Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Argentinien

Gewerkschaftsbürokratie und Krise

· Inprekorr Nr. 42, 2. Oktober 1975 · S. 24-29 · 4.023 Wörter

Argentinien Gewerkschaften und Streiks Stalinismus und Bürokratie Frankreich

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Gewerkschaftsbürokratie & Krise

JEAN-PIERRE BEAUVAIS

Die Übergabe der "Macht" für eine Periode von 35 Der Rodrigo-Plan: eine Kriegser- Tagen von Isabelle Peron an den erst kürzlich gevählten Präsidenten des Senats, Italo Luder, ist klärung an die Arbeiter mehr als eine Anectode, sie ist eine neue Etappe der politischen Krise in Argentinien und eine neue Etappe auf dem Weg, Lösungen für eine Die wirtschaftliche Situation, die die direkte Ursache Beendigung dieser Krise zu finden. Die Entfer- der aktuellen Krise ist, ist chaotisch. Die Inflation nimmt von Woche zu Woche einen rascheren Rhythmus an -- um nicht zu sagen, von Tag zu Tag. Und niemand aus den argentinischen Wirtschaftshat auf die einer "Gallionsfigur" , die zwischen kreisen wagt eine Voraussage darüber, den eigentlichen Kräften hin- und hergeworfen wird. Und die eigentlichen Kräfte in Argentinien, werde. Als sicher gilt, daß sie höher als 200% die Macht teilen, für das Gesamtjahr 1975 betragen wird...

mee und die Gewerkschaftsbürokratie.

Dies zeigt den Willen dieser Kräfte, die aktuelle Die abhängige Wirtschaft Argentiniens wird heute institutionelle Fassade, zumindestens für den Augen- mit voller Wucht von der internationalen Rezession blick, weiter aufrechtzuerhalten, getroffen, was den bescheidenen Manövrierspielbedeutet, daß man sich verpflichtet,den Wahlter- raum, über den das peronistische Regime verlügen min-Kalender zu respektieren, der Wahlen vorsieht konnte, auf Null zurückschraubte. Mithilfe dieses ... für 1977 -- mit oder ohne Isabelle Peron. Aber Manövrierspielraumes glaubtendas peronistische in dem Maße wie diese sich unfähig zeigt, auch Regime und die hinter ihm stehende argentinische nur eine repräsentative Funktion auszufüllen, Bourgeoisie -- mit Unterstützung der Gewerkschaftsman jemand anderen auf seine zukünftigen Funk-. bürokratie und mithilfe der Gewährung von minitionen vorbereiten müssen -- und diesen anderen malen Zugeständnissen an die Arbeiter -- die wird man bekannt machen müssen --, damit die- Politik des sogenannten "Sozialpaktes" erfolgreich ser, nach den konstitutionellen Regeln, eines durchführen zu können. Tages den Platz von Isabelle Peron einnehmen kann. Daher diese Interims-Lösung, der erste Der Export von landwirtschaftlichen Produkten Akt einer "schleichenden" Ersetzung. Aber diese -- ein traditioneller Reichtum Argentiniens -lächerlichen Maskeraden können nicht die Tiefe ist unter dem Eindruck der Krise in den europäder wirtschaftlichen, sozialen und politischen ischen Hauptimportländern empfindlich zurück- Krise verdecken, von der Argentinien heute er- gegangen. Parallel dazu wurde durch die Preisschüttert wird, Und noch weniger können sie ein erhöhungen die Konkurrenzfähigkeit der argenti- Heilmittel sein, nicht einmal ansatzweise. nischen Industrieprodukte beschnitten, und die

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zu einem Zeitpunkt, wo die Eroberung neuer Markte, angesichts der weltkonjunkturellen Situation, viel schwieriger ist.

Der Gesamtwert der Exporte ist daher spektakulär zurückgegangen: in den ersten Monaten des Jahres 1975 in katastrophalen Proportionen -- je nach den verschiedenen Schätzungen um 30% bis 35%! Darüber bestürzt, haben die führenden argentinischen Politiker radikale Maßnahmen beschlossen, die aber nichtsdestoweniger "klassisch" sind: die Arbeiter sollen den Preis für die Krise und für eine eventuelle wirtschaftliche "Sanierung" tragen. Das ist der Sinn des "Rodrigo-Planes" , benannt nach dem neuen Wirtschaftsminister.

