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Teil 2 MAOS SOZIALISMUS-KONZEPT
Nach dem Abschluß der Periode des revolutionären Auf- nationalen Sozialismus, und seiner subjektivistischen Heschwungs in Europa 1919-1923 verlagerte sich der Schwer- rangehensweise an die Frage des Aufbaus des Sozialismus punkt der Weltrevolution für relativ lange Zeit in die un- in China.
terentwickelten Länder. Aus diesem Umweg der Revolu tion zog Mao empirisch den Schluß, die Revolution Könne in rückständigen Ländem leichter ausbrechen als in fort- Seine These vom Sozialismus in cinem Land hat Mao geschrittenen kapitalistischen Ländem. Er hielt dies vielleicht am anschaulichsten im folgenden Satz ausgealschlicherweise für ein allgemeines Gesetz der Geschichr drückt: "Die korrekte Methode (den Sozialismus aufzute und faßte dieses so weit, daß auch der Sozialismus in bauen, S.S. Wu) ist, daß jedes Land sein Bestes dazu beiden rückschrittlichen Ländem eher erreicht werden könne tragen sollte, nur auf die eigene Kraft vertrauen soll und als in den fortgeschrittenen. In seinen Aufzeichnungen dabei soweit wie möglich unabhängig bleiben soll; grundüber die politische Ökonomie der Sowjetunion schrieb er: sätzlichsollte es aber nicht von andem Länder abhängig sein und nur soviel leisten wie es kann. Insbesondere dic Landwirtschaft muß es mit allen Mitteln fördem. Es ist seulingen. Der Ausdruck seht geram miche in Nahrungsmitteln von anderen Ländern *Lenin hat gesagt: " Den rückschrittlichen Ländem wird der eigene bittere Erfahrung wider, in einer Situation der Überganges scheint nun aber, vom Kapitalismus zum Sozialismus schwerer Umzingelung vom Imperialismus von der Sowjetunion abfallen. daß diese Bemerkung falsch hängig gewesen zu seín. Genau diese Erfahrung führte ist. Tatsache İst: je rückschrittlicher die Wirtschaft, Mao zu seiner Politik des Vertrauens auf die eigene Kraft. desto leichter ist der Übergang vom Kapitalismus zum Als taktischer Zug in einer schweren Situation mag diese Sozialismus, nicht schwerer. Je ärmer das Volk, desto Politik unter den damaligen Bedingungen korrekt gewesen mehr will es die Revolution. "Hier hat Mao offensichtlich sein. Aber wenn man sie zu einer allemeinen Orientiezwei verschiedene Fragen durcheinander geworfen. rung für den Aufbau des Sozialismus erhebt, dann beinhal eine ist die, daß die Kolonialrevolution in bestimmten tet das, daß man den Übergang vom Kapitalismus zum Perioden der Geschichte eine vorwärtstreibende, führende Sozialismus nicht mehr als weltweiten Prozeß ansieht. Rolle spielen kann: die andere ist die des Übergangs der Diese Verallgemeinerung hat äußerst reaktionäre Züge rückständigen Länder zum Sozialismus. Aus der Tatsache, wie man zuletzt wieder an der chinesischen Außenpolitik daß die Revolution in rückständigeren Ländem früher aus- gesehen hat.
