ARCENTINIENS 1971/33 SERGIO MARTINEZ
Als die regierenden Peronisten im Frühjahr 1974 mit der kommenen bonarpartistischen Peronismus eine rapide inneuen wirtschaftlichen Situation konfrontiert waren, ver- dustrielle Wachstumsrate mit einer relativ niedrigen Insuchten sie die drohende wirtschaftliche Stagnation durch Ilationsrate kombiniert werden sollen, war die Demission eine flexiblere Preispolitik abzuwenden; mit dem Ziel, des Wirtschaftsministers Gelbart und dessen Ersetzung durch den Import von Rohstoffen --als unabdingbare Voraus- Gomez Morales.
setzung für jedes wirtschaftliches Wachstum -- weiterhin zu gewährleisten. Das bedeutete vor allem: die ge- Gelbarts Politik beruhte auf zwei Pfeilern: Die Erschliesstiegenen Rohstoffpreise auf die Endprodukte abzuwälzen, sung "nichttraditioneller Märkte" (Z. B. degenerierte Ardie Investitionen zu erhöhen und rigide Maßnahmen zur beiterstaaten) für "nichttraditionelle" Exportgüter und Exportsteigerung zu ergreifen. Man ging selbstverständlich der Versuch europaisches und japanisches Kapital ins daß der "soziale Frieden' respektiert würde Land zu holen mit dem Ziel, die industrielle Ausrüstung und die Reallöhne nicht über das Niveau vom Juni 1973 bzw. die gesamte Infrastruktur zu modernisieren. Diese hinausgehen würden, Größere Preisflexibilität und nied- Voraussetzungen konnten jedoch nur in ganz bescheidenem igere Zinssätze -- kombiniert mit einem Einfrieren der Maße realisiert werden. Die positiven Ergebnisse der Löhne - - sollten eine Restabilisierung der Profitrate argentinischen Wirtschaft im ersten Jahr des (Neo-) Peronsichem, wobei eine höhere Inflationsrate schon eingeplant ismus sind ausschließlich auf den Erfolg der traditionellen Agrarexporte zurückzuführen ( trotz der Offnung neuer Märkte für den Export von Industrieerzeugnissen).
leichen Zeitraum verschoben sich jedoch die "Terms f Trade" wieder einmal zuungunsten der semikolonialer Da die Investitions- und Profitrate der argentinischen Länder. Das hatte die Wirkung, daß die Wachstumsrate Industrie nach wie vor niedrig ist, bleibt ihr als einzig- 1974 auch nicht höher war als in den Jahren zuvor. Da- er "Ausweg" die Preiserhöhung. Die dadurch provoziertfür erreichte aber die Inflationsrate die stattliche Höhe en Kampte der Arbeiter gegen den Abbau ihrer Realvon 40%, während sich die Regierung in ihrem wirtschafts- Tonne spiegein sich indirekt und deformiert in den Mapolitischen Wunschzettel eigentlich mit 25% begnügen növem der Gewerkschaftsbürokratie wieder. Diese ist sich vollkommen bewußt, daß eine Welle "wilder" Streiks
Die industrielle Wachstumsrate erreichte 1974 statt der und Protestbewegungen gegen den Angriff auf den Lebensstandard ihre eigene Rolle im Rahmen des gegenwärtigen Regimes in Frage stellen würde. Deswegen war sie ge- Zwungen, Ihre Stimme für Lohnerhöhungen zu erheben -- auch wenn es nur ein sehr verhaltenes und leises gar einen Rückschritt. Summchen war. Da die Regierung die Gewerkschaftsbürokratie zurecht als eine ihrer Hauptstützen ansieht und deshalb kein Interesse daran haben kann, daß diese Fehlschlag der Politik Peron-Gelbart die Kontrolle über die Basis verliert, mußte sie einige -- ebenfalls vorher nicht eingeplante -- Zugeständnisse in Form von Lohnerhöhungen machen. Diese Politik, in Verbindung mit einer hohen Beschäftigungsrate, Der Zuwachs des BSP blieb mit 7,1% weit hinter den Er- hat bisher eine generelle Konfrontation mit der Mehrwartungen zurück; und das, obwohl 1973 und 74 Rekord- heit der Arbeiterklasse verhindem können. Der zweiernten erzielt wurden, die -- wegen zeitweiliger Eng- tache Druck, der auf der peronistischen Regierung lastet -- die Bourgeoisie fordert Preis-, die Arbeiter Lohnerhöhungen-- hat sie schließlich dazu gezwungen, ihre Politik der "kontrollierten" Inflation aufzugeben.
8,2%. Das bedeutet, daß man den allgemeinen BSP-Anstieg nicht als Leistungsmesser für die Industrie gebrauchen Damit ging die trabende Inflation in das gallopierende kann. Außerdem war die Inflation doppelt so hoch, wie Stadium über, was schon kennzeichnend für das Ende von der Regierung vorgesehen. der Lanusse-Diktatur gewesen war und damals eine Verschärfung des Klassenkampfes in Folge der Reallohn- Eine der Folgen des Scheiters des offiziellen Plans, dem- die Krise der Industrie und einen Mehrwertzufolge unter der Protektion des wieder an die Macht ge- transfer zugunsten des landwirtschaftlichen Sektors mit
sich gebracht hatte. Auch schon gegenwartig verschärlen sich die Widersprüche zwischen Bourgeoisie und Proletariat und zwischen verschiedenen Sektoren der Bourgeoisie.
Die Inflationsrate, die im März 1974 noch bei 1,2% lag, stieg bis Februar 1975 auf 4,9% und auf 8% im März 75; im April wird sie wahrscheinlich die Marke von 10% überschreiten. Selbst wenn die Regierung suchen sollte, verschiedene Maßnahmen zu ergreifen, um diese Preisexplosion einzudammen, schaffen, die Zuwachsrate für das Jahr 1975 unter 60% zu halten.
Das hat natürlich seine Wirkung auf die Reallöhne. Die 40 000 (alte) Pesos, die kürzlich als monatlicher Zuschlag gwährt worden sind, waren sofort wieder von der Inflation aufgefressen. Auf der anderen Seite beginnt die Einschränkung der öffentlichen Investitionen auf die Beschäftigungslage durchzuschlagen. Gerade die Tatsache, daß viele Arbeiter, die unter der Militärdiktatur arbeitslos oder nur teilweise beschäftigt gewesen waren, unter Cámpora und Perón wieder Arbeit fanden, hat viel dazu beigetragen, daß sich die Arbeiterklasse während der ersten Jahre des Neo-Peronismus so ruhig verhalten hat. Obwohl sich die Einkommen pro Beschäftigtem nicht wesentlich erhöhten, bewirkte doch der allgemeine Zuwachs der Beschäftigung, daß sich das Realeinkommen pro Arbeiterhaushalt verbesserte. Wenn die Gewerkschaftsbürokratie die Kontrolle über die Masse der Arbeiter behalten will ist sie --besonaers nach dem Kampi in Villa Constitucion (vergl, In prekorr, Nr. 39, 29. Ma1 1975) -- gezwungen neue Lonnerhohungen zu tordern und durchzusetzen, sonst könnte sie von einer breiten Welle von Arbeiterkämpfen überrollt werden.
