Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Warum der Generalstreik scheiterte

· Inprekorr Nr. 97, 15. Februar 1979 · S. 19-21 · 1.229 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Bolivien, Peru und Anden

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Hugo Blanco: Warum der Generalstreik scheiterte Wir veröffentlichen nachfolgend ein Interview mit Hugo Blanco, in dem er eine vorläufige Bilanz der peruanischen Situation nach dem Generalstreik, der zum 9., 10. und 11. Januar ausgerufen worden war, zieht.

Der Streik war von Beginn an schwach. Am ersten Tag legten nur 30 bis 40% der Arbeitenden ihre Arbeit nieder. Am zweiten Tag haben viele mit dem Streik aufgehört, und die CGTP hat daraufhin beschlossen, den Streik zu beenden. Es gibt verschiedene konjunkturelle Gründe dafür, warum der Streik sich so ungenügend entwickelt hat. Die Regierung war gut darauf vorbereitet, mit ihm fertig zu werden, sowohl auf politischer als auch auf repressiver Ebene. Ziel des Streiks war es gewesen, ein Bündel von wirtschaftlichen Maßnahmen der Regierung abzulehnen. Diese hat einige der Maßnahmen wieder rückgängig gemacht. Sie dekretierte eine Lohnerhöhung, die zwar nicht den Notwendigkeiten der Arbeitenden entspricht, aber sie doch demobilisiert, weil sie den Eindruck erweckt, die Ziele des Streiks seien erreicht. Es ist nicht das gleiche, einen Streik unter diesen und nicht unter den vorher bestehenden Bedingungen vorzubereiten und durchzuführen.

Außerdem ließ die politische Vorbereitung der Streikaktionen aufgrund der Festtage zu Jahresende, die vor kurzem stattfanden, sehr zu wünschen übrig. Januar ist in dieser Hinsicht ein schlechter Monat.

Man muß aber auch einen internen Faktor envähnen, der auf die Organisierung von Anfang an einen großen Einfluß gehabt hat: das sektiererische Verhalten der Stalinisten, die die Führung der CGTP in der Hand haben. Denn im Gegensatz zu dem, was während des letzten Streiks im Juli 1978 geschehen ist, ist diesmal keine einheitliche Führung all derer, die den Streik vorbereiteten, aufgestellt worden. Diesmal weigerte sich die peruanische KP, ihre Aktionen mit denen, die nicht mit ihren Positionen einverstanden waren, zu koordinieren. So hat sie sich von Anfang an von den „clasista"-Gewerkschaften

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(d.h. sie sich ausdrücklich auf den Klassenkampf beziehen) von Lima und den Tendenzen, die mit den Kräften links von der KP zusammenarbeiten, getrennt. So fanden Versammlungen in den Fabriken und ganz allgemein all die Aktionen, mit denen man einen Streik vorbereitet, nicht statt. Wie wurde die Repression eingesetzı? Ja, die Regierung dagegen hatte sich sehr gut vorbereitet. Lange vor den vorgesehenen Streiktagen hat sie eine rüde Einschüchterungskampagne auf allen Ebenen vom Stapel gelassen, wie man das bisher bei Streiks nie erlebt hat. Panzer und Soldaten gaben der Stadt Lima und anderen Städten das Aussehen totaler Militarisierung, und gleichzeitig lief über Radio und Fernsehen eine Propagandaoffensive, in derem Verlauf hekanntgemacht wurde. die Repressionskrafte hatten ie facto „die Erlaubmus. zu toten".

Die Leute haben nicht Lust, zu sterben. und sie bekamen es mit der Angst zu tun. Kleinere Mobilisierungen tz.B. in Comos, nördlich von Lima) fanden am ersten Streiktag statt. Ähnlich geschah auch in anderen Sektoren, aber am zweiten Tag waren die Aktivitäten für den Streik sehr reduziert.

Außerdem sind vor dem Streik Hunderte von Leuten verhaftet worden. Die Mehrzahl ist wieder frei, aber 44 sitzen noch unter der Anklage, die Staatssicherheit" zu gefährden.

Ind wie hat sich diese Repression auf di ewegung auseewirkt Wir hatten bei dieser Gelegenheit es zudem mit dem riesigen Druck zu tun, den die wirtschaftliche Flautesituation mit ihrem Schwanz von Auswirkungen auf die Arbeiterklasse ausübt. Die Entlassung von Dutzenden, von Hunderten von Führer der Fabriken und der Arbeiterbewegung hat die Bewegung ziemlich getroffen. Die Arbeiter fürchten die Arbeitslosigkeit, und sie waren der Meinung, daß die von den Unternehmern gesicherten Lagerbestände ihnen erlauben würden, den Auswirkungen des Streiks ohne weiteres standzuhalten. Auch deswegen sind viele nicht in den Streik getreten.

Und welche Haltung hat did des sieis. eingenommen?

