JACQUELINE HEINEN
FRAUENBEWEGUNG
In Madrid stehen die Verkäuferinnen eines Kaufhauses der Ladenkette "Simago" seit mehr als einem Monat im Kampf. Nachdem eine Gewerkschaftsdelegierte von der Geschäftsleitung entlassen worden war - - unter dem Vorwand, sie habe während der Arbeitszeit im Laden einen Sandvich gegessen (die Vorschrift besagt. daß man lies gefälligst auf der Toilette tun soll!) -- sinc die Verkäuferinnen in den Streik getreten. Unter dem Vorwand, daß sie den freien Zugang zum Kaufhaus behindem würden, verhaftete die Polizei einige von ihnen. Daraufhin besetzten etwa den dabei von der Kirche vertrieben wurden, wurde eine Solidaritätsdemonstration. organisiert. an der sich 1000 Personen beteiligten. Die Verkäuferinnen nehmen die Arbeit wieder auf, aber sie diskutieren auf einer Vollversammlung über den Kampt, den sie für eine Erhöhung der skandalös niedrigen Löhne und gegen die Unterdrückungsmaßn ahmen. deren Opter sie sind, aufnehmen wollen. Eine permanente Koordination wurde mit dem "Sozialen Zentrum für Frauen " '. welches kürzlich erst im Stadtteil eingerichtet worden ist, in die Wege geleitet.
Als die Geschäftsleitung drei Wochen später die entlassene Verkäuferin immer noch nicht wieder eingestellt hatte. organisierten ihre Kolleginnen vom 22. bis 24. Juni einen Boykott der Ladenkette "Simago"; sie erhielten dabei Hilte von verschiedenen Frauengruppen der Stadt (die Vereinigung der Hausfrauengruppen, die von der Kommunistischen Partei dominiert wird, weigert sich an der Aktion teilzunehmen, weil sie ihrer Meinung nach nicht legal ist. .). Es wurde eine sehr kämpferische Demonstration, die ein enormes Echo in der Presse fand; die Parolen bezogen sich auf die sofortige Wiedereinstellung ihrer Kollegin und auf den Kampf gegen die spezifische Unterdrückung in den Warenhäusem. Im Baskenland haben sich die Putzfrauen organisiert und kämpfen für die 40- Stunden- Woche, für mehr soziale Sicherheit, für einen Mindestlohn und für das Recht auf freie gewerkschaftliche Betätigung.
In Barcelona haben sich die Frauen der Arbeiter von "Motor Iberica" seit dem 1. Juni in einer Kirche eingeschlossen, um dadurch die Lohn forderungen ihrer Ehemänner zu unterstützen und um die Mauer des Schweigens. von der der Streik umgeben wurde. zu durchbrechen. Diese Besetzung ermöglichte es ihnen, über ihre halbtags beschäftigte Frauen oder schlecht be- eigenen Probleme zu sprechen (Haustrauen zahlte Putzfrauen). um festzustellen. daß es viel einfacher ist, sich kollektiv um die Kinder zu kümmem und daß ihnen die Bevölkering eine große solidarität entgegenbrachte. Sie waren aus ihrem Ghetto ausgebrochen. Die Polizei zwangs sie gewaltsam, mithilfe. von Jeeps, Mannschaftswagen und dem geläufigen Bürgerkriegsmaterial, nach Hause zurückzukehren. Aber dieser Kampf ist an ihnen nicht spurlos vorübergegangen.
In ganz Spanien haben Stadtteilfrauengruppen am 26. Juni einen Boykott der Märkte organiert -- als verlangerung der Demonstration geger lie steigenden Lebenshaltungskosten und fur die Legalisierung der Nachbarschaltsvereinigungen, die vier Tage zuvor in Madrid 50 000 versammelt hatte.