Die argentinische Industrie befindet sich wieder einmal in einer kritischen Situation. Die "Terms of Trade" entwickeln sich zusehens ungünstig für Argentinien. Jeder Rohstoffimport und jede Erneuering des Maschinenbestands verkürzt den vorher akkumulierten Mehrwert. Und dieser rozeß spielt sich unter den Bedingungen ständig schrumpfender Devisenreserven ab, was dem Import -- der durch lie jüngste Abwertung ohnehin teuerer geworden ist -immer engere schranken setzt Die Wirtschaftspolitik von Juan Perón ist gescheitert. Die so inständig erhofften Investitionen aus Europa und Japan sind nicht ins Land geflossen (das interationale Kapital zog es vor in Brasilien zu investeren!). Die von Argentinien exportierten Grundstoffe konnten dem allgemeinen Preisverfall im Gefolge der Krise nicht standhalten, was selbst für Öl zutrifft. Der Export von Getreide und Rindfleisch hat seine strategsche Rolle, die er noch während und nach dem Zweiten weltkrieg hatte, ausgespielt. Sowohl deshalb, weil das kapitalistische Europa mittels einer starken Ausweitung der landwirtschaftlichen Produktion einen höheren Selbstversorgungsgrad erreicht hat, als auch wegen der Tatsache, daß die Produktivität der Hauptkonkurrenten (USA, UdSSR und Kanada) stark angstigen ist.
Das sozialpolitische Programm Perons hatte vorgesehen, den Lebensstandard der Arbeiter nicht zu senken und gleichzeitig das ökonomische Wachstum zu beschleungen. Die Mittel sollten sein: Erhöhung der Mehrwertrate durch Modernisierung der Industrie und erhöhte Produktivität der Arbeit, wobei er hoffte, sich auf die Unterstützung der ausländischen Industrie verlassen zu können. Die Fehlschläge in der Wirtschaftspolitik bedingten das Scheitern des sozialpolitischen Projekts. Der dadurch herbeigeführte soziale Klimawechsel drückt sich symbolisch aus, wenn man die beiden folgenden Formulierungen miteinander vergleicht: Juan Domingo Perón proklamierte noch : "Jeder muß das, was er verbraucht auch selbst schaffen, " während heute seine Witwe versichert: "Jeder muß soviel produzieren, daß davon zwei Leute leben können.
Das neue Projekt des Gomez Morales
Als dieser Artikel geschrieben wurde, war das neue wirtschaftliche Projekt des Wirtschaftsministers Gómez Morales noch nicht bekannt. Es ist aber nicht schwier- &:-tschaftsplan der argentinischen Bourgeoisie aus- die objektiven Bedingungen, mit denen sich jede einandersetzen mus, aurzuzeigen. Nach dem scheitern der Politik Peróns gibt es prinzipiell nur noch zwei Alternativen: Entweder, man nimmt eine Stagnation der Industrie in Kauf, oder man versucht die Industrie wieder anzukurbeln, indem man die Ausbeutung der Arbeiterklasse drastisch erhöht. Die bonarpartistische Regierung, die sich weiterhin auf die Gewerkschaftsbürokratie stützt, kann solch eine Überausbeutung der Arbeiter nicht voll verwirklichen, das würde eine Diktatur nach der Art Onganias erfordem. Die jetzige Regierung wird eine überaus harte Repression gegenüber der Avantgarde und den kampterischs- Teilen der Arbeiterklasse mit bestimmten Lohnzugeständnissen kombinieren. Es ist daher durchaus moglich, das der Morales-Plan ein Mittelding darstellt zwischen dem Perón-Gelbart-Proiekt und der Politik von Krieger-Vasena-Onganiá.
Es geht darum, einerseits die Lohnerhöhungen zu kontrollieren und zu begrenzen, ohne sie aber wirklich einfrieren zu können und andererseits den Preisanstieg in den Griff zu bekommen, ohne in der Lage zu sein, ınn wirklich authalten zu können. Es geht darum, das Wachstum der Industrie zu stimulieren, aber doch nur bis zu einem Grad, daß die steigenden Kosten für die dazu notwendigen Importe keine untragbaren Ausmaße annehmen. Morales hat schon begonnen, sich "überhitzten" Zustand der argentinischen Wirtschaft auszulassen, der seiner Ansicht nach durch die Vollbeschäftigung bedingt ist. Während er eine Politik der Kreditrestriktionen predigt, besteht er andererseits darauf, daß die inländische Massenkaufkraft abgeschöpft werden müsse --ein Mittelchen, das er sich aus dem Profitmaximierungsarsenal der Unternehmer geliehen hat. Der Kampt gegen die Inflation wird im Vordergrund stehen, was konkret bedeutet. daß das Wachstum gedämpft und nicht beschleunigt werden wird. Man bemerkt die "diffizilen" Unterschiede zwischen diesem Projekt-und dem von Perón- Gelbart.
Es ist sicher kein Zufall, daß Morales seit seiner Berufung zum Wirtschaftsminister noch keinen umfassenden neuen Plan vorgelegt hat, der den Plan seines Vorgängers ersetzen könnte. Im Augenblick hilft er sich mit rein pragmatischen Maßnahmen, indem er die Preispolitik flexibler gestaltet (ganz besonders in einigen Branchen, wie z. B. der Automobilindustrie), indem er neue Abwertungen anordnet, was vor allem dem Landwirtschaftssektor hilft, indem er den 40 000-Pesos-Zuschlag für die Arbeiter zugestand, um dann bei den Treffen der Partei-Kommissionen jedwede weitere Lohnerhöhing zu verweigern (bzw. Sie so niedrig wie mög• lich zu halten) und indem er davon spricht, dal die Preissteigerungsrate auf dem Stand vom 1. März 1975 eingefroren werden müsse. Vom Standpunkt der kapitalistischen Wirtschaft Argentiniens als ranze gesenen ist es in dieser Situation praktisch inmöglich ein umfassendes Konzept zu erstellen daß die Politik Perons und Gelbarts durch die eines Morales ersetzen könnte, besonders wenn das bonar-
ARGENTINIEN artistische Regime unter den Schlägen der Arbeiterkämpfe in eine Krise geraten wird, was den Konflikt zwischen Regierung und Gewerkschaften genauso verschärten wird, wie die Spannungen innerhalb der Gewerkschaftsbürokratie selbst. Das ist der wesentliche Grund für die Halbheiten und den empirischen Charakter der Politik von Morales.
