wurden sogleich von zehntausenden von Stimmen aufgenommen und wuchsen während des kilometerlangen Zuges zu einer machtvollen Lautstärke an: "Das Volk in Waffen kann man niemals betrügen!" 'Für Land mit Sendic!" ( dem Führer der Tupamaros), "Auf die faschistische Regierung antwortet das Volk mit der Revolution!" "Weder Yankees noch Faschisten - für ein sozialistisches Amerika!"* "Kämpf, kämpf, kämpf! Hör nicht auf zu kämpfen für eine Arbeiterregierung, eine Regierung der Arbeiter und des Volkes!" Das war eine direkte Antwort auf die Flut von Lügen und die Kommunistenhetze der Anhänger des Pacheco-Regimes, die damit die 'Breite Front' einschüchtern und das Wahlergebnis beeinflussen wollten.
Jedoch schlug sich die Begeisterung der Demonstranten von Montevideo, die in ihrer Mehrzahl ziemlich jung waren, bei der Wahl nicht nieder. Das war zu erwarten gewesen. Die Wählerschaft, selbst die Arbeiterklasse, hinkt hinter den Ereignissen her und neigt dazu, eher die vergangenen Stimmungen, den gestrigen Stand des Klassenkampfes wiederzuspiegeln, und nicht die aktuellen Ereignisse. Ein weiterer Grund für die hohen Erwartungen der Organisatoren der 'Breiten Front' war der letztjährige Sieg einer ähnlichen, von Salvador Allende geführten Bewegung in Chile, der "Volkseinheit' (Unidad Popular). Im Oktober 1970, einen Monat nach Allendes Triumpf, wurden die ersten Versuche in Montevideo gestartet, eine ähnliche Bewegung ins Leben zu rufen. Die Reaktion darauf, insbe sondere seitens der Intellektuellen und der Gruppen, die von der KP beeinflußt werden, zeigte, daß die Bewegung beträchtliche Unterstützung erhalten würde. Die Hauptträger der S. 18 INPREKORR 15.1.72
'Breiten Front' sind die KP, zwei Fraktionen, die sich von der Colorado- und von der Blanco- Partei (den beiden abwechselnd regierenden Parteien) abgespalten haben, die Christlichen Demokraten, die Sozialistische Partei, eine Anzahl prominenter Intellektueller und eine Stufenleiter von Gruppierungen, angefangen von Vereinen bis zu kulturellen Zirkeln. Unter den teilnemenden Organisationen, die man zur Avantgarde zählen muß, befinden sich: - die 'Movimiento de Independientes 26 de Marzo' (=die Bewegung der Unabhängigen des 26. März, eine Gruppe, die die Richtung der Tupamaros vertritt), - die "Partido Obrero Revolucionario' ( = Revolutionäre Arbeiterpartei mit Juan Posadas an der Spitze, die manchmal wegen ihres Anspruchs für trotzkistisch gehalten wird) • und die "Partido Revolucionario de los Trabajadores' ( Revolutionäre Arbeiterpartei, eine trotzkistische Gruppe, die sich für die IV. Internationale entschieden hat, aber bis jetzt nicht als Sektion anerkannt ist).
Den Hauptanteil an der Bildung der 'Breiten Front' hatte die KP. Ihre Absicht war es, die gegenwärtige Unruhe der Bevölkerung in die sicheren Kanäle von Wahlen zu lenken. Zum klaren Beweis dafür, daß sie eher hoffte, die Rolle des Retters des kapitalistischen Systems zu spielen als die des Zerstörers, sorgte die, Führung der KP unter Arismendi dafür, daß die drei Spitzenkandidaten der "Breiten Front' auch für die herrschenden Kreise in Uruguay akzeptabel sind. Der frühere General Liber Seregni und Dr. Juan José Crottogini wurden für das Amt des Präsidenten und des Vize-Präsidenten vorgeschlagen, und Dr. Hugo Villar für das Amt des Bürgermeisters von Montevideo. Wie die trotzkistische Wochenzeitung 'La Verdad' von Buenos Aires in ihrer Ausgabe vom 29. September richtig vermerkte, stellen diese Nominierungen, auf die "Kreise der Bourgeoisie wohlwollend reagierten,... eine weitere Stufe im Aufbau der 'Breiten Front' als Variante eines für das bürgerliche System annehmbaren Reformismus " dar.
Sicher war die 'Breite Front' nicht nur eine bloße Kopie der Volksfront, wie man sie in Europa während der 30er Jahre gesehen hat. Wie jede politische Gruppe in Lateinamerika, die heutzutage Anklang beim Volke finden will, legte sie den Hauptakzent auf anti-imperialistische Politik. Ihre 30-Punkte-Plattform enthält folgende Forderungen: "Agrarreform "Verstaatlichung der Privatbanken"", "Verstaatlichung der wichtigsten Außenhandelsfirmen energische Maßnahmen auf dem industriellen Sektor, einschließlich der Verstaatlichung und "
der fleischverarbeitenden Industrie" . Aber die Anpassung der Plattform an die radikalisierte Stimmung der Massen von Uruguay ändert den Wesenszug der 'Breiten Front' nicht: die Massen vom revolutionären Weg abzubringen.
