Gemeinsame Erklärung der Teilnehmer an der ersten Konferenz der zentralamerikanischen Trotzkisten Für alle Revolutionäre Panamas ist der Kampf fr die Rückgabe des Kanals eine ihrer zentralen Aufgaben. Deshalb ist es wichtig aufzuzeigen, wie dieser Kampf geführt worden ist und wie er jetzt gefithat wird. Historisch ist der Kampf für die Rockgabe des Kanals in die Grenzen eines nationalen Befreiungskampfs eingebettet worden, oline daß mit ihm zugleich eine soziale Befreiung verbunden worden wäre. Das ist heute noch der Fall, Er alle wirk lichen Revolutiontre ist die Aufgabe der nationalen Befreiung jedoch mit der Aufgabe der sozialen Refreiung verbunden. Sie stehen in einem dialektischen Zusammenhang und diesen können wir nicht vergessen, wenn wir unser Kampfprogramm firdie panamesische Cesellschaft formulieren.
Die Frage des Kanals ist einmal die Frage nach dem Kampf des Volkes von Panama uth die Rückgabe seiner bedeutendsten Wirtschaftenuelle: doch fest steht auch, daß unser wirtschaftlicher Kampf nicht von einem grundsätzlichen Sachverhalt absehen kann, der direkte Auswirkungen fir die Aktivität der Pevolutionäre in Panama, aber auch in Zentralamerika und in deriestlichen Welt hat: die Frage der Militarbasen.
- 1 Wir meinen, daß der Kampf des Volkes von Panama der Existenz der Militärbasen Rechnung tragen muß und sich nicht nur auf die einfache "Ausweisung" der Nordamerikaner aus der Verwaltung der Kanalzone beschränken kann in der Hoffnung, durch diese könnten wir die "volle Souveränitat" dber unter Territorium erlangen, oline daß grundsätzlich an der Frage der Militärbasen gerüttelt würde. Wir sind der Pherzeugung, daß die Verhandlungen zwischen dem hürgerlichen bonapartistischen Regime und dem Imperialismus nur zum Ergebnis haben können, daß die lokale Bourgeoisie größere Pfründe erhält, aber dem Volk von Panama keine Vorteile bringen werden. Zudem werden sie die Stellung dieser Bourgeoisie selbst stärken.
Der Imperialismus und seine Verbündete , die lokale Bourgeoisie, sind auf den Fortbestand ihres wichtigsten Schutzes, der Militärbasen, angewiesen. Die Militärbasen stellen nicht nur eine Carantie für den Bestand Panamas als ein internationales Finanzzentrum und Zentrum für die nordamerikanischen Investitionen in diesem Gebiet dar; sie garantieren den Bestand des kapitalistischen Syslems in Lateinamerika.
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Die lateinamerikanischen Bourgeoisien sind unffhig. die Arbeiterbewegung auf Dauer in den Rahmen ihrer eigenen formalen Demokratie zu zwingen, Daraus folgt ihre gegenwärtige, allgemeine Orientierung auf Militärputsche und starke innere Repression, Der Imperialismus weiß von dieser Situation und hat nicht einmal Vertrauen in diese repressiven bürgerlichen Regierungen. Deshalh ist er so erpicht darauf, seine Militärhasen in Panama zu behalten. Selbst in der Repression ist die lateinamerikanische Bougeoisie noch eine abhängige Bourgeoisie. Das erklärt den Charakter dieser Bourgeoisie und den Kampf der Revolutionäre
