S. 14 Said Akli
Algerien
S. 19 Jim Atkinson
Zimbabwe
S. 23 Fernando Casals
Mozambik
S. 31 Livio Maitan
VR China
Till Gelst/Winfried Woll von Till Geist und Winfried Wolf WIR SPIELEN mit Beitragen von Heinz Brandt und NICHT MIT IM Ernest Mandel
ATOMVEREIN! 128 Seiten DM 7,- Mit Beitragen von Heinz Brandt & Ernest Mande KONKRAN
ISP-Verleg KON DANNEY
I S P - Verlag GmbH, Speicherstr.5, 6 Frankfurt/M Druck: Fuldaer Verlags-Anstalt, 64 Fulda
Auflage dieser Nummer: 1600 ABONNEMENTSPREISE
Jahresabonnement DM 42.- Halbjahres-Abonnement DM 22.- Lieferung erfolgt nach Eingang des Betrages auf eines unserer Konten: Bank für Gemeinwirtschaft Frankfurt Nr.1601515000 (500 101 11) Postscheckkonto Frankfurt Nr. 333 86 - 606. Presserechtlich verantwortlich: H.Achterberg, Frankfurt/Main Ein großer Schritt vorwärts:
FUSION VON INPRECOR UND INTERCONTINENTAL PRES Die Redaktion von Inprekorr solidarisiert sich mit dem nachstehenden Editorial von Joseph Hansen aus der Ausgabe von 'Intercontinental Press' vom 21. November 1977. Ab Januar 1978 wird die englischsprachige Ausgabe von Inprecor gemeinsam mit Intercontinental Press in New York herausgegeben werden. Die anderen Ausgaben von Inprecor (französisch, spanisch,deutsch) werden dies in ihr Impressum aufnehmen.
Es wurde Übereinkunft erzielt, die Ressourcen von INTER- CONTINENTAL PRESS und der neglischen Ausgabe von INPRECOR (Internationale Presse-Korrespondenz), deren Redaktion ihren Sitz in Paris hat und die 14-tägig auf französisch spanisch und deutsch sowie englisch erscheint. Die vereinigte Zeitschrift wird sich in ihrer Arbeit bemühen, die revolutionär-marxistischen Positionen, die von Inprecor und Intercontinental Press verteidigt wurden, weiterzuentwickeln. Ein Leitartikel in der ersten englischen Inprecor- Ausgabe vom 9.Mai 1974 stellte fest, es sei ihr Ziel, "analytische Artikel, Dokumente von Sektionen der Internationale und ihrer Leitungen zu publizieren, sowie die anderer revolutionärer Organisationen, Nachrichten aus der Internationalen Arbeiterbewegung; sowie bibliographische Informationen zur Erleichterung der Untersuchungsarbeit der Mitglieder. INTERCONTINENTAL PRESS begann in Paris unter dem Namen World Outlook. Es war ein Ergebnis der Überwindung der jahrzehntelangen Spaltung der trotzkistischen Weltbewegung. Seine Ziele, wie in einem Leitartikel der ersten Ausgabe vom 27.September 1963 festgelegt, waren die folgenden:
"Das Hauptziel von World Outlook ist, spezifische politische Analysen und Interpretationen wichtiger Ereignisse für die sozialistische und Arbeiterpresse zu liefern. Untersuchungen und Einschätzungen kompetenter Autoren, die politisch ungebunden sind, werden ebenfalls regelmäßiger Bestandteil sein. Wir werden keinerlei offizielle oder inoffizielle Zensur akzep tieren, noch werden wir irgendetwas aus parteilichen Gesichts punkten zurechtbiegen. Unsere Verpflichtung gilt der Bericht erstattung der Wahrheit, so genau wie wir sie herausfinden können, ohne Beschönigung und Verleumdung." Der Zusammenschluß der englischen Inprecorr und Intercontinental Press folgt auf die Überwindung verschiedener interner Differenzen in der trotzkistischen Weltbewegung. Diese Errungenschaft demonstriert die Fähigkeit der IV.Internationale und der Organisationen, die mit ihr übereinstimmen, eine harte interne Auseinandersetzung ohne Spaltung auszutragen. Ein Ergebnis davon wird größere Geschlossenheit und Stärke gegenüber den Aufgaben sein, vor denen die revolutionäre Bewegung steht.
Ein wichtiger Fortschritt dieses Zusammengehens wird die vergrößerte Zahl unserer Korrespondenten sein, was eine bessere Berichterstattung über internationale Ereignisse ermöglicht.
Wir sehen darin auch die Notwendigkeit, den Umfang der vereinigten Zeitschrift zu erhöhen. Diese Möglichkeit jedoch hängt ab von der Reaktion unserer Leser, sowohl in finanzieller Unterstützung als auch steigender Verbreitung. Die Vereinigung der beiden Zeitschriften wird einige Monate in Anspruch nehmen. Der endgültige Zusammenschluß ist für Januar vorgesehen.
