S.JABER -EINE BILANZ
Seit 10 Monaten Zusammenstösse, davon seit 5 Monaten fast ununterbrochen Bürgerkries annà- Gewalttätigkeit des libanesischen Konflikts, diese nerd 13.000 Tote (ein Einwohner von 200 !). irrationale Entladung zerstörerischer Rachekonflikmehrere zehntausend Verletzte. Verluste in der von der niemand geglaubt hätte, daß sie so reschätzten Höhe von 10 Mrd. Dollar. d.h. heftig ausfallen würde, montins von scene bienen Griente doppelt so viel wie das Nationaleinkommen, Zehntausende von Obdachlosen, Tausende von Familien ohne Habe und Einkommen, ein Viertel der Bevöl- begleitet, Menschen das Leben raubten, deren einkerung als Flüchtlinge im Ausland: das sind einige Aspekte des Bürgerkriegs im Libanon, sicher einer der furchtbarsten in der modernen Geschichte. Die
Grad der Barbarei Menschen in einer kapitalistischen Gesellschaft erreichen können, díe doch eine der "zivilisiertesten" der Dritten Welt ist ! Aber jenseits solcher Betrachtungen drängt sict eine Frage auf: was ist der hauptsächliche Grund für diese Verknäuelung von Widersprüchen an den as en, die der und die he le berkenger durcheinander gebracht hat?
EIN GLAUBENSKRIEG ?
Rein oberflächlich betrachtet ist der libanesische Bürgerkrieg ein "Religionskrieg" ", ein Glaubenskrieg; das ist jedenfalls die bevorzugte Interpretationsweise der zionistischen und pro-zionistischen Presse, die in den libanesischen Ereignissen die Bestätigung für die Notwendigkeit eines jüdischen Staates und die Widerlegung der Moglichkeit eine riedlichen Koexistenz der beiden Gemeinschatter sieht. Es ist wahr, daß die Hinweise von PLO-Chef Arafat auf das "libanesische Modell" durch der Bürgerkrieg ins Lächerliche verkehrt worden sind. Aber wenn der Bürgerkrieg auch die ganze Nichtigkeit dieses Modells bewiesen hat, so hat er entgegen den zionistischen Einwänden auch gezeigt, wie wenig er ein Religionskrieg war.
Der erste große Glaubenskrieg im Libanon geht aul das 19. Jahrhundert zurück. 1860 gab es einen Konflikt zwischen christlichen Maroniten und mohammedanischen Drusen, zwei Minderheiten, die in die libanesischen Berge geflüchtet waren. Er brach zu einem kritischen Zeitpunkt aus: er unterbrach nämlich einen sich ausbreitenden Prozeß der demokratischen Revolution, den ein gemeinsamer antifeudaler Aufstand der maronitischen Bauern 1858 ausge- Löst hatte, und gab den Rechttertigungsgrund at ur die Landung der ltuppen Napoleons III. im Libanon. Indem sie zwischen den beiden Gemeinschatten, die vorher harmonisch zusammengelebt hatten, Unfrieden schürten, festigten die maronitischen und drusischen Feudalherm wieder ihre Herrschaft, und Frankreich hatte einen Vorwand, um seinen Einfluß in diesem Gebiet geltend zu machen: es erhob sich zur Schutzmacht der (katholischen) Maroniten, während Großbritannien sich die Freundschaft der Drusen sicherte.