In der Ausgabe des Magazins "Mercado" vom 17. April 1975 heißt es, daß ein Wachstum der industriellen Produktion von 9,3%, wie es ursprünglich vorgesehen war, nur als "bedingt" angesehen werden könnte:" Das Produktionsniveau der vergangenen Jahre wird schwerlich aufrechterhalten werden können, wenn es nicht gelingt, das Versorgungsproblem überzeugend zu lösen und die Arbeitsproduktivität wiederherzustellen, die in letzter Zei in erschreckendem Maße gelitten hat, was vor allem durch Fernbleiben von der Arbeit, langsames Arbeitstempo und die steigende Zahl der Arbeitskämpfe bedingt wurde. Die flexible Preispolitik muß die dritte Komponente sein, wenn die angestrebte Wachstumsrate für 1975 tatsächlich erreicht werden soll, Und weiter:" Es muß allerdings damit gerechnet werden, daß die Faktoren, die die Realisierung des Plans für 1975 verhindert haben, in diesem Jahr wieder auf uns zukommen: Unterversorgung mit Rohstoffen, Sinken der Arbeitsproduktivität, Mißverhältnis zwischen Selbstkosten- und Endverkaufspreisen, die von der Regierung projektiert werden. Die Tatsache, daß es nach wie vor an Rohstoffen und technischen Ausrüstungen mangelt, die für die Industrie lebensnotwendig sind, scheint das umfassenste und mit all seinen Folgen auch folgenschwerste Problem zu sein ...
Daraus folgt, daß es kaum möglich sein wird, die angestrebte wachstumsrate von 9,3% zu erreichen. Bintumsraten die 6%-Marke auf keinen Fal überschreiten - umsraten die 6%-Marke auf keinen werden. Aber die Regierung gibt die Hoffnung nicht auf, Peron ...und seine Witwe daß die 9%-Hürde genommen werden kann, z. B. durch eine überdurchschnittliche Stahlproduktion sowie durch die Inbetriebnahme der staatlichen Aluminiumwerke. Die
Hauptbarrieren bleiben die Importe, die nach der Abwertung des Pesos noch teurer geworden sind; dazu kommt noch, daß die imperialistischen Länder ihrerseits versuchen, die Importe im Hinblick auf ihre eigne Überproduktionskrise so niedrig wie möglich zu halten, um die Liquiditätsschwierigkeiten, denen sie selbst ausgesetzt sind, nicht noch zu vergrößern (Ausnahmen sind hier Westdeutschland und Japan). Die"Terms of Trade"
entwickeln sich weiterhin zum Nachteil Argentiniens, was bedeutet, daß das Land seine Agrarexporte verrößern muß, wenn die Einführen von Rohstoffen und Maschinen nicht noch verringert werden sollen. E wird aber nicht leicht sein, neue Märkte für erhöhte Exportmengen zu finden. Die Unternehmer können ihre Schwierickeiten nur durch eine neuerliche Verschärfung der Ausbeutung überwinden: Auf der einen Seite gehen der Arbeiter zu vermindern. Diese Maßnahmen haben allerdings nur dann Aussicht "von Erfolg gekrönt zu sein", wenn sie durch eine fest im Sattel sitzende Reist, eine generelle Konfrontation mit der Arbeiterklasse riskieren zu können. Was die Landwirtschaft angeht, so geht das Wirtschaftsministerium in einem Report (veröffentlicht am 13. März 1975 in " Cronista Comercial") davon aus, daß die Wachstumsrate in diesem Jahr 4,3% betragen wird -- obwohl sie im letzten Jahr 8,2% erreichte und im Dreijahresplan 6, 5% "voraus-
gesagt" wurden.
Am 3. März 1975 beschloß die argentinischen Regierung eine radikale Abwertung des Peso. Der sogenannte Handelskurs des Peso fie gegenüber dem US-Dollar auf 10 Pesos (der frühere Kurs war 5 zu 1). Der sogeannte Börsenkurs wurde auf 15 Pesos festgesetzt (Alle Angaben beziehen sich auf den "harten" Peso). Dies war nach dem August 1972 die zweite Abwertung des Peso.
Dies wirkte sich nachhaltig auf die "Terms of Trade" aus, wie schon oben erwähnt wurde. Verglichen mit 1970 hatten sich die "Terms of Trade" bis Ende 1972 um 30% verbessert, was auf das enorme Ansteigen der Agrarpreise in dieser Periode zurückzuführen ist. Aber statt der berühmten sieben fetten Jahre gab es diesmal nur drei und schon Ende 1974 hatten sich die "Terms of Trade" im Vergleich zu Ende 1972 um 40% verschlechtert, d. h. sie waren sogar noch unter das Niveau von 1970 gesunken.
Der Exportindex (speziell für Leder, Fleisch, Weizen, Mais, Wolle und Oel) stieg 1973 um 38% und um 42% 1974; die Importpreise dagegen stiegen 1973 um 106% (!) und 1974 um 45%. Dementsprechend verringerte sich der Handelsbilanzüberschuß von 1 Mrd. US-Dollar im Jahre 1973 auf 670 Mio US-Dollar im Jahr 1974. Die Zahlungsbilanz zeigte für 1974 ein Defizit von 300 Mio US-Dollar. Die Devisenreserver sanken von Juni bis Dezember 1974 von 2 Mrd US-Dollar auf 1,5 Mrd. Im Januar gab es einen weiteren Anstieg der Importpreise, der sich (in absoluten Zahlen) auf 304 Mio US-Dollar belief (Januar 1974 waren es 104 Mio).
Der Rückgang in der Handelsbilanz ist zurückzuführen auf Stagnation und Produktionsrückgang in der Erdölproduktion, wodurch die argentinische Wirtschaft genau zu dem Zeitpunkt der Preisexplosion in diesèm Sektor gezwungen war, größere Mengen an Erdol zu importieren. Dies wird aus der nachstehenden Tabelle crsichtlich:
1974 1973 1972 Argentinische Rohöl- o 24,0 24,4 25,2 produktion (in Mio m°)
Argentinischer Rohol- 3,42 3,39 1,8 import (Mio m°)
Durch die Abwertung sollten außerdem die hohen Subventionen für Exporteure verringert werden; ohne die Abwertung hätten sich diese 1975 auf 4 Mrd US-Dollar belaufen.
Die beiden Abwertungen stellten die Industrie vor neue Probleme, da alle benötigten Importe nur noch teurer wurden. Auch die Landwirtschaft bekam diese Auswirkung zu spüren. Deshalb erhöhte sie ihre Inlandspreise ständig, obwohl ihre Exportgewinne stiegen. Das wiederum belastete die Arbeiterhaushalte in nahezu unerträglicher Weise.
Auf der Basis der ersten fünf Monate läßt sich schon sagen, daß sich das Defizit im Staatshaushalt am Ende des Jahres auf 36 Mio Pesos belaufen wird; das ist doppelt so viel, wie ursprünglich vorgesehen. Hinzukommen werden noch die Lohnerhöhungen für die Staatsangestellten.
Die Auslandsschulden wurden durch die Abwertung noch vergrößert. Auch werden mehr argentinische Pesos bebeitragen.