Lateinamerikas fir die Vereinigten Sozialistischen Staaten Lateinamerikas. Obwohl das Volk von Panama eine Tradition im Kampf gegen die militärische Präsenz hat, sind diese Kämpfe iher spontane Ausbriche nie hinausge. gangen und wurden nicht kontinuierlich geführt. Als revolutionäre Organisationen, die an der Seite des Volkes von Panama stehen, milssen wir diese 1 radition aufgreifen und sie bis zu ihrer letzten Konsequenz treiben . Aber dazu ist es notwendig. den Weg aufzuzeigen, über den dieses Ziel, das auch das des ganzen Volkes von Panama ist, zu erreichen ist. Die Frage der Militärbasen geht in der Tat alle Pevolutionäre Lateinamerikas und daher der ganzen Welt an. Sie muß daher von ihnen allen gelöst werden. Die illegale militärische Intervention des Imperialismus auf dem Territorium Panamas geht alle Völker an, weil sieein Hindernis auf dem Weg zum Sozialismus, zur Gesellschaft der Arbeiter ist. Deshalb sind der Imperialismus und die lateinamerikanische Bourgeoisie (jeweils vertreten durch ihre Regierungen) sich auch darin einig. daß die Militärbasen legalisiert werden, die Zahl der 14 bekannten und illegalenBasen auf drei gesenkt wird, die im neuen Abkommen legal anerkannt werden sollen. So will man uns eine unserer wichtigsten Waffen im Kampf gegen den Imperialismus nehmen, die bisher auch in bürgerlichen Organen wie der UNO eingesetzt werden konnte, indem man nun unterstellt, der neue Zustand sei angeblich von alien Panamesen akzeptiert worden. Aus diesem Crund findet die Regierung Panamas bei den Verhandlungen auch die Unter. stützung aller bürgerlichen Regierungen Lateinamerikas. Wie könnte man sonst erklären, daß Somoza, Geisel, Pinochet und andere die panamesische Regie rung " 'gegen" den Imperialismus unterstützen" Angesichts dieser Situation sagen wir mit dem Volk, dessen Interessen wir verteidigen: "Nein zu den Militärbasen!" Aber welcher Wer Mr zur sozialen Rilogewinnung des Kanals und zur Auflösung der Basen auf panamesischem Territorium? Wir glauben, daß die Antwort auf dieses Problem von all denen gegeben werden muß, die es angeht. Das Problem der imperialistischen militärischen Präsenz aufunsernierritorium muß zu einem internationalen Problem werden, Diese Internationalisierung ist die einzige Lösung flr das Problem der Mi. litärbasen heute. Wir wissen, daß dies Problem weder durch endlose Verhandlungen, noch durch die Unterstützung der bürgerlichen Regierungen. gelöst werden kann, denn die Existenz der Militärbase ist selbst eine Garantie filr die Existenz der bürgerlichen Regierungen, fürdie Existenz des Kapitalis mus in unsern lateinamerikanischen Indern und in der Welt.
- 1( Piese Internationalisierung hat objektive Grundlagen. Aber nur wenn der Kampf gegen die Militärbasen von allen antikapitalistischen Kämpfern Amerikas und der Welt geführt wird und nicht von den mit dem Imperialismus verbündeten Regierungen, wird die Losung "Vein zu den Militärbasen" nicht mehr nur die einiger panamesischer "Radikalen" sein, wie die Reformisten, die Verbündeten der bürgerlichen bonapartistischen Regierung, heute sagen; sie wird zum Kampfschrei aller antiimperialistischen und antikapitalistischen Revolutionäre der Welt werden, die der USA inbegriffen, wo sich schon mehrere Komitees gebildet haben, die auf die Erfahrung der internationalen Solidarität mit den Kämpfern Vietnams zurückgreifen können, die damals eine große Rolle bei der Niederlage des Yankee-Imperialismus in Vietnam gespielt hat.
All dies hat mit Idealismus, wie einige Epigonen und Speichellecker des Bonaparte-Regimes von Torrijos sagen werden, nichts zu tun, Harte Tatsachen machen es erforderlich: die Ermordung Ches in Bolivien, die Invasion San Domingos, die Intervention in Chile und in andern ländern Lateinamerikas und der übrigen Welt wurden von Panama aus organisiert Jedesmal war die lokale Bourgeoisie unfähig, die Arbeiterbewegung einzudämmen, In Panama selbst mangelt es nicht an Beispielen der internationalen Solidarität.