Wir betrachten den Zusammenschluß als einen wichtigen Schritt vorwärts für die trotzkistische Weltbewegung, und wir meinen, daß die inhaltliche Verbesserung in den kommenden Monaten unsere Leser davon überzeugen wird. 21.November 1977 Joseph Hansen
3- TREDI
MUR:
Zur Verteidigung angetreten LATEINAMERIKA
Der neue Kurs der Revolution Der Militärputsch in Argentinien markiert das Ende eines Zyklus ökono- Wir veröffentlichen nachfolgend den mischer kapitalistischer Entwicklung Leitartikel einer neuen mexikanischen Lateinamerikas , im Laufe dessen die Zeitschrift mit dem Titel "Coyoacan", politische Macht des bürgerlichen Staadie zu ihrem Direktionskomitee insbe- tes sich in gesellschaftlicher Hinsicht sondere den Genossen Adolfe Gilly sowie auf die Allianz eines hegemonialen verschiedene revolutionäre Intellek- Sektors der nationalen Bourgeoisie tuelle, Mitglieder und Nicht-Mitglie- mit dem Proletariat und anderen ausgeder der IV.Internationale, zählt. Der beuteten Schichten der Bevölkerung Leitartikel bringt einen Gesichts- stützte. Das bedeutet nicht, daß diepunkt über einen Gegenstand, der heute ser Zyklus in anderen Ländern nicht in der lateinamerikanischen Avantgarde schon früher zu Ende ging, oder daß breit diskutiert wird. er sich nicht unter beschränkteren Wir stimmen nicht notwendigerweise mit Fome n in manchem anderen verlängert. allen Positionen dieses Artikels überein. Wir werden v.a. zwei Divergenzen Es bedeutet, daß in dem band, das die unterstreichen: wir glauben nicht, daß fortgeschrittenste kapitalistische Ent- . sich in Kuba ein Prozeß des Aufbaus wicklung Lateinamerikas erlebt hat, wo • des Sozialismus vollzieht; dieses Land das Proletariat am besten organisiert bleibt an eine Anfangsetappe des Über- • und sozial am mächtigsten ist, die Übergangs zwischen Kapitalismus und Sozia- . lebensmöglichkeiten dieser Klassenallianz lismus gebunden. Wir glauben auch nicht, unter bürgerlicher Hegemonie sich erdaß die lateinamerikanische Arbeiter- schöpft haben, auch wenn der Einfluß klasse in ihrer Gesamtheit auf einem der bürgerlich nationalistischen Ideo- Niveau eines (politisch) "nationalis- logie im Denken der Arbeiterklasse in tischen Bewußtseins" (bürgerlich oder der politischen Form des Peronismus kleinbürgerlich) blockiert ist. fortdauert. Daß dieser Zyklus in dem Eines der Hauptkennzeichen des ver- fortgeschrittensten Land ein Ende findet, gangenen Jahrzehts ist genau die fat- impliziert, daß die Möglichkeiten sache, daß wichtige Sektoren des eines neuen Aufschwunges oder einer lateinamerikanischen Proletariats - Renaissance des bürgerlichen Nationainsbesondere in Chile und, unter einer lismus in gesamt Lateinamerika veranderen Form in Argentinien - in brei- schwunden sind. Dennoch verschwinden tem Maße begonnen hatten, dieses die bürgerlich nationalistischen Ten- Niveau zu überwinden. denzen nicht automatisch von der politischen Szene; sie können eine Rolle
in neuen Krisen in der Abwesenheit einer proletarischen Führung spielen. Der Aufstieg und der F™ll der bürgerlichen nationalisischen Regimes mit Massenbasis, deren Modell der argentinische Peronismus war, haben ihre hauptsächlichen Wurzeln in dem unlösbaren Widerspruch zwischen den Grenzen ihrer ökonomischen Möglich keiten in der aktuellen internati Situation und der Unmöglithkeit, durch ihre Politik und ihre Methoden die Arbeiterklasse zu integrieren. Illein ein neuer Aufschwungzyklus der kapitalistischen Wirtschaften , dessen Voraussetzungen gegenwärtig inexistent und nicht zu sehen sind, und einer exzessiven Verlängerung der Verzögerung der Bildung einer Arbeiterführung könnten die Möglichkeiten eines sukünftigen Aufschwungs des bürgerlicher Nationalismus schaffen.
Aber wir wiederholen, daß diese Variante heute als die entfernteste und unwahrscheinlichste Variante erscheint. Der Aufrechterhaltung der kapitalistischen Akkumulationsrate wirken zwei antagonistische Kräfteentgegen: der Fall der Wachstumsrate der abhängigen Wirtschaften in Lateinamerika und der Widerstand des Proletariats und der Massen (die sich der Organisationen, die unter den nationlistischen Regimes gebildet wurden, bedienen, auf die sich wiederum diese Regimes in dem relativen Widerstand gegen den' Imperialismus stützen) gegen die Versuche, ihre Errungenschaften und ihr Lebensniveau in Frage zu stellen, was die Aufrechterhaltung der Akkumulatinsrate erfordern würde. Hinter diesen antagonistischen Kräften interveniert in Wirklichkeit eine Reihe von Faktoren, um eine Änderung der Formen und der Methoden der Organisation der kapitalistischen Akkumulation und die Beibehaltung des politischen und sozialen Rahmens des kapitalistischen Systems in Lateinamerika durchzusetzen.
