Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Großbritannien

Das Referendum über den gemeinsamen Markt

· Inprekorr Nr. 32, 1. Mai 1975 · S. 19-23 · 3.323 Wörter

Europäische Gemeinschaft Großbritannien Gewerkschaften und Streiks Stalinismus und Bürokratie

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B. HERON• Die erste Volksabstimmung in der britischen Geschich- EWG werden wird. Das würde zweifellos eine Niederte ist auf den 5. Juni 1975 angesetzt. Die Abstimmung lage für die Arbeiterklasse bedeuten. Die Bourgeoisie wird entscheiden, ob Großbritannien auf den von der hätte ihr unmittelbares Ziel erreicht, ohne daß die Labour-Regierung neu ausgehandelten Bedingungen im Arbeiter das Referendum als eine Gelegenheit für ei ne Gemeinsamen Markt bleiben wird, Sowohl das Labour- politische Herausforderung genutzt hätten. Kabinett (mit einer Mehrheit von 16 zu 7 Stimmen), als auch das Parlament haben eine Empfehlung zur Aber eine Abstimmung zugunsten einer weiteren Mit- Ja-Abstimmung gegeben. gliedschalt in der EWG wurde mehr bedeuten als nur Die Risiken, die mit diesem Referendüm verbunden eine Unterstreichung der politischen Schwäche der Arsind, sind von Bedeutung. Eine Ablehnung der EWG Obwohl eine Niederlage der Arbeiterwurde schwerwiegende Folgen tur das Kapital haben. klasse bei der Volksabstimmung weiter keine großen Die britische Bourgeoisie braucht die EWG, um ihre unmittelbaren Auswirkungen auf das gesamte Kralte- Wirtschaft zu stärken und einen Investitionsanreiz verhältnis der Klassen in Großbritannien hätte ( nămund Kapital für die Rationalisierung der britischen mit deree unage anderete und entrate weise ver- lich genau deswegen, weil die Arbeiter bis jetzt noch Industrie zu haben. Aber darüber hinaus will das Kapital damit beginnen, einen zentralisierteren, in- bunden haben), würde doch ein Ja-Votum der Bourgeoiternationalen Zusammenschluß der Kräfte gegen die organisatorische Stärke der Arbeiterklasse zu formie- sie größere Manövrierfähigkeit auf der politischen Eberen. Und die Beibehaltung der britischen Mitglied- ne geben, und das würde aut der anderen seite Konseschaft in der EWG stellt einer der Faktoren dar, der uenzen haben tür die Kampagne der nerrschender uns Spiel gebracht werden muß, um die Stärke der Klasse, die Labour-Regierung zu einer strengeren Ein- Arbeiterklasse zubrechen. Während die gegenwartige kommenspolitik zu zwingen, indem sie dem rechten Pro-EWG-Flügel den Rücken stärkt. Zur Zeit scheint Lage der EWG dieses Vorhaben auf kurze Sicht hin realisierbar erscheinen laßt, würde eine weitere Mit- es denkbar, daß eine Fortsetzung der Mitgliedschaft in güedschaft in der EWG der Bourgeoisie eine Atempau- der EWG durch das Referendum gebilligt wird. Zwei e verschaffen, in der sie wirtschaftliche Konzessionen der Hauptgründe dafür sind die z. Zt. vorherrschende machen und Kapitalspritzen bereitstellen könnte. Haltung in der Arbeiterklasse und, damit zusammenhängend, die Natur der Anti-EWG-Kampagne, Die Organisationen der Arbeiterklasse auf der ande- den linken EWG-Gegnern der Labour-Party geführt wird. ren Seite sind, obwohl sie zutiefst mißtrauisch sind gegenüber jeder Form interationaler Organisierung, nicht vorbereitet auf die Erforderisse einer neuen, Die Haltung der Arbeiterklasse mehr intemational gearteten Phase im Kampi gegen das Kapital, Das widersprüchliche Gefühl innerhalb der Arbeiterklasse der EWG gegenüber, das einmütige Die Haltung der Arbeiterklasse zur Frage der Mitglied- Eintreten der Bourgeoisie für eine Fortsetzung der Mit- schaft Englands in der EWG ist eindeutig zwiespältig. güedschaft in der EWG und das Versagen des linken Zahlen aus Meinungsumfragen geben an, daß etwa 48% Flügels der "Labour Party", eine wirklich emsthafte und der Bevölkerung für einen Verbleib im Gemeinsamen internationalistische Kampagne gegen die EWG zu tun- Markt stimmen würden und nur 34% dagegen (Umfrage ren, machen es sehr wahrscheinlich, daß das Ergebnis des Meinungsforschungszentrums, veröttentlicht im der Volksabstimmung ein Sieg für die Befürworter der März). Spätere Umfragen zeigen, daß der Trend zugun-