So stellte sich die Schaftung von Glaubenskonflikten von Anfang was sie in Wirklichkeit litischen Devise: "teile und herrsche" Als infolge der französisch-britischen Verträge über die Teilung des Ottomanischen Reiches nach dete, tWite es ieses in 5 haen auf, d bemech- Groß-Libanon, das auf konfessioneller Grundlage reschaffen wurde. Dieser libanesische Staat, der •ran kreich von den andern svrischen Staaten ad trennte, war so zugeschnitten, daß er eine schwache christliche Minderheit umfaßte, die ständig ausländischen Schutz suchte, um ihre Vorherrschaft im politisch-konfessionellen System des libanesischen Staates aufrechtzuerhalten. Als Libanon 1943 unabhängig wurde kam es zu einem faktischen Kompromiß (unter britischer Schirmherr schaft) zwischen Moslems und Christen, zwischen bürgerlichen Moslems und bürgerlichen Christen, wobei die ersten die Forderung nach einer syrischarabischen Einheit aufgaben --die von den mohammedanischen Massen und einem Teil der Christen unterstützt wurde-- und die zweiten ihren Verzicht auf ausländischen Schutz erklärten. Das politische Regime, wonach die Machtposten nach Glaubenszugehörigkeit aufgeteilt wurden, wurde im unabhängigen Libanon beibehalten. Durch diese Reihe geschichtlicher Konflikte und Kompromisse verfestigte sich eine Ideologie, der Konfessionalis mus, die der künftigen politischen Entwicklung im Libanon ihren Stempel ufdrückte. 1958 brach ein Bürgerkrieg aus zwischer den pro-imperialistischen Teilen der hristen unc den antiimperialistischen Massen, der in gewissem Maß entlang der konfessionellen Spaltung verlief; der heutige Bürgerkrieg schreibt diese geschichtiche Kontinuität fort.
Es besteht kein Zweifel, daß der Zwist der Konfessionen der wichtigste ideologische Beweggrund, einer der wichtigsten Zündstoffe des Bürgerkriegs im Libanon war; man braucht die bedeutende Rolle des Glaubenshasses in diesem Konflikt nicht nachzuweisen. Aber solange noch gilter Kon- daß Ideolorie keine Geschichte macht, kann ressionalismus in keinster Weise als der wirkliche Grund für den libanesischen Konflikt betrachtet werden.
Und wie es wahr ist, daß Waffen nicht von selbst töten, so ist wahr, daß Glaubenshaß nicht plötzlich wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommt... EIN KLASSENKRIEG ?
Die Linke hat den Bürgerkrieg im Libanon anders interpretiert, als Klassenkrieg. Diese These stützt sich darauf, daß die maronitische Fraktion der libanesischen Bourgeoisie in der Mehrheit ist und ab die Monammedaner, genauer gesagt: di Schiiten die Mehrheit in en ärmsten Landstrei. fen und den untersten sozialen Schichten ausmachen; damit versucht sie, den Hintergrund der konfessionellen Spaltung im Libanon aufzudecken. Diese These erklärt zweifellos, warum der Kampf im moslemischen Lager allgemein gesprochen ein ortschrittlichere Dynamik hat als der im christlichen Lager, Aber das heißt keineswegs, daß jedes der beiden Lager eine Klasse in Opposition zur andern darstellt. Wenn der Klassenkampf in den Klassengesellschaften auch ein universelles Phänomen ist. so kommt er nicht in jedem Konflikt zum Kämpfenden, sondem auch an seiner Spitze. Das ist der Fall im libanesischen Konflikt, wo der Spitze jedes Lagers Vertreter der Bourgeoisie stehen.
