Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Malaysia

Repression und Konfrontation

· Inprekorr Nr. 45, 13. November 1975 · S. 10-15 · 3.733 Wörter

Philippinen und Südostasien Jugend und Studenten China Weltwirtschaft und Krise

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Die malavische Regierung hat in weniger ais einem Kämpfe der Bauern und Studenten Jalır eine Reilie von Maßnahmen ergriffen, die auf Die malayische Wirtschaft hat in diesen letzten beieine neue Verhärtung des Polizeiregimes von Tun den Jahren keine globale Krise gekannt. Dennoch sind Abdul Razak zielen: die Verhaftung Von Persönlich- einige der wichtigsten Sektoren schwer retroffen worden keiten und Militanten im Namen des Insgesamt aber ist Malayisia von der allgemeinen Re• Security Act" (Gesetz über die inmere Sicherheit), zession verschont geblieben. Die Steigung der Erdöldirekte Beschignahmung der Universitäten, Erhebung preise berührte das Land nicht; seine eigene Erdölproder kollektiven Verantwortlichkeit zum legalen Prinzip duktion ist zwar bescheiden --90.000 Barrels am Tag**, und Institutionalisierung der Denunziation, Schaffung aber mehr als ausreichend, um den eigenen Bedarf zu eines besonderen "Anti-Terrorismus" - Gerichts, das decken.

"normalen" juristischen Richtlinien nicht unter- Auf dem Weltmarkt ist zwar der Kurs für Naturkautschuk worfen ist, systematische Polizeirazzien. vorübergehend zusammengebrochen, nachdem er 1973 stark angestiegen war, der für Palmenöl hat sich Dieses Arsenal an repressiven Verordnungen ist ein aber gehalten. Trotzdem hat sich die soziale Krise Hauptbestandteil der Antwort, die Razak auf die zu- plötzlich verschärft.

nehmende Verschlechterung des inneren sozialen und Das durchschnittliche Prokopfeinkommen ist in Malaypolitischen Klimas zu geben gedenkt, sowie auf die la eines der höchsten von ganz Süd-Ost-Asien: 40( durch den Sieg der indochinesischen JS S im Jahr. Aber hinter dieser Zahl verbergen sicl ser Region verursachte Änderung des Kräfteverhältnisses. große soziale Ungleichheiten. Der Wirtschaftsbericht

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offen zu, daß 40% der Bevölkerung unterhalb Schwelle der Armut leben --d,h, mit weniger als 140 malaysischen Dollar pro Monat und mittlerem Haushalt oder 25 malaysischen Dollar (=47, 50 FF) pro Kopf. (1) Diese sozialen Ungleicheiten haben sich verschärft. Die ersten, die darunter zu leiden hatten, waren die 545.000 Kleinen Kautschukanbauer, die 50% der gesamten Kautschukproduktion sichern. Die große Mehrheit von ihnen lebt in der Tat vollständig unter dem Existenzminimum (s. Tab. 1). (2) Die Ergebnisse einer Umfrage, die Ende 1974 von Denzil Peiris für die "Far Eastern Economic Review" im Staate Kedah durchgeführt wurde, bestätigen dies. (3)

Zu der Zeit kauften die kleinen Plantagenbesitzer das englische Pfund Lastex (453,599 gr) zu 25 cent, was ihnen ein durchschnittliches Tageseinkommen von 1,20 malaysischen Dollar sicherte, Laut Denzil Peiris erforderte ein Minimum an Komfort ein durchschnittliches Tageseinkommen von 3 Dollar, das Existenzminimum liegt bei 1,5 Dollar. Die kleinen Plantagen• besitzer und ihre Familien --d. h.rund 3. 000.000 Menschen -- lebten im Elend, das umso drückender war, als es eine hohe Intlationsrate gab (25%age Steigung 1973-74, 17% Steigung 1974-75).

Der Reis wurde zu teuer und die Bauern mußten sich von wilden Knollen emähren, die Unteremähren falle Kinder breitete sich aus und man verzeichnete von Tod durch Nahrungsmittelvergiftung. Diese Situaion gab den Rahmen für den Ausbruch wichtiger Kämpf ab, in denen es zu einer Verbindung der studentischen mit den Bauernkämpfen kam.