Die Revolutionär-Sozialistische Liga richtet an alle Avantgarden Lateinamerikas und der Welt, insbesondere an die der Vereinigten Staaten und Panamas den Appell, eine gemeinsame Front gegen die imperialistische mllitärische Präsenz in diesem Cebiet zu bilden. Das wäre ein Schritt vorwärts, durch den die lokale Bourgeoisie sicher geschwächt, ihr antinationaler Charakter bloßgelegt und genauer noch cezeigt würde, auf was sie sich eigentlich stiltzt, um sich an der Macht zu halten. Es würde einen Schritt vorwärts in der Denunzierung der Existenz der Militärbasen und ihrer Folgen für zahlreiche Völker bedeuten. Es wilrde den Kampf fir die Auflösung der Militärbasen mit dem Ziel des Fortschreitens zur sozialistischen Revolution in Lateinamerika vorantreiben.
Für die Rückgewinnung des Kanals durch das Volk t Für die vollständige Vertreibung des nordamerikanischen Imperialismus von unserm Territorium !
Sozialistische Revolution oder Karika. tur der Revolution!
1.SR (Liga Socialista Revolucionaria) - Panama I.MR (Liga Marxista Revolucionaria) - Nicaragua PRT (Partido Revolucionario de los Trabajadores) - Costa Rica
OST (Organizacion Socialista de los Trabaiadores) - Costa Rica
CSI (Crupo Socialista Internacionalista) - El Salvador I.CR (Liga Comunista Revoluciona ria - Vereinigung der Gruppen Liga Obrera Comunista, Comandos C'amilistas und Espartaco) - Kolumbien BS (Bloque Socialista) - Kolumbien
PRT (Partido Revolucionario de los Trabajadores) - Mexiko 1.S (liga Socialista) - Mexiko
ATHIOPIEN tabor & hana Auf dem Weg zum Bürgerkrieg ?
Am 23. April schlossen die äthiopischen Behörden rem Umfang von Ägypten und Saudi Arabien. Nachalle amerikanischen Ämter im Land (mit Ausnahme dem sie taktisch das Recht Eritreas auf Unabhängigder Botschaft)und verwiesen 300 ihrer Beamten keit anerkannt hat, unterhält sie rege Beziehungen Landes. Am 25. April wurden die Korrespondenten zur Befreiungsfront Eritreas (FLE). Doch die Demoder Nachrichtenagenturen Reuter, APP und der kratische Union Äthiopiens (EDU) hat eine Reihe von Washington Post, die letzten Vertreter der westli- besonders nachdem Differenchen Presse in Äthiopien, benachrichtigt, sie hätten zen zwischen ihrer monarchistischen und aristokrati- 48 Stunden Zeit, das Land zu verlassen. schen Fraktion und ihrer fepublikanischen" Fraktion Mai, während Staatschef Mengistu Haile- Ma- aufgebrochen sind, Diese Differenzen traten auf, riam in Moskau zu Besuch war, sendete UPI eine als birgerliche Elemente nach den Säuberungen des Meldung, wonach Hunderte von Studenten von den DERG (der regierendenMilitärjunta) und der Neuord- Stadtteilkomitees massakriert worden waren, weil nung der Verwaltung zur EDU stießen: ins Ausland sie regierungsfeindliche Flugblätter verteilt hatten. abgeschobene Botschafter und Politiker schlossen Am Tag darauf meldete UPI wieder, Studenten seien sich ihr an und relativierten so das Gewicht der Moverhaftet worden, aber diesmal von der Armee. Am narchisten in ihren Reihen. Nach dem letzten Staats- 6. Mai bezeichnete der Sthiopische Informationsmini - streich verschwanden etwa hundert Beamte aus dem ster diese Informationen als "verzerrt" und die Zahl Außenministerium und dem Informationsministerium der Opfer als ""bertrieben" . Aus Kreisen, die der und zehn Botschafter im Ausland und der Außenmini- Pan - Äthiopischen Sozialistischen Bewegung (Me' isori ster Kifle Wodajo kehrten nicht ins Land zurück. nahestehen, war zu erfahren, die Anhänger der Revolutionären Äthiopischen Volkspartei (PRPE), Die reaktionäre kleinbürgerliche und bürgerliche die im Untergrund operiert, hätten