Der Peso wurde erneut und in bedeutendem Umfang abgewertet, um dadurch die Exporte wieder anzukurbeln, eine massive Erhöhung der Tarife im Offentlichen Dienst wurde vorgenommen (100% bis 150%). Darüberhinaus wollte der "Rodrigo- Plan" vor allem die Lohnerhöhungen beschränken (auf ungefähr 40%), als Vorspiel für einen späteren Lohnstop -- und dies, obwohl damals (Juni 1975) die Erhöhung der Lebenshaltungsvorgesehen waren, auf ungefahr i50% gescitat kosten für die Periode, in der 40% Lohnerhöhungen Wenn man von diesen Zahlen ausgeht, ist jede Rechnung einfach. Alle Arbeiter haben diese Rechnung aufgestellt: der "Rodrigo-Plan" sah vor, ihre Kaufkraft um 50% zu senken! Das bewegt sich jenseit der Geleze Pinochet mit ande den anderen Mitteln -- wie man weiß -- erreicht hat. Dieser Plan war also eine wahre Kriegserklärung an die Arbeiterklasse. In diesem Sinne enthüllte er die politische Dummheit der um Lopez Rega versammelten Mannschaft, zu der auch Celestino Rodrigo gehörte. Zu glauben, daß ein solcher Plan nicht eine massive Antwort der Arbeiterklasse hervorrufen würde, einer Arbeiterklasse die so kämpferisch ist wie die argentinische, zeugt von einer seltenen politischen Blindheit. Aber über die "Clique Lopez Rega", hinaus, sind auch die Reaktionen der argentinischen Bourgeoisie sehr aufschlußreich: bis zu den ersten Tagen der enormen Mobilisierung der Arbeiter, "Rodrigo-Plan" hinwegfegte und seinen Autor zwang, von seinem Ministerposten zurückzutreten, unterstützten die wesnetlichen Kräfte der argentinischen Bourgeoisie (mit Ausnahme gewisser Sektoren der CGE; siehe Anmerkung 1) diesen Plan. Aus wohlverstandenem Klasseninteresse, versteht sich. Aber die Tatsache, daß die argentinische Bourgeoisie solch irrealistische Vorschläge (was die Möglichkeiten ihrer Durchsetzung, angeht) unterstützt hat, zeigt in welchem Maße sie verwirrt ist. Die erste Antwort der Arbeiter und die Haltung der CGT

Die Ankündigung des "Rodrigo-Plans" traf zusam- men -- und deshalb wurde er so hastig veröffentlicht-mit den jährlichen Treffen der paritätischen Kom- missionen auf nationaler Ebene. Diese paritatischen Kommissionen sollten die Kollektivverträge der Arbeiter aus ganzen Wirtschaftssektoren neu aushandeln (besonders in der Metallindustrie, im öffentlichen Dienst, sowie im Banken- und Bausektor). Während diese Verhandlungen noch liefen, begannen bereits die Mobilisierungen; gemäß der verschiedenen Sektoren und Regionen ungleichmäßig zu Beginn, verallgemeinerte sich die Bewegung rasch und bewies eine außerordentliche Kampfkraft. Der Streik bei Villa Constitucion zwei Mona.te zuvor hatte bereits einen Vorgeschmack davon gegeben.

Sektoren, die seit Jahren als wenig kämpferisch galten, nahmen an der Bewegung teil, an der Seite seren Belle und der Druckerearbeiter die aditionelerweise an der Spitze des Kampfes stehen. Zum ersten Mer zwei Provinzen, besonders ang nicht auf ein oder zwei Provinzen, besonders Cordoba und Santa-Fé. Die Bewegung ist national und die Industrievororte von Buenos Aires beteiligen sich 100%ig. was neu ist.