Der erste Zusammenstoß erfolgte in Tasek Utara, in Staate Johore Bahru, im äußersten Süden der malayischen Halbinsel, Am Vorabend der Wahlen vom August 74 besetzten Bauernfamilien ohne Land einen ungenutzten Landstreifen, um darauf Häuser zu errichten. Im September, nach dem Wahlsieg der "Nationalen Front" von Tun Abdul Razak, kam es zu einer Kraftprobe mit der "Anti-Aufstands"-Polizei, Die Studenten der Universität Malaya von Kuala Lumpur, der Nationalen Universität und der Naturwissenschaftlichen Universität von Penang leisteten den Landbesetzern Unterstützung. In der Hauptstadt wurden im Monat September Demonstrationen organisiert, andere Studententen kamen direkt nach Tasek Utara, um sich an der Mobilisierung der Bauern zu beteiligen, Die Polizei verhaftete zahlreiche Bauern und Studentenführer, darunter Hishamuddin Rais, Generalsekretär der "University of Malaya students• Union" (UMSU - Union der Studenten der Universität Malaya) und Verantwortlicher des "Sozialistischen Clubs" (4) , sowie Syed Hamid Ali, Generalsekretär der "Partai Socialis Rakyat Malaya (PSRM - Sozialistische Volkspartei Malaysia) (5). Die UMSU wurde vom Erziehungsminister verboten. auf. Am 19. und 20, organisierten 1000 Bauern einen "ar das easte Mal seit 28 aren --seit den anti-britischer demonstrierten 12,000. Dies Mobilisierungen von 1946--, daß eine so breite Mobilisierung stattfand! Auf die Forderungen entgegnete die Regierung mit Tränengas. Aber wiederum stellten sich die Studenten auf die Seite der Bauern. 10.000 Studenten demonstrierten am 2, Dezember in Kuala Lumpur, 2,000 in Penang und 10,000 in Ipoh, 1164 Demonstranten wurden festgenommen. Dennoch setzte sich die Mobilisierung die ganze Woche lang fort; die Gelände der Universitäten Malaya, Kebansaan und Heilig Malaysia wurden solange besetzt gehalten, bis die Polizei eindrang und am 8, und 9. Dezember systematisch alle Räume durchkämmte. (6)

Die Vereinigung der Kämpte der Studenten mit denen der Bauern war für die Regierung dreifach getährlich. sie ermoglichte namlich, die Isolierung der lokalen Kämpte zu durchbrechen, und machte aus den "Hungermärschen" ein nationales politisches Problem. Sie entlarvte damit die soziale Demagogie und die "liberale" Fassade des Regimes. Schließlich leitete sie die Überwindung der ethnischen Spaltungen ein, die die Kampfkraft der malaysischen Arbeiter schwächen.

Die herrschenden Klassen treiben in der Tat ihr Spiel mit der ethnischen Opposition zwischen Malayen, die den Groteil der bäuerlichen Bevölkerung bilden, den Chinesen, die den Großteil der Arbeiter in den Städten ausmachen und den überwiegenden Anteil der wirtschaftlichen Interessen Malaysias kontrollieren, und den Indern. Diese ethnischen Gegensätze haben 1969 sogar die Form anti-chinesischer Pogrome angenommen. Nun war die universitäre Bevölkerung, die sich in Solidarität mit den malayischen Bauern mobilisierte, in ihrer Zusammensetzung ganz und gar multinational. An der Demonstration vom 2. Dezember in Kuala Lumpur beteiligten sich malayische Studenten zu 70% aber chinesische und indische Studenten zu 30%. D.h. ca. die Hälfte der chinesischen und indischen Studenten überhaupt hat mitdemonstriert. Umgekehrt haben Studentenverbande wie die UMSU, die von Malayen geführt wird, die Streiks chinesischer und indischer Arbeiter in der Region von Kuala Lumpur aktiv unterstützt. tisch pluri-ethnischen Gruppen in Malaysia. Und die Der "Sozialistische Club" war eine der ersten, malayische Kommunistische Partei, die zu Anfang fast ausschließlich in der chinesischen Volksgruppe verankert war, scheint nun auch Kader malayischer und mohammedanischer Herkunft zu rekrutieren. Diese Uberwindung rassischer und religiöser Gegensätze setzt sich natürlich zunächst nur teilweise und allmählich durch. Sie entspricht dennoch einer tiefgreifenderen Entwicklung, die der Journalist Philippe De villers folgendermaßen beschreibt: "...eine "neue Klasse" von Bürokraten, Aristokraten und führenden Männern der malayischen Wirtschaft ist aufgetaucht, die von der Konsumgesellschaft amerikanischen Typs ngezogen wird und trotz des Islam danach lechzt ich mit den Chinesen in ihre Vorteile und pfründ zu teilen. Die soziale Ungleichheit verschärft sich, statt abzunehmen, und die Gegensätze sind unter den Chinesen genauso groß, wie unter den Malayen und Indern. Das Bild einer Gesellschaft, die sich aufteilt in arme Malayen und reiche Chinesen, wo die letzteren die ersteren ausbeuten, entspricht nicht mehr der Wirklichkeit. Die multi-rassische malayische Gesellschaft ist dabei, sich in soziale Klassen zu spalten, die über die ethnische Abstammung hinausgehen, (7)"