Die internationale Rezession hat sich auf Argentinien in der Form der Senkung der Industrie- und Agrarexporte, kombiniert mit einer Zunahme der Importkosten , ausgewirkt. Das wiederum tührte zu emer permanenten Zunahme des Zahlungsbilanzdefizits, einer permanenten Abnahme der Währungsreserven und zu einer ständigen Verkleinerung der Importkapazitäten. ES gibt Gerüchte, die argentinische Regierung habe die Absicht, eine neue Anleihe beim Internationalen Währungsfond aufzunehmen.
20. April 1975
CHINA
UND DIE KRISE
DER
KAPITALISTISCHEN
WELT
R. LEW - Vom wirtschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist I.BILANZ DER CHINE- China weitgehend ein Rätsel. Wie wir wissen, hörten die Chinesen auf, statistisches Material über die Wirt- SISCHEN WIRTSCHAFT schaft und Bevölkerung zu veröffentlichen, nachdem sie vor 15 Jahren die Fehlschläge des "Großen Sprungs nach vorne" hinnehmen mußten. Die einzigen bekannten Daten beziehen sich auf den auswärtigen Handel. Alles übrige bleibt weitgehend Spekulation, im Im Westen wird die Zahl der chinesischen Bevölkerbesten Fall gute Schätzungen, im schlechtesten aus- ung behandelt, wie das ein Sherlock Holmes nicht gesprochene Vermutungen, die durch ideologische besser könnte. Aber wie ein Holmes in seinen schlecht- Vorurteile verzerrt sind. esten Tagen, cher wie ein Polizist oder ein Staatsanwalt als ein Dedektiv. Wieviele Chinesen gibt es?
Aus diesen Gründen sind die wirklichen Auswirkungen Das weiß in der Tat wirklich niemand. Wahrscheinlich des "Großen Sprungs nach vorne" (1958-60) bis heute mindestens 800 Millionen und wahrscheinlich nicht unbekannt. Díe Schätzungen über das Ausmaß des mehr als 900 Millionen (einige angelsächsischen Autwirtschaftlichen Rückgangs (den es sicher gegeben hat), oren sprechen von mehr als tausend Millionen, aber das waren Gegenstand scharfer Diskussionen und zahlreich- ist eine absurde Zahl). Das heißt, es bleibt immer er Übertreibungen. Und das ist ein Ereignis, das 15 noch eine Spannbreite von 100 Millionen, was mehr Jahre zurückliegt; man stelle sich die Schwierigkeit als das Doppelte der französischen Bevölkerung ausvor herauszubekommen, was heute vor sich geht! Eine
Wolke der Geheimhaltung umgibt die Erfolge und die auftretenden Schwierigkeiten (vor allem diese!) der Es kann durchaus sein, daß selbst die chinesischen Wirtschaft in der Volksrepublik. Das Problem ist nicht Führer nicht die genaue Zahl ihrer Bevölkerung kennur die Ungenauigkeit und Vagheit der chinesischen nen. Zum Beispiel ließ der Vize-Premierminister Statistik (was ein echtes Problem in diesem riesigen Li Hsien-nien 1971 verlauten:"Es gibt keine genauen unterentwickelten Land ist), sondern vielmehr --und Statistiken über diese Frage. Sprecher der Abteilung für Emährungsfragen sprechen von 800 Millionen.
sa a den die base fini au le langen. Andere Funktionäre nennen nur 750 Millionen, während der Minister des Innern sich bei 830 Millionen
Übertreibungen in der Vergangenheit zahlen zu müs- festlegt. Auf der anderen Seite rechnet die Abteilung en (die viel zu hoch gesteckten Ziele in der Land- für Planung mit einer Zahl unter 750 Millionen, "(1) wirtschaft für 1960 sind heute immer noch nicht er- Das ergibt einen Schwankungsspielraum von 80 Millionen, was nahelegt, in der Handhabung der Zahlen sehr vorsichtig zu sein.
Man muß differenziert vorgehen, indem man zwei Faktoren auseinanderhält: Zum einen die Entwicklungs- Wesentlich ist: Es existiert eine riesige Bevölkerung linien der chinesischen Wirtschaft im Vergleich zu der (mit einer Wachstumsrate von 2% pro Jahr, was fast umliegenden kapitalistischen Welt und zum anderen das, noch wichtiger ist), die ernährt, mit Konsumgütern was China für diese kapitalistische Welt "bedeuten" versorgt und der ein Dach über dem Kopf gegeben werden muß. Diese gewaltige Bevölkerungsmasse
ist ohne Zweifel das Haupthindernis, das einem raschen von ungefähr 10% pro Jahr entspricht. Auch das sind Ansteigen des Lebensstadards und grundlegenden so- sehr hohe Zahlen, wenn man bedenkt, daß in diesen zialen Veränderungen im Wege steht. Auf der anderen Zeitraum die Kulturrevolution fällt, die nach Aussagen Seite wird dadurch ein riesiges Arbeitskräftepotential von Experten schwere wirtschaftliche Einbußen mit sich zur Verfügung gestellt. Beb westen .Don in zweite gezogen hatten werden kön nen. Und dieses Mal werden sie mit sehr viel Bedacht überprüft werden, da sich seit dem Nixon-Besuch in Industrie Peking die Zahlen der amerikanischen "Experten" immer mehr den offiziellen -bzw. offiziösen - Zahlen aus China angleichen. Ein weiteres ideologisches Wunder der friedlichen Koexistenz. Wir werden vielleicht andere Wir haben zwei Reihen von offiziellen Zahlen: Den erleben (nämlich in die entgegengesetzte Richtung), Rechenschaftsbericht für den ersten Fünf-Jahres-Plan wenn sich die Beziehungen abkühlen ... (1953-57) und die Angaben für das letzte Jahrzehnt (1964-74). Der "Große Sprung nach vome", und was Es bleibt der "Große Sprung nach vorne": Zwei Jahre danach kam, bleibt im Dunkeln. spektakulären Wachstums (ungefähr je 30% für 1958 und 59), dann ein rapider Fall, als Folge der landdas Jahr, ins im die bertschaft die Proditions pa- wirtschaftlichen Fehlschläge, des Abzugs der sowjetischen Experten (1960), der Exzesse und der mangelzitäten selbst der besten Jahre vor 1949 erreichte und haften Vorbereitung für den " Großen Sprung nach überschritt (nebenbei gesagt entspricht das Jahr 1952 vorne", wobei es nicht möglich ist, das jeweilige in China dem Jahr 1927 in der Sowjetunion, wo man relative Gewicht der einzelnen Elemente genau zu be- 10 Jahre brauchte, um das frühere ökonomische Niveau stimmen. Insgesamt gesehen beträgt die langfristige zu erreichen. Im Gegensatz dazu war China bereits industrielle Wachstumsrate mindestens 8% pro Jahr zwei Jahre nach der revolutionaren Machtergreitung (eine Zahl, die von dem amerikanischen Ökonomen wieder aut dem früheren Stand. Die Geschwindigkeit, Field für die Jahre 1952-71 angegeben wird, eine Zahl, mit der sich dieser Prozeß vollzog, war eine wichtige die aber wahrscheinlich das wirkliche Wachstum unter- Ursache für die Loyalität der Massen gegenüber dem schätzt), wenn nicht 12-13%, wie es die offiziellen neuen Regime. Genauso wirkte die Tatsache, daß sich Zahlen behaupten. Dieser Durchschnitt beinhaltet aber die landwirtschaftliche Situation ab 1950 langsam aber gravierende Unterschiede: "Boom" -Jahre mit einem beständig entwickelte). Nachstum von 30% und andere Jahre mit rückläufiger Wirtschaftsentwicklung.