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GROSSBRITANNIEN sten der EWG größer wird. Sogar in Schottland, einer der größten Hochburgen der Opposition gegen den Gemeinsamen Markt, zeigen Meinungsumfragen, daß 37% für einen Verbleib in der EWG sind (verglichen mit 34% im März und 29% im Februar). Zur selben Zeit ist der Prozentsatz der Unentschiedenen von 23% auf 27% gestiegen. Eine Umfrage unter Anhängem der Labour-Party in Schottland zeigt eine verhältnismäßig starke Minderheit (29%) zugunsten der EWG. Weiter ist der Anteil der Labour-Wähler, die mit Ja abstimmen, größer, Obwohl eine gewisse Vorsicht am Platze ist (wegen der großen Prozentzahl unentschiedener Wähler, der Zahl der wahrscheinlichen Enthaltungen, der Tatsache, daß die Kampagne noch in ihrem Anfangsstadium ist und wegen der allgemeinen Ungenauigkeit von Meinungsumragen) , können nichtsdestoweniger bereits heut ewisse Schlüsse gezogen werden Eindeutig ist, daß zum heutigen Zeitpunkt ein bedeutender Sektor der Arbeiterklasse nicht gegen eine Mitgliedschaft in der EWG ist. Vielmehr zeigt die große Zahl der Unentschlossenen, daß es hier noch keine starke Polarisierung innerhalb der Beyou rung zu diesem angelade bo arisierung in der Art, wie die Linke, speziell in der Labour-Party, die Kampagne führt. Aber die Natur der Kampagne und die Haltung der Arbeitermassen verstärken sich gegenseitig.

Zusätzlich gibt es objektive Faktoren, die erklären, warum die Antwort der Arbeiterklasse und ihrer breiten Vorhut bis jetzt so beschränkt gewesen ist. Der erste Faktor ist die Entwicklung des Kampfes für die Beibehaltung des Lebensstandards, angesichts wachsender Arbeitslosigkeit und rasch ansteigender Inflation. Die Inflationsrate liegt bei etwa 20% und der Anstieg der Löhne bei knapp unter 30% Die Situation scheint relativ ruhig, wenn man sie vergleicht mit den letzten Bergarbeiterstreiks. In Wirklichkeit zeigen die Zahlen, daß im letzten Jahr mehr Arbeitstage durch Streiks verloren gegangen sind als in irgendeinem anderen Jahr außer 1926 und 1972. Aber die Streiks waren relativ zersplittert, ein Ergebnis der erstaunlichen Tatsache, daß der Lebensstandard der Arbeiterklasse sogar schneller Aestesen ist alt, Das st der prats, den dise Bigender den die Bourgeoisie für das Fehlen eines wirksamen politischer Instruments, mit dem sie den Gewerkschaften gegenübertreten könnte, zu zahlen hat.

Aber diese Situation hat eine paradoxe Auswirkung auf die EWG-Frage. Eines der Hauptargumente derjenigen, die gegen die EWG sind, ist, daß die höheren Preise, die im Gemeinsamen Markt üblich sind (besonders für Lebensmittel), verglichen mit den Preisen, die Großbritannien im Handel mit Ländern außerhalb der EWG zu zahlen hätte, drastische Auswirkungen für die Arbeiter haben würden. Aber mit dem Anstieg der Lebensmittelpreise auf dem Weltmarkt und den EWG-Subventionen an England für einige Produkte, z.B. Zucker, läßt sich dieses Argument nicht länger halten, Diese Tatsache, zusammen mit der Möglichkeit für die Arbeiter, ihren Lebensstandard zu erhalten oder gar zu verbessem, hat das Argument, daß die EWG einen Angriff auf den Geldbeutel der Engländer darstelle, entkräftet. Um den langfristigen Auswirkungen der Mitgliedschaft in der EWG auf den Lebensstandard der Arbeiterklasse begegnen zu können, müßten die linken Labour-Mitglieder gegen das allgemeine Vorgehen (die EWG-Mitgliedschaft ist nur ein Teil davon), das in Richtung auf eine politische und organisatorische Stärkung der britischen Kapitalistenklasse hinausläuft, kämpfen. Das würde andererseits das Problem einer politischen Strategie zur Stärkung der Arbeiterklasse aufwerfen-- und dies ist ein Problem, das die Hauptorganisationen der Arbeiterklasse nicht aufgreifen wollen oder können.

