BELGIEN : GRÜNDUNGSKONGRESS DER LIGUE REVOLUTIONNAIRE DES TRAVAILLEURS ++++++++++++ ++++ ++++ Im Kongreßpalast von Lüttich fand am 30. und 31. Mai der Gründungskongreß der IRT statt. Verschiedene Berichte wurden gegeben und diskutiert, über die vorgelegten Resolutionen abgestimmt und ein Zentralkomitee gewählt. Ein Programmentwurf zur allgemeinen Orientierung wurde angenommen nach ausführlicher Diskussion, die weitergeführt werden muß. Es war ein Kongreß nicht nur von Schülern und Studenten, sondern von Genossen unterschiedlichen Alters. Die Mehrzahl waren zwar Junge und Studenten, aber es gab ebenfalls sehr viele Arbeiter. Ein Kongreß von Genosser, auf dem Sympathisanten nur am ersten Tag eingeladen waren; ein sehr disziplinierter Kongreß, und man wird leicht verstehen, warum: es war das Ergebnis eines langen Fusionsprozesses, und deshalb lief er ohne Überraschungen ab.
Die drei wichtigsten Berichte waren :
1) über den Statutenentwurf der LRT mit der Entscheidung, der IV. Internationale beizutreten; 2) über den Programmentwurf, der sich in folgende Kapitel aufgliedert: I. Kapitalismus und Klassenkampf
II. Der internationale Charakter der sozialistischen Revolution III. Die wichtigsten Merkmale des belgischen Kapitalismus IV. Die Arbeiterbewegung in Belgien
V. Welchen Sozialismus streben wir an?
VI. Strategie für die Machtergreifung; 3) über die Beziehung zwischen Arbeiterklasse, Gewerkschaften und Arbeiterkomitees.
Mit der Gründung der LRT und ihrem Beitritt zur IV. Internationale geht die erste Etappe des Prozesses der Schaffung einer revolutionären Partei in Belgien zu Ende. Im Mai 1970 hatte die JEUNE GARDE SOCIALISTE einen Appel zum Zusammenschluß gerichtet an die PARTI WALLON DES TRAVAILLEURS, die UNION DE LA GAUCHE SOCIALISTE und an die Gruppen, die die Betriebszeitungen "Unité dans la Lutte" (Einheit im Kampf) herausgaben. Die JGS hatte sich auf ihrem Kongreß im Dezember 1969 in eine national strukturierte Organisation, die einen Teil der internationalen trotzkistischen Bewegung bildet, umgewandelt. Vom Januar 1970 an intervenierte die JGS, die bisher hauptsächlich aus Studenten bestanden hatte, aktiv im Streik Limburger Bergleute. In der aufsteigenden Phase des Klassenkampfes ist sie bei allen wichtigen Streikaktionen dabei und hat dabei ihre ersten Erfolge erzielt. PWT und UGS sind Parteien, die sich 1965 aus dem linken Flügel der PSB (Sozialdemokraten) abspalteten, und deren Mitglieder in den Gewerkschaftssektionen eine führende Rolle seit dem großen Streik von 1960-61 spielen. An diese Organisationen lehnen sich seit eineinhalb Jahren mehrere Arbeiterkomitees an.
Der Zusammenschluß dieser revolutionären Genossen in einer einzigen Organisation schafft einen neuen politischen Pol in Belgien, der in den Kämpfen der Arbeiter, Staatsangestellten, Studenten und Schüler aktiv interveniert und zum Ziel hat, eine Massenpartei für die sozialistische Revolution zu schaffen. Die LRT ist der Meinung, daß eine bewußte revolutionäre Führung geschaffen werden muß, damit die Arbeiterkämpfe in eine sozialistischen Revolution münden. Deshalb unternimmt sie eine kontinuierliche Arbeit in Betrieben, Gewerkschaften, Schulen und Universitäten. Sie verbreitet regelmäßig ihre Propaganda und ihre Wochenzeitungen "La Gauche" und "Rood". Sie aktiv am politischen Leben Belgiens teilnehmen. Wir glauben nicht, daß durch das Parlament der Sozialismus verwirklicht werden kann, aber trotzdem wird die IRT nicht darauf verzichten, an den Wahlen teilzunehmen, um ihre revolutionäre Propaganda zu verbreiten.
(gekürzt aus LA GAUCHE vom 4.Juni 71.)