rebrochen war als in fortseschrittenen. leitete Mao ab, daß die rückschrittlicheren Länder auch eher den Sozialismus erreichen würden. Dieser Fehlschluß zeigt einerseits Maos empirisches Herangehen an die Geschichte. An- Mao hatte verstanden, daß die Produktivkräfte des alten dererseits enthält er die Quintessenz des politischen Den - China in den Ketten der herrschenden Produktionsverhältkens Maos. das sich nie die marxistische Vorstellung zu nisse und der imperialistischen Ausbeutunglagen, Insofem eigen gemacht hat, der Übergang vom Kapitalismus zum war die chinesische Revolution ein Versuch, Chinas Sozialismus werde notwendizerweise ein weltweiter und Produktivkräfte von diesen Fesseln zu befreien, Die Revoorganischer Prozeß sein. Dies sind die ideologischen Wur- lution schuf aber Produktionsverhältnisse, die fortgeschritzein seiner Theorie des Sozialismus in einem Land. des tener waren als der Stand der Produktivkräfte: ein Wider-
spruch, der in jedem rückschrittlichen Land auftaucht, in lem die proletarische Revolution erfolgreich war. Nach Ansicht der revolutionären Marxisten kann dieser Widerspruch nur durch den Sieg der Revolution im Weltmaßstab sen chin eit werden. Die treibende Keat in die semen Prozeß war für ihn der subjektive und voluntaristische Wille der Bevölkerung. "Sobald die Kommunen wirtschaftlich stark genug sind, kann alles in ihr Eigentum übergehen. Dann können wir erreichen, Volk Eigentümer wird, Dazu werden wir wahrscheinlich zwei Fünfjahrespläne brauchen. Wir sollten nichts überstürzen. Das entspricht auch genau der Resolution von Pítaiho (vom 29.8. 58). Wir werden drei oder vier, fünf oder sechs Jahre brauchen oder noch länger, Dann werr n wir mehrere Entwicklungsphasen erleben, so daß nach fünfzehn, zwanzig Jahren oder mehr aus den sozialistischen Kommunen kommunistische Kommunen werden können. " In derselben Rede malte Mao die rosige Zukunft noch weiter aus: "Wir haben vier Jahre gebraucht, von 1953 bis 1956, um von Mannschaften der gegenseitigen Hilfe zu fortgeschrittenen Genossenschaften überzugehen, die mehrere schwierige Phasen durchgemacht haben. Wir werden noch einmal vier Jahre oder fänger brauchen, um vom Kollektiveigentum der fortgeschrittenen Genossenschaften zum Kollektiveigentum der Kommunen überzu- Jahre dazu und während dieser Zeits seen odeuns davor Vielleicht brauchen wir fünf, sechs oder sieben nüten, zu hastig vorzugehen. Es geht darum, das Pro- Juktionsniveau der armen Produktionseinheiten auf die Stufe der reichen Produktionseinheiten zu heben. Das braucht Zeit, Da die Kommune groß ist und viele Produktionse inheiten umfaßt, werden wir mehr Zeit brauchen, um die Landwirtschaft zu mechanisieren, das Land zu elektrifizieren, die Kommunen und das ganze Land zu Bewußtsein im Volk zu fördem , die sittlichen und mora- industrialisieren das sozialistische und kommunistische lischen Eigenschaften des Volkes zu fördem und das kulturelle und technische Niveau sowie das Bildungsniveau anzuheben. Wir haben berechnet, daß die Stahlproduktion nächsten Jahr werden Wir 1 Million Tonnen in eisten hahr bei se Mill men Tonnen liegen kann, In Kommunen liefem, im Jahr daraut 2 Millionen Tonnen Stahl und im dritten Jahr 3 Mio. Tonnen. Mit diesen 6 Mio. Tonnen Stahl an Material und Ausrüstung werden die Kommunen wahrscheinlich die Mechanisierung der Landwirtschaft durchführen können. Sie werden also für die Industrialisierung der Kommunen in vier, flinf, sechs oder sieben Jahren ausreichen. Natürlich ist dies erst die erste Stufe. Danach werden wir eine zweite und dritte Stufe auf. Seitdem sind 17 Jahre vergangen und noch immer ist das System des Kollektiveigentums der Kommunen nicht voll eingeführt, geschweige denn die Industrialisiering und Mechanisiering der Kommunen erreicht. Das bedeutet nicht, daß wir gegen Kollektivierung und Kommunalisierung in der Landwirtschaft sind. bevor nicht die Weltrevolution gesiegt hat. Tatsächlich ist die Kollektivierung der Landwirtschaft ein Eckpfeiler der Dikatur des Proletariats in der Ubergangsperiode, denn ohn ie entbehren die rückschrittlichen Linder jeder Basis fu der landwirtschaft bedeutet in einer Ubergangsgesellschaft eine Entwicklung hin zum Sozialismus. zweierlei. Erstens stellt sie die Grundlage für die Ent- Wicklung der nationalen Produktivkräfte dar. Zweitens ist sie ein taktischer Schritt, damit das sozialistische Eigentum an Produktionsmitteln in einem Land bis zum Sieg der Weltrevolution bestehen kann. In diesem Sinn reicht es über die nationalen Grenzen hinaus. Mao hat diesem zweiten Umstand keine Beachtung geschenkt und geglaubt, der Aufbau des Sozialismus könne in China selbst völlenwenn nur der Prozeß der Kollektivierung der Landwirtschaft richtig abgeschlossen sei. Dies aber machte er vor allem von der Mobilisierung des revolutionären Volkswillens abhängig. In diesem Sinn war seine Politik von Grund auf subjektivistisch.
