ZUR SITUATION IN MAROKKO ++++++++++*+++++++++++++++++++**+++++++++++++*++++ •++++++ Am 13. Juni begann in Marrakesch der Prozeß gegen 193 Oppositionelle, die sich wegen "Angriffs auf das Regime und auf die Sicherheit des Staates verantworten müssen"; aber die Angeklagten haben daraus einen Prozeß gegen das Regime gemacht, das in dem Tandem Hassan II - Oufkir (letzterer ist persönlich verantwortlich für die Ermordung des marrokanischen Revolutionärs Ben Barka) personifiziert ist. Die legale Opposition "Istiqlal" (= "Unabhängigkeit", eine bürgerliche Partei, die den Unabhängigkeitskampf gegen die Franzosen führte) und U.N.F.P. (-Union Nationale des Forces Populaires, Nationale Union der Volkskräfte), die jetzt in einer Front vereinigt sind, stellen aufgrund ihrer politischen Schwächung und der Verfolgung keine reale Gefahr dar. Die wirkliche Gefahr kommt von der kämpferischen marokkanischen Arbeiterklasse. Die marokkanische Gewerkschaft umfaßt 500 000 Mitglieder, womit sie die stärkste Gewerkschaft Afrikas ist. Aber die Arbeiterklasse hat noch keine revolutionäre Führung. In diesem Klima der Verzweiflung und des "permanenten Komplotts", das die Regierung aufgrund der ökonomischen und politischen Situation Marokkos unterhält, haben die "bürgerlich-demokratischen" Kräfte (die ebenso wie das Regime von einer proletarischen Revolution bedroht sind) gehandelt: Stellvertretend für sie haben Offiziere und Kadetten einer Offiziersschule unter Kommando des Generals Medbouh fast alle haben in Indochina in den Reihen der französischen Armee ihre Sporen verdient!) versucht, nach 1ibyschem Muster die Macht an sich zu reißen. Dies ist anscheinend die einzige Form, wie die "nationale" Bourgeoisie bzw. die Kleinbourgeoisie in den arabischen Ländern die Macht erobern kann, da sie bereits politisch unfähig ist, eine Massenbewegung zu führen und politisch im Griff zu behalten. Das Schicksal der Putschisten ist bekannt: König Hassan "schaute von ferne" ihrer Hinrichtung zu. Die westlichen Regierungen klatschten Beifall wie auch so "anti-imperialistische" Regierungen wie die Algeriens und Ägyptens. Nur das lybische Regime unter Oberst Khadafi, das durch einen ähnlichen Putsch wie der jetzt in Marokko gescheiterte an die Macht gekommen war, unterstützte weiterhin politisch die Putschisten. Zur Perspektive der revolutionären Kräfte in Marokko veröffentlicht INPREKORR einen aus LA GAUCHE Nr. 25 / 18.Juni 1971 entnommenen Artikel der Gruppe "Arabische Revolution". Er ist vor dem Putschversuch geschrieben worden.
Die Mobilisierung der Arbeiter, Bauern, Studenten und Oberschüler den Aufschwung der Kämpfe in Marokko deutlich; die Machthaber sind unfähig, eine Lösung für die vielfältigen Probleme zu finden. Sie können die Wirtschaft nicht entwickeln, solange diese vom Imperialismus abhängig ist: Dieser plündert das marokkanische Sozialprodukt, das an sich die ursprüngliche Akkumulation und die Industrialisierung durchaus ermöglichen würde. Diese Situation, die vielen früher kolonisierten und jetzt auf dem Papier unabnängigen Ländern gemeinsam ist, erfordert, daß die Erhaltung des politischer status quo durch Repression und Kampf gegen alle Kräfte (auch gegen bürgerli che, liberale und moderne kapitalistische) erfolgt, die sich dem widersetzen. Deshalb hat die Repressión einen solchen Grad ereicht.