Repression an der Universität

Um die studentische Mobilisierung zu brechen, setzte das Regime Tun Abdul Razak zunächst den traditionellen Repressionsapparat ein: Intervention der Polizei und Verhaftungen im Namen des Gesetzes über die innere Sicherheit (I.S.A.). Dies Gesetz wurde 1960, drei Jahre nach der Unabhängigkeitserkärung 1957, erlassen und folgte auf das "Emergency Securitv Act" (Gesetz über den inneren Notstand) von 1948. Es erlaubt, jeden Oppositionellen zwei Jahre lang diese Zeitspanne kann beliebig verlängert werden--

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MALAYSIA gefangen zu halten, ohne irgendeinen Prozeß führen Repräsentativer Rat der Studenten) wird in Zukunft zu müssen. Unter den Gefangenen findet man viele die Gesamtheit der Studentenschaft vertreten. Protessoren, Assistenten und Studentenführer, ter Dr. Syed Hussein Ali (Bruder des Generalsekre- Wenn es der Regierung Razak mit diesem neuen Getärs der PSRM und Professor an der Universität Malaya) setz auch nicht gelungen ist, die Unterstützung der und Juliet Chin, Generalsekretär der "University destens vorteig die Mobilisierung brechen commen. so hat sie damit doch minof Singapore students• Union" (USSU - Union der Studenten der Universität Singapur). Unter den Ge- Hamid Ali, Generalsekretär der PSRM, gibt in 172.731 BIRMANIE

PHILIPPINES

Ma THAILANDE la delhic CAMBODGE Hertionale

Der Staat Malaysia --oder Malayische Föderation-- Istame de Kra Skam setzt sich zusammen aus einem Sog: Ins (Westmalaysia) und einem insularen Teil (Ostma= laysia). Singapur gehörte ursprünglich zur malayische Halbinsel, die damals noch Malaya hieß, bildet aber seit 1956 einen unabhängigen Staat. Die Be- MALACCA ME ALAY SIA BROUNET völkerung von Kontinental-Malaysia umfaßt 9, 77 Millionen Menschen auf einer Oberfläche von UMPUR MACAS: 135. 000 km . 47% der Bevölkerung der Föderation

Ocean • SINGAPOUR sind malayischer Abstammung, 34% chinesischer und 19% anderer Herkunft (die meisten der letzte- SUMATRA BORNEO DE TROIT ren sind Inder, aber auch Bewohner der Insel Bor- CÉLÉBES neo, usw.). Malaysia ist der Welt führender Pro- Indien INDONES / schen Hölzern und einer der duzent von Kautschuk, Zinn, Palmenöl und tropi- E grölten Hersteller von Macassa Pfeffer und Ananaskonserven.

IKARIA

DETROI DE LA SOND

A V BALI FLORES -- Projet de Canal 17003 1000 DETROIT DE LOMBOK fangenen findet man auch, Symbol für die Ausweitung einem Interview mit der "New Asia News" zu, daß der Kämpfe, den Fakultätsassistenten Lim Mah Hui, "diese Maßnahmenbisher offensichtlich gewirkt ha- Mitglied des Exekutivkomitees der Weltföderation • Aber die Tatsache, daß bisher noch keine Christlicher Studenten, und Annuar Ibrahim, Präsident Studentengruppe ihre Legalisierung beantragt hat des Malayischen Jugendrates und Führer der ABIM zeigt, so stellt er weiter fest, daß "die Repression (Islamische Jugendbewegung Malaysia), eine moham- zwar eine vorübergehende Ruhe, aber keine Untermedanische Bewegung. stützung erreicht hat" (8)

Welche Kampfführung?