Ein wenig überall entstehen Koordinierungsstrukturen auf lokaler Ebene oder auf der Ebene von einzelnen Branchen oder zwischen verschiedenen Betrieben. Diese Strukturen regruppieren Vertreter der Basis oder interner Kommissionen. Diese Koordinationen sind ein Produkt der Überbordung des bürokratischen Gewerkschaftsapparates der CGT und sie beginnen lokal die Rolle von wirklichen Ersatzführungen zu spielen. Dies wird sehr schnell der Fall sein in Cordoba, in Santa-Fé, aber auch in Buenos Aires, besonders im Bankensektor und in der Zone von Matanza. Unter diesen Bedingungen und nachdem sie alle in ihrer Macht stehenden Mittel eingesetzt hatte. um die Bewegung zu bremsen, sah sich die Gewerkschaftsbürokratie gezwungen, Boden aufzugeben. Wenn sie sich einer solchen Mobilisierung frontal entgegengestellt hatte, hatte sie sehr schnell die Kontrolle über einen großen Teil der Arbeiterklasse verloren.

Sie "akzeptierte" daher -- genauso wie die Unternehmer, die sich noch einige Tage zuvor über die Regierungspläne zufrieden die Hände gerieben hatten-im Rahmen der paritätischen Treffen, die parallel zu den Massenmobilisierungen abgehalten wurden, Lohnerhöhungen, die weit über den vom "Rodrigo- Plan" festgelegten Richtlinien lagen. Der Durchschnitt dieser Lohnerhöhungen lag bei fast 100%, und erreichte in einigen Sektoren bis zu 130 oder gar 140%. Wenn die Lohnerhöhungen auf dem ersten Blick prozentual gesehen auch als beträchtlich erscheinen mögen, so muß dabei doch bedacht werden, daß die Steigerung der Lebenshaltungskosten auf 150% geschätzt wird, Gegenüber dieser Situation hatte die Regierung Isabelle Peron-Lopez Rega nur zwei Alternativen: entweder dem Druck der Arbeiter zu weichen und die Kollektivverträge unter diesem Druck zu ratifizieren, was darauf hinauskäme, den "Rodrigo-Plan" bereits einige Tage nachdem er das Licht der Welt erblickt hat wieder in den Mülleimer der Geschichte zu werfen, oder aber es auf eine Kraftprobe mit der Arbeiterklasse ankommen zu lassen, aber auch mit der Gewerkschaftsbürokratie. Letztere hätte, obwohl sie ein Pfeiler des peronistischen Regimes ist, kaum wieder zum Rückzüg blasen können und das wieder rückgängig machen können, was sie noch am Vorabend unterzeichnet hat, ohne sich gleichzeitig total zu diskreditieren und genau das zu verlieren, was sie bewahren wollten, indem sie die Kollektivverträge unterschrieb: ihre Kontrolle über die Mehrheit der Arbeiterklasse.

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Das ist eine lebenswichtige Frage für die gesamte Gewerkschaftsbürokratie, wie korrumpiert und wie käuflich sie auch immer sein mag. Wenn Isabelle Peron und Lopez Rega sich dafür entschieden hätten, die Konfrontation mit den Arbeitern und mit der Gewerkschaftsbürokratie zu suchen, dann hätten sie sich gleichzeitig dafür entschieden, die peronistische Bewegung zu zerschlagen, denn genau diese Gewerkschaftsbürokratie spielt in dieser eine ganz entscheidende Rolle.

Eine solche Option wäre einem politischen Selbstmord gleichgekommen. Dennoch habensie sich für diesen Weg entschieden• Der Generalstreik: Spontane

Mobilisierung und Reintegration

Von dem Augenblick an als Isabelle Peron ankündigte -- in einer provozierenden und hysterischen Rede--. daß keine Lohnerhöhung, die höher als 50% liegt, akzeptiert werden würde und daß folglich alle paritätischen Abkommen, die bereits abgeschlossen worden sind und die über dieser Grenze hinausgehen ungültig seien, vervielfachten sich die Mobilisierungen. Ein spontaner Generalstreik lähmte sofort mehrere Provinzen im Innern des Landes, wie z. B. Mendoza, Cordoba und Santa- Fc. Der Streik überbordete sehr rasch diesen anlänglichen Rahmen und dehnte sich praktisch auf das gesamte Land aus.