Ebens o empirisch begründete Mao sein Konzept der Diktatur des Proletariats, Nicht die Erfahningen der intematio alen Arbeiterbewegun haben Mao die Idee der Diktatur der Pariser Kommune, der Oktoberrevolution usw.
des Proletariats vermittelt, sondem seine eigene Erfahrung mit dem Sowjet-Regime bei den chinesischen Bauem in den 30er und 40er Jahren und das Bild, das er ich von der sog. Diktatur des Proletariats in der Sowietunion unter Stalin machen konnte.
Schon 1928 unterbreitete Mao dem Zentralkomitee der KPCh einen offenen Bericht, in dem er seine praktischen Erfahrungen mit der Organisierung des Regimes auf dem tet, schriebe, aber meistens nur dem Namen nach. "Auf allen Ebenen werden Sowjets errich- Die
Vielerorts gibt es den Kongreß der Arbeiter-, Bauem - und Soldaten vertreter nicht, Auf Dorfebene, Bezirksebene und Provinzebene wählen die Massen in der einen oder anderen Weise die Exekutivkomitees der Sowjets. Aber die Massen versammlungen werden nur dürftig vorbereitet. D.h. es gibt keine wirklichen Diskussionen, es tehlt an politischer Schulung und die Versammlungen werden leicht von Intellektuellen und Opportunisten beherrscht. Sie können nicht verstehen, was ein Sowjet ist, daß der Kongreß der Arbeiter-, Bauem - und Soldatenvertreter die höchste Autorität darstellt und das Exekutivkomitee nur ein ausführendes Organ ist in der Zeit, in der der Kongreß nicht tagt. Das ist der größte Fehler, was den politischen Apparat in den Randgebieten betrifft. In anderen Gebieten gibt es Vertreterkongresse, Funksion die der Wahl des Exekomitees ist das Funktion die der Wahl des Exekutivkomitees ist, nach dem Kongreß die Macht in der Hand hält und über den Kongreß nicht mehr spricht. Es gibt auch wirkliche aber sie sind sehr selten. Der Grund dafür ist daß es nur unzureichend Propaganda und Schulung darüber gibt, was das neue politische System der Sowjets wirklich Die aus der Feudalzeit überkommene schlechte Gewohnheit an diktatorische und autoritäre Führungsmethoden ist im Bewußtsein der Massen und sogar der durchschnittlichen Parteimitglieder noch tief verwurzelt und kann nicht von einem Tag auf den andem ausgerottet werden.
Zu dieser Zeit hatte Mao noch eine lebhafte Erinnerung an das Sowjetsystem der Oktoberrevolution und er konnte daher in lebendiger Schärte die Widersprüche herausarbeiten, die der Aufbau eines Sowjetsystems auf dem Land İnmitten der Rückständigkeit der Bauemschaft mit sich bringt. Aber ebenso klar war, daß Mao nicht verstanden hat, daß das Sowjetsystem der höchste Ausdruck der Autonomie der russischen Arbeiterbewegung gewesen ist und daßes von oben bis unten von der Arbeiterbewegung selbst errichtet worden ist. Für Mao waren die Bauem - "Sowjets" in erster Linie ein Werk der Partei. 1934 ging er die Frage der sowjets unter einem etwas anderen Gesichtspunkt her an: "In der Demokratie der darauf hinweisen, Sarait sind isens hate gemeleronen vielen woman vielerorts noch viel zu wünschen übrig läßt. Man sollte einen energischen Kampf seh zwischen den sowjets une den Massen festgesetzt Bürokratismus führen und den Kehricht, hat, wegfegen. Dieser Kehricht ist Bürokratismus und Kommandierertum. Diejenigen, die für die Sowjets arsollten die Aufgaben der Sowjets auf der Basis der Mobilisierung und Überzeugung des Volkes durchführen. Und nicht zu den Methoden des Zwangs oder Befehls greifen. Sie sollten jede Forderung und jeden Vorschlag aus dem Volk aufmerksam aufnehmen statt diese Forderungen und Vorschlage zu mißachten. Hier spricht Mao nicht mehr vom Sowjet als dem Organ mit der obersten Autorität, das den Willen des Volkes ausdrückt. Er sicht den Sowjet eher als Avantgarde der Massen und seine Sorge gilt der Frage, daß diese Avantgarderolle auf unbürokrätische Weise erfüllt werde.