An der Spitze des reaktionären "maronitischen" Lagers stehen die beiden großen reaktionären bürgerlichen Parteien: die Phalange-Partei (Kataeb), die nach Herkunft, Struktur und Ideologie halbfaschistisch und konfessionalistisch ist und die mit der großen Handelsbourgeoisie verbunden und an den amerikanischen Imperialismus verkauft ist. und die National-Liberale Partei (PNL) von Schamun (1), die Partei der großen Handelsbourgeoisie, die an den britischen Imperialismus und an gewisse reaktionäre arabische Regimes gebunden ist. Im gleichen Lager kämpfen eine Reihe von reaktionăren und ultra-reaktionären Gruppen und Grüppchen, Vertreter einer reaktionären, plebeischen kleinbürgerlichen Strömung. die vom niederen maronitischen Klerus unterstützt wird und ihren Einfluß ›is in die Reihen der beiden großen bürgerlicher Parteien ausdehnt. Das reaktionäre Lager umfaßt die christlichen, von Bourgeois und Kleinbourgeois bewohnten Stadtviertel der Hauptstadt Beirut und die Vororte, in denen mitteleres Kleinbürgertum, Arme und Lohnabhängige leben: außerdem die
LIBANON christlichen ländlichen Gebiete, in denen teils wohlhabende Mittelbauer, teils Kleinbauern und arme Bauern wohnen und ein Landproletariat lebt. Das anti-reaktionäre Lager ist politisch viel heterogener; auf dieses Lager beruft sich ein Kartell von moslemischen Bourgeois und Notablen, die moslemische Fraktion der libanesischen Groß- und Mid zaghaft reformistesch bezeigten kann, and zwar die man als politisch gemäßigt in dem Maße, wie sie an einer Anderung des konfessionellen Gleichgewichts innerhalb der Machtstrukturen interessiert ist, das gegenwärtig zu ihren Ungunsten ausfällt; dieser Block wird unterstützt fortschrittlicher kleinbürgerlich-nationalistischer Organisationen, die im moslemischen sunnitischen Kleinbürgertum de Küstenstädte verankert sind und deren Nationalismus von Konfessionalismus durcht ränkt ist; zu dem Cartell gehören auch die stalinistischen Organisato. Die Verkin dung zwischen den be den Karte - die KPL und ihr Verbündeter, die CACI len sichert der Führer des zweiten und Mitgied des ersten Kartells: Dschumblatt, ein bürgerlich-reformistischer Führer der Sozialistischen Fortschrittspartei und auch ehemaliger Feudalherr und Führer der Drusengemeinschaft, die im libanesischen Islam eine Minderheit darstellt. Dieses Lager umfaßt die moslemischen bürgerlichen und kleinbürgerlichen Stadtviertel der Hauptstadt und der moslemischen Küstenstädte (Tripolis und Saida), die moslemischschiitischen Viertel der Vororte von Beirut, die von armen kleinbürgerlichen und von proletarischen Schichten bewohnt werden und bevorzugtes Aktionsfeld der Arbeiterlinken sind, sowie ländliche Gebiete, die vorwiegend von mittleren und armen Schiiten bevölkert sind, Dies Bild wäre völlig unvollständig, wenn man den ›alistinensischen Widerstand beiselte ieße, der im Konflikt eine tragende Rolle spielt lie zugleich der beste Beweis dafür ist, daß de libanesische Bürgerkrieg über die religiösen und sozialen Konflikte im Libanon selbst hinweg Teil des ganzen Nahost- Konflikts ist.
DER WIRKLICHE CHARAKTER DES KONFLIKTS Der gegenwärtige Bürgerkrieg im Libanon spielt . sich in einem politischen Umteld ab, das sich seit 1968 durch das Auftauchen und die Entfaltung des Palästinensischen Widerstands auf libanesischem Gebiet grundlegend gewandelt hat. Diese Entwicklung trat in Widerspruch zu zwei zusammenflie- Benden Interessenkategorien: zu der der libanesischen Handelsbourgeoisie, da ein zweites Machtzentrum neben dem bürgerlichen libanesischen Staat entstand, die bewaffneten Organisationen des alästinensischen Widerstands, und da die antiimperialistische Dynamik des nationalen Kamptes der Palästinenser letztlich das ganze sozio-ökonolische Gefüge des Libanon bedrohte: una vo lem zu der des amerikanischen Imperialismu und seiner zionistischen Bastion, da die Entfaltung des palästinensischen Widerstands den hauptsächlichen Faktor darstellte, der den zionistisch-imperrialistischen Krieg im Juni 1967 durchkreuzt hatte. Die libanesische Bourgeoisie (die anfangs einmütig auftrat), der amerikanische Imperialismus und der zionistische Staat: alle drei hatten ein Interesse, den Palästinensischen Widerstand zu zerschlagen. Von März 1968 ab, seit der Schlacht bei Karameh in Jordanien, wurde offensichtlich, daß die Unterdrückung des Palästinensischen Widerstands nur Sache der arabischen Armeen sein konnte, zionistische Intervention gerade einen Aufschwung der antiimperialistischen Massenbewegung bewirkte. Diese Aufgabe erfüllte erfolgreich die Armee Husseins 1970-71 in Jordanien. im Libanon war ein ähnlicher Versuch der libanesischen Armee 1969 zweimal aus 2 Gründen gescheitert: erstens wegen der Schwäche der libanesischen Armee (weniger als 15,000 Soldaten) und zweitens wegen dem Aufstand der traditionell nationalistischen und antiimperialistischen libanesischen moslemischen Massen, der ein Akt der Solidarität mit dem Palästinensischen Widerstand war (diese Massen fühlen sich vom Palästinensischen Widerstand viel besser vertreten, als von der libanesischen Armee). Diese Zusammenstöße führten Anfang 1970 zu dem berühmten Kairoer Abkommen, durch das der Palästinensischen Armee auf libanesischem Territorium Existenzrecht zuerkannt, ihre Aktionsfähigkeit aber zugleich auf bestimmte Zonen begrenzt wurde (das "Fatah Land").