Die kämpferische Einstellung dieser Frauen entspricht dem Niveau der Mobilisieringen der Gesamtheit des spanischen Proletariats. Solidaritätsstreiks mit "Motor Iberica" in Barcelona und mit "Feramica" in Martorell. Demonstration mit
SPANIEN 15 000 in Barcelona für Amnestie und für die seit 1939 entlassenen Arbeiter wiedereingestellt werden mußten; ebenso Siemens in Barcelona. wo die Wiedereinstellung der während des Streiks von 1962 Entlassenen durchgesetzt wurde). 15 000 wiedenım in Sta. Coloma. einem Vorort von Barcelona. die im Verlauf einer äußerst kämpferischen Demonstration vor dem Gebäude der Guardia Civil haltmachten und "Auflösung der Repressionsorgane !" skandierten. 10 000 schließlich in Comella, im Großraum Barcelona, die Arbeit für alle forderten und ihre Demonstration Meine an entlie tien ferengentler SOZIALE UND IDEOLOGISCHE KRISE
Aber der Rahmen, in den sich die Radikalisierung immer breiteter Schichten von Frauen einfügt, das ist auch die soziale und ideologische Krise. mit der sich die spanische Bourgeoisie seit dem Tode von Franco herumschlagen muß. Die tale Repression. die zahlreiche Militante trifft - - und darunter befinden sich zahlreiche Frauen --. ist nicht in der Lage, den Wunsch zu unterdrüksich auszudrücken. sich zu befreien des bleiemen Gewichts des Frankismus zu entledigen. Die zahlreichen Artikel über die Sexualität und über Empfängnisverhütung. die man heute en Anbringung der spirale) sind lediglich ein Reflex des Drucks, der sich an der Basis in Stadtteilversammlungen, die bis zu 900 Personen organisieren (wie das im Mai in Barcelona der Fall war). einen Ausdruck verschafft: dort spricht man von Sexualität. von seiner Sexualität. und man schneidet eine ganze Reihe von anderen Tabu-Fragen an.
Und die Geister (und auch die Körper) revoltieren in diesem Land bei diesen Gedanken! In Spanien, wo die reaktionäre Bourgeoisie die •rau dermaßen übertrieben gepriesen hat, we lie Frauensektionen der faschistischen Phalangistenpartei die Aufgabe hatten, kleine Mädchen zu guten Müttem zu erziehen; wo der obligatorische "soziale" Dienst für Mädchen in einem sechsmonatigen Hausfrauenlehrgang besteht; wo die Frau bis vor einem Jahr als anormales Wesen angesehen wurde. die wenn sie arbeiten Die erste Nummer der Frauenzeitung des stadtviertels Sta. Coloma ist ein Beweis Tür diese Revolte. Diejenigen, die Analphabeten sind, wollen lesen lemen. die Jugendlichen wollen mit ihren Eltem über ihre Rechte diskutieren und gewisse Väter führen in den Kindergarten Diskussionen zum Problem der Diskriminiering der Madchen auf dem Gebiet der Erziehung ("warum diese rosa-blaue Unterscheidung bei den Strampelhöschen? ").
Zu den widersprüchlichen Faktoren, die das Entstehen der Frauenbewegung in Spanien prägen, gehört der schwache prozentuale ARtell der Lonn Arteie der faustrauen (mehr als 5seo der gesam - arbeiterinnen (etwa 19o) und der sehr ten weiblichen Bevölkerung). Aber zu diesen Faktoren gehört auch die starke Tradition del Solidarität mit den Arbeiterkämpfen, bei der Demonstrationen und bei den Streikposten. Die extrem starke Unterrepräsentierung der Frauen •18 auf dem Markt der qualifizierten Arbeitskräfte oder unter den Studenten (lediglich 0,24% aller Studierenden sind weiblichen Geschlechts!). aber auch ihr oftmals in öffentlichen Diskussionen zum Ausdruck gebrachter Wille, vor allem in den letzten Obwohl die den Frauen zur Entlastung von ihren Hausfrauenaufgaben zur Vertügung stehende soziale Infrastruktur quasi in existent ist, und gerade weil sie praktisch inexistent ist, nehmen die Frauen seit mehreren Jahren aktiv an den Kämpfen in den Stadtvierteln teil; das Problem der spezifischen Unterdrückung der Frau beginnt bewußter zu werden, besonders im Kampf für kostenlose Kindergärten (die gleichzeitige Besetzung von 14 Kindergärten Ende Mai in Barcelona durch die Eltem, die Kinder und die Kindergärtnerinnen ist eines der hervorragendsten Über das von der Bourgeoisie dekretierte "Jahr der Frau" hat auch lie europäische Frauenbewegung Mittel und Wege gefunden, um ihre Forderungen bei den Spanierinnen bekannt zu machen und sie zu motivieren, ihren Kampf selbst in die Hand zu nehmen. Überall sind Frauengruppen entstanden: in den Stadtvierteln, auf den Universitäten, in gewissen Betrieben. In mehreren Städten haben diese Gruppen damit begonnen, sich zu koordinieren. Es kam zu gemeinsamen "Konferenzen" , so z. B. in Madrid wo sich Ende letzten Jahres erstmals 500 Frauen treffen konnten. Erwähnt seien auch die "Tage der Frau" Ende Mai in Barcelona, wo am ersten Tag 1 500 Frauen teilnahmen und am letzten Tag 4 000. Sie waren gekommen, um Punkt 10r Punkt die 8 Themen zu diskutieren. die auf die Tagesordnung gesetzt worden waren: die Frau auf dem Arbeitsplatz, die Frau im Stadtviertel Frau und Sexualität, die Frauengesetzgebung. die Massenmedien usw.