Diese Konzeption des Sowjetsystems wurde noch untermauert durch die Strategie, die die KPCh in der dritten chinesischen Revolution verfolgte. Die Arbeiterbewegung selbst hat bei der Machtergreilung keine unabhängige Rolle gespielt, da die Städte von den Dörfem eingekreist wurden. So zog die KPCh in die Städte als Befreierin der. Arbeiter ein und diese hatten nicht selbst ein Sowjetsystem schaffen. So neigte die KPCh dazu, eine Art modell" der Diktatur des Proletariats aufzubauen, das der maoistischen Konzeption der "Sowjets" , wie sie bereis auf dem Land existierten, näher kam. In diesem Sinn hat die Diktatur des Proletariats in China seit ihrer Entstehung deformierte Züge getragen; in diesem Sinn war der chinesische Arbeiterstaat von Anfang an bürokratisch entartet. So gesehen war Maos Verteidigung der Grundlage der chinesischen Bürokratie Ausdruck und theoretische sowie ideologische Rechtfertigung der entarteten Diktatur des Proletariats, in der die Partei anstelle der Arbeiterklasse
im Land herrschte. Der reaktionäre Charakter trat nicht deutlich zutage, solange die Arbeiterklasse fügsam war und die Rolle der Partei nicht durch ihre eigene direkte Anwärterschaft auf die Macht in Frage stellte. Bel den Januarereignissen in Shanghai 1967 wahrend der Kulturrevolution beklagte sich Mao: "Wenn Shanghai und das ganze Land in Kommunen umgewandelt wird, was soll lann mit der Partei werden? Wo wird die Partei dann bleiben › Wenn es in den Komitees Parteimitglieder und Nicht-Parteimitglieder gibt, welchen Platz nimmt dann die Partei ein Denn trotz allem muß es doch eine parbeigebenn denn die komm Pe die Pattel ersetzener Es muß eine Partei in den Kommunen ge- Der Sinn dieser Fragen ist klar. Die Bestrebungen der Arbeiter und Studenten von Shanghai, von oben bis unten ihre eigenen räte-artigen Strukturen aufzubauen, torderten die Existenz der Partei selbst heraus; das System der Kommunestellt tendenziell die geballte Macht der Partei in Frage. Solange es darum geht, diese geballte Macht und die sich darauf stützende Bürokratie zu erhalten, solange kann sich die Arbeiterdemokratie nur in Formen entwickeln, die sich innerhalb der von der Partei gesetzten Grenzen befinden.
Vom soziologischen Standpunkt aus sind also Sicht und Praxis der Diktatur des Proletariats unter Mao mit der unter dem stalinistischen System verwandt. Aber die beiden Systeme unterscheiden sich in ihrer historischen Entstehungsweise Stalins System wurde in einer Reaktion gegen die Oktoberrevolution durchgesetzt und baute sich auf einer passiven oder feindseligen Arbeiterklasse auf Maos System ging aus einer aufstrebenden Revolution hervor und hat dahermit den Massen bis zu einem gewissen Grad brüderliche Beziehungen geknüpft. MAO UND DIE KULTURREVOLUTION
Die Große Proletarische Kulturrevolution war das herausragendste politische Ereignis nach der Machtergreifung 1949. Warum hat Mao sie ausgelöst?
Als erstes muß man den Charakter der Tendenz verstehen, an deren Spitze Liu Shao-chi stand, Grundsätzlich stellte siedie rechite Strömung innerhalb der KPCh während der sog. Ubergangsperiode der Neuen Demokratie dar. Wir haben im ersten Teil dieses Artikels in der vorigen Num- Reci, die aul der pro anatole bat on singe, daß die KPCh einem Prozeß der die auf der programmatischen Basis von Maos Theo rie der Neuen Demokratie erzogen worden war, ebenso glatt auf die Politik der permanenten Revolution eingestellt wie der empirische Maoż Prallte nicht die alte Linie der KPCh mit der neuen Linie zus ammen und stand sie nicht in Widerspruch zu ihr?