Die wesentlichen dieser Faktoren sind die folgenden:
a) die weltweite Krise des Kapitalismus, das Ende des langen Booms der Nachkriegszeit, der in Lateinamerika mit dem Antritt der nationalistischen bürgerlichen Regierungen zusammenfiel und ihre Allianz mit den Massen ermöglicht hat, der Anfang einer neuen langen Rezessionswelle von 1968-70 an in der kapitalistischen Weltwirtschaft; b) das ökonomische Wachstum des Lagers der Arbeiterstaaten, trotz ihrer inneren Krisen und den fortbestehenden ökonomischen Unausgeglichenheiten, mit einem globalen Rhythmus, der schneller ist als der des kapitalistischen Lagers in seiner Gesamtheit, auch wenn das letztere an der Spitze bleibt in den fortgeschrittensten Sektoren der Wirtschaft und der Technologie; c) die Schwierigkeit und die Beinah- Unmöglichkeit der abhängigen bürgerlichen Wirtschaften Lateinamerikas, die Errungenschaften der technologischen Revolution zu übernehmen und zu integrieren und die rapide Ver tiefung ihrer technologischen Unterlegenheit gegenüber dem Imperialismus und insbesondere der Metropole USA zu verhindern ( die Auswirkungen dieser wachsenden Unterlegenheit sind ganz besonders schädlich, insbesondere in den lateinamerikanischen Ländern, wo die Entwicklung am fortgeschrittensten und das Proletariat am mächtigsten ist); d) die globale Reorganisation der imperialistischen Strategienach der Niederlage in Vietnam 1973-75 , die sich als Hauptziel die Verstärkung der Bastionen des Kapitalismus (USA, Westeuropa, Japan) gesetzt hat und die sich daher bemüht hat, die ökonomische, politische und v.a. militärische Unterwerfung der Sicherheitszone des Imperialismus voranzutreiben, die Lateinamerika in Funktion der Ziele dieser global gegen das
Lager der Arbeiterstaaten und des europäischen Proletariats gerichteten Strategie ist; e) die organisatorische und programmatische Entwicklung der Arbeiterklasse trotz der Ungleichheiten und ihrer offensichtlichen spaltungen zwischen den einzelnen Ländern , die einerseits mit dem aus der Industrialisierung resultierenden numerischen und sozialen Wachstum einherging und . andrerseits mit dem objektiven ( und subjektiven)Einfluß der Entwicklung der Arbeiterstaaten, dem Fortschritt der Weltrevolution und den Kämpfen des europäischen Proletariats (v.a. in Italien, in Spanien und in Portugal); das drückt einen Prozeß des globalen Aufschwungs des spezifischen Gewichts und des Bewußtseins des Proletariats im Rahmen der internationalen Situation aus.
Diese fünf grundlegenden , aber nicht ausschließlichen, Faktoren resultieren in eine Änderung des Kräfte verhältnisses zwischen der nationalen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse in Lateinamerike , die je nach Land, nach dem Niveau der Organisation und des Bewußtseins der antagonistischen Klassen verschiedene Formen annimmt. Aber - allgemein gesprochen- befindet Rechte der Grund für die soziale Krise. Ohne diesen Widerstand, ohne dieses "unelastische" Element wäre diese Reorganisierung ganz kalt mit der Durchsetzung von Arbeitslosigkeit, Lohnabbau, globaler Reduzierung des Lebensniveaus der Massen - was alles notwendig zur Aufrechterhaltung der kapitalistischen Akkumulationsrate notwendig gewesen wäre - durchgeführt worden. Nicht in der Ökonomie, sondern im Klassenkampf muß die Begründung für die Tiefe der sozialen Krise und ihres heftigen Ablaufes gesucht werden - auch wenn natürlich ihre letzliche Ursache wirtschaftlich ist. Aber das erklärt nicht ganz unmittelbar die terroristischen Diktaturen: es ist die Un fähigkeit der Regierungen der nationalen Bourgeoisie, den Massen neue Konzessionen zu machen , oder mangles dieser sie zu integrieren und ihren Widerstand zu verringern. Das Inde des nationalistischen bürgerlichen Kurses
Unter den neuen internationalen, lateinamerikanischen und nationa- Len, bestehenden Bedingungen stellte dieser Widerstand des Proletariats die Aufrechterhaltung des kapitalistischen Akkumulationsrhythmus sich der determinierende Faktor für die sozialen Krisen, die den Antritt der militärisch-polizeistaatlichen Dikta turen im Süden des Kontinents ermöglichten, nicht in dem Auftreten eines "neuen Modells der kapitalistischen Akkumulation" , das aus der Kombination der ökonomischen Entwicklung mit der kapitalistischen Krise und der technologischen Revolution resultieren würde - im Widerspruch zu dem, was verschiedene ökonomistische In- 'terpreationen des Marxismus vorgeben. Es ist der Widerstand der Arbeiterklasse gegen die Wiedereinrichtung der kapitalistischen Wirt schaft in Lateinamerika auf Kosten ihrer sozialen Errungenschaften und in Frage. In letzter Instanz stellte er das Funktionieren des Systems in Frage. Aber mangels einer politischen revolutionären und Klassen- Führung stellte er weder den bürgerlichen staat selbst noch die Macht der Bourgeoisie in Frage.
Die Situation ist dort anders, wo entweder das Organisationsniveau der Arbeiterklasse oder ihr spezifisches Gewicht in der Gesellschaft es ihr nicht erlaubt haben, denselben Widerstand gegen die neuen Akkumulationspläne des Kapitals zu bieten , und es nicht erlaubt haben, daß das durch die Klassenkämpfe erreichte Niveau die Stabilität des staates bedroht. So erklären sich, unter anderem, die Besonderheit der
Septembre 73 - Pinochet.
nouveau président du Chili zentralamerikanischen Länder und der "besondere" Kurs des mexikanischen Regimes. Aber in diesen Gesellschaften wirken auch die selben inneren Tendenzen. Diese implizieren, daß - auch wenn neue reformistische nationulistische Regierungen nicht ausgeschlossen sind - diese doch in keinem Fall über ökonomische und historische Bedingungen (und die Möglichkeiten, die diese boten) verfügen würden, die mit denen vergleichbar wären, die zu iheer Zeit Argentinien, Bolivien oder Chile zugute kåm. Der Glanz des sonnenuntergangs hat manchmal ähnliche Farben wie der des Sonnenaufgangs - aber sie befinden sich auf den Gegenseiten der Horizontlinie, wenn der Höhepunkt lang überschritten ist. Die Militärdiktaturen in Uruguay und Argentinien wurden nicht auf kalten Wege eingeführt, sondern nachdem mächtige Generalstreiks konkret die Frage nach der Nacht gestellt hatten (1973 und 1975, v.a.) - zu einem Zeitpunkt, als die Arbeiterklasse weder eine Partei, noch eine Führung hatte, die eine Klasen antwort hätte vorzeichnen können. Die organisierte Kraft des Proletariats stellte die Machtfrage; das Fehlen einer revolutionären Führung verbot es ihr, sich dessen bewußt zu werden und das Problem zu lösen.