Bereits während dieser ersten Erfahrungsaustausche auf regionaler Ebene (mit der Teilnahme von zahlreichen Delegierten aus anderen Städten im Falle von Barcelona) zeigte sich daß die Frauenbewegung im wesentlichen von drei Strömungen strukturiert wird. Neben der "Demokratischen Frauenbewegung" (die mit der PCE -- Kommunistische Partei Spaniens -verbunden ist ) und den radikalen Feministinnen (die ähnliche Positionen wie auch sonst in Europa vertreten und deren Positionen aufgrund ihrer Radikalität ein großes Echo in der Presse anden/ besteht eine dritte Strömung, die im Namen der "Vereinigung der Frauen an der Universität" und der "Frauenbefreiungsfront" in Madrid, sowie im Namen der "ANCHE" in Barcelona; diese dritte Strömung betont die Notwendigkeit einer autonomen und revolutionären Frauenbefreiungsbewegung. Erstaunlich -- aber alle Differenzen hinweg. die die Diskussionen während der "Tage" von Barcelona prägten - - sind die von Antang an sehr engen Bande der verschie denen Frauengruppen mit der Arbeiterbewegung (selbst bei einigen Grupnen, die sonst mehr oder weniger sexistische Positionen vertreten): sie haben entweder organische Beziehungen zu den "Nachbarschaftsvereinigungen " oder zu den "Elternverbänden" oder aber mit den lokalen Arbeiterkommissionen, wenn diese sich in iheit bewegung zeiger sich auch in den zur Forderungen, die aufgestellt werden von anderen Gruppen als von Frauengruppen und in dem den Frauen entgegengebrachten Verständnis für die Bedeutung ziell nicht nur ein Kampf der Frauen ist, sondem aller Arbeiter: die an die Christdemokratie
gebundenen katholischen Frauen, die am Anfang "Tage" Baten sich angesich des tel t worden waren, mußten sich angesichts rüstungsstrums, den ihre reaktionären Gedanken zur Familie hervorriefen, schnell wieder zurückziehen.
