LUXEMBURG: ZEHNTA GIGE STREIKS AN DEN GYMNASIEN ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Die Schüleragitation läuft seit letzter Woche wieder auf vollen Touren. Erst eine, dann zwei, dann drei und mehr Gymnasien und Technische Schulen sind in Streik getreten, um die Solidarität mit vier aus dem Diekirchner Gymnasium ausgeschlossenen Schülern zu organisieren.
In Anbetracht dessen, daß es keinen aktiven Klassenkampf gibt und Luxemburgs soziokulturellen Besonderheiten in Rechnung zu stellen sind, legte die Ligue Communiste Révolutionnaire seit ihrer Gründung im September 1970 ihren Akzent auf die Agitation im Schülermilieu. Ihren militanten Schülern ist es gelungen, eine nationale Schülerorganisation auf die Beine
zu stellen: die "Schülerfront" (Front Lycéen). Die wenigen Monate ihres Bestehens (seit Dezember 1970) genügten der "Schülerfront" (1) und dem CLAN-KSB(2), um die alten Traditionen der lu.emburgischen Schüler so zu erschüttern, daß sich die Autoritäten (Lehrer, Direktoren usw.) verpflichtet sahen, diese beiden Organisationen mithilfe der Repression zu zerschlagen. Die luxemburgische Bourgeoisie hat ihrerseits schon zwei Prozesse ge-gen das Organ des CLAN geführt.
WIE HAT SICH DIE SCHÜLERBEWEGUNG ENTWICKELT ?
Vor den Osterferien hat die "Schülerfront" auf eine Provokation eines reaktionären Lehrers am Gymnasium von Diekirch hin eine Kampagne gegen die Repression begonnen. Eine Broschüre: "Nieder mit der Repression" , die beim Wiederbeginn des Unterrichts verteilt wurde, zog die vorläufige Unterrichtssuspendierung von vier Genossen der Schülerfront nach sich. Die Genossen in Diekirch wählten daraufhin ein Aktionskomitee, sie bestimmten Streikposten und organisierten am Mittwoch 21. April einen erfolgreichen Streik. Am Morgen jenes Mittwochs zogen 300 Schüler des Gymnasiums durch die Straßen der Stadt und skandierten: Nieder mit der Repression! - Meinungsfreiheit! - Wiederaufnahme der vier Ausgeschlossenen! - Direktor/Diktator ... Dann veranlaßte die Schülerfront eine nationale Solidaritätsbewegung, die sehr erfolgreich war, besonders durch das Abhalten mehrerer Solidaritätsversammlungen, die Schaffung von Streikkomitees, durch zahlreiche Streiks im ganzen Land, durch einen Solidaritätsstreik von 60 luxemburgern in Bastogne (Belgien), durch zwei Demonstrationen von 1000 Schülern in Esch (Parolen: Nieder mit der Repression! - Studenten/Arbeiter, Solidarität! - Einheit, Freiheit - Wiederaufnahme der vier!), durch eine weitere Demonstration in der Stadt Luxemburg.
Ein nationaler Steiktag am Dienstag 27. April wurde nachmittags mit einer nationalen Demonstration von 2000 Schülern in Luxemburg abgeschlossen. Diese ganze Bewegung konzentrierte sich auf drei Forderungen: - Bedingungslose Wiederaufnahme der vier Ausgeschlossenen; - Kampf gegen den von der bürgerlichen Justiz angestrengten Prozeß gegen die "Ro'a Wullmaus" (Zeitung des CLAN); - Politische Meinungsfreiheit für alle Schüler innerhalb und außerhalb der Schule.
Die Bewegung fand besonders bei der Jugendorganisation der Kl, der Unterstützung, sowie bei der Gewerkschaftsjugend(L.A.J.), bei der Nationalen Union luxemburgischer Studenten(U.N.E.L.), in dessen Räumen das nationale Komitee, das für die Koordinierung der Aktionen zuständig war, ein nationales Zentrum des Kampfes gegen die Repression einrichtete. Schließlich genossen die Schüler auch noch die kritische Unterstützung gewisser Lehrerverbände. Die sozialdemokratischen und kommunistischen Parteien unterließen es nicht, die Bewegung zu unterstützen; jedenfalls soweit sie für sie selbst brauchbar war.
WIE SIEHT DIE BILANZ AUS ?
Diese außerordentliche Bewegung (einige haben den Luxemburger April 1971 sogar mit dem Pariser Mai 1968 verglichen), die von der "Schülerfront" initiiert und in Zusammenarbeit mit dem CLAN-KSB und der JPL organisiert wurde, ist die erste Bewegung von dieser Reichweite in Luxemburg. Und es sind die Schüler, die in Abwesenheit einer Studentenbewegung(3) gewagt haben, den von der Regierung und den traditionellen Linksparteien, die auf jeden aktiven Klassenkampf verzichten, so gerühmten "sozialen Frieden" zu brechen. Wenn die Bewegung auch nicht zu einem direkten Sieg in der einen oder anderen Forderung geführt hat, so hat sie doch gezeigt, daß die Schüler sich ihrer lage bewußt geworden sind; daß sie bereit sind, weit zu gehen, ja sogar sehr weit.
Die Bewegung vom April war sicher nur ein Anfang, den Schülern fehlt noch Ertahrung im Kampf, aber immerhin haben sie schon Streikposten get ildet. Ordnungsdienste organisiert für die Demonstrationen (das war notwendig,
es fehlte nicht an Provokationen seitens der Polizei und der Reektionäre) und ein nationales Koordinationskomitee organisiert. Sie wurden von der Gewerkschaftsjugend und den Stdenten unterstützt) das nächste Mal-werden sie sicher ihre Agitation auf die Arbeiter ausdehnen, von denen einige sogar schon dieses Mal ihre Bewunderung für die große Kampffreudigkeit der Schüler bekundeten.
In dem Augenblick, wo die bewegung abbröckelt, ist es die Aufgabe der revolutionären Organisation, eine große Kampagne zu beginnen, die den Mißerfo der Bewegung erklärt, die giftige Offensive der bürgerlichen Presse, die kepressionsmechanismen und schließlich das ganze Räderwerk des napitalistischen Systems. Nach dem Frühling müssen wir den Herbst vorbereiten, denn beim nächsten Schulanfang müssen wir die Forderungen und die Kampagne gegen Repression und Unterordnung der Jugend wieder aufnehmen. Ob in Luxemburg, in Frankreich, in der Schweiz, in Deutschland oder in Belgien, der Kampf der gleiche. Deshalb muß man den Kampf gegen Repression auf internationaler Ebene führen, deshalb war die durch die J.G.S Belgiens und durch die Fabrikkomitees ausgedrückte Solidarität so wichtig.
Nach der Mobilisierungskampagne für Guiot in Frankreich, nach der Kampagne für die vier Ausgeschlossenen in Luxemburg müssen wir gemeinsam einen koordinierten Kampf auf internationaler Ebene führen.
(Maurice. Aus LA GAUCHE vom 7.5.1971)
(1) Die "Schülerfront", deren Seele die Schülergenossen der LCR sind, gibt eine Monatszeitschrift mit demselben Namen in deutscher Sprache heraus. Adre. se: 7, av. Victor Hugo, Luxemburg.
(2) C: -KSB: Schülerorganisation, die an die GSR angeschlossen ist. Mao- Spontaneisten. Vor allem im Süden des Landes.
(3) Die Luxemburger Studenten sind über ganz Europa zerstreut. In Luxemburg selbst gibt es keine Universität und deshalb auch keine Studentenbewegung •