Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Tabor & Hana

Auf dem Weg zum Bürgerkrieg?

Inprekorr Nr. 81, 3. Juni 1977 · S. 18-19 · 974 Wörter

Afrika Sowjetunion

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nen Bürgerkrieg vor. Zum Lager seiner Feinde zählt er die PRPE, "Agent der EDU und der CIA", Schon im März haben in einem Zementwerk Arbeiter, die der Me' ison nahestanden, einen Arbeitergenossen der PRPE getötet und weitere 23 dem Repressionsappa rat des Regimes auszeliefert, Alinliche Fälle häufen sich auf dem Land und auch in den Schulen, Hier verkünden die Wandparolen der PRPF. daß "die Liga der revolutionären Jugend des *thiopischen Volkes den Faschismus zerschlagen wird" Die Jugendorganisation der Me' ison antwortet darauf: "Wir haben unsere bewaffneten Cruppen in die Schulen und die Universitäten geschickt, um den weißen Terror der Faschisten durch den roten Terror zu zerschlagen, DERG, MENGISTU UND ME' ISON

Der DERG ist sowohl das Produkt der Militärbewegung von 1974 als auch des Repressionsapparats des alten Regimes. Obwohl im Staatsstreich von 1974 die "linke" kleinbürgerliche Fraktion im DERC Ober hand bekam, wird der Kollegialcharakter des DERC durch die Personalisierung der Macht durch Mengistu heute immer mehr geschwächt. Der bonapartistische Charakter des Regimes wird von Tag zu Tag identischer mit der Rolle des Bonaparte, den es hervorgebracht hat. Wenn die Me' ison noch vor einigen Monaten den Widerspruch zwischen den Massen und dem DERG als "nebensächlich" abtat, so ist sieheute vorsichtiger. Die Zeitschrift der Me' ison "Äthiopische Frauen im Kampf" erklärte: "Das Heilmittel gegen das Zaudern des DERC ist der Druck von der Basis"' , und in "Die Stimme der Massen" schreibt die Me' ison: "Wir glauben nicht, daß alle diese Kräfte (die Mitglieder des DERG - Anm. d. Übers. ) immer für die Revolution eintreten werden. "Sicher wird der Tag kommen, an dem sich zwei Lager im DERG und in der Armee gewaltsam bekämpfen werden " ("Die Stimme des Volkes" vom 8. Februar 1977). Trotz ihrer offen klassenversölnlerischen Politik verbreitet die Me' ison heute die Parole von der "Vorbereitung auf den Endkampf" Der DERG, der von den Ereignissen nicht aberrollt werden will, ist so weit gegangen, einige Mitglieder der Stadtteilkomitees öffentlich hinrichten zu lassen, weil sie diese Initiative etwas zu weit getrieben und Arbeiter getötet hatten, die im Verdacht standen, Mitglieder der PRPE zu sein.

Im Rahmen ihres "antibtrokratischen Kampfes" und ihrer Vorbereitung des "Endkampfes" erklärt die Me' ison nun, daß die "Beamten auf Grund ihrer politischen Positionen in die Schlüsselstellungen komnisse". men müssen und nicht auf Grund ihrer Abschlußzeng . Vor kurzem hat sich der DERC dariber hinweggesetzt und bei der Umbildune des Kabinetts am 11. Marz "nicht-sozialistische" und der Me' ison zam Teil sogar feindlich gesinnte Technokraten zu Ministern ernannt. Zudem könnte das sowjetische Vordringen in Äthiopien den Honigmond zwischen dem DERC und der Me' ison ins Wanken bringen. Diese hält zu einem guten Teil noch an den maoistischen Analysen über den "sowjetischen Hegemonismus" fest. Der DERC seinerseits sucht durch seine Beziehungen zur Sowjetunion eine politische und mili tärische Stütze zu finden, die ihn davor bewahrt, gegenflber der EDU, den Eritreern und den Afars allzu sehr dem Druck der Massenbewegung ausgesetzt zu sein, Jetzt schon gibt die Me' ison die Parole von der "nationalen Unabhängigkeit und dem Vertrauen auf die eigene Kraft" aus. Ein Bruch zwischen der Me' ison und dem DERG kömte eine besondere Bedeutung erhalten, da die Me' ison in den Stadten iber ein großes Mobilisierungspotential verfigt und • Mengistu andererseits filr einen großen Teil der Bauernschaft ein Symbol der Emanzipation ist, Als Funktionsträger einer unterdrickten Minderheit im Süden fer ist der erste nicht-abessin ische Staatschef im Land) ist er vorgestellt worden als der "Architekt der Revolution und der "Mann, der den Nepus gestürzt hat". • Die Bauern erinnern sich, daß die Milizen unter seiner Führung bewaffnet wurden; am 12. September 1975, dem ersten Jahrestag des Sturzes von laile Selassie, trugen sie Mengistu im Triumphi, bevor sie sich der Reihe nach auf den kaiserlichen Thron setzten. Deshalb ist im Falle eines Bruchs die Haltung der Bauernschaft ein gro- Bes Fragezeichen fir Me' ison, ERITREA UND DIBOUTI

Eritrea und Djibouti sind zwei entscheidende Faktoren für die Zukunft des äthiopischen Staates. Was Djibouti angeht, setzt der DERC auf Ali Aref, mit dem er sich im Juni 1975 versöhnt hatte. Er hoffte dadurch das Problem der thiopischen Afars lösen zu können, die unter der Führung von Ali Mirah von Djibouti unterstiltzt wurden, Solange Ali Aref, damals Prisident des Rates der Afars, der Mann Frankreichs war, ruhte die Hilfe der Afars in Djibouti für die Truppen von Ali Mirah, Aber diplomati schere Erwägungen zwangen den DERG, mit Ali Aref ein Einverneimen zu suchen, Mittels Ali Aref fhrte Frankreich auch seine Politik gegen die Soma li- Mehrheit und daher auch gegen die Politik Somalias selbst in Djibouti. Diese ungeschickte Taktik scheiterte, als Frankreich den kleinen Diktator in Djibouti fallen ließ und sich den Politikern der Issp und Somalis zuwandte.

Fil r die Me' ison soll das Problem Eritreas und der Afars durch die (ewährung der sofortigen regionalen Autonomie gelöst werden, Obwohl die Me' ison in ihrem Programm das Selbstbestimmungsrecht der Nationen anerkennt, erkennt sie dies nicht flr Eritrea an unter dem Vorwand, es gebe heute keine formierte eritreischeNation in Äthiopien, Im vergangenen Jahr hatte sie sich gegen den "roten Marsch" des DERG auf Eritrea im April 1976 gestellt. In Wirklichkeit geht es fir sie darum, nach einer "ideologischen Propaganda unter den Massen'und einer Versöhnung mit der Volksbefreiungsfront, die sie als fortschrittlich einstuft, einen "Volksmarsch" gegen die Befreiungsfront Eritreas (FLE) zu organisieren, die sie filr reaktionär hält; für die Massenbewegung in Äthiopien eine selbstmörderische Politik. Der DERG, dessen Angebot einer regionalen Autonomie filr Eritrea von den Befreiungsfronten abgelehnt wurde, folgt der Me' ison und versucht heute, eine taktische Differenzierung zwischen der Volksbefreiungsfront (FLP) und der FLE vorzunehmen. Nur die PPPE anerkennt heute das Pecht Fritreas auf Unabhängigkeit. 10. Mai 1977

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