1970 als Vertreter der Bourgeoisie an die Macht gekommen, versuchte Präsident Frandschjieh unter Ausnützung des Abebbens des Palästinensischen Widerstands nach der Niederlage in Jordanien wie. der einen starken Staat zu errichten. Zusammen mit dem (sunnitischen) Regierungspräsidenten Salam hat Frandschjieh versucht, zunächst die Autorität des Staates gegen die libanesischen Massen zu stärken. Das hat sich in einer brutalen Repression der sozialen Kämpfe ausgedrückt, der Arbeiter und Bauern Opfer kostete; schrittweise wurde der starke Staat durchgesetzt. Aber diese Bemühungen wurden durch die Operation eines zionistischen Kommandos im April 1973 in Beirut durchderstands ermordet wurden. Als der Staat auf diese bei der 3 Führer des Palästinensischen Wi- Aggression nicht reagierte, begleitete eine Demonstration von 250.000 Menschen die Leichen der drei Kämpfer in einem bewaffneten Trauerzug. der gegen die Regierung gerichtet war, Frandschjleh war in die Enge getrieben und zu raschem Handeln gezwungen, wenn nicht alle seine Bemühungen zur Stärkung der Autorität zunichte werden sollten.
Im Mai 1973 stieß die libanesische Armee emeut mit dem Palästinensischen Widerstand zusammen, liesmal in größerem Umfang. Das Unternehmen vurde eine halbe militärische Niederlage: keine der beiden Kräfte konnte einen Sieg davontragen; zudem drohten sich die moslemischen Massen zur Unterstützung des Palästinensischen Widerstands in Bewegung zu setzen. Die Vereinbarungen von Melkart (3) die auf Vermittlung der arabischen Staaten hin zustande kamen, setzten den Zusammenstößen ein Ende. Sie verboten den Fedajin, außerhalb der Flüchtlingslager Waffen zu tragen --abgesehen von den Grenzzonen -- und schränkten damit ihre Freizügigkeit ein: sie sahen auch die Bestandsaufnahme und Umstellung der schweren Waffen in den Flüchtlingslagern nahe bei len libanesischen Städten vor. Aber diese Vereinbarungen wurden nicht in die Praxis umgesetzt, da das Kräfteverhältnis dies den libanesischen Machthabern nicht erlaubte.
Frandschjieh änderte nun seine Taktik: er versuchte, den Aufschwung der Massenbewegung einzudämmen, indem er sich auf die Zusammenarbeit mit den Reformisten stützte; nach Mai 1973 traten Dschumblatt-treue Minister in die verschiedenen Regierungen ein. Parallel dazu förderte er die Ausbildung und Bewaffnung von Milizen der Phalange-Partei und trug somit zur Schaffung eines regelrechten "libanesischen Widerstands d.h. eines paramilitärischen Gegengewichts zum Palästinensischen
Niderstand bei. Schließlich stärkte er die Armee und hieß sie Hetzjagden auf Vogelfreie unternehmen, wodurch ihr Image als Wiederherstellerin von Gesetz und Ordnung aufpoliert werden sollte.