DIE KP UND DIE FRAUENR ADIK ALI- SIERUNG
Die Verankerungsarbeit der PCE in den letzten sehn Jahren ist keineswegs ohne Einfluss auf die selbst verbundenen austrageng sigese Amas de wenn die mit verbundenen casa") anfangs keine feministische Berufung fühlten. In den meisten Fallen von der Demokratischen Frauenbewegung (MDM) organisiert und hegemonisiert. beschränkten sich Gruppen darauf, die Frauen als eine zusätzliche Kraft im sozialen Kampf zu mobilisieren. Die Vertiefung der politischen und ökonomischen Krise jedoch - - eng verknüpft mit den alltaglichen sozialen Problemen. die fast immer mit der Rolle der Frau in der kapitalistischen Gesellschaft in Zusammenhang stehen (Wohnunkir Kindergärten, Stadtviertel, Grün flächen die Kinder zum Spielen usw.) -- hat diese Frauengruppen dazu geführt, ihre politischen Positionen zu modifizieren und Frauenprobleme im eigentlichen Sinn in den Vordergrund zu bis hin zu Fragen, die im ersten Augenblick scheinbar nur wenig damit zu tun haben: "Wenn wir das Problem der Ratten diskutieren die in den mehr oder minder gesundheitsschädlichen Stadtvierteln am Rande der großen Stadte nur so gedeihen und sich wie wild vermehren. "dann müssen wir uns auch die Frage stellen, warum immer nur die Frauen über diese Art von Problemen reden ", sagte eine Frau der MDM. Was sie allerdings in keinster Weise daran hindert, diesem Kampf eine total reformistische Perspektive zu geben: "Die zukünftige demokratische Regierung wird zu einem großen Teil eine Antwort geben können auf die Forderungen nach kostenlosen Kindergärten, nach neuen Schulen und niedrigeren Preisen. Selbst wenn sie noch nicht zu einer totalen Befreiung der Frau führen wird, so wird sie doch die materiellen Voraussetzungen dafür schaffen, daß wir für diese Befreiung arbeiten können.
Die explosive Situation, die notwendigerweise nach dem Sturz der Diktatur entstehen wird, so wie die Verschärfung der Widersprüche des kapitalistischen Systems in den Augen der Arbeiter (angesichts der Unfähigkeit der zukünftigen Regieningen, ihre Forderungen zu erfüllen) wiid es den Revolutionären ermöglichen, ein steigendes Interesse an ihren strategischen Persoektiven zu wecken. Der frontale Zusammen stoß mit Positionen, wie sie oben von einer Fuhreheute noch Opfer der schlimmsten reformistischen Illusionen sind, seinen vollen Sinn bekommen. Angesichts der Dringlichkeit eines gemeinsamen Kampfes gegen die Repression und angesichts der Breite der Kampagne fur die Amnestie, scheint men ("Wir müssen eine Frauenpartei sein. Wir sind die Partei zur Befreiung der Frau") gibt es auf der anderen Seite auch eine explizite nebeneinander ket rien neben en wiligen als breite , der Frauenbefreiungsbewegung genestengen eren sich die undamentalen In dieser Frage ist die PCE sicherlich am "offensten " unter allen europäischen KPs So "offen" allerdings auch, daß frauen der MDM, die im Rahmen eines Artikels in der Zeitschrift "Triunfo" interviewt wurden int. de meral der Verschichten und au- erklären konnten: nerhalb der bürgerlichen Schichten Forderungen sind seine feministische bewegung erer die Klassengrenzen hinweg zu strukturieren" Das Bündnis mit dem "demokratischen" Flügel der Bourgeoisie... Aber die Dynamik selbst der Bewegung in einer Region wie Barcelona, Wo die Traditionen der Arbeiterklasse extrem stark sind, zeigt. daß die PCE sich schon in allernächster Zukunft mit ihrer eigenen Basis wird anlegen müssen. "Das hat hier einen leicht büreine Frau von Sta Coloma, Mitglied der MDNe gerlichen Geruch. findet ihr nicht auch?" angesichts der Anwesenheit katholischer Frauen während der Tage der Frau" in Barcelona. Und sie fügt hinzu - - während sie die feierlichen Gemälde im Saal, wo man normalerweise Ehrendoktorhüte verleiht anschaut: "Ich bin Analphabetin, aber ich bin hier... DIE RADIKALEN FEMINISTINNEN
Angesichts der aktuellen Stärke und Verankerung Dynamik der eluation in Spanien, at die staren hat die Strömung der radikalen Feministinnen kaum Raum. um sich in der kommenden Periode entwickeln zu können. Ihr augenblickliches Prestige rührt zum Teil daher, daß sie für zahlreiche Frauen deswegen einen Anziehungspol darstellt - - vor allem für jüngere und solche aus intellektuellen Milieu --. weil sie davor zurückschrecken in Stadttellgruppen einzutreten aufgrund von deren sozialer Zusammensetzung, wegen dem Alter der Frauen, die dort sind (oft in den vierzigem) und aufgrund deren andersgelagerter Hauptpro- Familienprobleme aufgrund der Erfahrungen verheirateter Frauen usw.). Dies bedeutet nicht, daß diejenigen Frauen, die heute den radikalen Feministinnen folgen, notwendigerweise den Theorien einer Lidia Falcon über den Kampf der Geschlechter und den Aufbau einer Frauen- ›artel anhängen. Es ist also die Aufgabe der İritten Komponente die seit kurzem in der spanischen Frauenbewegung aufgetaucht ist, und innerhalb derer die Revolutionäre hegemonial sind die von der radikalen Sprache der sexistischen Feministinnen angezogenen Frauen tür ihre Positionen zu gewinnen, denn deren Positionen sind oft nur ein Ausdruck Serenstimmung me den stateschen Per- weniger ein Zeichen der spektiven der Feministinnen.