Die offiziellen Zahlen für den ersten Fünf-Jahres-Plan der nach sowjetischen Muster erstellt war) geben eine Im Ergebnis ist aber die chinesische durchschnittliche jährliche Wachstumsrate der Industrie Industriekapazität heute zehn - bis von 19% an, was für fünf Jahre einen Zuwachs von 140% funfzehnmal rößer als in den bester bedeutet. (Angelsächsische Quellen sprechen von einem ahren des alten Regimes vor 1949. jahrlichen Wachstum von 14-19%). Das war ein extrem (Eine Erbschaft, die zwar sehr bescheiden, aber nicht schnelles Wachstum, wobei jedoch zu berücksichtigen unwesentlich war). st, dal der Ausgangspunkt sehr niedrig war. Neuere ofiziellen Zahlen, die von Tschou En -ai auf dem Das Volks-China schuf ein beachtliches Spektrum an Nationalen Volkskongress im Januar dieses Jahres vor- Industrien, obwohl es bei seínem Start nur auf einige gelegt wurden (die ersten offiziellen Zahlen seit 15 venige Sektoren zurückgreifen konnte (vor allem ahren) sprechen von einem Wachstum von 190% für Textil- und Kohleproduktion). Tabelle I bringt hier den Zeitraum von 1964 bis 74, was einem Wachstum einige statistischen Angaben. TABELLE I
Produktion in einigen Sektoren (geschätzte oder offizielle Zahlen)
1952 1957 1965 1970-73 Kohle (Mio t) 66 130 220 ca, 400 (für 1973)
Stahl ( ".) 1,35 5,35 11 25-27 (1973)
Rohol (") 0,4 1, 5 50 (1913); ca, 65 (1974); ca, 80 (1975)
Zement (" 2, 86 6,86 11 15 (1972)
Kunstdünger (" 0,2 8 5. 7 24,8 (1973)
Werkzeugmaschinen (Mio Einheiten) 13,7 3 48 86 (1971)
LKW's ( 28,4 75 (1971); 110 (1973)
Traktoren ( 21 35 (1971)
Fahrräder ( 0, 8 1. S 3, 65 (1971)
Radios ( 0,295 1,5 10 (1971)
Uhren ( 1 3,5 - 4 (1972)
Baumwollstoff (Mrd, m) 83 5, 05 5 , 4 8, 5(1970)
Elektrizitat ( Mrd, KWH) 2 19,3 42 75 - 80 (1972); 101 (1973)
CHINA
Landwirtschaft
Die landwirtschaftlichen Ergebnisse sind, obwohl sie gut erscheinen (sogar ausgezeichnet im Vergleich zu der Vor-1949-Periode), in zweierlei Hinsicht keiten industrieller Beschäftigung an das Dorf gebunden (mehr als 80% der Bevölkerung lebt auf dem Land, das ist etwa der gleiche Anteil wie in der Periode vor 1949).
Zweitens übersteigt die Wachstumsrate der landwirtschaftlichen Produktion die Wachstumsrate der Bevölkerung nur unwesentlich. Es gibt einen ziemlich anschaulichen Index, der die Bescheidenheit der Ergebnisse verdeutlicht: In der Bemessung der Getreideproduktion (die mehr als 80% der landwirtschaftlichen Produktion ausmacht) nehmen die Chinesen 1949 als Bezugspunkt. Ausgehend von dieser Basis erreichten sie ein Wachstum in der Getreideproduktion von 140% zwischen 1949 und 74, während die Bevölkerung im gleichen Zeitraum um 60% an- Leider ist das Jahr 1949 als Bezugsjahr nicht gerade Zahlen), während sich der Bevölkerungszuwachs auf 50-60% beläuft. Das ist eine nicht unbedeutende Steigerung, aber sie bleibt nahe dem traditionellen Minimum von 280-300 Kilo pro Kopf und Jahr, im Vergleich zu 1000 Kilo in den Vereinigten Staaten (von denen allerdings ein beträchtlicher Teil zur Viehfütterung, d. h, zur Fleischproduktion verwendet wird). Auf der anderen Seite sollte man jedoch diese 300 Kilo pro Kopf in China mit den Zahlen des kapitalistischen Indien vergleichen, das kaum mehr als 200 Kilo pro Kopf produziert.
Unleugbar bleibt die Landwirtschaft in China ein schwacher Punkt, eine Belastung und eine Herausforderung. die zu überwinden nicht leichtfallen wird. Dies erklärt die Priorität, mit der dieser Sektor seit fast 15 Jahren bedacht wird, was im Gegensatz zur Stalin- Periode in der Sowjetunion die löbliche Berücksichtigung und das verständige Herangehen an die Zwänge belegt, die aus der Rückständigkeit des Landes und der großen Bevölkerung, die emährt werden will entspringen. Außenhandel
Hier gibt es zwei wichtige Tatsachen: Erstens hat der auswärtige Handel erst in den letzten Jahren eine große Bedeutung erlangt, was sein rapides Anwachsen anzeigt; und zweitens haf es in den letzten 15 Jahren eine Verschiebung der Orientierung weg vom "sozialistischen Lager" und hin zu der kapitalistischen Welt gegeben. Es ist genau dieser Aspekt, der China bis zu einem gewissen Grad für die Auswirkungen der kapitalistischer Crise empfindlich macht.
Während der 50-iger und 60-iger Jahre, als der auswärtige Handel zwischen 3 und 4 Milliarden (Mrd) US- Dollar schwankte und die Exporte die Importe gerade abdeckten oder kaum überschritten, war China eine relativ kleine Handelsnation. Das hat sich in den 70-iger Jahren geändert. Der auswärtige Handel entwickelte sich folgendermaßen:
1970 4 290 Mio US-Dollar 1971 4 720 Mio US-Dollar 1972 5 920 Mio US-Dollar 1973 9 870 Mio US-Dollar
Es wird geschätzt, daß sich dieser Handel im Jahre 1974 zwischen 13 und 14 Mrd, US-Dollar bewegt. Er hat sich somit in fünf Jahren verdreifacht. Aber selbst mit der Zahl von 14 US-Dollar bleibt die VR China eine bescheidene Handelsnation (1974 erreichte allein der belgische Export 30 Mrd. US-Dollar, der deutsche Export erreichte fast die 100-Mrd-Dollar- Grenze). Mit 4 895 Mio US-Dollar war China ein kleiner Exporteur. Um so melır, als die Ausdehnung gerkriegs, ein katastrophales Jahr für die Landwirtschaft das Jahr 1952 (ein gutes Jahr für die Landwirtschaft) als Vergleichsbasis nimmt, ergibt sich ein anderes Bild:
(Offizielle Zahlen)
1952 * 150 Millionen t Getreide 1974 * 260 Millionen t Getreide 1949 108 Millionen t Getreide
Im Vergleich mit 1952 betrug das Wachstum in der landwirtschaftlichen Produktion nicht mehr als 70% (angelsächs ische "Experten" nennen noch niedrigere des Exports in den letzten Jahren mindestens im selben Maße auf Preissteigerungen wie auf Volumensteigerungen zurückzuführen ist.