1975 überschlug sich dann der Lauf der Ereignisse... Einerseits hatte sich der amerikanische Imperialismus zu einem großen Coup entschlossen: das Sinai- Abkommen sollte seine Formel der "politischenLösung" des israelisch-arabischen Konffikts einen entscheidenden Schritt voran bringen. nensischen Widerstand auf seinem wicht Von Januar . Das erforderte einen neuen Versuch, den Palasti- 1975 ab gab Phalange-Chef Gemayel polternde Er- Aktionsfeld, dem Libanon, zu schlagen. klärungen gegen den Palästinensischen Widerstand ab und brach damit auf brutale Weise mit den "freundschaftlichen Beziehungen" des Vorj ahres. Andererseits beleuchtete der Aufstand von Saida den Ernst der Situation: in dieser Stadt im Süden stischen Fischfangmonopols kämpfien. Die Armee des Libanon gärte die Solidarität mit den Fischern e gegen die Errichtung eines kapitallerhielt im Rahmen ihres Feldzugs für die Wiederherstellung der bürgerlichen Ordnung den Auftrag einzugreifen; so gab es bei Demonstrationen in Saida Tote und Verwundete. Die ganze Stadt wurde nun aufständisch; die bewaffneten Einwohner errichteten Barrikaden an verschiedenen Eingangen der Stadt, Kämpfer des Palästinensischen Widerstands von einem nahegelegenen Flüchtlingslager schlossen sich dem Aufstand an, der Staat mußte zurückweichen.
den amerikanischen Imperfalismus. Die Phalange- Partel, Instrument dieser kombinierten Interessen, griff ein. Der Plan war ziemlich einfach: durch lie Phalangisten sollte ein bewaffneter Konflikt zwischen Palästinensern und christlichen Libanesen provoziert werden, in den die Armee als Schiedsrichter eingreifen sollte: sodann sollte sie selbst die Zügel der Macht in die Hand nehmen und den Palästinensischen Widerstand in die Knie zwingen. Das war das Ziel des phalangistischen Massakers vom 13. April 1975...
Erst im Lichte dieses historischenund regionaler Hintergrunds kann der Bürgerkrieg im Libanor verstanden werden: es ging vor allem und zuallererst um eine Konfrontation zwischen dem amerikanischen Imperialismus und seinen Mittelsmännern, den reaktionären christli chen Milizen einerseits, und der Achse Syrien-PLO, der sich die moslemische Bourgeoisie und alle antiimperialistischen libanesischen Organisationen anschlossen andererseits. Die Bedeutung des Konflikts geht über die Grenzen des Libanon hinaus: es geht um einen Kampf zwischen zwei verschiedenen Formeln der Lösung des israelisch-arabischen Konflikts: zwischen der Formel, die vom Imperialismus und vom Zionismus unterstützt wird, die den Palästinensischen Widerstand ausschalten und statt dessen Hussein einsetzen will, und der Formel, die von Syrien und der PLO verteidigt wird, die auf der Notwendigkeit einer Beteiligung der PLO als Vertreterin der Palästinenser beharrt. Der Kompromiß zwischen diesen beiden Formeln hat zum Ende des Bürgerkriegs geführt.
DIE ETAPPEN DES KONFLIKTS
Im April 1975 stellten reaktionäre Milizen in Beirut einem Bus mit Palästinensern, der von einer Veranstaltung der "Front der Verweigerung" zurückkehrte, eine Falle: 27 Personen wurden kaltlutig getötet. Der Kontlikt breitete sich seh chnel aus; die Kämpfer des Palästinensischen Widerstands griffen überall Büros und Lager der Phalangisten an, Schon zum damaligen Zeitpunkt nahm der Kampf einen konfessionellen Charakter an: Palästinenser gegen christliche Libanesen. Die phalangistischen Minister forderten die Verhängung des Ausnahmezustands. Der Regierungschef, ein reformistischer, sunnitischer Moslem, lehnte es ab sich einzuschalten. So wurde ein Waffenstillstand geschlossen.