Und es gibt noch andere Faktoren, die in dieselbe Richtung gehen. Der zersplitterte Charakter der Kämpfe der Arbeiterklasse in der gegenwärtigen Periode bedeutet, dai die politischen Fragen, in der Debatte um den EWG-Beitritt aufgeworten werden, kein Echo finden in den zentralisierten nationalen Gewerkschaftskämpfen gegen die Bourreoisie. Die Kombinierung von Kampien an der Lohnfront mit den zentralen politischen Fragen, die durch den EWG-Beitritt aufgeworfen werden, hätte zu einer starken Klassenpolarisierung führen können. Die Arbeiterklasse hätte dann die Befürwortung der EWG durch die herrschende Klasse nur als einen anderen Aspekt des allgemeinen Angritis aut den Lebensstandard, auf den die Arbeiter schon antworten mußten, gesehen. Das Referendum wäre dann zum Ausdruck des allgemeinen Klassenkampfes geworden. Stattdessen ist die EWG-Frage zu einer "gesonderten" politischen Frage geworden. Diese Art der "Trennung" politischer Fragen von "ökonomischen" ist eine allgemeine historische Erscheinung der britischen Arbeiterbewegung, ein Aspekt der Trennung zwischen der politischen und der Gewerkschaftsbewegung. Aber dieses historische Erbübel wird von der linken Sozialdemokratie noch verschlimmert, denn diese führt ihre Kampagne gegen die EWG um Themen, die sie selbst als "über dem Klassenkampf stehend" bezeichnet. Zum Beispiel die Verteidigung der Souveränität. Obwohl die Aktionen der Gewerkschaftsführung sich gegen die politische linie der Labour-Regierung von 1964-70 richteten, und obwohl die gegenwärtigen Aktionen und Aussagen gewisser Elemente innerhalb der Sozialdemokratie in Richtung auf eine Uberwindoch gerade jetot sezen tr das lesehen,eso hat sich doch gerade jetzt gezeig', "Trennung" nicht so leicht zu überwinden ist. Sogar diejenigen Sektoren der Arbeiterklasse, die die EWG als eine politische Frage ansehen, betrachten sie als etwas, was von denjenigen Parteien aufgegriffen werden muß, die das traditionelle Monopol der "Politik" in der bürgerlichen Gesellschaft besitzen. Und auch mier erzeugt die schwache Argumentation von Seiten der meisten EWG-Gegner bestenfalls Verwirrung, schlimmstenfalls eine Verhärtung der Position, daß die ganze EWG-Debatte ch nutzlos sei. Alle diese Faktoren haben dazu beigetragen, daß die Volksbelragung über den EWG-Beitritt nicht unter ihnlichen politischen Bedingungen stattfindet wie 1974 in Italien das Referendum über die Ehescheidung. Eine Klare Polarisierung der ganzen Gesellschaft und ihrer politischen Parteien gemäß ihrer Positionen zum allgemeinen Klassenkampf.

Die Kampagne der Labour - Linken

Ganz eindeutig wird die Kampagne und die "Militanz" des linken Labour-Flügels und deren Anhänger gedämpit von der augenblicklichen Stimmung der Arbeiterklasse und ihrer Bürokratie. Es würde zum Beispiel wenig Sinn haben, wenn die linken Labour-Anhänger aus der Regie* ring ausscheiden wurden und die überwältigende Mehrheit der Arbeiterklasse sie nicht unterstützen wurde. Eine Untersuchung der Kampagne jedoch, die die linken abour- Anhanger gerührt haben, illustriert, wie diese Kampagne die in der Arbeiterklasse vorherrschende Hal