auf der Straße Opposition hat es verstanden, sich die nationale ein Flugblatt verteilt, in dem zur Bildung einer Frage im äthiopischen Staat für ihre eigenen Zwecke "Provisorischen Volksregierung" aufgerufen und nutzbar zu machen, Ideologisch steht sie der EDU "faschistische Regime" denunziert wurde. Es nahe und wir von Großgrundbesitzern beeinflußt; kam sofort zu einer Schießerei zwischen der Stadt- in einigen Regionen ist sie bedeutend, Im Begemdir teilmiliz und den Anhängern der PRPE, wobei es auf im Norden steht General Tegegne an der Spitze bejeder Seite Opfer gab. waffneter Banden, während Sultan Ali Mira an der Spitze "seiner" Afars im Norden eine Widerstands- Äthiopien befindet sich heute mitten im gesellschaft- bewegung gegen die Agrarreform anführt. lichen Aufruhr und fast in einem allgemeinen B0rgerkrieg. Die Regierungspresse berichtet täglich Doch seit 1974 haben sich auch fortschrittlich-natiovon durchschnittlich 200 Toten. nalistische Bewegungen aus Schichten des "demokratischen" Kleinbürgertums gebildet. Diese Bewegun gen, die vor allem aus den Stämmen der Afars und DIE STREITENDEN PARTEIEN Oromos im Süden gebildet werden, akzeptieren mehr oder weniger die politischen Grundsitze der "natio- Die wirtschaftlichen Umwälzungen, die das Regime nal -demokratischen Revolution" und unterhalten Beseit 1974 vorgenommen hat, und die Agrarreform ziehungen zu politischen Organisationen wie der haben innerhalb der verschiedenen Strömungen der Me' ison und der PRPF.
anti-imperialistischen Bewegung die größte Verwirrung gestiftet und einen wahren politischen Wirr- Die Opposition der alten Großgrundbesitzer reicht warr geschaffen, Die außerhalb des Landes um die bis in die Städte hinein, in die einige von ihnen nach Demokratische Union Äthiopiens herum organisierte der Nationalisierung des Bodens gezogen sind. An- Rechtsopposition, die ihre Zentren in I.ondon, dere sind in die Berge zu den Guerilles gegangen. Frankfurt, in Kenia und im Sudan hat, hat heute Im Süden -- in Harrar, Sidamo und in Bale -- wileine militärische Prisenz im Vordosten des tet ein Bürgerkrieg zwischen Grundbesitzern und Landes. Sie ist eine reaktionäre Bewegung und er- Bauern. In diesen Provinzen, vor allem in Bale, hält auf Grund der politischen Lage in der Region schließen sich die Bauern manchmal auch zu nationadie Unterstützung der Amerikaner und der konserva- len Befreiungsfronten zusammen und bekommen Untiven arabischen Länder (des Sudan und in geringe- terstützung von Somalia. -17-
Die Kompradorbourgeoisie hat noch eine gewisse ökonomische Macht und kann sich daher dank ihrer Stützen im Staatsapparat gewissen Entscheidungen widersetzen, die der DERG unter dem Druck der Massenbewegung fällen muß. Die Kleinbesitzer und Händler widersetzen sich dem bürokratischen Apparat im Namen der "Ordnung und der Religion" und mit den Mitteln systematischer Sabotage. Einige Sektoren des Kleinbürgertums wie die Handwerker, deren wirtschaftliche Interessen vom Regime geschützt werden, da dieses in ihnen eine Basis für die Akkumulation sieht, unterstützen die Machthabe:: Dagegen sind die kleinen Parzellenbauern im Norden gegen die Verstaatlichung des Bodens, da sie ihr "Erbrecht" verteidigen wollen; sie bilden die Basis der EDU. Andere Sektoren wiederum, die der Notwendigkeit der sofortigen Einführung demokratischer Freiheiten aufgeschlossen gegenüber stehen, unterstützen die Losung der "Provisorischen Revolutionären Regierung". Diese Parole, die die Me' ison vom 6, Februar bis f. April gebracht hatte, ist heute das zentrale Thema der Propaganda der PRPE.