Des Polkampfese Tumem sie pielnd von Guent beinen hungreifen Fron Akeine Schwierigkeiten zu bereiten. Nur ein paar Gruppen innerhalb der 'Breiten Front' führten eigene Kandidatenlisten (außer für die Präsidentschaft und die Vizepräsidentschaft), was im demokratischen Wahlsystem Uruguays möglich ist. Die Tupamaros lehnten das ab, obwohl sie heftig dazu gedränt wurden. Durch die 'Movimiento de Independientes 26 de Marzo" ließen sie mehrmals öffentlich verkünden, daß sie ihren Anhängern die Wahl eines Kandidaten selbst überlassen würden: "Wir sind unabhängig. Und wir sind auch so organisiert. Wir streben nicht nach den Belastungen, die eine Wahl mit sich bringt. Wir unterstützen lediglich die Kandidaten der 'Breiten Front"'. Sie sagten, daß sie es als wichtiger ansähen, die große Masse der Bevölkerung zu organisieren und die kommenden entscheidenden Kämpfe vorzubereiten, als Kräfte auf die Auswahl von Wahlkampfkandidaten zu verschwenden. Die "Partido Revolucionario de los Trabajadores' (PRT) verfolgte einen anderen Kurs. Die PRT begann erst vor 2 Jahren als eine sehr kleine Gruppe von Trotzkisten. Ihre intensiven Aktivitäten würden auch einer wesentlich größeren Gruppe Ehre machen, und sie erreichte ermutigende Erfolge; unter anderem gelang es ihr, eine eigene Druckerei einzurichten. Im letzten Abschnitt des Wahlkampfes veröffentlichte sie neben ungeheuren Mengen von Flug blättern oine 6 bis 8-seitige Wochenzeitung, 'Tendencia Revolucionaria'. Als die 'Breite
Front' im Oktober 1970 zun. ersten Mal ins Gespräch kam, entschied sich die PRT, eine aktive Haltung ihr gegenüber einzunehmen. In der ersten Phase, während der zahlreichen Zu sammenkünfte, die überall abgehalten wurden, um über das Programm der Front zu disku tieren, schlugen die Genossen der PRT ein trotzkistisches Programm vor, in dem sie demo kratische und Ubergangsforderungen besonders betonten, und setzten sich dafür ein, die Plattform in demokratischer Diskussion den Massen zur Abstimmung zu stellen. Sie gewanne ten Front' viel Zustimmung, aber sie waren nicht stark genug, um die KP daran zu hindern, der "Brei ihre eigene Plattform aufzuzwingen. Genauso verhielt es sich bei der Frage der a nicht tank nue. Kandidaten, wo die PRT dafür eintrat, Arbeiter aufzustellen. Sie betonte die Notwendigkeit für die Arbeiterklasse, ihre eigenen Kandidaten aufzustellen und kritisierte heftig die KP, weil sie die "Convención Nacional de Trabajadores , den nationalen Gewerkschaftsver band, nicht aufforderte, an der "Breiten Front' mit einer eigenen Kandidatenliste teilzunel men. Wieder war die PRT nicht stark genug, um ihre Position durchzusetzen, obwohl sie au Versammlungen, wo sie auftrat, sehr viel Zustimmung fand.
Als die Organisatoren der 'Breiten Front' Seregni und Crottogini aufstellten, entschied sich die PRT dafür, eine eigene Kandidatenliste aufzustellen. İn dem Wahlsystem von Uruguay war dies nur möglich mit einer der 'Breiten Front untergeordneten Kandidatenliste. Aber wäh rend alle Gruppen eigene Kandidaten für Lokalamter oder Senatorenposten oder Abgeordne tensitze aufstellen konnten, bestimmte die Fuhrung der 'Breiten Front', daß keine Gruppe Kandidaten für die Präsidentschaft, für die vizeprasidentschaft und für das Amt des Bürgermeisters von Montevideo afustellen durfe außer Seregni, Crottogini und Villar. Dadurch wurde Avantgardegruppen wie der PRT das Recht genommen, ihre proletarische Opposition gegen Seregni deutlich zu machen. Die PRT beugte sich, da sie sonst von der Wahl ausge• schlossen worden ware, und druckte auf den Wahlzetteln, auf denen sie ihre Arbeiterkandi daten aufführte, neben den Namen Seregni, Crottogini und Villar die Parole: "Die Befrei Meiner Ansicht nach war dies ein Fehler. Es war mehr als nur ein taktisches Problem, denn ein Wahlzettel mit Seregnis Namen bedeutete, die Wahler aufzufordern, für ihn zu stimm das heißt für die bürgerliche Führung der 'Breiten Front'. Es wäre besser gewesen, zu vers chen, das undemokratische Verfahren als skandalös hinzustellen und zu vermeiden, einen Wahlvorschlag herauszugeben, auf dem der Name eines Mannes stand, dessen Programm vo lig dem der PRT zuwiderläuft. Natürlich ist es schwer, vom Ausland her einzuschätzen, we ches Gewicht Seregnis Name in Uruguay tatsächlich besitzt. Zwar hat sich die PRT in ihrer Wahlpropaganda in keiner Weise für Seregni eingesetzt; trotzdem bleibt die objektive Be deutung, die die Hereinnahme der Namen Seregni, Crottogini und Villar in die Liste der 'Arbeiterkandidaten' hat, bestehen.