Im Mai wurde die Regierung gedrängt, zurückzutreten; das Feld wurde frei. Eine Provokation der Reaktionäre löste neue Kampfhandlungen aus und am 23. Mal abends wurde die Bildung einer Militärregierung verkündet, wie es der reaktionäre Plan vorsah. Die Regierung setzte auf die Angst der Bevölkerung. In den moslemischen Stadtvierteln und Gebieten kam es zu einem allgemeinen Aufstand: Nein zur Militärregierung ! Die moslemi-
LIBANON schen Bourgeois erschraken über den Aufstand; sie seine Dynamik werde in eine antikapitalistische Richtung führen, da die Linke darin eine Generalversamentengad an der Dschumbles te an der Dschumblatt teilnahm: sie forderten den Rücktritt der Militärregierung und beauftragten den Führer der bürgerlichen Opposition, Karame: mit der Bildung einer neuen Regierung. Frandschjieh fügte sich; sein Plan war wiederum gescheitert.
Doch gab er sich noch nicht geschlagen; er legte der Bildung der Regierung Karame einige Hindernisse in den Weg. Die Spannung nahm zu: im war momisiert. Sceneich Fand ein Versinungstreffen zwischen moslemischen und maronitischen Bourgeois statt. Die Regierung, die daraus hervor- Seaktonär. Schamun wurde innenminister. Der war ihrer Zusammensetzung nach eindeutig Waffenstillstand hielt den ganzen Sommer über an. Dies Abkommen war mit Hilfe syrischer Vermittlung geschlossen worden, womit die syrische Schen Roaum estngmal offen in den libanesi- Der sommer war eine Periode allgemeiner Vorbereitungen: alle Parteien, alle Tendenzen, alle Gruppen übten und bewaffneten sich, Die Zahl ler verlügbaren Kampter in allen Lager wuchs um ein Vielfaches. Die Reaktionäre hatten sich intensiv darauf vorbereitet, einen neuen Angriff zu starten. Im September brachen die Kampfhandlungen eme ut aus und Gewalt und konfessionelle Von September ununterbrochen. Die reaktionäre Offensive schien sich auf einen längeren Krieg eingestellt zu haben; ie konnte einige minimale Punktsiege erringen ndem sie in gewissen Gebieten die Armee einsetzte aber dies waren vorsichtige Operationen, die mit einer Reform der Armee, die die moslemische Bourgeoisie zufriedenstellen sollte (so die verstärkte Beteiligung moslemischer Offiziere an der Armeeführung und mit dem erzwungenen Rücktritt des alten Armeechefs, einem ausgemachten Reaktionär, erkauft wurden.
Ende November wurde plötzlich ein neuer Waffenstilllstand verkündet; Frandschjieh und Karame verreiteten jeweils eine botschalt, in der sie zur nationalen Versöhnung aufriefen. Die Vermittluns Couve de Murvilles, dem Gesandten von Giscard lEstaing, erbrachte wenige als der Schein vernuten ließ (4). Es scheint, als hätten sich Ameri• kaner und Syrer auf die roßen Linier ines noch zu erarbeitenden Kompromisses geeinigt: dabei verpflichtete sich syrien, im Libanon die Wiedererrichtung eines starken Staates zu ermöglichen, und die Amerikaner anerkannten unter gewissen Bedingungen im Prinzip die Beteiligung der PLO an der Regelung des israelisch-arabischen Konflikts. Diese Vereinbarung drückte sich in zwei Tatsachen aus: Damaskus lud eine Delegation der Phalange zu einer Unterredung mit den syrischen Führem ein, und die Amerikaner --und das ist wichtiger-- stimmten am 30. November für die Resolution des UNO-Sicherheitsrats, die die Verlängerung des Mandats der UNO-Truppen auf dem besetzten syrischen Golangebiet an die Diskussion über das Palastinenserproblem am 12.Januar in der UNO im Beisein von Vertretern der PLO band. Israel kochte. Aber am 6. Dezember, am Tag des Besuchs der Phalangisten in Damaskus, brachen neue Feindseligkeiten