Inprekorr 1971–1992

Archiv der Internationalen Pressekorrespondenz der IV. Internationale

Alternativen nach dem Wahlsieg Allendes

· Inprekorr Nr. 29, April 1974 · S. 63-66 · 1.552 Wörter

Chile Gewerkschaften und Streiks Mittelamerika

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UFSCHWUNG DER CHILENISCHEN MASSEN CHARAKTERISIERUNG DER PERIODE UND DIE

PUTSCHGEFAHR er Triumph von Frei 1964 hatte eine Wahlniederlage Der politisch-elektoralistische Triumph der Arbeiter er allendistischen Massen bedeutet, nicht aber einen (in den Präsidentschaftswahlen 1970 - bresche) bedeuozialen Rückschlag, weil die Arbeiter und Bauern, tet nicht soziale Revolution. Der Privatbesitz an den le für die DC (Christdemokratische Partei - bresche) Produktionsmitteln ist weiterhin in der Hand der Kapitimmten, dies wegen der Strukturänderungen taten, le in der populistischen Demagogie von Frei verspro- talisten; der bürgerliche Sta tsapparat und seine Bastion, die Streitkräfte, bleiben intakt. Soziale Revolution ist sen wurden. Nach einem Jahr des Rückzugs begannen Sturz der herrschenden Klasse und Ersetzung des kae Arbeitermassen, sowohl diejenigen, die für Allende pitalistischen Regimes durch ein Uebergangsregime estimmt hatten, als auch diejenigen, die Frei unter- zum Sozialismus. Soziale Revolution bedeutet einen fitzten, ihre politisch-elektoralistische Spaltung aus- qualitativen Sprung von der bürgerlichen Demokratie bügeln und sich in der Aktion für ihre Sofortforderun- zur proletarischen Demokratie, basierend auf den n zu vereinen. Machtorganen der Arbeiter und Bauern.

Chile ist in einer vorrevolutionäre Phase eingetreten, as Wiedereinsetzen der Arbeiterkämpfe 1966 vergekennzeichnet durch einen Aufschwung der Arbeiterandelte sich 1967 in einen klaren Aufschwung, sowohl massen, eine Zuspitzung des Klassenkampfes, welche tantitativ als auch qualitativ, was sich in neuen Kampf- die Situation hochgradig explosiv macht, eine wachsenmen niederschlug. Um eine annähernde Vorstellung de Polarisierung der Klassen, welche die soziale in der Grösse dieses Aufschwungs zu geben, stellen Konfrontation beschleunigt. ir eine vergleichende Streiktabelle vor anhand von atistiken der Generaldirektion für Arbeit (Direccion Wenn es der Bourgeoisie nicht gelingt, am 24. Oktober im Kongressplenum die zweite Präsidentschaftsrunde eneral de Trabajo). zu gewinnen und vor dem 4. November zu putschen, wird sie die Bedingungen und die Basis der sozialen den Jahren 1947-50 betrug der Jahresdurchschnitt er legalen Streiks 39 und erfasste 13'034 Arbeiter Unterstützung ruhiger vorbereiten, um den Putsch durchzuführen, wenn die Regierung von Allende eine it 951'128 gestreikten Arbeitstagen und 82 "illegale"