ihnen diese Polemik aktuell relativ abstrakt zu sein. Wie dem auch sei, die Militanten der PCE - - und vor allem die weiblichen Militanten -haben eins verstanden: daß das Stadtviertel als natürlicher Regruppierungsort für alle Frauen. die nicht arbeiten eine große Bedeutung hat und daß es notwendig ist, den Dialog mit an deren politischen Strömungen zu führen. Trotz aller Zweideutigkeiten, die im neuesten Proaramm der PCE deutlich zum Ausdruck kom- Diese Notwendigkeit verstehen, heißt auch die Schlußfolgering daraus ziehen: die Frauen in den Stadtteil- und Betriebsgruppen, die bereits heute eine außerordentliche Kampfbereitschaft an den Tag legen, die aber morgen total entwaffnet den reformistischen Verrätereien gegenüberstehen könn ten, wenn ihnen keine Altemative vorgeschlagen wird, diese Frauen müssen dem Einfluß der PČE entrissen werden.
WELCHE AUFGABEN FUR DIE REVOLU - TIONARE
Diese Alternative besteht einerseits in der Verbindung eines Teils der Frauenbewegung mit dem fortgeschrittensten Teil der Arbeiterklasse •- aut der Basis vor gemeinsamen Zielen wie der Kampi gegen die Repression oder der aktive Boykott des Referendums - aber sie besteht auch im Kampf der Frauen, die vor allem innerhalb der Arbeiterkommissionen die Existenz von Strukturen durchsetzen, die es ihnen erlauben, ihre eigenen spezifischen Forderingen zu verteidigen (gleiche Ausbildung und gleicher Lonn Kampf der sexistischen Unterdrückung im Betrieb, freie und kostenlose Abtreibung und Empfängnisverhütung usw.) Und es wird von der Fahigkeit de Frauen der Avantgarde abhangen. ob in den Betrieben Frauengruppen auftauchen. die sich untereinander koordinieren und die am Kampf der autonomen Frauenbewegung gegen alle Aspekte der spezifischen Unterdrückung der Frauen teilnehmen. Diese Alternative sehen, das heißt auch verstehen. welch hervorragende Rolle die Frauenstadtteilgruppen in Spanien in der kommenden Periode spielen können, wenn es darum geht eine Frauenbewegung auf eindeutig antikapitalistischen Positionen autzubauen. ökonomischen und sozialen Krise, aufgrund der Dynamik von Forderungen wie "kostenlose Schulen und Kindergärten für alle". die bereits heute aufgestellt werden. sowie aufgrund der Funktion des Stadtteils als Zentralisator der Kämpfe der unterdrücktesten sozialen Schichten. Daher ist es fur die revolutionären Militanten wichtig. in den bestehenden Stadtteilfrauengruppen mitzuarbeiten und dort, wo sie noch nicht existieren. solche zu schaffen. Im Gegensatz zu den Maoisten, die ein unglaub-' liches Sektierertum an den Tag legen, wenn sie versuchen. ihre eigenen Frauengruppen zu bilden und ihre MDM aufzuzwingen, glauben wir, daß die Frauenbewegung autonom, einheitlich, breit und demokratisch sein muß und dal sie ihre Kratt schöpfen muß aus der tanigkeit ihrer verschiedenen, sich miteinander konfrontierenden politischen Komponenten. Sektoren und Zeppen mien mon dieser Einheit hangt Von dieser Einheit hängt auch ab. ob die Frauenbewegung in der Lage Ist, kombinierte Kämpfe mit Massencharakter zu entfachen, die die Führungen der traditionellen Arbeiterbewegung zwingen können. Forderungen vie freie und kostenlose Abtreibung oder der Malen le in kontrole iher einen weigen, Kampf der Frauer Sektor der Massen nicht verlieren.