aus infolge eines Massenmassakers der reaktionären Milizen, Hinter dieser "spontanen" Entfesselung neuer Gewalttätigkeiten, hinter dem Vorwand, für den Mord an vier Christen Vergeltung verbarg sich in Wirklichkeit ein Manöver der Reaktionäre: angesichts der Unvermeidlichkeit des Kompromisses versuchten die Phalangisten die außeren Bedingungen zu schatten, um ihre Gegner, Die reaktionären Milizen unternahmen eine Reihe von Operationen, die in die Richtung einer Teilung des Libanon gingen. Diese ist nicht un mittelbar das Ziel der reaktionären Generalstäbe dem Agenten denn für die maronitische Handelsbourgeoisie, des Westens bei den arabischen Ländern, würde sie den Ruin bedeuten. Ihnen geht es vielmehr daund in der Tal zaie en die spreng he en Dezember kündigte Syrien ein politisches Reformprojekt an. Es beinhaltete lächerlich unbedeutende Reformen: ihr Kern waren die Wahl des Regierungschefs durch das Parlament --vorher war er vom Staatspräsidenten emannt worden-- und die paritätische Verteilung der Parlamentssitze zwischen Moslems und Christen --vorher waren sie im Verhältnis 5 zu 6 zugunsten der Christen verteilt gewesen. Die moslemische Bourgeoisie und das Linkskartell machten ein saures Gesicht, konnten aber den Plan nicht ablehnen.
In Bezug auf die innerlibanesische Regelung relativ zufriedengestellt, gingen die Reaktionäre nun zum zweiten Teil der Regelung über: dem Palästinensischen Widerstand.
hatten, daß sich ihr Kampt gegen die moslemischen und die christlichen Palästinenser richtete, organisierten sie Antang Januar eine Blockade des Palästinenserlagers Tell Zaatar. Die Kämpfe flammten wieder auf. Reaktionäre Milizen besetzten noch ein anderes Lager, das von Dbaye, eine leichte Beute und Lager von christlichen Flücht- Wert tor schichtle an de ente, de an. Dann kam das Viertel der Schlachthöfe an die
meist syrischen Obdachlosen bewohnt war, Als Antwort darauf besetzten der Palästinensische Widerstand und libanesische Organisationen gemeinsam das christliche Dorf Damur, wobei sie sich genauso verhielten wie die Reaktionäre. Ende Januar reiste Kissinger nach Moskau; es wurde offensichtlich zwischen dem amerikanischen Imperialismus und den Bürokraten des Kreml ein Abkommen über den Nahen Osten geschlossen... Die Palästinensische Befreiungsarmee (PLA) in syrien stationierte palastinensische Streitkräfte, die im Prinzip von der PLO, de facto aber von der syrischen Armee abhängen-drang im Libanon ein, Weder der amerikanische Imperialismus, noch die ne satze de ante reaktioniton ich partien en debieten ran die in den moslemischen Gebieten "Ordnung"
wiederherstellen sollte. Sie tat dies mit dem Segen des Imperialismus.
DER SINN DES WAFFENSTILLSTANDS
Das gemeinsame Abkommen wurde bei einem Besuch Frandschjiehs in Damaskus am 14. Februar besiegelt. Seine Grundzüge und die Richtlinien seiner Anwendung können, so wie sie sich abzeichnen, folgen dermaßen bestimmt werden:
- Syrien verpflichtet sich, mittels der PLA in den moslemischen Gebieten für die schrittweise Rückkehr zu einer normalen Situation der vorher tast vollständig zersetzt war) und leistet noch tatkräftige Hilfe dabei.
- Es wird eine bedeutungslose Reformpolitik eingeleitet, die in Wirklichkeit die Grundlagen für den zukünftigen starken Staat legen soll.
- Syrien verpflichtet sich, mittels der PLA und der Saika, einer Syrien-hörigen Palästinenseror- Mal en Plein entsehen Werkand beseurend zurückschlagen würde. Es ist sogar möglich, daß die Gesamtheit der palästinensischen Streitkräfte in die PLA integriert wird...