1960 spielten sich zwei Drittel des chinesischen Handels mit den "sozialistischen Ländern" und nur ein Drittel mit der kapitalistischen Welt ab. Nach 1964 (als Er gebnis des chinesisch-sowjetischen Konflikts) hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. 1973 betrug Chinas Handel mit dem "sozialistischen Lager" nur ganze 1,7 Mrd. US-Dollar, dagegen mit der kapitalstischen Welt 8.17 Mrd. (Bei dem Handel mit der sozialistischen Ländern hat die VR China seit 1956 einen Handelsbilanzüberschuß, beim Handel mit den kapitalistischen Ländern blieb 1973 ein Defizit von 370 Mio US-Dollar. Vergl. Tabelle II)
TABELLE II
Die Hauptposten des chinesischen Außenhandels 1972 (in Millionen US-Dollar)
Import Exporte
Getreide 335 Vahrungsmitte 920 Eisen und Stahl 485 ohstoffe 620 Maschinen und Ausrlistung 535 Textilien 450 Chemische Produkte 330 Kleider 250 Die neuen Zahlen entsprechen der Wirklichkeit und nien bekam große Aufträge für Flugzeuge vom Typ den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des bürokratis- "Trident".
ierten chinesischen Arbeiterstaates. Die Tatsache, daß beim Import das Getreide an dritter Stelle steht, sowie Auch allgemein bleibt Japan der Haupthandelspartner die Wichtigkeit der Kunstdüngereintuhr (180 Mio tur der VR China: 1973 verkaufte es Waren im Wert von 1972) bezeugt die prioritäre Behandlung des landwirt- 2 Mrd US-Dollar, 1974 im Wert von 3 Mrd an China. schaftlichen Sektors. In der Zeit von 1969 bis 74 Der Handel mit den Vereinigten Staaten, der schor schwankte die jährliche Weizeneinfuhr zwischen 3 1973 stark expandierte, stieg allein in den ersten sechs und 6,5 Mio Tonnen (letztere Zahl für 1973/74, wobei Monaten von 1974 um weitere 300%, 1973 verkauften allein 4 Millionen aus den USA kamen). Einige sprachen amerikanische Unternehmen Waren im Wert von 690 Mio für Yon einer Gesamtgetreideeinfuhr von 7, 5 Mio Tonnen Us-Dollar an China gegenüber einem chinesischen Export nach den USA von nur 64 Mio US-Dollar. (Wobei die chinesischen Einkäufe zu einem großen Teil durch Obwohl die Einfuhren ungefähr 3% der einheimischen die Getreide-Einfuhren abgedeckt sind). 1974 über - Produktion betragen, zeugen sie doch den anhaltenden stiegen die amerikanıschen Ausfuhren nach China 1,1 Schwierigkeiten in der Landwirtschaft und dem Prob- Mrd US-Dollar, während in umgekehrter Richtung nur lem der Versorgung der Städte. 100 Mio US-Dollar flossen. Aber es sieht so aus, als ob die amerikanischen Exporte dieses Jahr um die Hälfte
Der Import von Maschinen und Ausrüstungsgütern hat abfallen würden. China hat mit Japan 15 Verträge zum in letzter Zeit wieder an Bedeutung gewonnen. Währ- Bau von Fabriken abgeschlossen, davon allein 13 für end 1959 deren Anteil am Gesamtimport 47,5% be- petrochemische Anlagen. China selbst hat begonnen, trug, fiel er 1962 mit 120 Mio US-Dollar auf 10,5%. sein Ol zu verkaufen (dessen Förderung einen spektakul- Aber 1971 stieg er wieder mit 495 Mio auf 22, 5% des ären Aufschwung genommen hat: 1973 -- 50 Mio Tonnen, Gesamtimports an und seitdem ist diese Zahl noch 1976 sind 100 Mio Tonnen geplant), zunächst begrenzt stark angestiegen. (1,2 Mio t 1973, 4 Mio t 1974 und 8-10 Mio t für 1975), für die Zukunft noch mehr. Die Öl-Exporte betrugen Vor allem nach 1972 hat China begonnen, Maschinen für 1973 nur 3, 3% des Gesamtexports nach Japan. und ganze Fabriken in bedeutendem Maße einzukaufen. waren es bereits 25% und für 1975 werden es mit Sicher- Dies dient im wesentlichen zwei Zielen: Einerseits das heit noch mehr sein. Trotzdem handelte sich China "know-how" zu bekommen, andererseits die Bedingungen bei Japan ein Defizit von 300 Mio Dollar ein. Die zur Planerfüllung zu verbessern. Seit langem ver- Handelsbilanz mit den USA zeigte 1974 ein Minus von sucht China modernste Technologien, schon etwas ver- einer Milliarde Dollar. Das Gesamtdefizit von weit mehr altete Technologien und sogar handwerkliche und halb- als 1 Mrd. Dollar kann nicht weiter durch Devisenindustrielle Techniken miteinander zu kombinieren, rückflüsse der im Ausland lebenden Chinesen bezahlt eine Politik, die zum einen den Bedingungen eines werden. Daher hat die chinesische Regierung vorsichzurückgebliebenen Landes und zum anderen den Er- tig ihre Fühler ausgestreckt, um die anfallenden Zahfordernissen der Modernisierung Rechnung dragt. lungen stunden zu lassen, das heißt, sie nimmt Zuflucht zu kapitalistischen Krediten.
Weiter war es notwendig, die Produktion von Kunstdünger auszudehnen um die Planziele, vor allem auf Seit den Chinesen durch die Öl-Exporte zunehmende dem Sektor der Landwirtschaft zu erreichen. Weil die Devisen ins Land fließen, erlauben sie es sich, Kredite Produktionssteigerungen auf diesem Gebiet in China aufzunehmen (in der Form von Kurzzeit-Krediten, selbst zu niedrig waren, bestellten die Chinesen im meist für fünf Jahre). Und es muß gesagt werden. Jah 1972 und 73 zehn große Kunstdünger-Fabriken aus die bisher geübte Zurückhaltung auf diesem Gebiet Übersee. Dieser Aspekt der chinesischen Handelspolitik -- in der löblichen Absicht, die Unabhängigkeit zu erist wichtig. Die Tatsache, daß die Chinesen die Fa- halten -- wirklich zuweit gegangen ist: denn das staatbriken zu hohen Weltmarktpreisen gerahina ist, die an- liche Außenhandelsmonopol, das auch heute noch sehr wie dringend notwendig es für die VR China ist, streng gehandhabt wird und die strikte Ablehnung jedgestrebten Ziele zu erreichen, um endlich die Schwier- weder ausländischer Investitionen in China, selbst auf igkeiten der Landwirtschaft zu beseitigen. Und seit China gemischter Basis -- bietet einen ausreichenden Schutz aufgrund seiner inneren Entwicklung gezwungen ist hat Daß sich die Kapitalisten über die "Rigidität" des chisich dem kapitalistischen Weltmarkt zuzuwenden, nesischen Wirtschaftssystems beschweren, zeigt, daß diees auch einige seiner Auswirkungen zu spüren bekom- se Maßnahmen nach wie vor einen wirksamen Schutzmen. wall bilden.