Aber die Regierung hat sich nicht damit zufrieden die innere Sicherheit anzuwenden. im April be- die UMSU aufzulösen und das Gesetz über Um die Repression zu rechtfertigen, denunzierte die schloß sie, das schon sehr repressive Gesetz über die Regierung Razak die malayische Kommunistische Universität und Hochschulinstitute von 1971 zu "ver- Partei, die über das Hilfsmittel der Gesellschaft für bessern" • Von nun an wird das Ministerium direkt Chinesische Sprache die studentischen Kämpfe angeoder indirekt die Oberaufsicht über die Besetzung zettelt haben soll. Nun haben sich in die Führung der Stellen der Universitätsverwaltung haben. Stu- dieser Massenbewegung radikale Linksgruppen denten und ihren Organisationen ist es verboten, (wie der "Sozialistische Club") und sehr stark train irgendeiner Form irgendeinem Klub, einer Partei, ditionalistische, wenn nicht sogar rechte islamische Gewerkschaft oder sonstigen außer-universitären Or- Gruppen. Die Universität Kebangsan (die nationaganisation a n zuschließen, selbst wenn sie legal sind, le Universität) hat z.B. im Dezember eine sehr Ebenso ist es den Studenten und ihren Organisationen wichtige Rolle gespielt. Sie ist von malayischen untersagt, irgendetwas zu äußern, Studenten besucht --die normalerweise mehr rechts mung oder Oppositition zu irgendeiner Partei, Gewerk- stehen, als die Chinesen-*Mohammedaner, dem die in der Mehrzahl schalt oder illegalen Organisation verstanden werden bäuerlicher Herkunft sind, könnte. Die Studentenverbände haben nicht das Klassenkampf gegenüber wenig aufgeschlossen, aber Recht, Geldsammlungen durchzuführen. Jeder Stu- sehr sensibel für die egalitären Traditionen und dent, der im Verdacht steht (sic!), diese vor- den politischen Purismus des Islam. schriften gebrochen zu haben, kann ohne Vorwartisch von der Universität ausgeschlossen, wenn er , verhaltet werden. Jeder Student wird automa- Der Punkt des Zusammentreffens dieser verschiedenen Strömungen war die Bezeugung einer aktiven einmal vor Gericht gestanden hat. Alle früheren Solidarität mit den armen Bauem von Baling. Aber studentischen Organe sind ihres Amtes enthoben wor- nur der fortgeschrittenste Teil der Bewegung den und müssen erneut ihre Zulassung beantragen. band mit dieser elementaren Unterstützung klare Nur der "Student Representative Council" (SRC - anti-imperialistische (d. h, antikapitalistische Ziele

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Kapitals, liert (s. Tab 2 und 3) (9).

Die kommunistische Bewegung im engeren sinn -des genehmens und Ausine henn durchelima Prozes chen. Bisher hat sich die Aktivität der KPM auf Guerillaaktionen in den Dschungeln nahe der malayisch-thailändischen Grenze beschränkt. (Dies ist der Fall seit die KP im Krieg gegen den briischen Imperialismus unterlegen ist). Die Reise, lie Tun Abdul Razak zu Ende des Monats Mai 197nach Peking unternahm, hinderte die maoisuscher Guerillas nicht daran, ihre Aktionen zu verstärken. seitzen und der siche menseite aus dem Hinteder halt getötet worden.

Aber die KPM hat Spaltungen durchgemacht, aus denien zwei Strömungen hervorgegangen sind, die sich beide auf den Maoismus und die bewaffnete Aktion berufen. Peking scheint weiterhin die K.P. M. anzuerkennen, die nun seit 17 Jahren von Chin Peng angeführt wird, Am 29. April 1975 hat die Kommunistische Partei Chinas ein Glückwunschtelegramm an das Zentralkomitee der KPM zum 45. Jahrestag ihrer Gründung geschickt. In dieser Grußbot schaft wurde das Vertrauen der KPCh in den menden Sieg des revolutionären bewaffneten Kam- Die erste Spaltung fand 1970 statt und die aus ihr hervorgehende Gruppe nannte sich Malayısche Kommunistische Partei (KPM - revolutionare rrakuon); aus der zweiten im Oktober 1974 ging die KPM (Marxisten-Leninisten) hervor. Der unmittelbare Anlaß zu diesen Spaltungen soll laut Quellen der malaysischen Regierung ein Befehl zu summarischen Hinrichtungen gewesen sein, der vom Zentralkomitee aus Angst vor polizeilicher Infiltration erlassen wurde. (11) Aber es scheint auch Uneinigkeit gegeben zu haben in der Frage, welche Strategie einzuschlagen sei, um aus der bloßen Dschungelguerilla herauszen KPM hat in der at mehrmers die Chan deoit Beruhrräter" denunziert, die die Politik des "Marschs ged. h. die allmähgehend von den Guerillabasen an der malayischhailändischen Grenze. (12)