Auf anderen Wegen hat in Chile und Bolivien der Aufschwung des Proletariatsim Rahmen des nationalistischen und reformistischen Kurses der lateinamerikanischen Revolution das Machtproblem auf die Tagesordnung gesetzt, ohne daß irgendjemand eine Arbeiterantwort hätte geben können. In diesen vier Fällen haben die Heftigkeit derInfragestellung der bürgerlichen Macht und die Unfähigkeit der letzteren, eine Lösung zu finden, bei der die "demokratische" Form des Staates hätte beibehalten
werden können, als letzte Lösung den Rückgriff auf die Armee und eine militärisch-polizeistaatliche Diktatur angeboten. Jenseits der Differenzen der Epoche und der konkreten Situationen ist das dieselbe Antwort, die die italienische Bourgeoisie mit dem faschistischen Staatsstreich in Anbetracht der extremen aber nicht letztlich durchgeführten Bedrohung, die der Generalstreik mit Betriebsbesetzungen im September 1920 für den bürgerlichen Staat bedeutet hat, gegeben hat.
In ALLen diesen Fällen hat die Krise von beiden Seiten der Trennungslinie zwischen den Klassen das Ende des nationalistischen bürgerlichen Kurses und seiner sozialen von oben durchgeführten Reformen angekündigt. Der frühe Beginn der brasilianischen Militärdiktatur (1964) erklärt sich unter anderem aus der Latsacne, daß Goularts bürgerlichnationalistische Politık zwar nıcnu die Tore zur Machtergreifung der Arbeiterklasse - deren Bewußtseinsund Organisationsgrad dafür bei weitem nicht ausreichend war - zu öffnen drohte, aber doch zu einer Agrarreform und einem verdeckten oder offenen Bauernkrieg; unter brasilianischen Bedingungen hätte dies die Auslösung einer revoltionären Dynamik bedeutet, die der Stabilität des kapitalistischen Systems schließlich ein Ende gesetzt hätte. Der Imperialismus ebenso wie die brasilianische Armee hatten die Logik einer kubanischen Entwicklung gründlich genug studiert, um zu verstehen, was eine massenhafte Bauernmobilisierung für die Enteignung der Latifundien und die Verteilung des Landes bedeutet hätte. Hieraus erklärt sich auch der "modernistische" Charakter - der im Wesentlichen natürlich folgenlos bleibt - der brasilianischen Militärregimes. Ausgehend vom entgegengesetzten Extrem haben die peruanischen Militärs auf ein vergleichbares Problem eine reformistische Antwort zu geben versucht: sie haben versucht, die sozialen Strukturen des Landes von oben hes, ohne Eingreifen der Massen, um den Preis eines teilweisen Opferns der Interessen der Landoligarchie zu modernisieren, wodurch sich letztere gezwungen sah, ihr Kapital durch Investition in der Industrie zu ver lagern• Jenseits ihrer scheinbar gegensätzlichen Charakteristika und ihrer von Land zu Land sehr verschiedenen Methoden haben die Militärregimes Argentiniens, Chiles, Uruguays, Boliviens, Brasiliens, Perus und auch Equadors einen großen gemeinsamen Nenner: den bürgerlichen Staat gegen die Massen aufrechtzuerhalten, durch Eindammung, Umlenkung oder offen gewalttatige Unterdrückung der revolutionären Mobilisierung der Arbeiterklasse und durch die Verteidigung des bürgerlichen Gesamtinteresses gegen dieses drohende Überrolltwerden, auch wenn dies das kurzfristige Opfern der Interessen einzelner Sektoren der herrschenden Klasse bedeutet. Innerhalb der komplexen Beziehungen, die er mit ihnen unterhält, hat deshalb der Imperialismus ihnen mehr oder weniger ungeteilte Unterstützung zukommen lassen - oder hat sie ihnen in einzelnen Fällen zeitweilig versagt wie in Peru oder Equador. Aber nie hat er auch nur die geringste gegen sie gerichtete Mobilisierung geweckt oder ermutigt - weder seitens der Massen natürlich, noch auch nur irgendwelcher substanziel. ler Sektoren der "zivilen" Bourgeoisie und ihrer Parteien. Allerhöchstens hat er hier und da eine "Fronde" ermutigt, nie aber gewaltsame Staatsstreiche wie er sie gegen Allende oder gegen Goulart durchgeführt hat.
Aber die Ausdehnung dieser Militärregimes ohne daß zivile Alternativen in Sicht wären drückt nicht die Festigung bürgerlicher Macht in Lateinamerika aus, sondern die Tiefe ihrer Krise. Diese Krise drückt sich darin aus, daß die Bourgeoisie in diesen Ländern ihrer traditionellen politischen Vermittlungsinstrumente, 'nämlich der bürgerlichen und kleinbürgerlichen Parteien, beraugt ist. Die Armee ist gezwungen ihre Rolle als Garantin staatlicher Kontinuität und als Schiedsrichterin herauszutreten, die in extremen Situationen die Macht ergreift, um sie anschließend wieler in die Hände der "Zivilen" zu legen: sie wird nundirekte Exeku-
torin der bürgerlichen Politik gegen die Massen.
Staat, Regierung und Armee, drei Kategorien, die sich ergänzen und voneinander abhängen ohne im republikanisch-bürgerlichen Spiel ihre Funktionen vollkommen zu vermischen, sind hier angesichts der Schärfe der gesamtgesellschaftlichen Krise gezwungen, sich zu einer einzigen Kategorie zu verschmelzen und zur militär-polizeilichen Diktatur zu werden. Die Bourgeoisie findet sich dadurch in einer Lage wieder, wo sie möglicher Formen politischen Wechsels beraubt ist. Die Regierung zu stürzen hieße in diesem Fall die Armee zerstören, die ja eins ist mit der Diktatur, und folglich den Staat zerstören. Genauer gesagt: dies schafft eine "kubanische" Situation à la Batista oder eine "vietnamesische" Situation à la Van Thieu.