Noch am 14. Juni 1950 hatte Liu Shao-chi auf der zweiten Tagung des Nationalen Komitees des Beratenden Politischen Volkskongresses erklärt: "Unsere Politik zur Erhaltung der reichen Bauem gilt sicher nicht nur vorübergehen, ie der reichen Bauem während der ganzen Perio- sonder langiristg. wir werden an der de der Neuen Demokratie festhalten..
reichen Bauer ist erst dann überflüssig, wenn auf dem Land im breiten Maßstab Maschinen eingesetzt werden cönnen, wenn Kollektivfarmen errichtet werden können and auf dem Land eine sozialistische Umwalzung stattfinden kann. Aber das wird erst in relativ femer Zukunft der Fall sein. " (Liu Shao-chis Ausgewählte Werke, chinesische Ausgabe).
Selbst im Juni 1956 wandte er noch ein: "Einige Genossen meinen, daß die Kollektiviering auf dem Land mit Hilfe von Trupps zur gegenseitigen Hilte, Genossenschaften und Ersatztrupps für den Ackerbau durchgeführt werden kann. Das ist unmöglich. Das sind Phantasien von Agrarsozialismus und sie sind falsch.
revolution im kommunistischen China, Ming Pao Publishers, Vol. 1, S.284, Hong Kong 1971).
In Bezug auf die Frage der Verstaatlichung der Industrie rat Liu Shao-chi noch 1957 für die Entfaltung spontaner kapitalistischer Tendenzen ein: "Man sollte die Existenz eines gewissen Anteils an kapitalistischer Industrie, Handel und Untergrundfabriken zulassen, um die "Löcher zu den reichen Bauern und spontanen kapitalistischen Entwicklungsten denzen Zugeständnisse zu machen. Diese rechts war, wich von Maos Linie ab. Als man 1958 mit dem Großen Sprung nach vom begann, führte Liu's Tendenz keinen offenen Kampf gegen Maos Linksschwenk - wahrscheinlich aus drei Gründen: wegen Maos hohem persönlichen Prestige, wegen dem relativ positiven Ergebnis der Kollektívierung der Landwirtschaft, die damit vom düsteren Bild der Kollektiviering in der Sowjetunion abstach, und weil man sich von der sozialistischen Umwandlung der Industrie und des Handels für die Zukunit einiges versprechen konnte. Aber Liu gab das Bestehen olcher politischen Differenzen zu: "Es hat über die Frag les Großen Sprung nach vor und der Volkskommuner in unserer Partei eine Auseinandersetzung zwischen verschiedenen Meinungen sozialistischen Umwen gene auf dem Gebiet der industrie Uber die Frage der und des Handels hat es innerhalb unserer Partei eine Debatte gegeben, in der verschiedene Standpunkte vertreten wurden" ("The Triumph of Marxism-Leninism in China", 1959).
Aber die Differenzen zwischen den beiden Tendenzen bezogen sich nicht nur auf die Wirtschaftspolitik. Mao legte Wert auf eine besondere Beziehung der Bürokratie zu den Massen: seine Vorstellung war die, daß die Politik der Partei in Form von Massenbewegungen durchgetührt werden sollte, ohne sich auf eine besondere soziale Schicht von Experten und Technokraten zu stützen, die die Funktion eines Mediums für die Umsetzung der Politik der Partei erfüllen. So sind auf fast allen Gebieten Konflikte zwischen diesen beiden Tendenzen aufgetaucht: auf dem Gebiet der Erziehung, der Ideologie, der Philosiese kontikte politische Falgen. der Kunst und Literatur. In einigen Fällen hatten In diesem Sinn war die Kulturrevolution satorischen Apparat in die Höhe und verfestigten ihre Standpunkte: la durch wurden sie de facto zu Fraktionen. Mao war gezwungen, wegen seiner geschwächten Position in der Parteiführung und seiner Beziehung zur Massenbe wegung die Kulturrevolution so in Gang zu setzen, wie er es tat. Damit beabsichtigte er, die schöpferische Energie der Massenbewegung freizusetzen und gegen die gegnerische Fraktion zu wenden.
Zunächst schien die Kulturrevolution nach Maos Plan zu verlaufen. Die Massen, erfüllt mit neuen Pesspenten die mit Vertrauen, Hoffnung, Mut und Militanz stürmten Partei und sogar den Armee-Apparat und versetzten der Fraktion Liu Shao-chis harte Schläge. Aber die Massen bewegung ging viel weiter, als Mao erwartet hatte. Durch ihre tiefverwurzelte Feindseligkeit gegen die Bürokratie, ihr Verlangen nach Vergeltung und Ihre Entschlossenheit, offenen Widerstand zu leisten, setzten die Massen weitgehend die Akzente des Kampfes. Je mehr Masseninitiativen sich entfalteten, je mehr Kämpfe die Massen rührten, rakter der Massenbewegung hervor. desto deutlicher trat der anti-bürokratische Cha- Es ist wahr, daß am Ende selbst die linkeste Strömung der Roten Garden noch las Banner der Mao Tse-tung-Ideen hochhielt, aber lennoch war die Bewegung fhrem Wesen nach eine Negation von Mao im besonderen und von der Bürokratie im allgemeinen.