Wenn der Wortlaut der Differenzen, der genaue Charakter der Spaltungen und der Orientierung der "orthodoxen" KPM schwer auszumachen sind, so ist doch der Gesamtrahmen der Debatte deutlicher. Das Auftauchen einer neuen Generation revolutionärer Militanten, der partielle Wandel der sozialen Struk tur des Landes und die Stärkung der proletarischen Schichten in den Städten, die Ersetzung der traditionellen britischen Herrschaft durch einen Neo- Kolonialismus und die Änderung des Kräfteverhältnisses im südostasiatischen Raum seit dem sieg der indochinesischen Revolution •-der auch den Wandel des Kräfteverhältnisses innerhalb der kommunistischen Bewegung Asiens beeinflußt hat-- verlangen eine Uberprütung der in den 50er und 60er Jahren formulierten "maoistischen" Strategie. Von dem Gesichtspunkt aus gesehen ist es wahrscheinlich von Bedeutung, daß die Differenzen im Staat von Sesangor, in dem Kuala Lumpur liegt, besonders groß Immerhin haben sici, die bewaffneten Aktionen in : diesem Jahr teilweise mehr zur Hauptstadt hin verlagert. Zu Beginn dieses Jahres ist ein Luftstützunkt in der Nahe von Kuala Lumpur mit Granater ombardiert worden, Im Juli wurde in der Stadt Ipol ein Flugblatt von der Befreiungsarmee des Malayischen Volkes (PALM) verteilt, das erklärte: "Bereitet euch vor für unsern Bürgerkrieg, der das Ergebnis jahrelanger Handlungen der Regierung ist... die Stadtguerilla ist unvermeidlich". (13 Diese Belreiungsarmee scheint in Verbindung zu stehen mit dem alten, 1949 gegründeten 12, Regiment der Nationalen Befreiungsarmee der KPM und mit der neuen KPM (ML). Chinesische Polizisten wurden zur Zielscheibe von Attentaten. Am 26. Audas in Kuala Lumpur zu Ehren des "Nationale Monument"bombardiert, "Siegs" über den kommunistischen Aufstand errichtet ist. Schließlich wurden am 3. September Granaten in eine Kaserne der Hauptstadt geworfen, die mit dem Anti-Guerilla-Kampf beauftragte paramilitärische Truppen beherbergt. Mehrere Tote und mehrere Dutzend Verwundete waren das Ergebnis. Ein Terrorregime