Die linken Abgeordneten haben ihn selbstverständlich unterstützt. Sie haben sich gegen die repressiven Maßnahmen der Militärregierung gewandt. Die APRA war genutzt, um zu verhaften und die Arbeiter schlimmer als je und unterstützte die anzugreifen. 44 Genossen sind im Gefang Regierungsmaßnahmen von Anfang bis nis aus Gründen der „Staatssicherheit". zum Ende. Sie stimmte den Antrag, den unter anderem Alfonso Barrantes, der Streik zu unterstützen und die Aufhebung Präsident der UDP. Auch Mike Kelly, ein des Ausnahmezustandes zu verlangen, amerikanischer Journalist, wurde ins Genieder. fängnis gesteckt und der Einmischung in Die Linke (ODP, FOCEP, KP, die bei- die „inneren Angelegenheiten Perus" beschuldigt, weil er über das, was hier pasden Fraktionen der PSR und die Christdemokratie) haben sich von dieser Sitzung sierte, informierte. der Konstituierenden Versammlung zu- Wie ist die Situation der PRT?

rückgezogen. Die APRA organisierte „Geheimsitzungen", auf denen man Unsere Partei war im Streik aktiv. Man eigentlich nur die sowieso allbekannten sah und spürte, daß sie dabei war. Dort, Maßnahmen, welche die Regierung gegen wo wir konnten, haben wir zusammen mit den Streik vorbereitete, diskutierte, sowie der POMR, einer anderen trotzkistischen die „Gefahr eines Krieges zwischen Peru Organisation, an der Vorbereitung und und Chile", eine typische Ablenkungs- Unterstützung des Generalstreiks geartaktik. beitet. Wir haben uns dafür eingesetzt, daß sich die FOCEP ein strukturiertes Wie ist die Situation heute? organisches Funktionieren gibt. Das ist auf der Ebene ihres Exekutivkomitees Die APRA kündigte an, daß die Wahlen schon geschehen. Es hat begonnen, einige für eine neue Regierung im Oktober statt- Initiativen zu diskutieren und einzuleiten, finden würden. Die Diktatur geht so vor, aber zur Wahlkampagne gab es noch keine weil sie den Übergang zur Zivilregierung Diskussionen und keine definierte Posiso durchführen will, wie er mit der Bour- tion. Es wird eine wichtige Gelegenheit geoisie ausgehandelt wurde. Sie will ihr sein, den Manövern der Bourgeoisie zu Ansehen für die Wahlen behalten, aber begegnen, die die Arbeiterbewegung zu wird weiterhin allen Aktivitäten der demobilisieren sucht. Linken auf den Fersen sein. Sie haben den „Notstand" ausgerufen und ihn aus- 15. Januar 1979 PRAWDA BEKOMMT DEMOKRATIE - UNTERRICHT IN PERU Auf einer Pressekonferenz des peruanischen Staatschefs General Morales erhielt der Prawda-Korrespondent Vadim Listov, als er die Trotzkisten angriff, von dem lateinamerikanischen Gorilla eine Lektion in Sachen „Demokratie":

Vadim Listov (Prawda): , Ich möchte versuchen wie meine Kollegen mich so kurz wie möglich zu fassen. Deshalb habe ich meine Frage aufgeteilt. Erstens: die Zeitung LA CRONICA veröffentlichte einen Bericht über die subversiven Aktivitäten, die die Vierte Internationale in Peru durch ihre Gruppen ausführt. Was ist ihre Meinung, Herr Präsident, ihre Meinung als peruanischer Staatschef zu diesem Problem?" Der Präsident: „Erstens habe ich nicht frisch in Erinnerung, was Sie aus dieser Zeitung angeben. Aber aus dem, was Sie mir davon sagen, kann ich mir ein Bild machen. Erstens bezeichnen wir im Rahmen des politischen Pluralismus , den diese Regierung ausgerufen hat (und ich hoffe, daß die nächste Regierung die gleiche Haltung einnehmen wird) es nicht als Subversion, wenn das Volk zusammenkommt, um politische Diskussionen zu führen, über welche Ideen auch immer das sein mag. Das ist keine Subversion. Eine Versammlung ist noch keine Subversion, egal mit welchen politischen Ideen." Vadim Listov (Prawda): ,,Was betrachten Sie dann als subversive Handlungen?"

Der Präsident: „Subversives Handeln ist, wenn es gegen das Leben, das physische Wohlergehen irgendeines Peruaners gerichtet ist... Wenn etwas zerstört wird, das z.B. zur Produktion dient oder Arbeit bietet glücklicherweise sind wir in Peru weit von einer solchen Situation entfert - das ist Subversion, ist subversives Handeln. Wenn etwas gegen eine Person, gegen welche quch immer - kapitalistisch, sozialistisch gegen die Freiheit einer Person getan wird. Ist das nicht Subversion?" Aus EL COMERCIO (Lima) vom 15. Oktober 1978

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