Im Verlauf dieser massiven Mobilisierungen vervielfachten sich die zwischen-betrieblichen Koordinierungen, sie gewannen an Stärke und Selbstbewußtsein und prägten ihren Charakter als Ersatzführungen der Massenbewegung noch stärker aus als dies während der ersten Phase der Fall war das heißt nach der Ankündigung des "Rodrigo-Plans" und vor der Entscheidung der Regiening, die neuen Kollektivverträge nicht anzuerkennen. Die Gewerkschaftsbürokratic, die vollkommen überbordet ist und die noch versucht, Zeit zu gewinnen, um die Krise doch noch durch Verlandlungen zu lösen, sieht sich schließlich gezwungen, auf den falırenden Zug aufzuspringen. Sie proklamiert den 18-stündigen Generalstreik für den ż und 8. Juli, mit dem Ziel, daß die Kollektivverträge anerkannt werden und daß Lopez Rega, derstaked symdot für desen chen ische Linie, zurücktritt.

Von diesem Zeitpunkt an sollten sich die Ereignisse überstürzen. Kleinere Ablenkungsmanöver von Seiten der Regierung, wie z. B. die Ersetzung dieses oder jenes Ministers, bleiben ohne Wirkung. Die Krise ist zu heftig, zu tief, als daß sie durch einfache vom totalen Zusammensturz bedroht.

Peronismus, Arbeiterklasse und Gewerkschaftsbürokratie fen, zerissen zwischen der Lopez Rega -Clique, bisher allmächtig war, weil sie die Macht" in ihren Händen hielt, und der Gewerkschaftsbürokratie, die im Lichte der Ereignisse als die letzte und einzige Kraft erscheint, die verhindern kann, daß die Peronisten von der Macht verdrängt werden. Aber schwerwiegender und fundamentaler noch als die Krise, von der die politischen Apparate durchrüttelt werden, ist die abrupte Beschleunigung der Spannungen und Brüche zwischen dem Peronismus und den argentinischen Massen, zwischen dem Peronismus und der argentinischen Arbeiterklasse. Dieses Problem steht im Zentrum aller Uberlegungen und Angste der Besitzenden, aller Verteidiger der Ordnung.

Für jede Partei, für jeden Sektor und jede Fraktion der Bourgeoisie, ob sie nun mit dem Peronismus verbunden ist, wie Arturo Frondizi, oder in "gemcardo Band (der fire der Orkasti Partei), oder Opposition, wie sogar für die anti-peronistische extreme Rechte (wie Manrique) war klar, daß die Krise nicht einfach eine Krise des Peronismus, sondem eine Krise des eine zentrale Komponente darstellt. Genau in dieser Weise wurde die Situation während der Krise von den wesentlichen Teilen der militärischen Hierarchie analysiert. Theoretisch war die Gelegenheit, die Macht zu ergreiten nie so günstig gewesen, wi in den Wochen, als die Massenmobilisierungen zurückgingen und die Regierung völlig unfähig war, politisch zu handeln. Aber die Offiziere ergriffen die Micht nicht, auch dann wenn ihre Rolle entscheident war und immer noch ist.

Seitens der Offiziere war dieses Verhalten nicht das Ergebnis des traumatischen Fehlschlags der Militärdiktatur während der Periode Zwischen 1966 und 1972. Wenn die argentinische Armee heute eine "berufsmäßige" sein will, wie daß ständig von Militärführern wiederholt wird, so steht dahinter eine wohlüberlegte und kalkulierte Absicht. Sie denken, daß es besser ist, sich jetzt im Hintergrund zu halten, um dann intervenieren zu konnen, wenn sich die Situation erneut verschärft. Für sie bedeutet eine neue mögliche Verschärfun der Situation, daß dic Gewerkschaftsbürokratie in viel grosserem Maße als dieses mal die Kontrolle über die Arbeiterklasse verlieren wird.