Führt die Befreiung des Landes vom Imperialismus und seinen einheimischen ertretern über einen "Nationalen Befreiungskampf", der Errichtung einer "Nationalen Front aller demokratischen Kräfte" , einer "breiten progressistisch-patriotischen Front unter Einschluß aller Kräfte auf der Basis eine Programms des nationalen Wohls, des Antiimperialismus und der Demokratie"? Keineswegs. Die moderne (reformkapitalistische) Bourgeoisie ist ebenfalls untähig, die wirtschaftliche Unabhängigkeit zu erringen und die notwendige revolutionäre Mobilisierung der Massen hervorzurufen (sie hat zuviel Angst davor;. Die segenannten demokratischen Aufgaben sind nicht zu trennen von der sozialistischen Revolution, weil das Haupthindernis für die wirtschattliche Entwicklung der Imperialismus im Welt maßstab ist, gegen den einzig . die Arbeiter bereit sind, bis zum Ende zu kämpfen.
Nun begehen aber zwei Organisationen den Irrweg, eine solche nationale Front aufzubauen, und sie verfolgen dabei eine rechte Politik. Die U.N.F.P. und die P.L.S. (-Partei für Freiheit und Sozialismus, ex-KPM) versuchen beide, eine soi the "Front der demokratischen Kräfte" errichten. Zu diesem Zweck hat die U.N.F.P. mit der modernistischen Bourgeoisie des "Istiqlal" die "Nationale Front" gebildet, von der die P.L.S. ausgeschlossen ist, die jedoch gerne daran teilnähme.
Die P.L.S. ist kümmerlich. Sie hat sich niemals wirklich in den Massen verankert, weil sie mit ihren stalinistischen Praktiken den proletarisierten Massen niemals eine Perspektive in ihrem Kampf gegen den französischen Kolonialismus gab; sie tat das deshalb nicht, weil sie Schritt für Schritt der Partei von Mauri e Thorez, der KPF, und ihrer "Theorie" der nationalen Frage folgte, wonach die Kolonialvölker warten sollten, bis eines Tages Prankreich sozialistisch ist, um ihre Unabhängigkeit zu erreichen. Da die P.L.S. so von einer Kapitulation in die andere stürzte und bei den Kämpfen; die die marokkanischen Massen gegen den Kolonialismus führten, nicht dabei war, hat sie ganz klar ihren reformistischen Charakter gezeigtsie kann daher nicht vorgeben, irgendeine führende Rolle bei den Kämpfen des Proletariats zu spielen. Das haben die Genossen der "Progressistischen Studentenfront" begriffen und sind aus dieser Organsiation ausgetreten. Die U.N.F.P., die vorgibt, immer die Kämpfe in Marokko zu leiten, ist von åęn Massen abgeschrieben worden, ein erstes Mal bei der Volkserhebung vom März 1965 und das zweite Mal 1967, wo die Niederlage der arabischen Armeen gegen die imperialistische und zionistische Aggression das historische Scheitern der Kleinbourgeoisie markierte. Die heutige Linie, sich mit dem Istiqlal zu verbünden; ist eine Politik des Klassenbündnisses, des Verrats an der marokkanischen Arbeiterklasse. Schon lange haben Bouabid Ibrahim und Ben Seddik über die Zukunft der U,N.F.P. entschieden: sie arbeite er für eir "demokratisches, wohlhabendes'und brüderliches Marokko unter der weitsichtigen Führung seiner Majestät Mohammed V.", warum heute nicht unter Hassan II? Etliche Genossen der U.N.F.P. haben begriffen, daß, wenn sie in der Politik der "Nationalen Front" gefangen sind, keiner revolutionäre Perspektive haben, und sind aus der Partei ausgetreten. In traten, Sau sind fehe desane thomangen eine revolutionäre Führung
Mitgliedern der P.L.S. haben sie mit den realționären Mythen gebrochen. Es gilt, eine von jeder Volksfrontidee freien Führung des Proletariajs zu schaffen, die ihren Kampf als integralen Bestandteil der fortschreitenden arabischen Revolution versteht.
IN P.REKOR R 15.7.71 S.. 15