Die Klassenalternative
Auf eine Situation dieser Art gibt es keine bürgerliche Alternativlösung -- es sei denn mit Hilfe einer reformistischen Arbeiterführung, die auf Grund ihrer politischen Überzeugungen die Kontinuität des bürgerlichen Staates aufrechtzuerhalten sucht. Letztendlich liegt hier die gemeinsame Logik der Politik von argentinischer und chilenischer KP weils verschiedenen Bedingungen einen Weg suchen, an dessen Ende nicht die Frage nach der Arbeitermacht stehen soll, und der keinen Prozeß in eine Richtung eröffnen darf, die sie als Sackgasse betrachten ( denn in Anbetracht ihrer Konzeption von der Revolution in Etappen, die auch die der kubanischen PSP im Jahre 1959 ist, gibt es objektiv keine Lösung dieses Problems).
In diesem Sinne teilen diese KPen - und das ist nicht die Ausnahme, sondern die Regel - die rechte Logik des "Eurokommunismus", ohne dabei aber auch nur das geringste der dort implizierten "linken Kritik an der Sowjetbürokratie zu übernehmen; stattdessen bleiben sie die treuesten Verteidiger der Kreml-Orthodoxie. Das allein könnte schon, nebenbei gesagt, genugen, um die Aufrichtigkeit der angeblich "leninistischen" Kritik zu widerlegen, die die KPdSU-Führung an den Reformismus der "Eurokommunisten" richtet, während ihre ergebensten Gefolgsleute in Lateinamerika den plattesten Reformismus praktizieren, ohne die geringste Kritk aus Moskau auf sich zu ziehen. Unter diesen Bedingungen ist die Lösung einer Diktatur nicht etwa solides Fundament eines neuen Zyklus kapitalistischer Akkumulation. Aber der bürgerlich-nationalistische und reformistische Weg hat keinerlei Möglichkeiten eines neuen Aufschwungs, und das nicht nur weil die wirtschaftlichen Voraussetzungen tenten, sondern wieder auch aufgrund seiner Unfähigkeit, eine Massenbewegung im Rahmen des kapitalistischen Systems zu halten, die stark genug ist, um Militärdiktaturen zu stürzen und sich anschließend auszuweiten droht. Hier liegt eine der grundsätzlichsten Schwierigkeiten bei der Suche nach einer bürgerlichen Alternativlösung zu diesen Regimes, ob es sich nun um Frei, Balbin oder irgend einen andern handelt. Die Arbeiterklasse ihrerseits hat ebenfalls keine eigene Alternative: sie muß sie unter schwierigsten Bedingungen schmieden. Sie verteidigt ihr Lebensniveau. Unter unendlich ungünstigen Bedingungen hält sie ihre organisatorischen Traditionen aufrecht und stützt sich aut sie, um in den begrenzten wirtschaftlichen Kämpfen, die überhaupt möglich sind, Erfolge zu erzielen. Sie hat schwerste Niederlagen erlitten, aber sie ist nicht atomisiert. Sie kann eine internationale Situation nützen, die ihren Klassenzusammenhalt begünstigt.
Aber sie verteidigt kein eigenes Programm: ihr Bewußtseinsgrad bleibt nationalistisch, das heißt der Hegemonie bürgerlicher Ideologie unterworfen, selbst wenn ihr Organisationsgrad proeltarisch ist, das heißt organisch der Bourgeoisie in eigenen gewerkschaftlichen Organisationen entgegen-
gestellt. Da sie kein Programm und keinen revolutionären Ausweg aus der Situation aufzeigen kann, kann sie, auch nicht die Bauernschaft und das Kleinbürgertum polarisieren. Sie könnte es in der Aktion tun, aber die Aktionsmöglichkeiten sind eng begrenzt, und solange ein politisches Arbeiterprogramm fehlt, schließen sie sich immer wieder aufs neue in den Rahmen der Programme der Bourgeoisie ein.
So erklären sich die programmatischen Grenzen vantgarde-Aktionen an die auch die heroischsten stoßen, solange es ihnen nicht gelingt, eine Brücke zu schlagen zwischen den elementaren demokratischen Bedürfnissen und Forderungen, auf deren Basis sich die Einheitsfront gegen die Diktaturen herstellt, und dem Ziel der Eröffnung eines demokratischen, revolutionären, antiimperialistischen und antikapitalistischen Prozesses als Alternative zu diesen militärpolizeilichen Diktaturen und ihrem Staat. Die Schwierigke t eine solche Brücke zu schlagen rührt nicht einfach vom Terror der Diktaturen her, sondern auch vom konkreten Bewußtseins- und Organisationsgrad, den das Proletariat und die Massen erreicht haben. Genau von hier aus muß die Avantgarde eine Klassenstaat entwickeln, das beileicher alternative Herausbildung des Klassenbewußtseins in seiner Gesamtheit - und nicht nur das einer kleinen Avantgarde bezüglich der bürgerlichen Ideologie und ihrem Staat gewährleisten, nämlich zur Entwicklung sozialstischen Bewußtseins beitragen. Dies ist in der Vergangenheit nicht geschehen, selbst in Chile nicht. Dieser programmatischen und organisatorischen Alternative im Bewußtsein und dem Leben der Arbeiterklasse Form zu geben, bedeutet die revolutionär-marxistische Massenpartei aufzubauen, die Partei, deren Fehlen (aufgrund ganz bestimmter historischer Unreife) ein entscheidendes Element für die Niederlagen der vorhergehenden Etappe war, für die Nichtüberwindung des nationalistischen Bewußtseins der Massenbewegung in Richtung auf sozialistisches Bewußtsein. Die Fortdauer des Kampfs der Arbeiterklasse, und sei es auch nur auf gewerkschaftlicher und betrieblicher Ebene, unter den gegenwärtigen Bedingungen (Argentinien, BOlivien und in geringerem Ausmaß Chile, Uruguay und Brasilien) hat nicht nur praktische Konsequenzen sondern stellt auch •theoretische Probleme. Dies kann nicht von der Arbeiterklasse ausgedrückt werd en, die über keine Partei verfügt und grausamer Repression ausgesetzt ist. Trotzdem ist ein Fortschritt auf programmatischer Ebene zu beobachtestischen Energien, die die eine Überwindung der "guerrilorganisierte Aktion der Klasse durch die "heroische" Präsenz der Avantgarde. ersetzen, ein wachsendes Interesse für den Marxismus und zunehmendes Verständnis der Notwendigkeit, eine Partei der Arbeiterklasse aufzubauen.