Daher ist es besser, ein institutionelles System zu behalten, auch dann wenn es nicht mehr darstellt, als cine verrottete Fassade, da dieses der Gewerkschaftsbürokratie den größtmöglichen Manöverspielraum belaßt.

Von diesen Ausgangspunkt aus müssen die hauptsächlichen Kennzeichen der Situation in Argentinien analysiert werden, neue Kennzeichen, die --wenn auch in verwirrender Weise -- nach dem Generalstreik vom 7./8. Juli aufgetaucht sind. Sieg der Arbeiter und Sieg der Bürokraten In seiner Wirkung kann der Streik sowohl als Kulminationspunkt der Krise, die durch die Ankündigung des Rodrigo-Plans ausgelöst wurde verstanden werden, als auch als ein radikaler Wendepunkt in der Entwicklung und Verschärfung dieser Krise.

Indem sich die CGT an die Spitze der Bewegung

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gesetzt hat, konnte sie diese unter Kontrolle bringen, obwohl das nicht ohne Schwierigkeiten und Probleme zu bewerkstelligen war. Vor allem aber versetzte diese Kontrolle die Bürokratie in die L ge, die Früchte dieses Sieges zu emten, ein Sieg. der nicht zu letzt das Ergebnis der massiven und spontanen Mobilisierung der argentinischen Arbeiterklasse war.

Für die argentinische Arbeiterklasse war dieser ein doppelter: Einerseits mußte Isabel Perón zurückweichen und die Lohnerhöhungen akzeptiedie in den Verträgen ausgehandelt worden waren. Das bedeutete, das die Bourgeoisie den odrigo-Plan wegwerfen konnte. Andererseits mußte Katastrophen zuerst die Regierung und dann dasen Lopez Rega nach einigen neuen Land verlassen. Das war der erste Schritt, seinen "Clan" in der Regiering und in der peronistischen Bewegung auszuschalten. Einer nach dem anderen mußten alle Minister, die auf der einen oder anderen Weise mit López Rega verbunden waren zurücktreten selbst sein Schwiegersohn Raul Lastiri, der Präsident der Abgeordnetenkammer und der Vize-Präsident der Jusizialistischen Partei. Die CGT nutzte den Sieg sehr geschickt aus, in dem sie die weniger kampfentschlossenen Arbeiter dazu überredete, zur Arbeiter zurückzukehren und gleichzeitig die Repression verschärfte (Hand in Hand mit den Kapitalisten; alleine in Buenos Aires, gab es mehrere hundert "politische" Entlassungen) und damit Schritt für Schritt die Kontrolle in der Arbeiterklasse wiedererlangte. Innerhalb der peronistischen Bewegung, innerhalb seines Apparates, wird die Gewerkschaftsbürokratie dafür sorgen, daß die Lopez Rega-Clique total eliminiert wird. Die Politik von Lopez Rega, seine faschistischen Projekte waren für sie eine reale drohung. Hinzu kommt, daß das beständig wachsende Gewicht, das er und seine Männer innerhalb dere der Gewers hatteguratie inhalten te Die Stunde der Zusammenstöße und der Abrechnungen näherte sich. Nichts war daher selbstverständlicher, leichter und auch geschickter für die Bürokraten, sich den Sieg der Arbeiter. zu diesem Zweck zu cigen zu machen. Aber das will nicht heißen, daß die Politik der Repression und des Terrors, Symbol Lopez Rega war, aufgegeben wird. Bestenfalls wird sie selektiver gegenüber den revolutionăren Organisationen und gegenüber den kämpferischsten Arbeitem sein und sie wird marginale Heldentaten, deren Opfer einige Gewerkschaftler wurden, vermeiden. Im ersten Augenblick erscheint daher die Gewerkschaftsbürokratie als großer Sieger der krise. Innerhalb der peronistischen Bewegung ist sic ne entscheidende und unangefochtene Kraft gewordeutend. den, Noch nie war ihr Gewicht so groß und so be- Gegenüber allen Kräften der Bourgeoisie, inklusive der Armee, hat sie den Beweis erbracht -- trotz den Konzessionen --, daß sie ein kostbares und aller Schwierigkeiten und auf Kosten von bedeutenunersetzliches Instrument ist gegenüber einer Ar- beiterklasse, die immer kämpferischer und radikaihr Widerspruch und ihre große Schwäche, ange- ler wird. Aber genau darin besteht gleichzeitig Argentinien beginnt. sichts einer neuen politischen Periode, die in Grenzen und Widersprüche