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noch bernait Die Machten oder Manisespekte Die Hauptthemen der Kampagne sind: schließt diesen Weg aus, Aber die Logik der Kampagne der Labour-Linken sowohl formal als auch 1.) das Festhalten an der These von der Bedrohung der inhaltlich. Formal war die Kampagne von Antang nationalen Souveränität, angeblich repräsentiert durch an kompromittiert. Die Labour-Linken haben sich, die "anonyme Bürokratie" in Brüssel (es sollte nebenbei wenn man einmal von einigen rühmlichen Ausnahbemerkt werden, daß es beim Gesundheitsministerium men absieht, wie z. B. Wedgewood-Benn, mit dem in England mehr Bürokraten gibt als in den Brüsseler Kleinbürgertum und den reaktionären Kräften einge- EWG-Ministerien zusammengenommen) und 2.) ein lassen, sind öffentlich mit ihnen aufgetreten und haabstrakter und betrügerischer "Intemationalismus" davon ausgeht, daß die EWG ein"geschlossene, in dep ben es ermöglicht, daß diese Reaktionäre in der Arbeiterklasse an Glaubwürdigkeit gewinnen (solche Operasich gekehrte wieteidigung der staatlichen souverainitat fand in Gemeinschaft' ist. Offenbar tionen sind für Enoch Powells bonapartistische Projekte wesentlich). So sprach z. B. Clive Jenkins, der Vor- Hand mit wahrem Internationalismus. sitzende des Verbandes der wissenschattlichen, technischen und höheren Angestellten, einer der linken Im Mittelpunkt der Kampagne der Linken steht die in der Gewerkschaftsbürokratie, in Folkstone auf der Verteidigung des Parlaments, das in klassisch sozial- selben Veranstaltung wie der extrem rechte Abgeorddemokratischer Manier als losgelöst über den schnö- nete Richard Body, ein Mitglied des konservativen den, kurzsichtigen Kapitalinteressen schwebend dar- "mondialen rasen Bewegen die de hatsche dabei die des endissenen Vertebigers dieses on "Nationale Front" auszuschließen, nachdem zuvor tralen" Staates sein. Zudem war die Labour-Linke die "Cooperative Society" unfähig, denjenigen Vorstellungen eine Alternative nahestehende und in manchen Gegenden von der KF gegenüberzustellen, die meinen, daß ein Austritt lominierte Groß- und Einzelhandelsorganisation, eine aus der EWG identisch sei mit einem wirtschaftli- große Spende gemacht hatte. Die IMG hat -- schwerchen Belagerungszustand, der drastische Importbe- punktmäßig in Schottland -- eine zum Teil schränkungen nach sich ziehen würde, sowie einen ertolgreiche Kampagne gegen die Politik der Klassenallumfassenden Rationalisierungsprozess (mit einer zusammenarbeit geführt, die vom linken Flügel der starken Zunahme der Arbeitslosigkeit) und eine Labour Party und von der KP unterstützt wurde. Nichts- Umstrukturierung der britischen Wirtschaft. Das Feh- destotrotz ist die Form der Kampagne der Labourlinken len eines glaubwürdigen wirtschaftlichen Altemativ- das logische Ergebnis der Themen ihrer Kampagne. modells zur EWG-Mitgliedschaft ist ein Ergebnis der wohlbekannten Neigung der sozialdemokratisch- Der halbherzige Charakter der Kampagne der Labour• en Linken, das auf der Hand und naheliegendste zu Linken spiegelt sich in der Labour Party selbst im übersehen: die einzige Alternative, sowohl zur EWG Kampf gegen die Labour-Rechte wider. Seit Beginn als auch zur wirtschaftlichen "Autonomie" besteht der gegenwärtigen Regierung hat die Labour-Linke noch darin, den kapitalistischen Charakter der britischen bei jedem Kampf mit der Rechten den Schwanz einge- Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Frage zu zogen. Auf dem Labour-Parteitag im letzten Winter stellen. sind sie der sich geradezu aufdrängenden was tun ERSCHEINT VIERZEHNTÄGIG Abonnement: WAS TUN erscheint vierzehntägig (Monate Juli und August monatlich). Preis pro Einzelexemplar 0,50 DM. Jahresabonnement für VAS TUN, Zeitung der Gruppe Internationale 22 Nummern einschl. Porto: 20. - DM. Marxisten (GIM), deutsche Sektion der Vierter Förderabonnement: 30, - DM und mehr Internationale (Herausg.)