Armee und Polizei werden von vielfältigen Strömungen durchzogen. Einige Soldaten und Offiziere sind noch den demokratischen Traditionen vom Februar 1974 verbunden, während andere aus Nostalgie zum alten Regime mit der EDU zusammenarbeiten. Pas ist absolut nicht verwunderlich, wenn man weiß, daß die Armee sowohl dafür eingesetzt wird, an der Seite der bewaffneten Bauern die Feudalherrn zu bekämpfen, als auch die Studenten in den Städten zusammenzuschlagen und die eritreischen Nationalisten zu bekämpfen, Die Polizei, die im alten Regime von der Korruption gelebt hat und neben den Gouverneuren und den Grundherrn der Stützpfeiler des Staates war, ist insgesamt eine reaktionäre Kraft geblieben. Der DERG, der zwischen dieser und den bewaffneten Milizen der Arbeiter und Bauern eingekeilt ist, hat den "Nebelbab" (die Flamme) aufgebaut, ein Elite-Regiment, das anfänglich mit Hilfe der Israelis gebildet wurde und nun als Pretorianergarde für die Wahrung von Ruhe und Ordnung dient. KOMITEES UND MILIZEN
Die seit drei Jahren anhaltende Entfaltung der Stadtteilkomitees und der Bauernkomitees bringen in dieser Situation das Regime und den Staat in eine schwierige Lage. Diese Strukturen erlangen tendenziell gegenüber den Führern des Regimes eine gewisse Autonomie, und zwar in dem Maße wie politische Organisationen wie die Me' ison und die revolutionäre marxistisch-leninistische Organisation erstarken. (Diese Organisationen gewähren dem DERG effektive, wenn auch angeblich nur taktische Unterstützung). Es gibt im Land etwa 22. 000 Bauern komitees (nach Angaben des "Politischen Baros" einer vom DERG errichteten Organisation, um die Massenbewegung zu kontrollieren). Diese Komitees operieren unter 6 Millionen Bauern im Süden und entgleiten der Kontrolle der Zentralgewalt immer mehr. Diese Bauern, die unter dem alten Regime kein Land besaßen, kontrollieren die Komitees und verhindern darin die Wahl ehemaliger Großgrundbesitzer und sichern die Selbetverteidigung ihrer Errungenschaften durch die Bildung bewaffneter Milizen, So soll es etwa 200, 000 bewaffnete Bauern geben.
- 11 Dennoch ist im ganzen Land die Autonomie dieser Milizen keineswegs gesichert, inshesondere seit der Vizepräsident des DERG ihr offizieller Chef geworden ist. Die Milizen werden von kubanischen Beratern ausgebildet (diese sind am 8. April ins Land gekommen und andere werden sicher noch folgen); die Gefahr ist daher sehr groß, daß sie zu Anhängseln der Streitkräfte umgepolt werden. Doch letztendlich wird die Haltung der politischen Führer, die sie heute kontrollieren, ihre Entwicklung gegeniber dem Staatsapparat bestimmen, Da diese Fdhrer mit dem DERC zusammenarbeiten, ist bestenfalls ein unvorbereiteter, empirischer und schlecht verstandener Bruch mit dem Staatsapparat zu erwarten, schlimmstenfalls die Liguidierung der Bewegung: wenn sie dem Regime zu lästig wird.
Die Beziehungen zwischen den Stadtteilkomitees und dem Regime bestimmten sich ursprünglich dadurch, daß sie im wesentlichen zum Zeitpunkt der Verstaatlichung der städtischen Wohnungen und der gesetzlichen Senkung der Mieten um 50% gegründet wurden, Heute haben diese Komitees Leitungsbefugnisse: sie verwalten die vermieteten Wohnungen und haben das Recht, Wohnungen zu vergeben. Seit Mengistu an die Spitze des DERC gekommen ist, hat jedes dieser Komitees 15 Gewehre bekommen, Aber die geger wärtig sehr komplexen Beziehungen zwischen dem Regime und der Me' ison haben zur Folge, daß die Verbindungen zwischen den Komitees und dem DERG sehr fluktuierend sind, Heute führt die Me' ison die Komitees in einen Kampf gegen die PRPE im Untergrund, Selbst die Fabrikkomitees werden von der Me' ison kontrolliert und von den politischen Organisationen, die ihr nahestehen. Sie dhen einen beherrschenden Finfluß in der AETU, der panathiopischen Gewerkschaft aus.