Die Stärkung der Positionen der Gewerkschaftsbürokratie ist das Resultat zweier zentraler Aspeke der neuen politischen Situation: Einerseits der neuen, neuen sienin der en seiten der kunder anderen Seite der akuten Krise des gesamten Systems der ›ürgerlichen Herrschaft und besonders des Peronismus. Das ist gleichzeitig die Basis, auf der die Grenzen und die Schwäche der Bürokratie verständlich wird.

Wenn der neue Aufschwung der Arbeiterkämpfe weitergeht ( und alle verfügbaren Informationen deuten darauf hin), dann werden diese Kämpfe, auch wenn sie konjunkturell auf die Mühlen der Bürokratie gelenkt werden, gerade in der spezifischen argentinischen Lage, cine direkte Bedrolıung darstellen. Aufgrund der zugespitzten wirtschaftlichen Krise ist die Großbourgeoisie nicht in der Lage Zugeständnisse größeren Ausmaßes zu machen, Die Zurücknahme des Rodrigo-Plans heißt nicht, daß jetzt die Zicle, die durch ihn verwirklicht werden sollten, nicht mehr angestrebt werden. Nur die Methoden und die Geschwindigkeit der Anwendung werden sich ändern. Der Verhandlungs- und Manöverspielraum der Gewerkschaftsbürokratie gegenüber der Arbeiterklasse wird daher sehr begrenzt sein. Sie geht das Risiko in, erneut massiv von der Bewegung überholt zu verden und in der augenblicklichen Krise hat es sich für die Arbeiter als sehr vorteilhaft ciwieser, die Bürokratie zu überholen und zu übergerien. Neue Sektoren der Arbeiterklasse haben mit der Bürokratie im Kampf gebrochen und haben damit einen Prozeß beschleunigt und ausgeweitet, der schon seit der ersten Cordobazo von Juni 1969 im Gange ist. Das ist der Grund dafür, daß zum ersten Mal alternative Führungen im Verlauf der Mobilisierungen auftauchten, und das in allen wichtigen Industriezentren des Landes zur gleichen Zeit. Ohne den , in der Tat sehr ungleichmäßigen Charakter dieses Vorgangs zu unterschlitzen, können wir doch sagen, daß der Bruch mit der Gewerkschaftsbürokratie einen Massencharakter im ganzen Land angenommen hat, wie das in der Vergangenheit nie der Fall gewesen ist.

Natürlich hemmt die Nichtexistenz einer wirklich anerkannten alternativen Führung, der Lage wäre, den Prozeß zu zentralisieren und zu systematisieren die Dynamik der Entwicklung. Gleicherweise wird das Geschäft der CGT durch die Schwankungen und den Opportunismus des Linken erleichte größten Teils der revolutionären • Aber dennoch Siche dar.

Aber der Sieg ist zweischneidig in einer noch anderen Weise, die mit der Krise des Peronismus zusammenhängt, Waisenkind des peronistischen Projekts

Wenn die CGT nun zur wesentlichen Komponente der peronistischen Bewegung wird, dann deshalb, weil es keine großen Alternativen gibt. Was vom bonarpartistischen und populistischen Teil des Peronismus übriggeblieben ist, liegt in den letzten

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Zuckungen, Und die Gewerkschaftsbürokratie, die zu den bevorzugten Instrumenten dieses Bonarpartismus und .Populismus gehörte, kann offensichtlich diese Rolle nicht alleine ausfüllen. Für die Gewerkschaftsbürokratie bedeutet aber das Ende dus populistischen Bonarpartismus, daß sie das übergreifende politische Projekt verliert, welches ihr zu Krfat und Zusammenhalt verholfen hat. Das ist ein Problem, das sich schon durch den Regimes Mon opez Rega weiterentwickelte des Tod von Peron seine ganze Brisanz wurde erst während der letzten Monate offensichtlich und der sichtbarste Ausdruck dieser Tatsache, war es, daß sich die Bürokratie an die Spitze eines Streiks gestellt hat, der direkt gegen die peronistische Regierung gerichtet war.

