MELDUNGEN AUS BENGALEN +++++++++++++++++++++++++++++++++++ MAULANA BHASHANI IN INDIEN FESTGEHALTEN
Der internationale Druck für die Freilassung des 92-jährigen Bauernführers von Bangla Dern, Maulana Abdul Hamid Khan Bhashani, wird jeden Tag stärker; dieser wird von den indischen Behörden unter Hausarrest gehalten, seitdem er im April nach Ausbruch der Schlächterei in langla Desh die Grenze überschritt. Der Regierung Indira Ghandi fällt es immer schwerer, noch länger geheim zu halten, daß Bhashani festgehalten wird.
Bhashani, von dem es heißt, er sei in einem abgesonderten Haus in einem Ort 60 Meilen nördlich von Kalkutta festgehalten, wurde es nicht erlaubt, auch nur einen seiner Parteiführer oder erbindungsmänner zu sprechen, die nach Kalkutta gekommen waren, um den bengalischen Führer zu treffen. Masihur Rahman, der Generalsekretär von Maulanas National Awami Party, war ihm vor einiger Zeit nach Indien gefolgt. Rahman wollte sich mit ihm über die Art des Kampfes in Bangla Desh besprechen. Nicht nur, daß Rahman seinen Chef nicht sehen konnte, man nimmt jetzt sogar an, der Sekretär der N.A.P. sei selbst von der indischen Polizei "wegen illegalen Betretens von Indien" 3n et genon der indischen Polizes DER BRUCH IN DER AWAMI - LIGA
In informierten politischen Kreisen Kalkuttas hält man es für wahrscheinlich, daß sich das Oberkommando des East Bengal Regiment, des harten Kerns der Guerilla-Truppen, das sich die vollständige Unabhängigkeit unter allen Umständen zum Ziel gesetzt hat, bald von den Politikern der Awami-Liga trennen wird, die die provisorische Regierung gebildet haben und nun wachsendes Unbehagen über die Richtung empfinden, die der sich in die Länge ziehende Krieg nimmt. Die barfüssigen Guerillas, die den gut ausgerüsteten pakistanischen Truppen mutig harte Gefechte liefern, sind gegenüber der Aktivität der Regierung der Awami-Liga skeptisch geworden. Da in Kalkutta öffentlich über die Korruption einiger wichtiger Führer der Awami-Liga ,gesprochen wird, breitet sich wachsendes Ressentiment bei allen aus. Es wird angenommen, daß letzten April eine große Summe pakistanischen Geldes, etwa 750 Millionen Rupien, von den Führern der Awami-Liga über die Grenze nach Indien gebracht worden ist. In vielen Fällen wird ein Großteil dieses Geldes, statt zentral aufbewahrt zu werden, immer noch von einigen Individuen behalten, die offensichtlich Geschmack an dem Luxusleben gefunden haben, das Kalkutta seinen hohen Gästen bietet. Ein weniger glücklicher Flüchtlis; bemerkte: "Wir wissen, daß Geld redet. Aber in Kalkutta redet es nicht, es schreit." Die mutmaßlichen Schuldigen haben für sich selbst teure Residenzen in den vornehmen Vierteln Kalkuttas gewählt. Es ist klar, daß diese Elemente die ehrlichen und entschlossenen Awami-Führer arg in Verlegenheit bringen, denen es immer schwerer wird, ihre Rolle gegenüber der wachsenden Kritik zu rechtfertigen.
Der zu erwartende Bruch zwischen dem Teil, der am Kampf teilnimmt, und der Führung der Awami-Liga wird sich wahrscheinlich an der Weigerung der Awami- Liga vollziehen, den gegenwärtigen Befreiungskampf auszuweiten und mit anderen Parteien eine Einheitsfront bilden. Die Notwendigkeit für einen solchen Schritt wird von den Führern des East Bengal Regiment auf dem Schlachtfeld immer dringlicher gespürt, die sich in steigendem Maße aut koordinierte Aktionen von politisch fortgeschrittenen Kadern im Rücken des Feindes verlassen. Sollte sich der Bruch vollziehen, dann stehen die Bosse der Awami-Liga in Kalkutta ebenso wie die indische Regierung vor Perspektiven, die in die incischen Pläne nicht recht passen. Die Befehlshaber der Befreiungstrupper auf dem Schlachtfeld sehen die kürzlich erfolgten Guerillaaktionen in Them nd Chittagong als notwendige Ergänzung an, um die Armee Yahyas au • i Knie zu zwingen.
In dieser fialion wird Indien bestimmt nicht Maulana Bhashani freilassen; denn dessen dyramische Persönlichkeit und dessen politische Vergangenheit Könnte zum Koordinationpunkt für die Kämpfer werden, die statt der abgewirtschafteten Führung nach einer besseren suchen.
(Khaled YOUSOUF, Kalkutta 15.8.71. Aus RED MOLE)