Die Art und Weise wie die Frauenbewegung in Spanien seit einigen Monaten sich Strukturen zu geben beginnt, läßt hoffen. daß sie dieses Ziel erreicht Koordination zwischen den verschiedenen Sektoren der Stadtteilgruppen in Madrid und Barcelona, Koordination zwischen den verschiedenen Sektoren Koordination, sind, um der Verschiedenartigkeit der Bewegung und Sektoren. und den Besonderheiten zahlreicher Gruppen die integraler Bestandteil wegung sind. gerecht zu werden; gleichzeiti kann auf diese Art und Weise ein kontinuierlicher Dialog zwischen diesen einzelnen Bestandteilen gesichert und ermöglicht werden.
Vom Platz, den die Revolutionäre innerhalb dieser Bewegung erringen können, wird im wesent lichen abhängen, ob diese Bewegung Klassen kamp!ositionen einnimmt, obsie organisch mit den Campf des gesamten spanischen Proletariats ver bunden ist und ob sie morgen teilnimmt am Prozess des Aufblühens der Organe der Doppelherrschaft. •20 DIE KON
VON OST
ERNEST MANDEL
Jede richtige Einschätzung der Ostberliner Konferenz muß in Gegensatz zu diesen Thesen von einer Erscheinung ausgehen, die sich seit 1948 entwickelt und die von den revolutionären Marxisten die Krise des Stalinismus genannt wird. Diese Krise schreitet manchmal schneller, manchmal langsamer und zögemder voran, unter dem Einfluß einer Reihe von teilweise autonomen, teilweise untereinander verknüpften Widersprüchen -- wie in einem System kommunizierender Röhren. Die Krise des Stalinismus findet ihren Ausdruck in fünf Krisen:
1) Die Krise der Kontrolle des Kreml über die Kommunistischen Partelen, die selbst Staatsgewalt ausüben. und zwar angefangen bei denen, die dieseMacht selbständig. unabhängig von der sowjetischen Bürokratie an der Spitze einer echten, sozialistischen Massenbewegung erobert haben, mögen ste auch von Anfang an bürokratisch entartet gewesen sein (die jugoslawische KP, die chinesische, die vietnamesische).
2) Die Krise der Kontrolle der Kommunistischen Parteien der kapitalistischen Staaten über die arbeitenden Massen. vor allem die Arbeiter, deren Kampfkraft, antikapitalistisches Bewußtsein und offenes Mißtrauen gegen bürokratische Manipulation stăndig wächst. Im übrigen sind sie auch einer gewif 1och begrenzten, aber dennoch sich verstärkender einflußreicheren, wirkungsvolleren Avantgarde ausgesetzt, die in der Klasse besser verankert ist, als in den dreißig vorangegangenen Jahren. 3) Die Krise der Kontrolle der Kommunistischen Parteien. die in den
FERENZ
BERLIN "Volksdemokratien" (und in China)
an der Macht sind, über die Massen, deren Kampffreudigkeit und politische Aktivität erwacht. Diese Krise kann sich bis an die Grenze einer wirklichen politischen Revolution fortentwickeln (so die Ereignisse vom Oktober/November 1956 in Ungar, der "Prager Frühling 1968 in der CSSR, teilweise auch die Arbeiteraufstände in Polen 1956, 1970 und 1976).
4) Die Krise der Kontrolle der sowjetischen Bürokratie über die sowjetische Gesellschaft. Diese ist noch nicht durch ein Erwachen der Aktivität und Politisierung breiter Massen gekennzeichnet. Aber die Dialektik der "Entstalinisierung" und des Heranreifens objektiver Bedingungen für eine politische Revolution haben doit eine erste Konfrontation zwischen der Bürokratie und den politischen Oppositionen ausgelöst, die der Krise des Stalinismus eine neue Dimension verleiht.