Dieser programmatische Fortschritt wird in verschiedenen Ländern von Repression und Exil behindert. In anderen findet er seine Grenze im Fehlen von Massenparteien und in seiner Trennung von der Praxis. Er muß sich dann durch eine intellektuelle Avantgarde ausdrücken. Indessen ist er nicht das Produkt dieser revolutionären Intellektuellen, sondern er drückt den Kampf des Proletariats und der Massen unter diktatorischen oder autoritären Regierungen und unter den Bedingungen begrenzter und prekärer Demokratie in andern Ländern aus. Diese Entwicklung des marxistischen Programms ist entscheidend für den Aufbau einer Alternative zum bürrerlichen Staat. Bevor sie in der reanisation der Massen konkreter Ausdruck finden kann, muß sie ihre Grundlagen auf theoretischer Ebene absichern. Hieraus rührt die Bedeutung der Diskussion über das Programm der lateinamerikanischen Revolution im Aufbau von Massen- Arbeiterparteien in diesen Län dern.
Eine der sterilsten Polemiken, nämlich die über die Frage "bewaffneter Weg" oder "demokratischer Weg", ist im Begriff überwunden zu werden im Rahmen dieser Diskussion. Diese Polemik wollte ein Gleichheitszeichen zwischen bewaffnetem
Kampf und revolutionärem Kampf setzen. Sie ignorierte dabei die Tatsache, daß es durchaus möglich ist - wie es die jüngste Geschichte einer Reihe lateinamerikanischer Lander bestatigt hat -, einen bevaffneten Kamof um vollkommen demokratische und reformistische Ziele zu führen, die die Natur des bürgerlichen Staats nicht in Frage stellen. Diese Polemik erhebt eine Frage taktischer Natur in den Rang von Prinzip und Strategie. Dabei umgeht sie das Schlüsselproblem jeder sozialistischen Revolution. namlich die frage des staat s. Die Antwort auf dieses Problem liegt genau im Aufbau der revolutionär_ marxistischen Massenpartei. Der Parteicharakter wird durch das Programm definiert. Was sich nicht auf eine Reihe einzelner Positionen reduzieren laßt, sondern was vor allem die Methode, Konzeption und Ziele umfaßt, die der Partei die Organisation der Massen er möglicht, ausgehend von ihrem Bewußtseins- und Organisationsgrad. Die revolutionäre Partei verwirft nicht die Errungenschaften der bürgerlichen Demokratie und der Legalität, die immer per definitionem eine von der organisierten Kraft des Proeltariats und der Massen dem bürgerlichen Staat entrissene Konzession bedeuten. Hingegen baut sie nicht darauf, daß die Bourgeoisie diese Errungenschaften respektiert, wenn die Partei die Art ihrer Existenz und ihres Funktionierens bestimmt. Der Grundzug der Leninschen Partei ist nicht das Organisationsschema. sondern ihre totale Unabhängigkeit rom bürgerlichen Staat. was ihre Existenzweise, ihr Funktionieren und ihre Theorieentwicklung anbelangt. Sie darf nicht von konstitutionellen Garantien, von der parlamentarischen Tribüne, den von der Bourgeoisie eingeräumten Presse- und Versammlungsfreiheiten abhängig sein. Und genausowenig kann sie zwangsläufig mit dem Fehlen solcher demokratischer Garantien verbunden sein. Die Partei drückt die totale Autonomie der Arbeiterklasse in ihrem Handeln und Denken dem bürgerlichen Staat gegenüber aus, ob er nun demokratisch oder diktatorisch ist. Insofern kan n man sagen, daß die Partei ein Gegen- Staat ist und daß "Staat und Revolution" im Keim in "Was tun" angelegt war.
Diese Autonomie rührt nicht aus einem materiellen Bruch mit dem bürerlichen Staat her, wie ihn die repression seitens einer diktatowürde. Sie entsteht aus einem pro- rischen Regierung mit sich ziehen grammatischen Bruch. Sie stützt sich auf das Parteiprogramm vom Aufbau eines neuen Staats, dem Staat der Arbeiterklasse, dessen Grundlegung zunächst durch die Eroberung der organisatorischen Auconomie der Arbeiterklasse, ausrehend von den Fabriken und vom Arbeitsplatz geschieht, während der bürgerliche Staat noch existiert und regiert. Eben diese Autonomie des Proletariats in Programm und Organisation gwährleistet die Möglichkeit seiner Allianz mit der Bauernschaft die es dem ideologischen Einflue der Nationalbourgeoisie, ihrem Staatsapparat und ihren Parteien entzieht. Dieses Arbeiterund Bauernbündnis bleibt, unabhängig von den verschiedenen Situationen in den Ländern Lateinamerikas, die unumgängliche Voraussetzung für den Sieg des Proletariats und aller Lohnabhängigen über den Staat, die Armee und die Regierung der Bourgeoisie sowie über den Imperialismus als deren äußere Stütze. Die Arbeiterklasse und ihre Verbündeten befinden sich in der neuen durch den Abschluß des Zyklus der nationalistischen Bewegungen eröffneten Etappe (die in Argentinien ihren höchsten Stand erreicht hat) in einer neuen Situation. Ein neuer von der exportorientierten Agrarourgeoisie, dem nationalen Filanz- oder Bankkapital und den internationalen Finanzkapital sowie den multinationalen Gesellschaften gebildeter Macht- . block kontrolliert die Regierung oder bereitet die Bedingungen für eine solche unbestrittene Kontrolle vor. Der bürgerliche Staat ist stark aufgrund seines diktatorischen und autoritären Charakters, aber was den Massenkonsens betrifft, ist er schwächef dem je.