Von Ende 1972 bis 1974 hat China Industriebetriebe Die Expansion des chinesischen Außenhandels ist kein ind technologische Ausrüstungsgüter im Werte von 2, Mrd, US-Dollar geordert. Darunter fallen vor allem Selbstzweck. Sie ist an ganz bestimmte Ziele gebunden, vie wir oben schon erwähnt haben. In diesem Jahr, nach 35 vollausgerüstete Fabriken. Die Hauptbestellungen gingen nach Japan (800 Mio US-Dollar von 2,2 Mrd tünt Jahren aufsehenerregender Ausweitung des Außen- handels (besonders nach 1973), haben die Chinesen zwischen 1973 und 74), Frankreich (560 Mio US-Dollar) ihre Aufträge für Ausrüstungsgüter und und Westdeutschland (295 Mio US-Dollar). Großbritan- Fabriken fast vollständig gestoppt! Es ist
CHINA me durch den sau jetzen Plan (1311-15) gest site, um Ziele zu erreichen. Ein anderer, naheliegender Grund ist der: es dauert einige Jahre, um eine bestimmte Technologie zu assimilieren, das heißt sie zu verstehen, und vor allem, sie ohne Hilfe von außen zu reproduzieren, in Gang zu setzen und in Gang halten zu konnen. Auch der chinesische Import amerikanischen Weizens wurde drastisch eingeschränkt. Im Januar 1975 wurde bekannt, daß die VR China ohne Erklärung eine Sendung von 600 000 t US-Weizen zurückgewiesen hat. Auch vorher war ähnliches vorgefallen: so wurden im Verlaut des Jahres 1974 mehrere kleinere Sendungen mit der Begründung nicht angenommen, daß ein zu großer Teil verschmutzt gewesen sei, (Bezüglich der verschiedenen Hypothesen, die sich um die Einschränkung der Getreileimporte , der abgedruckt wurde in "Problemes Economiques", 30. April 1975).
arbeitet werden, wenn der neue Fünf-Jahresplan (1976-80) Die mehr langfristigen Tendenzen können erst heraus veröffentlicht wird. Eines ist sicher: China hat sich sehr Rucktai in die Zeit des ersten fint-zahres-plans deinen ehrgeizige ökonomische Ziele die des "Großen Sprungs nach vorne" gibt, als man sich sehr präzise wirtschaftliche Ziele setzte (nämlich Großbritannien, damals die drittgrößte Industrienation, innerhalb von 15 Jahren einzuholen) ist doch das Ziel, die größten wirtschaftlichen Mächte in einem Zeitraum von 30 Jahren zu erreichen, angestrebt. Wie diese Absicht mit dem "Primat der Politik" und den vielen "Kulturrevolutionen", die geplant sind, zu vereinbaren ist, wird nicht gesagt. Aber es ist offensichtlich, daß gerade diese Frage für die Zukunft des Regimes, seine Form der sozialen Herrschaft und seiner Beziehungen zur übrigen Welt von entscheidender Bedeutung ist.
• II.DIE KAPITALISTISCHE
WELT UND CHINA
Es ist überhaupt nicht klar, wie China auf die kapialistische Krise reagiert. Eines ist jedoch wahrscheinlich: lie chinesischen Führer verstehen nicht den innerer Zusammenhang der Krise. Genauer: in der augenblicklichen Periode, die durch die Allianzen und Gegenallianzen der Staaten gekennzeichnet sei, wird die UdSSR als Hauptfeind betrachtet (weil dieses Land als ein dynamischer, expandierender Imperialismus direkt hinter der chinesischen Grenze gesehen wird, während der US- Imperialismus zwar als nach wie vor stark und machtvoll, aber doch im Zustand des Alterns und des Niedergangs befindlich begriffen wird). Aus dieser Sicht gerät die ökonomische Krise des kapitalistischen Westens zu einem Führer einem starken und vereinigten Europa eine große Bedeutung beimessen. Das macht sie zu den energischde la in ne so ofensent age ne en rungen, Veise propagieren. Der Rut nach politischer und wirt chaftlicher Vereinigung und nach militärischer Starkung der europäischen kapitalistischen Welt kommt ... aus Peking.
Nichtsdestotrotz ist die Krise in den Artikeln der offien)Führer längst aufgehört, an sie zu glauben (mit ihr zu rechnen oder sie zu fürchten). Neben der schematischen traditionellen offiziellen Sicht des Westens gibt es noch eine halboffizielle Auffassung über die kapitalistischen westlichen Länder, in der diese zwar als krisenanfällig, aber kaum durch einen wirtschaftlichen Kollaps oder gar einen sozialen Umsturz bedroht angesehen wird. Man fürchtet iedoch "Subversionen". . die durch die KP's vom Typ der portugiesischen KP durchgeführt werden und somit vom "Sozialimperialismus" . Diese Furcht teilen die Chinesen mit den Amerikanern. Die Geschichte hört nicht auf, Paradoxe hervorzubringen! Diese verblüfden westdchen ka diesismus durch eine schieren hilft Phase, was er vom "revolutionären" China nicht erwartet hätte. Man braucht wohl nicht die chinesische Wahlunterstützung für einen Reaktionär schlimmsten Typs •wie es Franz Josef Strauß ist•zu erwähnen, der mit allen Ehren eines Staatschefs empfangen wurde, und den man für würdig befand, ein vertrauliches Gespräch mit dem "Großen Steuermann" führen zu dürfen.
Der chinesische Markt und die kapitalistische Krise
Was kann China dem krisengeschüttelten Kapitalismus bieten? Zumindest von einem kurzfristigen kommerziellen Standpunkt aus gesehen, also für die aktuelle Krise, im Grunde sehr wenig. Sechs oder sieben Milliarden US-Dollar Exporte nach China (davon 80% aus den kapitalistischen Ländern) sind nicht viel und diese Zahlen stehen am Ende einer beträchtlichen Steigerung dieser Exporte. Die Aufnahmekapazitäten des chinesischen Märktes sind begrenzt und reglementiert (durch den Plan und durch bestimmte landwirtschaftliche Erfordernisse). Aber es ist richtig, daß kein Markt verachtet wird, vor allem nicht von den wenigen Firmen, die bereits wichtige Verkäufe getätigt haben. so die amerikanische irma Kellog & Co. die 1973 zwei Verträge im Wert von 209 Mio US-Dollar unterzeichnet hat, oder die französische Technip und Speichem - Gruppe, die 1973 einen Vertrag über ein petrochemisches Werk abschloß, wobei sie allein 300 Mio US-Dollar umsetzte.