Als die Arbeiter und Studenten im Januar 1967 versuchten, in Shanghai ihre eigene Herrschaft zu errichten, war
Maos Geduld und Vertrauen in die Massenbewegung am Ende. Nach Ansicht Maos hatten die Massen die vorgeschriebenen Grenzen überschritten. Ohne zu zögem sen die Revolution offen verriet. Dieser Verrat besiegelte das künftige Schicksal Maos: mit dem Erwachen des revolutionären Bewußtseins der Massen verlor das legendäre mage des Revolutionars Mao immer mehr an substanz geburt gebracht. Aber kaum war das Kind Die Kulturrevolution, hat der chinesischen von die police de der Ara Mao.
DAS ENDE DER ÄRA MAO TSE-TUNG
Von welcher historischen Warte aus kann man sagen, daß die Ära Mao Tse-tung ihrem Ende entgegengeht? Als erstes muß geklärt werden, was man mit der Ara Mao Tse-tung " meint. Diese erscheint nicht nur als Periode der revolutionären Umwälzung und auch nicht nur als Periode der bürokratischen Degeneriening. sie Drei Großen Revolutionen in Desonde der eisen sir in dem sich Maos Führung entfalteten: und diese Führung schwankte ständie zwischen den beiden entgegengesetzten Polen des Stălinismus und des revolutionären Marxismus. Zudem stellt diese Ara historisch eine Nahtstelle dar an der die KPCh trotz des Mangels der chinesischen Arbeiterklasse an politischer Reifé und der Stagnation der Weltrevolution zu jener Zeit eine bürokratische Struktur schuf und einen Arbeiterstaat mit einem besonderen entarteten Charakter errichtete. Schließlich ist in dieser Zeit die Bürokratie soziologisch gewachsen und sie hat ein Selbstbewußtsein ihrer eigenen Existenz erlangt; zur *leichen Zeit hat Mao gegen diese besondere Entwickungstendenz der Bürokratie Widerstand entwickelt. Ir dieser Ära hat es daher Konflikte zwischen Mao Tse-tung und der natürlichen soziologischen Entwicklungstendenz dieser Bürokratie gegeben. Hier ist Maos subiektivistische Herangehensweise an die Frage des Aufbaus des Sozialismus das deutlichste Merkmal dieser Ara. Ihren Höhe unkt erlebte die Ara in der Kulturrevolution insofem als in dieser Zeit die maoistischen Ideen die Massen errevolution, Ende der Ara Mao bedeutet im wesentlichen dies: nachdem sich Maos subiektivistische Methode des Aufbaus des Sozialismus als Fehlschlag und als wirkungslos erwieen hat, und nachdem Mao sích letztlich für die Verteidigung der Grundlagen des bürokratischen Systems entschieden hat, stelli der Maoismus nun zum erstenmal im weiten historischen Sinn keine revolutionäre und pro- 'ressive Tendenz unter den chinesischen Massen meh ar. Die chinesischen Massen suchen nun den Weg ihre Befreiung außerhalb des maoistischen Programms und stellen sich gegen das Gebäude des Maoismus. Die Demonstration auf dem Tien An-men hat diesen historischen Trend lebhaft veranschaulicht, (s. dazu INPREKORR Nr.37). Unter diesen Umständen wird Maos Tod es den Massen leichter machen, mit dem Maoismus zu brechen. Doch welche Folgen wird Maos Tod unmittelbar für die gegenwärtige chinesische Situation haben? Natürlich wird er sich äm schärfsten auf den innerparteilichen Fraktionskampf auswirken. Die wiederholten Bekenntisse zur Einheit nach Maos Tod waren sicher nur Ausdruck eines vorilbergehenden Waffenstillstands zwischen den beiden Fraktionen. Aber die tiefen Differenzen zwischen der maoistischen und der rechten Fraktion können und werden durch Maos Tod nicht aufgehoben werden. Im Gegenteil, der Kampf wird sich verschärfen. Dies wird vor allem deswegen der Fall sein, weil die maoistische Fraktion auf Grund der Tatsache, daß Mao selbst zugleich Fraktionsführer und höchster Schiedsrichter im Fraktionskampf der Partei war, Initiativen ergreifen und Offensiven staiten konnte. Die rechte Fraktion war dadurch gezwungen, zum Rückzug " kann die maoistische Fraktion nicht lin- zu blasen und in die Defensive zu gehen. Nach Maos ger dieselbe Taktik anwenden und die rechte Fraktion wird nicht länger in der Defensive verharren. Jetzt wird die Stärke entscheiden.
