Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Der Wahlkampf der LRT/RAL

Inprekorr Nr. 79, 6. Mai 1977 · S. 25-26 · 761 Wörter

Gewerkschaften und Streiks Frauen Jugend und Studenten

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Wahlkampf um folgende Themen herum geführt: - gegen die Krise, die eine Folge des kapitalistischen Systems selbst ist, und für den Sozialismus, wobei wir die Betonung auf den revolutionären Weg und auf die sozialistische Selbstverwaltung gelegt haben. Auf diese Wei se haben wir Verbindungen zur gesamten, noch zerstreuten, antikapitalistischen Linken knüpfen und uns ohne Sektierertum und ohne Schulmeisterei als Sprachrohr einer viel breiteren gewerkschaftlichen, betrieblichen, werktätigen und jugendlichen Linken vorstellen können; - gegen einen möglichen Eintritt der PSB in eine Regierung der Klassenversöhnung mit der CVP-PSC. Das hat uns ermöglicht, die zentralen Themen unseres 3. Kongresses (vom März 1976) zu verbreiten: gewerkschaftliche Unabhängigkeit des FGTB und des CSC, für eine Arbeiterregierung, für eine Arbeiterpartei der christlichen Arbeiter (unabhängig von der CVP-PSC), für die gewerkschaftliche Linke. Aber den bedeutendsten Fortschritt, der uns positiv von der TPO/AMADA abgehoben hat und uns in das Licht einer (wenn auch noch sehr kleinen) Strömung der Arbeiterbewegung gestellt hat, haben wir auf zwei Gebieten erreicht:

- wir haben unsern Kampf gegen den Eintritt der PSB in die Regierung im Namen eines antikapitalistischen Programms und einer Arbeiterregierung geführt, die von der gewerkschaftlichen Einheitsfront FGTB-CSC unterstützt wird. Damit haben wir mit der Arbeiterlinken, die noch an den Reformismus gebunden ist, eine Diskussion beginnen und Verbindungen aufnehmen können; - seitdem wir prognostiziert hatten, daß es im Frühjahr 1977 zu Neuwahlen kommen würde, haben - 2 wir für die Einheit der Arbeiter links von der Führrung der PSB , um die Achse LRT-KP herum gekämpft. Die KP befindet sich in einer politischen Sackgasse, denn ihr Einheitsangebot an die PSB entspricht weder dem Kräfteverhältnis (in Flandern ist es direkt lächerlich) noch der politischen Situation. In Antwerpen wäre es beinahe zu einem Wahlbündnis zwischen LRT-KP und der christlichen Linken gekommen, wenn die nationale Leitung der KP dies nicht im letzten Augenblick unterbunden hätte. Diese Frage ist mehrmals (vor allem in Flandern) öffentlich aufgegriffen worden. Die KP wurde in die Enge getrieben und versuchte sich auf eine rechtssektiererische Weise abzugrenzen.

All dies hat sich in einer starken Wahlkampfaktivität niedergeschlagen: Flugblätter wurden massiv ver teilt, ebenso Wahlplattformen; vor Betrieben und in den Stadtteilen wurden etwa 200 bis 250 Veranstaltungen und Kundgebungen organisiert (die KP und die TPO/AMADA haben kaum Veranstaltungen gemacht!), mit allen anderen Parteien wurden öffent liche Debatten veranstaltet (vor allem in Flandern); 4 Broschüren wurden verteilt (eine über die Einheit, über den Feminismus, eine Antwort auf an Generalsekretär des FGTB und eine über die 36-Stunden- Woche).

Aber vor allem haben unsere 19 Kandidaturen eine soziale und politische Zusammensetzung der LRT/ RAL widergespiegelt, die radikal mit ihrem Image als Jugendorganisation gebrochen hat. Kandidiert haben Gewerkschaftsdelegierte aus Großbetrieben oder Führer bedeutender Arbeiterkämpfe (Docker in Antwerpen, Textilarbeiter in Mouseron, Arbeiter von Glaverbel, Verlica-Borinage, Marie-Thumas- Malines, Caterpillar-Charleroi, Société Générale - Bruxelles, Sabena, Gevaert-Antwerpen, PTT-Mons, Postiers-Alost, Warenhausangestellte von Gent, Vertreter des Personals der Universität Brüssel, Sozialarbeiter von Lüttich, Angestellte aus Charleroi, städtische Arbeiter aus Lättich, usw. ); Arbeiter anderer Betriebe (z. B. in Lüttich, Gent, Niklas, Courtrai): Gewerkschaftsführer und Mitglieder des Exekutivkomitees der Lehrergewerkschaft (Gent, Alost, Antwerpen, Brüssel, Lüttich, usw.), sonstige Angestellte im Öffentlichen Dienst (vor allem in Lüttich und im Zentrum). Ein besonderer Platz wurde den feministischen Aktivistinnen eingeräumt, sowohl denen der LRT/RAL, als auch den Vertreterinnen der autonomen Frauenbewegung und der Abtreibungskomitees (sie standen an der Spitze der Liste in Oostende, auf der Liste in Gent, Antwerpen, Brüssel). Die offenen Wahllisten und die Einheitsinitiative haben auch individuelle Genossen bewogen, als Unabhängige sich auf unsere Wahllisten zu stellen; es waren dies flämisch-sprachige Linke (in Gent, Antwerpen), linke Christen (Brüssel), bedeutende Künstler der kämpferischen Kultur (Antwerpen, Löwen, Brilssel), Vertreter neuer Schichten, die in den Kampf getreten sind (Rechtsanwälte, Angestellte bei den Massenmedien, Mediziner, sexuelle Befreiung, usw.), Studentenführer 5-

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Das Wahlergebnis ist ziemlich zufriedenstellend für uns ausgefallen, abgesehen von einigen Wahlkreisen in Wallonien. Auf nationaler Ebene hat die LRT/RAL etwa 15. 000 Stimmen bekommen, davon 8. 500 in Flandern, 2. 800 in Brüssel und den Rest in Wallonien. In Flandern ist das ein kleiner Durchbruch, da hier die KP (die hier zur extremen Linken gezählt wird) und die TPO/AMADA schon zwei Wahlkämpfe TUNESIEN geführt hatten. Insgesamt ist die Bilanz sehr positiv. Die LRT ist als eine (kleine) Organisation der Arbeiterbewegung in Erscheinung getreten mit eigenem Profil. Jenseits des Wahlergebnisses hat dies für uns eine Grundlage geschaffen, in den kommenden Kämpfen unser politisches Gewicht und unsere Organisation zu stärken.