der Wirtschaft, die Teng Hsiao-ping als die 'vier Modernisierungen' anpreist. Kein Monat ohne neue Angriffe des Vizepremierministers gegen die Erbschaft Maos und diejenigen, die sich gegen Teng Hsiao-pings Politik zur Wehr setzen. Was das politische Personal betrifft, so wurde General Wu Teh, Burgermeister von Peking seines Postens enthoben und wurden mehrere Provinzkader kaltgestellt, so vor allem in Liaoning, dessen neuer Erster Sekretär an die Front des ideologischen Kampfes getreten ist: „Die Praxis ist das einzige Kriterium der Waluheit", und trotzdem „versteifen sich einige Genossen in der falschen Meinung. das Gedankengut Mao Tse-tungs bilde ein Kriterium der Wahrheit" (Le Monde. 3.Oktober 78). Das berühmte Rote Büchlein des Vorsitzenden Mao wird heutzutage als Sammlung verdummender „Maxime", ", die aus ihrem logischen Zusammenhang losgelöst seinen, denunziert. Es scheint sogar, daß es eingestampft wird! Als Spezialist 'kleiner bedeutungsvoller Worte' ließ Teng Hsiao-ping durchblikken, daß die Wiedervereinigung mit Taiwan „nur auf friedlichem Wege und erst in ferner Zukunft verwirklicht würde" halb einer Kommune vervielfacht werden, indem das Bankkreditsystem eine wichtigere Rolle erhält, indem die Fabriken weiter spezialisiert werden und man von der Bourgeoisie die Regeln effektiver Betriebsführung iemt..
Zu letzterem Zweck sollen denn auch 10 000 Studenten nach Japan geschickı werden. Sie sollen nicht in Studentenheimen wohnen, sondern bei Familien, um im direktem Kontakt besser die goldenen Regeln der kapitalistischen Geschäftsführung in sich aufsaugen zu können. Teng muß jedoch mit dem lebendigen demokratischen Geist der chinesischer Massen rechnen, und er erklärte darum, von nun an würden die Betriebskader bis hinauf zum Abteilungsleiter von den Arbeitern ihrer Einheit gewählt. Doch seine liberale Maske fiel, als er vor 2 000 Delegierten des Gewerkschaftskongresses am 11. Oktober bekanntgab, ,die Arbeiter müssen ihre glorreiche Tradition der harten Arbeit, der Selbstverleugnung und der Disziplin weiterentwickeln, ohne Murren Arbeitsplatzwechsel hinnehmen und ihre Fabrik ebenso in ihr Herz schließen wie ihr Heim". Die Gewerkschaften müssen ihre Mitglieder im Geist des Respekts gegenüber einer äußerst zentralisierten administrativen Führung. . . und gegentober 78).
Teng Hsiao-ping steckt inmitten einer riesigen Operation zur bürokratischen Rentabilisierung der Produktion. Seine Politik wird aber auf Widerstand stoßen. nicht nur seitens der Arbeiterschaft, die die Rolle der Fabrikdirektoren anders auffassen könnte als Teng Hsiao-ping, sondern auch seitens der Bürokratie. Denn seine Politik zielt auf eine völlige Änderung der Art der bürokratischen Herrschaft über das Land: die Führungskader der Wirtschaft erhalten eine neue Rolle, und die Vertragsbeziehungen zwischen den Wirtschaftseinheiten werden verallgemeinert und ausgebaut. Eines muß man ihm aber lassen: er arbeitet unheimlich schnell.
Doch die Vorgänge in der Sowjetunion und den osteuropäischen Staaten haben aufgezeigt, wie schwierig es ist, diese riesigen Apparate der bürokratischen Staaten zu reformieren. Die Öffnung gegenuber Japan sowie der zunehmende Wirtschaftsaustausch mit dem kapitalistischen Weltmarkt wird als unvermeidbare Folge Teng Hsiao-pings gesamter Politik längerfristig tiefgreifende Folgen mit sich bringen und neue politische Konflikte innerhalb des Regimes beschleunigen. Die verkappte Opposition zwischen Hua Kuo-feng und Teng Hsiao-ping könnte vor allem die Befürchtungen gewisser Sektoren der Bürokratie wiederspiegeln, die vor dem abenteuerlichen' Marschkurs Teng Hsiao-pings auf die 'Modernisierungen' zu Angst haben.