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Konfrontation üběr die Frage, ob der Parteitag die politische Tätigkeit und das Auftreten der Abgeordneten der Partei im Parlament kontrollieren soll oder nicht, schmählich ausgewichen. Nachdem sie viel Lärm geschlagen haben, scheint die Linke auch heute wieder auf dem Rückzug zu sein, diesmal in der Frage der EWG-Mitgliedschatt, über die sie noch vor. sechs Monaten die Partei zu spalten drohten. Das nationale Exekutivkomitee der Labour Party (die vom Parteitag gewählte nationale Leitung verabschielete eine Resolution gegen die weitere Mitgliedschaf englands in der EWG, weigerte sich aber, die gesam• te Parteimaschinerie in die Anti-EG-Kampagne einzuspannen. Der "Trade Union Kongress" (Dachverband der Einzelgewerkschaften) wird keine gesonder- • te Konferenz abhalten, um die neu ausgehandelten EG-Mitgliedsbedingungen zu diskutieren, anscheinend deshalb, weil manche der großen Gewerkschaften die Pro-EG-Linie der Mehrheit des Labourkabinetts unterstützen könnten. Als die neu ausgehandelten Belingungen im Kabinett zur Abstimmung gestellt wurden, sahen die Ergebnisse für die Linken besser als erwartet aus (145 Abgeordnete, die Mehrheit der Anwesenden, stimmten gegen die Empfehlung ihres Kabinetts). Aber in der Parlamentsdebatee sprach sich nur Eric Heffer, Staatssekretär für Wirtschaftsfragen bei Anthony Wedgewood-Benn, gegen die Kabinettslinie aus. Die im Kabinett getroffene Übereinkunft, daß man im Parlament frei abstimmen dürfe und laß die EG-Gegnger offen gegen die Regierung autreten dürften (was an und für sich kein so großartiges Zugeständnis ist, wenn man sich vor Augen führt, daß die Labour-Mehrheit, einschließlich der Führung, gegen die Mitgliedschaft ist), galt dann im Parlament offensichtlich doch nicht so ganz; Heffer ist zurückgetreten.

Der rechte Flügel ist in der Tat in der Offensive, trotz seiner Minderheitsposition. Innenminister Jenkins, der führende EG-Verfechter im Kabinett, kämpfte gegen die freie Abstimmung im Parlament mit der Begründung, daß die Labour-Party seinerzeit aufgefordert wurde, gegen die EWG-Mitgliedschaft und gegen die von der damaligen Tory-Regierung ausgehandelten Beitrittbedingun"~n habe stimmen müssen. Und schließlich hat sogar in Schottland die "Britischen Arbeiter gegen den Markt" (British Labour against the Market), die nach dem schottischen Labour Parteitag gegründet worden war und die zumindestens tellweise mit dem Begriff einer Multi-Klassenkampagne gebrochen hat, beschlossen, nicht den gesamten Partelapparat einzuspannen und sie hat den Wahlkampi mit Türzu -Tür-Besuchen abgelehnt. Für die Labour-Linke ist das wichtigste Verbindungsglied zur Arbeiterklasse die Gewerkschaftsbürokratie, Wenn die Arbeiterbasis sich rührt und Stellung bezieht, so spiegelt sich das ener in einer veränderten Position der Gewerkschaftsbürokratie als im Apparat der Labour Party wieder. Und man kann ohne weiteres sagen, daß die Gewerkschaftsbürokratie in der EWG-Kampagne versagt hat. Während die beiden wichtigsten Gewerkschaften (die Transportarbeitergewerkschaft und die Metallarbeitergewerkschatt) mit größter Wahrscheinlichkeit eine bedeutende Rolle auf dem nächsten Labour-Parteitag spielen werden, ist noch kein eigenständiger schritt getan worden, um in den Gewerkschaften allgemein Aktivitäten gegen die EWG in Gang zu bringen. Einige bürgerliche Zeitungen hoffen sogar, was allerdings unwahrscheinlich ist, daß die Metallarbeitergewerkschaft auf den Labourparteitag gespalten wird oder sogar für die Position des Kabinetts stimmen wird. Die "Sunday Times" vom 13. April schrieb: "Trotz ihres Rutes als kämpferisch, haben sich die Metaller von Hugh Scanlon in der EWG-Frage sehr zurückhaltend geäußert. .. Unter diesen Umstanden bleibt es im Bereich des Möglichen, daß sie für den EWG-Beitritt stimmen.

Anfang April waren die Gewerkschaften nach eigenen Angaben bereit, 10 000 Pfund Sterling in die Anti-EWG- Kampagne zu investieren. Das bürgerliche Magazin "The Economist" behauptete, diese geringe Summe solle der Öffentlichkeit suggerieren, die Gewerkschafteterren don scheint recht unterenlich. Wane scheinlicher ist, daß die Bürokratie sich der Verwirrung der Arbeiterklasse in dieser Frage bewußt ist und erkannt hat, daß eine massive Anti-EWG-Kampagne letztenendes für ihre Kontrolle über die Basis gefährlich werden könnte.