reiks, die 31'569 Arbeiter mit 243'757 gestreikten relative politische Abnutzung erfahren hat. Chile ist beitstagen umfassten. Gesamthaft: 121 Streiks. nicht wie andere lateinamerikanische Länder, in denen 1603 Arbeiter und 1'19-4'885 gestreikte Arbeitstage. die Militärs zum Staatsstreich ausholen ohne weiterreichende Ueberlegungen, ob sie über die genügende 1 Jahre 1955, dem Höhepunkt des Aufschwungs die- soziale Unterstützung verfügen oder nicht. In Chile r Periode, mit dem Generalstreik vom 7. Juli, ver- kehrt sich die "demokratische" Tradition selbst in erfachten die "illegalen" Streiks die legalen. Dann gewisser Form und auf dialektische Weise gegen die m es zu einem Rückschlag, bedingt durch die Nie- herrschende Klasse, wenn sich diese - wie jetzt rlage des Generalstreiks im Januar 1956, welche für eine Position entschieden hat, die auf die Zerrütach die politische Polarisierung der Arbeiterklasse, tung der bürgerlichen Demokratie hindeutet, was mit e' in den Präsidentschaftswahlen von 1958 Salvador der Leugnung des Triumphes von Allende anfängt und lende unterstützte, aufgefangen wurde. Im Jahrzehnt bei der Vorbereitung eines Staatsstreiches endet, n 1960-70 sollte die Kubanische Revolution auf die falls sie auf ihren übrigen Verhandlungsebenen keine mpfe des Proletariats und der Bauernschaft von nennenswerten Fortschritte erzielt. Um in Chile einen ile Einfluss nehmen. Staatsstreich zu entfesseln, braucht es zuvor eine Vor- 967 kam es zu 2447 Konflikten, die 2'106'000 gestreik- bereitung der objektiven Bedingungen und hauptsächlich • Arbeitstage bedeuteten (1'289'000 in legalen Streiks eine mächtige soziale Unterstützungsbasis, der "dem d 700•000 in "illegalen"), und in den ersten acht Demokratie und Freiheit wiederherstellenden Putsch" onaten von 1968 zu 2539 Konflikten mit 4'470'000 ge- massiven Rückhalt gibt. reikten Arbeitstagen, mit einer bedeutenden Aende- Wenn es den Volksmassen gelingt, den bürgerlichen ing bezüglich der "illegalen" Streiks (3'024'000 ge- Putsch in einer bewaffneten Konfrontation niederzureikte Arbeitstage in "illegalen" Streiks und 931'000 schlagen, kann ein revolutionärer Prozess permanenegal" gestreikte Arbeitstage). ter Art ausgelöst werden, der rasch zum Sozialismus führt. Wenn der Putsch von anderen Kräften der reer Prozess des Aufschwungs ist nicht ungebrochen formistischen Zentrumsbourgeoisie aufgefangen und erlaufen, sondern er hat sich auf ungleiche Weise und neutralisiert wird, kann sich eine politische "Sackne Koordination entwickelt, mit einer Tendenz zur gasse" auftun und der Prozess abflauen. Wenn der assiven Verallgemeinerung von Besetzungen von Putsch siegt, wird der gegenwärtige Prozess von abriken, Landgütern, Arbeitsplätzen und Schulen als Grund auf abgewürgt werden, wie in Brasilien unter vorstehendstem Merkmal; Barrikaden nicht nur Goulart oder in Guatemala unter Arbenz, und die den Städten, sondern auch auf den Ländereien; hef- Arbeitermassen und ihre gewerkschaftlichen und ser Strassenkampf mit ernsten Zusammenstössen politischen Organisationen werden zerstört, verfolgt at den Repressionskräften. und "aus dem (bürgerlichen) Gesetz" verbannt werden,

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wobei es solchenfalls der revolutionären Linken zufiele, zusammen mit andern Kräften der kommunistischen, sozialistischen, MAPU- und allendistischen Basis den ländlichen und städtischen, unregelmässigen und langandauernden bewaffneten Kampf aufzunehmen. DIE POLITIK DES YANKEE-IMPERIALISMUS FUER LATEINAMERIKA UND DIE ROLLE DER MILITAERS Die Arbeitshypothese, die wir skizziert haben, besteht im wesentlichen darin: die Administration Nixon und präziser das Staatsdepartement und das Pentagon haben eine Politik für Lateinamerika vorgeschlagen, die formell die Erscheinung von verschiedenen äusseren Ausprägungen von Regierungen anerkennen würde, die von "repräsentativen Demokratien" bis zu Militärjuntas "à la Peru" reichen könnten, unter Einschliessung auch von Gorilladiktaturen und bürgerlich-reformistischen Regierungen, wann immer irgendeine dieser Regierungsformen deh Charakter des Staates, seiner Institutionen und hauptsächlich der bürgerlichen Armee garantieren würde.

In seinen Erklärungen hat Nixon betont, dass er danach strebt, die Präsenz und Intervention der Vereinigten Staaten in den lateinamerikanischen Ländern zu vermeiden. Heisst das, dass der US-Imperialismus von seiner Intervention auf unserem Kontinent wirklich ablässt ? Das ist offensichtlich nicht der Fall. Seine Politik, darauf gerichtet, die Erfüllung seines Kolonisierungsplans ohne augenscheinliche Einmischung zu garantieren, besteht grundsätzlich darin, die vollständige und absolute Kontrolle über die Streitkräfte jedes lateinamerikanischen Landes zu gewinnen. Es geht schon nicht mehr um die traditionelle Kontrolle wie in früheren Jahren, auch nicht allein um die Ausbildung der lateinamerikanischen Militärs in Panama, sondern auch' um die ideologische und politische Kontrolle über die Oberkommandos der Streitkräfte. Der Imperialismus erreicht diese bedingungslose Unterstützung in dem Masse, wie er den Militärs eine materielle und wirtschaftliche Basis verschafft, indem er die Bedingungen für ihre Verwandlung in Direktoren von Industrien und anderen Unternehmen bereitstellt, ohne dass sie dabei ihren Berufsstatus verlieren müssen. DIE CHILENISCHEN STREITKRAEFTE