Fidel
Die bürgerlichen nationalistischen Bewegungen befinden sich in ihrer Mehrheit im Rückgang, weil sie nicht über die nationa- •len und internationalen ökonomischen Bedingungen verfügen, die notwendig sind, um den Massen ein neues Bündnis anzubieten oder um den früheren Konsens wiederherzustellen. Der neue Machtblock ist eng mit dem Imperialismus verknüpft und hängt direkt von dessen Unterstützung ab. Das alte Bündnis der bürgerlichen nationalistischen Regierungen mit den Massen (unter der ideologischen Hegemonie der Bourgeoisie) kann seine eigene Ersetzung auf der Machtebene nicht organisieren. Gleichzeitig jedoch verfügt die Arbeiterklasse nicht über die Instrumente, um ihre eigene Alternative d.h. vor allem ihre eigene Partei) zu organisieren und anzubieten, und sie hat nicht völlig mit der bürgerlichen 11— nationalistischen Ideologie gebrochen. In den Gewerkschaften und Fabriken findet ihre Organisierung von einem Klassenstandpunkt aus statt, aber ihre Ideologie ist noch nationalistisch und nicht sozialistisch. Die zentrale Aufgabe für die marxistische Avantgarde besteht darin, in der Realität - und nicht auf der literarischen Ebene - den Übergang von diesem nationalistischen und imperialistischen Bewußtsein zum antiimperialistischen Bewußtsein zu gewährleisten. Es gibt einen entscheidenden Punkt bei diesem Übergang: den antiimperialistischen Kampf. Wegen des Rückgangs der bürgerlichen nationalistischen Ideologie und der fehlenden Möglichkeiten diesen Rückgang wieder aufzuholen, weil die imperialistische Unterstutzung unentbehrlich ist, um den Block an der Macht zu halten, der die Militärdiktaturen unterstützt (der darauf abzielt, sie in den •Ländern Lateinamerikas zu instal- "lieren), wegen der neuen Global- 'strategie des Imperialismus, der ganz lateinamerika in seinen ökonomischen und militärischen Sicherheitsrahmen integriert und die Reorganisierung der dortigen kapitalistischen Akkumulation seinen technologischen und finanziellen Zwängen unterwirft, wegen all dem gehört die Führung und Hauptverantwortung für den Kampf gegen den Imperialismus objektiv der Arbeiterklasse. Dennoch erhält gerade wegen dieser Verquickung der ökonomischen und militärischen Interessen des Impecialismus mit dem neuen bür- • gerlichen Machtblock .(uber die in einer derartigen Interessengemeinschaft normalen politischen Reibereien hinaus) der Kampf gegen den Imperialismus einen tendenziell antikapitalistischen Charakter. Die Niederlage des Imperialismus führt in einem ununterbrochenen und unmöglich zu unterbrechenden Prozeß zur Expropriation des dann . seiner hauptsächlichen militärischen und ökonomischen Stütze
beraubten Kapitalismus. In diesem Sinn hat der Kampf, auch : wenn er national und antiimperialistisch bleibt - was zum größten Teil der ungenügenden bewußtseinsmäßigen , Reife seiner Protagonisten geschuldet ist de facto einen antikapitalistischen Charakter. In dem die Arbeiterklasse ihre Positionen behaupten und auf die Erfordernisse •des eigenen nationalistischen und antiimperialistischen Bewußtseins eine Antwort geben mus, nimmt sie den Platz ein, den die Bourgeoisie (die vorher von diesem Bewußtseinsstand profitierte) voher innehatte: den des Widerstands gegen den Imperialismus. Sie übernimmt daher notgedrungen die Führung des Kampfs gegen die imperialistische Durchdringung und Beherrschung und stellt sich an die Spitze des nationalen Campfs. Aber dieser Kampf, der zu führen sich der bürgerliche Nationalismus weigert, kann nur in dem Maß erfolgreich sein, er den Rahmen dieses bürgerlichen Nationalismus durchbricht, der den Kampf und die Niederlage geführt und Rückschlage herbeigeführt hat. Das Proletariat wird sich gezwungen sehen vom bürgerlichen Antiimperialismus zum sozialistischen Antiimperialismus überzugehen. Es muß zum Angelpunkt des Klassenkampfs werden und sich autonom organisieren - in Fabrikraten, Gewerkschaften und Parteien, um den Kampf der die Klassengrenze mit der Bourgeoisie und dem Kleinbürgertum 'verwischt, in den Hintergrund gerat.