Die Maskerade à la "Unterstützung für Isabel Peron" noch während der Streik im Gange war, andert nichts daran, und niemand schenkte dieser Maskerade eine größere Bedeutung. Und das nicht nur deswegen, weil die CGT im Namen der argentinischen Arbeiter sprach, als sie unter den aufeinanderfolgenden Militärdiktaturen von Onganiá, Levingston und Lanusse mehr und mehr an Macht gewann, sondem auch deswegen, weil sich die Bürokratie in das politische Projekt des Peronismus integrierte.

Nicht nur weil sie sich als Verteidiger der Interessen der Arbeiter aufspielte hat die CGT de immense Mehrheit der argentinischen Arbeiter beherrschen, kontrollieren und integrieren können. Sondern auch weil sie den Arbeitern, mithilfe des peronistischen Projekts und seiner Wunder, andere Ziel vorschlagen konnte, nämlich politische.

Nachdem die Wunder des Peronismus verblichen sind und nachdem das politische Projekt, dessen Träger er war diskreditiert ist, hat die Gewerkschaftsbürokratie diesen Vorteil verloren; das war ein sehr harter Schlag für sie. Mehr noch als in den letzten Jahren wird sie Mühe haben, ihren Einfluß auf bedeutende Sektoren der Arbeiterbewegung aufrechtzuerhalten, immer massiver und bedeutender werdende Brüche und Abspaltungen von Arbeitem, die sie bisher beherrscht hatte, zu verhinder.

Umso mehr als ihr eigener innerer Zusammenhalt durch die neuen Gegebenheiten nicht gerade gestärkt wird.

Peron und der Peronismus als politisches Projekt waren von innen und von außen zugleich Faktoren der Kohäsion und der Homogenität. Als diese Faktoren verschwanden, als die Beziehungen zwischen dem bürokratischen Apparat und den Massen immer gespannter wurden, häuften sich die Konflikte zwischen den zahlreichen verschiedenen Interessencliquen, Im Umriß zeichnen sich bereits verschieene Orienticrungen ab: es geht um die Beziehunge wischen der Bürokratie und dem Staatsappara um die Beziehungen mit der Armee oder mit gevissen Sektoren dieser, um die Frage des den Gewerkschaftsapparat eigenen politischen Ausdrucks, unabhängig von der Justizialistischen Partei. Der scheinbare "Sieg" der Gewerkschaftsbürokratie ist daher sehr relativer Natur. Die Allmacht, die sie angesichts der Krise innerhalb des Peronismus erlangt hat, ist das Produkt von Faktoren, die längerfristig gegen sie selbst wirken -- von der wachsenden Mobilisierung der Arbeiterklasse bis zur Krise der peronistischen Bewegung. Die Gewerkschaftsbürokratie ist mehr denn je verbunden mit einer Bourgeoisie, die sich in einer Krise befindet, verbunden mit deren Staatsapparat, mit deren Regierung, während die einzige Lösung für die Bourgeoisie darin besteht, die Arbeiterklasse zu zähmen. Während die katastrophale wirtschaftliche Situation die Verhandlungsmargen der Bourgeoisie lächerlich, wenn nicht gleich Null macht. Während die Repression weitergent, gegen die Ja negren scheide Repression sogar ode - le Avantgarde verstärkt, wie die Massaker in diesen letzten Wochen zeigen. Während sich, wie in Tucuman, die ten. Während sie mehr als ren. Wishrend sie atione als fe zuvor heute einen - Vorposten im Kampf für die Zähmung der Arbeiterklasse einnimmt, während sie gleichzeitig versucht, sich die Verdienste und Früchte der ungeheuren Arbeitermobilisierung vor einem Monat zuzuschanzen, erscheint ihr Charakter immer deutlicher als krass widersprüchlich, während sich die Klassenantagonismen verschärfen.