Misemein resprochen gibt es drei Möglichkeiten, wie sich der Fraktionskampf in Zukunft weiterentwickeln kann:
1) er kann sich hauptsächlich als innerparteilicher Machtkampf abspielen, wobei die siegreich aus ihm hervorgehende Fraktion unter Zuhilfenahme der bürokratischen Maschinerie die Gegner hinaussäubert:
") er kann Armee und Milizen ganz oder teilweise in Moilisierungen verwickein und die Form eines gewaltsamen Kampfes annehmen:
3) er kann sich zu einer Mobilisierung der Massenbewegung selbst ausdehnen.
Beschränkt sich der Kampf auf die intemen Parteistrukturen, dann ist die maoistische Fraktion im Nachteil. Andererseits haben die Maoisten nach den Erfahrungen ler Kulturrevolution guten Grind zu zögem, Konflikte dadurch zu lösen, dal sie sich an die Massen wenden. Für dieses Zögem hat es schon Anzeichen gegeben. Die naoistische Fraktion wird sich also nicht für die dritte Möglichkeit entscheiden, es sei denn ‚sie hat keine andee Wahl. In Anbetracht der Tatsache, daß die maoistische Fraktion in den letzten Jahren selber die Stärke und das soziale Prestige der Milizen aufgebaut hat, wird sie wahrscheinlich die zweite Möglichkeit wählen. Außerdem, sollte sich der Kampf auf die Massen ausweiten, können die Milizen für díe maoistische Fraktion ein brauchbares soziales Instrument darstellen, mit Hilfe dessen sie ihre Unterstützer bei den Massen mobilisieren und bewaffnen kann.
Für die rechte Fraktion ist es sicher das beste, wenn sie schüttert. Trotz der Tatsache, daß ein nicht unbeträchtlicher Teil der Bevölkerung in die rechte Fraktion Illusionen hat, wird sich diese heftig dagegen sträuben, diese Unterstützung aktiv filr sich zu beanspruchen. Denn wenn man erlaubt, daß der Kampf die Form einer Massenbewegung annimmt, dann kann die Partei leicht die gesellschaftliche Kontrolle über sie verlieren. Aus all dem kann man also einmal provisorisch folgem, daß die streitenden Fraktionen folgende Taktiken einschlagen werden: je nachdem wie die maoistische Fraktion das Kräfteverhältnis innerhalb der Partei beurteilt. wird sie versuchen, die Milizen unter ihre Kontrolle zu bringen, die Armee zu spalten und zu neutralisieren und soviel Schlüsselstellungen in Staat und Partei wie möglich zu besetzen. Die rechte Fraktion wird versuchen, die Milizen zu schwächen und zu spalten, die Armee vollständig zu beherrschen und die Positionen. die sie im Staats- und Parteiapparat innehat, beizubehalten und auszuweiten. In unmittelbarer Zukunft wird es einen versteckten Kampf in der Partei, der Armee, dem Staatsapparat und den Milizen geben.
Aber diese Entwicklung wird in einem umfassenderen Zusammenhang stehen, in dem die Massenbewegung eine ›edeutende Rolle spielen wird. Die Situation wird sich schlagartig ändem, wenn es zu einer anti-bürokratischen Mobilisierung kommt. Je länger sich aber der Fraktionskampf hinzieht und je schärfere Formen er annimmt, desto weniger wird eine umfassende Kontrolle der Bürokratie über die Massen möglich sein und desto günstiger sind die objektiven Umstände für die Entfaltung einer wirklichen antibürokratischen Massenbewegung. Schließlich wird die Geschichte zeigen, daß der Tod Mao Tsetungs eine Phase der politischen Revolution in China eingeleitet hat.
15. September 1976 Haben Sie schon Ihr Abo VERLÄNGERT
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