Unfähig, den zunehmenden Kämpfen in Malaysia an ihrer sozialen Wurzel zu begegnen, versucht die Regiering Razak cin richtiggehendes Terrorregime zu errichten. Die "Mieterverordnung" von 1951 wird ergänzt durch das "Essential Community Self-Reliance Regulation" von 1975 (ein Dekret, das über sich selbst genügende Gemeinschaften verhängt warde.) "Anti-terroristische" Gerichtshöfe werden errichtet, wo im Gegensatz zur Tradition des englischen Rechts, das in Malaysia seit der Kolonialzeit gilt, der Angeklagte seine Unschuld beweisen mufs. Die Denunziation wird institutionalisiert: belastende Zeugder kollektiven Verantwortlichkeit wird ausgedehnt: jedes Familienmitglied wird verantwortlich gemacht für die Handlungen aller anderen. Dasselbe gilt für die Mitglieder einer Gemeinschaft, so wie sie im "Rukun Tetangga Scheme" definiert ist. Am 24. Juli ruft Razak dazu auf, Wachmännerkorps zu bilden. Die Politik von Tun Abdul Razak beschränkt sich natürlich nicht auf die Repression allein. Sie bedient sich auch der Diplomatie --Razak war einer der ersten, der die Schaffung einer "Friedens- und Sicherheitszone" in Süd-Ost-Asien anstrebte und der erste, der die Volksrepublik China anerkannte. Schließlich hat sie auch einen wirtschaftlichen Hintergrund: er versucht, die Beteiligung des staatlichen Sektors an großen Untemehmungen zu stärken, vor allem an der Erdölausbeutung. Aber die Rentabilisierung der neokolonialen Wirtschaft zieht die wachsende Proletarisierung der malayischenBevölkerung nach sich und damit eine gesellschaftliche Kraftprobe. Zu diesem Zweck versucht Razak, den Wahlerfolg seiner Nationalen Front (Barisan Nasional) (14) in den manipulierten wahlen vom August 1914 tur sich zu nutzen. Die Nationale Front erhielt damals 58% der Stimmen und •.135 der 1oa sitze im Bundesparlament. Es ist nicht schwierig zu sehen, was man von diesem angeblich parlamentarischen Charakter des Regimes zu halten hat. Selbst die "Far Eastern Economic Review" aus Hongkong muß dies zugeben: "Die staatlichen Zeitungen und Informationsmittel ebenso wie die privaten Publikationen haben unter der Kontrolle und den Anweisungen der Regiering gearbeitet. " (15)

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MALAYSIA

TABELLE 1 VERTEILUNG DES BODENS AUF DIE BESITZER KLEINER PLANTAGEN IN MALAYSIA 18% besitzen weniger als 3 bis 5 Morgen (0, 4ha) 20% besitzen zwischen 3 und 5 Morgen 20% besitzen zwischen 5 und 10 Morgen 12% besitzen zwischen 10 und 99 Morgen Quelle: "Wirtschafts- und Finanzbericht 1974-75" Anmerkung: Von offizieller Seite wird zugegeben, laß ein Kleinbauer mindestens über 6 Morgen verfügen muß, um soviel zu emten, daß er davon leben kann. Von derselben Quelle wird zugegeben, daß 25% der kleinen Plantagenanbauer nicht Besitzer ihres Bodens sind, d.l. sie zahlen entweder eine feste Pacht oder sie teilen ihre Emte mit dem Besitzer. (s. Fußnote 2) TABELLE 2 AUSLÄNDISCHE BESITZER VON AKTIENKAPITAL VON Gmbh's, WEST-MALAYSIA 1950 Sektor ' Malaysische % des Dollar in Sektors

Tausenden

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei 1.079.714 75,3 Minen und Steinbrüche 393.910 72,4 Handel 384.549 63,5 Industrie 804.282 59, 6 Banken und Versicherungen 332.790 52,2 Bauwirtschaft .19.937 24,1 Transport und Kommunikation 9.845 12,0 Verschiedenes 182,862 31,4 SUMME 3.207.889 Mittel- 60,7 wert Quelle: Foderation von Malaysia, Revue zum Ablauf der 1. Hälfte des Zweiten Malayischen Plans, 1971-75 Tafel 4 bis 7, S. 83 Die Kraftprobe, die sich heute in Malaysia abzeichnet, ist von großer Bedeutung. Im Norden ist die malayische Revolution organisch mit der Entwicklung der Kämpfe im südlichen Thailand verbunden. Im Süden zeigt sich immer wieder, daß die Kämpfe auf der Halbinsel mit denen auf der Insel Singapur eine tiefe Einheit bilden. So haben z.B. während der Tasek Utara-Demonstrationen die Studentenverbände der Universität Singapur und der Polytechnischen Schule viele Kommuniqués veröffentlicht und Solidaritätsbeweise erbracht. Für die "malayischen" Revolutionăre ist die Teilung des Landes nur eine Frage der Zeit. Im Osten sind die Bewegungen von Nord Kalimantan (Borneo) ein Bestandteil der Kämple auf dem indonesischen Archipel.