Mehr als je zuvor setzen die Ereignisse dieser letzten Monate die Notwendigkeit der unabhängigen Mobilisierung der Arbeiterklasse auf die Tagesordnun klassen* den Kampf der Arbeiter für ihre unabhängige organisation. Mehr als je zuvor ist jede opportunistische Politik gegenüber der Bürokratie, jede politik, die Konzessionen an deren sogenannte Kampfpläne, was tur Zeitung der GRUPPE

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an deren "Vorschläge, um aus der Krise herauszukommen", an die durch sie kontrollierten Gewerkschaftsstrukturen macht, ist eine Bremse für die Mobilisierung und für die Bewußtwerdung der Arbeiter.

Mehr als je zuvor und mit sehr viel Möglichkeiten als noch vor wenigen Wochen, müssen die argentinischen revolutionären Marxisten die Bildung von unabhängigen Kampfstrukturen vorantreiben, wie sie während der Mobilisierung im Juni und Juli entstanden sind: die Strukturen zur Koordinierung des Kampfes, die zwischenbetrieblichen Mobilisierungskomitees, die lokalen und regionalen Koordinationsstrukturen. 16.9.1975 (1) CGE: Unternehmerverband, der die kleinen und mittleren Betriebe umfaßt.

SOLIDA RITAT

MIT DER PST

In der letzten Ausgabe von INPREKORR (Nr. 41 vom 18. September 1975) haben wir berichtet, daß fünf Genossen der PST ermordet worden sind. Inzwischen haben wir erfahren, daß drei weitere Genossen dieser Organisation von faschistischen Banden umgebracht worden sind. Unsere Genossen verlängern damit nur die Liste politischer Morde in Argentinien, 300 seit Anfang dieses Jahres. Gedeckt durch die peronistische Regierung greifen die faschistischen Sanden ungestraft die Arbeiterbewegung und ihre Avantgarde an. Die ermordeten Genossen waren engagiert bei der Unterstützungsarbeit für die Kämpfe im Stahlwerk Propulsora, in einem Vorort von Buenos Aires. Anläßlich der Beerdigung der Opfer erklärte ein Delegierter dieser Fabrik: "Gegenüber den Ereignissen von La Balandra (Ort der Morde) haben wir die moralische Verpflichtung, unsere Abscheu auszudrücken, Die gedungenen Mörderbanden die acht unserer enossen umgebracht haben, werden nicht dabei stehenbleiben". Er forderte Wir veröffentlichen im folgenden einen Auszug "Avanzada Socialista" aus acht ermordeten Militanten gegeben wird: , in dem die Biographie der ROBERTO LOSCERTALES

Mit 31 Jahren war Roberto Loscertales, genannt "Laucha" Mitglied der Führung der PST in La Plata. Er trat in unsere. Organisation 1967 als Student ein. Er war der Gründer unserer Studentengruppe in La Plata, 1972 verließ er die Universitat, um zu einer Gruppe von Genossen zu stoßen, die das Land durchreisten, um die legale Anerkennung der Partei zu sichern. Dann wurde er Arbeiter bei Astillero Rio Santiago, wo er ein bekannter Militant der Oppositionsliste Marron war, bis er entlassen wurde, weil er die Solidarität mit dem Kampf von Propulsora Siderurgica angekurbelt hatte. Seitdem arbeitete er an den Kampffronten Astillero (Fleisch-Trust) und Petrochimie Sud-améri= caine.

dann die Arbeiter auf, diese Angriffe entsprechend zu beantworten.

Angesichts der Zunahme solcher Gewalttätigkeiten regen die Arbeiterbewegung von Seiten solcher faschisfischer Banden, die im Dienste der Ausbeuter stehen, wird es den argentinischen Arbeitern immer klarer, daß es notwendig ist, die Selbstverteidigung auf allen Ebenen zu organisieren, in den Betrieben und in den Wohnvierteln.