Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Segen Washingtons und der Geldbeutel der Zaibatsu

Inprekorr Nr. 95, Januar 1979 · S. 11-12 · 845 Wörter

Japan und Korea China Sowjetunion USA und Kanada

Unkorrigierter maschineller Text (OCR). Jede Seite verweist auf ihren Scan; vor dem Zitieren bitte dort prüfen.

UND DER GELDBEUTEL DER ZAIBATSU der Entlarvung der Kapitulationen der sowjetischen Diplomatie und ihrer sogenannten 'Entspannungspolitik". Die Wende in der internationalen Politik Pekings zeigte sich danh offen erst nach der Kulturrevolution, als Partei- und Staatsapparat wieder gefestigt waren - muf man daran erinnern, daß das zu Lebzeiten von Mao und unter seiner Autorität geschah? Schon 1971 bekam man einen Geschmack davon, als Nixon nach Peking eingeladen wurde, wahrend die Bomben auf Indochina regneten, oder als die Regierung Bandaranaike von Ceylon ausdrücklich unterstützt wurde zu dem Zeitpunkt, wo sie die JVP und Tausende ihrer Anhänger im Blute erstickte. 1974 legte Teng Hsiao-ping auf der Tribüne der UNO eine neue Erfindung dar: die Theorie' der 'drei Welten'. Es ging nicht nur darum, die 'Großen' zu denunzieren, sondern auch zu behaupten, daß das 'sozialistische Lager' zu existieren aufgehört habe. Bald wurde deutlich, daß die beiden 'Supermächte", 1974 noch auf die gleiche Ebene gestellt, nicht mit gleicher Heftigkeit denunziert wurden: die Sowjetunion wurde als 'aufsteigende imperialistische Macht' zum 'Hauptfeind' erklärt. Die Ideologie paßt sich den Notwendigkeiten der Diplomatie an und ordnet sich den bürokratischen Interessen unter. Man unterstützt also auch die militärische Intervention des französischen Imperialismus in Afrika, nach der chinesischen Führung ein Beispiel für das angestrebte Bündnis zwischen der 'zweiten' und der 'dritten' Welt gegenüber der Sowjetunion. ..

Mit dem Friedens- und Freund. schaftsvertrag beweist Tokio keinesfalls politische Unabhängigkeit gegenüber Washington. Erst 1971, nachdem die chinesisch-amerikanischen Beziehungen aufgetaut waren, hatte sich Japan seinem Nachbarn auf dem Kontinent geöffnet. Es war der feste Wille der USA, die regionale Rolle Japans zu verstärken, denn nach ihrer Niederlage in Indochina woll. ten sie die "Verteidigung der Freien Welt' nicht mehr allein besorgen. Durch die sowjetische Seestreitmacht im Pazifik stark beunruhigt, drangen die Pentagon- Strategen auf eine Verstärkung der japanischen Streitmacht. Damit lassen sie achselzuckend die entschieden pazifistische Verfassung Japans außer acht. Denn das imperialistische Japan hat im südostasiatischen Raum eine wichtige Rolle zu spielen: es muß den Diktaturen und den neokolonialen Regierungen unter die Arme greifen.

Washington und Peking halten es für illusionär, gegenüber den zwei anderen 'Riesen' ein Gleichgewicht zu halten, sondem beiden geht es darum, den "Hauptfeind' zu bestimmen. Beide haben die Sowjetunion dazu auserkoren, und somit ist es auch kein Wunder, wenn sich die Ziele Chinas und der USA auf internationaler Ebene heute so oft begegnen und sich so ähnlich sind. Natürlich kommen auch die japanischen Kapitalisten auf ihre Kosten. Es liegt auch in ihrem Interesse, die japanische Streitmacht ihrer wirtschaftlichen Stärke anzupassen. Intensive Fraktionskämpfe durchziehen heute die LDP; es geht um die Wahl des zukünftigen Partei. Premierministers. Die chinesische Freundschaft nimmt in diesem internen Krieg eine Schlüsselstellung ein. Darum konnte Fukuda auch die Einwände eines großen Teils seiner eigenen, traditionellerweise pro-Taiwan eingestellten Fraktion zum Schweigen bringen. Die japanischen Kapitalisten setzen große Hoffnung in den Karrikatur von MANUEL, erschienen in der kubanischen Zeitschrift GRANMA am 23. Juli 1978 wachsenden Austausch zwischen China und Japan.

Schon im Februar schlossen die beiden Länder einen achtjährigen Handelsvertrag, wobei es um 20 Milliarden Dollar ging. Weitere Vetträge über 5 Milliarden sind schon vorher abgeschlossen worden. Die Februar-Verträge werden um S Jahre verlängert werden, der Wert des vorgesehenen Austauschs wird vervierfacht. Soeben hat Japan einen weiteren Vertrag unterzeichnet: Es geht um den Bau eines Eisenkomplexes in Hopei, der jährlich 10 Millionen Tonnen Eisen prodizieren soll und damit eines der großten Werke der Welt sein wird. Darüberhinaus beteiligt sich Japan am Bau eines weiteren Komplexes in der Region von Shanghai und an der Modernisierung eines Stahlwerkes nahe Peking. Natürlich muß noch ein delikates Problem geregelt werden: die Finanzierung der chinesischen Importe. Peking ließ die Bereitschaft durchblicken, vom internationalen Kreditsystem Gebrauch zu machen und auch Kredite ausländischer Re. gierungen anzunehmen: eine spektakuläre politische Entwicklung. Doch noch ist nichts entschieden. China schlägt zudem vor, mit Ölexporten zu bezahlen. Theoretisch wären die Japaner sehr daran interessiert, denn sie möchten ihre Energielieferanten diversifizieren. Doch das chinesische Erdöl ist von minderer Qualität. Die japanische Industrie hat nicht die nötigen Einrichtungen, um dieses Öl zu raffinieren. Dazu müßte sie kostspielig investieren.

Trotz Regierungsversprechen von 7% Wirtschaftswachstum für 1978 läßt der Aufschwung auf sich warten. Der chinesische Markt bietet eine ungeheure Möglichkeit und betrifft Schlüsselsektoren der Wirtschaft wie die Eisenindustrie. Das Spiel ist es wert, gewagt zu werden, wie Susumu Awanokara in der Far Eastern Economic Review' vom 3. November schrieb: „China steckt inmitten einer massiven industriellen Revolution, die beträchtliche Exportvolumen aus Japan und anderen Fabrik- und Ausrüstungs- Lieferanten aufnehmen wird; die Erfolgsaussichten scheinen groß genug, daß die Ausländer darauf setzen."

Seite 12

Produktion estehen kLe Monde, 14. 0k. Produktion erzienen DIE 'VIER MODERNISIERUNGEN' DES TENG HSIAO-PING Für die chinesische Führung sind es nicht nur die Erfordernisse des Kampfes gegen den 'Sozialimperialismus", die sie zur Öffnung gegenüber Japan treibt. Es ist vielmehr die logische Entwicklung einer bürokratischen Rationalisierungspolitik