Grundsätzlich zeichnet sich in Malaysia, wie auch in den andem Ländern Süd-Ost-Asiendurch den end- die dritte Welle der asiatischen Revolution ab, •ültigen Sieg der Volker Indochinas eingeleitet worlen ist. Die Anfänge dieses Kamples sind schiedenen Gründen schwierig: die inter-ethnischen Spaltungen haben tiefe Wunden hinterlassen, in der malaysischen Bauernschaft fehlt eine klassenkämpferische Tradition, der Einfluß der religiösen Führer ist noch groß, die vom Regime geübte Repression gewalttätig, die Strategie, die zuvor von der kommunistischen Bewegung in Malaysia erarbeitet wurde, erweist sich als offensichtlich unangemessen. Aus dem zweifachen Grund seiner Bedeutung und seiner Schwierigkeiten erfordert und verdient dieser Kampf intemationale Solidarität.

TABELLE 3 Plantagentyp Gesamt - in ausländi - % oberfläche schem Besitz

Kautschuk 1,561,000 867.000 55,5 Palmenöl 529.000 283.000 53,0 Kokosnuß 54.000 36,000 66, - Tec 1.000 4, COO 5%,1 SUMME: 2,151.000 1.294.000 MW 60,0 Quelle: "Berita Massal", Nr. 1, 30, Dezember 1974 (s. Fußnote 1)

(1) "Sunday Mail", 2. März 75, zitiert von Philippe Devilliers, "Le Monde Diplomatique", August 1975 (2) Die Tabellen 1, 2 und 3 sind im Dokument der Jahreskonferenz der FUEMSSO, März 1975 wiedergegeben.

(3) s. "Far Eastern Economic Review", 10. Januar 75 (4) Hishamuddin Rais ist jetzt wieder in den Untergrund getaucht. Der "Sozialistische Club" (Socialis Kelab) war eine radikale studentische Gruppe, die die UMSU anleitete. Ein Interview mit einem Studentenführer, der Mitglied dieser Gruppe ist, ist veröffentlicht in "Inprecor" Nr. 9, 3. Oktober 1974

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(5) Die Partai Socialis Rakyat Malaya, oder Sozia- (14) Die Nationale Front ist dominiert von der Parlistische Volkspartei, ist die einzige legale, wirk- tei Razaks: der U. M. N.O. (United Malay National lich linke Partei in der politischen Opposition. Organisation : Vereinigte Nationale Malayische Organsation), im Bündnis mit der bürgerlichen chi- (6) s. dazu den Appell zur intemationalen Solidari- nesischen und indischen Partei (Malaysian Chinese tät, veröffentlicht in "Inprecor" Nr. 19, 13. Februar Association - M.C.A. - Assoziation der chinesischen 1975. Sein Autor, Selamat Ahmed Kamal, früher Malayen) und M.I.C. (Malaysian Indian Congress - Präsident der Studentenunion der Universität Heilig Kongreß der malayischen Inder) und fünf anderen Malaysia, war damals in den Untergrund gegangen. Parteien. Er hat dann jedoch eingewilligt, unter den Bedingunzen, die die Regierung ihm stellte (Verzicht aut (15) "Far Eastern Economic Review", 10. Januar 75 jegliche Aktivität), an die Universität zurückzukehren.

(7) "Le Monde Diplomatique, August 1975 EINIGE ADRESSEN, UM DIE AKTUELLEN KÄMPFE (8) "New Asia Review", Juli 1975 IN MALAYSIA UND IN SINGAPUR ZU VERFOLGEN : (9) Der in "Inprecor" Nr. 9 veröffentlichte Artikel beses, den Studenten und der se "Sozialistischen Malaya News Service. der Bevölkerung die 97 Drummond St. Carlton. 3053. Breite des ausländischen Einflußes in Malaysia be- Melbourne (Australia) wußt zu machen. Er zeigt auch, daß die Führer des daß die Mehrheit, FUEMSSO News Service die sie in der Studentenbewegung an der Universität Fédération of United Kingdom and Eire Malaya erringen hatten, noch nicht bedeutete, die Studenten ihre Ideen vollständig verstanden und Malaysian and Singaporean student orga sich zu eigen gemacht hatten. nisation.

C/O NUS (international section)

(10) s. die Erkärung in "Peking Rundschau", Mai 75 3 Endsleigh St. London W.C. 1 (11) s. "The Asia Magazine", 4. Mai 1975 • Center for information on asian political (12) s.J. Decornoy in "Le Monde" vom 20.2.75 prisonners (CIAP) Suzuki Bild. 3F - B. 5-3 Sarugahu (13) "Far Easter Economic Review", 12. September 1 - chome, Chiyoda-ku. Tokyo, 101. 1975, Artikel von K. Das Japan

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