Das impliziert de facto eine völlige Umkehrung der Klassenrichtung des Antiimperialismus und des Typs der Hegemonie im antiimperialistischen Kampf. Der Über- Nationalienti zum salistischen schen Antiimperialismus hat als gemeinsamen Nenner den Antiimperialismus, aber sein Klassencharakter ändert sich. Das bedeutet vom Antiimperialismus als natioscher oder kleinbürgerlicher Ide- nationalistiologie zum proletarischen Antiimperialismus überzugehen. Von daher findet die Enteignung aller imperialistischen Unternehmen, die Vertreibung des Imperialismus aus dem Land, die Agrarrevolution und die Übergabe allen Lands an die Bauern sowie die vollständige Eroberung der Demokratie Eingang ins Programm. Das wiederum schließt die soziale Organisierung des gesamten Proletariats, der Bauern, sowie des armen Kleinbürgertums ein, die gewerkschaftliche Organisierung an den Arbeitsplätzen von allen Lohnabhängigen in der Stadt und auf dem Land und damit der Sicherung der demokratischen Entscheidungsbefugnis über die Organisierung der sozialen Produktion in ihrer Gesamtheit, deren Hauptträger sie sind. Die völlige und radikale Vertreibung des Imperialismus kommt in Lateinamerika der Gründung des neuen Staats gleich; der len Außenhandel monopolisieren, l1e Produktion planen und den Sozialismus aufbauen wird. Seine soziale Basis findet sich im Bündnis von Arbeitern und Bauern, das genauso radikal das Landproblem lösen muß. Das macht die Revolution und mit ihr die Demokratie unzerstörbar. Es ist der logische Verlauf der permanenten Revolution.
aupenblicklichen Bewußtseinsund Organisationsniveau der Arbeiterklasse und der Massen vom antiimperialistischen Kampf zur sozialistischen Revolution übergeht. Nichts anderes lehrt uns lie kubanische Revolution, die eute zwanzig Jahre danach erneut gründlich studiert werden muß - in Richtung einer Verallgemeinerung ihrer grundsätzlichen, theoretischen und programatischen Schlußfolgerungen. Der Kampf für diesen Verlauf der Revolution ist national; er ist aber auch kontinental. Der neue Block an der Macht, der eng mit dem Imperialismus verbunden ist, ist nur formal national. Er unterscheidet sich von der im wesentlichen an den inneren Markt
gebundenen Industriebourgeoisie, die früher in mehreren diesen Länder dominierte. Konsequenterweise rufen die supra-nationalen Interessen dieses Blocks (Produkt der Verbindung mit dem Imperialismus) eine kontinentale Politik hervor, deren gemeinsane Basis trotz Beibehaltung wilerspruchlicher Interessen von dem Hauptverbündeten, den USA, • bestimmt ist sowie von der gemeinsamen Notwendigkeit, den Massen und derArbeiterbewegung sozial und miltärisch die Stirn zu bieten.
Dies kann den kontinentalen Charakter des Kampfs und der Ziele der lateinamerikanischen Arbeiterbewegung nur verstärken. Die Besonderheiten des jeweiligen Landes bleiben naturlich. Nur eine abstrakte und sektiererische Konzeption des Kampfs für den Sozialismus kann sie ignorieren. Weder die Form der bürgerlichen Herrschaft noch die Organisierung und die Traditionen les Proletariats, der Bauerr and der Massen sind in Mexiko, Argentinien, Brasilien unc Kolumbien identisch. Es ware absurd, alles zu vermengen und auf einen gemeinsamen Nenner zu reduzieren. Gleichermaßen wäre es stupide - und in letzter Analyse reaktionär die ökonomischen, politischen und historischen Besonderhei-. ten der einzelnen Länder Afrikas, Asiens und Amerikas zu ignorieren und zu verschleiern, indem man sie alle in den großen als Dritte Welt qualifizierten Sack stopft. Dennoch: wenn auch die Revotion von den jeweiligen Traditionen und Organisationsformen und den besonderen • Bahnen jedes lateinamerikanischen Lands ausgehen, so verstärkt doch die Form der imperialistischen Beherrschung den kontinentalen Charakter des revolutionaren Kampfs mehr als früher. Dieser kontinentale Charakter wird in dem Maß, wo das Kampfziel von • 13der antiimperialistischen Phase zum sozialistischen Programm hinüberwachst, welches per Definition international ist, noch weiter zunehmen. So gesehen ist also das Verständnis der nationalen Besonderheiten und des globalen Prozesses im kontinentalen Maßstab wichtig, was sich ^ nicht auf eine wachsende Koordinierung der Kämpfe reduziert, sondern sich in erster Linie auf die gleichen prorogrammatischen Bezuge grundet len Antiimperialismus und der Sozialismus.
Die Bewußtseins- und Organisa- • tionsniveaus sind so wie ihre Entwicklungsformen von Land zu Land unterschiedlich, aber der lateinamerikanische und weltweite revolutionäre Prozeß tendiert dazu, diese Unterschiede zu vermindern. Bei dieser tendenziellen Nivellierung geben die am weitesten fortgeschrittenen Sektoren die Richtung an. Das Klassen bewußtsein des lateinamerikanischen Proletariats, das durch zahlreiche sehr harte und heftige Kämpfe hindurch zum sozialistischen Bewußtsein vordringt und die Notwendigkeit der revolutionär-marxistischen Massenpartei begreift, geht von seiner Avantgarde aus. Es ist ein Übergang voller Schwierigkeiten mit momentanen Unterbregenerellen Fortschreiten gibt es keine Unterbrechung. Es ist ein permanenter Übergang, wahrend dessen ein Land, Kuba, bereits den Sozialismus aufbaut. In diesem Prozeß liegen wesentliche und entscheidende Elemente der lateinamerikanischen Revolution. Ihr allgemeinstes Ziel könnte man in der antiimperialistischen Vereinigung Lateinamerikas in Form einer Föderation der sozialistischen Staaten zusammenfassen, deren erstes Kettenglied, Kuba seine Gültigkeit, seine Widerstandskraft und seine Beständigkeit bereits unter Beweis gestellt hat. Juli 1977
ALGERIEN 4- SAID AKEI