Aber nur wenige Firmen kommen in den Genuß solcher Verträge (die sich wertmäßig insgesamt für 1973 auf 1 246 Mio US-Dollar und für die ersten acht Monate von 1974 auf 747 Mio US-Dollar beliefen). Das ist lächerlich im Vergleich mit den Schwierigkeiten, mit denen der Kapitalismus heute konfrontiert ist. China zieht aus den Technologien, die es erhält größeren Nutzen als der Westen aus seinen verkauften Waren. Und das bleibt auch dann richtig, wenn die Chinesen enorme Anstrengangen untemehmen müssen, um diese Technologien zu beherrschen, sie nachzubauen und sie schließlich sogar selbst zu verbessern, kurz um in Zukunft so wenig wie möglich von auswärtiger Unterstützung abhängig zu sein. Das ist zumindest die Wahl, die sie getroffen haben. So besteht für die kapitalistischen Länder die Gefahr, daß der Handel mit China das bleibt, was er seit dem 19. Jahrhundert schon immer gewesen ist: Ein gelobtes Land, das sich bei näherem Kontakt eher als enttäuschend herausstellte. Für China ist die Einfuhr von Technologien und Getreide und die Ausfuhr von Öl nicht mehr als eine provisorische Politik des Notbehelfs, so hoffen wir wenigstens. Was China anstrebt, ist ökonomische Unabhängigkeit oder gar Autarkie.
China und die Weltmarktpreise
Nichtsdestoweniger läßt der kapitalistische Westen China die Krise spüren, oder besser: den Atem der Krise. Man darf nicht vergessen, daß die Ausweitung des chinesischen Außenhandels zu einem beträchtlichen Teil durch die Inflation erklärt werden muß. Mit anderen Worten, wegen der Inflation mußte China einen größeren Teil seiner Einkünfte ( die sicherlich steigen) für den Kauf derselben Quantität von Produkten abzweigen. Bei den Getreideeinfuhren war dies am deutlichsten: 1966 kaufte China 5, 6 Mio Tonnen für 400 Mio US-Dollar; 1972 4,8 Mio Tonnen für nur 345 Mio US-Dollar; aber 1973 kosteten 7, 7 Mio Tonnen dann 840 Mio US-Dollar. Diese Summen wurden gezahlt wegen der Schwierigkeiten unc den auftretenden Widersprüchen in der chinesischen Landwirtschaft und nicht deshalb, weil China gerne Handel betreibt; das waren Unkosten für die chinesische Wirtschaft.
Der Anstieg der Ölpreise wirkt in die entgegengesetzte Richtung. Ein Autor hat versucht (2), die laufenden Einnahmen zu schätzen, die sich aus dem chinesischen Ö1- Export ergeben. Zwischen 1975 und 1982 könnte China nach diesem japanischen Autor 137 Mio Tonnen Öl verkaufen, was einer Summe von 27, 2 Mrd US-Dollar entspräche. Beide Zahlen sind jedoch ziemlich willkürlich, weil sie auf zukünftigen Verkaufsmöglichkeiten und Preisen beruhen, die beide ungewiss sind. Aber sie zeigen die Möglichkeit ungeahnter finanzieller Einkünfte an, die es erlauben würden, die kommenden Fünf-Jahres-Pläne, die ja gerade größere Wachstumsraten vorsehen zu finanzieren.
Die Krise hat noch eine weitere Auswirkung: Die inter nationale Konkurrenz drückt die Preise für die chinesischen Exportartikel. Aber China hat seine Preise 1973 dem Weltmarktniveau angepaßt. Zu dieser Zeit glaubten die Chinesen Käufer zu finden, indem sie sich auf den kontinuierlichen Aufschwung des Welthandels und die vorgefundene politische Situation verließen (jeder beeilte sich, die Chinesen anzuerkennen und dafür zu sorgen, daß er als erster nach Peking eingeladen wurde, um das Vertrau• en des "Vorsitzenden", zu erlangen). Sie bauten vor allen Dingen auf den guten Willen -- besonders des politischen guten Willens -- der Japaner.
Aber gerade die Japaner waren die ersten, die eine harte Haltung einnahmen. Japan -- schwer getroffen durch die Krise -- zwang die Chinesen, ihr Öl zu senken, der über dem Preis der indonesischen Konkurrenz lag (weil er in chinesischen Yuan und nicht in abgewerteten Dollar berechnet wird). Es ist möglich, wenn man den kürzeren Transportweg berücksichtigt, daß die Japaner ein gutes Geschäft gemacht haben. Die Chinesen waren jedenfalls gezwungen Klein beizugeben; die Verhandlungen waren anscheinend sehr mühselig, die Japaner drohten damit, ihre Öl-Importe völlig einzustellen. Wie man sehen kann, ist seit dem arabischen Öl-Embargo von Ende 1973 schon eine längere Zeit vergangen! Und das bedeutet ein Kräfteverhältnis, daß alles andere als günstig für die Chinesen ist, trotz der Krise. Mehr noch: Die Chinesen brauchen nicht nur Technologie, sondern auch die unverzichtbaren Getreide-Einfuhren und dazu noch noch gute Beziehungen, aber trotz allem bleibt Geschäft eben Geschäft. Bezeichnend ist hier der Textil-Export: Dieser Posten, der 25-30 % des chinesischen ausmacht, wurde auf der Schanghaier Messe Ende März 1975 zu Preisen angeboten, die im Durchschnitt 40% unter denen des Vorjahres lagen. Auf der anderen Seite war die VR China in der Lage, nahezu zweimal so hohe Preise wie früher für ihre Lebensmittellieferungen und Dienstleistungen an Hongkong durchzusetzen, Dieser Posten erhöhte sich damit aut eine Summe von 6 Mrd Honkong-Dollar für 1974.
Entwicklung des Kräfteverhältnisses
Andererseits bringt die Entwicklung des Kapitalismus eine Tatsache ans Tageslicht, die bisher nicht klar erkennbar war und genau in die andere Richtung geht als die, die durch die oben stehenden Bemerkungen nahegelegt wird.
Wenn man die wirtschaftliche Entwicklung Chinas vergleicht mit der der Sowjetunion während der 30-iger Jahre oder der der kapitalistischen Welt während der gleichen Zeit oder heute, sticht eine Tatsache hervor. Der industrielle Fortschritt der UdSSR war nicht nur in absoluten Zahlen gesehen imponierend; dieser Fortschritt war vor allem auf dem Hintergrund der sonstigen kapitalistischen Welt mit ihrer stagnierenden oder gar zurückgehenden Produktion außergewöhnlich.