DER FÜNFERBLOCK
Die politischen Organisationen in Äthiopien kommen zum größten Teil aus der Studentenbewegung und haben sich seit Februa: 1974 im Kampf gegen die Feudalherrn stark entwickelt, Gemeinsam ist ihnen die Analyse der aktuellen Periode als gekennzeichnet durch einen revolutionären Prozeß; doch waren sie alle unfähig bisher, eine genaue Analyse der Situation zu liefern, eine Analyse der wirkenden sozialen Kräfte und des Kräfteverhältnisses zwischen ihnen, Drei Jahre nach 1974 halten sie immer noch die "nationale, demokratische Revolution" hoch, die sich auf das Bündnis von drei oder vier antifeudalen Klassen stiltzen soll.
1971 tauchten in Bezug auf die nationale Frage zwei Strömungen in der Studentenbewegung auf. Diejenige, die scheinbar die korrekteste Position zu den nationalen Rechten vertrat und die später die PRPE bildete, war sowohl im Exil wie im Land in der Mehrheit, 1974 , mitten im gesellschaftlichen 11mbruch, führte diese Differenzierung zu einem Bruch. Bis Februar 1975 begnigten sich "Democratia", das Organ der PRPE, und "Stimme der Massen", das Organ der Me' ison, mit der Polemik. Aber als der DERG die Agrarreform verkündete, gab die Me' ison dem Regime ihre kritische Unterstützung, während die PRPE begann, es als "faschistisch" zu bezeichnen, Sektierertum, Einschüchterung sowie gegenseitige Vorwürfe und Manipulation der Massenbewegung flhrten zum völligen Bruch
zwischen diesen beiden Strömungen, Nachdem sie sich endgültig gegenseitig als "reaktionär" und "faschistisch" bezeichnet haben, filhren beide Organisationen nun offen Krieg gegeneinander. Während die PRPE ihre Offensive gegen das "Politische Büro" und dessen Anhang richtet, verlangt die Me' ison die physische Liquidierung der PRPF durch die Milizen und die Komitees, die sie kontrolliert. Diskussionen gibt es nur noch unter politischen Organisationen, die den DERG unterstützen, Diese Diskussionen drehen sich um die nationale Frage (vor allem um die Eritrea-Frage) und um die Beziehungen zum Regime. Diese Organisationen (die Me' ison, die Proletarische Liga, die Revolutionäre Flamme, die Revolutionäre Marxistisch-Ieninistische Organisation Äthiopiens und der Revolutionäre Kampf der Völker Äthiopiens) haben am 15. März eine gemeinsame Plattform unterzeichnet, den "Fünferblock". dessen Hauptlosung ist : "Bewußtsein, Organisation, Waffen". Sie behaupten, daß Organisation, Vertrauen und Selbstverteidigung noch nicht entwickelt genug sind, um der Reaktion die Stirn zu bieten. Ugande D Kenya
Ihrer Meinung nach sollte das Abkommen die Crindung einer "Partei des Proletariats" und einer revolutionären Front beschleunigen, um den revolutionären Prozeß zu führen, aber auch um die Offensive in die 'nächste Etappe" zu starten, Ihr Abkommen enthält auch die Notwendigkeit der demokratischen Freiheiten. Tatsächlich ist der Apparat dieser Gruppen teilweise noch im Intergrund, obwohl einige von ihnen am "Politischen Büro" teilnehmen, Für die PRPE, die gegen die andern Krieg führt, stellt sich die Frage der Partei des Proletariats nicht, da sie von sich behauptet, sie schon darzustellen. DIE ME'ISON UND DIE PRPE
Die Frage des Proletariats ist brigens eine der Fragen, die 1974 zum Bruch zwischen den beiden Strömungen geflhrt hat. Die Me' ison ist der Ansicht, daß der Februaraufstand 1974 vom Kleinbürgertum geleitet wurde: damit rechtfertigt sie ihr Bündnis mit dem linken, "kleinbürgerlichen" F10 gel des DERG. Für die PRPF dagegen wurde der Aufstand vom Proletariat geführt, womit sie ihre Selbsternennung zur Partei des Proletariats rechtfertigt, entgegen aller Kritik der "Apologeten des Faschismus". ("Democratia", Bd. 3 Nr. 12).