5) Die Krise der Beziehungen zwischenden Kommunistischen Parteien des kapitalistischen Europa und dem Kreml, die sowohl daher rührt, auf welche Weise diese Parteien gezwungen waren, die Entstalinisierung aufzuarbeiten, als auch aus der Art und Weise. wie sie sich in das politische Leben ihres Landes einodnen. Die Krise rührt auch daher, daß sie dem parallelen und widersprüchlichen Druck der imperialistischen Borugeoisie (und der allgemeinen Politik der "friedlichen Koexistenz") einerseits und der aufsteigenden proletarischen Revolution andererseits ausgesetzt sind.
Jetzt endlich konnte die Konferenz der 29 Kommunistischen Parteien Europas stattfinden. Die Presse der Kommunistischen Parteien bestimmter Länder --allen voran die Prawda-- hat dies als auch, daß die Meinungsverschiedenheiten einer Reihe von Partei führungen der KPn --insbesondere die Jugoslawiens, Italiens. Spaniens, Frankreichs und teilweise Rumäniens-- mit der sowjetischen KP-Führung über entscheidende Fragen der Schlußerklärung so tief waren, daß es lange so aussah, als würde die Konferenz überhaupt nicht zustande kommen.
Wenn sie letzten Endes dennoch zusammentrat, so im wesentlirhen dank der Tatsache, daß die Kremlführer praktisch in allen Punkten nachgegeben haben, in denen sich ihre Gegner quergestelt hatten. Die Konzession, die sie zweifellos am teuersten zu stehen gekommen ist war, daß sie auf jegliche Verurteilung der chinesischen KP und des Maoismus in der gemeinsamen Erklärung verzichten mußten. Aber alle Konzessionen hinderten die entschiedensten Vertreter des Polyzentrismus angefangen von Berlinguer und Santiago Carrillo bis einschließlich Tito-- nicht daran kennen zu geben, daß solche Konferenzen in Wirklichkeit nutzlos sind, daß man in Zukunft keine gemeinsamen Dokumente mehr ausarbeiten soll und daß die Frage der Strategie und Taktik. die zum Sozialismus führt, ebenso wie die politische Linie ausschließlich Sache jeder nationalen Partei ist.
FALSCHE BEURTEILUNG...
Welchen Stellenwert hat diese Konferenz in der Geschichte der stalinistischen Bewegung? Es gibt eine Reihe von Einschätzungen, die man gänzlich verwerlen muß. Die eine wird sowohl von der konservativen Bourgeoisie vom Typ Kissinger-Fanfani die sich zur deremen Enken zanen se geht kalt- die sich zur extremen Linken zählen. blütig davon aus, daß diese Konterenz nur gutdummen Schafen Sand in die Augen streuen sollte und in Wirklichkeit Breschnew und Santiago Carrillo in allen Punkten miteinander einig sind. Wäre dies so, dann sind die endlosen Diskussionen, die Ausbrüche, verhindert hätten, unbegreiflich.
ren Schmähungen von Suslow. Ponomarew und Bilak. die öffentlichen Angriffe der "Rude Pravo" gegen die Kommunistische Partel Frankreichs und taliens, der Versuch Moskaus, eine KP Spaniens unter Führung von Lister gegen die KP von Carrillo aufzubauen. der Brief der KPdSU an alle "Bruderparteien" der die "mangelnde kritische Haltung" unserer (französischen) Genossen in Bezug auf "antikommunistische Erfi n dungen der Bourgeoisie" anprangert, Die andere These --die der ersten genau di ametral gegenübersteht-- ist ebenso falsch. Sie stellt den 'Eurokommunismus" als die Beendigung der privilegierten Beziehungen der italienischen, französischen, spanischen, britischen, schwedischen Kommunistischen Partei mit Moskau dar. Sie sieht bereits --wie die einen meinen-das Morgenrot der "Wiedervereinigung der westlichen Arbeiterbewegung" heraufziehen. Wenn nämlich die KPF die Diktatur des Proletariats aufgibt. dann war die Spaltung der Sozialistischen Partei Frankreichs in Tours (1920) gegenstandslos-versicher einige bereits in Frankreich. Es scheint ubrigens auch, daß Ceaucescu das Problem auf der Ostberliner Konferenz in ähnlicher Weise gestellt hat.