insgesamt gesehen sind die Spannungen in der EWG-Frage innerhalb der Labour Party nicht, wie vielfach erwartet wurde, zu schweren Auseinandersetzungen ausgeutert nit Kabinettsrücktritt und Massenmobilisierungen. Obwohl die EWG-Kampagne wahrscheinlich stürmisch werden wird, so wird sie sich doch kaum zu einer Schlacht gegen die Parteispitze im Kabinett entwickeln. Der Hauptgrund hierfür ist der Rückzug der Labour-Linken, Besonders dieser Rückzug hat seine Ursache in der konjunkturellen und historischen politischen Schwäche der englischen Arbeiterbewegung insgesamt, was von keiner der augenblicklichen reformistischen Strömungen berichligt, sondem höchstens noch verstärkt werden kann. und was angesichts von umfassenden politischen Problemen wie das des EWG-Beitritts besonders deutlich zutage tritt. Die möglichen Konsequenzen

Das Versagen der Labour-Linken in der Kampagne gegen die EWG und die derzeit größer werdende Wahrscheinlichkeit eines Sieges der EWG-Befürworter bei der Volksab. stimmung wird auf der politischen Bühne möglicherweise schwerwiegende Auswirkungen haben. Die politische Ordnung der Bourgeoisie war ins Wanken geraten als der Bergarbeiterstreik und die ungebrochene Solidarität der Arbeiterklasse angesichts der 3-Tage Woche Heath zwang, Wahlen auszuschreiben, bei denen keine Partei eine Mehrheit im Parlament bekam. Die organisatorische und gewerkschaftliche Stärke der Arbeiterklasse hatte auf der politischen Bühne die Aufmerksamkeit der Bourgeoisie auf sich gelenkt und damit eine handfeste Krise verursacht. Die soziale Basisder Tories war gespalten. Es war sehr schwierig geworden, eine parnamenenden elemenge noch aus diesee periode rundlegenden Probleme, errühren, wurden bis heute noch nicht von der Bourgeoisie gelöst und sie wird diese auch in der unmittelbaren Zukunft nicht lösen können.

Wenn es der Bourgeoisie jedoch gelingt, aus der EWG- Abstimmung als Sieger hervorzugehen, so würde dies bedeuten. daß sie ihre teilweise Lähmung überwinder kann, was ihr wieder einigen Spielraum für politische Initiativen gäbe. Die EWG-Kampagne ist also ein Test, ob ein Aufschwung der Arbeiterkämpfe an allen Fronten zu erwarten ist. Die herrschende Klasse nutzt diese Gelegenheit, um die starke gewerkschaftliche Basis der Arbeiterklasse in die Schranken zu weisen -- weg von der politischen Biline nämlich. Wo holte Bourganisie mit dieser Kampagne Erfolg hat, so hofft sie, mit der Isolierung der Militanten der Arbeiterklasse iber eine ganze Reihe von politischen Fragen beginnen zu können. Dies kann natürlich die für die Bourgeoisie absolut notwendigen Schritte hin zu einer schweren Konfrontation mit der Arbeiterklasse in keins-

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ter Weise ersetzen, aber sie kann damit erste vorsich- heur der schie Se ald der raten den hat anpastige Schritte zur Uberwindung ihrer Niederlagen tun, , ne auf die sie in der letzten Periode erlitten hat.

Die Erfahrungen der bisherigen EWG-Kampagne zei- fristig kann die Arbeiterklasse mit ihrer gewerkschaftso militant sie auch ist, lichen Militanz und ihrer organisatorischen Stärke der der Frage nach der wirtschaftlichen und gesellschaftli- herrschenden Klasse ein tür sie günstiges Kratteverhaltchen Altemative zum heutigen britischen Kapitalismus nis aufzwingen. Langfristig bereiten die Schwankunger ratlos gegenübersteht. Die heutige revolutionäre Linke und die Rückzugsgefechte des linken Labour-Flügels, ist zu zersplittert und sektiererisch, um ihre Kräfte ver- auch wenn sie die Erhaltung der Wählerbasis für die eint einzusetzen und um eine Reihe von einheitlichen Labour-Party für entscheidend halten, eine mögliche Kampfvorschlägen zu machen. In jedem Fall ist das Niederlage für die Arbeiterklasse vor. Auf diese Weise Kräfteverhältnis so, daß die revolutionäre Linke nicht besiegeln sie auch ihre eigene Niederlage gegenüber stark genug ist, um bereits heute eine glaubwürdige dem rechten Parteiflügel.

Altemative innerhalb der Massenbewegung sein zu