Unsere Arbeitshypothese besteht darin, dass es dem US-Imperialismus gelungen war, die Streitkräfte und das Polizeikorps Chiles stark zu durchdringen und zu beeinflussen, dass er es aber bis vor rundein paar Jahre nicht erreicithalle, im Oberkommando der Streitkräfte eine geeignete politische Führung heranzuziehen. Die chilenische Armee ist ausgehend vom 1952 unterzeichneten Pakt für Militärhilfe stark vom US- Imperialismus beeinflusst worden. Die chilenischen Militärs, gleich vielen tausend anderen aus Lateinamerika, begannen - besonders nach der kubanischen Revolution - die antisubversiven Ausbildungskurse zu . besuchen, die in der vom Pentagon in Fort Gulick, in der Yankee-Kolonie Panama, eingerichteten "Militärschule der Amerikas" durchgeführt wurden. Wir möchten noch ausführen, dass die Ideologisierung der herrschenden Klasse bezüglich des "demokratischen und verfassungsmässigen Geistes" der Streitkräfte den Reformismus angesteckt hat, der nun auch den Glauben verbreitet, dass die Armee ein unpartelischer Richter im Klassenkampf sei. Einige linke Persönlichkeiten, durch die Kritik der revolutionäre Marxisten "errötet", argumentieren, dass ihre Lobreden auf die Streitkräfte aus hohen Gründen der politischen Taktik zu verstehen seien, um die militärische Oberhaut nicht zu verletzen. Die Wahrheit ist, dass diese Orientierung nicht nur die massive Ideologisierungskampagne der Bourgeoisie über das "nichtinterventionistische Beispiel des chilenischen Militärs, glückliche Ausnahme in Lateinamerika" konsolidiert, sondern - was schlimmer und fast selbstmörderisch ist - das Proletariat entwaffnet, es zum Nachlassen der Wachsamkeit vor dem Klassenfeind und seinem bürgerlichen Staatsapparat verleitet, scheinbar in Unkenntnis der tragischen Erfahrungen in Brasilien, Guatemala, Iran und vor allem imIndonesien von Sukarno.

Seit dem missglückten "tacnazo" (einem Aufruhr im Regiment von Tacna im Oktober 1969 - bresche) und der darauffolgenden Säuberung der Reihen hat sich nach und nach eine politische Führung in den chilenischen Streitkräften gefestigt, deren Praxis für den Moment nur schwierig näher umschrieben werden kann, die aber - daran zweifeln wir nicht - im Verlauf unseres nationalen politischen Lebens auf kurze Sicht entscheidend sein wird. Jede revolutionäre marxistische Gruppe, welche die neue Rolle ausser Acht lässt, die die Streitkräfte als Teil der gegenwärtigen Taktik des US-Imperialismus für Lateinamerika spielen werden, wird durch ihr Unverständnis eines jeden Schrittes der Streitkräfte und ihrer Beziehung mit den politischen Parteien und der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zum Spielball der Ereignisse. Luis Vitale, September 1970 • Österreichische Sozialdemokratie • Kommunistische Hochschulpolitik • Zur Kritik des "Volk"'sbegriffes und des "demokratischen Kampfes" des Kommunistischen Bundes

Westdeutschland und der MLS • CHILE: Interview mit Vertretern der MIR

Deutsche Erstveröffentlichung)

Kommunistische Theoretische

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JANUAR 1974 CHILE NACH DEM PUTSCH

Die entscheidenden Wochen (vom 29. Juni bis 11, Sept.)

"Was ich in Santiago gesehen habe" Welche Diktatur nhalt Die wirtschaftliche Vernichtung der Arbeiter Das Überleben in Santiago Die Parteien der Unidad Popular am Vorabend des Putsches

Der Putsch und die Parteien der Linken Die Extreme Linke

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