Für die Me' ison und ihre Freunde ist die Bauernschaft dabei, sich selbst zu befrein. Die PRPE dagegen vertritt eher Thesen, die den maoistischen Konzeptionen der "Einkreisung der Städte durch die Dörfer" nahekommt. Folglich führt sie ihre Version der nationalen, demokratischen Revolution zum Ruf nach dem Guerillakrieg auf dem Land, Parallel zu dieser langatmigen Strategie führt sie militärische Aktivitäten in der Stadt durch, die kaum in Widerspruch zu ihrem ständigen Aufruf zu einer "Provisorischen Volksregierung' zu geraten scheinen. Diese Taktik der Guerilla auf dem Land hat damals schon den studentischen Al tivisten, die später Anhänger der PRPF wur n, von der gegnerischen Strömung, der späteren Me' ison, den Vorwurf des "Gueva rismus" oder "F .s hismus" eingebracht. Aus demselben Grund bezeichne die Me' ison die PRPE heute als "anarchistisch"
Obwohl die Organisationen des "Fünferblocks", in dem die Me' ison die Führung hat, in Bezug auf die Bauernkomitees verschiedene Vorstellungen haben, betrachten sie sie im großen und ganzen als "Kampforgane gegen die reak'tonäre Bürokratie und die Grundbesitzer", als die künftige Basis der "Volksregierung" und als "ökonomische Produktionseinheiten" .. ohne jedoch den Charakter dieser Ökonomie weiter zu präz'sieren. Für die PRPE sind die Bauernkomitees heute "Strukturen zur Unterstützung des Faschismus". , obwohl sie selbst darin 1974 und 1975 eine zentrale Rolle gespielt hat, Die PRPE, die alle Stadtteil-, Fabrik- und Bauernkomitees ils "Organe des Faschismus" bezeichnet, begeht den tragischen und sektiererischen Fehler, wußtseinsniveau der Massen nicht zu berücksichtigen, Ihr Unverständnis der Funktion der vom DERC erlassenen Reformen, die Ermordung von Führern der Komitees haben ihr die Sympathie ihrer ursprüng lichen sozialen Basis schwer verscherzt. Bei der Wahl der Filhrer der Komitees konnte die Me' ison sich voll durchsetzen, nachdem die Kandidaten der PRPE brutal verdrängt und verboten worden waren. Diese Situation hat natürlich die ultralinke Haltung der PRPE begünstigt, die heute auf die Wande schreibt: "DERC und EDU sind ein und dasselbe", Andersherum nimmt die Me' ison die Anwesenheit von Guerillas der PRPF und der EDU in derselben Region zum Anlaß, die PRPE nachweislich der betrügerischen Verschwörung mit der EDU zu beschuldigen. Das demagogische Programm der EDU, die in ihren vom Sudan aus ausgestrahlten Radiosendungen die Unterdrückung der PRPE durch den DERG denunziert, erleichert diese Konfusion. Die PRPF ist heute total isoliert, trotz der Zusammenarbeit von Me' ison und DERG. Die politische Schwäche der Analysen der PRPE und ihr ultralinkes Gebaren schürt den Opportunismus des "Fünferblocks". Schließlich hat es den Anschein, daß als Ergebnis ihrer Praxis die Massen sich immer mehr hinter den Opportunismus der Me' ison scharen. Die 9 -
PRPE, die 1975 großen Einfluß in der Arbeiterklasse und in Teilen des Kleinbürgertums hatte, verliert nun ihre Basis.
Der "Fünferblock" bereitet sich auf einen allgemei-