- Schließlich soll sich eine palästinensische"Exilregierung" mit der Unterdrückung des Widerstands abfinden und gezwungen werden, mit Hussein-treuen Notablen zusammenzuarbeiten. Diese Regierung soll Mitglied einer Dreierföderation aus Syrien, Jordanien und der PLO sein, deren Strukturen schon teststehen: Syrien ist auf dem Weg zu einer Einigung mit Jordanien; andererseits gibt es ein gemeinsames syrisch-palästinenisches Kommando. Diese Foderation soll mit dem zionistischen Staat über den israelischen Rückstinensischen Rumpfstaates, der mit Syrien und Jordanien in einer Föderation zusammengeschlossen wäre und unter ihrer beider Kontrolle stände.
Im großen und ganzen handelt es. sich um einen syrisch-amerikanischen Kompromiß bezüglich der Regelung des israelisch-arabischen Konflikts. Die libanesischen Reaktionäre sehen ihre Wünsche in Ertüllung gehen, abgesehen von der --sehr bedeuten den -- L'atsache. daß sie ihre Ziele mit Hilfe syrischen Regime, syrien hat schon angedeutet, welche Züge der Staat annehmen wird, dessen Schirmherrschaft es übernimmt: kurz nach einer Erklarung des syrischen Außenministers über die "zu große" Pressefreiheit im Libanon wurden die Büros von zwei anti-syrischen (mehr oder weniger mit dem Irak in Verbindung stehenden) Zeitungen von der Saika angegriffen und angezündet... Das syrische kegıme ist der Hauptnutznießer des libanesischen Bürgerkriegs: es hat sich beim amerikanischen Imperialismus als privilegierter Verhandlungspartner für die Regelung des israelischarabischen Konflikts durchgesetzt, es scheint sich als hauptsächlicher Garant der Ordnung im Libanon Geltung zu verschaffen und es hat, last not least, wie nie zuvor seine Kontrolle über die PLO gefestigt.
Birge krieg 2u Ende sei, en bleiben mihrere Kone- daß der libanesische Bürgerkrieg zu Ende sei.
fliktquellen bestehen: die amerikanischen Präsidentschaftswahlen in diesem Jahr können Überraschungen mit sich bringen; die innere Situation in Israel erlaubt der zionistischen Regierung noch nicht, der vorgesehenen Regelung beizupflichten; die Lage innerhalb des Palästinensischen Widerstands kann sich ändem-heute tritt die Front der Verweigerungkaum auf, statt dessen hat der Apparat des Fatah einen stillen Kampf gegen die syrische Vormundschaft begonnen, neuen Bündnissen innerhalb des Palästinensischen Widerstands führen könnte: die libanesische moslemische Bourgeoisie und das Linkskartell sind frustriert und machen ihrem Unmut immer mehr uit -- dabei zwingen sie syren, zu Methoden del Jberzeugung zu greifen; der Kampf um die künf tige Präsidentschaft im Libanon kann giftige Töne zum großen Ärger der Opposition die syrische Unerstützung für den Kandidaten der Gruppe Frandschjieh (Lucien Dahdah) vor; schließlich können die Massen der Errichtung desstarken Staates Hindie, eine autonome Bewegung der werktätigen Massen zu entfachen, um zu verhindem, daß die sourgeois aller schattierungen und die syrischer Fulrer wieder einmal ihre Ziele auf dem Rücker der Massen durchsetzen, auf Kosten Tausender von Arbeiter und Kämpfer, die Opfer konfessioneller Verblendung sind.
5. März 1976 Anmerkungen:
(1) Staatspräsident von 1952 bis 1958; 1958 rief er die amerikanische Marine zu Hilfe (2) Organisation der Kommunistischen Aktion im Libanon (Organisation de l' Action Communiste sprungs de au reise de gesenkt. eine Organisation zentristischen Ur- (3) Name des Hotels, in dem die Vereinbarungen unterzeichnet wurden (4) es scheint, als haben die Amerikaner die Franzosen in Verlegenheit bringen wollen.
Die Intervention S. JABER der binken in den